542) Ein bisschen Frieden?

Heute hatte ich die Gelegenheit, die Ausfallstraße B1 einmal raus aus der Stadt und dann wieder rein zu rollen. Alle paar Meter stand irgendeine Werbetafel, nun kommen auch noch die Wahlplakate zur anstehenden Europawahl hinzu. Man braucht keinen Podcast hören, man hat dieser Tage entlang der Strecke immer genug zu lesen. An der Lichtenberger Brücke fiel mir ein Wahlplakat der AfD auf. 

Eine kitschige Friedenstaube auf blauem Grund mit der Aufschrift „Frieden schützen“. Was ist denn mit denen los?, grummelte ich in mich hinein. Haben die etwa einen Malwettbewerb an einer Grundschule veranstaltet ?

Ein paar hundert Meter weiter, bei Biesdorf, folgte dann ein Plakat der SPD mit dem Slogan „Frieden sichern“. Häh, stand auf dem AfD-Plakat nicht eben dasselbe? Haben die etwa auch einen Malwettbewerb … oder den gleichen Texter … das kann doch nicht sein, oder?

Aber nein, beide Slogans klingen recht gleich, auf jeden Fall irgendwie friedlich, unterscheiden beim Nachdenken doch deutlich. „Frieden sichern“ heißt doch, verschiedene Maßnahmen einzuleiten, um Frieden zu „erhalten“ … oder wieder zu „schaffen“, auch wenn das nicht auf dem Plakat stand. Zum Beispiel über Diplomatie, Wirtschaftssanktionen und leider auch Waffengewalt, wenn es sich nicht vermeiden lässt. „Frieden sichern“, heißt für mich auch, notfalls unpopuläre Maßnahmen einzuleiten, auch wenn die mit den eigenen Werten nur schwer in Einklang zu bringen sind und die können durchaus auch an anderen Orten nötig sein. Auf jeden Fall verstehe ich das als aktive Beteiligung am Geschehen.

„Frieden schützen“ dagegen, klingt für mich eher passiv. Der Frieden ist scheinbar hier im Vorgarten, und da bauen wir dann eine große Mauer drum, setzen einen Wachhund davor und misstrauen grundsätzlich erst einmal jedem, der am Tor steht. Wer rausgeht, lebt gefährlich, Ferne und Fremde gilt es besser zu vermeiden und wieso, weshalb, warum … das erzählt der TikTok-Maxi K. den deutschen Jungs kurz vor dem Sandmann. Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs dann aber auch noch die Geschichte vom Wolf im Schafspelz hören.

„Unser Land zuerst“ stand auf einem weiteren AfD-Plakat eine Laterne weiter. Mit dieser billigen „America first“-Kopie haben sie meinen Gedankengang zu „Frieden schützen“ bestätigt.

Traurig eigentlich, dass wir den Wahlkampf der AfD und diesen Bullshit auch noch mit unseren Steuergeldern finanzieren müssen.

541) Termin beim Amt – jetzt erst Recht!

Zum Amt? Schon wieder? Ja schon wieder, denn im Herbst brauche ich vielleicht einen Pass, der dann auch noch ein weiteres halbes Jahr gültig ist. Und dafür begibt man sich in Berlin besser bald auf Termin-Jagd.

Die Benutzerführung der „Online-Terminvereinbarung“ ist noch genauso grottig wie >letztes Jahr. Ein Feature haben sie aber neu dazugebaut. Man kann die Seite nun nicht mehr pausenlos „refreshen“, nein, man muss nun eine Minute warten, um eine neue Abfrage starten zu können. Währenddessen glotzt man auf einen Countdown. Schön, dass sie an die Stabilität der Server denken, die Stabilität der Bürger scheint nachrangig.

Wenn man meint, man kann während des Countdowns in einem anderen Browser-Fenster arbeiten, kann man das tun, der Countdown läuft dann aber 50% langsamer in der Zeit. Habe ich nachgemessen.

Auf diese Weise versuche ich nun schon seit Tagen immer mal wieder, einen Termin zu ergattern. Aus Griechenland war mir der Zugang zu den Terminen sogar gesperrt. Und ob das nicht schon alles nervig genug wäre, empfinde ich es als Frechheit, was da so teilweise drumherum geschrieben steht:

Ein paar Auszüge:

„Die Auswahl “Termin buchen” führt Sie nun direkt zu dem Kalendermonat, in dem ein Termin frühestens buchbar ist. Sie müssen sich nicht mehr manuell zu einem Monat mit freien Termin durchklicken.“
-> Blödsinn. Es werden eh nur zwei Monate angezeigt, das muss man sich überhaupt nicht „manuell zu einem Monat durchklicken“. Schön wär‘ es ja.

„Sollte für Ihre Auswahl kein Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie die Terminsuche wiederholen können. Mehr dazu unter: Es ist nichts mehr frei, was nun?“
-> Klick ich drauf.

„Wählen Sie auf der rechten Seite – Termin berlinweit suchen – und Sie erhalten eine Kalenderansicht mit den frühest möglichen Terminen in der alle Standorte, die diese Dienstleistung anbieten, berücksichtigt sind.
-> Ja meint ihr im Ernst ich habe meinen Bezirk selektiert? Ich bin schon davon ausgegangen, dass ich mich mit einem 50 Kilometer-Radius über ganz Berlin begnügen muss und habe „Alle Bezirke“ gewählt.

„Sie können die Terminsuche auch örtlich einschränken. Dazu wählen Sie unterhalb der Dienstleistungs-Beschreibung direkt einzelne Standorte aus oder suchen innerhalb eines Bezirks.“
-> Völlig, albern. Siehe oben

„Termine können im Kalender nur an blau markierten (= freien) Tagen gebucht werden. Rot markierte Tage sind ausgebucht.
-> Also da ist eigentlich immer alles rot. Wenn man Glück hat, flackert mal ein Tag in blau auf, wählt man ihn aus, kommt dann aber schon wieder sehr schnell eine Sorry-Message „da war wohl jemand schneller“ … Ha ha ha …

„Sollte für Ihre Auswahl kein einziger Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie nach einer Minute die Terminsuche wiederholen können. Eine häufigere Terminsuche hätte keine höheren Erfolgsaussichten und würde das Terminbuchungssystem belasten.“
-> Von mir aus soll das Ding anfangen zu qualmen. Wenn mein Team so etwas ausrollen würde, würden wir zu ernsthaften Gesprächen gebeten. Und irgendwie vermisse ich da schon wieder ein Komma.

„Die Ämter aktualisieren ihre Terminressourcen in der Regel am frühen Vormittag, sobald Daten über die tatsächliche Personalverfügbarkeit vorliegen. Aufgrund von Terminabsagen oder Kontingenterhöhungen kann sich ein regelmäßiges Nachschauen lohnen, um auch mal sehr kurzfristig einen Termin zu bekommen.“
-> Ja, kurzfristige Termine wurden ab und zu angezeigt, aber Termine noch am selben Tag kann ich nicht wahrnehmen, bisschen was zum Arbeiten habe ich ja auch noch.

Ich hätte einen Vorschlag:
Jetzt, wo Marihuana schrittweise legalisiert wird, haben die Dealer in den Parks doch freie Kapazitäten. Sollen die doch mit Terminen handeln!

PS: am Montag war ich nun erfolgreich. Mit drei Geräten gleichzeitig, habe ich diesen blöden Countdown gedribbelt und mir einen Termin ergattert. Anfang Juni in Berlin Neukölln.

Das schreit schon nach einem neuen Beitrag.

Das letzte große Erlebnis im Frühjahr 2023:

540) Guck‘ mir nich‘ in die Tüte!

Der Supermarkt um die Ecke, hat sich wieder was Neues einfallen lassen. Dort aufgebackene Brote gibt es nur noch abgepackt in Tüten, deren Sichtfenster eingetrübt wurden. Man kann nicht mehr „rinkieken“, würden wir Berliner sagen. Vorher war die Folie klar und durchsichtig, nun habe ich eigentlich gar keine Ahnung, was ich da greife. Ich muss nur die Etiketten lesen und dem Ganzen auch noch vertrauen. 

Das gleiche gilt, wenn ich mir ein paar Brötchen aus den Fächern angele und in diese Tüten stopfe. Damit gehe ich dann ganz stolz zur Kasse und lege die Tüte aufs Band. Die Kassiererin kann den Inhalt aber auch nicht ertasten, muss die Tüte also aufmachen, in die Tüte hinein schauen, … hoffentlich nicht niesen …, die Tüte wieder schließen, um so das Warenwirtschaftssystem glücklich zu machen

Was soll das? Wer ist denn auf diese Idee gekommen?

  • Sind die Tüten mit milchfreiem Milchglas etwa billiger?
  • Lässt sich damit das Backwerk vom Vortrag besser verkloppen?
  • Sind die vielleicht politisch korrekter, weil es dann nicht drauf ankommt, wie weiß oder braun ein Brötchen ist? Ob es eine Schiefstellung hat, ein optischen Makel oder zu viele Körner?
  • Geht’s ums Geschlecht? Sollen auch hier der „Knüppel“, die “Schnecke“ und das „Hörnchen“ dieselben Voraussetzungen haben?
  • Oder geht’s etwa um Datenschutz? Damit keiner sieht, was ich in meine Tüte gepackt habe?

Meine Güte …
… das sind Lösungen …
… für Probleme …
… die wir nicht auf der Tüte hatten.

Nachtrag 16.04.24 20:00 Uhr: danke an Hermann für die Aufklärung unten im Kommentar. So sieht das natürlich alles ganz anders aus. Hätte man ja auch mal erklären können.

Beim Schreiben fiel mir wieder ein Beitrag aus 2019 ein, bei dem ein paar Schüler die krümelnden Backwaren einfach aufs Band klatschten. Wegen der Umwelt. Sehr schön —> 44) Krümel for Future

539) Screenschrott 6 – Bunte Mischung

Ach ja, einen Screenshot machen zu können, ist sicher einer der besten Erfindungen neben Geschirrspülmaschine, Küchenrolle und Klebeband.

Screenshots mache ich Dutzende am Tag, möchte mir das gar nicht ohne vorstellen. Und weil man damit quasi seinen Bildschirm abfotografieren kann, kann man auch allerlei Schwachsinn und Wortungeheuer fotografieren und man fragt sich, ob man vielleicht mal die Scheibe putzen sollte.

Hier ein paar Fundstücke aus den letzten Monaten:

Bei der Suche nach einem Appartement für meine Reise nach >Bengaluru vertrödelte ich viel Zeit auf einer mir zugewiesenen Booking-Plattform. Also 3.200 Rupien pro Nacht ist ein Schnäppchen, aber 3.969 EUR per night ??? … also ich wollte die Hütte nicht gleich kaufen.

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Bei dem Laden hier, handelte es sich vermutlich wirklich nicht um einen Anzeigefehler. Die meinen das ernst. 1.350 EUR draufzahlen, um Business von Berlin nach Bengaluru zu fliegen und zurück noch einen Tausi drauf? Verständlich, ist geht ja auch nach München und nicht nach Berlin.

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Bei den Griechen kann ich nur erahnen worum es geht, aber das muss ein Deep-Fake sein. Es gibt scheinbar kein Gyros, kein Souvlaki und kein Tsatsiki an Bord. Kann nicht sein.

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Hier hatte ich letztes Jahr mal ein paar Covid-Tests bestellt und die schlaue Amazone, hielt auch Socken, Staubsauger und Schwangerschaftstests angebracht. Sollte ich mal beim RKI nachfragen?

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Beim großen Gemüseladen aus Palo Alto verzichtet man besser auf Bilder, sondern schwurbelt von „Dankbarkeit praktizieren“ und „Wohlbefinden steigern“. Nach dem iOS Update ging es mir gleich viel besser.

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Hier dagegen ist man sehr sparsam mit Text und von „Windows“ halten die auch nichts.

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Hier wollte ich eigentlich mal nach den aktuellen Nachrichten schauen und mir blieb fast der Prozessor stehen. Ein Bild sagt zwar mehr als tausend Worte, aber das Kleingedruckte lesen, beruhigt manchmal ungemein.

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Hier hat man schon wieder Großmachts-Phantasien. Die Schweiz wird einfach überrollt.

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Im folgenden Beitrag ging es um Bildung. Man sei noch weit weg von „Weltbester Bildung“, messerscharf beobachtet.

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Mit mehr Bildung kommt hoffentlich auch Sprachförderung. Ja bitte mehr Geld investieren!

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Das war‘s heute, mehr dann beim nächsten Mal 😉

<— 478) Screenschrott 5 – Nepper, Schlepper, Fehlerfänger

—> 575) Screenschrott 7 – dritte Zähne

538) Warum nicht einfach … hierbleiben?

Die Frage stelle ich mir wieder einmal, denn es geht auf das Ende des Urlaubs zu. Aber Vorsicht, Triggerwarnung! Der nachstehende Beitrag könnte bei Arbeitsrechtlern, Betriebsräten, Gewerkschaftlern, Steuer- und Sozialversicherungs-Experten, Kultusministern und Lehrern zu Schnappatmung führen. Trotzdem, ich bin hier im Urlaub und das ist mein Blog, also darf ich drüber nachdenken … und davon träumen.

Und ich fange damit bei mir an, nicht des Ego‘s Willen, aber wenn es bei mir schon nicht ginge, dann können wir es gleich vergessen. Also, bei mir würde das quasi sofort funktionieren, ich müsste nur einmal kurz nach Berlin etwas Krempel, Technik and Klamotten nachholen, ein paar Dinge organisieren und könnte in 4-5 Tagen hier anfangen. Meine Kollegen sitzen eh auf der Welt verstreut, völlig egal also auch, wo ich sitze. Wenn alle 3-4 Monate ein Workshop oder anderer Event ansteht, kann ich da auch hinkommen, der nächste große Airport befindet sich bei Athen nur 2,5 Stunden von hier. Nicht weiter als von Dresden nach Berlin. Dann würde ich gleich 7-10 Tage in der Heimat bleiben, mal beim Doktor vorbeischauen, Freunde und Familie besuchen.

Und könnte das Modell für die Kids funktionieren? Schon schwieriger. Leider steht das Wort Schulpflicht im Gesetz und die ist altmodischerweise noch mit 100% Anwesenheit verbunden. Nun beginnen die Lehrkörper bereits auf den Po-Backen hin-und her zu rutschen … ick weiß … es wird unbequem. Und eigentlich wissen sie das auch selber. Sorry. Hätten Kultusminister und Schulen während der Corona-Pandemie die Geschichte einen Ticken weiter gedacht, würde es reichen, wenn uns die Kinder bei den Heimflügen begleiten würden, um Prüfungen/Klausuren vor Ort in Berlin zu schreiben. Wenn überhaupt nötig. „Steile These! Das geht doch nicht!“ Klar, geht das. Eine ordentliche Lernplattform strukturiert den Tag, vermittelt den Lernstoff und bietet bei Bedarf Video-Support an. Steht hier alles geschrieben, in meiner >Beitragsreihe zum Digitalen Lernen. Man muss nur wollen, und dann müssten die Kids nicht in maroden Schulgebäuden ohne ordentliche Toiletten „abhängen“ oder auf eine S-Bahn hoffen, die nur kommt wenn sie nicht gerade Migräne hat oder sich im Streik befindet. “Aber die sozialen Kontakte“ … und … „Schule ist ja nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung“ … ich höre es schon. Also erstens, geht es auf Berliner Schulhöfen auch nicht unbedingt sozial zu. Und zweitens, gibt es Kultur, Sportvereine und Communities auch im Land der Griechen. Und Griechisch lernen, das kriegen wir ja wohl auch noch hin.

Leider waren bei erster Lesung im Familienparlament deutliche Vorbehalte gegenüber der Vorlage zu vernehmen. Ziemlich genau die Hälfte der Abgeordneten will die Initiative in der skizzierten Ausgestaltung nicht unterstützen, man gibt sich aber immerhin gesprächsbereit. Nun kommt es auf die Koalition der Willigen an, das Wasser für den steten Tropfen nicht versiegen zu lassen. Kompromisse müssen erarbeitet, kleinste gemeinsame Nenner identifiziert und Verhandlungsmassen bewegt werden. Auf keinen Fall darf die Öffentlichkeit und die Bild-Zeitung davon erfahren, sonst wird der Entwurf in der Luft zerfetzt, bevor es auch nur den Vermittlungsausschuss erreicht. Gleichzeitig müssen alternative Konzepte auf den Tisch, um es im Falle eines erneuten Scheiterns in der nächsten Leglislaturperiode wieder zu versuchen. Aus gut unterrichteten Kreisen war zu vernehmen, dass die Chancen steigen würden, wenn ergänzende Bausteine zur Flexibilisierung und Deckelung aufgenommen werden würden. Des Weiteren macht auch der demografiebedingte Wandel vor dem Familienparlament nicht Halt, Mehrheitsverhältnisse werden sich ändern.

Also dran bleiben!

537) Top Gun zum Nutella

Der Stammhalter und ich hatten uns für heute auf ein spätes Frühstück vereinbart. Die Damen waren bereits ausgeflogen, wir wollten den Tag etwas ruhiger angehen.

Im Ferienhaus auf Peloponnes herrschte fast absolute Stille, nur die Kaffeemaschine und der Toaster gaben Töne von sich. Draußen Hund, Hahn, Vogel und in der Ferne eine Baumaschine mit Rückwärts-Pieper.

So saßen wir uns maulfaul am Küchentisch gegenüber, zwischen uns ein Glas Nutella®*, eine Packung Salami, eine Packung Käse und Sriracha-Sauce. Reduced to the max.

Und dann geschah es. Es dauerte maximal 10 Sekunden.

1, Knurps, mhm, lecker Brot
2, Ein Messer versinkt im Nutella
3, Schlürf, mhm, lecker Kaffee
4, Ein Lärm kommt von rechts
5, Wir blicken auf
6, Er: „Was ist d…?
7, Ich: „Jagdflieger“
8, Er: „Häh“?
9, Ein Lärm geht nach links
10, ein Messer taucht aus dem Nutella auf

„Ich dachte schon, …“ begann er sichtlich verstört

„Sei froh, dass du das nicht mehr kennst. Früher, ja früher, in Brandenburg, in Mecklenburg über unseren Köpfen, …“ begann ich altklug daher zu reden … „da war das Gang und Gebe“ … „bloß gut dass das alles vorbei ist“ … brach meinen Vortrag dann aber ab. 

Ich kam ins Zweifeln. Ist es denn vorbei? Oder geht nicht gerade wieder so viel los, was endlich überwunden schien?

*Nutella ist natürlich ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Ferrero, ich kriege kein Geld dafür und auch keine kostenlosen Exemplarlieferungen … obwohl das eigentlich durchaus mal an der Zeit wäre. 😉

536) Von alten Steinen lernen

Gurkt man durch Griechenland (hier speziell Peloponnes) muss man sich schon sehr blöd anstellen, um nicht an ΑΡΧΑΙΟΛΟΓΙΚΟΣ ΧΩΡΟΣ vorbeizukommen. Das ist kein Nationalgericht mit Knoblauch, sondern heisst so viel wie „archäologische Fundstätte“. Akropolis, Korinth, Olympia zum Beispiel. Und da raunt es bereits „Oaaaah neee, wie langweilig, schon wieder alte Steine“. Zugegeben, ich muss alte Steine nun auch nicht jeden Tag haben, aber eindrucksvoll sind die Anlagen schon. Und Minderjährige aus der EU zahlen keinen Eintritt. Juchuuuu, hoch lebe die EU!

Und sie zeigen, zu was Homo Sapiens in der Lage ist, selbst ohne elektrischen Strom, Baumaschinen, Planfeststellungsverfahren, 3D-Druck und WLAN.

Allein schon den Ort für solch eine Stadt auszumachen. Gefälle, Boden, Baumaterial … da scheitern viele Menschen heute schon bei der Wahl des richtigen Camping-Platzes.

Dann die durchdachte Planung für Straßen, Wege, Plätze, Zu-und Entwässerung, Versorgung, Anbau  und Verteidigung.

Und natürlich all die schweren Quader, Säulen … die zuvor irgendwer aus Stein gekloppt hat, der irgendwo aus dem Berg gebrochen, irgendwie dahin gebracht und dann mit irgendwelchen Mechanismen zu Häusern, Tempeln und sogar Badeanstalten gestapelt wurde … und am Ende noch alles zusammenpasste.

Alter Grieche, Respekt!

Es würde mich nicht wundern, wenn man hier in der Gegend noch einen Flughafen ausbuddelt.

Das alles gibt mir Hoffnung, zu was Zweibeiner mit drei Pfund Hirn zwischen den Ohren fähig sind. Gleichzeitig zeigt es aber auch, mit welch Blödsinn „wir“ uns teilweise beschäftigen und womit „wir“ uns vom Finden geeigneter Lösungen für die Herausforderungen der Zeit ablenken.

535) Bajuwaren aller Gender vereinigt euch!

Das Blöde am Internet ist, dass man selbst im Urlaub nicht vor heimischen Nachrichten geschützt ist. Früher, ja früher, da warst du wirklich zwei Wochen weg, heute verfolgen dich die Nachrichten bis ins griechische Ferien-Domizil. Und da wurde heute Morgen wirklich verkündet, dass das Gendern in Bayern von nun an doch wirklich verboten ist. Also doch kein April-Scherz, die haben das doch echt durchge … södert. Öde, öder am södersten. Ohne mich!

Dass ich mit dem Gendern etwas auf waffenfreien Kriegsfuß stehe, habe ich hier schon ein paar Mal durchklingen lassen, aber solange mich keiner zwingt, stehe ich dem eher „Technologie-offen“ gegenüber, will sagen, ich formuliere wie ich will. Mal mit, mal ohne, wie es mir gerade in den Kram passt. Bislang hat sich kein-e:r(x) aufgeregt, der/die/das weiblich und divers gelesene Leserschaft ist auch noch da.

Wo ich wirklich eine Allergie entwickle ist, wenn mir jemand eine Sprachweise aufzwingen oder verbieten will. Wer das mal nachfühlen will, kann sich ja gern mal eine Diktatur in der Nachbarschaft ansehen. „Verbieten“, das tut nun mal ganz deutlich der Söder und sein Lederhoden-Verein.

Liebe Bayern, wenn ihr nun aus eurem Heimatland flüchten wollt, kann ich das gut verstehen und dann tut das auch bitte zahlreich. Damit eure Kinder eine bessere Zukunft haben. Aber bitte nicht nach Berlin Prenzlauer Berg, da sind die Kapazitäten erschöpft, ansonsten könnt ihr gehen wohin ihr wollt. Besser wäre allerdings noch, ihr zeigt dem Marcus bei der nächsten Wahl mal, dass er sich damit hoffentlich ins Aus geschossen hat. Sprachweisen verbieten im Jahr 2024 … in Deutschland … da fehlen sogar mir die Worte.

Andere Beiträge zum Thema:

 

534) Sonderkündigungsrecht wegen Digitalisierung

Im folgenden Beitrag geht es nicht darum, die Deutsche Bahn zu „bashen“. Ich werde mich an keinen Wortgefechten zu Pünktlichkeit und Streik beteiligen. Denn darum geht es hier nicht. Es ist nur so ein schönes Beispiel dafür, wie deutsche Dienstleistungsunternehmen gerade zwischen analoger und digitaler Welt stecken. Irgendwo im Niemandsland. Zwar abgefahren, aber noch nicht angekommen. Baustelle halt.

02.03.24
Die Bahn schickt mir einen Brief und stellt mir ein weiteres Jahr BahnCard in Rechnung. Ich soll das doch bitte bis Anfang April per Banküberweisung erledigen. Per Banküberweisung? Hab ich die beim letzten Mal nicht per Kreditkarte bezahlt? Warum ziehen die das nicht einfach ab? Wieso soll ich jetzt eine Überweisung auslösen? Da habe ich keine Lust zu. Bei Rückfragen bitte Telefon, E-Mail-Adresse und freundliche Grüße. Der Brief kommt erst einmal auf einen Haufen.

08.03.24
Ein neuer Brief der Bahn liegt im Kasten. Er enthält meine neue BahnCard, genau die, die ich noch nicht mal bezahlt habe. Und was passiert wenn ich jetzt nicht zahle? Folgen Mahnungen und wird die Karte gesperrt?

13.03.24
Ich erhalte eine E-Mail der Bahn, in der großen Tamtam verkündet wird, dass nun Schluss mit der Plastikkarte sei und es die neue BahnCard nur noch digital gäbe. Prima. Ich glaube, ich habe die vorige Plastikkarte noch nicht einmal benutzt. Aber hatte ich nicht erst vor wenigen Tagen eine neue Plastikkarte bekommen? Ja, beim genauen Lesen der Mail stellte sich heraus, dass dies erst für Karten mit Ausstellung ab Juni 24 gilt. Ich stelle die E-Mail wieder auf „ungelesen“.

19.03.24
Ich zahle die BahnCard mal lieber jetzt. Nicht, dass die Mechanismen hier vollkommen durcheinander geraten.

22.03.24
Ich lese die E-Mail der Bahn noch mal gründlicher. Man braucht ein DB Konto, die Navigator-App und ein Smartphone. Habe ich, denn genau liegt ja bereits meine vorige digitale BahnCard. Ich wäre soweit.

Wenn man kein Smartphone hat, kann man sich im Zweifel ein Ersatzdokument zum Ausdrucken herunterladen. Jut. Ok.

Und weiter geht‘s:

Gültige BahnCard 25/50 Plastikkarten können bis zu dem aufgedruckten Gültigkeitsende weiterhin genutzt werden. Im Falle eines Verlusts kann ab dem 09.06.2024 keine Plastik-Ersatzkarte mehr ausgestellt werden.

Für BahnCards mit Gültigkeitsbeginn ab dem 09.06.2024 oder später haben Sie aufgrund der Digitalisierung ein Sonderkündigungsrecht. Sie können dieses Sonderkündigungsrecht wahrnehmen, indem Sie innerhalb von vier Wochen nach Zugang dieses Schreibens in Textform gegenüber der DB Fernverkehr AG (z. B. über das Kündigungsformular) kündigen

Herzlich willkommen in Deutschland. Es ist an alle gedacht!

Wenn ich alles richtig überrissen habe, hatten wir nun wirklich alle Kommunikationskanäle, Zahlweisen und Medienbrüche, die es nur geben kann. Briefe, E-Mail, Call-Center, Kündigungsformular, Banküberweiser, Kreditkarte, Download, Smart Phone, App und DB-Konto. Und immer mit zwei gescannten Unterschriften. Aber immerhin, eine Fax-Nummer konnte ich nicht mehr finden. Und nächstes Jahr kommt bestimmt noch ChatBot „Bahni“ dazu.

Ick‘ freu‘ mir.

533) Ach wie reizend – 2

Schnapszahl. 888-er Beitrag. Auweia. Wurscht. Bloß eine Zahl. Nachdem der Beitrag >Ach wie reizend viral“ gegangen ist, sagt man doch so oder?, da gab’s von euch noch ein paar Wort-Vorschläge und mir fielen dann auch noch ein paar Wörter ein. Es geht wieder darum, dass bereits ein Wort heftige Verspannungen und Shitstorms auslösen kann, ohne auch nur einen Satz zu schreiben … oder lesen zu müssen.

Los geht‘s:
Waffenlieferung
Prinz Harry. V
Wagenknecht
Frauenquote
Erwärmung
Cannabis
Schulden
Boomer
Ukraine
Graffitti
Freiheit
Bauern
Scholz
TikTok
Lügen
Söder
Kiffen
Poller
Ampel
Roller
China
Rente
Streik
Tesla
Gaza
Woke
Bahn
BSW
ZDF
Gas
24/7
2Go
4U

Sinnlosreisen schlug vor, einfach zwei Worte zu kombinieren, um die Sprengkraft zu verdoppeln.

Beispielsweise:
Putin + Wagenknecht
Klimakleber + fliegen
Heizungsgesetz + Bürgergeld
Trump + Vegan

Oder vielleicht:
Cannabis + 2Go
Klimawandel + SUV
Radweg + Poller

Auch Verben wären ratsam, um langsam auf BILD-Level anzukommen. Türlich, türlich, sicher …

Beispielsweise:
Trump gendert Putin
AfD remigriert Veganer

Oder vielleicht:
Habeck fordert Erwärmung
Tesla schuldet Frauenquote
Söder streikt Woke

Tja, und dann eigentlich nur noch ein Ausrufezeichen dahinter und schon haben wir‘s doch. So werden Schlagzeilen gemacht. Ach wie reizend.