13) Verspätung erwünscht

Punkt 16:30 Uhr verließ ich das Projektbüro, mein Rückflug sollte 19:00 Uhr abheben. Es war genug Zeit und sogar ein kleiner Puffer war enthalten. Gegen 16:40 Uhr erreichte ich die Haltestelle des Flughafen-Bus, der mich normalerweise in ca. 40 Minuten zum Flughafen München bringt. Diesmal standen bereits 15 Menschen dort an der Bordsteinkante. Oh, oh, Da stimmte etwas nicht. Ich stellte mich dazu. Um mich herum wurde viel diskutiert und auch die Kassiererin wirkte etwas überfordert. Ein Bus war wohl schon ausgefallen, der nächste war erst am Hauptbahnhof. Noch standen mir alle Optionen offen, also verlies ich die Schlange und tauchte in der U-Bahn ab. Laut MVG-App konnte ich zwischen der S1 und der S8 wählen. Die S1 würde zwar länger brauchen, dafür aber etwas eher, um 17:48 Uhr, ankommen. Also fuhr ich zum Marienplatz und sprang dort in die S1, die aber nur bis Feldmoching ausgezeichnet war. Da die S1 immer zum Ende der Fahrt getrennt wird und nur noch als Kurz-Version zum Flughafen fährt, war das meine Erklärung. In Feldmoching allerdings hieß es aber für alle „Endstation, alle aussteigen“. Wir wurden an einen Schienenersatzverkehr in Richtung Norden weitergereicht. Die Fahrt ging sehr bald los. Dann zuckelten wir aber so über die Dörfer, hielten an roten Ampeln, Stopp-Schildern und Fußgänger-Überwegen. Ich zog Google-Maps zu Rate, um ein Gefühl für Zeit und Strecke zu bekommen und mir wurde klar, dass zwischen verbleibender Fahrzeit und verstreichender Zeit ein unausgeglichenes Verhältnis bestand. Unterwegs hielt ich vergeblich nach einem Taxi Ausschau. In Lohof musste ich aussteigen und auf einen anderen Bus warten. Permanent aktualisierte ich die Navigation im Kartendienst und mein Puls stieg und stieg. Endlich kam der Bus, aber noch vier Stationen über Land lagen vor mir. Berechnete Ankunftszeit war nun bereits 18:35 Uhr. Zusätzlich noch die Wege am Airport, die Sicherheit…das würde eng werden. Ich fühlte mich wie in Zeitlupe und sehnte eine Verspätung der Lufthansa herbei. Zunächst erreichten wir Eching, dann Neufahrn, endlich Besucherpark und dann Flughafen Terminal 1. Kaum angekommen, rannte ich mit meinem Rolli durchs Terminal 1, über den großen Platz rüber ins Terminanal 2 und über die Rolltreppe hoch zur Sicherheit. Dort war zum Glück nichts los und ich konnte schnell zum Gate 24 flitzen. Um 18:45 Uhr war ich endlich da, das Boarding hatte noch nicht begonnen. Der Flieger hatte 10 Minuten Verspätung. Manchmal liebe ich Verspätungen. Mein Hemd dampfte, aber mein Puls beruhigte sich wieder. Mein Sport-Programm hatte ich also nun schon erledigt und ich würde noch nach Hause kommen. 

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26) McRaff

Neulich konnte ich im Hotel der Geburt des neuen Burgers „McRaff“ beiwohnen. Oder sollte ich vielleicht sogar besser „Raff-Bürger“ sagen? Das Ganze gestaltete sich ungefähr so: Beim Frühstück setzte sich ein kräftiger Kerl an den Nachbartisch. Zunächst belegte er den Platz mit persönlichen Dingen, damit keiner mehr diesen Tisch für sich beanspruchen konnte. Quasi das Bade-Handtuch des Frühstücks. Dann verschwand er erst einmal am Buffet. Schnell kam er wieder mit gehäuften Tellern zurück an seinen Platz. Soweit ich das sehen konnte, waren es drei Kaiser-Brötchen, ein Berg voll gebratener Speck, dazu Kartoffel-Röstis in rauen Mengen und viele Nürnberger Würstchen. Will der das wirklich alles essen? Ist der vielleicht Kugelstoßer oder Gewichtheber und braucht das jeden Morgen? Oder ist er nur ein Vater, der für die noch schlafenden Kids die Brötchen macht? Aber das sollte sich bald herausstellen. Mit geübten Griffen halbierte er zunächst die Kaiser-Brötchen, legte dann die Nürnberger Würstchen auf die eine Hälfte, gefolgt von den Kartoffel-Röstis. Dann stapelte er den gebratenen Schinken, eine Scheibe Käse und dann noch die zweite Brötchen-Hälfte als Deckel oben drauf. Den ersten Burger aß er sofort, den zweiten wickelte er in eine Serviette und ließ ihn unauffällig in der Tasche zu seinen Füßen verschwinden. Gespannt beobachtete ich, was denn nun mit dem dritten Burger passieren würde. Auch den wickelte er in Serviette und versenkte ihn neben dem ersten Burger in seiner Tasche. Der Mann erhob sich, kippte zwei Gläser O-Saft direkt an der Saftbar in seinen Schlund und verschwand. Stille. Als wäre nichts gewesen. Nur der Dreck auf seiner Tischdecke war noch da. Die ganze Szenerie wirkte, als wäre gerade ein Heuschreckenschwarm oder das Krümelmonster vorbeigezogen. Mal abgesehen von fehlenden Tisch-Manieren und seinem vermutlich erhöhtem Cholesterinspiegel, erschütterte mich am meisten die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der er dort die Tasche füllte. Bloß gut, dass ich bereits vor ihm mein Rührei mit EINER Scheibe Schinken veredelt hatte und ich Nürnberger Würstchen zum Frühstück nicht mag.

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10) Kleine fiese Wolke

Es kann man ich an den Rand der Verzweiflung bringen. Dankend lehne ich am Flughafen jegliche kostenlose Zeitungen, Werbe-Zettel, Kreditkarten-Anträge und anderes Papier-Zeug ab. Denn, ich habe ja ein neues Hörbuch auf dem Telefon, auf das ich mich schon richtig freue. Ich brauche also gar kein Lesematerial in Papier. Ich habe eine ganze Stunde in der Luft vor mir, nur für mich und mein Hörbuch. Das Kabinen-Personal vollführt sein Sicherheits-Ballett und weist noch auf einmal auf den Flugmodus für die Smartphones hin. Selbstverständlich. Es ist nur eine Wischbewegung auf dem Glas des Telefons und schon heben wir ab in die Luft. Der nächste Gong befreit die Flugbegleiter aus ihren Sitzen und fordert sie auf, den Getränkewagen flott zu machen. Gute Idee, sage ich mir. Ein kaltes Getränk ist ein wunderbarer Begleiter für ein neues Hörbuch. Aber ich sitze in der Mitte des Fliegers, daher wird es noch etwas dauern, bis der Wagen bei mir angekommen ist. Derweil will ich schon einmal das Hörbuch öffnen, bekomme dann aber ein Wolken-Symbol auf dem Buch-Cover angezeigt. Panik steigt in mir auf. Das ist ein schlechtes Zeichen. Trotzdem tippe ich drauf und dann passiert genau das. Eine Meldung erscheint: „Sie haben keine Verbindung zum Internet“. Und auch kein kaltes Getränk.

7) Lichtschaltkreise

Betrete ich ein Hotel-Zimmer, so wirkt es oft, als wohne schon jemand anders dort. Der Fernseher läuft und überall leuchtet Licht. Ich bin aber ganz allein, auf dem Klo sitzt auch niemand. Hat sich dann meine Seele auch endlich im Zimmer eingefunden, mache ich mir es etwas gemütlicher. Dazu gehört zum Beispiel, dass viele Licht im Zimmer reduzieren. Das ist aber oft gar nicht so einfach. Versuche ich den erstbesten Schalter, stehe ich danach fast im Dunklen. Probiere ich den Taster daneben, gehen nur die Mini-Spots an den Nachttischen an. Wähle ich dann einen anderen Lichtschalter am anderen Ende des Zimmers, durchfluten Decken-und Wandleuchten das Zimmer und es wird taghell. Und so geht das Spiel weiter. Die wirkliche Überraschung gibt es dann zum Ende des Tages. Wenn ich endlich müde im Bett liege und von dort aus das letzte Licht löschen will…

21) Waste of my son

Eigentlich gehört die folgende Geschichte gar nicht hierher. Vielleicht lohnt sich künftig eine eigene Kategorie für solche Erlebnisse und Menschen hier auf diesem Blog. Mal sehen. Zunächst parke ich die Geschichte hier im Bereich des Reise-Egoismus, nur halt von der gegensätzlichen Seite erlebt. Sozusagen der Anti-Egoismus oder das Selbst-Denunziantentum. Gibt es das? Weiß ich gar nicht, aber so etwas habe ich kürzlich erlebt. Unsere EasyJet-Maschine landet fast pünktlich in Lissabon. Die Türen werden vorn und hinten geöffnet, wir entscheiden uns für die hintere Tür, da uns das näher ist. Eine andere deutsche Familie entscheidet genauso. Kurz vor Verlassen der Maschine spricht der Familienvater an der Tür einen Steward an und zeigt dabei zurück in Richtung Kabine. „Bitte schauen Sie noch mal im Sitz meines Sohnes nach, da liegt noch Müll von ihm“. Also, das habe ich trotz meiner Viel-Fliegerei noch nie erlebt. Jemand der freiwillig auf die eigenen Hinterlassenschaften in der Sitztasche vor ihm verweist? Auch der nur englisch-sprechende Steward guckt ihn fragend an. Entweder weil er überhaupt nichts verstanden hat oder weil er mit einer solch unpräzisen und erstmaligen Selbst-Anzeige eines dicken Teutonen vollkommen überfordert ist. Der Vater bemerkt schnell, dass er sein Anliegen nicht treffend platzieren konnte, also versuchte er es noch einmal auf Englisch. Er zeigt wieder mit dem Finger in die Kabine und sagt… „da is‘ noch waste in the seat of my son“. Der Steward nickt pflichtbewusst und hat noch keine Ahnung, ob er beim Aufräumen eher den „Abfall der Sonne“ oder die „Hüfte des Sohnes“ in diesem Sitz findet.

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20) Flughafen-Bus

Aber zunächst erst einmal genug mit all den Kindergeschichten. Kommen wir zu etwas anderem. Ein weiteres riesiges Feld von Egoismus und Ignoranz scheint das Reisen zu sein. Schon in meinem Buch „Please follow the signs“, habe ich viele dieser wirklich unsympathischen Menschen beobachtet und zu Papier gebracht. Dabei schrieb ich über Idioten, die mit riesigen Rollkoffern in die Kabine rollen und sensible Jacketts in den Staufächern platt walzen. Typen, die sich unter einem Vorwand vorn in die Schlange einreihen, um sie dann später aber als Sitznachbarn wieder zu finden. Menschen, die zu spät kommen und sich dann maßlos drüber aufregen, warum der Flieger wieder später abgeht oder die Gepäckfächer voll sind. Aber ich will hier nicht das ganze Buch noch einmal schreiben. An dieser Front scheint es ab immer wieder Nachschub zu geben. Und so kann ich nicht aufhören, über diese mit Mitmenschen zu schimpfen. Zum Beispiel beim Einstieg in einen Flughafen-Bus. Das Flugzeug ist gerade gelandet und die Treppen rollen heran. Nur zwei Busse fahren vor und wir wissen, dass am Berliner Flughafen keine weiteren Busse folgen werden. Um so unverständlicher ist mir, dass viel Gäste nicht in die Busmitte durchgehen wollen, sondern an der Tür stehen bleiben. Im Stadtverkehr kann ich das verstehen, wenn man an der nächsten Station schon wieder aussteigen will. Aber beim Flughafen-Transfer gibt es aber nur eine Station. Da werden alle aussteigen. Also was soll der Hickhack? Am Kofferband sieht man sich eh wieder. Und selbst wenn der Reisende gar keine Koffer hat und nur darauf abzielt, als erster ein Taxi zu ergattern, wird er eh am überfüllten Taxistand zum Stillstand kommen. Oft habe ich erlebt, dass im Inneren des Busses genügend Platz war. An den Türen jedoch, sah es aus, als käme der Bus gerade aus Indien. Aus dem Flugzeug stolpern die letzten Gäste die Treppe herunter, stehen dann planlos vor der Bus-Tür und kommen nicht hinein. Aber das interessiert die Türsteher überhaupt nicht. Soll doch ein weiterer Bus kommen. Was geht mich das an? Ich war zuerst hier! Da aber kein weiterer Bus kommen wird, verzögert sich die Abfahrt um weitere wertvolle Lebenszeit. Irgendwann haben auch die Berliner Busfahrer keine Lust mehr auf das Schauspiel und fordern mit Berliner Charme auf, durchzutreten. „Könn’ se ma‘ durchtreten, sonst steh‘n wa zur Tagesschau noch hia“. Na endlich.

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3) Fixierter Duschkopf

Neulich, in irgendeinem Hotel, machte ich Bekanntschaft mit einem echten Launen-Killer. Ich tappte verschlafen ins Bad und stellte mich in die enge Duschkabine. Üblicherweise nehme ich vor dem Duschen den Duschkopf in die Hand, um so ungefähr auf Kniehöhe die Wassertemperatur einzustellen. Erst wenn das geregelt ist, traue ich mich dann komplett unter das Wasser. Diesmal allerdings war der Duschkopf über mir fest installiert. Das wahre Grauen. Selbst wenn ich also die Mischbatterie auf ca. halbe / halbe einstelle und mich in eine Ecke der Kabine verkrieche, wird der erste Schwall kalt sein. Es wird passieren. Das ist absolut sicher.