173) Corona-Lektionen 68

Der Countdown läuft. Noch ganze drei Wochen, dann habe ich ein Jahr im Corona-Homeoffice absolviert. Wer hätte das je gedacht. Tschakka! I made it! Mission accomplished!

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Schaden:
Aus irgendeinem Grund fliegt mir seit Tagen das Wort „Schaden“ durch den Kopf. Ist es der Kreuzschaden nach soviel Homeoffice? Der Sehschaden weil wir noch auf Flachbildschirme glotzen oder der Hörschaden, weil wir den ganzen Tag die Kopfhörer aufhaben? Oder der Sachschaden, der Totalschaden für so manchen Unternehmer. Oder ist es der Dachschaden, den wir nach Corona haben werden? Puh. Das zieht runter, ich versuche es noch mal anders

Lunch im Homeoffice:
Homeworker 1: „Ich habe heute zwischen 11:30 und 12:30 mal nichts, wir könnten ja gemeinsam rausgehen, uns etwas zum Mittag besorgen.“
Homeworker 2: „Ich kann nicht, ich will über Mittag mal kurz in die Firma, etwas abholen.“
Schoolboy: „Also ich habe von 11:00 bis 12:30 ein Meeting, ich habe da keine Zeit.“
Schoolgirl: „Geht nicht, ich habe ein Meeting von 09:00-14:00, weiß noch nicht wann Pause ist.“
Aha … Mahlzeit 

Auslandsreise:
Vor knapp einem Jahr habe ich mich mit meiner vorerst letzten > Auslandsreise nach Bukarest beschäftigt. Was nehme ich mit? Wie komme ich vom Hotel in die Firma? Was kann man abends noch so machen? Alles Geschichte. Seitdem hängen die Business-Outfits im Schrank. Dreimal haben sie es bislang nach draußen geschafft. Letzte Reise nach München im März, Jugendweihe im April und eine Online-Podiums-Diskussion im Oktober. Vermutlich wären die Klamotten in der Kleidertonne besser aufgehoben.
Es zieht immer noch runter, oder? 

Frühling:
Der Frühling kommt! Juchuuu! Es wird besser. Die dicke Winterjacke habe ich weit hinten im Schrank verstaut. Beim Durchsehen der Taschen, fand ich eine Maske. Ich entschied mich dafür, sie in der Jacke zu lassen. Denn dann bleibt die Entwicklung offen und beim nächsten Super-Winter habe ich dann entweder …

A) etwas zum Schmunzeln
ODER
B) eine Maske für den Super-Markt

Ja, ich weiß was ich will 😉

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171) Corona-Lektionen 66

Global Warming hat uns einen Wintereinbruch beschert. Schnee, Wind und Eiseskälte toben draußen. Bloß gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Neues Lernen
Bevor mein Text gleich auf Stammtisch-Niveau fällt, möchte ich noch einen wichtigen Betrag von Sarah teilen. >>Was Lehrerinnen und Lehrer brauchen um wirklich guten Unterricht halten zu können. Während wir Elternhäuser auf den analogen Schulen herumhacken können, hat sie sich aus Sicht der Lehrkräfte ein paar Gedanken gemacht, wie die Transformation der Institution Schule gelingen kann. Denn da ist noch so viel zu tun. 

Die Schule einer unserer Home-Schüler hat es bis heute nicht gepackt, die Halbjahreszeugnisse auszuteilen. Und das ist sogar ein ganz analoges Vorgehen, was doch trotz Corona-Vorsichtsmaßnahmen irgendwie gehen müsste. Vielleicht sollte man die Verteilung den Paketboten überlassen. Sorry, jetzt ist es so weit … das Niveau fällt nun konstant.

Impfgeschehen
Schon bevor die erste Seniorin am 27.12.2020 geimpft wurde, brach immer wieder die Diskussion über „Sonderrechte für Geimpfte“ durch. Mal abgesehen davon, dass wir noch lange nicht die Impfgeschwindigkeit haben und die Fragestellung rechtlich / moralisch / ethisch zu den Schwierigeren gehört, gehts mir jetzt mal nur um die Wortwahl. „Für Geimpfte“… wie das klingt, oder? Zwar immer noch besser als „für Vaccinierte“, erinnert es mich aber sehr schnell an „entwurmte“ Katzen oder „gechipte“ Hunde. Die Türsteher müssen nun alle weitergebildet werden. Da ist keine Zeit zu verlieren! „Alda, bist’ geimpft? Sonst kommst‘ hier nit rein.

Veranstaltungen
Ach ja, seufz… . So ein krachendvolles Kino, Nachos mit Käse-Sauce auf dem Schoß und ein Bier in der Hand, was dem Ende naht, bevor auch nur der Film beginnt. Das fehlt schon, oder? Während man das Kino-Erlebnis zu Hause halbwegs nachbilden kann, steht es um den Fußball im Stadion ganz übel. Nun bin ich wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber diese leeren Ränge sind ja immer noch schlimm anzusehen. Das Stadion ist vollgepackt mit Übertragungs-und Analyse-Technik, sie kriegen es aber nicht hin, die Distanz zum Zuschauer abzubauen. In der Video-Konferenz-Software der Firma „Winzigweich“ gibts einen „Zusammen-Modus“, da werden alle Teilnehmer wie in einem Hörsaal nebeneinander und übereinander gesetzt. Das ist oft ganz lustig. So stelle ich mir ein Bundesliga-Spiel vor … mit 70.000 Besuchern … wo man sein unrasiertes Corona-Face auf den Rängen jubeln sieht. Das ist die Zukunft! Man sitzt bequemer, es gibt keine Randale und auch keine Bengalos. Man muss keine Maske tragen und beim Klo steht man auch nicht mehr an. Außer die Stadion-Wurst. Die würde schon fehlen. Aber die kann man ja online bestellen 😉 Aber mit doppelt Senf bitte!

Schönen Sonntag.

T.

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166) Corona-Lektionen 63

Die ersten drei Wochen Homeoffice, Homeschooling, Homedining, Homelunching, Homedingsbums in 2021 sind geschafft. Draußen ist es grau, feucht und düster. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Musik:
Jede Zeit hat so ihre Musik, oder? Und die ist im Kopf dann für immer fest mit diesen Epochen verknüpft. Gerade wenn es bedeutende Ereignisse sind. Seien es sehr persönliche Erinnerungen, wie die erste Liebe, Geburt der Kinder oder Schicksalsschläge. Oder eben auch weltbewegende, wie Mauerfall, 9/11 oder eben nun eine Pandemie.

Für mich bleibt bislang folgende Musik mit den letzten Monaten verbunden:

AnnenMayKantereit mit ihrem Moll-Album: „12“.
Beatsticks mit ihrem Kneef Cover: „Von nun an ging’s bergab“
Die Ärtzte mit ihrem Lock Down-Song: „Ein Lied für jetzt“
Seed mit der gute Laune Nummer: „Hale Bopp“

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass die alle deutschsprachig sind. Früher fand ich deutschsprachige Musik doof, mittlerweile kann ich ihr immer mehr abgewinnen. Denn gute Texte in Deutsch zu schreiben, dass muss man erst mal können.

Impfung:
Letzte Woche habe ich wiederholt durchs Telefon gebrüllt. 

Ich: „OMA, KANNST DU MICH VERSTEEEEHHEEEEEN???“ 
Oma: „Mhm, ja, nein, wie bitte?“
Ich: “HAST DU DEINE ZWEITE IMPFUNG SCHON BEKOMMEEEEEEEEEEN??“
Oma: „Was? Ihr könnt kommen? Ach, das wäre ja …“
Ich: “Nein, ich meinte ob du …“

Dann muss ich schlucken und nehme mir fest vor, Wörter mit „kommen“ vorerst noch zu meiden. Aber gestern erreichte uns die Nachricht, dass sie ihren zweiten -70 Grad kalten Impf-Cocktail bekommen hat. Erleichterung.

Und ich kann all die Impfgegner beruhigen. Sie lebt noch. Ihr gehts gut. Sie spricht auch nicht wie Bill Gates und die Wörter „Excel“ und „Word“ sagen ihr immer noch nichts. Sie ist munter und freut sich auf den Sommer.

Optimismus:
Den besten Satz seit langem, sprach die Radiosprecherin Mitte letzter Woche: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten“.

Uff. Noch einmal Erleichterung. Wer hätte das gedacht. Und ohne weitere Gewalt. Sehr gut. In den Tagen danach strebte Mr. Biden wieder zurück in Internationale Verträge und Organisationen. Das macht Hoffnung.

Schönes Wochenende allerseits und danke Anja S. für die kontaktlosen Zimtschnecken … 😉

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162) Corona-Lektionen 61

Gestern Abend gab’s die erste Pressekonferenz der Kanzlerin und der Länder im neuen Jahr. Mittlerweile dürften die Ergebnisse auch in den Ländern und Städten kommuniziert sein. 

Willkommen im Lockdown V2.3!

V2.3?? Da ich im IT-Umfeld arbeite, werde ich die von nun an für mich einfach mit Versionsnummern nummerieren. 

Rückblick auf bisherige Versionen:
Die Version 1 wurde im Frühjahr „gelaunched“.
Die Version 2 startete im Spätherbst und ist über die Zwischenversionen 2.1 „Soft“, 2.2 „X-Mas/New Year“ nun bei 2.3 „Kater“ angekommen. Zwei neue Features dieser Version nennen sich „15-er Regelung“ und „Family+1“. Diese Features sollten alle ausprobieren, denn das könnte durchaus positive Effekte haben.

Distanzunterricht:
Die Schüler hocken wieder zu Hause und müssen sich den Stoff selbst beibringen. Von Distanzunterricht kann bei uns noch keine Rede sein. Die Aufgaben werden zwar nun mehr über Plattformen verteilt und weniger über E-Mail, das ist aber auch die einzige Veränderung. Einzelne Lehrer_Innen hängen sich voll rein und versuchen mehr über Video-Konferenz zu machen. Macht weiter so! Genauso gut gibt es Lehrer, die seit der Vorweihnachtszeit, die Deutsch-Hefter bei sich zu Hause zur Korrektur liegen haben und sich jetzt wundern, wie die Kids da nun rankommen sollen. Soviel dazu. Bei digitalem „Unterricht“ sind wir noch lange nicht. Da kann man schon mal fragen, was eigentlich seit März 2020 erreicht wurde. Siehe hier >Corona-Lektion 3 vom 17. März 2020.

Realitäten:
Wie schon in >Corona-Lektion 6 und >Corona-Lektion 34 angesprochen, wundere ich mich so über verschiedene Realitäten.

Wenn ich mal wieder durch die TV-Sender zappe, habe ich den Eindruck, dass Corona da überhaupt nicht angekommen ist. Mal abgesehen von Nachrichten und Politik-Talk, in denen man nervöse Politiker und gut gelaunte Rodler am Winterberg sieht, scheint Corona bewusst negiert zu werden. Stattdessen laufen Filme aus der Konserve, da wird Trödel verhökert oder Kuchen gebacken. Es sind zwar mehr Glasscheiben verbaut und die Menschen stehen weit auseinander, aber trotzdem will man anscheinend den Virus partout nichts in Programm lassen. Will man die Leute damit beruhigen? Ihnen eine Corona-freie Unterhaltungsblase geben? Vielleicht kommt so manch lockeres Verhalten auch daher, dass in vielen Sendungen eben nur die Welt „vor Corona“ vorgegaukelt wird, so dass der Eindruckt entsteht, das ist alles halb so wild?

Sollen sie doch mal zeigen, wie es auf der Intensiv so abgeht,
wie Menschen an Schläuchen hängen, 
wie sie regelmäßig gedreht werden,
wie sie sauber gehalten werden,
wie sie auf eine Maschine angewiesen sind.
wie künstliche Ernährung so schmeckt,
wie die wochenlang im Bett liegen,
und um ihr Leben kämpfen.

Zeigt das doch mal! Ich meine so richtig echt. Kamera an und filmen. Ganz nah ans Gesicht ranzoomen. Voll drauf! Ohne Verpixelung der Augen bitte. Eine ganze Nacht durch, auf allen Kanälen. Alles live! Ohne Werbung. Auch bei Netflix, Amazon und YouTube. Chips und Bier sind ausdrücklich erlaubt. Lasst‘s euch schmecken!

PS: Sorry, für die drastischen Bilder hier, aber vielleicht muss das mal sein, damit‘s auch der letzte kapiert.

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129) Corona-Lektionen 38

Gestern bin ich in die 22. Homeoffice-Woche gestartet. Die Kids allerdings nicht, in Berlin war gestern wieder Schulbeginn. Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen.

Schule:
Die Schulen sind nun wieder voll geöffnet, allerdings mit diversen Maßnahmen, die Lehrer und Schüler nun zu beachten haben. Gestern hatte ich die Gelegenheit, das bunte Treiben vor der Schule zu beobachten. Die Realität sah ungefähr so aus. Vor dem Schulzaun treffen sich die Kids, haben sich lange nicht gesehen, Küsschen links/rechts, Umarmung. Like it, Peace, LOL. Kurz vor dem Schultor wird schnell die Maske aus der Hosentasche gezaubert und vor die Schnute gehangen. Wenn ich nur daran denke, dass in dem Gebäude nun 700 Menschen aufeinander hocken, wird mir ganz anders. Nach wenigen Stunden standen die Kids schon wieder hier auf der Matte. Erst mal nur „Orientierung“ in den nächsten Tagen, „Belehrung“ und „Vorbereitung“. Kopfschütteln meinerseits. Sind wir nicht eh schon deutlich hinter dem Lehrplan? Als Vollblutskeptiker sehe ich die Kids nach einer Woche Vorbereitung schon wieder im Home Schooling.

Homeoffice:
Neulich dachte ich über das Gegenteil von Homeoffice nach. Ursprünglich als Ausnahme gedacht, beschreibt Homeoffice ja die Büro-Arbeit von zu Hause. Gibt es eigentlich auch einen Begriff für die Arbeit im Büro der Firma? So selbstverständlich ist diese Arbeitsform ja nicht mehr und wird sie nie wieder werden. Legen wir bald einen Tag im „Onsite Office“ ein? Oder im „Corporate Office“ ein? Schatz, ich fahre morgen mal wieder ins „Formal Office“. Schaue ich in meinen Kleiderschrank hängen da die Hemden und Anzüge, wirken wie aus einer anderen Zeit zu uns geschickt. Wie Ballast. Mein Bauch sagt mir, dass ich die Klamotten noch längere Zeit nicht tragen werde. Alles auf einen Haufen, hübsches Feuerchen machen, dieses Kapitel abschließen?

Dienstreise:
Auch das dienstliche Reisen erscheint mir wie eine längst vergangene Mode. Lufthansa, Austrian Airlines, TAP und schicken mir regelmäßig e-mails und buhlen um Aufmerksamkeit. Da gibts 10.000 Meilen on top, wenn ich einen großen Koffer kaufe. Man bedaure, dass man derzeit den gewohnten Service nicht bringen könne. Meine Meilen sind mir für weitere drei Jahre gesichert und garantieren bestes „Flugerlebnis“ und noch mehr „Privilegien“. Nach Wien könnte ich mal wieder fliegen, für nur 109 EUR, mit Rückflugversprechen. Na immerhin. Alle Vielfliegerkarten auf den Tisch, haushaltsübliche Schere greifen und Schnipp-Schnapp? Ist diese Epoche beendet? Alles Geschichte?

Der durchsichtige Kulturbeutel mit der kleinen Reise-Kosmetik steht völlig deprimiert im Regal. Keiner beachtet ihn. Sollte ich mal aufbrauchen das Zeug, sonst erreicht das bald das Mindesthaltbarkeitsdatum oder zerfällt zu Staub.

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108) Corona-Lektionen 28

Die 10. Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Schule Nummer 2 wird ab Morgen wieder die Tore öffnen, zögerlich, unter Auflagen und in Teilzeit. Die Sonne scheint am blauen Himmel, alles friedlich.

Trotzdem muss ich etwas Dampf ablassen. Tut mir Leid.

Digitale Schule: Ein Desaster. Zumindest dort. Hat es diese Bildungseinrichtung in 9 Wochen nur einmal hinbekommen, einen Video-Call mit den Schülern der Klasse zu organisieren. Die Schulleitung hält sich aus allem raus, überlässt es den Lehrern. Manch einer entdeckt sich als YouTuber (Respekt!), andere schreiben E-Mails, andere machen nix. Was sind das für Zustände? Ich meine, die Schule hat doch einen Auftrag, oder? Sie wird von uns allen finanziert, die Schulleitung ist doch auch in gewisser Weise Arbeitgeber und hat eine Weisungskompetenz und auch -Pflicht, würde ich mal sagen. Ist die Schulpflicht ausgesetzt? Habe ich irgend etwas verpasst?

Fußball: Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber gestern habe ich mit halbem Ohr und Auge ein Geisterspiel verfolgt. Und wie zu erwarten. Es war furchtbar. Öde. Keine Stimmung, keine Gesänge, null Emotionen. Und daran ist meiner Meinung nicht einmal die Corona-Situation schuld, sondern der Fußballverband, der meint, seine alten Konzepte 1:1 wieder aufnehmen zu können, um Bälle und Euros rollen zu lassen. Ohne Zuschauer, Bratwurst, Bierchen und T-Shirt-Stand. Nur eine Wiese, ein Ball und 22 Kerle, die dem hinterherrennen. Was bilden die sich eigentlich ein? Musiker, Schauspieler, Lehrer, Home Worker, usw müssen sich neu erfinden. Müssen irgendwie kreativ sein, sich anpassen, um arbeiten zu können, um Geld zu verdienen. Andere gehen in Kurzarbeit oder Pleite. Und der Fußball meint, er macht einfach da weiter, wo er aufgehört hat? Wie kann man ein Sportevent nur so ignorant veranstalten, ihm jeglichen Zauber nehmen und damit so dermaßen abkühlen. Da hätte Musik laufen können (wie bei Volleyball-oder Basketball-Spielen), man hätte Papp-Kameraden mit dem eigenen Namen kaufen können oder was weiß denn ich. Ein Show-Teil, mal neue Regeln, etwas ausprobieren. Irgendetwas. Der Fußball wird schweren Schaden nehmen, und zwar nicht wegen diesem blöden Virus, sondern wegen der Tatsache, dass er 0,0 anpassungsfähig ist und an alten Zöpfen festhält.

Verschwörung: Im Laufe der letzten Woche habe ich zögerlich mitbekommen, was da so an Verschwörungstheorien unterwegs ist. Ja, meine Güte, dacht ich. So ein paar Spinner gibt‘s doch immer. Jedes Dorf hat seinen Deppen. Und wenn der im Dorf bleibt, ist das ja auch ok so. Bis aufs jährliche Weinfest hat der doch gar keine Bühne. Heute früh habe ich mich etwas durch die YouTube-Bühne geklickt und bin entsetzt. Wie da Ex-Moderatoren, Sänger, Tänzer, Fernsehköche und andere C-Promis ihren geistigen Durchfall produzieren, da wird mir echt schlecht. Ich meine, die Situation ist doch nun schwierig genug. Für alle. Keiner hat sich das gewünscht, jeder muss irgendwie seinen Weg da durch finden. Aber solche Grütze in die Kanäle zu leiten oder auf Plätze zu tragen, das hat nichts mit mehr freier Meinungsäußerung zu tun. Nichts mit konstruktiver Diskussion oder Manöver-Kritik an den Maßnahmen. Das ist einfach nur Datenmüll, schade um den Strom der da verbraucht wurde. Gebt diesen Leuten schnell wieder etwas zu tun, die haben echt zu viel Zeit!

Schönen Sonntag!

T.

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106) Corona-Lektionen 26

So langsam beenden wir die 9. Woche im Family-Homeoffice. Ein Teil der Mannschaft war schon mal vorsichtig schauen, ob Firma und Schule noch stehen. Sie tun es. Gemütlich ist es da aber nicht.

Zeit für ein paar Beobachtungen und Gedankengänge:

Lockerungsgaben: Sprach die Marietta im ZDF am Montagabend wirklich von „Lockerungsgaben“. Sehr kreativ eigentlich. Oder habe ich mich da verhört? Das hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Beim erneuten Abspielen gestern, verstand ich es nun als „Lockerungsgraben“ zwischen den Bundesländern. Schade eigentlich. Ist doch „Lockerungsgaben“ eine Mega-Wortkombinationen über die man mal nachdenken kann. Selbst die gängige Suchmaschine liefert keine Treffer für dieses Wort!

„Gaben“ ist doch ein anderes Wort für Geschenke oder? Und wir verstehen darunter auch sehr kleine Geschenke. Häufig auch im Zusammenhang mit Bedürftigkeit. Auf jeden Fall sind wir dankbar für Gaben, sind sie auch noch so bescheiden. Wir kennen da noch die „milde Gabe“ und den „Gabentisch“. Gaben sind aber auch bedingungslos würde ich mal sagen, und da unterscheiden sie sich dann eben doch wieder von den Lockerungsmaßnahmen.

Weihnacht: Das Wort Gabentisch bringt mich doch glatt auf Weihnachten, auch wenn gerade erst Mai ist. Wird der Weihnachtsmann mit Maske kommen? Mit einer roten vielleicht? Passt der gewaltige Bart darunter oder müssen die Weihnachtsmänner alle auf den kürzeren Berlin-Hipster-Bart umsteigen? Oder kleben die den Bart einfach auf die Maske drauf? Und dürfen wir mit Maske und Mütze überhaupt auf den Weihnachtsmarkt gehen? Ich glaube, der Innensenator und ich wollen das Thema gleich wieder beenden. Aber es bringt mich weiter zum Feiern großer Feste.

Fete: Wenn dieser Spuk mal wieder vorbei ist, gebe ich eine Party und freue mich schon riesig drauf. Lasst uns herzlich begrüßen, auf die Schulter klopfen, in die Arme fallen, aneinander drücken und auch Küsschen verteilen. Wenn es denn sein muss. Schuhe könnt ihr anlassen, Jacken schmeißt ihr auf’s Bett. Dann können wir dicht an dicht in Flur und Küche stehen, gemeinsam vom Käse-Igel naschen, mit vollen Händen in die Chips-Schüssel greifen, eine Pulle nach der anderen öffnen und, von mir aus auch, rauchen. Auch drinnen. Scheiß drauf. Ansonsten wollen wir quatschen, scherzen, lachen, schunkeln, tanzen, prosten, lärmen und lauthals singen. „Ich war noch niemals in New York“ … „Über den Wolken“ … „Staying alive“ … „I am still standing“ … egal was läuft. Bis es wieder hell wird und die ersten glücklich von den Stühlen kippen.

Wir lassen es krachen!

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95) Corona-Lektionen 17

Die ersten kleineren Läden dürfen wieder öffnen. Das ist schön und bringt wieder etwas Leben auf die Straße. In zwei Wochen werden wir sehen wohin das führt, etwas skeptisch bin ich da auch noch, haben wir doch noch nicht einmal die Effekte des ersten Oster-Wochenendes virologisch verkraftet. Ganz zu Schweigen vom zweiten Wochenende mit den warmen Temperaturen und Freiheitsgefühlen, getragen von der Diskussion um Lockerungen. Aber gut.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeschooling: Gestern habe ich eine Diskussion im TV verfolgt, da ging es auch um die Herausforderungen im Homeschooling. Ein Argument war, dass es nichts bringe, die Kids mit Hausarbeiten zuzuschütten, stattdessen bräuchte man „Lernplattformen“. Da bin ich ja voll dabei, aber die wird’s nicht morgen geben. Die Realität sieht leider anders aus. Wenige Lehrer experimentieren kreativ und offen mit den „neuen“ Medien (volles Lob!), aber der Großteil ist doch herzlich überfordert. Tut mir leid, dass so sagen zu müssen, auch wenn Lehrkräfte hier mitlesen, aber so ist es nun mal in unserem Schulumfeld. Seit letztem Mittwoch 12:00 Uhr ist klar, dass die Schulen nicht öffnen werden, heute am Dienstag trifft man sich zur ersten Beratung und nun trudeln die ersten Aufgaben per e-mail ein. Sechs Tage später. Unterschiedlich in der Menge, der Erläuterung und der Verbindlichkeit. Und auch nicht von allen, sondern nur von einzelnen Lehrkräften. Und wo ist die Schulleitung in dem Spiel? Kann ich alles nur schwer nachvollziehen, ehrlich. Und da soll mir keiner sagen, das ist alles „neu“ und „gab es noch nie“. Das ist Quatsch.

Medienzugang: Und nun zu einem sehr heiklen Thema, wobei ich mir vielleicht die Finger verbrenne. Aber ich will das Thema trotzdem mal ansprechen. Häufig höre ich das Argument, dass nicht alle Haushalte den nötigen Zugang zu entsprechender Technik haben und deshalb die elektronische Verteilung der Lerninhalte nicht funktionieren kann. Und jetzt wage ich mal die Provokation, dass das nicht stimmt. Sicherlich haben nicht ALLE den Zugang zur Technik, aber ich bin mir sehr sicher, dass ein Großteil dieser ALLE ihre Smart Phones im Einsatz haben, da wird auch gedaddelt, WhatsApp genutzt und bei Insta vorbeigeschaut. Und ich glaube auch, dass viele Playstations oder andere Zeitvertreiber in den Kinderzimmern laufen. Wenn das wirklich nicht so ist, dann soll der Shitstorm über mich ergehen und ich lerne gern dazu. Bitte um Kommentare, ich korrigiere mich gern.

Auf Sicht: Diese Formulierung wird dieser Tage häufig verwendet. Aufgrund mangelnder Daten und Erfahrung muss man auf „Sicht fahren“ oder auf „Sicht fliegen“. Schöner Vergleich eigentlich. Aber er ist eben nicht vergleichbar und daher möchte ich aktuell auch nicht in der Haut der Entscheider stecken. Auf „Sicht fahren“ heißt doch, ich fahre mangels Daten vorsichtig vorwärts, sehe kurz vor mir Hindernisse oder Tiere und reagiere entsprechend. Und da hinkt der Vergleich. Bei der Diskussion um Lockerungen der Beschränkungen, fahren die Entscheider nicht „auf Sicht“, sondern sie müssen heute entscheiden, und zwar aufgrund von Daten, die sie 10-14 Tage zuvor an einer Kreuzung gesehen haben. Das macht einen großen Unterschied. Stellt euch vor, ihr dürftet nur rückwärts auf euer Ziel zufahren, ohne Rückspiegel und müsstet eure Lenkbewegung aufgrund der zurückgelegten Strecke machen. Viel Erfolg.

Grüße aus Berlin

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