14) Tiefgarage

Mit der neuen Wohnung, sollte sich endlich die Möglichkeit ergeben, einen festen Parkplatz zu erhalten. Großartig. Nieder wieder Kreise im Kiez drehen auf der Suche nach weißen Rückfahrleuchten, die sich langsam auf die Straße schieben. Auf dem Bauplan für die Tiefgarage waren die Parkplätze im Wesentlichen so angeordnet, dass immer drei Parkplätze nebeneinander folgten und dann eine Säule. Mit viel Respekt vor den Säulen und der Angst vor Beulen im eigenen Blech, wählten wir den Mittelplatz von den drei Plätzen. Mir schien das sehr durchdacht. Also entschieden wir uns für diesen Platz und machten ihn zum Teil des Kaufvertrags. Leider war das ein Fehler, wie sich aber erst im Alltag herausstellte. Benennen wir hier unseren mittleren Platz zum besseren Verständnis als „Nummer zwei“. Den Platz rechts von uns nennen wir einfach „Nummer drei“. Diese „Nummer drei“ gehört einem Niederländer. Leider haben Niederländer, zumindest dieser eine, höllische Angst vor Beton-Säulen. Also hält er ordentlich Abstand von seiner rechten Säule und drückt dabei deutlich in Richtung Platz „Nummer zwei“. Also unserem. Den Platz links von uns nennen wir hier mal „Nummer eins“. Auf Platz „Nummer eins“ steht üblicherweise ein Passat Kombi. Dessen Eigentümer kann durchaus gut parken und kommt auch mit der Säule zu seiner linken ausreichend klar. Normalerweise würde der Besitzer vorwärts einparken damit er den Platz hinter der Säule als Schwenkbereich für seine Fahrertür nutzen kann. Blöderweise steht hinter der Säule immer ein Moped. Und das gehört dem Eigentümer des Platzes zu seiner Linken. Nennen wir ihn hier „Platz null“. Daraus lässt sich nun eine sehr einfache Gleichung für meinen täglichen Ärger aufstellen. Wenn das Moped von „Platz Null“ hinter der Säule steht, kommt der Besitzer von „Platz eins“ schlecht aus seinem Auto. Also parkt er rückwärts ein. Da er wegen seiner Kinder auch nicht mit der Beifahrerseite allzu dicht an den Pfosten will, rutscht er etwas in Richtung „Platz zwei“. Dass der A4 Kombi aus Holland grundsätzlich zu weit in Richtung „Platz zwei“ rückt, habe ich oben schon ausgeführt. Aus der Situation rechts und links von unserem Platz ergibt sich konsequenterweise, dass ich es mit meinem Auto durchaus noch auf meinem Platz passe, leider müsste ich aber im Auto übernachten oder komme am frühen Morgen kaum noch in mein Auto hinein. Dieses offensichtliche Missverhältnis muss auch den Fahrern von „Platz eins“ und „Platz drei“ bewusst sein. Das geht gar nicht anders. Das ist offensichtlich. Vermutlich denkt Besitzer von „Platz drei“, dass Besitzer von „Platz eins“ etwas für mich tun könnte. Der Besitzer von „Platz eins“ schiebt die Verantwortung dem Holländer auf „Platz drei“ in die Holz-Schuhe. Vielleicht denken auch alle an das blöde Moped von „Platz null“. Der ist ein großer Mitverursacher dieses Konflikts. An mich aber denkt keiner.

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13) Hausordnung

Weitere wunderbare Aufregbarkeiten ergeben sich aus Hausordnungen. Der Begriff klingt wie eine Legende aus dem letzten Jahrtausend. Vermutlich wurden Hausordnungen in Deutschland oder Österreich erfunden, die einzigen beiden Länder auf der Welt, deren Einwohner solche Regelwerke in den Eingangsbereich der Wohnhäuser nageln. Ich finde diese Werke eigentlich gar nicht so dumm, insbesondere dann, wenn sie mit Augenmaß formuliert sind. Kurz nach dem Einzug in unsere neue Wohnung, hatte ich auf einer Eigentümerversammlung die einzigartige Gelegenheit, an der Schaffung einer solchen Hausordnung mitzuwirken. Ein Wahnsinnsgefühl. So als würde man die Verfassung eines frisch gegründeten Staates erschaffen. Die Haus-Verwaltung moderierte diesen Prozess und erklärte zunächst Sinn und Zweck einer solchen Werkes und was im Normal-Fall darin geregelt wird. Ein durchaus nachvollziehbares Anliegen der Hausverwaltung, war der Verbot von sämtlichen Brandlasten in den Fluren und in der Garage. Gemeint waren Schuhe oder kleine Regale vor den Wohnungstüren und Chemikalien oder Reifen in der Garage. Ich fand das in Ordnung, man kann die Dinge sicherlich woanders unterbringen. Ein weiterer Paragraph zum Verschluss von Kellertüren und Garagenzugängen hätte für meinen Geschmack nicht sein müssen. Jeder ist eigentlich alt genug zu wissen, dass das eine Selbstverständlichkeit ist, wenn man nicht vor geknackter Keller-Tür stehen will und in die leeren italienischen Wein-Kartons blicken möchte. Anschließend fragte die Hausverwaltung, was der Eigentümergemeinschaft denn sonst noch wichtig wäre. Ich hatte noch ein sehr unbeliebtes Thema auf der Zunge, hielt es aber noch etwas zurück. Vielleicht gab es ja noch wichtigere Dinge der anderen Teilnehmer. Die erste Wortmeldung folgte: „Das Grillen im Hof sollte doch bitte erlaubt sein, natürlich nur in Maßen“. Na prima, das sind also die Themen, die unsere Nachbarn bewegen. Per Mehrheitsbeschluss wurde die Regelung in die Hausordnung Ordnung formuliert. Egal, auch das wird nicht jeden Tag sein. Nun war es Zeit mein Thema anzubringen. Mir war es durchaus wichtig, aber auch klar, dass ich damit nicht zum Held des Abends werde. Unweit neben mir saß eine junge Mutter, sie schien auch ein Anliegen zu haben aber sie brachte es nicht raus. Also nutzte ich die Gelegenheit. Ich fragte, wie ist denn um Ruhezeiten stünde. Sofort ging ein Raunen durch die Menge. Wir seien „ja nicht im Kindergarten“. Die junge Frau unweit von mir nickte aber eifrig und deutete ihre Unterstützung für meinen Vorschlag an. Na prima, das ist ja ein toller Einstand hier. Nach einigem Gerangel, ließen wir uns auf eine Mittagsruhe am Wochenende herunterhandeln. Bedingung war aber, dass die mit dem Einzug verbundenen Bauarbeiten in den Wohnungen noch nicht dieser Hausordnung unterliegen. Also konnten die Bosch-Bohrhammer noch viele weitere Löcher bohren. Das war für mich in Ordnung, denn auch ich hatte noch genügend Bohraufträge meiner Ehefrau vorliegen. Und wie ist es nun circa fünf Jahre nach Einzug? Bitte raten! In den Fluren stehen Schuhe, manchmal kleine Holzregale oder Skate Boards. In der Garage stehen Winterreifen, Öl-Flaschen und Schlitten. Die Tür zum Keller ist meistens unverschlossen, die Garagen-Tür eigentlich immer. Wenn es um die „hart erkämpfte“ Ruhezeit geht, drehen die Bosch-Bohrhammer ihre Runden.  Vorzugsweise nach dem IKEA Einkauf am Stamstag ab 13:00 Uhr oder kurz vor dem Tatort am Sonntagabend.

11) Volkspark Mumbai

Wenn ich mich nun auf die nächste Aufregbarkeit stürze, bin ich damit sicher nicht allein. Ich hoffe es zumindest. Wohnt man in Berlin an der Grenze von Prenzlauer Berg und Friedrichshain kennt man den gleichnamigen Volkspark. Eine Oase mitten in der hektischen Innenstadt. Ein paar Fotos: Kornelius nutzt die vielen Wege im Park, um sich auf seinen Halbmarathon vorzubereiten. Julia und Thorben knutschen frisch verliebt auf dem Rasen und können sich kaum noch zurückhalten. Vater Peter und Mutter Marie bringen Sohn Julian das Radfahren bei. Weiter hinten, unterhalb der großen Eiche, meditiert Conny zu fernöstlichen Klängen. Max der Personal Trainer legt gerade diverse Sportgeräte auf dem Rasen aus und hofft auf Kundschaft. Eine Kindergartengruppe nutzt den Tag für ihren Wandertag und erkundet die reichhaltige Berliner Flora und Fauna. Was für ein friedlicher Anblick. Diese Harmonie hält so lange an, bis aus der Straßenbahn M10 die ersten Grill-Nomaden aussteigen und mit Bierkiste auf einem Fahrrad-Hänger in den Park einmarschieren. Insbesondere am Wochenende fliegen die Brutzler ein wie die Heuschrecken. Mal abgesehen davon, dass nach kurzer Zeit der Rauch in den Baumwipfeln hängt und der Park oben aussieht wie nach einem Agent-Orange-Angriff, gleicht der Boden kurzerhand eher einer Müllhalde in Mumbai. Flaschen, Verpackung und Pappteller liegen überall herum. „Ach wie schön ist es doch im Grünen zu grillen. Da hat man gleich mehr Appetit“. Die Müllbehälter stehen zwar in Sichtweite, doch wer will schon wegen jedem Stück Alufolie die 100m zurück liegen. „Man kann ja erst einmal sammeln und den Müll später zu den Behältern bringen“. Versteht sich von selbst. Für mich. Für uns. Aber nicht für den Großteil der Grillen dort. Irgendwann lässt die Glut in dem Grill nach und die Bäuche sind voll. Es wird Zeit, noch etwas durch die nahen Clubs zu ziehen und das fettige Stück Fleisch abzutanzen. Da wären Grill und Kühltasche etwas hinderlich. Da das Grill-Equipment für wenige Euro überall und jederzeit zu haben ist, lassen sie einfach dort einfach stehen. Und da der Müllbehälter leider überhaupt nicht auf dem direkten Weg zur Straßenbahn liegt, bleibt auch der Müll an Ort und Stelle liegen. „Sollen sich doch die 1-Euro-Jobber am Montag darum kümmern“. „Um die Flaschen werden sich bestimmt ein paar arme Schweine kümmern. Da tut man ja indirekt ja noch was Gutes“. „Außerdem machen es alle anderen auf der Wiese ja genauso. Wer nun am nächsten Tag zum Joggen, Radfahren, Knutschen oder Meditieren in den Park kommt trifft auf diese Hinterlassenschaften. Reste vom Schweinekamm oder wahlweise auch Fisch, Scherben, Kronkorken und Verpackungen. Aufgrund der exzellenten Kost, haben sich die Ratten wahrscheinlich über Nacht verdoppelt. Was für ignorante Vollidioten sind das nur? Grillen im Grünen? Ich lach mich tot! Was hat man denen zu Hause beigebracht? Würden sie in Muttis Garten genauso wüten? Vermutlich nicht. Aber Mutti ist ja zum Grillfest auch nicht eingeladen. Das ist ja auch etwas ganz anderes.

10) Drogerie

Wenn ich Drogerien aufsuche, um zielgerichtet ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, könnte ich mich regelmäßig aufregen. Insbesondere wenn ich einen kurzen Aufgaben-Zettel im Kopf habe und mit ganz klarer Vorstellung den Palast der Cremes betrete. Schnell wird mir dann aber klar, dass dieser Laden nicht zum Einkaufen gedacht ist. Die Gänge sind nicht in einem klassischen Fischgrätenmuster angelegt, in dem man sich doch sehr schnell orientieren kann. Normalerweise folgt man einer Hauptstraße und geht dann links oder rechts in kleine Nebenstraßen und wird meistens schnell fündig. Jeder Baumarkt ist so aufgebaut, viele Supermärkte auch. In Drogerien jedoch ist es komplett anders. Kaum hat man die duftende Halle betreten, ist man mit schräg organisierten Gängen konfrontiert. Es gibt keine Hauptstraße. Die Produkte in den Gängen sind kaum einsehbar, Hinweisschilder die zu den Tuben und Töpfchen führen, kann man nur lesen, wenn man bereits vor ihnen steht. Häufig bleibt nichts anderes übrig als die schrägen Gänge nacheinander abzulaufen und zu interpretieren, was sich der Laden-Designer bei für die Platzierung der Ware gedacht hat. Vor kurzem stand für mich eine Dienstreise nach Asien an. Aus diesem Grunde wollte ich mir ein paar Feuchttücher mitnehmen. Eigentlich sollte das schnell erledigt sein. Aber nicht, wenn man diese bei den großen Drogerie-Ketten suchen muss. Zunächst ging ich in Richtung Baby & Co. Denn das ist vermutlich die sauberste Ecke im ganzen Laden. Fehlanzeige. Keine Feuchttücher mit desinfizierender Wirkung. Ich stolpere weiter durch die Gänge und entdeckte ein Schild mit der Aufschrift Hygiene. Super. Ich scannte die Schachteln darunter, fand jedoch nur Tampons und Binden für Damen. Als sei das die einzig vorstellbare Hygiene auf dem Planeten. Als nächstes steuerte ich die Ecke der Toilettenpapiere an, insbesondere der feuchten Varianten dieser Art. Wenn ich Ladenbesitzer wäre, würde ich diese Feuchttücher direkt neben den nassen Klo-Papieren platzieren. Falsch gedacht. Ich lief gefrustet alle Gänge rückwärts im Zick Zack bis zur Kasse, stellte mich dort in die Schlange und fragte den Kassierer wo ich diese berühmten Feuchttücher fände. Er antwortet: „Na da hinten bei den Seifen“. Logisch. Wo sonst. Was hier vielleicht sehr witzig klingt oder ein typisches Männer-Problem ist, ist in meinen Augen eine absolute Frechheit. Durch Aufbau der Drogerien klaut mir dieses Unternehmen Lebenszeit. Das ist Beeinflussung und Bevormundung in höchstem Maße und grenzt schon an Freiheitsberaubung. Und ich habe keine Lust eine Viertelstunde netto ohne Kasse in einer Seifenhalle zuzubringen. Zu was soll das denn führen? Soll ich mir etwa Feuchttücher bei etwa Amazon bestellen, für 2,50 € + 3 Euro Versand? Ist es das was wir hier wollen? Soll das der bröckelnden Ladenkultur dienen? Irre. Aber bevor wir uns zu lange bei der Privat-Wirtschaft aufhalten, schauen wir doch bei uns Mitmenschen vorbei. Das ist bestimmt alles anders, oder etwa nicht?

8) Anstehen oder Draufzahlen

Das Wetter war toll. Wir beschlossen, in den Berliner Tierpark zu gehen. Etwas frische Luft mit Bildung wird den Kids gefallen. Der Haken dabei? Nicht nur einer, sondern gleich zwei. Haken 1 waren die Preise. Ich addierte alle Eintritte zusammen und kam auf stolze 39 EUR. Ganz ohne Eis, Brezel oder Pommes. Haken 2 waren die vermutlich langen Warteschlangen vor den Kassen, die jedes Kind zum Nerven bringen. Also checkte ich vorher die Tierpark-Homepage, um beide Haken irgendwie kleiner werden zu lassen. Die erste gute Nachricht war, dass es auch Familientickets gab, für 35 EUR. Auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber immerhin. Zweite gute Nachricht war, dass man Tickets online bestellen konnte. Was für ein Segen! Leider war es nach genauerem Hinschauen nicht so. Ja, man kann einzelne Karten online bestellen. Das geht ganz komfortabel. Zum Kauf von ermäßigten Gruppen-oder FaKarten, muss sich aber die komplette Gruppe vorstellen. Da dies aber online nicht geht, sind Familientickets halt online nicht zu haben. Problem gelöst. Willkommen im digitalen Zeitalter! Ähnliches erlebte ich auch beim Fernsehturm, wo die Schlangen viel länger sein können. Alle Eintritte zusammen betrugen 75 (!) EUR eine Art Familienkarte suchte ich dort vergebens. Also halt eher aufstehen und sich anstellen. Mit all den anderen müden Eltern und quengelnden Kindern. Oder halt einfach mehr zahlen. Wirklich schade. Ich kenne die Finanzierung solcher Einrichtungen nicht, könnte mir aber vorstellen, das auch Steuermittel verwendet werden. Wenn ich dann aber mit einer solchen Familien-Ignoranz konfrontiert bin, könnte ich in die Luft gehen. Aber ist das nur ein Problem bei öffentlich-rechtlichen Einrichtungen oder ist es in der Privatwirtschaft ähnlich? Schauen wir mal!

Frühere Beiträge zum Thema Familienleben:

7) Bürger-Service

Das Feld Politik und Kommune will ich bald wieder verlassen. Aber vorher möchte ich noch ein paar Aufregbarkeiten bearbeiten, wo Politik und Kommune ein paar Meter mehr auf Familien zugehen könnte. Mir geht es jetzt nicht um Geldleistungen oder materielle Förderung. Die Unterstützung von Familien kann auch ganz direkt funktionieren bei Dienstleistungen, die der Staat direkt in der Hand hat. Nehmen wir ein Beispiel: Will eine Familie ins Ausland reisen, benötigt sie in der Regel Reise-Pässe. Um diese zu beantragen, müssen alle Familienmitglieder zum Amt! Was ist das für ein Unsinn? Damit man die Fingerabdrücke der Kinder nehmen kann, um sie vorsorglich mit Terror-Akten abzugleichen? Und wenn man es ganz genau nehmen würde, müsste ich eigentlich 4 Wartemarken ziehen oder 4 separate Termine online vereinbaren, um alle Anliegen vorzubringen. Ich würde die Tür des Zimmers mit meinem Pass-Antrag verlassen und sofort wieder umdrehen, klopfen und den nächsten Antrag für eines meiner Kinder einreichen. Zusätzlich muss man die Kids gegebenenfalls tagsüber aus der Schule reißen oder nach der Schule zum Amt eilen, damit man bis 18:00 das Ganze abgeschlossen hat. Warum müssen bei solchen Formalitäten Kinder anwesend sein? Und wenn sie wirklich anwesend sein müssen, warum gibt es im Bürgeramt keinen bevorzugten Familien-Service sondern nur die üblichen Wartemarken? Wer je mit einem Kind im Wartesaal eines Amtes gewartet hat, weiß wovon ich spreche. Den Sachbearbeitern mache ich gar keinen Vorwurf, die finden meistens praktikable Lösungen. Mir geht es um die Sensibilität der Institutionen an sich und deren Ignoranz gegenüber Familien.

6) Nach grün kommt tot

Ein einschneidendes Erlebnis, ist schon länger her, passt aber wunderbar in die Schublade „Ignoranz“. An einem Sonntag unternahmen wir einen kurzen Spaziergang in den nahegelegenen Park. Dazu mussten wir, wie immer, eine 6-spurige Straße überqueren und die zwei Tram-Gleise in der Mitte. Das Vorhaben wird durch drei Ampeln geregelt – eigentlich überhaupt kein Problem. Wie warteten an der roten Fußgänger-Ampel und als nun endlich grün war, betrat meine Tochter ein paar Milli-Sekunden vor uns Eltern und Großeltern die Straße. Ich bestätige hier noch einmal, für uns war grün. In diesem Moment bretterte ein Auto über die Kreuzung. Es fehlten ungefähr noch 30 Zentimeter, dann hätten wir eine Anzeige in der Lokalzeitung schalten können. „Schulplatz unverhofft abzugeben, Kinderbett und Spielzeug gibt’s gratis dazu“. Rein rechtlich, hätten wir Eltern wahrscheinlich sogar noch unsere Aufsichtspflicht verletzt, weil wir den Übergang nicht abgesichert hatten. Tja, da kann man nichts machen. Lautes Veto! Politik und Verkehrslenkung kann mehr tun, als Verkehrsinseln und Tempo-30-Zonen zu bauen. Bei jedem Verkehrsvergehen gegen Kinder, sollte das Bußgeld verdreifacht werden. Das tut bestimmt weh und ich wette, dass ist effektiver. Diese Inseln bieten zwar Zuflucht, wenn die Kinder-Beine kürzer als der noch vor ihnen liegende Weg sind, es schützt aber kaum vor Voll-Idioten, die Gas und Bremse verwechseln und bei Dunkel-Rot über eine Kreuzung knallen. „Das kann doch mal passieren, es war ja vermutlich auch nicht mit Absicht des Auto-Fahrers geschehen, oder?“ Da habe ich so meine Zweifel! Warum ist er ohne anzuhalten einfach weitergefahren? Weil ja eben „nichts“ passiert war? Hätte er nicht anhalten können, um sich wenigsten mal zu entschuldigen? Hätte er denn gehalten, wenn meine Tochter nach einem dumpfen Knall durch die Luft geflogen wäre? Wäre das dann ein angemessener Grund, die eilige Fahrt zu unterbrechen? Nun, ja. Meine Tochter war zumindest zutiefst verunsichert, schließlich hatte sie alles richtig gemacht. Äußerlich war sie zwar nicht verletzt, aber das Ereignis wirkt nach. Traue nie einer Ampel.

Frühere Beiträge zum Thema Straßenverkehr:

4) Wer sind diese Egoisten

Ja, wer sind denn aber diese Egoisten, diese Ignoranten, die Menschen, die sich einmischen, uns beeinflussen oder bevormunden? Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich, würde ich sagen, es sind immer die anderen. Ganz klar. Ich bin es natürlich nicht. Aber der Reihe nach. Das Feld von Einmischung und Bevormundung und häufig von der öffentlichen Hand, deren Institutionen und unseren Volksvertretern besetzt. Das reicht von deplatzierten Statements in der Presse bis hin zu völlig sinnfreien Regelungen. Aber auch die Privatwirtschaft nimmt Einfluss auf uns. Jeden Tag. Sei es in der Art wie wir konsumieren sollen oder was wir an Geld auszugeben haben. Der Natur-Egoismus und die Ignoranz sind sehr häufig unter uns Privatmenschen anzutreffen. Insbesondere wenn man eine Familie hat, wird man schnell Zeuge von diesem sehr groben Miteinander. Vielleicht sind die Familien auch besonders empfindlich. Zum einen versuchen Sie ihren Kindern Werte beizubringen, zum anderen erfahren sie aber mit voller Härte, was andere Mitmenschen davon halten. Nichts. Familien sind aber nicht nur Opfer sondern auch Keimstätte für kräftige Ellbogen. Auch Familien haben ihren Anteil daran an dem Miteinander. Insbesondere dann, wenn sie zum verlängerten Ellbogen der Eltern werden. Und nun? Nun, ich denke es wird langsam Zeit für ein paar Geschichten aus dem Großstadt-Alltag. Dabei werde ich häufiger den Scheinwerfer auf Alltagssituation richten, bei denen es um unsere kleinen Zweibeiner geht. Für uns Erwachsene ist es vermutlich eh schon zu spät, der nächsten Generation können wir hoffentlich noch ein besseres Beispiel sein und etwas Anderes vorleben. Das ein oder andere Mal werde ich auch im persönlichen Familienarchiv wühlen und ein paar Geschichten preisgeben.

3) Aufgregbarkeiten

Im zweiten Teil des Titels macht sich das Wort „Aufregbarkeiten“ breit. Ein Wort, dass es eigentlich gar nicht gibt. Selbst die allzu schlaue Suchmaschine bestätigt es. „Es wurde keine mit deiner Suchanfrage übereinstimmenden Dokumente gefunden“. Für den ähnlichen Wortstamm „erregen“ zum Beispiel, gibt es durchaus Wortgebilde wie „erregbar“ und „Erregbarkeit“. Das sind also Gelegenheiten, die jemanden eben erregen lassen. Hier geht es aber nun um Gelegenheiten oder Situationen aus der Hauptstadt die mich „aufregen“ lassen. Wie gesagt, ich will nicht mahnen, klagen, aufwiegeln oder rächen. Ich möchte nur mit meinen Bildern und Worten aufzeigen. Und wenn der ein oder andere Leser ähnliches erlebt hat und es ihn stört, habe ich wieder Hoffnung. Ertappt sich dabei ein Leser selbst oder fühlt sich mit meinen Worten gemeint, genieße ich das in Stille und hoffe auf Besinnung oder Erleuchtung.

2) Egoismus-Lexikon

Wenn ich das Wort Egoismus so vor mich hin und her drehe, kann ich darin mehrere Arten sehen. Mag sein, dass die Wissenschaft zu ganz anderen Definitionen kommt, aber ich will ja hier auch keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben. Ganz oben sehe ich die Kategorie des „Natur-Egoismus“. Darunter fallen Menschen, die ernsthaft davon ausgehen, dass sie ganz allein auf dieser Welt leben. Sie haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen, denn der jeweils andere, der egoistisch behandelt wird, existiert quasi nicht. Dieser Kategorie kann ich schon fast ein paar Sympathien abgewinnen, denn dieser Egoist ist mit sich absolut im Reinen. Er fühlt sich nicht schlecht dabei und kann sich gar nichts zum Vorwurf machen. Schlimmer ist eigentlich die zweite Kategorie. Die „Ignoranz“. Die Ignoranten wissen durchaus, dass es noch andere Artgenossen auf der Welt gibt und sie sehen sogar, wie sie anderen Menschen in der Situation eigentlich schaden. Aber es ist ihnen total egal. Es wird trotzdem entsprechend gehandelt. Hauptsache er oder sie oder auch seine Kinder setzen sich in der Hackordnung durch. Die dritte und vierte Kategorie, muss man ganz dicht beieinander eröffnen, denn sie agieren auf ähnliche Weise subtil. Beide könnten fast Zwillingsschwestern sein. Da sehe ich zum einen die „Einmischung“ und aber auch die „Bevormundung“. Beide Typen tanzen etwas aus der Reihe, da sie nicht so offensichtlich wie „Natur-Egoisten“ und „Ignoranten“ daherkommen. Aber für mich gehören sie mit dazu. Denn wenn wir in manchen Situationen quasi überhaupt nicht existieren oder auch mit voller Absicht ignoriert werden, frage ich mich in anderen Situationen, ob wir nicht selbständig genug sind, um nach eigenen Kriterien abzuwägen und unsere Entscheidungen zu fällen. Stattdessen grätschen aber in diesem Moment Personen oder auch Institution in unser anwesendes Leben und lassen die beiden Zwillinge darin toben. Mit schlauen Ratschlägen und vermeintlicher Expertise tauchen sie wie aus dem Nichts auf und geben ihren Senf zu unserem Alltag dazu. Auch wenn wir unser Leben lieber ohne Senf mögen.