93) Postkarte aus Berlin: Bauten im Wandel

Wenn jemand eine Reise tut, dann sollte er vorher sein Handy von Fotos befreien, um Platz für neue Bilder zu schaffen. Diesmal habe ich ein paar Fotos aus Berlin zusammengesammelt, die man eher auf der B-Seite oder C-Seite eines Albums vermuten würde, aber sie sind auf ihre Weise dann doch wieder etwas kurios, wenn man die Geschichte dahinter etwas kennt.

Fangen wir mit einem Ort aus meiner Kindheit an. Dem Kino „Kosmos“.

In den 60-er Jahren als Großraum-Kino mit „nur“ einem Saal gebaut, nach der Wände längere Zeit dicht, in den 90-er Jahren dann in ein Multiplex-Kino verwandelt, seit ca. 15 Jahren eine Event-Location, wo es nun meistens recht dunkel ist und die Schaukästen an leere Aquarien erinnern. Tja, warum eigentlich nicht??
Mehr hier bei Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmos_(Berlin)

Schade, schade, ich würde mir da glatt noch mal „ET der Außerirdische“ und „Dirty Dancing“ anschauen, auch zum 20. Mal 😉

Das Kosmos liegt in der Karl-Marx-Alle. Stadtauswärts durch sozialistischen Prunkbau der 50-er Jahr geprägt („Stalinbauten“, große Wohnungen, Dachterrassen, etc), Stadteinwärts durch schmucklosen Plattenbau aus den 60-er Jahren (aber immerhin hatten die kapiert, wie man schnell Wohnraum schaffen kann, während wir in 2023 nun die „Idee“ von Modulbauweise diskutieren). Sei es drum.

Heute gibt es Stadteinwärts einen breiten Grünstreifen in der Mitte, und am Rand breite Radspuren. Nicht zu vergessen, dass dort einmal im Jahr Ketten-Panzer und Raketen auffuhren, wenn im Oktober dem greisen Kabinett um Honecker gewunken werden sollte. Panzer in der Stadt, Ketten auf Fahrbahn, das vergisst man nicht.

Mehr hier bei Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Allee

Weiter zum Messegelände in die westliche City. Eröffnet in den frühen 20-er Jahren, vor 100 Jahren …. ja … ja … bekam es in den 30-er Jahren noch eine klotzige Eingangshalle im Germania-1000-Jahre-Style dazu. Tja, so ist das mit dem Gehabe, früher baute man sich solch Paläste, heute kauft man(n) sich eher Sportwagen … oder baut noch einen größeren Palast.

Mehr bei Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Messegelände_(Berlin)

Ein weiteres “Prunkstück“ steht unweit des Messegeländes. Das International Congress Center (ICC), eröffnet Ende der 70-er Jahre. Als Teenie in den 90-ern, da fand ich das ja ganz futuristisch, erinnerte es irgendwie an Star Wars. Heute steht das Ding völlig konzeptlos, asbestverseucht in der Gegend rum und garniert damit eine der langweiligsten und hässlichsten Ecken Berlins, wenn man mich fragt.

Mehr hier bei Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Congress_Centrum_Berlin

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Zum Abschluss machen wir gemeinsam einen Ausflug zur Stasi. Och nöööö!. Keiner klatscht. Jeder findet eine Ausrede. Aber keine Sorge, die dunklen Zeiten sind ja vorbei und das Ex-Gelände der Staatssicherheit wird nun auch für Kunst- und Film-Projekte genutzt. Und so kam es dann, dass wir uns im August diesen Jahres auf Plastikstühlen niederliessen und Open Air eine Doku über die Fanclubs von Depeche Mode in der DDR schauten. Das war schon echt der Knaller. Dave Gahan sang auf dem Hof der Stasi-Zentrale „People are People“ und die Zuschauer gingen mit. Erich Mielke würde sich im Grab umdrehen. Aber soll‘ er ruhig.

Mehr dazu hier bei Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungs-_und_Gedenkst%C3%A4tte_Normannenstra%C3%9Fe

I can’t understandWhat makes a manHate another manHelp me understand

Frühere Postkarten aus Berlin:

493) Mit Zettel und Stift 13

Irgendwann werde ich die Serie umbenennen müssen, denn es wird scheinbar gar nicht mehr so viel per Hand auf Papier geschrieben, es wird eher geklebt, gedruckt und gesprayed. Na, is‘ auch Wurscht, gibt trotzdem immer was zum Entdecken.

Fangen wir mit unserem Wasser, auch das wird weniger und teurer, es sei denn man weiß, wo es das noch preiswert gibt. Man staune … in Luxemburg zum Beispiel.

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Zurück in Berlin wird‘s noch billiger, da ist der Burger nur noch 10% homemade.

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Ein paar Straßen weiter, scheint wieder Geld da zu sein, um an der „Connection“ zum verzogenen Gör zu arbeiten.

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Bisher hatte ich nur in den Nachrichten davon gehört, die Berliner Verkehrsbetriebe bieten Stellplätze für Straßenmusikanten an. Gegen kleines Entgelt kann man da im zugigen U-Bahn-Eingang musizieren … oder man macht es draußen an der Oberfläche, wo man auch gesehen wird.

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Hier läuft irgendein Knalli mit roten Anzug und langem Bart durch den Park und will Hunde ins ewige Chappi-Land befördern. Tja Kinder, sieht wohl schlecht aus mit Besuch vom Weihnachtsmann dieses Jahr.

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Auch das bleibt nicht aus dieser Tage, aber just in diesem Moment kam mir eine Friedenstaube (in Straßen-grau) vor die Linse geflogen.

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Bei der folgenden Reklame schrillten die Alarmglocken gleich mehrfach. Darf man so etwas noch ablichten? Und wieso grinst die so kess, wenn ihr die Wasserstrahlen auf die Oberweite prasseln. Das geht doch nicht! Und seit wann Bitteschön, wird wieder warm geduscht?

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Ein neues Wandbild „ziert“ den Kiez, es bedarf aber eines (… mehrerer) Innehaltens, um es zu kapieren.

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Und wenn wir unsere Planeten Erde ruinieren, vergiften und verpesten, ist auch egal. Nur weiter so. Denn es gibt jetzt schon Universal-Erden in Tüten. Bio sogar.

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Zum Abschluss ein Plakat, welches mir in Heidelberg begegnet ist.

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In diesem Sinne.
Bis bald mal wieder

PS: Bilder enthalten Marken und eingetragene Warenzeichen, ist rein zufällig, ich kriege‘ nix dafür. Leider.

<—Mit Zettel und Stift 12

—>Mit Zettel, Stift und Tastatur 14

79) Na‘n Schwääärbehindatnausweis!

Wieder ein typisches Beispiel für Berliner Gastfreundlichkeit und Kommunikation mit Fremden. Gestern quälte ich mich durchs Drehkreuz des „Rail & Fresh – WC“ des Berliner Hauptbahnhofs. Mit Laptop-Tasche und Rollkoffer, ein ganz besonderes Vergnügen. So müssen sich die Navi SEALs auf der Sturmbahn fühlen. 

Da ich ein 1-EUR-Stück dabei hatte, war ich dem Frische-Tempel mit Musik schon sehr nahe. Ein anderer Reisender fummelte an der Tür des WC‘s für Behinderte Menschen, was fairerweise noch vor dem Drehkreuz seine entlastende Dienste anbietet. Nun ja, die Tür war aber verschlossen und es eilte eine Klo-Frau (?) … Sanitärservice-Fachangestellte (?) heran und schaute den Reisenden fragend an. Der wiederum machte mit Händen und Füßen deutlich, dass er doch gern auf diese Toilette wolle. Ob er dafür nun die nötige körperliche Einschränkung mitbrachte, war nicht zu erkennen.

Also entwickelte sich folgender Dialog:

  • Reisender: „Can I …“ und zeigte dabei auf die Tür.
  • Sanitärservice-Fachangestellte: „Na‘n Schwääärbehindatnausweis!“ und streckte die Hand aus.
  • Reisender: „I have a problem!“ und zeigte auf sein Bein.
  • Sanitärservice-Fachangestellte: „Ja, Probleme hab ick och“

Na immerhin … verstand sie etwas Englisch 😉

488) Rechnung an „Die letzte Generation“?

Woran merkt man, dass Berlin eine neue konservative Regierung hat und in die Spandauer Vorstadt-Piefigkeit abdriftet? Ganz offensichtlich. Man erwägt, Radwege schmaler zu gestalten und echauffiert sich den Mund fusselig, wenn „Die letzte Generation“ die Säulen des Brandenburger Tors mit oranger Farbe besprüht.

Dann braucht man ewig um eine Reinigungs-Kompanie zusammenzukriegen und weil man so genervt davon ist, tönt man seit Tagen über die lokalen Medien, die Rechnung würde an „Die letzte Generation“ gehen. Polter, Polter. Durchgreifen! Kante zeigen! Jawohl! Also da bleibt selbst mir, als „established“-er Anwohner im schicki-micki-bio-veggie-fair-diversem Stadtbezirk Prenzlauer Berg die Spucke weg. 

Wie einfältig, wilmersdorfig und charlottenburgisch uncool ist das denn lieber Herr Kai Wegner?

Dieses geschichtsträchtige Brandenburger Tor hat nun schon wirklich oft gelitten und alles überstanden. Weltkrieg, Silvesterparty, Pyromanen, Autoverkehr und jetzt droht es anscheinend umzukippen wegen etwas Farbe? Und nun glauben Sie, das macht man mit einem Sandstrahler weg und dann ist alles wieder gut? Davon mal abgesehen, dass in sechs Wochen wieder eine Sylvester-Party am Tor stattfindet? 

Das ist doch lächerlich! Die ganze Stadt tropft vor Scheiß-nicht-lesbarem Graffiti (nicht Street Art gemeint) und mit dieser Schäbigkeit und alternativen Lebensweise werden Touristen nach Berlin gelockt und schleppen Geld hierher. Und dann führt man sich auf, wie der Gemeindevorsteher einer schwäbischen Kleinstadt zu Neujahr um 01:30 Uhr? Sorry, liebe Leser in schwäbischen Kleinstädten, es geht nicht gegen euch. Es geht mir um diese „Wir-wischen-das-mal-schnell-wieder-weg-und-dann-ist-alles-wieder-gut“-Mentalität, die hier in an den prominenten Stellen der „hippen“ Hauptstadt vermehrt Einzug hält.

Das ist lächerlich, dumm und provokant. 

Hätte die Stadt ein bisschen Mumm, würde sie es einfach so belassen. Als … (ja durchaus) …  hässlichen Anstoß zur Diskussion, für Einwohner und Besucher. Sollen die Menschen das gut oder schlecht finden, mir völlig egal, aber so ist das nun mal bei der Klima-Debatte … sie polarisiert … und da werden noch ganz andere Herausforderungen auf uns warten, also so ein bisschen Farbe. Sollen doch Touristen-Busse jeden Tag an diesem „Schandfleck“ vorbeifahren, sich ein Bild davon machen und damit konfrontiert werden. Sollen orange bepinselte Steinstücke verkauft werden, wie die gefälschten „original“ Mauerstücke seit über 30 Jahren.  

Und wenn das „orange“ nun wirklich nicht ins Metropolen-Konzept passt, dann soll der Regierende Bürgermeister von Berlin, das von mir aus mit blau-gelb für die Ukraine überpinseln oder mit weiß-blau für Israel. Oder mit Regenbogen für alles Diverse auf dem Planeten, ist mir wirklich Wurscht.

Aber das wäre wenigstens ein Statement!

Stattdessen Waschlappen gegen Klimaproteste…

Weicheier!

… und wenn diese Betriebsamkeit bei unseren Baustellen herrschen würde … wir wären eine Metropole.

78) Frust am Bau – 2

Keine Sorge, mein Blog wird nicht zur Mecker-Ecke verkommen. Das hat er nicht verdient. Ihr auch nicht. Obwohl, ich hätte vermutlich auf Jahre neuen Stoff zum Schreiben. Ein schier endloser Vorrat an Ärgernissen, der mir täglich vor die Tastatur gespült wird. 

Aber nein, Ich will nur etwas loswerden, denn wir fahren in den Urlaub. Ach so? Der Herr macht es sich schön und kippt hier vorher noch einmal den großstädtischen Mistwagen aus und lässt uns damit zurück?

Ehrlich gesagt ja.

Unweit meines Blog-Headquarters, wurde einer Schule vor langer Zeit ein Anbau bewilligt. Wie schön, wir investieren in die Schulen! Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber auch hier könnte man glauben, es wird ein neuer Flughafen gebaut oder der östliche Zugang zu Stuttgart 21. Und da ja Bau-Maschinen und Bau-Materialien irgendwie aufs Gelände kommen müssen, hat man ganz einfach den Fußweg vor der Schule gesperrt. Im Januar 2022 (!). Als gäbe es keine andere Zufahrt zum Gelände. Und da man ja den Kindern und anderen Fußgängern eine Verantwortung gegenüber hat, bietet die Stadt seither einen gelben Zebrastreifen an, mit dem man alternativ auf die andere Straßenseite wechseln soll, um dann 100 Meter später wieder über den festinstallierten weißen Zebastreifen zurück auf die Seite der Schule zu gelangen, um dann noch mal zurück zum Eingang des Gebäudes zu laufen. Kapiert? Nee? Ich auch nicht.

Anfänglich funktionierte es noch ganz gut. Die Kids folgten dem Experiment, fragten nich nach. Bis die ersten Eltern diesen Umweg als unnötig einstuften. Die Kinder waren nicht doof und machten natürlich alles nach. Nun latschen die Meisten einfach auf der Straße. Und lauschen, ob sich von hinten ein LKW nähert. Denn das wäre schon unangenehm, irgendwie. Wie blinde Menschen dieses Manöver wohl meistern? Na ja, das kriegen die hin, oder? Die müssen ja nur mit den Fingerkuppen an dem Bauzaun langtasten, Masche für Masche, und ein bisschen aufpassen, dass sie nicht mit dem Gehstock in einem Gulli-Deckel hängen bleiben. Und schon haben sie es geschafft, wenn sie nicht an einem Poller hängen bleiben.

Da haben die also für knapp zwei Jahre ein absolutes Parkverbot verhängt, aber ein improvisierter Fußweg .. wenigstens zeitweise … scheint nicht machbar.

Ich finde, da können sie den ganzen Schilder-Blödsinn auch gleich ganz lassen. Andere Städte kommen auch ohne Fußweg aus, oder? 

Liebe Kinder, liebe Jugendliche, falls ihr gerade grübelt, wie ihr künftig eure Brötchen verdienen werdet, wie ihr Business generieren könnt. Vergesst IT, vergesst AI, auch die Umwelt, Städteplanung und Pharmazie. Alles Zeitverschwendung. Gründet einfach eine Firma für Bauzäune oder heiratet in sie ein.

In Berlin eine Goldgrube.

Und ich wiederhole mich:
Lieber regierender Bürgermeister Herr Wegner (CDU), liebe Bezirksbürgermeisterin von Pankow Frau Koch (Grüne). Ihr Parteibuch ist mir in der Angelegenheit völlig schnurzpiepegal. Tun sie bitte was.

77) Frust am Bau – 1

Liebe Lesende, liebe Bloggende, liebe Andere, wenn ihr in letzter Zeit eher auf der Suche nach „Good News“ seid, dann wechselt besser mal kurz den Kanal. Denn ich werde jetzt motzen, meckern und schimpfen. Ich vermute, dass Worte wie „unfähig“, „inkompetent“ und „dilettant“ fallen werden. Ich kann auch nicht ausschließen, dass ich mich in Rage schreibe. Ich habe mir vorsorglich ein paar Beta-Blocker und Blutdrucksenker zurechtgelegt, an denen werde ich nebenbei etwas knabbern, damit das hier jetzt nicht vollends eskaliert.

Aber wie fange ich jetzt nur an. Wie bringt man Kopfschütteln, erhöhten Puls und Wut auf Papier? Vielleicht beginne ich einfach mit dem Titel-Bild.

Diese Baustelle schmückt mittlerweile seit einem Jahr (!) die Kreuzung in der Nähe. Nein ich übertreibe nicht, das kann man im amtliche Baustellenverzeichnis nachlesen. Nicht, dass man dort archäologische Funde gemacht hätte oder einen Tunnel nach Australien bohrt, nein es geht darum, unsere Scheiße zu entsorgen. Kanalarbeiten. Fachmännisch, präzise, gründlich, deutsch … lächerlich. Und deshalb wurde der von Süd-Ost anrollende Verkehr auf eine Spur verengt. Das geschah bereits im Rahmen der einjährigen Kanalarbeiten, die zuvor den rechten Fahrstreifen 100 Meter die Straße rauf, aber das zählt ja nicht, das war ja eine andere Baustelle. Ha Ha!

Stau nervt, Abbiegen ist verboten, weshalb sich der Auto-Verkehr durch die angrenzenden 30-er Zonen quetscht. Und weil es selbstverständlich einen Anspruch auf eine Radspur gibt, wurde die auf den Fußweg verlegt. Konflikte vorprogrammiert. Und weil so ein Loch so ungemein praktisch ist, fliegen da natürlich Müll, E-Roller und Einkaufswagen rein. Sträucher wachsen da mittlerweile ringsherum und ich warte eigentlich nur noch drauf, dass sich die westböhmische Bunt-Schnauzen-Kröte dort ansiedelt und dieses Nadelöhr zum National-Kultur-Erbe erklärt und für immer gesperrt wird.

Einen Moment … ich muss mal vom Beta-Blocker naschen …

„Knurps“

So … sorry bin wieder da.

Selbstverständlich müssen Kanalarbeiten mal sein, ich will die Scheiße auch nicht mit Eimern zum nächsten Klärwerk bringen müssen. Und ja, der Verkehr wird von Autos gemacht und wir müssen Verkehrskonzepte überdenken. Alles verstanden.

Nur dieser mittlerweile 12 Monate anhaltende Irrsinn, das Rumgeblöcke zwischen Radfahren und Fußgängern, die riskante Verkehrsführung, die Luftverpestung durch das Warten an der Ampel, das wurde eben nicht von Autofahren verbockt. Auch nicht von Klima-Klebern. Das alles wurde von unfähigen Baustadträten und Bürokraten geschaffen. Lässt sich nicht leugnen.

Und jetzt soll mir keiner mit „Pandemie“, „Krieg“, „Krise“, „Lieferkette“, „Fachkräfte-Mangel“ kommen … das akzeptiere ich nicht, das sind billige Ausreden, die von der Inkompetenz an den entsprechenden Stellen ablenken sollen.

Was ich mir einbilde, die verantwortlichen Damen und Herren als inkompetent zu beschimpfen? Tut mir Leid, anders kann ich mir das nicht erklären. Denn sonst müsste ich annehmen, sie machen das mit Absicht.

Habe ich nicht schonmal einen Blog-Beitrag ähnlich enden lassen?
Ja, im Mai 2019 —> Baugrube Berlin 10407

Wisst ihr, was mich am meisten ärgert? Zwei Dinge sind es eigentlich:

Erstens, dass wir uns gern so ingenieurig, so pünktlich, so strukturiert sehen. Ich lach‘ mich schlapp. „Großklappig“ oder „selbstüberschätzt“ würde ich es mal eher nennen. Den wachsenden Anforderungen nicht gewachsen, der Versetzung in die Oberstufe wird nicht stattgegeben. 

Zweitens, fährt mit man solcher Dilettanz in Planung und Umsetzung die Leute sauer. Zum Einen die, die eh schon eine kurze Lunte aber keine Konzepte haben, die nicht nach Gründen fragen oder nach konstruktiven Lösungen suchen. Aber eben auch diejenigen, die solche Einschränkungen leise und mit viel Geduld ertragen. Ich halte das für gefährlich.

Lieber regierender Bürgermeister Herr Wegner (CDU), liebe Bezirksbürgermeisterin von Pankow Frau Koch (Grüne). Ihr Parteibuch ist mir in der Angelegenheit völlig schnurzpiepegal. Tun sie bitte was.

76) Wenn ick sage aussteigen, dann meine ick aussteigen

Heute hat es mich mal in die City getrieben. Etwas für den Einzelhandel tun, das BIP stärken. Gegen 12:00 ging es los und wir tingelten durch einige Geschäfte. Leider konnten wir nicht alles von der Liste abarbeiten, es ist halt „Einzelhandel“, nicht „Alleshandel“. Dafür hatte ich fünf Stunden Zeit, die Berliner Innenstadt zu „erleben“, was durchaus mal eine Abwechslung ist und für mich als humanressourcender Höhlen-Worker ein echtes Erlebnis war. Höhepunkt des Tages war sicher ein Tram-Fahrer der Linie M4 kurz vor 17:00 Uhr. Wir stiegen am Hackeschen Markt in die Bahn ein, ein Kinderspiel, Zielgerade, wohl bekanntes Scenario, würde ich besoffen mit verbunden Augen und Kopfhörern meistern. Aber die Bahn fuhr nur einige Meter.

Dann folgte eine weibliche Stimme vom Band:

  • „Dim – Düm -Dim … sehr geehrte Fahrgäste … wir müssen ihnen mitteilen, dass … knorcks … rausch … knister … wegen eines technischen … knack … bitte … Station … raschel … viel zu leise … was sagt die da? … aussteigen … bitten … Verständnis.
  • Achseln Zucken. Wir bleiben erst mal hier sitzen. Die Berliner Art eben, mit so etwas umzugehen.

An der nächsten Station sprach dann der Tram-Fahrer übers Micro:

  • „Nuschel … bitte … nuschel …alle … ins Brötchen beißend … aussteigen … dieser Zug … mampf … hier.
  • Die Einheimischen standen auf, verließen die Tram und stellten sich artig an der Bahnsteigkante auf.
  • Dann wieder der Tram-Fahrer: „Ich wiederhole … bitte … allet aussteijen, dieser … endet … hier. Zwei Fahrgäste blieben sitzen. Eine ältere Dame und eine junge Asiatin.
  • Ich wedelte von draußen mit den Händen, versuchte der Asiatin klarzumachen, dass sie rauskommen soll. What? Me? Why?
  • Der Tram-Fahrer öffnete die Tür und brummelte über seine Schulter: „Wenn ick sage aussteijen, dann mein ich auch aussteigen. Wat is‘n daran so schwer?“.

Dann konnte ich mich nicht zurückhalten:

  • Ich: „Vielleicht sagen sie das auch mal auf englisch, dann würden die das auch verstehen.“
  • Tram-Fahrer: „Wat? Ja wo sind wir denn hia?“
  • Ich: „In einem Touristen-Hotspot?“
  • Tram-Fahrer: „Ick hör‘ ja wohl nich‘ richtig … brabbel … brubbel … mecker.“

Die Damen stiegen aus, ich entschuldigte mich für diesen Vollhonk. „Sorry … this train … defect … you know … just wait here … this guy … gaga … I‘m sorry … next tram should come … in 3 minutes.“

Er bekam Signal, schloß seine blöde Tür und musste anfahren, um die nachfolgenden Bahnen nicht aufzuhalten.

Was fürn Arsch.

Welcome to the hippe Hauptstadt!

PS: Streitdialog mit dem Tram-Fahrer aus dem Gedächtnis nachempfunden und etwas ausgeschmückt

472) Buchstabensuppe mit Alles – 7

Da fliegen so einige Gedanken durch meinen Kopf, die darum bitten, schriftlich fixiert werden. Das wären dann allerdings 4-5 einzelne Blog-Beiträge zu denen mir aktuell ein wenig der Bock fehlt. Also kipp ich mal wieder alles in einem großen Topf und mache lecker Buchstabensuppe mit Alles.

Gestern am 2. Oktober hatte Gandhi Geburtstag. Meine Kollegen in Indien hat einen Feiertag und ich beim Joggen die Gelegenheit drüber nachzudenken, was denn Gandhi wohl getan hätte dieser Tage. Kaum vorstellbar, dass er mit Verzicht, Blockaden, Hungerstreik und Gewaltfreiheit weit gekommen wäre. Die „Letzte Generation“ bedient sich ja auch am Instrumentenkasten des zivilen Ungehorsams und schafft damit bislang … Aufmerksamkeit und Aufregung.

Das Pergamonmuseum in Berlin soll bald für dringende Baumaßnahmen ganz/teilweise geschlossen werden. Man rechnet mit einer Bauzeit von zwölf Jahren, ja zwölf. Nur mal so im Vergleich, das Taj Mahal wurde in 20 Jahren gebaut, zugegeben auf einer Wiese und mit unzähligen Arbeitern, die wir ja bekannterweise nicht mehr haben. Gehen wir mal davon aus, dass bei den Bauarbeiten irgendwas schief geht oder wir auf Überraschungen stoßen, wäre die vollständige Wiedereröffnung in 2036 oder so.

Apropos 2036. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, flirted mit der Idee einer erneuten Olympia-Bewerbung. 2040 hält er für möglich, aber am liebsten wäre ihm 2036. Na wunderbar. Noch geschichtsträchtiger kann ja nun eine Olympiade in Berlin kaum sein. Damals 1936 saß Hitler im Berliner Olympiastadion. Mal gucken, wer 2036 als unserer Reichs … ähm … sorry Bundeskanzler im Stadion winkt.

Aber heute ist nun erst mal wieder Tag der Deutschen Einheit. Diesmal wird in Hamburg gefeiert und man wird bei Labskaus, Maultaschen und Thüringer Bratwurst diskutieren, was bisher gut lief und wo noch große Baustellen zu bearbeiten sind. Der Bartsch von den Linken forderte im Vorfeld einen Ost-Deutschland-Gipfel. Ob uns solch ein Gipfel nun weiter bringt, weiß ich nicht, aber ein wichtigen Punkt hat er natürlich, wenn er deutlich darauf hinweist, dass nächstes Jahr in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gewählt wird. Und ich habe da kein gutes Gefühl.

Schönen Feiertag allerseits

<– 432) Buchstabensuppe mit Alles – 6

—> 561) Buchstabensuppe mit Alles – 8

471) Es könnt‘ so einfach sein

Diese Woche war ich dienstlich in Prag. Mit der Bahn. Von Berlin bis zum Ziel in gut vier Stunden. Kannst’de nich’ meckan. Erst kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Prag fiel mir ein, dass ich mich ja mal irgendwie mit dem lokalen ÖPNV beschäftigen müsste, um zum Termin zu kommen. Aber ich hatte keinen Bock drauf. Ich beschloss, es auf mich zukommen zu lassen. Mal gucken. Wird schon irgendwie

Also stapfte ich am Bahnhof Prag zu einem gelben Automaten, drückte 1-2 Knöpfe und hatte dann eigentlich nur die Wahl zwischen 30 Minuten, 90 Minuten und Day-Pass. Wie jetzt, so einfach? 

Bei der Rückfahrt vom Office, zeigte mir die Kollegin noch kleinere, gelbe Dinger an der Wand der Metro, kaum größer als ein Seifenspender, an denen man quasi im Vorbeigehen zwischen 30min und 90min wählen konnte, Visa-Karte drunter, Ticket abreißen und ab durch die Mitte zum Zug. Ich war begeistert und sprühte vor Begeisterung. 

And how is it in your home town Berlin?

  • Ahm. Actually we have 3 or 4 Zones …
  • Thats all?
  • No, it depends on … well … the time and number of stops …
  • There is a „Kurzstrecke“ with 3 Stops mit S-Bahn or U-Bahn …
  • But
  • You can also make 6 Stops with Bus or Tram …
  • With „Kurzstrecke“ … yes, yes
  • Or
  • You go with „Einzelfahrausweis Normal“ …
  • But
  • Then maximum 2 hours and …
  • Go Anywhere?
  • No, no … only … in the Richtung of the Fahrziel …
  • Keine Späße zwischendurch …
  • You know …
  • And
  • Umstiege sind erlaubt … glaube ich … not sure …
  • Auf jeden Fall keine Rundfahrten …
  • Don’t you have a Ringbahn ?
  • Yes, but … never made it around … better pay twice …
  • Students and Kids go cheaper … yes, yes … very social here…
  • But not in Zone C … you know …
  • For Zone C you need the „Anschlussfahrausweis“ with full price …
  • You need this for the Airport …
  • You said S-Bahn, right?
  • No I mean for the REGIO …
  • Red train, DB, double decker …
  • Is faster … than S-Bahn … to the Airport …
  • But
  • Same price as S-Bahn …
  • Really?
  • Yes … because is all Deutsche Bahn …
  • What?
  • Don‘t care.
  • Really essential is … and never forget this …
  • „Mit’n Fahrrad nich’ in erst’n Wag’n!!!“
  • And always … „Tür‘n freimachen, sonst jeht‘s hia nich‘ weiter“

Got it?
No.

Erinnert mich an letzten Dezember, wo ich u.a. „meinem Inder“ in München die „MVG-Streifenkarte“ erklären wollte.

Hier zum Nachlesen:

470) Marathon

Heute war ich auf dem Platz, um dem roten Tartan meine neuen Schuhe vorzustellen. Während ich da so meine Runden taperte, sah ich einen Hubschrauber über der Innenstadt kreisen. Der galt nicht mir, sondern sicherlich den „Verrückten“, die am Berlin-Marathon teilnahmen. Während ich so meine 400m Bahn trottete, kam ich natürlich ins Überlegen, wie viele Runden ich machen müsste, um einen Marathon zu schaffen. 105 und noch ein Bisschen mehr. Wahnsinn.

Zurück im heimischen WLAN landete ich dann irgendwann bei unserem deutschen Ausnahme-Sportler, der den Marathon quasi zum Nachtisch absolviert und ein bisschen so heißt, wie eine Figur von „Herr der Ringe“.

Und ich klickte mich noch etwas durch Internet:

  • 77 kg bei 1,94 Körpergröße, wow.
  • 70 Paar Schuhe pro Jahr, das sind 1,5 pro Woche wenn man ihm etwas Urlaub gönnt
  • 35 Stunden pro Woche Training, also eine Vollzeit-Stelle
  • 5.000 km pro Jahr, also 100 km pro Woche, wenn ich 100 im Monat mache, ist das schon viel

… und er schwamm ja noch und fuhr Rad … nicht zu vergessen.

Glückwunsch an Tigst Assefa für ihren neuen Weltrekord!