360) New Dress (2022)

Die aktuelle Nachrichtenlage erinnert mich doch sehr an den Song „New Dress“ von Depeche Mode. Damals, im Jahr 1986, zitierte die Band diverse Schlagzeilen aus den News und schloss die Strophen jeweils mit „Prinzessin Diana trägt eine neues Kleid“ ab.

Hier ein Auszug:

Sex jibe husband murders wife
Bomb blast victim fights for life
Girl thirteen attacked with knife
Princess Di is wearing a new dress

Jet airliner shot from sky
Famine horror – millions die
Earthquake terror figures rise
Princess Di is wearing a new dress

Wenn ich heute den Nachrichten lausche, hat sich nicht viel verändert:

Ein AKW gerät außer Kontrolle
In New York gibts wieder Polio
Deutschland erwartet kalten Winter
In Ukraine verschwinden Menschen
…und Queen Elisabeth wird 10 Tage lang verabschiedet

Nicht falsch verstehen liebe Windsors, ich respektiere die Lebensleistung der Dame und natürlich hat die Queen einen würdigen Abschied verdient. Keine Frage.

Aber 10 Tage Trauerfeierlichkeiten und Dominanz in den Nachrichten, plus Übertragung der Krone an Prinz Charles, scheinen mir irgendwie nicht mehr in unsere schnelllebige Welt zu passen. Sowohl in UK, als auch auf dem europäischen Festland gibt es so viele Dinge zu tun und zu besprechen, da ist mir das irgendwie ein bisschen too much. Sorry.

Gestern in der Tagesschau unterlief dem Off-Sprecher ein „Patzer“, vielleicht war es aber auch gewollt. Es ging sinngemäß um eine Trauerfeier an der Gäste aus Politik und anderen Königshäusern teilnehmen werden, zu der aber auch ein Teil „normaler Bürger“ (O-Ton) eingeladen sind. Jup. Genau das.

Ich schließe den Beitrag mit dem Refrain von New Dress ab:

You can’t change the world
But you can change the facts
And when you change the facts
You change points of view
If you change points of view
You may change a vote
And when you change a vote
You may change the world

Schönes Wochenende

279) Alles super

Nicht nur aus Peking werden Rekorde gemeldet, auch aus Berlin erfahre ich von neuen Superlativen. Haltet euch fest.

Beim Blättern durch die Berliner Morgenpost vom Wochenende:

„ARD-Mediathek: Nutzerzahlen auf mehr als zwei Milliarden gesteigert“.
What? Zwei Milliarden Nutzer? Habe ich etwas verpasst? Verfolgt Deutschland seit geraumer Zeit eine andere Familienpolitik? Beim weiteren Lesen geht es wohl um „zwei Milliarden Videoabrufe“. Ach soooooo. Ja, wenn man die Abrufe zählt, hätte mein Blog-Kraftwerk „seine Nutzerzahlen auch auf zig-tausende gesteigert“.

„Bundesweite Inzidenz erreicht nächsten Höchstwert“
Gemäß RKI lag die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden bei 240.172. Alter Schwede. Wenn ich mir die Berliner Zahlen im zeitlichen Verlauf anschaue, reicht seit ein paar Tagen selbst der Portrait-Modus meines Tablets nicht mehr aus, die ganze Welle auf dem Bildschirm zu sehen. Ich muss scrollen. Vielleicht sollte ich mir ein größeres Modell kaufen?

„Mercedes-Benz meldet Milliarden-Plus“
Nach vorläufigen Berechnungen erwartet der Vorstand … ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern von 14 Milliarden Euro. Es geht also erst einmal um eine Prognose und der Schwäbische Droschkenbauer muss noch Steuern zahlen. Aber trotzdem. 14 Milliarden Euro, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich wollte mit dem Handy-Rechner ein paar Rechenspiele machen. Im Portrait-Modus ist aber bei 140.000.000 Millionen Schluss, ich muss in den Landscape-Modus gehen, den Modus für die großen Zahlen, nicht für Erdnüsse.

„Berlins Zukunft geht in die Höhe“
Wie verlockend. Aber dann ging es um die geplanten Wolkenkratzer-Projekte:

  • Estrel-Tower 176 Meter
  • Alexander-Tower 150 Meter
  • MYND 134 Meter
  • Upside 86 Meter und 95 Meter, gleich zwei Türme
  • Edge East Side 140 Meter

Im Fall des Alexander Towers verweist „die Komposition des Gebäudes auf Prinzipien des russischen Konstruktivismus“. Aha, ich ahnte es schon. Da wo früher der Eingang zum Weihnachtsmarkt war, steht demnächst ein russischer Riesen-Lümmel und ragt in den Berlin-Himmel. Vermutlich stockfinster, weil niemand drin wohnt. Irgendwo habe ich mal  gehört, dass man den wohl mit Licht anstrahlen will, um diesem Objekt wenigstens etwas Leben einzuhauchen. Na dann strahlt mal.

„Zahl der Woche“
70 Prozent der Deutschen haben in geschäftlichen Videokonferenzen Missverständnisse erlebt, heißt es da. Ach. Der Hauptgrund: Die mangelnde Sichtbarkeit der Teilnehmer. Häh? Bei Videokonferenz? Auftraggeber der Studie war der Hersteller von Videokameras. Ähm, … is‘ das nicht geschäftsschädigend?

Zum Schluss das Fernsehprogramm:
Sat.1 22:35 „Contagion“: „Gerade von einer Geschäftsreise in Hongkong zurück, stirbt die Amerikanerin Beth an einem unbekannten Virus, dem auch andere Menschen auf allen Kontinenten erliegen.“

…Ach …  mhm … langweilig … danke, ich werde mich lieber dem Blog widmen

Schönen Sonntag!

Ähnliche Beiträge:

172) Corona-Lektionen 67

Ich erspare mir heute eine Einleitung. Ich gehe sofort aufs Thema dieses Beitrags:
Medien und informationelle Fremdbestimmung in diesen Zeiten.

Eigentlich halte ich mich für jemanden, der gerne Informationen aufsaugt, Nachrichten hört/schaut und auch den politischen Diskurs verfolgt. Jetzt will ich hier wirklich nicht zum Medien-Bashing aufrufen, aber das, was aktuell ins Volk getrötet wird, ist nur schwer zu ertragen. Während die einen die Pandemie nahezu komplett aus dem Programm heraushalten, diskutieren sich die anderen zu Tode. Wenn uns der Virus nicht dahinrafft, dann wohl der Informationelle Burnout. Weil aber auch wirklich jeder seinen Senf dazugeben muss. Schon schlimm genug, dass Corona die Nachrichten und Diskussionsformate beherrscht, aber auch das Programm zwischendurch wird ständig vor die Corona-Kulisse gezogen. Ich glaube, die Leute sind nicht unbedingt Corona-müde aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung, sondern eher weil sie es nicht mehr hören können. 

Und das halte ich für gefährlich, denn Menschen ziehen sich dann aus dem Geschehen zurück und machen es sich in ihrer Blase gemütlich. Oder sie gehen Hetzern auf den Leim.

Da ist zum einen die schiere Menge der Informationen. Aber auch mein Eindruck, dass das wenigste wirklich eine Relevanz hat, etwas konstruktives beiträgt oder zum aktuellen Moment passt. Nähert sich beispielsweise der Mittwoch, wo das „Corona-Kabinett“ tagt, wird sich spätestens ab Sonntag davor, das Maul zerrissen. Kaum verlässt die Kanzlerin die Pressekonferenz, regt sich schon irgendwer auf, dass beim Thema Schule kein bundesweiter Konsens herrscht. Muss es denn? Ist es denn so ein Drama, wenn Bayern da anders agiert als Berlin? Spielt das infektionstechnisch irgendeine Rolle? Nein! Aber es wird geredet und geredet. Wertvolle Zeit mit Nebensächlichkeiten vergeudet. Dann wird mal jubelnd erklärt, dass Firma x und Firma y nun gemeinsam Impfstoff produzieren. Super! Durchbruch! Rettung naht! Die Euphorie beim Hörer wärt aber nicht lange. „Das geplante Werk kann Ende 2022 mit der Fertigung beginnen“. Na großartig. Ich finde es ja gut, wenn positive Nachrichten übermittelt werden, aber ist diese Information jetzt nötig? Schürt das nicht noch mehr Zweifel und Medien-/Politik-Verdrossenheit?

Was hätte eigentlich die Nachrichten bestimmt, wenn Corona nicht in unser Leben getreten wäre? Vermutlich hätten wir übers Klima gesprochen. Ach stimmt, Klima haben wir ja auch noch. Oder über flüchtende Menschen. Ja, auch die gibt‘s noch und sie hausen in übelsten Lagern, während wir diskutieren, ob Friseure wieder öffnen und Fußpflege nicht auch zur Menschenwürde gehört. Wahrscheinlich hätten wir auch mal erörtert, wie sich Digitalisierung langfristig auf die Beschäftigung auswirkt. Digitalisierung ist etwas mehr als Homeoffice und fehlendes WLAN an den Schulen. Und wahrscheinlich hätten wir jeden Morgen irgendwelche Twitter-Ergüsse des Mannes mit den orangen Haaren erlebt. 

Na immerhin, doch noch etwas positives an Corona gefunden…

<— Corona-Lektionen 66

—> Corona-Lektionen 68

125) Corona-Lektionen 34

Sind seit dem letzten Beitrag dieser Reihe (>hier) wirklich schon wieder drei Wochen vergangen? Mensch, die Zeit rast doch, oder? War das eigentlich vor Corona auch schon so? Viele sagen ja, sie hätten kein Gefühl mehr für die Zeit, die so vergeht.

Andere berichten, sie fühlen sich in einer anderen Realität. In mehreren Realitäten sogar. So geht’s mir auch. Und solche Realitäten, die sollen heute mein Thema sein.

Widmet man sich den Nachrichten, gibt’s aktuell verschiedene Realitäten:

  • Da gibt‘s Berichte aus Ländern, die verstanden haben, dass sie ein ernsthaftes Corona-Problem, aber immerhin drastische Maßnahmen eingeleitet haben.
  • Da sind Länder, die zögerlich wieder öffnen und eine Riesen-Angst vor dem Schulbeginn haben, wenn die Corona-Souvenirs auf dem Schulhof getauscht werden.
  • Da gibt’s Regierende, die Corona immer noch als „Blödsinn“ abtun und mit Thumbs up in die Kamera grinsen, während ich mich frage, ob der Virus vielleicht doch mal an deren Haustür klopfen könnte.

Dann folgt der dünne Sport, die Lotto-Zahlen und das Wetter. Immerhin Wetter gibt’s noch.

Wenn ich danach zufälligerweise in Filme, Serien oder Werbung hineinzappe, fühle ich mich völlig fehl am Platze:

  • Da schippern Kreuzfahrtschiffe durch die Karibik und Kripo-Beamte untersuchen einen Mordfall im Rotlicht-Milieu.
  • Da gibt es Game-und Talkshows vor Publikum, meistens Retorte. Wenn die Ränge leer sind, kommt der Applaus vom Band.
  • Und auch die Werbung zwischendurch führt uns durch eine heile Welt. Nix Virus, nix Maske, nix Abstand, sondern alles beim Alten.

Ist es vielleicht das Sommerloch? Oder müssen sie die alten Gerichte wieder warm machen weil seit März nichts mehr produziert oder synchronisiert wurde? Bringt man einfach dieselbe Sauce immer wieder, um die Leute bei Laune zu halten? Bis dann mal alles wieder „so wie früher“ wird?

Vielleicht schaue ich ja zu wenig TV, um mir ein vollständiges Bild zu machen. Aber wo ist der elegante Geheimagent im Smoking, der mit Mund-Nase-Schutz eine Dame rettet? Wo ist die gelbe Comic-Figur, die sich die Hände desinfiziert, wenn sie vom Skateboard steigt? Wann sehen wir endlich die erste Vorabend-Serie mit Homeoffice, Seifenspender und Glasscheibe an der Kaffee-Bar?

Das ist doch die Realität! Oder bin ich im falschen Film?

Frohes Nachdenken! Kommentare gern hier unten drunter!

<— Corona-Lektionen 33

—> Corona-Lektionen 35

76) News-Cocktail

Sagt mal, geht’s nur mir so? Bin ich der Einzige, der das Gefühl hat, dass hier etwas mächtig in Schieflage gerät?

Kaum hat ein Thema die Bühne betreten, wird es einen Tag später schon wieder verdrängt und es steht ein neues Problem dort oben im Rampenlicht. Und schlimmer noch. Es ist nicht nur das Thema an sich. Auf das kann man sich ja einstellen und man kann sich damit beschäftigen. Aber solch „ein“ Thema wird mit zig verschiedenen Auffassungen, Sichten und Färbungen transportiert, so dass man gut daran tut, mehrere Varianten davon zu hören. 

Hier ein Schlückchen meines News-Cocktails der letzten Wochen:

Brexit, Buschbrände, Klima-Krise, Erderwärmung, Davos, Stürme, Unwetter, Tesla-Proteste, Thüringenwahl, AfD-Zugewinne, Terror von rechts, Hanau, Handelskonflikt, USA, Vorwahlen, Trump, China, Reisebeschränkung, Corona, Covid-19, Quarantäne, Hamsterkäufe, Absage Groß-Events, Libyen, Syrien, Flüchtlinge, Griechenland, Türkei, Grenzöffnung, Tränengas, Digitalisierung, Schulschließung, Kündigungen, Kurzarbeit, Container-Mangel, Masken-Mangel, Nudel-Mangel, Hamsterkäufe, Hass-Kommentare, Beleidung im Fußball, Verrohung, … und all das nur mal eben angekratzt und sicher vieles gar nicht aufgeführt. All das on top zu unserem Job und den Herausforderungen des Alltags. 

Was ist nur los hier?
Ja, früher gab es auch Nachrichten. Ja, früher gab es auch Konflikte und schlechte Zeiten. Aber ist das nicht alles ein bisschen viel? Überblickt das noch einer? Hat das noch einer im Griff?

Und was ist die Konsequenz daraus?
Abschalten? Abtauchen? Trash-TV schauen und sich mit Nichtigkeiten berieseln? Ich hoffe nicht … das wäre auch nicht gut.

Was kann man tun?

PS: Ach so … das soll jetzt hier keine Einladung sein, auf die Medien einzudreschen … Kommentare dieser Art werden nicht freigeschaltet. Pech gehabt 😉

<— Mehr aus der verrückten Welt

1) Verrückte Welt-Intro

Seit einem halben Jahr nun, veröffentliche ich meine Gedanken, Erlebnisse und Kurzgeschichten hier auf meinem schreib-blog. Im Juli 2018 begann ich diesen Blog mit seiner ersten Kategorie „Metropolen-Egoismus und andere Aufregbarkeiten“. Ursprünglich mal als Papier-Buch gedacht, schlummerten die ersten 20 Artikel schon längere Zeit auf meinem Rechner. Also verwendete ich die Beiträge quasi als „Kanonen-Futter“, um die Blog-Welt für mich zu erschließen. Mittlerweile sind daraus knapp 40 Beiträge geworden. Menschen und Organisationen lieferten immer genug Nachschub, über den ich mich auslassen konnte. Traurig eigentlich, oder? Vermutlich wird da noch mehr kommen. Wenn man aber über das tägliche Miteinander und seine Unzulänglichkeiten schreibt, kann man dabei ganz schnell schlechte Laune bekommen. Es musste also etwas unterhaltsameres her, was meine Stimmung wieder etwas anhebt. Quasi als Gegengewicht zum Mecker-Kanal. Damit war die zweite Kategorie geboren. Ich nannte sie „Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial“. Sie trägt zwar die „schlechte Laune“ ganz offensichtlich im Namen, soll aber eigentlich das genaue Gegenteil bewirken: Mich kurz über Dinge des Alltags aufregen und dann zügig erkennen, dass es sich eben nur um unwichtige Kleinigkeiten handelt, die gar nicht soviel Energie wert sind. Im besten Fall bleibt ein Schmunzeln zurück, eine Priese Humor vielleicht, aber kein Frust. Auch diese Kategorie umfasst nun schon 33 Beiträge. Beide Kategorien sind aber nun mal sehr textintensiv, es fehlte noch etwas „Buntes“, etwas zum Anschauen und zum Blättern. Somit war meine dritte Kategorie „Postkarten“ im Oktober geboren. Ich liebe das Reisen, wollte aber in dem Blog nicht jeden Stein, jede Kirche oder Tempel von unterwegs beschreiben. Das machen andere Reise-Blogger viel besser als ich. Ein paar Fotos und Kurztexte im Postkarten-Stil schienen mir da schon eher geeignet. Gern gewürzt mit einigen Skurrilitäten oder Nachdenklichkeiten im Kontext der Reise, die sonst im Touristik-Marketing zu kurz kommen. Und nun? Wie geht es in 2019 weiter? Einfach weiter so? Mhm… ich will nicht immer nur auf Mitmenschen und Organisationen schimpfen oder eigene Missgeschicke ans Tageslicht zerren, über die man schmunzeln kann. Ich kann auch gar nicht so oft reisen, um regelmäßige neue elektronische Postkarten verschicken zu können. Unsere neue Welt bietet aber noch so viel mehr Stoff, zu dem ich meinen Senf hinzugeben möchte. So viele neue Entwicklungen erreichen unsere Aufmerksamkeit. Jeden Tag. Da sind neue Technologien, Lebensarten oder Verhaltensweisen. Sie fallen vom Himmel und bestimmen fortan unseren Alltag. Dafür richte ich eine neue Kategorie ein.

Und hier ist sie schon: Ich nenne sie „Verrückte Welt“. 

Das scheint mir ein geeigneter Titel dafür zu sein. Nun ja, ich weiß. Es gab schon Bücher und Filme mit diesem Titel oder ganz ähnlichen Wortspielen. Na und? Wenn die Welt nun mal so verrückt ist? Wie sollte ich sie sonst nennen?

Mit diesem kurzen Rückblick und Ausblick, nähern wir uns dem Ende von 2018 und freue mich schon auf 2019 und die neue Kategorie.

Einen guten Rutsch an alle Leser (… falls ich mich nicht noch einmal vorher melde 😉