280) Corona-Lektionen 113

Die letzten Corona-Lektionen kamen eher mit düsteren Bildern daher. Das war sicher dem dunklen Januar geschuldet, aber auch meiner Stimmung zu diesem Thema. Aber gestern früh, da war der Ausblick mal anders. Am Himmel war Aktivität zu sehen und ein kleines positives Leuchten. Und das passt ganz gut zur aktuellen Entwicklung.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Frühling:
Ich sehe Krokusse auf der Wiese und Blüten am Baum. Es wird früher hell und jeden Tag später dunkel. Wunderbar, das kommt mir sehr entgegen, denn ich habe in den letzten 2 Jahren gelernt, dass ich > Licht und > Weite brauche. Um so mehr Licht wir alle kriegen, um so heller wird‘s dann hoffentlich in den Köpfen der Menschen.

Inzidenz:
Die ist noch deutlich zu hoch, aber sie fällt rapide. Exponentialität muss ja nicht immer schlecht sein. Ende Februar / Mitte März dürfte das schon viel besser aussehen und wenn der Virus jetzt nicht noch eine zickige Tante oder einen mürrischen Onkel anschleppt, spekuliere ich mal auf einen entspannten Sommer. Bei dem man aber nicht vergessen sollte, seine Hausaufgaben zu machen, denn Ende August sind die Ferien zu Ende, die Pfefferkuchen werden wieder in die Regale geräumt und dann flattern wir wieder panisch herum wie die Hühner.

Die „anderen“:
Häufig wird neidisch auf andere Länder geschaut, weil die schon eher Maßnahmen fallen lassen und dann ist man hier schnell unzufrieden. Ich denke auch, dass lässt sich nicht alles gleichsetzen. Da hat man seine Hausaufgaben im Impfen besser gemacht oder auch ganz anders kommuniziert. In dem Kontext fand ich „Hart aber Fair“ vom 07.02.2022 ganz gut, als ein gebürtiger Deutscher, der in Dänemark lebt, ab Minute 23:40 bis 32:40 mal ganz erfrischend aus dem Dänischen Coronäh-Kästchen plauderte. Sehenswert. Könnt ihr auch „vorspulen“. Geiles Wort 😉

Alltag:
Zum Schluss noch so eine kleine Widrigkeit des Corona-Alltags, auf die wir irgendwann hoffentlich belustigt zurückblicken werden. Also, da stehst du vor einem Restaurant, klopfst alle „Tools“ an deiner Jacke ab. Maske, Handy, App, Ausweis. Alles da. Bereit SWOT-Team? Stilles Nicken aller Maskierten. „Zugriff!“ Dann stürmst du den Laden als erster und im Nu läuft dir die Brille an. Du tappst wie ein Nachtwandler zum Tresen und sagst, du hättest reserviert. Dann ziehst du mit eiskalten Händen das Handy aus der Innentasche und hoffst, dass der Akku noch mitspielt. Du zeigst stolz deinen QR-Code, musst aber noch drei mal weiter wischen, weil die dritte Impfung nicht „vorn“ zu sehen ist, sondern weiter „hinten“. (Wenn du dich etwas doof anstellst, macht das auch die Bedienung für dich. Die hat eh schon 200 Handys an dem Tag angefasst). Dann angelst du in deiner Brieftasche nach deinem Ausweis und versucht ihn danach gleich wieder wegzupacken, damit du ihn bloß nicht in die Hosentasche steckst, wo der sonst sicher mitgewaschen wird. Und weil du immer noch guckst wie ein Maulwurf und die Finger steif vor Kälte sind, rutscht dir das Handy aus der Hand und fällt unter einen Tisch, an dem sich ein verliebtes Paar glückselig in die Augen blickt.

Und dann krabbelst du mit beschlagenen Gläsern und Maske auf der Nase unter deren Tisch und suchst dein Handy. Herrlich.

Also, Loriot hätte seinen Spaß gehabt 😉

Behaltet die Nerven. Bald wird’s besser!

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266) Hinten raus – Vol. 2

Dass ich einen Fimmel für Sonnenauf-und Untergänge habe, erwähnte ich bereits. Und dass ich nostalgisch auf Berliner Hinterhöfe schaue, sicher auch. Da gibts in meinem Kopf viele schöne Erinnerungen. Da haben wir auf dem „Sachsenhof“ (… der vermutlich nie so hieß) einige Birnen von den Bäumen geklaut. Auf einem anderen Hof, der in unserer „Bande“ nach dem Nachnamen eines „Mitglieds“ benannt war, wurden wir von einem weinroten Dynamo-Trainingsanzug beim Kokeln erwischt und dieser Mann stellte sich dann noch als Vater einer Mitschülerin heraus, der wiederum einen guten Draht zur Schulleitung hatte. Ei, Ei, Ei. Noch einen Hof weiter, pafften wir kostbare Dunhills, die der Vater eines anderen Mitglieds in seinem Barschrank hütete wie einen Schatz. Bald ahnten wir, dass wir dieses Spiel nicht ewig treiben konnten, denn das würde dem Vater ja irgendwann auffallen. Und die nächste Erkenntnis war, dass wir weder die Mittel, noch Beziehungen hatten, echte Dunhills aufzutreiben, um diese Packung je wieder aufzufüllen.

Ach ja, alles Geschichte … und pädagogisch nicht sonderlich wertvoll. Ich höre mal besser auf jetzt. (Psst … aber cool war‘s schon) 😉

Hier ein paar weitere Impressionen von „hinten raus“:

Manchmal friedlich und ruhig, die Wolken ziehen langsam vorbei und runden den Tag ab.

Mal wild und dramatisch, die Gallier würden fürchten, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt.

Mal heiß und feurig, da überlegt man mal kurz, ob man nicht langsam mal die 112 rufen sollte.

Ähnliche Beiträge:

263) Corona-Lektionen 107

Tja, was gibts neues bei Corona und seiner buckligen Verwandtschaft? Im Wesentlichen 3G im Handel und im ÖPNV auch, die Neuinfektionen sinken leicht, zumindest hier in Berlin. Alles Weitere könnt ihr woanders nachlesen. Möchte hier keine coronologische Coronik führen, sondern eher zurück zu uns … uns … tja … was sind wir eigentlich im Corona-Kontext? Gastgeber, Beobachter, Opfer, Nutznießer, Verstärker?

Interessante Frage eigentlich, aber nicht heute, ich komme ein anderes Mal drauf zurück.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Relativität:
In den Nachrichten sah die Kurve kürzlich schon sehr erfreulich aus, sie war fast am Boden des Diagramms angekommen. Beim genaueren Hinsehen sah ich, dass die Skala aber auch erst bei 300 -er Inzidenz begann. Vielleicht kann man mit dem Praktikanten, der das Chart gemacht hat, noch mal reden?

Nähe:
Ich schaue mit den Kids einen Weihnachtsfilm, da sitzen die beiden Protagonisten nebeneinander im Flieger. Sie sprechen sich an, sie pusten, atmen einander an, beide Gesichter nur eine halbe Armlänge entfernt. Instinktiv zucke ich selber schon zurück, so nahe ist mir kein fremder Mensch seit 2 Jahren gekommen. Außer vielleicht der Zahnarzt, aber der hat eine Maske auf. Es wird wohl noch dauern, bis ich eine solch fremde Nähe mal wieder zulassen kann.

Wortwahl:
Die Morgenpost schreibt in der Wochenendausgabe: „Beschäftigte in Pflegeheimen und Kliniken müssen bis Mitte März 2022 genesen oder geimpft sein.“

Also ihr lieben Beschäftigen: Wenn ihr aktuell im Intensiv-Bett liegt, dann habt ihr noch etwas Zeit, Ihr solltet euch aber ranhalten. Wenn ihr immer noch keinen Bock auf Impfen habt, dann legt euch mal bald eine Infektion zu, damit ihr das noch bis Mitte März 2022 hinbekommt. Denn ihr müsst „bis Mitte März genesen sein“.

Coronastalgie:
Neulich schrieb ich in >New Concert etwas nostalgisch über Konzert-Events vor der Pandemie und da kam mir das Wortspiel „Coronastalgie“ in den Kopf. Ich habe dann gleich die große Datenkrake befragt und es gibt den Begriff wirklich noch nicht, zumindest nicht im Deutschen. Also betrachte ich mich mal als Wortschöpfer, zumindest solange bis die großen Gazetten wieder übernehmen. Aber ich bin mir noch nicht im Klaren, von welcher Epoche ich mit diesem Begriff schwärmen will.

  • Von der Zeit vor der Pandemie? Mit interkontinentalen Reisen, Kultur, Party und Nähe?
  • Ober von der Zeit in der Pandemie? Mit Verzicht, Focussierung, Besinnung und Distanz?

In diesem Zusammenhang möchte ich noch mal meinen Beitrag >Postpandemische Belastungsstörung von Juni 2020 empfehlen. Der spielt in der damaligen Zukunft, im Juni 2021 und blickt zurück auf ein Jahr Pandemie. Eigenlob stinkt zwar, sagt man, aber ich find den gut und ich habe hier Hausrecht 😉

Schöne Woche noch!
T.

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261) Mit Zettel und Stift 6

Berlin ist bekannt für all seine Zettelchen, Aufrufe und Notizen, mit denen Nachbarn wiederum ihre Nachbarn erziehen oder sich einfach mal Gehör verschaffen wollen. Bislang habe ich diese Fundstücke immer ein paar Monate gesammelt und dann hier gebündelt unter dem Titel „Mit Zettel und Stift“ veröffentlicht. 

Und ich hätte schon wieder ein paar Bilder in der Hinterhand, aber auch ein Exemplar, dass mich doch irgendwie gepackt hat. Dieses kleine Kunstwerk habe ich Mitte November im Kiez entdeckt, es hing an so einem weißen Telefon-Verteiler-Kasten, mittlerweile ist es völlig aufgeweicht und verwaschen, kaum noch zu entziffern.

Die Künstlerin, hat zwar ihren Namen auf dem Papier hinterlassen, aber ich habe ihn anonymisiert. Ich habe sie auch nicht gefragt, ob ich das hier ins Netz „pusten“ kann, aber ich denke, es ist ihn ihrem Interesse und sie wäre sogar glücklich darüber.

Ihr Papier hat es nicht verdient, in einem Sammelsurium von Wohlstandsproblemen und Corona-Graffitis zu erscheinen, also bekommt sie diesen Beitrag ganz exklusiv.

Und hier ist es nun.

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Gut oder?

<— Mit Zettel und Stift 5

–> Mit Zettel und Stift 7

258) Corona-Lektionen 106

Wird es eigentlich noch hell oder schon wieder dunkel? Die Frage stelle ich mir gerade, wenn ich aus dem Fenster schaue. Die gleiche Frage kann man sich aber auch stellen, wenn man auf die Corona-Zahlen blickt. Aber ich habe überhaupt keine Lust heute auf das Infektions-und Impfgeschehen einzugehen, ich will schließlich auch keine Corona-Chronik … Coronik … hier aufbauen. Deshalb kehre ich heute mal wieder zum Alltag zurück und dokumentiere ein paar skurrile Momente, die zeigen, wie „coronarisiert“ wir schon alle sind 😉

Ausgewählte Situationen der letzten Tage:

Höhlenoffice 1:
Ich musste in einem Meeting etwas notieren, griff hektisch nach Stiften und bekam nur ausgedienten Stifte-Schrott zu greifen. So etwas hätte es vor Corona nie gegeben. Da fanden ständig neue Kugelschreiber den Weg in unsere Höhle. Fluggesellschaften, Hotels und Lieferanten versorgten uns ständig mit neuem Schreibbesteck. Ich setzte das Wort „Kugelschreiber“ auf die Einkaufsliste.

Höhlenoffice 2:
Am späten Nachmittag bimmelte ein mir völlig unbekannter Ton, ich konnte den überhaupt nicht zuordnen, die Kids zuckten auch nur mit den Schultern. Dann rief der Stammhalter aus dem Südflügel. „Papa, das ist dein Arbeitshandy!!!!“ Aha. Tatsache. Ich lade das Ding zwar regelmäßig auf und kommuniziere damit auch schriftlich, aber telefonieren? Nee! Ich rollte die Anrufliste zurück und sah den letzten Anruf am 9. Juli 2021 von einem „Unbekannt“. Tja, tut mir Leid, aber da war ich im Urlaub.

1G, 2G, 3G:
Der Stammhalter und ich zogen uns gestern James Bond (Moonraker) rein. Roger Moore besucht dabei einen Art Branson-Musk-Verschnitt der 70-er Jahre und schaut sich auf dessen Gelände um. Dabei willigt Bond ein, eine Humanzentrifuge zu probieren. Eine Assistentin klärt ihn ausführlich auf, welche g-Kräfte dabei wirken und was das mit den Astronauten so macht. Sie spricht von 1 g, 2 g, 3 g … über 10 g … bis 20 g. Der Stammhalter stutzt … verdutzt … und murmelt nur: „Hähh, 3G?“

Praxis:
Kurzer Termin beim Arzt, ich sitze im überbelüfteten, unterkühlten Warteraum. Außerhalb meines Blickfeldes höre ich einen unendlichen Dialog zwischen einem Ehe-Paar, aus dem ich hier nur Auszüge in herrlichem Berliner Dialekt wiedergeben kann. Und ich beschränke mich nur auf den Herren 😉

  • „Is‘do zum Kotzen hia!“
  • „Soll’n die Scheiße hia?“
  • „Woher soll ick‘n dit wissn‘, wat schreib‘ ick‘n da nun?
  • „Welche Medikamente?“
  • „Müss‘n die doch wissen“
  • „Soll ick jetze die janze Liste meener Pillen hier uffschreiben?“
  • „Kann do‘ nich‘ wah sein, hia!“
  • „Die erste Impfung?, Keene Ahnung, Mensch.“
  • „Und die zweete? Wees ick doch nich‘“
  • „Müssen die doch wiss‘n“
  • „Man, dit liest doch eh keena“

Ohne die beiden zu sehen, wusste ich, warum die in der Praxis wahren 😉

Und dann folgte das Highlight: Ein weiterer Patient betritt die Praxis „oben ohne“, stellt sich an den Tresen und platziert sein Anliegen:

  • Er: „Hallo, ich hab einen Termin.“
  • Sie: „Haben Sie auch eine Maske?“
  • Er: „Ja. Soll ich die jetzt aufsetzen?“
  • Sie: „Ja, wäre schon angebracht, oder?“

Herrlich, leider war mein Telefon-Akku fast leer, ich hätte das am Liebsten aufgenommen und malte mir ein anderes Dialog-Ende aus.

  • Sie: „Ach wo, wissen sie, wir tragen die Dinger hier nur zum Spaß und die anderen 50 Patienten auch. Aber bei ihnen machen wir eine Ausnahme. Setzen Sie sich doch. Einen Kaffee vielleicht, einen Keks, ein Stück Stolle?

Ich geh‘ kaputt …

<— Corona-Lektionen 105

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256) Weihnachtsmarkt auf‘m Balkon

Brandenburg hat die Weihnachtsmärkte kurz nach Eröffnung wieder geschlossen, in Berlin sind sie noch geöffnet, allerdings unter fünf Seiten voller Auflagen.

Auszug:

„Grundsätzlich müssen Besucherinnen und Besucher von Weihnachtsmärkten nicht negativ auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 getestet sein, d. h. es gilt keine 3G-Vorgabe. Für die einzelnen Stände auf dem Weihnachtsmarkt gelten die jeweils einschlägigen Vorschriften der InfSchMV, wie etwa § 18 InfSchMV für Gastronomiestände.
Auf Weihnachtsmärkten besteht gemäß § 16 Absatz 4 InfSchMV Maskenpflicht.
Für Weihnachtsmärkte gelten keine Personenobergrenzen.“ 

Mir ist es vergangen, ich mag das nicht studieren.

Wir sollten einfach unseren eigenen Weihnachtsmarkt auf dem Balkon abhalten, oder? Hier ein paar Tipps für echtes Weihnachtsmarkt-Feeling daheim:

  1. Besorgt euch billigsten Glühwein, lasst den Alkohol zwei Stunden im Topf verdampfen, schreibt dann „Vegan“ und „4,50 EUR“ auf eine Tafel und teilt ihn in kalten Tassen an die Gäste aus.
  2. Heizt den Grill an und packt Bratwürste aus dem TK drauf. Dann legt ihr die in aufgeschnittene Beton-Brötchen vom Backkombinat und macht noch eine hauchdünne Spur Senf drauf. Aber nicht zu viel, das wäre völlig unrealistisch.
  3. Stellt alle Gäste ganz eng aneinander, lasst sie mit Ellbogen und Schultern aneinander reiben und wenn ihr Freunde mit Kleinkindern habt, bittet sie, die Kinderwagen mitzubringen und euch in die Hacken zu rammeln.
  4. Nehmt den Bluetooth-Speaker mit ins Freie und wählt Wham aus, damit sie wieder vorsingen können, wie es letzte Weihnacht so war. R.i.P. George Michael!
  5. Vielleicht guckt ihr vorher eure Schränke durch. Da finden sich bestimmt noch irgendwelche Kerzen, Duftstäbchen, Holzlöffel und Strickmützen. Die legt ihr einfach aus und schafft Platz für neues.
  6. Ihr füllt eine Schale mit Puderzucker und pustet mal ordentlich rein, sodass alle Gäste weiße Krümel auf den schwarzen Jacken haben und panisch an sich herumklopfen.
  7. Schaut mal, ob ihr irgendwo in der Butze noch ein Mikro herumzuliegen habt. Da ruft ihr dann rein: „Und einsteigen bitte, die Fahrt geht gleich los!“ Die Gäste sollen dann die Augen schließen und sich dann 20 mal um die eigen Achse drehen.
  8. Dann nehmt ihr wieder das Mikro und ruft. „Na, das war doch erst der Anfang liebe Freunde. Mit Santa-Klausi geht‘s jetzt erst richtig los. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Vielleicht mal ein paar Runden rückwärts?? Heute noch mal ohne Tempo-Limit. Ha, ha, ha. Jawolloooo. Wer sagt’s denn! Monster. Hyper, Hyper! Mega-schnell in die Super-Kurve!!!!
  9. Anschließend tretet ihr jedem Gast einmal gegen das Knie und ins Kreuz, damit sie noch lange an den Trip mit der imaginären Super-Maus zurückdenken
  10. Und wenn dann einer der Gäste aufs Klo muss, dann zeigt ihr einen Kilometer in irgendeine Richtung und dann sagt: „Da lang, kostet‘n aber’n Euro“

Schönen ersten Advent
T.

251) Corona-Lektionen 104

Meine Güte, da habe ich mal sechs Tage die Corona-Tasten ruhen lassen und schon überschlagen sich die Ereignisse. Kaum ist 2G in Berlin eingeführt, gehts nun in Richtung ((2G+(MASK)OR(TEST)OR(DISTANCE) x 10 Sprachen / 4 Millionen Einwohner), die das hier noch kapieren und vor allen Dingen mitmachen müssen.

Nicht falsch verstehen, ich will die Maßnahmen nicht durch den Kakao ziehen, aber es fällt mir als aufmerksamer Pandemie-„Follower“ mittlerweile schon schwer, nahe am aktuellen Regelungsgeschehen zu bleiben.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Machtvakuum
Die eine Regierung winkt bereits zum Abschied in die Kameras, die andere ist noch nicht mal richtig im Amt und dieses Virus macht es sich genau in dieser Nische bei 7°C Außentemperatur gemütlich. Kuschel, Kuschel. Gekommen um zu Bleiben, zumindest für die nächsten fünf Monate, fordert es einen ständigen Klappsitz im Bundestag. Es überlegt aber noch, bei welcher Fraktion es lieber sitzen mag.

Hektik
Es kommt Dynamik ins Impfgeschehen, keiner weiß so genau ob‘s die Booster-Interessenten sind oder die Impf-Debütanten. Impfzentren wurden im Sommer mangels Arbeit geschlossen, nun werden Hausärzte überrannt. Schlau. Shopping-Center veranstalten Impf-Events und Impf-Busse versuchen den Stoff in die „Quartiere“ zu bringen. Ich habe es schon mal in einer früheren Corona-Lektion vorgeschlagen: Überlasst das vielleicht einfach den Lieferdiensten 😉

Frust
Es ist alles nur schwer zu ertragen. Natürlich versucht man immer Konsens herzustellen hier zu Lande, deshalb dauert alles viel länger, als anderswo. Ist ja irgendwie auch gut. Aber ich kann das Kollegen im Ausland kaum noch erklären. Deutschland war maßgeblich an der Entwicklung von Impfstoff beteiligt, hatte dann aber keinen abbekommen. Dann war der Stoff endlich da und man konnte sich um einen Termin „bemühen“. Irgendwann wollte das Zeug aber keiner mehr haben, da legte man es auf Halde oder verklappte es vor dem Verfallsdatum im Klo oder Ausland. Nun haben wir genug davon vorrätig, die Leute (egal warum) wollen & sollen es kriegen, aber nun mangelt es an Personal. Und an Tests mangelt es auch.

Nahezu gleichzeitig feiert man Karneval oder lädt zu Bundesliga-Spielen vor ausverkauftem Haus ein. Kapiere ich alles nich‘.

Mann des Tages
Das war für mich heute der Herr Wieler vom RKI, mit einer ganz einfachen Mathe-Rechnung. Liebe Kinder bitte aufpassen: Bei 52.000 Infektionen und einer aktuellen Case Fatality Rate (klingt besser als „Sterben“) von 0,8% sind das ca. 400 Tote. Pro Tag. Überschlage ich das mal bis Weihnachten sind das circa 12.000 Menschen. Mindestens. Schöne Weihnachten! Das hat er nicht gesagt, aber ich fand sein Statement an die Ministerpräsidenten sehr gut und deutlich:

Auszug:

„Aber die alle, da sterben 400 von in den nächsten Wochen, da kann keiner mehr was ändern, mit bester medizinischer Versorgung nicht.“ (…) „Also bitte haben Sie das immer im Kopf, da können wir nichts mehr dran ändern. Wir können nur noch nach vorne gucken … (…)

Ich hoffe, dass unsere geschäftsmüdende Regierung zugehört hat … und alle Impfgegner auch.

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246) Corona-Lektionen 103

Die Ereignisse überschlagen sich. Deshalb kommt auch dieser Beitrag im Telegram-Stil daher. Also nicht als die verruchte Telegram-App, sondern als das Medium aus dem letzten Jahrtausend, über das mit wenigen Buchstaben kommuniziert wurde. STOP

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Impfung 1:
+++ Familie 100% geimpft +++ Unser D-Jugendspieler auch +++ Stolz! +++ Nationalspieler Beispiel nehmen! +++ Pfeife! +++ STOP

Impfung 2:
+++ Radiowerbung des BMG +++ Boostern +++ Anruf Arzt +++ Ende Februar +++ Shit +++ STOP

Politik 1:
+++ MP Kretschmer kurz vorm Heulen +++ Infektionen +++  Versäumnisse? +++ Schuld? +++ Selber! +++ Gepennt! +++ Nase fassen! +++ Aber danach Hände waschen! +++ STOP

Politik 2:
+++ CDU-Ralph kritisiert Auslaufen Epi-Lage +++ Attackiert Ampel +++ What? +++ Latten am Zaun? +++ Wer denn? +++ STOP

Inzidenz 1:
+++ Hier über 300 +++ F*CK! +++ STOP

Inzidenz 2:
+++ Events absagen? +++ richtig so! +++ STOP

Inzidenz 3:
+++ Tests wieder kostenlos +++ Lernkurve +++ richtig! +++ STOP

Machen?
+++ Ruhe bewahren +++ STOP

Rechtschreibung:
+++ STOP oder STOPP ? +++ SCH***egal +++ Krise ! +++ nich* wichtig +++ STOP

Schönen Abend +++ STOP

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244) Corona-Lektionen 102

Seit einigen Tagen schaue ich wieder regelmäßiger auf die Berliner Corona-Karte. Noch vor kurzem, da lag unser Stadtbezirk weit unter 100-er Inzidenz, um uns herum waren sie schon bei 150. Nun hat unser Streberbezirk auch die 200 geknackt. Yes, we made it!

Schaue ich auf die Deutschlandkarte nähert sich von Süden immer mehr lila. Da wird mir ganz mulmig.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

The News:
Der Virus ist zurück in den Medien. Für ein paar Wochen im Sommer schien er vergessen. Die Infektionsdaten kamen kurz vor Sport und Wetter, manchmal schon gar nicht mehr.

Nun ist Corona wieder der Aufmacher, man will es gar nicht mehr hören. Das eine sind ja die reinen Daten, damit kann ich ja noch leben. Das Andere ist die mediale Ausschlachtung des Themas. Wenn ich schon morgens kurz nach sechs im Bad die ersten Corona-Interviews mit Hinz und Kunz ins Ohr gespült kriege, ist mir das echt zu viel. Und dann gibt es auch noch sehr unglückliche Formulierungen, auch im Öffentlich-Rechtlichen Radio, wo ich mich frage, ob das nun so zweckdienlich ist.

Beispiel: Zunächst eine kurze Nachricht, dass sich die Mehrheit der Deutschen eine Impfpflicht für gewisse Berufsgruppen vorstellen kann. Irgendwie positiv. Unmittelbar danach die Information, dass wohl ein Junge im Zusammenhang mit der Impfung gestorben ist. Das ist natürlich bitter, aber auch nicht gerade förderlich, wenn man mit den Impfungen vorwärtskommen will.

Kleinkinder:
Ich hatte Gelegenheit mit einer Krankenschwester zu quatschen, die nach 1 1/2 aus der Elternzeit zurückkam. Natürlich habe ich sie gleich befragt, wie die ganzen kleinen Menschen mit all dem umgehen, wenn sie ja Fremde eigentlich nur mit Maske kennen. Sie erzählt etwas aus dem Alltag und berichtet, wie fixiert der Sohn auf die Augen des jeweiligen Gegenübers ist. Krass. Ich bin gespannt was aus dieser Generation wohl mal wird. Verhörspezialisten? Immigration Officers?

Masken-Macke:
Neulich eile ich in den Supermarkt, kurz vor der Schiebetür greife mir die Stelle meiner Jake, wo üblicherweise meine Maske ist. Sie war weg. Sch… das kann nicht sein, die ist immer da! Habe ich die auf dem Weg verloren, habe ich eine andere Jacke an? Ich mache kehrt und laufe zurück, Auf der Hälfte des Weges merke ich, dass ich das Ding locker ums Kinn trage. Also ich habe eine Maske … und eine Macke.

Tja, und wie geht’s nun weiter? Schwer zu sagen. Aber wenn man mal davon ausgeht, dass die Infektionen ja bereits alle vor schon vor Tagen stattfanden und man bedenkt, dass ja niemand irgendwelche Maßnahmen (außer Impfen und 2G) im Angebot hat, zeitgleich aber überall die Masken fallen und sich der Bund nun auch noch aus dem Geschehen zurückzieht … oh oh.

Mal sehen wie das so weitergeht 

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241) The flying locus

Neulich tigerte ich durch mein Höhlenoffice. Das Headset auf der Rübe lief ich hin und her. Schreibtisch – Fenster – Schreibtisch – Fenster – Schreibtisch – Fenster. Der Labersack am anderen Ende der Konferenz hörte nicht auf zu lamentieren. Auf einmal sah ich eine Klo-Kabine am Himmel vorbeifliegen.

Was für eine willkommene Abwechslung, dachte ich. Die Stimme des Labersacks in meinen Ohren wurde immer leiser …

„Und deshalb frage ich dich ob, bla bla … bla … bl … b … ….“

Meine Gedanken drifteten ab:

  • Ist das Ding eher noch leer oder schon voll gefüllt?
  • Schwappt die Brühe eigentlich über bei starkem Wind?
  • Was, wenn da noch ein Bauarbeiter drauf sitzt und Zeitung liest?
  • Verursacht der vielleicht akustische Störungen, so dass man ihn zur Darmentleerung immer über die Kante schickt?
  • Ist vielleicht der Zoll auf der Baustelle und da verstecken sich fünf Illegale drin?
  • Was wäre das wohl für eine Sauerei, wenn das Ding vom Haken rutscht?
  • Und was hätten Monty Python aus dieser Szene wohl gemacht?

„Hallooooooooooo! Hörst du mich?? Bist du noch daaaaaa? Ich rede mit dir! Du antwortest ja gaaaaar nicht!“

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen:

„Doch doch, ich bin da. Ich denke, für die Beantwortung all deiner Fragen, sollten wir eine andere Flughöhe wählen. Mal von oben drauf schauen, weißt du? Durch eine andere Brille, sozusagen. Und wenn wir so nicht weiterkommen, kann man dich … ähm … „sich“ ja auch mal in einen Raum einsperren, vielleicht auch mal außerhalb … an einem ungewöhnlichen Ort, meine ich. Noch mal tiefer in die Materie eintauchen. So from top to down. Das kann ja auch mal ganz erfrischend sein. Ich meine, unsere täglichen Baustellen hindern uns vielleicht auch am kreativen Denken. Out of the box, weißt du? Und wenn wir den Scheiß dann immer noch vor uns haben, dann müssen wir die Entwicklung auch einfach mal laufen lassen, abkoppeln … abstoßen … du weißt was ich meine, oder? Und wenn das alles nichts bringt, dann müssen wir das halt auf alle Köpfe im Team verteilen.“

“Ja so machen wir das“

Na also!