183) Corona-Lektionen 78

So, Ostern wäre nun auch geschafft. Das Wetter war grau, kalt und feucht, für Unternehmungen im Freien eher weniger geeignet. Bestimmt steckt die Regierung dahinter, oder? Die wollen uns wohl alle in den eigenen vier Wänden wissen. Das ist doch offensichtlich! Daher rufe ich nun laut „Freiheit!, Freiheit!, Freiheit!“ und „Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk!“

Tut mir leid, eigentlich wollte ich sachlicher beginnen, ich kann aber nicht anders. In den letzten Tagen stolperte ich wieder durch verschiedene Realitäten, es fühlte sich an, als hätte ich fünf Spielfilme hintereinander geschaut und weiß nun gar nicht mehr, worum es bei denen eigentlich ging.

Lockdown
Das vegane Osterlamm ist vernascht, die Flasche alkoholfreier Osterschnaps steht beim Glascontainer und das CO2-freie Osterfeuer ist auch abgebrannt. Aber ab Morgen ist Schluß mit der Völlerei! Morgen wird zurückgekehrt an den Corona-Verhandlungstisch. Harter Lockdown? Oder das bisherige Stop-and-Go auf Sicht? Oder besser doch alles öffnen bevor die Deutschland AG den Bach runtergeht? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich glaube, dieses Waschen ohne sich nass zu machen bringt’s auch nicht. Da geht der Dreck halt nicht ab. Also dann. Hinein in die Duschkabine, Hebel voll auf kalt drehen und dann Wasser Marsch!

Stuttgart
Apropos „Wasser Marsch“! Die Bilder der Demo aus Stuttgart kann ich nur schwer ertragen. Jeder soll demonstrieren, wenn ihm etwas nicht passt. Absolut ok. Und er soll klar sagen, was er stattdessen will. Vollkommen in Ordnung. Von mir aus. Aber ich kapiere nicht, was sie eigentlich wollen? Ich sehe und höre nur „Stimmt nicht“, „Lügen“, „Fake News“ und „Diktatur“. Aber das ist doch kein Argument, kein Ziel, keine Position. Stattdessen laufen zehntausend Menschen dichtgedrängt und „oben ohne“ durch die Stadt und die Polizei lässt sie gewähren. Jedes Bundesliga-Spiel ist da besser abgesichert. Wenn das Schule macht … oh oh.

Impfung
Aber vielleicht noch was „Positives“. Rund um das Impfzentrum hier in der Nähe war über die Ostertage deutlich Betrieb zu vernehmen. Kleinbusse rollten vom nahegelegenen S-Bahnhof heran, Taxen fuhren mit Licht und Warnblinker vor und setzten die „Impflinge“ am Eingang ab. Bürger mit Zettel in der Hand befragen die Ordner in ihren schicken grünen Westen. 

„Wo is’n hia dit Impfsentrum“
„Isset etwa noch sehr weit?
„Ham ´se och Biontech?

In diesem Sinne. Ärmel hoch!

PS:
Und zum Abschluss noch etwas Humor: Auf der Suche nach einem Urlaubshäuschen bemühen wir die Übersetzungsmaschine. 

Und da steht doch glatt:

„Rote amerikanische Küchenhilfe:
Wenn du unsere rote Küchenhilfe verwenden möchtest, beachte bitte, dass sie aus den USA stammt und einen Adapter benötigt – andernfalls bricht sie zusammen.“

Pahh! Wusste ich’s doch!

<— Corona-Lektionen 77

–> Corona-Lektionen 79

31) New Work – Teil 9

Fortsetzung …

Der Rechner seines ehemaligen Arbeitgebers fuhr herunter und sollte nie mehr erwachen. Zumindest nicht unter Noahs Fingern. Mit dem Laptop gingen auch seine Daten, Projekte und Referenzen. Er war ein „Niemand“. Ein unbeschriebenes Blatt.

Er ging seine Optionen durch. Neuorientierung? Etwas ganz anderes machen? Ja, warum nicht. Aber solche Veränderungen brauchen Zeit. Still war es in seiner Mirco-Flat. Die Stimme aus der Zimmerdecke schien gegangen. Wurde sie auch deaktiviert? Sollte sie nie mehr auf Meetings und Aufgaben hinweisen? Ihm Struktur und Orientierung geben? Noah fühlt sich allein, geht zum Fenster und schaut wieder auf die Dächer des Wohnviertels. Denk nach! Doch dann wird er unterbrochen.

Gong: „Noah, gemäß §11 der Geschäftsbedingungen für virtuelle Zusammenarbeit, bleibe ich als Assistenz-System implementiert und werde auf Arbeitspakete und Abgabetermine hinweisen.

Das war es erst einmal mit dem Nachdenken. Na großartig, erst schmeißen sie mich raus, aber deren diktatorische Abhöranlage bleibt mir erhalten, dachte Noah.

Gong: „Noah, es wurden soeben 14 passende Arbeitspakete ermittelt. Vertragsunterlagen und weitere Instruktionen wurden an deinen privaten Mail-Account verschickt. Interessenten können bis 10:00 Uhr ihre Gebote einreichen.

Er spürt Spannung im rechten Mittelfinger, unterdrückt aber seine Wut. Er startet seinen privaten Rechner, folgt der E-Mail, wählt sich in die Arbeitsplattform ein und überfliegt die Arbeitspakete. Fachlich könnte er sie alle bedienen und sie würden ihn ein paar Tage beschäftigen. Jedes Paket war mit einer Aufwandsschätzung gekennzeichnet, jedoch gab es keine Angaben zur Vergütung. Die Anzahl der Gebote war hingegen für jeden Job sichtbar. Und sie stiegen kontinuierlich an. Noah klickt auf einen dieser Zähler und erhält eine Liste aller Mitbietenden. Martin75, SvenK, Juergen_F und so weiter. Ob er wohl einen von denen kennt? Sind das vielleicht seine Ex-Kollegen? Jeder User Name ist mit einer zusätzlichen Sternebewertung versehen. Bei den folgenden Namen auf der Liste, beginnt er zu ahnen, dass das kein Spaziergang wird.

JamalX, Ranjid_4.0, Santosh2020 und Rajni2. Er schnappt nach Luft. Es scrollt weiter nach unten. Han_04, ShengBao, TianLi und Luan2018. Sie alle tragen 4 oder 5 Sterne hinter ihren Namen. Noahs Account hat hingegen noch keinen einzigen Stern. All diese User haben Gebote abgegeben, aber niemand kann die Gebote der anderen sehen. Den Namen nach, sind das alles Co-Worker aus Asien, die würden nur einen Bruchteil dessen verlangen, was er zum Leben bräuchte. Da kann er ja gleich einpacken. 

Oder wurden diese Identitäten nur erfunden, um sein Gebot zu drücken?
Was kriegen denn die anderen User von ihm zu sehen?
Gibt es überhaupt andere User die mitbieten?
Ist er vielleicht ganz allein hier?

… Fortsetzung unten

<— Zum Anfang der Serie

<— New Work – Teil 8

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4) Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Liebe Leser, die Stimmung dieser Tage ist nicht allzu üppig. Es gibt aber auch positives zu berichten. Hermann war beim Impfen und berichtet „live“. Aber lest selbst. Es geht aufwärts!

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Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Verrückt, vor 5 Monaten habe ich hier dem Flughafen Tegel tschüss geschrieben und heute 9:30 Uhr stand ich mit ca. 300 anderen „best agern“ vorm früheren Touristen-Terminal C an, um hineinzukommen.

Der Parkplatz P5 war voll wie zu „alten“ Flugzeiten; die Leute allerdings ohne Gepäck, schön mit Maske und auf ca. 2 m Abstand. Sonnenschein, gelockerte Stimmung, nette Kurzgespräche mit den Anstehnachbarn.

Aber wie das?
Ich bin knapp 69 und wäre erst in etwa 2 Monaten zum Anti-Corona-Schuss dran gewesen. Nach dem Astra-Durcheinander hat der Senat schnell gehandelt und eine Hotline eingerichtet, wo man ohne die geordnete Einladung als 60-69-Jährige(r) telefonisch buchen und die vorhandenen Mengen Astra-Stoff bekommen kann.

Am Donnerstag erzählte mir meine Frau davon (im Radio gehört), ich hab´s aber in der Dauer-Corona-Benachrichtigungswelle nicht ernst genommen oder nur halb hingehört. (F1)

Freitag nachmittag fragte die Tochter, ob ich denn schon den Corona-Link von ihr gelesen hätte. (als Smartphone-Privat-Verweigerer leere ich normalerweise meinen E-Mail-Briefkasten am PC nach dem Frühstück). Diesmal nicht! (F2). So hat ihre Nachfrage meine Nachlässigkeiten (F1) und (F2) kompensiert und ich hatte doch noch die Chance zur Schnellbuchung und habe tatsächlich gegen 18:00 Uhr einen Termin für heute (!!!) 9:45 Uhr im Impfzentrum Ex-Airport Tegel buchen können.

Und so lief es dann ab

Gegen 9:15 Uhr Ankunft (wegen möglicher Nachwirkungen habe ich die Frauen und den Quasi-Schwiegersohn gebeten, mich zu chauffieren; bei einer Grippeschutzimpfung machen wir nicht so viel Action, aber Corona… ja, ist halt etwas Besonderes). Ca. 300 Leute standen vor mir, nach etwa 30 Minuten war ich drin. Überall Helfer, Security, Ordner, DRK-Leute, einige Soldaten. Man wird ständig geleitet, „ausbüchsen“ geht nicht (warum auch?) und wenn man folgsam ist, versteht man auch den Sinn der Schritte. Z.B. gibt es nach der Dokumentenüberprüfung und vorm eigentlichen Impfakt noch Wartebereiche als Puffer. Mein Wartebereich war auf ca. 40 Leute ausgelegt, Stühle auf 2 m Abstand, beim Eingang wird ein Stuhl zugewiesen (eine Frau wollte gern einen anderen Platz haben, der „Aufpasser“ blieb aber freundlich und deutlich bei seiner Zuweisung). Ebenso mit System bittet ein anderer Helfer den nächsten Impfling in die eigentliche Impfstraße und weist dort eine Kabine zu. Je nach Zeitaufwand gibt es Parallelstationen. So geht alles schön der Reihe nach und ist auch recht entspannt. 
Kurzes Gespräch mit dem Betreuer vor der Impfung: er arbeitet sonst in der Organisation für Musikveranstaltungen und ist froh, einen guten und nützlichen Job zu haben, netter Kerl.

10:30 Uhr ruhiges, ausreichendes Gespräch mit dem Impfarzt und dann der Schuss. Danach bis 11:00 Uhr im Abspannbereich, falls irgendetwas wäre. Freundliche Verabschiedung mit Schoko-Osterhasen.

Draußen wieder (immer noch ca. 300 Leute beim Anstehen in der Sonne), also der Durchlauf klappt.

Das Beste: alle leicht positiv aufgekratzt, freundlicher Umgang, kein Gemecker, so waren auch die vielen Helfer zwar konzentriert bei der Sache, aber auch immer nett und entspannt.

Kein Wunder: die Leute, die dort hingehen, freuen sich auf den Piekser!

(Jetzt 18:30; bisher gar keine Nachwirkungen)

Ende Gastbeitrag

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Also Leute, bleibt cool!
Und die Chancen stehen gut, dass ich dann doch noch mal nach Tegel komme. 😉

45) Postkarte aus Indien

Karfreitag. Schon 07:00 Uhr wach. Corona. Na großartig.
Was kann man anstellen an diesem pandemischen Feiertag?

Fenster putzen? Steuererklärung vorbereiten? Ablage machen? Schlitten und Eiskratzer verstauen? Smartphone upgraden? Bilder sortieren …

…und ein bisschen zurückdenken … oh ja!!!

Ein Jahr zurück? Nee, bloß nicht!
Zwei Jahre zurück? Schon viel besser.

Anfang April 2019 bildeten sich in der Wohnung diverse Stapel, die sich immer dann bilden, wenn es auf Reisen geht. Klamotten, Dokumente, Reiseführer, Technik, Sonnenschutz und so weiter. Denn es sollte nach Indien gehen. Mit Kind und Kegel.

Ich habe für euch ein paar Bilder aus Delhi, Agra und Goa ausgesucht, die mal aus anderer Perspektive aufs Land schauen.

 

Gandhi ist überall …

 

Verkehr gibt es reichlich …

 

An Kultur und Geschichte mangelt es auch nicht …

 

Und so lässt es sich aushalten 😉

Die anderen Postkarten dieser Reise:

182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten
Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte eine Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

<— Corona-Lektionen 76

—> Corona-Lektionen 78

181) Corona-Lektionen 76

Nachdem ich mir gestern die Wochenbeiträge der Herren Ehring, Nuhr, Welke und Böhmermann nacheinander reingezogen habe, ist mir heute irgendwie nicht danach, die Corona-Politik zu kommentieren. Stattdessen möchte ich heute mal wieder den kleinen Dingen des Corona-Alltags widmen.

Gewohnheiten
Nur mit Vernunft und Appellen ist der Krise nicht Herr*In zu werden. Die Menschen können das nicht. Sie fallen immer wieder in alte Verhaltensmuster zurück. 

Meine Beobachtungen der Woche:

  • Dem Korb-Zuteiler im REWE juckt die Nase. Also setzt er seine Maske ab, rubbelt sich mit der rechten Hand kräftig über seinen großen Riechkolben. Dann setzt er die Maske wieder auf, greift mit der rechten in den Stapel der Körbe und teilt weiter Körbe zu.
  • Beim Döner-Mann lädt das schmale Döner-Fenster zur Döner-Bestellung ein. Der Döner-Kunde steckt also den unmaskierten Kopf durchs schmale Döner-Fenster und brüllt seine Döner-Bestellung in Richtung Döner-Spieß. ABA OHNE SWIEBEL BÜTTE!
  • Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, das Reisen in den Ostferien zu vermeiden. Die Tiefgarage ist halbleer, Nachbarn werfen ihre Koffer in den SUV und brausen davon. Ich sollte mal das Radio einschalten, vielleicht habe ich eine Aufforderung zur Evakuierung verpasst?

Selbsttests
Der Sohn hat eine handvoll Selbsttests von der Schule bekommen. Ganz aufgeregt will er unbedingt einen Test machen und wir gönnen ihm diese „Experience“. Er packt das Test-Kit aus und folgt den Anweisungen. Auf mich wirkt das alles wie eine Mischung aus Briefwahl, Überraschungs-Ei und Fixer-Besteck. Auf der Video-Plattform rät man dazu, eine Wäscheklammer dazu zu nehmen. Oh je, jetzt erfolgt wohl der nächste Run. Auf Wäscheklammern. Nach 15 Minuten rennt er wie ein Weltmeister durch die Wohnung. Ich bin negatiiiiiiiiiv. Juhuu, ich biiiiiiin negaaaatiiiiiiiiv!

Ich: Man, jetzt sei doch nicht immer so negativ!

Corona-Bar
Bei uns um Flur steht eine Kommode. Die lädt gerade dazu ein, Schlüssel, Briefe, Fahrradhelme und Pizza-Flyer dort abzulegen. Seit dem letzten Jahr nutzen wir das Schwedische Möbel auch als Corona-Bar. Im Frühjahr 2020 lagen dort die selbstgenähten Masken, dann kam Desinfektionsmittel dazu, dann OP-Masken, dann FFP2-Masken und nun liegen da nun auch noch Schnelltests. Und eine Wäscheklammer. Wie vor einem Schaukasten, kann man wunderbar die technologischen Fortschritte der letzten 12 Monate bewundern. Es sieht aus wie in einem Corona-Museum. Oder Feldlazarett.

So, und noch was „positives“ zum Schluss. Im Familienkreis wurden die ersten Impf-Einladungen an die „um die 70-jährigen“ verschickt. Es geht also vorwärts.

Haltet durch!

<— Corona-Lektionen 75

—> Corona-Lektionen 77

180) Corona-Lektionen 75

Die 75. Folge der Corona-Lektionen ist da! Hätte ich ja nie gedacht. Bereits bei der 30. Ausgabe formulierte ich eine gewisse Sättigung und flüchtete mich abschließend in Humor. Aber wie fange ich den Beitrag hier heute nun an? Mhm. Ich habe eine Idee. Ich schreibe einfach ganz wenige Worte, nur Fragmente eigentlich und garantiere Emotionen pur. Aber lest selbst.

Osterei
Osterfeierta … Reisen … Mallorc … Lüneburger Hei … Gründonn … Zusätzlicher Ruheta … MPK … Beschlüsse … Fehler.

Na, dampft es im Kessel? Glaube ich gern. Es hat mich gerade mal 10 Begriffe gekostet und ich habe eure volle Aufmerksamkeit. Jeder BWL-er macht einen Luftsprung bei soviel Effizie …. Effektivi … im Affekt. Es wurde schon viel geschrieben, ich will nicht weiter bashen. Vielleicht trotzdem ein wenig anerkennen, dass die Kanzlerin so kurzfristig zurückrudert. Das gibt es auch nicht alle Tage. Respekt.

Dubai
Während wir also drüber diskutieren, ob wir die Urlauber wirklich nach Malle schicken sollten, damit die sich da gegenseitig anstecken und mit Corona-Gepäck wieder heim ins Reich fliegen, wird mein Beitrag > Postkarte aus Dubai vermehrt geklickt. Es müssen wirklich Deutschsprachige Reisende sein und meine Blogstatistik lokalisiert die Leser ganz klar in VAE. Was machen die da? Sind das diese O-P-Q-bis R-Promis, die sich da die Sonne auf die verblassten Mund-Nasen-Partien scheinen lassen? Na macht mal! Ich beneide euch nicht! Viel zu viel Sand, Wolkenkratzer aus Glas, kein gescheites Bier und eine fragwürdige Auffassung zu Gleichstellung und Nachhaltigkeit. Nee. 

Und täglich grüßt …
Routinen verschaffen Struktur und Ordnung, sagt man. So laufe ich jeden Morgen meine Standardrunde und sehe …

  • abgerockte > Sachspenden, die sich in der Nacht an Hauswände gelehnt haben
  • viele > Fahrradskelette, die ihrer Sattel und Lenker beraubt wurden
  • graue Gestalten, die schon um 07:30 pünktlich vorm Netto stehen. Moin. Plopp. Prost.
  • Hobby-Sportler, die sich von einem Personal Trainer triezen lassen
  • Mutti‘s, die Ihre Prenzl-Berger Brut in riesigen Holzkisten zur Schule kutschen oder im fetten SUV dort absetzen (> Kids-Drive In, > SUV im Prenzlauer Berg)

Und abends drehe ich dann noch eine Runde und treffe immer wieder auf die selben Situationen…

  • bei Hausnummer 60, strömt der Duft indischer Küche aus der Hochparterre. Och, lecker
  • an jeder Laterne hängen Zettel, die nach Schlüsselbunden, Hunden oder Wohnungen suchen
  • auf den Wegen liegen > E-Roller, die rot-oder grün leuchtend auf Kundschaft warten
  • am jüngst eröffneten Juppi-Neubau wurden die Scheiben eingeschlagen
  • bei Hausnummer 4 wieder mal Nebelschwaden. Brennt es? Nee, ist Cannabis. Na denn.

Alles in geordneten Verhältnissen.

<— Corona-Lektionen 74

> Corona-Lektionen 76

3) Postkarte aus … Pick-Up (Gastbeitrag Hermann

Liebe Leser, zu dieser Stunde diskutieren unserer Volksvertreter immer noch, ob wir nun zu Ostern verreisen dürfen und zu wem und wozu eigentlich. Da wir anscheinend noch etwas länger auf die leeren Stühle in der Presse-Konferenz glotzen werden, hier noch etwas Unterhaltung für zwischendurch und ein paar heiße Tipps für vergnügliche Oster-Reisen.
Ach ist das spannend, oder 😉 ?
Grüße, T.

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Corona–Ausflug in Berlin – Gastbeitrag von Hermann

T. hat uns ja mit Postkarten aus aller Welt an seinen Reisen und mit seinem wöchentlichen Corona-Tagebuch am aktuellen Alltag teilhaben lassen. 

Corona und Reisen – eine wahrhaft explosive Mischung – habe ich gestern auf ganz kleiner Flamme erlebt und sogar ein bisschen genossen.

Für eine kleine Heimwerkerei brauchte ich etwas Material, bestellte übers Netz bei einer bekannten Baumarktkette zum Abholen. Die Lieferei ist eh schon überlastet, die lokalen Werktätigen wollen ja auch was tun und das Auto sollte auch mal bewegt werden.

Zu diesem Mikro-Ausflug kam meine Frau mit, denn sie wollte mal was Anderes sehen, als Haus und Garten am Stadtrand.

Die Abholung ging schnell, neu waren auch Kunden mit Termin und sogar ohne Termin, dann mit extra- Registrierung. Baumärkte sind ja wegen Garten….. teilgeöffnet. Es gab  keinen Andrang, aber grad leer war es auch nicht, samstags gegen Mittag.

Und nun, mit der Beute schnell wieder nach Hause? 

Nein, wir machen einen kleinen, ökologisch verwerflichen und auch sonst nutzlosen Schlenker in Richtung Stadt (als Stadtrandler „fahren wir in die Stadt“, wenn wir uns in Richtung City bewegen). 

Am Tierpark vorbei (wäre mal ein Corona-Ausflugsziel), wie früher, dann mit den Kindern, heute mit den Enkeln, braucht aber gutes Wetter und aktuell eine time-slot-reservation.

Stadtteil Karlshorst, Treskowallee habe ich die letzten Jahre als Autofahrer gemieden, ewige Baustelle, nervige Staus – siehe da: FERTIG! Straßenbahn verlegt, S-Bahn-Brücke fertig, toll.

Weiter über die „Rummelsburger“, da stehen etliche neue Townhouses – nichts für Geringverdiener, weiter zum Ostkreuz. Eine langjährige Bahnhofsbaustelle – auch FERTIG!

Damit es keine Ganztagstour wird, über die Spree zurück, Kurs heimwärts. Treptower Park, Baumschulenweg nichts Neues an der Strecke. 

Schöneweide , Wilhelminenhofstraße, vor 100 Jahren eine Säule von Elektropolis, als Berlin das Weltzentrum der Elektroindustrie war. Heute restaurierte Backsteinindustriehallen, ein großes AEG erinnert an die Gründer. Das Industriegleis längs der Straße, mit dem noch vor 40 Jahren Großtransformatoren und Kabeltrommeln verladen wurden, ist weg und heute ein Radweg. Nix mehr Großproduktion. Abgewandert gen Westen oder wegglobalisiert.

Weiter durch die Ostendstraße, vorbei am früheren Werk für Fernsehelektronik, in dessen Bildröhrenwerk ich in den 70er öfter mal gejobbt habe als menschliches Bindeglied zwischen Hängeförderern und Bearbeitungsstationen. Mann, waren die Glasbildröhren schwer!

Weiter durch Köpenick, immer noch vertraut, aber beim Autofahren muss man höllisch aufpassen, denn die Straßenbahnhaltestellen sind teilweise komplett auf die eigentliche rechte Fahrspur gebaut und so erhöht, dass man barrierefrei direkt in die Straßenbahn rein kann. Für die ÖPNV-Nutzer prima, für mich in meinem kleinen koreanischen Corona-Käfig (Auto) manchmal „tricky“  — Zeichen der Veränderung.

Zum Abschluss der Mini-Tour gab es einen leckeren Döner vom Imbiss an unserer 
S-Bahnstation.

…… wie eingangs gesagt: ein kleiner Ausflug, den wir ohne Corona wohl nicht gemacht oder nicht so wahrgenommen hätten.

Vielleicht ein Tipp an die Mitleidenden, die eigene Umgebung wieder zu entdecken und die Veränderungen dort als Teil unseres Lebens (auch) zu genießen.

Foto: Ausschnitt einer Abholinformation der Firma Hellweg

179) Corona-Lektionen 74

Eine Einleitung verkneife ich mir heute mal. Ich will direkt einsteigen

Ganz charakteristisch für die aktuelle Zeit finde ich, wie schnell sich eine Information oder ein Zustand wieder in Luft auflöst.

Halbwertzeiten
Erst war ein Impfstoff nicht verfügbar, dann wurde er geliefert, aber taugte noch nicht für die Alten. Für Erwachsene freigegeben, wurde er jedoch verschmäht und lag sogar auf Halde. Andere wollten den Stoff sofort abnehmen, waren aber noch nicht dran. Dann traten Blutgerinsel auf und die Verimpfung wurde gestoppt. Der Stopp wurde wieder aufgehoben, die Praxen sollen nun endlich einsteigen. Es fühlt sich an, als diskutieren wir das schon seit Monaten. Stimmt aber gar nicht. Der Impfstoff wurde gerade mal vor sieben Wochen zugelassen, nur die Informationsmenge, die reicht für Monate.

Letzten Sonntag schrieb ich hier noch, dass die Tochter wieder in die Schule gehen darf. Dabei hatte ich mich doch glatt geirrt. Nach Ostern soll es so weit sein und ich überlegte, ob ich die Passage im Beitrag korrigieren sollte. Aber auf was genau? Was gilt denn eigentlich gerade? Ist die Zukunft nicht bereits schon wieder Schnee von gestern?

Vor ein paar Tagen wurde „Click and Meet“ erfunden und ich spielte mit dem Gedanken, mir auch mal so einen Termin zu verschaffen. Einfach mal was anderes sehen. Aber bevor ich mich überhaupt für einen Shop entschieden habe, wird nun schon gemunkelt, dass Konzept wieder herunterzufahren. Ein harter Lockdown erwartet uns. Schon wieder? Oder noch?

Ich komme nicht mehr mit. Ich würde gern mal 12 Wochen in Narkose gehen. Ich würde vermutlich nichts verpassen.


Nostalgie, Zwiegespräche und News-Detox
Am Freitag hatte ich noch etwas Zeit bis zu den Spätnachrichten. Ich stolperte über ein Depeche Mode Konzert von 2006 und stieg ein. Wogende Menschenmenge, Licht, Jubel, Mädels auf den Schultern ihrer Kerle. Wie aus einer anderen Zeit.

Das Intro zu „Behind the Wheel“ trommelt und die Menge tobt. 
Ich wippe mit und schaue auf die Uhr. 
„Oh die Nachrichten gehen gleich los. Ich sollte mal langsam umschalten.“

„Nein …, eine kurzen Moment noch“.

Wenig später dann „World in my Eyes“. Die Leute flippen aus.
Ich auch. Und hörte mit Corona-Ohren zu.

Let me take you on a trip
Around the world and back

‚ll take you to the highest mountain
To the depths of the deepest sea

Let me show you the world …

Und dann stand mir das Wasser in den Augen

Wieder der Blick auf die Uhr. Die Nachrichten haben bereits begonnen. 
„Jetzt müsste ich aber wirklich langsam mal …“

„Gleich … warte … ein bisschen genießen noch“

Es folgt die erste Zugabe mit „Judas“, einer Ballade.

Man will survive
The harshest conditions
And stay alive
Through difficult decisions

“Oh, gleich haut es mich aus der Kurve, ich sollte jetzt wirklich besser zu den Nachrichten …, sonst …“

„Nee, warte, es geht gleich wieder bergauf“

Zum Schluss dann „Never let me down again“.

We’re flying high
We’re watching the world pass us by
Never want to come down
Never want to put my feet back down on the ground

Wie recht sie doch haben, Applaus, Abgang, Wahnsinn.


Dann schaltete ich endlich zu den Nachrichten.
So, das war das Heute-Journal, hier geht es nun weiter mit dem Wetter.


Das waren die besten Nachrichten seit Wochen 😉

<— Corona-Lektionen 73

—> Corona-Lektionen 75


64) Tach, Post!

Habe ich mich neulich noch in > „63) Kein Schwein schreibt mich an“ beklagt, dass ich keine Briefe mehr bekomme, wurde ich heute regelrecht zugespamt. Ich kam vom Corona-Freigang zurück und warf einen Blick in den Briefkasten.

Stolz standen dort vier Sendungen, aufrecht hintereinander und voller Geltungsdrang. Jedes Papier wollte das erste sein. Ich hatte keine Zeit, also griff ich den Stapel und warf ihn oben in der Wohnung erst einmal auf … na ja … so eine … Fläche … die wohl jeder zu Hause hat. Kommode, Arbeitsplatte oder Schuhschrank eben. Oder öffnet ihr etwa immer gleich alle Briefe, überweist sofort irgendeinen Betrag und heftet danach alles schön sauber ab? Echt? 

Jedenfalls nahm ich den Stapel am Abend zur Hand und blätterte ihn nacheinander durch:

Zuerst fiel mir ein Postkarte vom SPD-Kiezbeauftragen Toni Scheitel in die Hand. Er schlug Kaffe und Kuchen vor und dabei könnten wir ja mal reden. Ich müsste ihn nur einladen, Kaffee und Kuchen würde er mitbringen. Mit Kaffee und Kuchen kann man mich nun aber gar nicht locken. Geht vielleicht auch eine Bratwurst mit viel Senf??

Danach ein Gutschein eines Hamburger Versandhauses. Das gab es übrigens schon lange vor den Amazonen. 13 EUR würde ich geschenkt kriegen, wenn ich bis 10.04.2021 etwas bestelle, was über 29 EUR kostet. Anscheinend bin ich mit denen schon mal auf einer Party versackt, denn sie duzen mich. Kann mich gar nicht erinnern.

Nummer Drei war ein Flyer, in dem man mir anbot unsere Wohnung perfekt zu entrümpeln. Haushaltsauflösungen, Sperrmüllentsorgung, spezialisiert auf Messi-Wohnungen und Nachlassentsorgungen. Ich schaute kurz auf und warf einen zweifelnden Blick durch die Wohnung. Also so schlimm, sieht’s hier nun auch nicht aus. Sicherheitshalber tastete ich mal meinen Puls. Ging noch.

Zu guter Letzt noch eine Rechnung von einem Labor. Mein Blut wurde untersucht und nun bekam ich drei Seiten Papier, die sich lasen wie das Periodensystem der Elemente. Der Doktor hat es mir übersetzt mit „alles im grünen Bereich“. Na dann, danke für die guten Nachrichten! Dann kann ich den Flyer der Entrümpelungsfirma erst einmal zum Altpapier legen. 

Puh… 😉