528) Faktor (minus) Vier

Heute morgen, beim Zähneputzen und Morgenradio, musste ich an das Buch „Faktor Vier“ denken. Faktor what???

„Faktor Vier“, ein Bericht des Club of Rome, Ende des letzten Jahrtausends veröffentlicht, in dem man ganz eindrücklich vorgerechnete, wie man doch trotz einer Halbierung des Rohstoffeinsatz, eine Verdoppelung des Wohlstands erreichen kann. Macht also einen Faktor Vier an Verbesserung. Steht bei mir im Schrank, kann ich gern ausleihen 😉

Und wie komme ich morgens 05:30 Uhr auf dieses Buch? 

Ganz einfach, die Berliner Nachrichten brachten ungefähr folgenden Text (aus dem Gedächtnis rekonstruiert):

  • Teil 1: In den nächsten Jahren rechnet man mit der Halbierung der Fahrer/Innnen im ÖPNV, wegen Alter oder Abwanderung in andere Berufe. Mangelnde Attraktivität, Vergütung … usw …
  • Teil 2: Die Politik will die Nutzung des ÖPNV bis 2030 verdoppeln. Eigentlich gut. Applaus.

Aber selbst mein noch müder Kopf ließ die Schlussfolgerung zu, dass diese Rechnung irgendwie nicht aufgeht.

100% geteilt durch die Hälfte (wegen halbiertem Personal), noch mal durch die Hälfte (wegen Verdopplung Fahrgastnutzung), macht doch 25% oder?

Im ÖPNV laufen wir also gerade auf Faktor „minus“ Vier zu?

Ja, ick weiß … ihr Mathe-Asse … , eine Verdopplung der Fahrgastzahlen, benötigt nicht unbedingt eine Verdopplung der Fahrer/Innen … aber trotzdem zeigt diese Milchmännchenrechnung doch ein Problem.

Soviel attraktiver wird der Job wohl nicht werden und Hochverdiener werden das auch nicht, denn das wollen wir dann auch alle nicht bezahlen. Die AI kann zwar Texte und Bilder generieren oder Tumore finden, aber einen Bus durch Berlin fahren, das kriegt nicht mal Superman hin (habe ich zumindest noch nie gesehen).

Vielleicht sollte ich doch noch umschulen auf Busfahrer?

Sonst heißt es bald: „Sehr geehrte Fahrgäste, ein Viertel der Fahrstrecke ist absolviert, die Fahrt endet hier, bitte steigen sie aus. Wir setzen die Fahrt morgen fort. Fahrkarten behalten ihre Gültigkeit.“

Also ehrlich mal, ist das deutsche Bus/Tram/S-Bahnwesen so kompliziert, dass man es nicht Busfahrern aus Kabul, Allepo, Karatschi, Delhi, Kiew, etc beibringen kann? Man muss doch nur wollen.

93) Doch noch nicht ganz blöd

Mitte März, 12°C, die Natur ruft zum Arbeitseinsatz auf die Datscha. Das Schilf am Zaun braucht dringend einen Kurzhaarschnitt und der Bambus muss in seinem Expansionsstreben gehindert werden. Gesagt, getan setzen wir uns ins Auto und folgen der Ausfallstraße B1 gen Osten. Kurz vor dem Bahnhof Lichtenberg fragt die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen, ob wir denn den auch den Schlüssel für die Hütte dabei hätten.

Was für eine Frage? Selbstverständlich. Ich griff mit der linken Hand ins kleine Fach unter dem Lenkrad. Da, wo der mit Lübzer-Pils-Schlüsselband geschmückte Schlüssel immer ist, damit ich ihn eben nicht suchen muss, und griff … aber …ins Leere. 

Shit.

Das kann jetzt nicht wahr sein, oder? Wo zum Henker ist der Schlüssel? Ich war doch erst vor drei Wochen auf dem Grundstück. Hab’ ich den da etwa liegen gelassen? Ist er noch in der Wohnung? Nein, nein, nein, macht alles keinen Sinn. Ich bin mit Schlüsseln eigentlich sehr ordentlich. Eigentlich…

Die Vernunft hält nur zwei Optionen bereit, zurückfahren und die Wohnung auf den Kopf stellen oder weiter zum Grundstück fahren und dort suchen. Da ich aber wirklich nicht den geringsten Schimmer habe, wo ich in der Wohnung suchen soll, entschieden wir uns für die Weiterfahrt.

Die nächste halbe Stunde vertrieb ich mir mit Selbstgesprächen:

Scheiße.
Ich glaub‘, ich werde alt.
Welche Hose hatte ich an? Welche Jacke?
Hatte ich Beutel, Tüten, Kisten dabei?
Welche Wege bin ich dort gegangen?
Was war danach? Wo war ich sonst noch?
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Scheiße.
Ich glaub‘ ich werd‘ schusselig.
Passiert das jetzt öfter?
Ist das nicht erst kürzlich geschehen?
Warum sollte ich den Schlüssel überhaupt aus dem Auto mit nach oben nehmen? Das macht keinen Sinn.
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Scheiße.
Ich glaube, ich werde blöd.
Irgendwann geht’s los. Meistens geht’s mit Schlüsseln los.
Und was, wenn der weg ist? Dann muss mir der Freund den Zweitschlüssel per Post schicken, aber ganz schnell.
Bevor der Nachbar, dass Wasser andreht und alles geflutet wird.
Ich packe den Schlüssel immer in dieses Fach. Eigentlich…

Am Grundstück angekommen fanden wir den Schlüssel … auch nicht.

Misst, es ist also doch so weit. Noch nicht mal 50 Jahre alt und es geht abwärts. Niedergeschlagen trotte ich zum Auto zurück und durchsuche noch einmal alle Ablagen im Auto, auch das Geheimfach wo sonst der Schlüssel immer liegt. Eigentlich…

Was ist, wenn der Schlüssel vielleicht, aus dem Fach gefallen und irgendwo hinter dem Armaturen-Brett verschwunden ist?? In dem Moment, sah ich zwei Buchstaben, des Lübzer-Pils-Schriftzugs hinter der Klappe um Hilfe rufen. Ich glaub‘s ja nicht. Das ist er ja! Ich lieh mir die schlanken Finger der Ministerin, um das Band samt Schlüssel herauszuangeln

Und ich war heilfroh.
Natürlich, weil der Schlüssel wieder da ist.
Aber ganz besonders, weil ich doch nicht ganz blöd bin.

So, jetzt aber an die Arbeit!

527) Kurze Information, auch telefonisch

Wer kennt das nicht. Da fliegt einem eine Rechnung ins Haus und da steht dann ein marginaler Betrag unten rechts, bei dem man sich fragt, was das jetzt nun soll und ob das Drumherum nicht viel teurer ist.

So beglückte mich kürzlich eine Arztpraxis wieder mit Post. Denn das große Kind hatte dort nach dem eigentlich Arztbesuch angerufen, nur um eine Bestätigung zu erhalten.

Zwei mal „Kurze Information, auch telefonisch“, zu zahlender Betrag 6,30 EUR.

Das Ding wurde …

Von der Praxis,

  • Auf farbigem Geschäftspapier,
  • In zweifacher Ausfertigung gedruckt,
  • Dann in einen Umschlag gesteckt,
  • Mit 80 Cent Briefmarke versehen

Von der Post,

  • Eingesammelt,
  • Zum Postverteilzentrum gebracht,
  • In eine gelbe Kiste geworfen,
  • In meinen Postbezirk gefahren,
  • Dann einem Zusteller übergeben,
  • Der/Die mit dem Fahrrad zu mir fuhr, 
  • Und das Ding in meinem Briefkasten versenkte

Von mir, 

  • Per Aufzug nach oben gefahren,
  • Geöffnet und kopfschüttelnd bewundert,
  • Eine Woche liegen gelassen,
  • Heute dann mal angegangen,
  • Die Banking-App gestartet,
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung passiert,
  • Mit 630 EUR zunächst vertippt,
  • Dann aber noch korrigiert,
  • Endlich abgeschickt,
  • Fachmännisch abgelegt,
  • Die Reste im Müll entsorgt,
  • Und diesen mittelmäßigen Blog-Beitrag geschrieben.

Wenn man sich mal direkte Arbeitskosten, Materialeinsatz, Energieaufwand und CO2 Emissionen vorstellt … für eine Rechnung von 6,30 EUR, aus einer Praxis die sich nur 1,5 km entfernt befindet, da wird einem schon echt schlecht. Und dabei mal noch gar nicht berücksichtigt, wie eigentlich Briefmarke, Druckerpapier und Laserkartusche in die Praxis kamen und was die Stadtreinigung nun mit den Papierresten anstellt.

Ich hätte den Irrsinn durchaus noch verdoppeln können, in dem ich die 6,30 EUR der Krankenkasse in Rechnung gestellt hätte, da war mir dann aber zu doof.

Mit so einem Blödsinn steigern wir unser Bruttoinlandsprodukt. Juhu! Endlich Wachstum!!!!

Und wieder nehme ich mir vor … > Ich scheib‘ jetzt auch Rechnungen!

526) Erfrischende Videokonferenzen – Vol 5

Da Berlin morgen einen Feiertag hat, kann ich mich bereits heute aus TEAMS verabschieden. TEAMS? Ja, das sind die Räumlichkeiten, in denen ich unter der Woche wohne. Darf ich das so schreiben? Oder kommt jetzt das Finanzamt wegen Zweitwohnsitzsteuer? Egal.

Seit meinem letzten >Beitrag zum Thema hier im August 23 hat der Software-Gigant aus dem Silicon Valley ein paar Verbesserungen ausgeliefert, aber bestimmte Dinge sind noch genauso beschissen wie vorher. Tut mir leid. Oder ich kapier es nicht. Warum werden im Presenter-Mode immer die Kopfzeilen meiner anderen Tools überdeckt? Das versteht selbst  der Co-Pilot nicht, der sich Stück für Stück ins Arbeitsleben schleicht.

Ich mach jetzt mal fünf konkrete Vorschläge, wie in virtuelle Meetings schlagartig mehr „Action and Fun“ reinkommt:

  • Eine Korrektur der Darstellung meiner Augen wäre doch toll. Ich möchte nebenbei einen Film auf Netflix schauen oder den Urlaub planen können, die blöde Software muss doch nur meine Augen geradeaus schauen lassen. Das kann doch nicht so schwer sein.
  • Ähnliches würde ich mir für meine Gesten wünschen. Ich zeige einen Mittelfinger oder Piepvogel und ein Filter macht daraus dann ein „Daumen Hoch“ für die Teilnehmer.
  • Ein großer Spaß ist bereits heute, an internationalen Meetings teilzunehmen, die Transkription aber auf Deutsch anfertigen zu lassen. Herrlich, was da für eine Murks rauskommt. Nun muss Co-Pilot nur noch Aufgaben daraus generieren und fleißig Reminder verschicken. Was für ein Fest.
  • Co-Pilot sollte aber nicht nur das Transkript verarbeiten, nein es sollte sich aktiv als Moderator einschalten.
    „Peter hat parallel ein anderes Browser-Fenster geöffnet. Das geht so nicht.“
    „Petra, sie gackern zuviel, das stört, hören Sie auf damit.“
    „Herr Dr. Schneider, sie schweifen ab, kommen sie zum Punkt.“
    „Teamlead, sie eiern rum, beziehen sie endlich Stellung.“
    „Man müsste mal“ und „wir sollten“ wird hier nicht toleriert, Frau Kasupke.
  • Wird auch Zeit, dass wir „Sentiment Analysis“ in den Meetings einsetzen und dann auch life ansprechen.
    „Jürgen ist heute 90% dominant, Julia schaut 80% auf den Boden. Es besteht eine 45%-ige Chance, dass die beiden was miteinander haben.“
    „Chantal klingt wiederholt total frustriert, warten wir noch 22,487 Minuten, dann schmeißt sie endlich hin und wir sind sie los.“
    „Andi ist heute sehr unkonzentriert, Wahrscheinlichkeit eines Hangovers beträgt 65%, Tipp-Spiel verloren wahrscheinlich 75%, dessen Frau Julia abgehauen sogar bei 99%

Und schwuppdiwupp kommt wieder Leben in‘s TEAM!

(C) Titelbild mit freundlicher Unterstützung von DALL-E

 

Frühere Beiträge der Reihe:

525) Der perfekte Prompt – 2

Nach meinem Beitrag der >Der perfekte Prompt, gab es einige Kommentare dahingehend, das solche Entscheidungen … leider … glücklicherweise … je nach dem … immer noch durch Menschen gemacht und umgesetzt werden müssen. Danke dafür. Und ja, natürlich, solange der Mensch das Heft des Handelns in der Hand behält … um so besser.

Aber, ich wage mal die steile These, mich eingeschlossen, dass viele Menschen vermutlich eher auf solch einen Knopf „jetzt umsetzen“ klicken würden, statt sich selber damit auseinander zu setzen … und nicht in die Schuhe zu kommen. Und damit meine ich nicht aus Faulheit, sondern aus Unentschlossenheit? Zögern? Zaudern? Angst?

Ein paar kleinere Beispiele aus dem Alltag, aber ich denke, die passen schon:

  • Wer nimmt sich nicht ewig vor, den Keller aufzuräumen, wäre aber eigentlich  dankbar, wenn der ganze Mist einfach über Nacht abbrennt?
  • Wer tut sich nicht schwer, für einen Zahnarzt-Termin anzurufen und ist erleichtert, wenn die Zahnarztpraxis selber anruft und einfach nur den Termin mitteilt?
  • Wer ist nicht ein bisschen enttäuscht, dass ein Coach nur Fragen stellt, statt endlich mal die Probleme zu lösen?
  • Und woher kommen die Redewendungen, „jemanden ins kalte Wasser zu werfen“ … oder „zu seinem Glück zu zwingen“?

Spätestens bei der letzten Frage wird doch eigentlich schon klar, dass wir manche Entscheidungen nicht treffen wollen, aber insgeheim schon ganz froh währen, wenn es jemand anders tut.

Jetzt mal angenommen, es gäbe eine solche App, die Ideen, Träumereien einfach umsetzt. Die so genannte „Execute“-App oder die „Let me do it for You“-App.

Hand aufs Herz … wer würde den Button klicken?

… außer mir … meine ich 😉

(C) Titelbild mit freundlicher Unterstützung von DALL-E

80) Frust am Bau – 3

Trigger-Warnung. Hier wird jetzt gemotzt und geschimpft. Wer das aktuell nicht erträgt, der kann den Beitrag gern skippen. Es sei denn, Sie sind Bausenator oder Bürgermeister von Berlin, dann dürfen sie nicht. Sie, ja ganz besonders Sie, Sie sind zum Lesen verpflichtet.

Nach meiner Rückkehr aus Indien, bin ich in den letzten vier Wochen natürlich auch mal wieder im Kiez unterwegs gewesen und, … ich hatte es auch nicht anders erwartet …, es hat sich nichts getan. Ganz besonders bei den Baustellen.

In >Frust am Bau – 2 (Oktober 23) ging es um eine Dauerbaustelle an einer benachbarten Schule. Sofern ich das mittlerweile erkennen kann, wird ein angrenzender Flachbau errichtet, kein Wolkenkratzer, kein Interkontinental-Flughafen. Der Fußweg ist immer noch blockiert, einen Ersatz gibt es immer noch nicht. Ein guter Tipp ist, die Kopfhörer abzunehmen, wenn man da vorbei läuft, dann hört man wenigsten die LKWs von hinten heranrollen. Immerhin sind sie hier so ehrlich und verlängern das Parkverbot regelmäßig. Letztens stand noch 04.12.2023 dran, nun wird Mai 2024 angestrebt. Beginnend ab Januar 2022. Ich habe den Überblick verloren.

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In Frust am Bau – 1 (auch Oktober 23) ging es um Kanal-Arbeiten an einer Kreuzung in der Nähe. Und, wollt ihr raten?? Na? Wer traut sich? Ist auch ganz einfach.

Die Anfahrt zur Kreuzung ist immer noch einspurig. Der Verkehr staut sich Tag für Tag, der Radverkehr wird immer noch über den Fußweg geleitet … Konflikte vorprogrammiert … aber ich beginne, den Beitrag zu wiederholen. 

Es ist so traurig. So armselig. So peinlich. So stümperhaft. So unprofessionell. So rücksichtslos. So gefährlich. So nachteilig für die Menschen, die das jeden Tag ertragen müssen und bezahlen, so schlecht für die Umwelt. Ein Straßen-Schild weiter südlich dokumentiert diese Unfähigkeit sogar schriftlich. Zwei Jahre. Für Kanalarbeiten. Auf 200 Metern Berliner Straße. Liest keiner mehr. Man fährt resigniert vorbei.

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Woran mag es diesmal liegen? Corona, Fachkräfte-Mangel und Krankenstand hatten wir beim letzten Mal schon. Welche Ausrede wird nun angeführt? Inflation? Bauern-Proteste? Hacker-Angriff? Putin? Taurus? Huthi-Miliz? Ich kann es nicht mehr hören!

Und dann wundern wir uns über eine aufkommende Unzufriedenheit im Land? Das Leute frustriert sind, ihrem Ärger Luft machen und die AfD wählen? Mich wundert das überhaupt nicht mehr. Unzufriedenheit in Großstädten wird nicht durch Heizungsgesetze, Wärmepumpen-Verordnungen und Windräder vor der Haustür gemacht, sondern durch offensichtliche Kleinigkeiten, die jahrelang (!), Tag für Tag an den Nerven zehren. „Berlin soll wieder funktionieren“ tönte Herr Wegner (CDU) vor einem Jahr. Und nun? 

Diese Unfähigkeit ist Wasser auf die Mühlen der Extremen, der Lauten … die müssen gar nichts machen … die stehen einfach an der Seitenlinie, beobachten die stümperhafte Verteidigung der Heimmannschaft und lachen sich über jedes Eigentor ins Fäustchen …. 

Traurig …

Ein Einzelfall? Nee, mit Sicherheit nicht. 

Ich lese noch einmal meinen Beitrag >Deutschland-Pakt aus September 2023. Es hat sich nichts verändert. Nur haben wir noch eine Baustelle mehr. Ein Hotel wird gebaut. Haben wir ja noch nicht genug. Ein Loch klafft wie „Ground Zero“, Bauarbeiter habe ich da schon lange nicht mehr gesehen und der Fußweg zu angrenzenden Schule … ihr ahnt es schon …

Und ich wiederhole mich schon schon wieder:

Lieber regierender Bürgermeister Herr Wegner (CDU), liebe Bezirksbürgermeisterin von Pankow Frau Koch (Grüne). Ihr Parteibuch ist mir in der Angelegenheit völlig schnurzpiepegal. Tun sie bitte was.

524) Der perfekte Prompt – 1

Es hat nur sehr wenige Kommandos an die schlaue Bilder-KI DALL-E benötigt, um Ihr zu verklickern, wie ich mir mein Traum(Arbeits)Haus vorstelle. 16 Vorschläge hat die Intelligenz dann ausgespuckt. Eins davon seht ihr im Titelbild.

Ja, so wünsche ich mir das.

  • Ein Platz zum Arbeiten, Schaffen und kreativ sein. 
  • Ein Platz zum Ausbrechen, Pausieren und Nachdenken.
  • Ein Platz, der vital, sauber und unverbraucht ist, mich atmen und weit blicken lässt.
  • Ein Platz, den ich gut erreichen kann, mit Versorgung in der Nähe, aber mit ausreichend Distanz zum nächsten Haus.

Bis dahin lief das Prompting eigentlich ganz gut. Die Probleme begannen bei der Umsetzung. Denn die KI gab sich dann leider etwas zickig auf meine doch recht klaren Anweisungen.

  • Bitte buche das, kaufe das Objekt, such‘ dir dafür eine Kreditkarte, aber nicht meine.
  • Stimme das mit Brötchengeber und Brötchennehmer ab, kläre die Formalitäten.
  • Organisiere Flug, Transfer und checke bitte vorher das örtliche WIFI.
  • Sorge für einen vollen Kühlschrank und lege Holz vor den Kamin.
  • Mach‘ das Ruderboot klar, putze den Grill und heize auf 20°C.
  • Tue das bitte für niemand anderen auf der Welt.
  • Schick‘ mir ein Taxi wenn es soweit ist.
  • Und jetzt‘ fang mal an!
  • Alter, los jetzt!
  • Wann sonst?
  • Mach!
  • Do it!

Leider hat die KI das noch nicht hinbekommen.
Also wieder warten …
… aber eines Tages …
… dann …

(C) Titelbild mit freundlicher Unterstützung von DALL-E

523) Ach wie reizend – 1

Als Twitter damals an den Start ging, musste man sich noch sehr kurz fassen, 140 Zeichen standen nur zur Verfügung und trotzdem konnte man den Leser auf die Palme bringen und den Verfasser mit einem Sturm „Verdautem“ überschütten.

140 Zeichen sind circa, 4 1/2 deutsche Tastatur-Tasten mit dem Finger von links nach rechts entlang rutschen, nur die Buchstaben.

Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdf

Also krieg mal da eine halbwegs fundierte Message unter. Kaum möglich.

Aber das ist auch Geschichte. Heute braucht man viel weniger Buchstaben, um den Empfänger einer Nachricht zum Platzen zu bringen. Da reichen kurze Trigger-Worte, den Rest denkt sich derjenige automatisch dazu und hat binnen Sekunden einen Puls von 240.

Wetten? Ich probiere es mal. Sortiert nach Länge:

Grundeinkommen
Heizungsgesetz
Digitalisierung
Zuwanderung
Lastenfahrrad
Klimawandel
Nord Stream
Parteiverbot
Tempolimit
Bürgergeld
Flüchtlinge
Zahnersatz
Schnitzel
Radweg
Gendern
Indianer
Porsche
Fliegen
Trump
Böller
Vegan
Israel
Musk
Putin
Trans
Homo
Nazi
Nato
Pisa
AKW
GEZ
SUV
AfD
Q7
X5
Q
X
Z

Und kocht schon jemand? Kürzer als ein Buchstabe ist mir nichts mehr eingefallen.

—> 533) Ach wie reizend – 2

522) Meine Tochter Arnold

Und wieder einmal könnte ich mich masslos über den Lehrplan der Kids (in diesem Falle der Tochter) aufregen und bitte die Damen und Herren Kultusminister/Innen in Reih und Glied anzutreten. Dann bitte einmal durchzählen, Ärmel hoch und rucki-zucki ans Reck und auf den Boden ihr Pfeifen. Ich sag‘ das nicht zweimal. Trillerpfeife. Tüt, tüt. Ihr hängt ja da wie 16 nasse Säck:Innen, Mensch! Das kann ja keiner mit ansehen! Wenn jetzt eine Nachfahrin der Leni Riefenstahl mit der Digital-Kamera um die Ecke kommt, was soll die denn dann denken? Oder der Putin.

Also hopp – hopp … und auf und nieder … auf und nieder … und hier Medizinball … fangen Mensch … nich‘  mit dem Kopp‘ … mit den Händen … ist doch logisch … und zwar auf einem Bein … und mit verbundenen Augen … ihr Opfer ihr!

Ich höre jetzt mal besser auf, nicht dass ihr denkt, ich hätte zum Drill-Sargent Hartmann umgeschult.

Zurück zur Realität:

Das große Kind, die nun wirklich genug Schulstoff um die Ohren hat und sonstige Kreativitäten und Langeweile des Leerkörpers … autsch … Lehrkörpers … ausbaden muss, wird zur Leistungskontrolle in Sport gebeten.

Genau 16 Klimmzüge oder 57 Liegestütze … für eine eins … dankenswerter nicht nacheinander … sondern alternativ. Also jetzt mal Hand auf den Oberarm … ihr Frauen … und Männer … würdet ihr … ich meine … könntet ihr … das … und erwartet ihr das von unserer Jugend? 

Haben die nicht ganz andere Dinge vor der Nase, mit denen sie sich beschäftigen sollten? 

PISA, Inklusion, Integration, Konfliktlösung, Digitalisierung, Social Media, Mobbing, Doxing, Umwelt, Berufsvorbereitung … bisschen Abitur noch … all die Dinge von denen wir nicht mal wissen … und nebenbei auch noch Körper, Hormone und Gefühle … zu … managen?

Anstatt sie wenigstens mit Übungs-Handgranaten trainieren … so wie wir damals … oder Drohnen fliegen lernen … „irgendwas für’s Leben“ halt … aber so was … .

Was soll der Blödsinn?

521) Wen(n) Nachbarn wählen

Nach der für Berlin wiederholten Bundestagswahl ´21 (im Februar ´24) stellt unter anderem der Tagesspiegel die Wahlergebnisse vor und leitet ein mit dem Satz … „Finden Sie heraus, wie sich die Ergebnisse in ihrer Nachbarschaft verändert haben.“

Das interessiert mich natürlich:

Während unser Kiez sattgrün erscheint (36% bis teils 48%) kommen zwei Stimmbezirke nordwestlich in einem deutlichen „blau“ daher. Dabei liegt das Wahllokal gerade mal 1 km Luftlinie weit weg. Natürlich müssen solche politischen Farbwechsel ja irgendwann auf der Karte folgen, sonst lebten wir ja in einer Diktatur.

Aber warum gerade da? Was ist da anders? Es ist dieselbe Luft, die wir atmen, die selbe S-Bahn Linie der wir anliegen, die selbe Tramlinie, die wir nutzen, vermutlich gehen die Kids sogar in selbe Schulen.

Ein paar Erklärungsversuche … (weder soziologisch noch statistisch abgesichert, sondern nur Vermutungen):

Markierung 1 hält 2200 Wähler bereit, ist geprägt von saniertem Altbau, 4-5 Etagen hoch, ein Mix aus Miete und Eigentum. Der Kiez drumherum ist historisch gewachsen, hat den zweiten Weltkrieg schwer durchlöchert überstanden und ist nach der Wiedervereinigung bereits zweimal gentrifiziert worden. Ein großer Teil der Anwohner stammt nicht „von hier“, sondern ist aus dem Bundesgebiet hergezogen. Der Familien-und Kinderanteil ist recht hoch, es gibt Orte zum Verweilen, Kiezläden, Spielplätze, Restaurants, Türkische Gemüse-Läden, Döner, Bäcker & Co. und auch natürlich den klischeebehafteten Latte Macchiato kriegt man hier an jeder Ecke.

Nun zum Wahlkreis nördlich von 1 (markiert mit 2). Das Gebiet ist flächenmäßig, deutlich kleiner, hält aber ähnlich viele Wähler bereit (2130). AfD-Ergebnis 23,7%. Sind das nun alles Nationalisten oder Nazis? Nein, die Linke kommt auf 20,6%, also wäre ein ähnlicher Anteil den Sozialisten/Kommunisten zuzuschreiben. Wieso wählen dort knapp die Hälfte der Menschen an den politischen Rändern? Was ist da anders? Zum einen sicher die Bebauung. Einige Elf-Geschosser stehen an viel befahreneren Straßen. Ich kenne die Bewohner-Struktur der Hochhäuser nicht, aber ich gehe mal von aus, dass es keine Vielverdiener sind, und ich geh mal auch davon aus, dass ein gewisser Anteil aus anderen Ländern stammt. Daraus resultiert eine unbequeme Dichte, sicher auch Spannungen im Leben miteinander. Das Viertel ist mir nicht als sonderlich einladend bekannt, im Wesentlichen fährt man dran vorbei … weil man wo anders hin will.

Kommen wir zu Gebiet 3. Der Wahlkreis ist flächenmäßig deutlich größer, hat circa 2400 Wahlberechtigte und auch hier punktet die AfD mit 23 %. Auf der linken Seite des Wahlkreises setzt sich die Baustruktur von Gebiet 2 fort (Hochhäuser). Der rechte Teil ist eher grün, geprägt von einer Kleingartenanlage (wo ja normalerweise keiner wohnt und wählt) und viele Einfamilienhäuser. Ja Einfamilienhäuser mitten in der Stadt! Eine sehr beliebte Wohngegend, fast dörflich, wo man sich schon zu DDR-Zeiten fragte, wie man wohl an so ein Objekt kommen kann. Wer da wohnt, zieht nicht freiwillig weg, sondern setzt sich fest und vermacht das Eigentum in der Familie. Aber warum nun gerade da AfD? Da nagt doch keiner am Hungertuch, noch steht mittendrin eine Container-Dorf für Migranten.

Theorie A. Die Struktur ist dort sehr konservativ unterwegs, bloß keinen Wandel, bloß keinen Zuzug, jeder sorgt für sich und vererbt die Hütte am besten steuerfrei.

Theorie B: die Wahlergebnisse werden aus dem Neubau-Block links überlagert. Auch wenn das Gebiet links deutlich kleiner ist, würde ich mal sagen, dass 75 % der Stimmen von dort stammen. Man müsste genauer nachfragen.

Aber trotzdem, warum AfD? Das Wahlprogramm der AfD von 2021 ist nun wirklich nicht mit sozialen Wohltaten vollgepackt und der Fokus steht auf Arbeiten und Eigeninitiative.

Zitate:

„Wer arbeitet, wird auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung haben als derjenige, der nicht arbeitet, aber arbeitsfähig ist“.

„Der bisherige soziale Wohnungsbau ist gescheitert, er kann nur einen Bruchteil der Berechtigten erreichen. Er führt zu Fehlbelegungen und verursacht hohe Kosten für den Steuerzahler“ … stattdessen soll Deutschland „ein Land von Wohnungseigentümern werden“.

„Die AfD steht für ein ausgewogenes Mietrecht und lehnt staatliche Überregulierungen sowie Investitionshemmnisse wie die Mietpreisbremse oder den Mietendeckel ab.“

„Als gezielte Maßnahme gegen Wohn und Obdachlosigkeit“ schlägt die Partei „die sofortige Einführung einer bundesweiten zentralen Statistik zur Erfassung der Wohnungs- und Obdachlosigkeit“ vor.

Haben die Wähler das Papier vorher komplett gelesen?

Titelbild, basierend auf Screenshot von Tagesspiegel-App

https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/wahl-wiederholung-bundestag-2024-berlin-karte-historische-ergebnisse-wahlkreisergebnisse-stimmbezirke/