65) Auf‘m Kasten

Sagt mal, bin ich der einzige dem auffällt, dass das Graffiti-Problem hier in den letzten Monaten vollends aus dem Ruder zu laufen scheint?

Woran mag das liegen?

  • Glauben diese „Künstler“, Polizei und Bahn-Sicherheit haben eh anderes zu tun in diesen Tagen, statt des Nächtens über Straßen und Gleise zu streifen?
  • Verschafft Corona den Typen einfach zu viel Zeit, um nachts ihre „Kreativität“ auszuleben? Und das nötige Kleingeld gleich noch mit dazu?
  • Meinen die etwa, nur weil aktuell jeder irgendetwas behaupten kann und „schon immer mal sagen können wollte“, dürfen die ihren geistigen Dünnpfiff auf Wände und Denkmäler sprayen?

Nicht falsch verstehen, ich mag Street Art und man kann in Berlin beeindruckende Werke finden. Richtig coole Sachen habe ich auch in >Sao Paulo und >Melbourne gesehen. Aber dieses planlose und destruktive Geschmiere, hat nichts mit Kunst zu tun. Da kann man mir nix erzählen. Das braucht man nicht einmal zu versuchen.

Eine Schule im Viertel hat letztes Jahr einen Deal mit dem Energie-Versorger gemacht und durfte die Stromkästen in der Umgebung gestalten. Und dabei sind auch coole Motive entstanden. Die haben‘s halt auf dem Kasten 😉

Aber seht selbst.

Mein Favorit ist der Astronaut. Welches findet ihr am besten?

166) Corona-Lektionen 63

Die ersten drei Wochen Homeoffice, Homeschooling, Homedining, Homelunching, Homedingsbums in 2021 sind geschafft. Draußen ist es grau, feucht und düster. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Musik:
Jede Zeit hat so ihre Musik, oder? Und die ist im Kopf dann für immer fest mit diesen Epochen verknüpft. Gerade wenn es bedeutende Ereignisse sind. Seien es sehr persönliche Erinnerungen, wie die erste Liebe, Geburt der Kinder oder Schicksalsschläge. Oder eben auch weltbewegende, wie Mauerfall, 9/11 oder eben nun eine Pandemie.

Für mich bleibt bislang folgende Musik mit den letzten Monaten verbunden:

AnnenMayKantereit mit ihrem Moll-Album: „12“.
Beatsticks mit ihrem Kneef Cover: „Von nun an ging’s bergab“
Die Ärtzte mit ihrem Lock Down-Song: „Ein Lied für jetzt“
Seed mit der gute Laune Nummer: „Hale Bopp“

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass die alle deutschsprachig sind. Früher fand ich deutschsprachige Musik doof, mittlerweile kann ich ihr immer mehr abgewinnen. Denn gute Texte in Deutsch zu schreiben, dass muss man erst mal können.

Impfung:
Letzte Woche habe ich wiederholt durchs Telefon gebrüllt. 

Ich: „OMA, KANNST DU MICH VERSTEEEEHHEEEEEN???“ 
Oma: „Mhm, ja, nein, wie bitte?“
Ich: “HAST DU DEINE ZWEITE IMPFUNG SCHON BEKOMMEEEEEEEEEEN??“
Oma: „Was? Ihr könnt kommen? Ach, das wäre ja …“
Ich: “Nein, ich meinte ob du …“

Dann muss ich schlucken und nehme mir fest vor, Wörter mit „kommen“ vorerst noch zu meiden. Aber gestern erreichte uns die Nachricht, dass sie ihren zweiten -70 Grad kalten Impf-Cocktail bekommen hat. Erleichterung.

Und ich kann all die Impfgegner beruhigen. Sie lebt noch. Ihr gehts gut. Sie spricht auch nicht wie Bill Gates und die Wörter „Excel“ und „Word“ sagen ihr immer noch nichts. Sie ist munter und freut sich auf den Sommer.

Optimismus:
Den besten Satz seit langem, sprach die Radiosprecherin Mitte letzter Woche: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten“.

Uff. Noch einmal Erleichterung. Wer hätte das gedacht. Und ohne weitere Gewalt. Sehr gut. In den Tagen danach strebte Mr. Biden wieder zurück in Internationale Verträge und Organisationen. Das macht Hoffnung.

Schönes Wochenende allerseits und danke Anja S. für die kontaktlosen Zimtschnecken … 😉

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165) Licht

Die reduzierte Bewegungsfreiheit in diesen Tagen, finde ich persönlich gar nicht so dramatisch. Solange ich vor und nach dem Homeoffice noch joggen oder spazieren kann, komme ich damit klar und bleibe friedlich.

Diese Selbstverständlichkeit vor die Tür zu gehen, wird ein hohes Gut, wenn man an seine Wohnung gefesselt ist. So wie in anderen Ländern. 

Was mir aber gehörig auf den Sender geht, ist die Dunkelheit. Joggen vor der Arbeit? Noch dunkel. Spaziergang nach der Arbeit? Schon dunkel. Dunkelheit in der Winterzeit gab es auch schon vor Corona, logisch. Aber in diesem Winter ist es dunkler als sonst, oder? Ist es der allgemeine Gemütszustand? Der fehlende Trip auf eine Spanische Insel im Oktober? Der abgesagte Winterurlaub mit Sonne und Schnee? Oder einfach die Unfähigkeit, meinen Freigang auf die Mittagszeit zu legen?

Neulich habe ich ein Biopic über Thomas Edison und die Erfindung der Glühlampe gesehen. Unvorstellbar, wie heute eine Pandemie ohne Glühlampe ablaufen würde. Vermutlich gäbe es dann auch kein Netflix, kein Homeoffice und ein Buch bei Kerzenschein zu lesen, wäre auch kein Vergnügen.

Auch wenn ich die Art der Schweden und Norweger sehr mag, den Bullerbü-Kitsch und die roten Lattenhäuser und deren Fleischbällchen erst recht, aber in Stockholm dauert die Nacht im Winter bis zu 18 (!) Stunden. Kein Ort zum Leben für mich, das wird mir immer klarer.

Zugegeben, wenn es im Sommer kurz nach 04:00 Uhr morgens hell wird und die Vögel im Hof Rabatz machen, dann wäre das auch nicht so prall, aber mir aktuell sehr willkommen.

Und was macht man da nun?

Flutlicht von allen Seiten?
Foto-Tapete mit Strand und Palmen?
Höhensonne-Modus für Microsoft Teams?

164) Corona-Lektionen 62

Gestern habe ich meine 43. Woche im Homeoffice beendet. Ich habe in der Zeit kein Büro betreten, keinen Flieger, nix. Unglaublich. Zweimal habe ich ein Teammitglied auf einen Döner getroffen. Das wars. Mehr nicht. Den Rest des Teams gab’s nur über Teams. Ha ha, Wortwitz!

Bald habe ich ein Jahr voll und ich würde große Geldbeträge wetten, dass ich das Jahr noch deutlich überschreite. Denn mein Brötchengeber bittet mich wiederholt, nicht ins Office zu kommen, wenn es nicht zwingend sein muss. Wer hätte das jemals gedacht.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Ein Jahr Corona

In Corona-Lektion 14 habe ich versucht zu rekonstruieren, wann Corona das erst Mal nennenswert in den Deutschen Medien auftauchte. Nach meinen Recherchen war es der 22.01.2020 als die Tagesschau titelte: „Lungenkrankheit in China, Mehr infizierte durch Corona-Virus.“ Das ist nun knapp ein Jahr her. Seitdem haben wir 2-3 Lockdowns erlebt und es gibt die ersten Impfungen. Verfolge ich aber die Nachrichten der letzten Tage, habe ich das Gefühl alles geht von vorn los. Die neuen Virus-Varianten scheinen gefährlich, sie erreichen Deutschland und man befürchtet daher Schlimmes.

Wortwahl

Es gab da ein Statement aus einer der November-Lockdown-Light-Reden der Politik, was mich nicht in Ruhe lässt. Ich meine, es war sogar die Kanzlerin. Man sagte da, „ … man solle sich so verhalten, als hätte man selber Corona …“ und zielte dabei auf Vernunft, Abstand und entsprechende Hygiene ab. Aber das würde ja voraussetzen, dass die Spezies Mensch gern und ehrlich am Wohlergehen anderer Mitmenschen interessiert ist. Und da habe ich so meine Zweifel. Ich behaupte mal dreist, viele Menschen würden die Maßnahmen besser befolgen, hätte man gesagt: “Verhalten sie sich so als hätten alle anderen um sie herum Corona“.

Quarantäne

Gestern flatterte ein Brief des Gesundheitsamtes ins Haus. Nun haben wir es amtlich. In der Klasse der Tochter gab es einen Corona-Fall und wir sollen alle in Quarantäne gehen, auf keinen Fall Einkaufen oder zum Briefkasten. Zweimal am Tag bitte Fiebermessen. Und das Ganze voraussichtlich bis zum 27.12.2020. Aha. Gestern war der 14.01.2021. Der Brief ist datiert vom 05.01.2021 und enthält zwei Seiten Belehrung. Nun gut. Nicht falsch verstehen, ich will die Arbeit des Amtes nicht lächerlich machen. Die haben keine leichte Aufgabe aktuell. Es zeigt aber, dass die Sache aus dem Ruder läuft. 

So, nun will ich hier aber am Freitag gar nicht so schlechte Stimmung verbreiten. Freut euch, es ist Wochenende! Macht was draus! 

PS1: Ein guter Freund aus Potsdam hat mir heute was zum Lesen geschickt. Oh, da muss ich gleich mal die Inzidenzen dort checken, ob ich das überhaupt anfassen darf.

PS2: Mit einer sehr geschätzten Kollegin habe ich heute über die neue Gendergerechte Sprache geplaudert. Da habe ich auch schon einmal drüber nachgedacht in 34) Schäm dich! Aber ich muss wohl noch dran arbeiten, sonst fliegt mir der nächste Brief ins Haus.

Also liebe BloggerInnen, LeserInnen und FreundInnen. Genießt die Tage, weniger draußen … eher Innen 😉

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163) Zeit 2

Neulich hat die Sanduhr des Brettspiels den Geist aufgegeben. Sie verlor Sand. Also Zeit für die Spieler. Und nur während des Spiels. Die Zeit um uns herum lief ja weiter.

Ein schöner Anstoß, um mal etwas über die Zeit nachzudenken:

Häufig ist uns Zeit zu knapp bemessen. Dann hetzen wir von A nach B, versuchen noch die Bahn zu bekommen oder pünktlich zu einem Termin zu erscheinen.

Sportler und Logistikunternehmen werden sogar dafür belohnt oder bezahlt, dass sie für ihre Aufgabe so wenig Zeit wie nur möglich benötigen.

Häufig ist die Zeit ausschlaggebend für das Ergebnis. Denken wir an verbrannten Kuchen, labbrige Pommes oder Zeitschinderei beim WM-Finale.

Manchmal haben wir kurzfristig zu viel Zeit. Meistens dann, wenn wir auf irgendetwas warten und uns nicht beschäftigen können. Statt sie zu genießen, wird sie dann zur Qual.

Im gleichen Moment rennt sie anderen davon, wenn sie schwerkrank wissen, dass sie ihre Augen bald für immer schließen werden und sich vielleicht nicht einmal verabschieden können. Ein furchtbarer Gedanke. 

Die Ökonomen haben die Zeit sogar dem Geld gleichgesetzt, so dass alles, was irgendwo unproduktiv herumsteht (sei es Mensch oder Material) Geld kostet und ausgemerzt werden muss. Ganze Berufszweige verbringen damit Zeit und verdienen wiederum ihr Geld, um diese Sekunden zu finden.

All die Menschen, die aktuell nicht arbeiten können, haben unerwünscht zu viel Zeit. Während Mieten, Pachten und Gehälter weiter gezahlt werden müssen, fehlt es nun an Einkommen und es geht ihnen an die Substanz.

Ob man verlorene Zeit wieder aufholen kann, wird sich noch zeigen. Kann man doppelt so viel ins Kino gehen, verreisen und im Hotel übernachten? Wird im nächsten Jahr über Tag und Nacht Theater und Geige gespielt? Siehe auch Beitrag >Postpandemische Belastungsstörung

Aber selbst wenn man Geld wie Heu hat, kann man sich Zeit nicht erkaufen. Man kann zwar Leute beschäftigen, um währenddessen etwas anderes tun zu können, aber wirklich mehr Zeit entsteht ja dadurch auch nicht. Der Tag hat weiterhin 24 Stunden.

Zeit wird immer nur „weniger“, sie nimmt nicht zu, oder? Man kann nicht mehr Zeit generieren, es sei denn man fliegt von Tonga nach Samoa, aber dann musst du unbedingt rechts lang fliegen, sonst machst du sogar noch Miese, oder? Und du müsstest in Samoa bleiben, darfst nie wieder zurück.

Also, es wird Zeit, ich muss weiter.

Euch eine schöne Zeit!

Macht was draus.

162) Corona-Lektionen 61

Gestern Abend gab’s die erste Pressekonferenz der Kanzlerin und der Länder im neuen Jahr. Mittlerweile dürften die Ergebnisse auch in den Ländern und Städten kommuniziert sein. 

Willkommen im Lockdown V2.3!

V2.3?? Da ich im IT-Umfeld arbeite, werde ich die von nun an für mich einfach mit Versionsnummern nummerieren. 

Rückblick auf bisherige Versionen:
Die Version 1 wurde im Frühjahr „gelaunched“.
Die Version 2 startete im Spätherbst und ist über die Zwischenversionen 2.1 „Soft“, 2.2 „X-Mas/New Year“ nun bei 2.3 „Kater“ angekommen. Zwei neue Features dieser Version nennen sich „15-er Regelung“ und „Family+1“. Diese Features sollten alle ausprobieren, denn das könnte durchaus positive Effekte haben.

Distanzunterricht:
Die Schüler hocken wieder zu Hause und müssen sich den Stoff selbst beibringen. Von Distanzunterricht kann bei uns noch keine Rede sein. Die Aufgaben werden zwar nun mehr über Plattformen verteilt und weniger über E-Mail, das ist aber auch die einzige Veränderung. Einzelne Lehrer_Innen hängen sich voll rein und versuchen mehr über Video-Konferenz zu machen. Macht weiter so! Genauso gut gibt es Lehrer, die seit der Vorweihnachtszeit, die Deutsch-Hefter bei sich zu Hause zur Korrektur liegen haben und sich jetzt wundern, wie die Kids da nun rankommen sollen. Soviel dazu. Bei digitalem „Unterricht“ sind wir noch lange nicht. Da kann man schon mal fragen, was eigentlich seit März 2020 erreicht wurde. Siehe hier >Corona-Lektion 3 vom 17. März 2020.

Realitäten:
Wie schon in >Corona-Lektion 6 und >Corona-Lektion 34 angesprochen, wundere ich mich so über verschiedene Realitäten.

Wenn ich mal wieder durch die TV-Sender zappe, habe ich den Eindruck, dass Corona da überhaupt nicht angekommen ist. Mal abgesehen von Nachrichten und Politik-Talk, in denen man nervöse Politiker und gut gelaunte Rodler am Winterberg sieht, scheint Corona bewusst negiert zu werden. Stattdessen laufen Filme aus der Konserve, da wird Trödel verhökert oder Kuchen gebacken. Es sind zwar mehr Glasscheiben verbaut und die Menschen stehen weit auseinander, aber trotzdem will man anscheinend den Virus partout nichts in Programm lassen. Will man die Leute damit beruhigen? Ihnen eine Corona-freie Unterhaltungsblase geben? Vielleicht kommt so manch lockeres Verhalten auch daher, dass in vielen Sendungen eben nur die Welt „vor Corona“ vorgegaukelt wird, so dass der Eindruckt entsteht, das ist alles halb so wild?

Sollen sie doch mal zeigen, wie es auf der Intensiv so abgeht,
wie Menschen an Schläuchen hängen, 
wie sie regelmäßig gedreht werden,
wie sie sauber gehalten werden,
wie sie auf eine Maschine angewiesen sind.
wie künstliche Ernährung so schmeckt,
wie die wochenlang im Bett liegen,
und um ihr Leben kämpfen.

Zeigt das doch mal! Ich meine so richtig echt. Kamera an und filmen. Ganz nah ans Gesicht ranzoomen. Voll drauf! Ohne Verpixelung der Augen bitte. Eine ganze Nacht durch, auf allen Kanälen. Alles live! Ohne Werbung. Auch bei Netflix, Amazon und YouTube. Chips und Bier sind ausdrücklich erlaubt. Lasst‘s euch schmecken!

PS: Sorry, für die drastischen Bilder hier, aber vielleicht muss das mal sein, damit‘s auch der letzte kapiert.

<— Corona-Lektionen 60

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43) Postkarte vom Raufundrunterundzwischendurch

“Und schon Reisepläne für dieses Jahr?“, wurde ich am Wochenende gefragt. Und dann kam aus mir erst einmal nur … Seufzen. Es bleibt vorerst eher exotik-reduziert hier, aber nicht minder unterhaltsam.

Aber das Reisen besteht ja eben nicht nur aus Sand, Strand und Elefant. Noch aus Tempel, Dschungel und Neapel. Auch nicht nur aus Verona, Barcelona oder Bellinzona. Ich merke, ich komme gerade zu dicht an die Wörter, die mit „…ona“ enden. Das kann gefährlich werden. Daher stelle ich das Reimen lieber ein.

Nein, Reisen hat auch was mit Widrigkeiten, Missgeschicken und Mißverständnissen zu tun. Und dem schönen Gefühl der Heimkehr, wenn man endlich angekommen ist und die Koffer abstellen kann.

Stellen wir uns also einfach vor, wir sind soeben angekommen, lassen uns aufs Sofa fallen und erzählen den Lieben daheim, was wir so erlebt haben. Das mit dem Sofa dürfte ja aktuell nicht so schwer fallen. 😉

Oder einfach die folgenden Stories klicken und teilhaben.

Und? Wie war‘s? Nett?

Sorry, Souvenirs habe ich heute nicht dabei.
Beim nächsten Mal vielleicht.

161) Mit Zettel und Stift 3

Mahlzeit, da bin ich wieder. Ein frohes neues Jahr noch!

Wer meinte, im Januar 2021 wird schlagartig alles besser, wird spätestens beim Neujahrsspaziergang gestern gemerkt haben, dass uns mindestens mal 12 graue Wochen bevorstehen, bis wir ansatzweise Frühling kriegen. Was man da machen kann?

Nüscht. Die Nerven behalten, mit offenen Augen vor die Tür gehen und sich über die dargebotenen Skurrilitäten wundern. 

Berlin war schon immer ein Eldorado für Zettelschreiber und Schilder-Fetischisten. Mit C_r_na tobten sie sich dann aber erst recht aus. Man kann heute kaum noch durch Schaufenster schauen, alle sind zugeklebt mit Verhaltenshinweisen (Maske, Abstand, etc) , Hinweisen zu Online-Bestellungen und Treueschwüren im Tone „Wir sind bald wieder da“. Oder Verabschiedungen im Stile „Alles muss raus, wir schließen“.

Aber ich will dem fiesen Virus nicht gleich wieder so viel Aufmerksamkeit schenken. Also starten wir erst einmal Viren-frei.

Das erste Exemplar kommt kunterbunt daher, schön gestaltet, aber ich habe auch nach mehrmaligem Lesen nicht verstanden, worum es eigentlich geht.

Das nächste Ding, ist eher düster und man muss schon nah herantreten, um es lesen/fühlen zu können. Allerdings frage ich mich schon, wie ein offizieller Wegweiser in den 2020-er Jahren wirklich noch „Duft und Behinderten Garten“ lauten kann. Übel. Die deutsche Sprache ist doch zu mehr fähig.

Die nächste Botschaft ist wieder handgeschrieben und zeugt von unseren Wohlstandsproblemen. Nun kann man wunderbar spekulieren, wie die Geschichte ausgeht. Werden sie sich finden und gemeinsam mit dem Benz in die Sonne fahren?

Und dann wieder so ein typisch deutsches Schild. Ein kleiner Stadtpark um die Ecke wurde ganze zwei Jahre saniert. Fußwege neu, Rasen und Spielgeräte, alles neu. Und damit alles seine Ordnung hat, gibt‘s an der einen Wiese ein stattliches Schild. Als wenn das auch nur irgendeinen interessieren würde, dass nur diese Wiese zum Liegen da ist. Eine Woche später war das Schild mit Edding verziert, jetzt kann’s keiner mehr lesen.

Die nächsten Hinweise kommen von der Stadt und zeigen uns seit letztem Frühjahr die Verhaltensregeln im Volkpark. In verschiedenen Sprachen. Denn Berlin ist ja multi-kulti. Die Reste der Schilder hängen immer noch da, völlig aufgeweicht und unbeachtet.

Und zum Schluss gibts noch etwas Brain Food in gelb.

<— Mit Zettel und Stift 1

<— Mit Zettel und Stift 2

160) Corona-Lektionen 60

Das Jahr geht vorüber, es war ein spezielles Jahr, dass wir so nicht mehr vergessen werden. Die Jahresrückblicke sind alle schon gelaufen. Zur Vorspeise wurden Hauptstadtflughafen, Stadtschloss und Tesla-Werk gereicht. Danach kam der sehr kräftige Hauptgang komponiert aus frittierten Corona-Viren auf US-Wahl-Gemüse, angereicht an etwas Brexit-Mus. Als faule Nachspeise gab’s noch querdenkendes Fallobst mit aufgewärmter brauner Sauce. Würg. 

Zwischen den Gängen war aber noch viel mehr zu besprechen. Hotels, Restaurants, Bars, Kneipen, Clubs, Theater, Bühnen und Musikhäuser sind dicht. Der Barber-Shop verkauft nun 400 EUR-Gutscheine für nur 200 EUR und versucht seinen Umsatz vorzuziehen. Das Traditionskino lockt mit 139 EUR für‘s komplette erste Halbjahr 2021. Oder es ist schon gar nicht mehr da. Wer weiß. Das Eis-Café ein paar Meter weiter lädt auch zum Räumungsverkauf.

Das Jahr wird überall verflucht, viele wollen es so schnell wie möglich vergessen, in der Annahme, dass das Jahr 2021 schlagartig besser wird. 

Und nun ist auch noch der Böller dran. Die letzte Bastion maskulinem Kriegsspielzeugs ist nachhaltig getroffen. Selbst das friedliche Bleigießen gibt es nicht zu kaufen, nicht einmal die weniger giftige Variante aus Wachs. Auch Wunderkerzen gibt es nicht. Schluss mit lustig. 

Morgen um Mitternacht gehen wir also auf den Balkon und schreien aus unseren Kehlen:

  • „PENG, Verschwindet ihr Corona-Geister!“ 
  • „PAFF, Willkommen 2021, prost Neujahr!“

Wir brüllen gegen diesen Scheiß-Virus an, der mittlerweile 1.000 Tote pro Tag fordert.

Jetzt will ich euch hier aber gar nicht so runterziehen. Jeder hat bestimmt auch ein paar positive Effekte aus der Zeit mitgenommen, oder?

  • Also zum Beispiel, bin ich noch nie so wenig Auto gefahren. Beim geplanten Öl-Wechsel, hat mich der Kfz-Meister wieder nach Hause geschickt. Ich soll erst wieder kommen, wenn die Lampe leuchtet. Ich war seit Mitte März auf keiner Dienstreise mehr, ich habe meinen CO2 Footprint der letzten Jahre etwas abgebaut und bin laut Schrittzähler 1.000 Schritte täglich mehr gelaufen als in 2019.
  • Der 7-Tage-Homeoffice-Bart hat sich endlich etabliert und man hat zum Chef eine ganz andere Haltung, wenn er das Zielerreichungsgespräch im Lila Strickpulli und Halskettchen führt. Zum Glück fand der Blurry-Mode zügig in die Video-Konferenzen, damit musst man nicht mehr auf die verkramten Regale der Kollegen blicken. Die beste Erfindung seit der Küchenrolle!
  • Ich habe noch nie so viel gelesen wie in den letzten Monaten, noch nie so viele Podcasts und Hörbücher gehört, als während meiner Freigänge durch den Stadtpark. Die Sohlen der Wanderschuhe sind abgelatscht, dabei war ich nicht einmal in den Bergen. Und ich habe mehr geschrieben als sonst, knapp 150 Blog-Beiträge sind so entstanden.
  • Und wir haben viel über unsere Grundrechte diskutiert. Jeder wird hoffentlich für sich erkannt haben, welche ihm/ihr wichtig sind. Bewegungs-und Reisefreiheit und eine vielfältige Medienlandschaft stehen bei mir ganz oben auf der Liste.

So, liebe Leser. Nun drücken wir mal die Daumen, dass auch die letzten Mitmenschen verstehen, dass der Begriff Lockdown vom Englischen „to lock“ kommt und noch nichts mit „Lockerung“ oder „Verlockung“ zu tun hat und schon gar nicht mit „Sunblocker“ 🙂

Guten Rutsch morgen in ein gesundes neues Jahr 2021!

… ganz speziell an die gute S. aus HD am N. die keine Neujahrswünsche empfangen will 😉

<— Corona-Lektionen 59

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Reisen 6.0 – Teil 10

Fortsetzung …

Noah war sehr verwundert über die wortkarge Begrüßung seitens Yumi. Schließlich haben sie sich soeben nicht vor der Dreh-Tür des heimischen Supermarkts getroffen, um ihre tägliche Ration eingeschweißtes Brainfood entgegenzunehmen. Nein, sie beide standen an einem Straßenrand in Old-Delhi.

Gerade eben aus zwei verschiedenen Tuk Tuks entstiegen. Noah war sich immer noch nicht klar, wie Yumi ihm über das VT@Home System nach Indien folgen konnte. Und genau weil das alles so unvorstellbar war, hätte er sich doch etwas mehr „Freude“ gewünscht. Aber immerhin hat sie ihm keine Szene gemacht, denn schließlich war er ja ohne Ankündigung vorgereist. Er beschloss, die Angelegenheit ruhen zu lassen, deutet auf einen Indischen Guide vor ihnen, der sofort die Führung übernahm. Gemeinsam bummeln sie durch die große Freitagsmoschee und beobachten Reisende aus aller Welt. Sie hüpfen Hand in Hand über die von der Sonne aufgeheizten roten Sandsteinplatten, um 30 Meter weiter ein schattiges Plätzchen für ihre dampfenden Fußsohlen zu erobern. Sie stehen an den Arkaden des gigantischen Bauwerks und lassen ihre Blicke über die quirlige Altstadt werfen. Der Guide führt sie weiter in das Viertel um den Chandni Chowk und läuft mit ihnen durch die wuseligen Gassen. Sie sehen Handwerk, Shops, Gewürze, Obst, Gemüse, Garküchen, Hunde, Kühe und sogar Affen in den Bäumen. Mal riecht es gut, mal eher übel. Noah tritt aus Versehen in eine knöcheltiefe Lache, Yumi wird von jedem Ladenbesitzer mit „Please come in my shop“ begrüßt. Ganz aufgeregt lassen sie sich so auf diese Weise in Richtung West treiben bis zur nächsten Moschee. Als die Gassen immer enger und einsamer werden, ist Noah heilfroh, einen Guide bestellt zu haben, denn die Orientierung in dem Viertel scheint unmöglich und Yumi klammert sich schon an ihn. Der Guide rät umzudrehen und deutet in Richtung Ost, Red Fort, ein besserer Ort zum Entspannen. Sie arbeiten sich wieder durch die Massen, kreuzen die große Straße, an der sie vor ein paar Stunden aus ihren Tuk Tuks ausgestiegen sind und bewegen sich auf das streng gesicherte Rote Fort zu. In der Grünanlage laufen sie die uralten Gebäude ab und finden Schatten unter großen Bäumen. 

In Noahs Sichtfeld erscheint auf einmal ein Countdown, der auf das anstehende Ende der Reise hindeutet. Ihm ist noch gar nicht nach Rückkehr. Überhaupt nicht nach seiner Micro-Flat im 82. Stock des Wohnturms. Es gibt hier noch so vieles zu bereisen, so vieles zu sehen. Und Yumi scheint es ja auch gefallen zu haben. Kurz streift er mit der Handfläche über die leere Sofafläche neben ihm.

Dann wieder der Blick auf den Countdown.
Er ist bei 00:00:10 angekommen. 
Zwei Buttons erscheinen.

Rechts: „Vielen Dank und auf Wiedersehen bei VT@Home“
Links: „Auf unbestimmte Zeit verlängern“

Noah muss nicht lange überlegen. Ohne Yumi zu fragen drückt er … Links.

Ende.
Vorläufig 😉

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