639) Weder Bett noch Internet … trotzdem nett

Es gibt ja da diesen Kaffeeröster, der verkauft neben Kaffee auch anderen Klimbim. Normalerweise gehe ich an dem Regal vorbei. Heute aber blieb ich einen Moment stehen und entwickelt nostalgische Schwingungen. Denn der Themenschwerpunkt des Sortiments war wohl „Camping“ … und damit gab es all den nützlichen Kram, den man als guter Camper „unbedingt“ braucht. Hauptsache, man ist gut equipped.

Ach ja … Camping-Urlaub … Mitter der 90-er … kein Geld auf der Tasche aber Kilometer machen. Die südfranzösische Küste entlang und den Millionären in St Tropez auf den Teller gucken. Spaniens Ostküste runter bis nach Gibraltar und Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas. Durch die Toskana, Italien bis zur Hälfte links runter, rüber auf die Adria-Seite und dann rechts wieder hoch. Und der Loire entlang bis zum Atlantik und natürlich alles wieder zurück. Jedes Mal. Herrlich.

Da hätte ich glatt mal wieder Bock drauf …

  • Fast jeden Tag den Zeltplatz wechseln, anfahren, anfragen, anmelden, auf-und abbauen.
  • Einen guten Platz ergattern, weiter weg von der Straße, gern mit Schatten und ohne Wurzeln und Hanglage.
  • Zelt aufbauen, die Heringe in steinhartem Boden kloppen und mit Schlafsack, Iso-Matten (schon aufblasbar) kuschelig machen.
  • Drei Wochen bodennah leben. Kein Bett, nichts vernünftiges zum Sitzen. Schönen Gruß an Knie und Knochen.
  • Roséwein im großen Plastikkanister kaufen, den tagelang im Auto mitführen … selbst wenn er schon zischt. Aua.
  • Auf zwei Gas-Kartuschen leckerste Dinge kochen und dabei viele (viel zu kleine) Bierflaschen vertilgen.
  • Mangels Spanischer Sprachkenntnisse Rouladen auf den Grill legen.
  • Die lose Sammlung Camping-Geschirr auf zwei Händen zum Waschplatz  balancieren.
  • Mit Kulturtasche und Handtuch über der Schulter zur zentralen Waschgelegenheit schlürfen.
  • Mit einer Rolle unterm Arm, nacheinander süd-französische Klo-Türen öffnen, in der Hoffnung, ein Klo zu finden und nicht nur ein Loch in der Erde.
  • Nacht‘s aufs Klo müssen … oder den nächsten Baum ansteuern … und dabei bloß nicht über fremde Spannleinen stolpern.
  • Am frühen Morgen klitschnass das Zelt abbauen, weil sich ein Unwetter über dem Platz ergossen hat und der Lago Maggiore ins Zelt wollte.
  • Bei Blitz und Donner Stoßgebete in den Himmel schicken, auch wenn man sonst nur den „Basis-Tarif“ nach oben gebucht hat.
  • Und das alles ohne Internet, Mobil-Telefon, Online-Übersetzer, Navigationsgerät, Strom, Kühlschrank und Klimaanlage.
  • Also ich würde das wieder mal machen … aber vorher würde ordentlich einkaufen, denn da gibt‘s ja richtig geiles Zeug heute.

Hauptsache, man ist gut equipped.


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9 Kommentare zu „639) Weder Bett noch Internet … trotzdem nett

  1. Einfachst übernachten und sich jeden Tag fortbewegen (und fort bewegen) kannst Du auch auf dem Pilgerweg habe. Allerdings musst Du da leider auf den ganzen neuen Schnickischnacki verzichten oder Du hast hinterher ein lahmes Kreuz.

    Frohes Reisen – auf welche Art auch immer!

    1. Ja, da habe ich auch schon mal drüber nachgedacht … aber ich glaube, das ist nix für mich … wenn ich den ganzen Schnickschnacki schon habe, will ich den auch einsetzen … (außerdem schlafe ich gern allein 😉

  2. Man kann auch anders. Die gleichen Touren lassen sich gut mit Zwischenubernachtungen in Hotels abseits der Touristenorte machen. Wer mit dem Auto fahrt sollte unbedingt darauf achten dass das Hotel auch Parkmoglichkeiten bietet. Auch sollten Sprachschwierigkeiten zur Vergangenheit gehoren. Es gibt schliesslich diese grossartigen Ubersetzungsgerate made in Japan. Auf diese Qualitat kann man sich verlassen. Den besten Preis bekommt man fur ein Hotel bei Trivago. Der Preis kann sogar noch besser werden wenn man das Hotel direkt fragt, aber nicht immer. Was diesen Kaffeeladen betrifft. Der bietet neben Kaffee sehr viel mehr an. Ich habe einmal beim Kundendienst dieser Firma angefragt woher denn die Waren kommen wurden. Man antwortete mir:“Aus verschiedenen Landern, aber wir bieten nur Qualitatswaren an.“ Dann viel Spass beim alternativen Campingurlaub fur Fortgeschrittene. Im Hotel gibt es Bett und Internet. „Wenn das mal kein Service ist“ wurde http://www.booking.com sagen.

    1. Ja, ja so etwas schwebt mir auch vor … also das Tour-Feeling ohne aber auf der Erde hocken zu müssen. Das gibts schon nette Konzepte mittlerweile.

  3. Ein Dutzend gute Gründe, die gegen das Zelten/Camping sprechen. Hier sind sie fast alle versammelt.
    Oder anders ausgedrückt: „I am too old for that shit.“

    Ich möchte beim Waschen weder die Haare des Vorbenutzers im Waschbecken finden noch unter der Dusche Münzgeld bevorzugen, damit nicht während des Shampoonierens der Haare plötzlich kein warmes Wasser mehr kommt. 😉

  4. Meine Tochter fährt in ihrem Sabbatjahr allein auf dem Fahrrad durch Asien – hat alles bei, auch Zeltzeug. Manchmal übernachtet sie auch anders, aber eine körperliche Ertüchtigung der besonderen Art ist das schon – und so ganz fürchterlich jung ist sie ja mit Mitte 50 auch nicht mehr. Ich kann sie nur grenzenlos bewundern. – Nur für den Iran hat sie sich einen Reisekumpel gesucht, da wollte sie doch nicht allein fahren. – Ich bewundere sie zwar, hätte das aber nie machen wollen.

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