58) Berlin baut Premium

Es muss mal wieder sein, liebe Leser. Ich kann nicht anders. Vor circa einem Jahr, habe ich mich hier im Beitrag >Berliner Landschaften bereits über total überdimensionierte Stadtplanung und Jahrhundertbaustellen ausgelassen. Weiter gehts mit Geschichten aus‘m Kiez bei denen man vom Kopfschütteln ein Schleudertrauma bekommt.

Im oben genannten Beitrag ging’s auch um einen Schulhof um die Ecke. Was hat sich da getan? Die Baustelle wird so langsam abgebaut, die Kids haben einen gigantischen Schulhof bekommen. Nach zwei Jahren Bauzeit, für Zwei Millionen Euro. Wahnsinn.

Unser Sportplatz wurde im Herbst 2018 gesperrt, eine neue Tartan-Decke war nach 25 Jahren mal fällig. Auf dem Bauschild war die Bauzeit ursprünglich bis Frühling 2019 ausgewiesen. Okay, über den Winter 18/19 sollte uns das nicht stören. Bis vor wenigen Tagen war das Gelände immer noch gesperrt. Und nun? Ja nun haben wir dort einen Sportplatz der Premium-Klasse! Ich war gestern mit dem Sohnemann dort, wollten ein wenig im Fußball-Käfig kicken. Die Türen des Käfigs waren … abgeschlossen. Was sonst.

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Nicht weit von da, toben sich immer noch die Parkplatz-Design-Fetischisten aus. Seit Monaten dauert das schon. Die Anzahl Plätze wurde reduziert, man soll jetzt schräg parken. Die verbleibenden Parkplätze wurden „aufgewertet“ und durch Boden-Mosaik-Kunst der Römer und Griechen inspiriert. Kurz nach Eröffnung werden die bestimmt zum UNESCO-Kultur-Erbe erklärt.

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Ost-Berliner Straßenlampen „gelber“ leuchten als Lampen im Berliner Westen, kann man nachlesen oder sogar aus dem Weltraum sehen. So geht’s natürlich nicht! Also wird das Viertel mit neuen weiß leuchtenden Laternen ausgestattet. Neben jede alte Laterne, wurde nun eine neue gestellt. Die alte Lampe steht aber immer noch dort und leuchtet weiterhin gelb. Sie wurde nicht abgebaut. Das ist dann ein neues Bauvorhaben.

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Ein paar Straßen weiter bekam die Kita einen Zebra-Streifen. Macht Sinn. Aber auch Zebra-Streifen werden heute nicht mehr nur aufgemalt, nein es sind komplexe Verkehrsprojekte geworden. Eine enge Kooperation von Straßenbau, Gehweggestaltung, Fahrbahnmarkierung, Straßenbeschilderung und Straßenbeleuchtung ist da von Nöten. Und da das letzte Gewerk noch nicht fertig ist, wird der Zebra-Streifen einfach mit einem gelben Kreuz überklebt und damit für ungültig erklärt. Die Autos können einfach drüber brettern. Rechtlich in Ordnung. Die Stadt ist aus der Haftung. Hoffentlich verstehen die Kinder das auch und laufen nicht gutgläubig über die Straße wie die Beatles in der Abbey Road.

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Also ehrlich die haben die doch ein Ding an der Waffel, oder? Ich meine, es ist ja gut, dass in Verkehrssicherheit, Sport und Schule investiert wird, aber muss es immer gleich Premium-Class sein? Würde denn nicht auch eine Nummer kleiner ausreichen, dann könnte man mehr von solchen Projekten schaffen und auch mal irgendwann fertig werden.

57) Ringbahn

Ich besitze einen Diesel. Pfui! Shame on you!
Deshalb fahre ich jetzt häufiger Bahn. Great! Praise him!
Ich will ja auch einen Beitrag leisten.

Und man bekommt ja für die 2,80 EUR AB-Tarif auch eine Menge Unterhaltung geboten:

  1. Ich erreiche den Bahnsteig, die Bahn soll in 4 Minuten kommen.
    Sehr gut. Läuft. Heute ist mein Tag.
  2. Die Bahn fährt ein, alle Wagen scheinen gut gefüllt zu sein.
    Na wenigstens hängt keiner an der Tür oder sitzt oben auf dem Dach.
  3. Ich habe ein Stück kalte Metall-Stange zum Festhalten erkämpft.
    Wer heute wohl schon diese Stange … ach … ich kann’s auch freihändig.
  4. Nächste Station: „Guten Tag ich bin der Olaf, ich lebe …“
    Ja, Kleingeld, ich weiß. Aber heute nicht.
  5. Typ neben mir, steckt bis zu den Ohren in einem Döner.
    Hab ich zwar auch gern, aber eben nicht nur den Zwiebel- und Knoblauchduft!!
  6. Nächste Station: „Kalinka, Kalinka …“ beginnen drei Russen zu singen.
    Jetzt kommt Stimmung in die Bude.
  7. Typin gegenüber hat keine Lust auf Blickkontakt, sondern nur auf ihr Handy.
    Fast alle tun das. Laaaaaaangweilig.
  8. Nächste Station: „Baila, Baila, Baila me“ … trällern drei Süd-Amerikaner
    Ähm … sind das nicht die gleichen, die eben noch „Kalinka…„? … täuscht vielleicht.
  9. Typ hinter mir verteilt seinen Fahrrad-Dreck an meiner Hose.
    Ich bin für Fahrrad-Schnellwege! Entweder man fährt Rad oder Bahn.
  10. Nächste Station: Drei Chinesen betreten den Zug.
    Och nee, jetzt nicht ihr auch noch. Aber sie haben keinen Kontrabass dabei ;.-)
  11. Typ neben mir telefoniert laut mit der Arbeit und hat ein Bier in der Hand.
    Um 14:00 Uhr … na ja. Dann mal Prost…
  12. Nächste Station: „Nächster Halt … Jungfernheide … Anschluss zur U7 und zum Bus 109 nach Flughafen Tegel„
    Ich muss hier raus! Fahrräder, Döner, Musikanten bitte aus dem Weg … ich habe zu tun.
  13. Im Bahnhof: „Na, vielleicht mal die FAZ probieren? Kein Abo! Wirklich“
    Also nun will ich dem Bahnhof Jungfernheide ja nicht zu nahe treten. Aber der Bahnhof ist nicht das, wonach er klingt und ich würde mal sagen, dass ein ganzer Stapel FAZ auch etwas übertrieben ist

Aber nun schnell zum Termin und dann geht das alles wieder rückwärts

56) Grünanlage

Mal wieder ein Posse aus der Hauptstadt. Angenommen du läufst auf einen Stadtpark zu. An jedem Eingang steht ein dreieckiges Schild, grün umrandet.

In der Mitte ist eine schwarze Tulpe abgebildet und darunter wirkt das Wort „Geschützte Grünanlage“.

Nun, was bedeutet das? Ich meine, selbst wenn man es so nicht kennt, kann man es sich doch mit etwas gesundem Menschenverstand zusammenreimen, oder? Es bedeutet ungefähr so etwas wie „Elefanten-Polo und Techno-Feten verboten, Zweibeiner bitte, wenn es geht, nicht über den Rasen latschen und auch keine Blumen für die alte Omma pflücken. Jegliche Blumen. Nicht nur Tulpen“. Oder so ähnlich.

Dummerweise ist das Schild ungefähr auf Augenhöhe angebracht und für jeden hirnamputierten Nachwuchs-Sprayer so aufs Leichte zu erreichen. So kann er sein völlig überzogenes Taschengeld mittels Lack auf dem Schild verteilen und sich fortan für einen Held halten. „Alda krass, dein Revier hier, voll die Bio-Anlage. Respekt, alda. „

Aber nun haben sich die Bürokraten vom Grünflächenamt etwas neues ausgedacht und in den letzten Tagen im großen Stile „aufgerüstet“. Schluss mit dem Vandalismus! Ein zweites Schild wurde gesetzt. Jeweils direkt hinter dem ersten Schild. Aber zwei Meter höher. Überall im Park. Der Steuerzahler zahlt‘s.

Warum das? Damit die Sprayer da nicht mehr so einfach herankommen? Oder damit man dem Dumm-Volk mit einfachen Piktogrammen verklickern kann, welche Spielregeln dort gelten? Hunde an die Leine, Müll in die Eimer, Grillen verboten und Radrennen bitte außen herum?

Aber nicht nur an den Parkeingängen stehen neue Schilder. Auch an den Kinderspielplätzen im Park. Die Regeln sind da etwas härter. Müll soll immer noch in den Eimer entsorgt werden, Hunde dürfen nicht mitspielen und Alkohol, Zigaretten und Spritzen sind verboten. „Oahhhh, wie öde“.

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Na hoffentlich interessiert das jemanden und hält sich auch einer dran. Ach nee, schon zu spät. Der „Künstler“ namens … DeltaMS … hat bereits alle Bildchen überlackiert. 

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Na ein Glück auch. Dann können wir jetzt wieder auf der Reifenschaukel saufen, rauchen, kiffen, spritzen und zuschauen wie unsere 10 Köter in die Sandkiste kacken.

„Is‘ ja schließlich nich‘ verboten da. Würd‘ ja sonst och irj’endwie dranstehen, oder nich‘?“

55) Ebbe im Teich

Beim Ententeich, im benachbarten Volkspark, haben Wasserwerke und Grünflächenamt wohl den Stöpsel gezogen. Der Wasserspiegel nahm in den letzten Tagen kontinuierlich ab, nur in der Mitte des Tümpels haben sie noch eine große Pfütze belassen, damit die Enten nicht vollends austrocknen und die vorzeitige Abreise gen Süden antreten. Nun können wir alle auf den schlammigen und stinkenden Grund des künstlichen Gewässers schauen. Und auf all die Schätze, die in den See gefallen sind oder in ihm versenkt wurden. Da sind zum Beispiel große Äste dabei und Steine. So etwas schmeißen Kinder gern mal ins Wasser oder aufs winterliche Eis. Macht ja auch Spaß.

Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken:

  • Irgendwelche Vollpfosten haben im Suff eine Parkbank im See versenkt. Das ist schon echt ´ne Leistung, so ein Ding ist echt schwer und muss man erst einmal über das Geländer wuchten. Respekt Leute. Ihr seid Helden.
  • Die Stapelstühle des Park-Cafés dagegen, lassen sich noch viel weiter in den See werfen, als so eine blöde Parkbank. Das Café wird sich nun freuen. Die Stühle gehören zweifelsfrei zu ihnen und sie bekommen nun zehn vollkommen verdreckte Exemplare zurück auf die Terrasse gestellt. Die haben sie doch vermisst, oder?
  • Wie zu erwarten, liegen auch Leihfahrräder im Schlamm. Sind zwar schon lange abgeschrieben, man könnte aber mal mit `nem Lappen drüber gehen und dann rollen die wieder. Weiß eigentlich jemand, wie so ein Leihfahrrad in der Bike-Sharing-App angezeigt wird, wenn es im Wasser liegt? Als Tretboot vielleicht?
  • Und eine Menge Mülleimer konnte ich da in der Pampe ausmachen. „Warum werfen die den Müll nicht in die Mülleimer, sondern die Mülleimer in den Müll“, fragt die Tochter. Gute Frage und kreatives Wortspiel, kommt auf meinen Blog, versprochen!
  • Gewundert hat mich allerdings, keine Bierflaschen dort im Schlamm gesehen zu haben. Aber vielleicht war am frühen Morgen schon ein fleißiger Sammler unterwegs und hat das Flaschensammeln mit einer Watt-Wanderung verbunden. Für etwas Kleingeld.

Kann man nur hoffen, dass Party-Touristen diese Sauerei veranstaltet haben, denn dann sind die jetzt wieder weit weg. Im Schlick liegen sie jedenfalls nicht.

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54) Treppenmangel in (T)XL

Die Billig-Airlines sind clever. Sie geben die Flugzeit München – Berlin mit 01:20 an. Eigentlich ist es nur eine Stunde. Während sich der Kranich für jede 10 Minuten Verspätung entschuldigt, protzt der orange Billig-Flieger mit „Herzlich Willkommen in Berlin Tegel, wir sind überpünktlich gelandet. Bitte bleiben Sie solange angeschnallt sitzen, bis wir unsere endgültige Warteposition erreicht haben.“ Ich habe das schon lange durchschaut, nur die Logistik an Deutschlands Museumsflughafen noch nicht.

Da fehlt es bei „vorzeitiger“ Landung entweder an ….

Auszug Chat Protokoll
18:18: wir steigen ein
18:18: sieht gut aus, bin 20:30 zu Hause
18:18: wenn der Bus kommt
18:18: und die Treppe
18:36: scheint pünktlich, wir legen ab
18:36: eine Stunde Flugzeit, sagen sie
18:40: bin jetzt off
19:50: bin gelandet
19:51: Bus ist da
19:51: aber keine Treppe

… Stellplätzen, Einwinkern, Bussen oder eben Treppen.

Während des Wartens auf die Treppe gehe ich so meine Optionen durch

  • Wie hoch ist so ein A320 eigentlich? Wenn ich mich mit meinem Hintern an die Türkante setze, könnte ich vielleicht …
  • Strickleitern … ja! Warum eigentlich nicht? Jeder, der in der Hauptstadt landet, sollte eine Strickleiter dabeihaben. Aber im Handgepäck. Ganz wichtig.
  • Vielleicht über die Notrutschen? Ich meine, … die müssen doch auch mal benutzt werden. Das macht bestimmt Spaß.
  • Vielleicht einfach die 112 anrufen? Die haben schließlich Leitern,  Rutschstangen und Sprungkissen. Mhm. Ist zu riskant. Dann nehmen die mich noch mit.
  • Oder einfach hier sitzen bleiben? Bis nächsten Dienstag?

Mann, ich will doch nur nach Hause!!

Frühere Beiträge zum Thema:

 

53) Warteschlangenbeschwörer

Schlangenbeschwörer sind Alleinunterhalter, die mit Tricks und Musik versuchen, die Schlange nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Beim letzten Indienbesuch habe ich zwar keine mehr angetroffen, dafür komme ich mir hier in Deutschland bald selber vor wie solch ein Alleinunterhalter, der mit Schlangen kämpft.

Die Situation in 10 Schritten:

  1. Mit großen Schritten laufe ich auf eine Service-Situation (z.B. Ticket-Schalter, Check in oder Security…) zu
  2. Aus der Ferne sehe ich schon einige Menschen dort in der Schlange stehen. Sie warten alle vorwärts mit Blick auf den Counter, sie brauchen es so. Das Ziel immer vor den Augen
  3. Vor mir erreichen aber noch andere Menschen ihr Ziel und stellen sich hinten an, alle mit Blick nach vorn. Wie sonst
  4. Sehr bald droht das Ende der Schlange, andere Verkehrswege zu stören. Da wollen Reisende zu anderen Gates, Rollstuhlfahrer müssen durchkommen, Service-Kräfte sollen ihren Job machen
  5. Komme ich zu diesem Zeitpunkt bei der Warteschlange an, will ich mich nicht mehr hinten anstellen, da ich damit den kompletten Flur-Verkehr stören würde
  6. Also stelle ich mich zwar ans Ende der Schlange, ABER in einem 90 Grad Winkel, an. Ich versuche also die Schlange „abzuknicken“, zu beschwören
  7. Und schon kommt der nächste Service-Gast, nennen wir ihn einfach mal Heinz. Er stellt sich an die bisherige Schlange an und mustert mich, warum ich denn da so „abgeknickt“ stehe
  8. Ich bin überzeugt von meinem edlen Anliegen und verharre in meiner Position. Es ist richtig. Vorausschauend. Nachhaltig
  9. Es kommen weitere Gäste und stellen sich hinter Heinz an. Denn aus ihrer Sicht, bildet Heinz das Ende der Schlange. Nicht ich. Ich stehe da ja nur so „abgeknickt“ herum
  10. Trotzdem bleibe ich dort wo ich bin, denn ich war ich ja nun wirklich vor Heinz dort. Hinter Heinz entsteht zunehmend das totale Chaos. Keiner kommt mehr durch. War zu erwarten

Und was passiert dann?

Irgendwann bewegt sich etwas, es geht weiter. Die Menschen tippeln stur wie die Lemminge auf den Counter zu. Und all die Menschen, die hinter Heinz stehen, verachten mich mit bösen Blicken, die förmlich sagen … „Können Sie sich nicht hinten anstellen?“

 

Oh man, ihr habt alle einen Schaden. Muss man euch erst immer in Gatter und Metall-Stangen zwängen!?

PS: Aktuell läuft ein Plakat-Kampagne „30 Jahre – Typisch Deutsch“ … das gehört auch dazu

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52) Klimanotstand

Im Auto-Radio lernte ich heute ein neues englisches Wort kennen. Es nennt sich „Extinction“. Übersetzt wird es mit Ausrottung. Auslöschung. Vernichtung. Untergang.

Nee, Freunde. Hier geht‘s aber nicht um den Elefanten, den Tiger oder das Nashorn. Es geht um uns. Menschen.

Du. Ich. Abspann. Ende.

  • „Extinction Rebellion legt Großen Stern und Potsdamer Platz lahm“, so hieß es heute auf www.welt.de
  • „Extinction Rebellion: Umweltaktivisten errichten Klimacamp vor Kanzleramt“, schreibt www.zeit.de
  • „Extinction Rebellion: Rackete will „ökologischen Notstand“ ausrufen“, schreibt www.focus.de

Wikipedia erklärt den Klimanotstand wie folgt:

„….Die Erklärung des Klimanotstands (englisch „Climate Emergency“) ist ein Beschluss von Parlamenten ….  oder Verwaltungen … , mit dem sie erklären, dass es eine Klimakrise gibt und dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, diese zu begrenzen.[1] Es geht somit um den Umgang mit der menschengemachten globalen Erwärmung..“

Und was sagt dazu Bundeskanzleramtschef Braun laut RBB-Radio-Welle dazu?

„ … Das Ausrufen des Klimanotstands sei in der Verfassung nicht vorgesehen …“

Ach so. Na dann. Weiter wie bisher.

 

PS: Sorry, für diesen kurzen, vielleicht auch wenig fundierten Beitrag, aber dieses Statement hat mir heute auf der Autobahn einen Riesenlacher beschert.

 

51) Bake Bake Radspur

Backe Backe Kuchen, habe ich selber im Sandkasten gesungen. Meine Kinder auch.

Liebe Städte, oder ihr Orte, die ihr mal Städte werden wollt, der neueste Scheiß kommt aus Berlin! Total heiß. Der letzte Schrei aus dem Mobilitätskonzept unseres Senats.

  • Ganze Auto-Spuren wegnehmen für die Fahrräder? Schnee von gestern.
  • Auch wenn im Winter keine Sau drauf fährt? Schreit kein Hahn mehr nach.
  • Die neu gewonnen Radspuren grün anmalen? Auch schon wieder ein alter Hut.
  • Die Stadt mit Fahrrad-Müll zustellen?  Is‘ auch schon Retro.
  • Mit rollenden Batterien durch die City brettern? Schon völlig normal.

Nee, Leute. Der neueste Trend nennt sich Protected Bike Lane.
Zitat http://www.morgenpost.de vom 23-05-2019:

Die Anlage von sogenannten „protected bike lane“ (kurz: PBL) ist ein aus Nordamerika importiertes Konzept, mit dem Kommunen schnell und kostengünstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können. Dabei wird in der Regel dem Autoverkehr eine Spur weggenommen – und darauf ein mindestens zwei Meter breiter geschützter Radfahrstreifen angelegt. Durch bauliche Barrieren (zum Beispiel durch Poller) wird die Radspur vor dem Überfahren und Zuparken durch Autos geschützt.

Aha.

Wir hier, in der Hauptstadt, wir nageln jetzt also tausende kleine Baken auf die Straße und die Radler sind damit sofort „protected“. So einfach ist das. Sieht Scheiße aus, erinnert irgendwie an Playmobil, aber wer das nicht hat, ist eben auch keine richtige Metropole. PBL.

 

PS: Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Rad-Verkehr, mir gehts nur ums „Wie“

50) Flughafen im Kopf

„Ladies and Gentlemen, we started our descent to Berlin Tegel“. Schon so viele Male gehört, bedeutet es eigentlich immer etwas Gutes.

Wir nähern uns der Hauptstadt von Süden und ich habe guten Ausblick auf unseren neuen Flughafen. Der liegt dort unten. Groß. Dunkel. Leer. Still.

Und schon beginnt eine Stammtisch-Diskussion in meinem Kopf:

  • A: Mann ej, wenn dit Ding mal irjendwann fertich is‘, müss‘n wa alle hia runt‘a in den Süden jurken. Und ob dit‘ für dit Klima und für’n Verkehr so jut is‘? Na, ick‘ wees ja, nich‘!
    B: Ach hör doch auf, Mensch. Wenn die Flieger heute über das Stadtgebiet fliegen, ist das ja nun auch nicht gerade prickelnd für die Luft. Und schon gar nicht für die Sicherheit. Ich möchte nicht wissen, wieviel Grill-Schürzen und Büstenhalter schon von Nord-Berliner Dachgärten gefegt wurden und dann dekorativ am Bug-Rad hingen.
  • A: Ab‘a, all die langen Weje dann am neuen Flughaf’n. Da muss ick‘ nach Malle ja schon zwee Stunden eh’a da sein! Wie soll‘n dit‘ jehen.
    B: Na ja, mein Guter. In Tegel sind die Wege kurz, das stimmt schon. Dafür ist es da aber so überfüllt, dass man überall Schlange steht und dabei seine ablaufende Lebenszeit ticken hört. Ja, es gibt gute Tage, da schafft man es vom Flieger zum Taxi in 10 Minuten. Man kann aber auch eine Stunde benötigen.
  • A: Ab’a der neue Flughaf’n,  is‘ ja noch nich‘ mal richtig erreichba‘! Wie soll ick’n da hinkommen mit meine‘ Uschi?
    B: Ja, das wird interessant. Allerdings fühlt man sich in Tegel auch wie im Mittelalter. Keine Bahn führt da hin. Stattdessen fahren Busse! Ja, Linien-Busse. Im Jahr 2020. Der Flughafen der Hauptstadt ist heute nur über Bus, Taxi oder Auto erreichbar. Ein Albtraum.

Noch ehe die beiden zum Ende kommen, landen wir in Tegel. Bereits 19:40 Uhr, etwas vor unserer geplanten Zeit. Toll eigentlich. „Meine Damen und Herren, bitte haben sie noch etwas Geduld. Wir müssen noch auf Zubringer-Busse und die Treppen warten“. Na großartig.

Die Busse sind irgendwann da und fahren uns gigantische 90 Sekunden übers Feld. Also das hätte ich nun auch laufen können. Aber egal.

Um 20:07 Uhr stehe ich am Kofferband. Und warte. Und warte. Gegen 20:40 Uhr setze ich mich aufs Transportband und hinterlasse auf der Flughafen-Website eine Beschwerde. Irgendetwas muss ich ja tun. Die Gäste der Stadt schütteln nur die Köpfe. Peinlich.

Gegen 20:50 Uhr erscheinen die Koffer. Ich schnappe mir meinen Trolley und eile zum Taxi-Stand. Jetzt nur noch nach Hause und zwar im Turbo-Gang.

Da erwartet mich eine lange Menschen-Schlange am Taxi-Stand. Wie schon so oft.

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… das kann doch eigentlich nur besser werden.

  

 

49) Berlin wird grün

Eine weitere Posse aus der Umsetzung des Berliner Mobilitätsgesetzes.

Dass man Fahrradstreifen an kritischen Stellen rot färbt, das kann ich ja noch verstehen. Aber da wir ja die Hauptstadt sind und anscheinend für das Mobilitätskonzept noch viel Geld übrig ist, malen wir den Rest der Radstreifen jetzt grün an. Nein, wir verändern die Radstreifen nicht baulich, um die Radfahrer vom übrigen Verkehr zu trennen. Nö, wir nehmen einfach eine Auto-Spur weg und malen die grün an. In sogenanntem verkehrsgrün, RAL 6024 um genau zu sein.

  • Glaubt man www.berlin.de, kann „…. die Grünbeschichtung zudem dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsempfinden der Radfahrenden durch die gut sichtbare Radspur zu stärken….“. Das fühlt man sich als Radler gleich viel sicherer, wenn man auf grünem Radweg fährt und links ein LKW vorbei donnert
  • Die Grünflächen in der Stadt verwildern, die Parks verdrecken, da ist zu wenig Budget vorhanden. Will man irgendwo links abbiegen, kann man kaum dem Gegenverkehr einsehen, weil die Brennnesseln auf dem Mittelstreifen wuchern. Am besten wir fackeln das alles ab und malen die Flächen auch grün an. Geht schneller, können Maschinen reinigen, brauch man kein Personal mehr
  • Die Testphase ist angeblich auf 5 Jahre ausgelegt, zum Einsatz kommen wohl zwei verschiedene Materialien. Kaltplastik und Epoxidharz. What? Erzeugt das nicht auch Abrieb, wenn da Autos, Fahrräder und die Bürsten der Stadtreinigung drüberrauschen? Fließen da keine Kleinst-Partikel in die Kanalisation? Muss ich mal echt drauf achten, ob mein Berliner Mineral-Wasser demnächst einen Hinweis aufgedruckt hat. „Kann Spuren von RAL 6024 enthalten“
  • Wenn jetzt die Farben grün und rot den Radlern gehören, wird es langsam eng im Tuschkasten. Weiß ist ja schon im Einsatz, grau macht wenig Sinn, gelb ist für Baustellen reserviert. Blau wäre noch übrig. Damit könnte man den E-Tretrollern und E-Autos auch noch eine Spur bemalen. Dann bliebe noch Orange und Pink für spätere „Innovationen“

Na immerhin sind wir nun im Klub der ganz Großen dabei, so schreibt man weiter auf www.berlin.de „Die Farbauswahl orientiert sich an nationalen und internationalen Städten wie San Francisco, New York oder Wien„

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