480) Jedem seine Bubble?

Ein Gedanke vom Joggen heute Morgen lässt mich nicht los. Da ging es im Hörbuch „12 Gesetze der Dummheit“ von Henning Beck unter anderem darum, dass Informationsblasen ja heute eigentlich Blasen sind, die sich um Gruppen herum gebildet haben. Da fühlt man sich kuschelig wohl, deshalb verlässt man diese Bubble auch nicht. Was aber, wenn durch fortschreitende generative KI und Individualisierung jeder Mensch in genau einer informativen Bubble lebt und jegliche Inhalte auf diesen einen Konsumenten zugeschnitten sind? 

Nein, ich meine keine Algorithmen die Inhalte zusammensammeln und uns auf die Geräte puschen, das gibt es ja heute schon und führt zur Filter Bubble. Nein, ich meine Inhalte, die aus dem Nichts erschaffen werden. Nur für den einen User. Also eine Art Creator Bubble. Es gibt keine Massenmedien mehr, keine Nachrichten, kein Twitter, kein Facebook und kein Hollywood, die Inhalte für mehrere Menschen produzieren und dann noch monatelang in den Mediatheken anbieten. Stattdessen würden Inhalte für den Moment geschaffen, danach sind sie wieder weg, sie existieren so kein zweites Mal. Niemand könnte diesen Blogbeitrag lesen, denn der wurde in meiner Bubble geschaffen und da bleibt der dann auch. Unsere Bubbles wären nicht miteinander verbunden, jeder blubbert in seiner eigenen Bubble vor sich hin, das elektronische Teilen wäre wieder abgeschafft.

Na, wie wäre das? Auf jeden Fall gruselig oder?

  • Marketingstrategen würden sich vermutlich freuen, können sie den Konsumenten dann den ganzen Tag mit individueller Werbung vollpumpen und Vergleichsportale gäbe es ja auch nicht mehr. 
  • Bei Despoten, da bin ich mir gar nicht so sicher, was sie davon halten würden. Sie könnten happy sein, weil sich über zwischen den Millionen von Bubbles kaum Widerstand des Bubble-Volkes organisieren lässt, allerdings hätten die Despoten das Problem, dass sie auch keine Massenpropanda auf die Human-Blasen herabgießen können. Auch doof. Für die Despoten.
  • Menschen werden möglicherweise viel kommunikativer. Vielleicht berichten sie gegenseitig von ihren individuellen Erlebnissen, denn analog kommunizieren können sie ja schließlich noch. Oder die Kommunikation schläft dann erst recht ein, weil der jeweils andere nicht mitreden, maximal zuhören kann. Wenn zwei Kollegen begeistert über ihren letzten Kinofilm schwärmen, wird das recht öde, wenn jeder 90 min nur über seinen Film rezitiert.

Tja, 80 Millionen Bubbles, in diesem Land wären dann vielleicht doch ein bisschen viel. 

Aber wie viele Bubbles wären denn optimal? 

  • Eine Bubble etwa? Oh, nein danke. Und hatten wir schon mal. Ging nicht gut.
  • Zwei Bubbles vielleicht? Dann wäre das vermutlich so wie in den USA.
  • Pro politischer Partei eine Bubble? Das ist viel zu grob, wenn man da nur an die Flügelkämpfe in den Parteien denkt. 
  • Pro Postleitzahl eine Bubble. Neeiiiiiiin! Um Himmels nicht das. Ich als einer der letzten noch nicht gentrifizierten Ur-Einwohner des Bezirks in einer Weißwurst-Maultaschen-Bubble?

Dann ziehe ich weg in meine eigene Bubble und blubber darin vor mich hin.

Nur ich … mit einer Tasse Bubble-T.


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12 Kommentare zu „480) Jedem seine Bubble?

  1. Jeder in einer eigenen Bubble? Das klingt nach Einzelhaft. Ich schlage vor: Null Bubbles. Jeder soll alles ungebubbelt bekommen. Wie früher, bevor die Algorithmen uns in Bubbkes eingeteilt haben. Da gab es noch nicht so viel Hass und Intoleranz.
    Obwohl, da gab es den Stammtisch in der Eckkneipe als kleinste Bubble und der war schon immer ziemlich intolerant.

  2. Mein erster Gedanke: Gruselig.
    Und dann kam der zweite um die Ecke: Teilweise sind wir schon auf dem Weg dorthin. Zumindest denke ich das manchmal, wenn es um Identitätspolitik im weitesten Sinn geht: Manchmal befürchte ich, mit jeder „Schublade“, aus der wir Menschen rausholen wollen, schaffen wir fünf neue, noch kleinteiligere. Ob das immer nur vorteilhaft ist, bezweifle ich.
    Auf jeden Fall hast du etwas zum Dranrumknabbern geliefert.

    1. Guter Hinweis, aber ja, da machst du das nächste Fass auf. Mir ging es zunächst um die informativen Bubbles, aber irgendwer arbeitet täglich daran, um jeden einzelnen Menschenschlag … oder Menschen … einen Identitäts-Zaun zu errichten. Das sind dann überspitzt nicht mehr 80 Millionen Menschen in einer Gesellschaft, sondern 80 Millionen einzelne Gesellschaften …
      Boah soviel Denkstoff für die Heimfahrt morgen

  3. Solange noch Menschen, „gut“ oder „böse“ die Aufsicht über die KI´s haben und sie auf´s Massenvolk loslassen, ist es schon schlimm genug; ganz spannend wird´s, wenn die KI´s echt selbständig werden und sich eventuell verbünden. Dann hoffe ich auf einen analogen, manuellen Hauptschalter und eine/n Mutige/n, die/der ihn betätigt. Der/Die wird dann aber von den Millionen eingelullten Bubblern als Terrorist gejagt oder auch nicht, denn jede/r hat ja nur seine/ihre eigene bubble und weiß nix von „draußen“; schaurig….

  4. Ideologische Blasen sind nicht neu, stimmt. Jedes Dorf im Nirgendwo war früher eine Blase. Tipp: Man kann sich schnell in eine Blase begeben, einfach nur ein Youtube-Video etwa zu Corona anschauen. Schwupps bringt Dich der Algorithmus in die „Leugner“-Blase, nach dem zweiten Klick tauchen nur noch „Leugner“ und Verschwörer auf.

    1. Ja ja, kenn ich alles. Mir geht es aber nicht um kuratieren von Informationen für den einen User, sondern um das kreieren von Informationen für den einen User. Und da sind wir noch nicht … hoffe ich doch … oder ???!

    1. Ah du springst also von Bubble zu Bubble wie es dir gerade einfällt? Also das ist auch eine Variante. Ich verharre in meiner Bubble, schon aus Prinzip, auch wenn ich da ganz allein bin;-)

      1. Solange es meine alternde Verfassung (körperlich, geistig) noch zulässt, springe ich auf jeden Fall 🙂 Okay, manchmal übermannt mich auch die Faulheit – aber pssst.

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