347) Wo sind die alle nur hin?

Egal in welchem Berufs-oder Tätigkeitsfeld, es mangelt an Arbeitskräften, heißt es. Bei den Lehrkräften, in der Gastronomie, Hotellerie, im Ground Service bei den Airports, überall. 

Aber wo sind die alle nur hin?
Das hat sicher verschiedene Ursachen. Die Sport-und Veranstaltungsbranche lag während der ersten Corona-Monate brach, die Reisebranche genauso. Logisch, dass sich Mitarbeiter anderweitig orientierten. Sicher entstanden auch neue Jobs bei Covid-Test-Centern oder bei privaten Fahrdiensten. Manche Fachkräfte sind vielleicht auch wieder in ihre Heimatländer zurückgegangen. Bestimmt haben so einige Firmen die Lockdowns auch als willkommene Restrukturierungsmaßnahme genutzt. Kann alles sein, wird wohl von allem etwas dabei sein. Aber in der Größenordnung kann ich das trotzdem nicht verstehen.

Was machen die heute alle?
Sind die ehemaligen Küchenkräfte, Reinigungskräfte, Sicherheitsdienste, Köche, Kofferträger nun mit blauen Rucksäcken auf Fahrrädern unterwegs und verteilen labberige Pizza? Sind das die Menschen, die nachts die Akkus an den tausenden E-Rollern tauschen? Die > Car-Sharing-Autos durchsaugen? Die vielen Amazon-Kuriere, die durch die Stadt hetzen? Die DSL-Berater, die auf einmal vor der Tür stehen? Sind das die Kräfte an denen es woanders nun mangelt? Und jetzt mal angenommen, das ist wirklich so. Dann hieße das doch, dass die Mitarbeiter nicht in ihre alten Jobs zurück können … oder wollen.

Was heißt das nun für diese Branchen?
Haben die ausgedient? Wurden die wegdigitalisiert, weginfiziert? Verrammeln wir die Kneipen, kleben Foto-Tapete auf die Scheiben und lassen das Food ganz trendy > nach Hause delivern? Die Barista-Bar brauchen wir auch nicht mir weil wir uns den Chai-Latte zu Hause aus dem Vollautomaten ziehen oder auch bestellen? Schließen wir die Hotels und schlafen nur noch auf den Couches fremder Menschen? Verreisen wir letztlich dann doch irgendwann nur noch virtuell? So wie hier in der Reihe > Reisen 6.0.

Solche Fragen mitten in der Nacht …

  • Weil der Flieger aus Berlin schon deutlich verspätet in Bastia ankam …
  • und wir daher erst kurz vor dem Nachflugverbot 23:40 in Berlin landeten …
  • und der letzte Express-Zug in die Innenstadt mit 00:13 geht …
  • und der ganze A319 aber mit nur mit einem Flughafen-Bus geräumt wird …
  • und die Koffer 45 Minuten nach Landung immer noch nicht ans Tageslicht gewürgt sind …
  • und man deshalb auch die Bummel-S-Bahn um 00:33 verpasst …
  • und man die Koffer erst um 00:47 in den Händen hält …
  • und man der nach der nächsten Bummel-S-Bahn 00:53 flitzt …
  • und man dann 01:50 endlich zu Hause ist …
  • dann sind das sicher alles nur Luxusprobleme … hätten ja Regional verreisen können … aber zeigt doch auch, dass es da gehörig klemmt und an Human-Ressourcen mangelt.

Aber in der Bummel-S-Bahn 00:53, war die Stimmung gut. Kaum einer trug eine Maske, das Bier floss in Strömen. Hyper Hyper!

Alles gut also … Willkommen in der Bundeshauptstadt!

Ei, Ei, Ei … da kommt was auf uns zu.

67) Postkarte von Korsika

Bald geht’s zurück in die Heimat. Schade schon vorbei, hätte länger sein können. Aber bevor wir uns von den Korsen verabschieden hier nun noch ein paar Eindrücke. Wie immer bei meinen Postkarten, mit weniger Hochglanz und Schickimicki. Auf jeden Fall ohne Duckface am Strand, dafür eher mit Blick in die skurrile zweite Reihe, der B-Seite der Scheibe sozusagen.

Besucher, die Wasser und Berge zugleich mögen, werden sich auf Korsika pudelwohl fühlen. Denn die Insel hat beides, und zwar ausreichend.

Für Papa‘s die gern bergig Auto fahren ist Korsika ein Paradies. Wenn man einen nervösen Korsen hinter sich hat, dann einfach Spiegel ranklappen, nach vorne schauen und den Hintermann ignorieren, denn der Papa hat keine Lust den Mageninhalt der Mitreisenden aus den Polstern zu sammeln. Die Mitreisenden auf den hinteren Plätzen hätten ja eine Kotztüte aus dem Flieger mitgehen lassen können. Da gibts mittlerweile recht schicke Example, mit coolen Sprüchen drauf. Würde mich aber trotzdem mal interessieren, wie die Stewardess (…. sagt man das noch…? ) … also die Flugbegleiter:Innen gucken, wenn man ihnen solch Beutel voll und 37°C warm in die Hand drückt.

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Der Korse ist stolz, selbstbewusst und gern unabhängig, oder wenigstens italienisch. Die französische Fahne sieht man hier nur an Rathäusern und Polizeistationen. Die Fahne der Korsen, ist der Fahne der Sarden sehr ähnlich. Ich mag so etwas. Nicht ganz klar was sie bedeutet, aber schlicht, eindeutig und wiedererkennbar, grüßt überall der „La tête de Maure“, was man im Deutschen mit „Mohrenkopf“ übersetzen müsste … also könnte … wenn man wollte … aber nicht sollte. Ich schreibe mich hier um seinen Kopf und meinen Kragen.

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Ansonsten hängt der Korse und seine :In überall Würste und Schinken zum Trocknen auf. Aber keine Sorge, es gibt auch viel Gemüse und Früchte auf der Insel, Korsika ist sehr grün. Und der Korse mag Messer. Messer, Messer, Messer. In allen Formen, Größen und für alle Anwendungsfälle. Wenn ihr mal einem Korsen ein Messer abgenommen habt, dann schaut bitte gründlich nach, ob er er nicht noch einen ganzen Besteckkasten unterm Hemd trägt.

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Der Korse baut seine Dörfer gern mitten auf den Berg. Auch ein Zeichen seiner Gastfreundlichkeit 😉 Hier will man kein Amazon-Kurier sein. Wobei das geht ja vielleicht noch, sind ja oft nur kleine Päckchen. Hier will man auf keinen Fall eine Waschmaschine ausliefern müssen. Absolut.

Der Korse mag anscheinend gern Brühwürfel, und weil die bei übermäßigem Verzehr abführend wirken können, baut er sich halt ein Außen-Klo auf den Balkon.

Der Korse verschanzt sich zwar gern hinter Mauern, hat aber immer Herz für die Schwächeren der Gesellschaft. Es gibt immer einen Platz für Arme.

Während sich manche Kommunen immer mehr dem Zeitgeist öffnen und daran arbeiten, komplett CO2 frei zu werden …

… verschanzen sich korsische Eigenbrödler in Felsen, die aussehen wie Champignons. Oder so. Ich würde jetzt gern fortsetzen.

Mit dem korsischen Schmetterling, der mich hier kürzlich begrüßte, habe ich Freundschaft geschlossen. Der kommt gern auf ein Bier vorbei geflogen.

Setz‘ dich. Hol dir auch eins … oder nimm‘ halt meins. Und sei frei … Papillon!

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PS1: Ich wusste ja nicht, dass Schmetterlinge einen solch langen Rüssel haben, dass die damit bis in die Pulle kommen. Ganz schönen Zug am Leib der Kerl. Na hoffentlich ist der wieder gut nach Hause gekommen 😉

Weitere Postkarten >gibt’s hier

PS2: Nicht wundern bitte, warum hier gerade keine „Likes“ ausgespielt werden, hat seine Gründe, mehr gern bilateral.

346) Lieferketten

Hier auf dem Gelände der Urlaubshütte gibts interessante Ameisenstraßen zu sehen. Irgendwie fällt mir da das Projekt „Neue Seidenstraße“ ein und die aktuell viel diskutierten Probleme in den internationalen Lieferketten.

Wenn man sich die Tierchen so ansieht …

  1. Sind die super-schnell
  2. Machen alles zu Fuß
  3. Haben keine Technik zur Hand, keine Gefäße, Körbe
  4. Hätten ja nicht mal Hände, um die zu beladen
  5. Folgen sie alle einer Richtung, einer Aufgabe, einem Auftrag

Wie kriegen die das hin?

  • Liegt das nur an ihrer schieren Menge? Daran, dass das alles nur einfache Soldaten sind, die dem Kommando der Königin folgen?
  • Vielleicht aber auch, weil jede Ameise nur das auf den Rücken packt, was sie tragen kann? Sie keine Schiffe und LKWs beladen, die dann irgendwo hängen bleiben, weil ein Tanker quer liegt oder die LKW-Fahrer streiken.
  • Oder weil sie ihr Zeug eben nur „regional“ organisieren, also auf dem Gelände hier? Weil Sie keine Delegationen nach China oder Indien schicken, um dort Verträge auszuhandeln?
  • Vermutlich aber auch, weil sie „nur“ Nahrung und Baumaterial heranschaffen? Sie sich nicht mit Flachbild-Fernsehern, Spielkonsolen und Billig-T-Shirts abschleppen?

Genug Stoff zum Nachdenken. 

Ach wenn ich die doch nur fragen könnte. Dann übernehme ich das Konzept und werde zum Oberlogistiker der Welt und verdiene mich dumm und dämlich 😉

Grüße von der Ameisenstraße


Nachtrag 28.07.22 20:16 Uhr:
Liebe Leser meines friedfertigen Blogs hier, dieser Beitrag wurde anscheinend von einem hirnlosen Nazi-Arsch geliked und mit einem Hakenkreuz besudelt. Tut mir Leid, das hat nichts mit mir oder meinen politischen Ansichten zu tun. Oder vielleicht ja doch? Jedenfalls habe ich das nicht initiiert. Ignoriert das bitte für den Moment. Ich muss sehen wie ich damit umgehe. Bis dahin habe ich erst einmal die Gefällt Mir-Funktion abgeschaltet. Danke fürs Verständnis

Nachtrag 28.07.22 ca. 20:30 Uhr:
Mir folgt anscheinend ein User mit unmissverständlichem Namen. Ich habe den erst einmal von der Liste der Follower entfernt.

Nachtrag 28.07.22 20:53 Uhr:
Liebe Leser, ich habe eine Beschwerde an die Betreiber von WordPress geschickt und darum gebeten, diesen User zu blocken / zu löschen.

Nachtrag 28.07.2022 21:00 Uhr:
Ich habe den Blog erst einmal auf „privat“ eingestellt, meine Beiträge sollten also erst einmal nicht im Internet auffindbar sein.

Nachtrag 29.07.2022 09:30 Uhr:
Der Blog ist nun erst einmal wieder für die Öffentlichkeit sichtbar.

Nachtrag 29.07.2022 10:00 Uhr:
Obwohl ich diesen User gestern von der Liste der Follower geschmissen habe, taucht er noch an bestimmten Stellen meines Blogs mit seinem hässlichen Hakenkreuz-Gravatar auf. Ich arbeite dran.

345) Klopf klopf, der Alltag

Meistens kommt man ja zum Ende einer Reise etwas zur Ruhe. Man hat ausreichend Kilometer geschruppt, die Dinge gesehen, die man sich anschauen wollte. Im letzten Drittel geht man die Tage vielleicht etwas langsamer an, um „mehr davon“ zu haben. Und dann arbeiten sich in mir irgendwann Gedanken hoch und klopfen an die Tür.

  • Klopf klopf. Ach ja, der Job. 
  • Klopf klopf. Da war doch noch was. 
  • Klopf klopf. Das aufgeschobene Gespräch mit dem Chef. 
  • Klopf klopf. Das Projekt, das erste Ergebnisse liefern muss.
  • Klopf klopf. Der Telekom-Techniker, der am Montag auf der Matte steht. 
  • … und so weiter.

Hartnäckig klopfen sich die Realitäten aus der Heimat zurück in meinen Arbeitsspeicher. Unangenehm. Und dann kann ich drauf warten, dass meine Rübe beginnt, Gegenentwürfe zu diskutieren. 

Muss ich denn überhaupt … könnte ich nicht weniger … was anderes … woanders?

Die Gedanken kreisen über der Hängematte, es ergibt sich aber leider kein klares Bild. Wie jedes Jahr. 

Hinzukommen diesmal noch die ganz dicken Bretter, die da im Herbst und Winter vor uns liegen. Das Virus will zurück auf die Bühne und der russische Bär dreht am Gashahn. Beste Voraussetzungen.

Klopf, Klopf … sind das die ersten Takte eines Post-Urlaubs-Blues?

344) Eure Armut kotzt mich an

Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören. Immer wenn von „oben“ und „unten“ gefaselt wird, von einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, von einer Einkommensschere die sich immer weiter öffnet. Das is‘n bisschen zu einfach, findet ihr nicht?

Klingt ja so, als hätten wir Bootseigner überhaupt keine Sorgen, nicht auch unsere Päckchen durchs Leben zu tragen. Stellt euch das mal nicht zu einfach vor bitte!

Der Klimawandel, die Pandemie, jetzt der Krieg, die Personalknappheit, das macht uns auch zu schaffen.

Glaubt ihr nicht? Okay, dann hier nur mal ein Auszug meiner Alltagsprobleme:

  • Mein Boot ist 65 Meter lang. Also finde da erst mal einen passenden Liegeplatz und genug Raum im Hafenbecken, um die Karre zu wenden. Das ist nicht so ohne!
  • Der Jacuzzi an Deck muss mittlerweile schon gekühlt werden, weil es draußen immer heißer wird. Da zweifele ich schon, ob der Energiezuschlag der Bundesregierung diese Mehrkosten kompensiert. Ich werde mich da auf eine Härtefallregelung berufen.
  • Meine Suite ist 130 Quadratmeter groß, es ist schon mal vorgekommen, dass ich da selber durchsaugen musste, weil die Putzfrauen nicht mehr für 7,20 EUR die Stunde arbeiten wollten. Die 8 Kabinen der 15 Crewmitglieder habe ich dann aber nicht gesaugt, da sollen die mal schön selber machen. Bin ja nicht die Heilsarmee, oder?
  • Wenigstens die Chinesen in der Kombüse und in der Wäscherei sind noch nicht abgehauen. Die waren noch nicht einmal an Deck, wissen gar nicht an welchem Ort wir eigentlich sind. Ich meine, was sollen die auch hier im Land der Franzosen machen? China-Pfanne verkaufen?
  • Wenn an den 12V 4000 M53-Motoren mal eine Wartung fällig ist, dann finde hier mal fachkundiges Personal. Die können hier einen Renault 5 wieder flott machen, aber doch nicht so etwas. Da muss dann ein Techniker von Rolls-Royce einfliegen. Das geht schon, der kann auf dem Heli-Deck landen, aber ich muss das bei der Hafenbehörde anmelden. Nerv….!
  • Ich habe ja schon mal überlegt auf E-Antrieb umzusteigen, ich will ja auch was für meine Umwelt tun. Aber wenn ich mir eine passende Batterie in das Boot baue, dann wäre die so schwer, da fällt die glatt durch die Bordwand, wohlmöglich direkt auf ein Korallenriff. Das wäre dann ja auch schade … also für die Batterie meine ich. Und für die Bordwand. Kostet ja alles sein Geld. Mein Geld.
  • Und am allerschlimmsten sind all diese Badelatschen-Touristen, die jeden Tag am Boot vorbeischlurfen und Selfies machen. Kommen gerade aus‘m SPAR-Supermarkt, weil sie zu geizig waren, im Restaurant 4 Teller Langusten mit Wein und Nachtisch zu bestellen. Dann mampfen die vor meinem Boot ihre Baguettes, saufen prekäre Erfrischungsgetränke und krümeln mir die ganze Promenade voll, auf die ich heute Abend noch einen Fuß setzen wollte. Um meine Gäste zu empfangen.

Also hört auf zu jammern! Macht mal was aus eurem Leben! Das wird nicht an die Haustür geliefert, da muss man sich auch mal ein bisschen bemühen! Von nix kommt nix.

PS: Liebe Leser, keine Sorge, die Sonne hat mir nicht das Hirn verbrutzelt. Aber wir haben heute ein paar riesige Yachten im Hafen gesehen. Zum Beispiel die „Triumph“ (könnt ihr selber googeln, kein Bock das zu verlinken). Nebenbei haben wir belegtes Baguette gefuttert und natürlich die Promenade vollgekrümelt. 😉

343) Feigenblatt

Hinterm Haus da steht `ne Feige
Und wenn sich der Tag dann neige
Entdeckt man im Gezweige
Wie die Sonne niedersteige

Frei nach T.

Oh, heute Morgen nur Trash in die Tasten geklopft und nun über Tage hat er sich wohl zum Poeten entwickelt oder was? Hat ihn die Muse geküsst? Oder Jean Paul, der Sartre? (-> tolles Wortspiel oder …?) Aber weit gefehlt, es war weder die Eine noch der Andere!

Es war nämlich die Sonne. Die geht hier übrigens auch im Westen unter. Hätte ich gar nicht gedacht. Ich hätte erwartet, die Korsen machen es genau anders herum, als auf dem französischen Festland. Irgendwann hatte sich die Sonne soweit gesenkt, dass sie kreisrund durch den Feigenbaum hindurch schien. Hätte an dieser Stelle eine Feige gehangen, wäre dieses Bild wohl nicht entstanden. Hätte, hätte, Fahrradkette. Fahrradkette heißt auf französisch übrigens „Chaîne de vélo“. Herrlich, wie das klingt oder? Erinnert an Stangenbrot unter der Achsel, Tour de France und Rotwein auf dem Tisch. Aber ich schweife ab.

Auf der linke Seiten erinnern mich die Feigenblätter an die Silhouette der Bremer Stadtmusikanten bzw. ihre veganen Ebenbilder. Im Wiki finde ich einen kurzen Abriss der Handlung, den ich hier für euch noch einmal auf den Kern zusammengekürzt habe.

„Der alte Esel soll geschlachtet werden. Deshalb flieht er und will Stadtmusikant in Bremen werden. Unterwegs trifft er nacheinander auf den Hund, die Katze und den Hahn … Sie entdecken ein Räuberhaus. Indem sie sich vor dem Fenster aufeinanderstellen und mit lautem „Gesang“ einbrechen, erschrecken und vertreiben sie die Räuber. Die Tiere setzen sich an die Tafel und übernehmen das Haus als Nachtlager. … Den Bremer Stadtmusikanten gefällt das Haus so gut, dass sie nicht wieder fort wollen und dort bleiben.“

Irgendwie passend. Also jetzt nicht das mit dem „Bremen“, sondern das „nicht wieder fort wollen“. Nur das mit dem „alten Esel“ … da müssen wir noch mal drüber reden 😉

Ansonsten wusste das schlaue Wiki über das Feigenblatt natürlich noch mehr: „Das Feigenblatt des Feigenbaums wurde in der bildenden Kunst zum Verbergen der Geschlechtsteile nackter Personen verwendet.“ Ja … ok … macht Sinn, die Blätter gibt’s in verschiedenen „Größen“ und „Formen“ … aber gerade die maskuline Bauweise sollte beim Anlegen gut aufpassen, damit auch wirklich nix verrutscht 😉

Und nun noch ein paar tolle Zitate aus dem Internetz zum Abspann:

„Von flexiblen Wechselkursen halte ich so wenig wie von verrückbaren Feigenblättern.“ Hermann Josef Abs.

„Wenn man bedenkt, dass die Mode mit einem Feigenblatt begonnen hat, sind wir schon fast wieder am Anfang.“ Claudia Cardinale.

„Das Feigenblatt des Neides ist sittliche Entrüstung.“ Karl Kraus

Bonne Nuit.

 

342) Chillen mit Grillen

Mit dem Tablet auf den Knien, genieße ich den Blick auf das Tal vor unserer Urlaubshütte und dann kommt halt nur so sommerlicher Reimsalat zustande.

  • Stille mit Grille
  • Chillen mit Grillen
  • Chill out mit Grilllaut
  • Erst Stille dann Grille
  • Mit Willen zum Chillen
  • Schreib.blogade mit Zikade
  • Zu heiß zum Grillen, heut‘ gibts Marillen

Oh je … das wird nich‘ besser. Zu warm, um klare Gedanken für einen tiefgründigen Beitrag zu fassen. Ich glaub´wir fahren mal besser zum Strand, etwas abkühlen. Ich habe mal ein Audio-File hier hochgeladen. Herrlich ruhig hier. Chillig und grillig.

341) Flügelschlag eines Schmetterlings

Da sitze ich gerade in Korsikas Süden auf einem Liegestuhl und fotografiere einen anderen Liegestuhl direkt vor mir. Ich nenne ihn ab sofort den „Blogger-Genuss-Stuhl“. Und auf einmal kommt ein Schmetterling angeflattert und macht sich da breit. Auf „meinem“ Stuhl.

Er wird sogar richtig zudringlich, setzt sich auf meine blanken Zehen (den Anblick erspare ich euch nach 4 Stunden Autofahrt) und dann landet der auf dem blassen Männerbein seines Inhabers und macht einen kurzen Schlag mit den Flügeln. Ach du Scheiße. Was jetzt wohl am anderen Ende der Welt geschieht? Ein Tornado? Ein Tsunami? Ein Vulkanausbruch? Das wollte ich nicht, wirklich nicht. Glaubt mir! 

Ich wollte hier nur eine Pulle „1664 Bière Blonde“ auf die fachgerechte Entsorgung im Altglascontainer vorbereiten und dann so etwas. Also das ist mir jetzt echt unangenehm.

Aber wer sagt denn eigentlich, dass so ein Flügelschlag eines Schmetterlings woanders immer gleich eine Katastrophe ausrichten muss? Vielleicht bewässert ja ein Regen zu trockene Felder, dreht sich ein Windrad schneller und möglicherweise sorgt ein Sturm dafür, dass Jagdflieger am Boden bleiben.

Das wäre doch gut … irgendwie … oder?

PS: Jetzt nachträglich sehe ich, dass der Hersteller meines „Badelatsches“, neudeutsch „Flip-Flops“ im Bild zu sehen ist. Das war nicht beabsichtigt, normalerweise neutralisiere ich jegliche Marken auf dem Blog hier.

Sorry. Ihr müsst den nicht kaufen. Könnt ihr aber natürlich. Ich kriege kein Geld von denen.

340) Analoges Reisen

Heute will ich einen Gedanken aufnehmen, den Reiner >hier kürzlich aus Malaysia geschickt hat und den wir hier fast zeitgleich auf Korsika diskutiert hatten.

Es geht darum, wie sehr all die digitalen Helferlein das Reisen beeinflussen. Positiv und Negativ.

Natürlich will ich das Navi nicht missen, ein digitales Wörterbuch ist auch Klasse und wenn ich im Wiki ein paar Daten zu einer Stadt oder Sehenswürdigkeit finde, ist das doch großartig. In Supermärkten sind alle Preise ausgeschildert, man muss nicht mehr nach ihnen fragen. Auf der Packung sind Fotos abgebildet, ein Fehlkauf fast ausgeschlossen. Man zahlt mit VISA oder mit den EUR-Scheinen, die man zu Hause aus dem Automaten gezogen hat. Das Navi spricht deutsch, die Restaurant-Kritik kommt in Form von Sternen daher, zum Frühstück höre ich Verkehrsfunk aus der Bundeshauptstadt, Tagesschau gibt’s per Mediathek und den Rest erledigt die Datenkrake. Alles großartige Erfindungen, selbst das Bloggen auf der französischen Terrasse und die Bio-Pistazien „Thai Style“ zu meiner Linken.

Aber man muss schon aufpassen, dass man ein Land noch erlebt. Daher bringe ich heute drei Erlebnisse , die ich wohl mit einem Handy bzw voriger Online-Recherche nie erlebt hätte.

  1. Mitte der 90-er Jahre in Tarifa (Südspanien), kurzer Ausflug über die Grenze nach Gibraltar (britisch). Geld zu wechseln halten wir für übertrieben, wir wollen ja nicht lange bleiben. Nur einmal den Affenfelsen hinauffahren und dann wieder runter zurück nach Spanien. Gesagt getan, fahren wir also die enge Bergstraße bergauf und stehen irgendwann vor einer Schranke mit Kassenhäuschen. Shit! Kein Geld. Die Schranke blieb unten und hinter uns folgten immer mehr Autos. Gehupe. Geschimpfe. Emotionen. Aber die Schranke bewegte sich nicht. Unseren Vorschlag ans dortige Personal, uns wenigstens erst einmal aufs Gelände zu lassen, um die Straße freizumachen wurde abgelehnt. Also blieb irgendwann nur eins: Eindrucksvolle Dreipunkt-Wendung am Abgrund, einer rennt die Straße wieder runter und warnt den nachrückenden Verkehr, der andere fährt die Einbahnstraße entgegengesetzt wieder herab. Mit Licht. Großes Kino, liebe Kinder.
  2. Frühe 2000-er Jahre. Wir sind dabei, Havanna mit dem Mietwagen schweißgebadet zu verlassen und suchen die A1, Kubas einzige Autobahn nach Osten. Oder besser Schnellstraße. Die Beschilderung ist saumäßig bzw. gar nicht existent. Wir navigieren mit Kompass, Sonne und Karte und verfransen uns immer wieder. Wir sind allein auf der Straße, also wende ich einfach da wo es geht. Ein Motorrad-Polizist fand das aber gar nicht witzig und stoppte uns. Er trug eine verspiegelte Sonnenbrille, hielt die Hand auf dem Holster und mir einen Vortrag auf Spanisch. Was tun?  Dumm stellen und nerven. Also kramte ich mein Reise-Spanisch hervor und reduzierte es noch einmal zu einem dummen „Donde A uno?“, „Donde A uno?“  Ich wollte auf keinen Fall vernehmungsfähig klingen. Es hat geklappt, der Typ wies uns den Weg und lies uns in Ruhe.
  3. Mitte der 2000-er Jahre. Ich mache eine Männer-Tour mit meinem Busen-Kumpel J. ins Verdon-Tal. Mutig melden wir uns bei einer Canyoning-Tour an. Bisschen Planschen, Rutschen, wird wohl ganz nett werden. Dass ich am Ende in einer Felswand hänge und eine Abseilstrecke von 50 Metern mache und dabei 300 Meter tief auf die Stadt Moustier blicke während mir von oben der Wasserfall auf die Schädelplatte drömmelt, nee, das hätte ich mit ausgiebiger Online-Recherche niemals getan. Nie. Nie. Nie. 

Tja, liebe Kinder und genau deshalb sollte man das Telefon einfach ab und zu mal in der Unterkunft liegen lassen, dann müsste ich mir jetzt auch keinen Kopf machen, wie ich es nun wieder trocken kriege 😉

Und wer mal so echt virtuell verreisen mag, der kann ja mal hier anfangen zu lesen, wie sich mein Alter Ego Noah so anstellt

—> Reisen 6.0 – Teil 1 und dann die weiteren jeweils am Ende verlinkt 😉

339) Feuer

Wie bekommt man einen gut gelaunten Sommerstrand für einen Moment zum Schweigen? Na? Ganz einfach. Man fliegt mit einem Löschflugzeug drüber. Dann entsteht eine kurze Schweigeminute, bevor der Klangteppich wieder gelöster und amüsanter wird.

Man sieht aber auch nachdenkliche Gesichter hoch hinauf zu den Hängen blicken. Den Nachrichten über Feuerwalzen, die erst am Strand haltmachen, kann man sich nicht entziehen. Ich schaue auf die Uhr und tue es erneut, als das Flugzeug wieder und wieder im Tiefflug über unsere Köpfe donnert. Im Schnitt dauert es jedes Mal 6-7 Minuten bis es wieder da ist. Ziehe ich mal 1 Minute für das Aufnehmen von Wasser ab, bleiben 6 Minuten für Hin-und Rückflug. Ich krame in meinem Hirn und finde in der Schublade „Flugwesen“ ein Halbwissen zur Geschwindigkeit von Propeller-Flugzeugen … und überschlage eine Entfernung zum Einsatzort von … uuups … nur … 15 Kilometern. Diese Information teile ich beim Abendessen besser nicht mit, aber es spricht sich in Social Media rum. Beim „Gesichtsbuch“ wird schon drüber geschnattert. Irgendwann am Abend kamen keine Flugzeug mehr.

Also entweder …

  • Ist der Brand unter Kontrolle, die Gefahr gebannt.
  • Der Pilot ist im gewerkschaftlich erstrittenen Feierabend.
  • Man hat die Region aufgegeben. Bonne nuit. Fin.

Schön war‘s, bisschen kurz vielleicht

Das große Kind recherchiert, dass Deutschland kein einziges Löschflugzeug hat. Brandbekämpfung ist Ländersache. Mhm. Na gut.

PS: An alle besorgten Mitleser in der Heimat. Keine Sorge, alles gut hier. Der Himmel am Morgen war blau, nicht schwarz.