98) Corona-Lektionen 20

Die siebte Family-Homeoffice-Woche geht dem Ende zu, vor uns liegt ein langes Mai-Wochenende. Das Wetter wird so la la, aber Mai-Fest oder Straßen-Café gibt‘s eh nicht. Nächstes Jahr vielleicht.

Zeit für ein paar Gedankengänge, die mich beschäftigen

Abwägung: Seit längerem liegt ein Text-Fetzen in meinen Notizen: „… Alles für die Gesundheit? Wie lange? …“. Aber ich hatte keinen Schimmer, wie ich das hier halbwegs sensibel ansprechen kann. Nun hat der Bundestagspräsident das getan. Er provoziert eine wichtige Diskussion: Kann alles der Gesundheit unterliegen? Was riskieren wir sonst noch so, um die Infektionszahlen niedrig zu halten? Wie lange tragen wir das alle mit? Ist es nicht auch der Lauf der Dinge, dass Menschen erkranken? Das klingt kalt und herzlos, das weiß ich auch. Aber ich denke, die Gesellschaft kann sich der Frage auch nicht entziehen. Schwieriges Thema, gar keine Frage.

Risiko: Ein Bespiel, wo es definitiv ein Risiko gibt. Da gibt es eine kleine Omma, die soll im Juni stolze 100 Jahre alt werden. Seit Wochen darf sie niemand mehr besuchen, auch ihr Zimmer darf sie nicht mehr verlassen. Nicht einmal zum Essen. Alles zum Schutze ihrer Gesundheit. Sie ist damit sehr unglücklich, die Kommunikation mit den Angehörigen klappt schlecht, da sie schwerhörig ist. Zum Briefe schreiben kann sie kaum den Stift halten. Also bleibt nur die Glotze bei Lautstärke 100. Und diese kleine Omma, schützen wir nun vor „uns“, die vielleicht diese fiese Krankheit unwissend in uns tragen. Dieser kleinen Omma wird man wohl verklickern müssen, dass der Bürgermeister nicht kommen wird, um zum Hundertsten zu gratulieren. Fraglich ist, ob überhaupt EINER aus der Familie vorbei gehen kann. Vielleicht ist sie nun so gut geschützt, dass sie noch 100,5 wird oder gar 101 oder 102? Wird aber die Familie nie mehr sehen, wenn es ganz blöd läuft.

Applaus: Ich will den Beitrag nicht so düster enden lassen, also nun noch etwas Unterhaltsames: Unsere jungen Mitbewohner hatten kürzlich den Fernseher fürs Finale von „The Voice of Kids“ okkupiert. Die Show lief ohne Publikum natürlich. Die Sitzreihen dort im Studio waren unbesetzt und abgedunkelt. Alle 30 Sekunden ertönte aber ein Applaus. Wie damals bei „Alf“ oder der „Schrecklich netten Familie“. Sehr skurril. Das wäre doch auch was für die kommenden Geisterspiele im Fußball oder? Das kann man auch wunderbar automatisieren. Kaum rollt der Ball aufs gegnerische Tor zu, toben die einen Lautsprecher, rollt er zurück, tönen die anderen Boxen. Fangesänge, Schlachtenrufe und selbstverständlich die üblichen Beleidigungen könnte man auch abspielen. Für die Bengalos kann man vielleicht einen Pyro-Werker anheuern, die haben doch eh nix zu tun gerade.

In diesem Sinne.

Schönen Feiertag 

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32) Postkarte von Himmelstreifen

Vor Corona zog alle paar Minuten ein Flieger am Sonntag Himmel entlang. Nun, da die meisten Flieger am Boden stehen, sind Kondensstreifen am Himmel schon echt eine Seltenheit geworden.

Schon fast vergessen, wie nervig Reisen auch sein kann, stehe ich dieser Tage da, schaue in den Himmel, zeige mit dem Finger und rufe:

„Schaut mal da, ein Flieger!

Hier ein paar Bilder aus den letzten Wochen:

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Fernweh? Wo sollte es denn hingehen?

<— Weitere Postkarten gibt‘s hier

 

97) Corona-Lektionen 19

Bevor wir in die siebte Family-Homeoffice-Woche starten und uns daran gewöhnen müssen, Stoff-Stücke vor der Schnauze tragen, will ich noch ein paar Gedanken-Gänge vom Wochenende teilen.

Generation: Gerne geben wir den Generationen Namen, den letzten wurden nur noch Buchstaben aufgedrückt. X und die Y und die Z. Das blöde an den Buchstaben ist, dass man häufig ins Schlingern kommt, wer was ist und was diese Generation eigentlich ausmacht. Ich bin mir sicher, dass es eine Generation „Corona“ geben wird. Was wird die ausmachen? Es wird die Generation der Stubenhocker, der Home Workers, der sozial distanzierten sein. Gleich bei Geburt werden die Kinder lernen, dass auf diesem Planeten nicht nur die Geburtshelfer Mundschutz tragen, sondern auch Mama und Papa. Nur blumiger. Omma und Oppa werden sie erst einmal nur per Video kennenlernen.

Gesundheit: Viele heilige Kühe aus der Arbeitsgesetzgebung wurden in den letzten Wochen geschlachtet. Menschen arbeiten dauerhaft von zu Hause. Arbeit und Privatleben fließen ineinander über. Arbeitnehmer generieren massiv Überstunden, arbeiten bevor die Kids wach werden und nachdem sie wieder im Bett sind. Sie sitzen wochenlang auf klapprigen Küchenstühlen, vor viel zu kleinen Bildschirmen und schicken Daten über schwach geschützte Leitungen. Den Arbeitssicherheitsbeauftragten, Datenschützern, Betriebsräten, Betriebsärzten und Betriebspsychologen kräuseln sich die Fußnägel. Ich bin gespannt wie das wieder in „normale“ Verhältnisse zurückgeführt wird. Vielleicht bleibt es auch einfach so.

Konflikte: Wirtschaft, Sport und Tourismus drängeln kräftig und verlangen weitere Lockerungen. Letztlich geht es dort ums liebe Geld, um deren „Überleben“. Aber es werden auch andere Stimmen laut. Neben den wirtschaftlichen Interessen, darf nicht vergessen werden, dass die Arbeit von Vereinen, Hilfs-und Beratungsstellen, Religionen und Politischen Gruppen immer noch massiv eingeschränkt ist. Wenn 100 Menschen gemeinsam einen Baumarkt betreten dürfen, ist es nur schwer verständlich, dass z.B. Demonstrationen nur bis 20 Teilnehmern möglich sind und das Selbsthilfe-Café und die Familienberatung um die Ecke seit Wochen geschlossen sind. Da droht neues Unheil.

Ich möchte euch einen Beitrag vorstellen, der bereits bunt kommentiert wurde. 

https://mutter-und-sohn.blog/2020/04/24/die-psychologie-der-maske-deutschland-und-die-maskenpflicht/

Ich bin bestimmt kein Drängler, aber ich denke auch, hier muss mehr geöffnet werden. Mit Abstand und Mundschutz sollte es doch möglich sein. Raum dafür gibt es genug. Große Plätze, Stadien, Hallen und Hotels sind ungenutzt. 

Gesellschaft besteht nicht nur aus Balkon-Pflanzen und subventionierten Neuwagen!

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96) Corona-Lektionen 18

Wir beenden die sechste Woche im Family-Homeoffice. Egal ob groß oder klein, es gab viel zu tun, der Router tat guten Dienst und so langsam tritt Freitägliche Entspannung ein.

Ein paar Gedankengänge aus der Woche:

Masken: Die Kanzlerin empfahl vor ein paar Tagen Masken für Mund und Nase. An sich nichts Neues für uns Hobby-Virologen, oder? Unterhaltsam fand ich dann eher ihre hauswirtschaftlichen Hinweise. Man solle die Dinger bei 60-90° waschen oder backen. What? Sofort tanzten Fragezeichen vor meiner zunehmend faltigen Stirn. Waschen bei 60-90°? Wow? Nur die Maske oder kann man da noch etwas mitwaschen? Welche meiner Klamotten halten denn bitte 90°C aus? Ich bin ein Kerl, der nur zwei Programme kennt. Und zwar 30° für Sport, 40° für den Rest. Da hätte ich mir mehr praktische Hinweise von „Mutti“ gewünscht. Und wirklich Backen? Mit TK-Pizza und Pommes aus der Tüte? Darf man das oder muss die Maske dann einen Mindest-Abstand zu den Fritten einhalten?

Klebeband: Klo-Papier gab‘s heute wieder. Das beruhigt deutsche Seelen und deren Ärsche. Oder deutsche Ärsche und deren Seelen. Allerdings würde ich erwarten, dass es bald kein Packband mehr gibt. Unzählige Meter „Vorsicht Glas!“ oder „Fragile“ oder „Achtung“ oder „Oben“ kleben auf den Fliesen der Supermärkte. Wer soll das jemals wieder wegfummeln? Praktikanten werden ihre Fingernägel für die große Sache opfern müssen und man wird ihnen ein Denkmal setzen. „Sie hingen Corona an den Nagel“ oder „Sie gaben ihre Nägel für Corona.“

Abstand: Das Wort scheint im deutschen Alphabet zügig von A nach Z zu wandern. Kaum sprach man über Lockerungen und kaum stimmten mehr in diesen Kanon ein, habe ich heute den Eindruck, die Aufhebung aller Einschränkungen verpasst zu haben. Beim Döner-Imbiss steckt der Kunde den ganzen Kopf durchs Fenster und befeuchtet den Fleischspieß, Radler fahren in Gruppen durch den Kietz, der „Günther“ gegenüber gibt eine Balkon-Party. Ich Frage noch einmal: Die beiden Osterwochenenden sind noch nicht mal in der Statistik angekommen … oder?  Wie wird das weitergehen?

Eigentlich gibt‘s nur zwei Optionen:

  1. Wir kriegen in 2-3 Wochen noch mal so richtig eins auf die Mütze.
  2. Es passiert gar nichts. Dann frage ich mich allerdings was wir hier seit Wochen treiben.

Ratlos. Grüße aus Berlin
T.

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95) Corona-Lektionen 17

Die ersten kleineren Läden dürfen wieder öffnen. Das ist schön und bringt wieder etwas Leben auf die Straße. In zwei Wochen werden wir sehen wohin das führt, etwas skeptisch bin ich da auch noch, haben wir doch noch nicht einmal die Effekte des ersten Oster-Wochenendes virologisch verkraftet. Ganz zu Schweigen vom zweiten Wochenende mit den warmen Temperaturen und Freiheitsgefühlen, getragen von der Diskussion um Lockerungen. Aber gut.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeschooling: Gestern habe ich eine Diskussion im TV verfolgt, da ging es auch um die Herausforderungen im Homeschooling. Ein Argument war, dass es nichts bringe, die Kids mit Hausarbeiten zuzuschütten, stattdessen bräuchte man „Lernplattformen“. Da bin ich ja voll dabei, aber die wird’s nicht morgen geben. Die Realität sieht leider anders aus. Wenige Lehrer experimentieren kreativ und offen mit den „neuen“ Medien (volles Lob!), aber der Großteil ist doch herzlich überfordert. Tut mir leid, dass so sagen zu müssen, auch wenn Lehrkräfte hier mitlesen, aber so ist es nun mal in unserem Schulumfeld. Seit letztem Mittwoch 12:00 Uhr ist klar, dass die Schulen nicht öffnen werden, heute am Dienstag trifft man sich zur ersten Beratung und nun trudeln die ersten Aufgaben per e-mail ein. Sechs Tage später. Unterschiedlich in der Menge, der Erläuterung und der Verbindlichkeit. Und auch nicht von allen, sondern nur von einzelnen Lehrkräften. Und wo ist die Schulleitung in dem Spiel? Kann ich alles nur schwer nachvollziehen, ehrlich. Und da soll mir keiner sagen, das ist alles „neu“ und „gab es noch nie“. Das ist Quatsch.

Medienzugang: Und nun zu einem sehr heiklen Thema, wobei ich mir vielleicht die Finger verbrenne. Aber ich will das Thema trotzdem mal ansprechen. Häufig höre ich das Argument, dass nicht alle Haushalte den nötigen Zugang zu entsprechender Technik haben und deshalb die elektronische Verteilung der Lerninhalte nicht funktionieren kann. Und jetzt wage ich mal die Provokation, dass das nicht stimmt. Sicherlich haben nicht ALLE den Zugang zur Technik, aber ich bin mir sehr sicher, dass ein Großteil dieser ALLE ihre Smart Phones im Einsatz haben, da wird auch gedaddelt, WhatsApp genutzt und bei Insta vorbeigeschaut. Und ich glaube auch, dass viele Playstations oder andere Zeitvertreiber in den Kinderzimmern laufen. Wenn das wirklich nicht so ist, dann soll der Shitstorm über mich ergehen und ich lerne gern dazu. Bitte um Kommentare, ich korrigiere mich gern.

Auf Sicht: Diese Formulierung wird dieser Tage häufig verwendet. Aufgrund mangelnder Daten und Erfahrung muss man auf „Sicht fahren“ oder auf „Sicht fliegen“. Schöner Vergleich eigentlich. Aber er ist eben nicht vergleichbar und daher möchte ich aktuell auch nicht in der Haut der Entscheider stecken. Auf „Sicht fahren“ heißt doch, ich fahre mangels Daten vorsichtig vorwärts, sehe kurz vor mir Hindernisse oder Tiere und reagiere entsprechend. Und da hinkt der Vergleich. Bei der Diskussion um Lockerungen der Beschränkungen, fahren die Entscheider nicht „auf Sicht“, sondern sie müssen heute entscheiden, und zwar aufgrund von Daten, die sie 10-14 Tage zuvor an einer Kreuzung gesehen haben. Das macht einen großen Unterschied. Stellt euch vor, ihr dürftet nur rückwärts auf euer Ziel zufahren, ohne Rückspiegel und müsstet eure Lenkbewegung aufgrund der zurückgelegten Strecke machen. Viel Erfolg.

Grüße aus Berlin

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—> Corona-Lektionen 18

94) Corona-Lektionen 16

Kaum war >Corona-Lektionen 15 veröffentlicht, wurde letzten Mittwoch nun bekanntgegeben, wie es mit der Schule weiter geht. Gar nicht. Zumindest bis Anfang Mai. Doof, aber immerhin mal `ne klare Ansage. Besser als dieses permanente Spekulieren.

Drei Gedankengänge aus den letzten Tagen:

Positives: Nach dem letzten Beitrag auf ->Ida‘s Blog habe ich über positive kurzfristige Effekte nachgedacht, die diese Zeit für uns im Angebot hat. Neben der gewonnenen Zeit und Entschleunigung, über die ich schon geschrieben habe, gibt es da viele Kleinigkeiten, die man nun endlich mal machen kann. Hier ein paar Vorschläge, ihr könnt gerne weitere kommentieren: Wollte man schon immer mal grüne Haare oder eine Glatze probieren, dann ist jetzt der ideale Zeitpunkt dafür. Einfach mal sehen, wie man mit Vollbart oder Schnauzbart aussieht? Jetzt machen! Nach Herzenslust Knoblauch futtern ohne sich Gedanken zu machen, ob man morgen Kollegen trifft? Macht es! Großräumig Menschen ausweichen, ohne als soziophob zu gelten? Herrlich! Selbst nur zwei Brötchen mit Karte zahlen? Was für ein Vergnügen in Deutschland!

Dummes: Heute habe ich im Supermarkt ein Gespräch zwischen einer Kundin und ihrer Kassiererin mitbekommen. Darin berichtete die Frau hinter der Kasse auch über manch miese Reaktion, die sie erwidert bekommt, wenn sie auf bestimmte Corona-Spielregeln hinweist. Nur ein Erlebnis frei zitiert „Du blöde Schnepfe, hättest du mal etwas ordentliches gelernt …“ mehr gebe ich hier nicht wieder. Der Wachmann habe wohl schon viele Hausverbote erteilt, erzählte sie weiter. Was hat diesen Mitmenschen nur das Hirn gegrillt? Ist es Corona? Sorgt Covid-19 nicht nur für Verlust des Geruchs-und Geschmacksinns, sondern fördert es vielleicht auch Stumpfsinn, Dumpfsinn, Pöbelsinn oder Größenwahnsinn?

Begrüßenswertes: Anfang März war ich auf einer Veranstaltung, die von unserem Bundesarbeitsminister eröffnet wurde. Als Warm-Up faltete er die Hände und nickte uns im Publikum ein Indisches „Namaste“ entgegen. Berührungsfrei, aber trotzdem herzlich. Jeder, der schon mal in Indien war weiß, dass sich das weitaus besser anfühlen kann, als ein feuchter europäischer Händedruck. Auch Günther Wallraff schlug kürzlich vor, eine neue Art der berührungsfreien Begrüßung zu entwickeln. Großartig! Ich bin dabei. Keine schlaffen Hände mehr schütteln, keine „Hugs and Kisses“ im Job, die ich noch nie leiden könnte (siehe auch Beitrag ->38) Kannst du kniggen). Aber was kann es werden? Nase-Reiben wie die Eskimos? Geht nicht, zu nah. Verbeugen wie die Japaner? Gut gegen Viren, aber für unsere Verhältnisse zu förmlich. Ellenbogen reiben ist albern. Also … dann gern Namaste!

Viele Grüße an Freunde, Kollegen und Blogger in Indien.

Haltet durch!

<—Corona-Lektionen 15

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31) Postkarte aus‘m Himmel 2020

Schwieriger Titel. Tut mir leid. Ich will keinem zu Nahe treten, in diesen Tagen schon gar nicht. Aber ich habe mal wieder Lust, eine Postkarte zu verschicken.

Tausende Flugzeuge liegen derzeit am Boden, die Reisebranche (Hotels, Pensionen, Restaurants, Guides, Fahrdienste) liegen gleich daneben. Schlimm. Ein Flugzeug am Himmel zu sehen, ist mittlerweile eine Seltenheit geworden. Und wir werden wohl auf längere Zeit nicht mehr aus einem Flugzeug auf die Wolken schauen können. Auch wenn das Image der Fliegerei schwer angeschlagen ist und mein CO2-Footprint der letzten Jahre auch nicht gerade mustergültig war, möchte ich ein paar Impressionen aus den letzten Wochen vor Corona teilen.

Fliegen ist eine großartige Erfindung. Wenn die Ingenieure doch nur irgendwann einen Umweltfreundlichen Antrieb entwickeln könnten … dazu wäre doch jetzt Zeit.

Hier die sechs schönsten Bilder aus 2020:

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PS: Auf den Bildern sind Markenzeichen von Fluggesellschaften zu sehen. Es solle bitte nicht der Eindruck entstehen, ich stünde bei denen auf der Zahl-Liste. Eigentlich wollte ich die Logo’s mit Klebezetteln abdecken, aber keine Crew wollte mir die Tür aufmachen 😉

<— Hier geht‘s zu weiteren Postkarten
(immer gern skurril und nachdenklich, Hochglanzbilder gibt‘s im Katalog)

 

 

93) Corona-Lektionen 15

Die 5. Woche im Familien-Home-Office neigt sich dem Ende zu. Zwischendurch ein paar Tage frei gehabt, etwas Resturlaub abgebummelt, tolles Wetter genossen. Aber es ist irgendwie anders. Man hat frei, ist es aber nicht.

Zeit: Von Langeweile keine Spur. Es gibt so viel zu tun, was sich auch von zu Hause organisieren lässt. Reifen wechseln, Kinderzimmer renovieren, Steuererklärung abgeben, Photos archivieren, Keller aufräumen usw usw. All die Dinge, die man mal machen wollte, wenn … tja wann eigentlich ? … ja wenn man mal Zeit hat … also jetzt. Und wenn sich dann zum Ende der Aufgaben-Liste dann doch noch etwas  „freie Zeit“ entwickelten sollte, soll es mir doch erst einmal nur recht sein. Zig Bücher, Hörbücher warten schon länger drauf, wertgeschätzt zu werden. Endlich bekommen wir mal das, dessen Mangel wir sonst beklagen.

Regale: Beim Gang durch Baumarkt und Supermarkt kriegt man einen guten Eindruck, was die Leute den ganzen Tag so tun. Beim Baumarkt gibt’s kein Maler-Krepp mehr, Flüssig-Dünger auch nicht. Beim Bäcker ist ab 14:00 Uhr der Kuchen weggekauft, die Dame hinter der Theke spekuliert: „Das muss der Frust sein“. Beim Kaufland ist das große Eisregal … leer. Oh ha, denke ich mir da. Nicht nur Familientherapeuten werden nach Corona viel zu tun haben, auch die Ernährungs-Coaches.

Lockerung: Seit einigen Tagen spekuliert Hinz und Kunz öffentlich darüber, ob und wie man denn nun Lockerungen einführt. Das Wort „Lockerung“ ist eher positiv besetzt. Führt es doch z.B. beim Sport zu sofortiger Besserung oder in Diktaturen zu großem Jubel. Damit die Deutschen jetzt aber bloß nicht denken, sie können die Korken knallen lassen, spricht man nun vermehrt von „Schrittweiser Reduzierung der Einschränkungen“. Das klingt weniger nach Sekt, sondern eher nach Gummi. Ich kann das nicht mehr hören und schalte meist ab. Meldet euch, wenn ihr ein Konzept habt und verkündet dann etwas, wann es etwas zu verkünden gibt. Dann werden wir damit umgehen. Aber hört auf mit dieser … Tröpfchen-Information!

Grüße aus Berlin, T.

<— Corona-Lektionen 14

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58) Zeitung

Ich mag den Geruch von Zeitung. Warum eigentlich? Ist es die Druckerschwärze? Sind es die Erinnerungen an die Zeit, in der ich für ein paar Mark das Berliner Abendblatt in hunderten Briefkästen verteilte? Egal. Soll ja auch nur eine Einleitung sein.

Am Wochenende gönne ich mir gern so ein Old School Raschel-Werk, oft komme ich aber erst am Sonntag dazu, einen Blick hineinzuwerfen, auch wenn die Nachrichten damit den Stand von Freitagnachmittag haben. Hübsch gefaltet liegt der Papierstapel nun vor mir. Jeder mag so seine eigene Lesestrategie haben. Manche blättern von vorn nach hinten, manche von hinten nach vorn, andere suchen erst einmal die Bianca in der Mitte und entscheiden dann, wie es weiter geht.

Ich demontiere meine Zeitung …

  • Als erstes entnehme ich den Immobilien-Teil. Den kriegen die Kinder sofort als Mal-Unterlage. Mir bringt der nichts, weil wir glücklicherweise ein Dach über dem Kopf haben, weil mich nicht interessiert ob in Spandau 50 Town-Houses hochgezogen werden, weil ich den grinsenden Immo-Makler mit Fiffi auf Arm und Kopf schon Millionen Male gesehen habe.
  • Die große Theater-und Bühnen-Beilage für die nächsten sechs Monate kriegen die Kids gleich noch mit dazu. Das Bunt-Papier von Teppichland, Küchenstudio und Polsterwelt fliegt sofort in die Altpapier-Kiste. Schade um‘s Papier und die Farbe. Wieviele dieser Beilagen werden nicht einmal „aufgefaltet“, sondern landen direkt wieder in der blauen Tonne? Muss das für den Designer nicht super-frustrierend sein?
  • Der Berlin-Teil scheint mir da ganz interessant, jedoch ist auch die Hälfte des Abschnitts mit dem Fernsehprogramm bedruckt, zusätzlich eingerahmt von gigantischen „#wirbleibenzuhause“ oder „#berlinengegencorona“-Initiativen der Bundes-und Landesregierung. Reflexartig forme ich mit den Armen ein Spitzdach über meinem Kopf. Mit dem Feuilleton konnte ich noch nie etwas anfangen. Vielleicht noch eine Mal-Unterlage für die Kids?
  • Der Service-Teil ist heute nicht so der Knaller. Reisen in Corona-Zeiten, Fremdsprachen in Corona-Zeiten, Homeoffice-Ausstattung in Corona-Zeiten, Autofahren in Corona-Zeiten, …. ich kann es nicht mehr hören. Dann noch eine Anzeige des Job-Centers. Die sind für mich da. Und gemeinsam schaffen wir das! Aber deren „Liegenschaften“ sind geschlossen, ich solle den eService nutzen. Verstanden. Zu guter Letzt der Börsenteil (Aktien sind doof) und  das Kreuzworträtsel (sollte ich jemals dafür Zeit haben). Nein, Danke. Mal-Unterlage!
  • Und weiter gehts mit Europa-Wetter (brauche ich nicht, is‘ ja von Freitag und Reisen darf ich eh nicht), Traueranzeigen (da kenne ich zum Glück keinen), Fußball in Corona-Zeiten (der Ball ruht … was sonst). Auch Mal-Unterlage. Drei Viertel der Zeitung habe ich nun bereits zur Mal-Unterlage erklärt. Können die Kinder überhaupt jemals so viel malen?

Aber es gibt Hoffnung: Kolumnen, Essays, Leserbriefe und das Magazin liegen noch vor mir. Das Beste zum Schluss. Eigenartig oder? Wie so‘n Blog. Riecht nur besser 😉

13) SmartVid-20 – Teil 2

Der wiedergefundene Zeitungsausschnitt vom 20. März 2021 (hier zum nachlesen), wird wohl für immer in der metallenen Erinnerungskiste im Flur verschwinden. Persönliche Erinnerungen wurden bis Mitte 2021 üblicherweise unterm Bett oder auf dem Dachboden gelagert. Seit der vielen Feuer im Frühling 2021, der damit einhergehenden Zerstörung vieler Erinnerungsstücke und den Millionen Klagen gegen die Bundesrepublik, wurde das PEaG (Persönliche Erinnerungsaufbewahrungs-Gesetz) verabschiedet. Es regelt die künftige Aufbewahrung solcher Erinnerungen in den eigenen vier Wänden. Eine feuerfeste Metall-Kiste der Schutz-Klasse A1, die im Flur zu stehen hat, soll das zügige und eigenhändige Heraustragen im Feuerfall ermöglichen. Kaum war der Ausschnitt von März in der Kiste verstaut, fällt ein zweiter Zeitungsartikel in die Hände.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. April 2021:

Bundesregierung, Feuerwehr, Polizei und KatSchutz-Behörden rufen die Bürger erneut dazu auf, ihre Smart Phones und Tablets an die ausgewiesenen Sammelstellen zu schicken, um sie nachhaltig zu zerstören. Nur so lasse sich die Ausbreitung von SmartVid-20 eindämmen, hieß es. Mit Durchsagen über Funk und Fernsehen werde versucht, jeden Haushalt zu erreichen. Dies gestalte sich jedoch mehr als schwierig, da die meisten Menschen ihre Informationen nicht mehr über diese konventionellen Kanäle beziehen, sondern nur noch über ihre Smart Devices. Man stecke hier in einem Dilemma, bestätigte Bundesinnenminister Horst Meerkötter. Das Einfachste wäre natürlich, Push-Nachrichten auf die Millionen Geräte zu schicken. Damit würde man zwar alle Bundesbürger sofort erreichen, jedoch wäre die Maßnahme kontraproduktiv, wenn es doch eigentlich darum ginge, die Smart Phones zu zerstören. Zudem bestehe ein hohes Risiko, dass diese Nachrichten als lästige Werbung oder Fake News weggedrückt werden. Ein eigens für diese Aufgabe gegründeter Think Tank rät indes dazu, subtile Durchsagen in Netflix-Serien und Podcasts zu integrieren. Diese würden dann irgendwann gestreamt und die Nachricht wäre somit übermitteltet. Aber auch das gestaltet sich schwierig, werden solche Formate doch meistens über Smart Devices konsumiert, die man doch zügig vernichten wolle. Die Maßnahme würde zudem zu lange dauern und die notwendigen Retour-Quoten würden so nicht erreicht. Die KatSchutz-Behörden dagegen schlagen vor, mit Lautsprecher-Wagen durch die Straßen zu fahren und die Menschen über diesen analogen Weg zu informieren. Aber auch hier scheint der Wirkungsgrad gering, da die Menschen ihre Wahrheiten nicht mehr auf der Straße suchen, sondern in ihren digitalen Welten. In einem Feldversuch wurde nun die im März 2021 seitens der Smart Phone Hersteller vorgeschlagene Fernzündung der Geräte getestet. Alle Smart Phones und Tablets der Gemeinde Klein-Kennstenicht wurden gestern in Brand gesetzt. Es sei zu erheblichem Sachschaden in den Wohnungen gekommen. Größeren Personenschaden gab es, aufgrund der durch die Smart Phone Branche initiierten Brandmelder-Pflicht, glücklicherweise nicht. Insider sind sich einig, dass dieses Vorgehen innerhalb der nächsten zwei Wochen für ein zufällig gewähltes Bundesland wiederholt wird. Mit Spannung wird die Ansprache der Bundespräsidentin heute Abend erwartet, in der letztmalig zur freiwilligen Abgabe der Geräte motiviert werden soll.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.04.2021

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