481) Nichtantritts-Prämie

Nach meinem Beitrag >Regeln des Krieges wechselte ich u.a. mit Belana Hermine ein paar Kommentare und wir waren uns schnell einig, dass es Kriege im besten Falle zu vermeiden gilt. Aber wie nur? Die klassische Diplomatie scheint an ihre Grenzen zu kommen, die Interessenlagen sind häufig so verstrickt, da steigt keiner mehr durch. Bodenschätze, Zugang zum Meer, Religion, Ethnien, alte Rechnungen und Bündnispflichten. Und neue kommen hinzu: Wasserquellen, Wüsten, Dürren, Temperaturen.

Also was kann man tun? Vielleicht kann man es übers Geld regeln. Mag etwas naiv anmuten, klingt aber reizvoll. Man bittet die Vertreter der Kontrahenten an einen Tisch, rechnet die ungefähren Kosten für den Wiederaufbau hoch und verteilt diese Kosten als Nichtantritts-Prämie an die Soldaten beider Lager. Danach gibt man sich die Hände und geht einen Trinken. 

Hier mal solch eine Bierdeckel-Rechnung: 

Was kostet es, ein Land wieder aufzubauen? Schwierig abzuschätzen, aber man könnte sich mal am „Aufbau Ost“ entlanghangeln, der wird mit 1,5 Billionen Euro beziffert, aber nehmen wir einfach mal „nur“ eine Billion, rechnet sich besser.

Wie viele Soldaten sind im Einsatz? Kommt auf den Krieg und die jeweilige Truppenstärke an. Aber nehmen wir den Mittelwert der Truppenstärken aus Deutschland, Frankreich, UK, Spanien, Italien, Polen, dann sind das ca. 170.000 Soldaten (Quelle Wikipedia) pro Seite, die man zum Nichtantritt finanzieren müsste.

Das wären dann … circa … alle mal festhalten bitte … ein 2,9 Millionen-Scheck, für jeden Soldaten. Die Familien hätten ausgesorgt, es wäre keiner gestorben, man müsste keinen Krieg finanzieren oder Waffen und Munition zusammenkratzen.

Kling verlockend oder?

Wo ist der Haken? Ich habe dazu mal ChatGPT befragt und folgende Antwort bekommen (Auszug:)

  • Definition von „Nichtantreten zum Krieg“: Die Definition dessen, was als „Nichtantreten zum Krieg“ gilt, kann komplex sein. Es könnte schwer sein, klare Kriterien festzulegen und sicherzustellen, dass diese Kriterien nicht ausgenutzt werden.
  • Anreize und ethische Bedenken: Die Schaffung von Anreizen, um Konflikte zu vermeiden, könnte moralische und ethische Fragen aufwerfen. Die Vorstellung, Menschen dafür zu belohnen, nicht in den Krieg zu ziehen, könnte als unmoralisch angesehen werden und zu Missbrauch führen.
  • Internationale Zusammenarbeit: Die Umsetzung eines solchen Ansatzes erfordert oft die Zusammenarbeit vieler Länder und internationaler Organisationen. Dies kann schwierig sein, da nationale Interessen und geopolitische Realitäten im Spiel sind.
  • Praktische Durchführbarkeit: Es kann schwierig sein, ein wirksames System zur Belohnung des Nichtantretens zum Krieg zu entwickeln und durchzusetzen. Die Kontrolle und Überwachung solcher Programme könnten komplex und kostenintensiv sein.
  • Langfristige Prävention: Die Prävention von Kriegen erfordert oft langfristige Bemühungen in den Bereichen Bildung, Diplomatie, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität. Dies erfordert möglicherweise mehr Zeit und Ressourcen als die kurzfristige Finanzierung des Wiederaufbaus nach einem Konflikt.

Ich habe es befürchtet … und schon wird es wieder kompliziert.


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9 Kommentare zu „481) Nichtantritts-Prämie

  1. Jo, aber die KI „kennt“ unsere menschlichen Untugenden schon gut. Trotzdem bitter, dass nach dem scheinbar einfachen Gegenüber „Ost-West“ kein Weg gefunden (oder nicht genug gesucht) wurde, Konflikte ohne Waffen und Blut zu lösen. Freiheit und Toleranz bleiben leider oft schönes Gerede und kaschiert nur „ICH habe recht, also bis DU mein Feind“. und Waffen sind Prima-Geldquellen müssen endlich ersetzt werden.

    1. Den Eindruck habe ich wohl auch, Kriegt macht viel kaputt und bringt Menschen um, aber irgendwer verdient gut Geld damit.
      Ich warte nur drauf, wenn der Spuk in der Ukraine vorbei ist, dann co-finanziert die EU den Wiederaufbau und hier findest du keinen Maurer/Klempner mehr

    1. Weiß nicht, bin morgen den ganzen Tag auf der Straße. Aber frag‘ doch selber und schreib was drüber 😉
      Ich lese wenn dich wieder im heimischen WLAN bin 😉

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