51) Bake Bake Radspur

Backe Backe Kuchen, habe ich selber im Sandkasten gesungen. Meine Kinder auch.

Liebe Städte, oder ihr Orte, die ihr mal Städte werden wollt, der neueste Scheiß kommt aus Berlin! Total heiß. Der letzte Schrei aus dem Mobilitätskonzept unseres Senats.

  • Ganze Auto-Spuren wegnehmen für die Fahrräder? Schnee von gestern.
  • Auch wenn im Winter keine Sau drauf fährt? Schreit kein Hahn mehr nach.
  • Die neu gewonnen Radspuren grün anmalen? Auch schon wieder ein alter Hut.
  • Die Stadt mit Fahrrad-Müll zustellen?  Is‘ auch schon Retro.
  • Mit rollenden Batterien durch die City brettern? Schon völlig normal.

Nee, Leute. Der neueste Trend nennt sich Protected Bike Lane.
Zitat http://www.morgenpost.de vom 23-05-2019:

Die Anlage von sogenannten „protected bike lane“ (kurz: PBL) ist ein aus Nordamerika importiertes Konzept, mit dem Kommunen schnell und kostengünstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können. Dabei wird in der Regel dem Autoverkehr eine Spur weggenommen – und darauf ein mindestens zwei Meter breiter geschützter Radfahrstreifen angelegt. Durch bauliche Barrieren (zum Beispiel durch Poller) wird die Radspur vor dem Überfahren und Zuparken durch Autos geschützt.

Aha.

Wir hier, in der Hauptstadt, wir nageln jetzt also tausende kleine Baken auf die Straße und die Radler sind damit sofort „protected“. So einfach ist das. Sieht Scheiße aus, erinnert irgendwie an Playmobil, aber wer das nicht hat, ist eben auch keine richtige Metropole. PBL.

 

PS: Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Rad-Verkehr, mir gehts nur ums „Wie“

50) Flughafen im Kopf

„Ladies and Gentlemen, we started our descent to Berlin Tegel“. Schon so viele Male gehört, bedeutet es eigentlich immer etwas Gutes.

Wir nähern uns der Hauptstadt von Süden und ich habe guten Ausblick auf unseren neuen Flughafen. Der liegt dort unten. Groß. Dunkel. Leer. Still.

Und schon beginnt eine Stammtisch-Diskussion in meinem Kopf:

  • A: Mann ej, wenn dit Ding mal irjendwann fertich is‘, müss‘n wa alle hia runt‘a in den Süden jurken. Und ob dit‘ für dit Klima und für’n Verkehr so jut is‘? Na, ick‘ wees ja, nich‘!
    B: Ach hör doch auf, Mensch. Wenn die Flieger heute über das Stadtgebiet fliegen, ist das ja nun auch nicht gerade prickelnd für die Luft. Und schon gar nicht für die Sicherheit. Ich möchte nicht wissen, wieviel Grill-Schürzen und Büstenhalter schon von Nord-Berliner Dachgärten gefegt wurden und dann dekorativ am Bug-Rad hingen.
  • A: Ab‘a, all die langen Weje dann am neuen Flughaf’n. Da muss ick‘ nach Malle ja schon zwee Stunden eh’a da sein! Wie soll‘n dit‘ jehen.
    B: Na ja, mein Guter. In Tegel sind die Wege kurz, das stimmt schon. Dafür ist es da aber so überfüllt, dass man überall Schlange steht und dabei seine ablaufende Lebenszeit ticken hört. Ja, es gibt gute Tage, da schafft man es vom Flieger zum Taxi in 10 Minuten. Man kann aber auch eine Stunde benötigen.
  • A: Ab’a der neue Flughaf’n,  is‘ ja noch nich‘ mal richtig erreichba‘! Wie soll ick’n da hinkommen mit meine‘ Uschi?
    B: Ja, das wird interessant. Allerdings fühlt man sich in Tegel auch wie im Mittelalter. Keine Bahn führt da hin. Stattdessen fahren Busse! Ja, Linien-Busse. Im Jahr 2020. Der Flughafen der Hauptstadt ist heute nur über Bus, Taxi oder Auto erreichbar. Ein Albtraum.

Noch ehe die beiden zum Ende kommen, landen wir in Tegel. Bereits 19:40 Uhr, etwas vor unserer geplanten Zeit. Toll eigentlich. „Meine Damen und Herren, bitte haben sie noch etwas Geduld. Wir müssen noch auf Zubringer-Busse und die Treppen warten“. Na großartig.

Die Busse sind irgendwann da und fahren uns gigantische 90 Sekunden übers Feld. Also das hätte ich nun auch laufen können. Aber egal.

Um 20:07 Uhr stehe ich am Kofferband. Und warte. Und warte. Gegen 20:40 Uhr setze ich mich aufs Transportband und hinterlasse auf der Flughafen-Website eine Beschwerde. Irgendetwas muss ich ja tun. Die Gäste der Stadt schütteln nur die Köpfe. Peinlich.

Gegen 20:50 Uhr erscheinen die Koffer. Ich schnappe mir meinen Trolley und eile zum Taxi-Stand. Jetzt nur noch nach Hause und zwar im Turbo-Gang.

Da erwartet mich eine lange Menschen-Schlange am Taxi-Stand. Wie schon so oft.

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… das kann doch eigentlich nur besser werden.

  

 

49) Berlin wird grün

Eine weitere Posse aus der Umsetzung des Berliner Mobilitätsgesetzes.

Dass man Fahrradstreifen an kritischen Stellen rot färbt, das kann ich ja noch verstehen. Aber da wir ja die Hauptstadt sind und anscheinend für das Mobilitätskonzept noch viel Geld übrig ist, malen wir den Rest der Radstreifen jetzt grün an. Nein, wir verändern die Radstreifen nicht baulich, um die Radfahrer vom übrigen Verkehr zu trennen. Nö, wir nehmen einfach eine Auto-Spur weg und malen die grün an. In sogenanntem verkehrsgrün, RAL 6024 um genau zu sein.

  • Glaubt man www.berlin.de, kann „…. die Grünbeschichtung zudem dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsempfinden der Radfahrenden durch die gut sichtbare Radspur zu stärken….“. Das fühlt man sich als Radler gleich viel sicherer, wenn man auf grünem Radweg fährt und links ein LKW vorbei donnert
  • Die Grünflächen in der Stadt verwildern, die Parks verdrecken, da ist zu wenig Budget vorhanden. Will man irgendwo links abbiegen, kann man kaum dem Gegenverkehr einsehen, weil die Brennnesseln auf dem Mittelstreifen wuchern. Am besten wir fackeln das alles ab und malen die Flächen auch grün an. Geht schneller, können Maschinen reinigen, brauch man kein Personal mehr
  • Die Testphase ist angeblich auf 5 Jahre ausgelegt, zum Einsatz kommen wohl zwei verschiedene Materialien. Kaltplastik und Epoxidharz. What? Erzeugt das nicht auch Abrieb, wenn da Autos, Fahrräder und die Bürsten der Stadtreinigung drüberrauschen? Fließen da keine Kleinst-Partikel in die Kanalisation? Muss ich mal echt drauf achten, ob mein Berliner Mineral-Wasser demnächst einen Hinweis aufgedruckt hat. „Kann Spuren von RAL 6024 enthalten“
  • Wenn jetzt die Farben grün und rot den Radlern gehören, wird es langsam eng im Tuschkasten. Weiß ist ja schon im Einsatz, grau macht wenig Sinn, gelb ist für Baustellen reserviert. Blau wäre noch übrig. Damit könnte man den E-Tretrollern und E-Autos auch noch eine Spur bemalen. Dann bliebe noch Orange und Pink für spätere „Innovationen“

Na immerhin sind wir nun im Klub der ganz Großen dabei, so schreibt man weiter auf www.berlin.de „Die Farbauswahl orientiert sich an nationalen und internationalen Städten wie San Francisco, New York oder Wien„

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48) Kinder-Pizza im Prenzlauer Berg

Der Cheftrainer des Jugendfußballs hat eine nette Idee. Er schlägt vor, das Training am Mittwoch etwas eher zu beenden und Pizza für alle zu bestellen. Hitzefrei, Abendessen und Teambuilding sozusagen. Coole Idee, denken wir und sagen sofort zu. Zur Vereinfachung stellt der Trainer eine Pizza-Liste zur Auswahl ins Netz. Großartige Idee. Für uns nur ein Klick und der arme Kerl hat es etwas einfacher beim späteren Bestellen.

  1. Pizza Margarita (Tomatensauce, Mozzarella, Basilikum)
  2. Pizza Salami (Tomatensauce, Mozzarella, Salami)
  3. Pizza Funghi (Tomatensauce, Mozzarella, Champignons)
  4. Pizza Vegan (Gemüsemix auf Tomatensauce)

Die kleine charmante Auswahl zeigt bereits ganz oben die Top-Seller für Kinder. Aber auch an Vegetarische und Vegane Optionen hat er gedacht. Jetzt müssen die Eltern nur noch klicken und der Trainer (im Ehrenamt wohlgemerkt) kann die Liste 1:1 an die Pizza-App durchreichen.

Aber da machte er einen kleinen, aber entscheidenen Fehler … er schreibt: „Wenn jemand keine Pizza mag, dann kann ich auch etwas anderes bestellen“

  • Wortmeldung 1: „Pizza ohne Tomaten mit Käse, smiley“
  • Wortmeldung 2: „Ich habe für Emanon die Vegan angekreuzt, aber sie soll eigentlich kein Gluten essen. Falls es etwas glutenfreies und Veganes gibt, wäre es super, ansonsten machen wir eine Ausnahme“
  • Wortmeldung 3: „Vielleicht gibt es auch Pizza Hawai?“

Muss man das kommentieren? Nein muss man glaube ich nicht.

Zwischenstand am Dienstag-Abend: 31 Margarita, 1 Salami, 1 Vegan und keiner will Fungi.

PS: Sollte ich vielleicht mal fragen, ob er mir eine Fungi bestellt? Dann hätte ich schon mal etwas zum Abendessen.

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47) E-Sharing-Wahn

Dass ich so meine Probleme mit den unzähligen bunten Leih-Rädern in der Stadt habe, hatte ich schon mal hier in >Bikesharing geschrieben. Mittlerweile kann ich denen ja wenigstens noch etwas ökologisches und sportliches abgewinnen, ABER nur wenn sie an Stationen gebunden sind. Wenn die Dinger einfach irgendwo abgestellt oder in die Büsche geschmissen werden, bleiben sie mir ein Dorn im Auge. Nix zu machen!

Aber nun wird‘s ja immer bunter:

In jeder Nacht werden neue bunte E-Tretroller in den Straßen abgestellt. Man spricht mittlerweile von 5.000-6.000 Stück in der Stadt, Tendenz steigend. Über diese Roller wurde schon vor ihrer Zulassung heftig gestritten, als es um Geschwindigkeit, Helmpflicht und Nutzungsrechte ging. Darum geht es mir aber heute nicht. Mir fehlt z.B. die Diskussion, welche konventionellen Verkehrsmittel denn dadurch weniger wurden. Haben denn all diese Spaß-E-Tretroller-Fahrer ihre Autos oder Mopeds verschrottet? Glaube ich wohl kaum. Da das Fahren der Dinger vermutlich auch noch Spaß macht und sie überall zu haben sind, wird künstlich Verkehr geschaffen, der sonst nie da war. Diese Wegstrecken wurden früher mit der Bahn oder eben zu Fuß erledigt. Die zweite Frage, die mich beschäftigt ist, wie denn die Dinger geladen und gewartet werden? Werden sie mit Diesel-LKW durch die halbe Stadt gefahren und morgens wieder aufgestellt? Das wäre eine schlechte Öko-Bilanz. Mal ganz zu schweigen davon, mit welchem Strom sie geladen werden und wie die vielen Heinzelmännchen bezahlt werden. Weiß hier jemand mehr?

Und nun kommt noch mehr oben drauf. In den letzten Tagen wurden zig Elektro-Autos in den Straßen abgestellt. Zum Beispiel 1.500 VW e-Golf ! Was soll denn der Mist nun wieder? Wenn man e-Tretroller und Fahrräder in die Büsche schmeißt, sieht das zwar übel aus, aber sie nehmen wenigstens keine Park-Plätze weg. Mit den E-Cars werden nun noch mehr Autos in die Stadt gespült und geparkt. Sollten es nicht eigentlich weniger Autos werden? Was soll der Schwachsinn? Auch hier die Fragen. Wie und wo werden die aufgeladen? Wieviele werden nachts irgendwo durch Waschanlagen geschoben, die Wasser und Chemie verbrauchen. All die Kunststoffe, Reifen und Metalle, die nötig waren, um die Autos zu produzieren. Und auch noch einmal die Frage, wieviele konventionelle Autos dafür aus dem Verkehr gezogen wurden. Weiß das jemand?

Wenn ich nur mal die Zahlen hier im Beitrag addiere, handelt es sich ungefähr um zusätzliche 7.500 Batterien! Für den Moment. Die müssen alles aus seltenen Rohstoffen hergestellt, nach Deutschland gebracht und später wieder entsorgt werden. Mir wird da echt schwindelig. Was hier im grünen Antlitz daher kommt, ist doch ökologisch eine Mega-Augenwischerei oder denke ich zu einfach? Kann mal bitte jemand aufklären?

Was soll das nur werden, wenn es irgendwann mal an jeder Ecke E-Hoverboards zum Leihen gibt? Und noch E-Segways, E-Dreiräder und E-Rollschuhe und E-Inliner und E-Skateboards und E-Tuk-Tuks und E-Rollatoren und E-Bobby-Cars und …

Wir müllen unsere Stadt mit stehendem Schrott zu und verfetten zunehmend, weil keiner mehr nur noch einen Meter läuft. Na großartig. Gut gemacht!

Anmerkung: Ich finde E-Autos sehr interessant und könnte mich selber mit einem E-Auto oder Hybriden anfreunden. Aber das was hier passiert, wirkt total planlos. Oder ist da echt ein Plan dahinter? Autos auf den Markt spülen, damit Menschen ihre alten Autos abgeben und am Ende weniger Autos auf dem Markt sind als vorher. Hääääh??? Is‘n das für eine Rechnung?

PS: mein Sohn klärte mich gerade auf, dass ein durchschnittlicher E-Tretroller in Paris ungefähr 78 Tage alt wird, häufig landen sie in der Seine. Bingo!

46) Späti

Sorry liebe Leser, ich muss mal wieder schimpfen. Ich versuche, es auch kurz zu machen. Seit ein paar Wochen fällt mir auf, dass unsere beliebten Berliner Spätverkaufsstellen (Späti’s) nun am Sonntag wieder geschlossen sind.

  • Ja, ich weiß, dass das Ladenschluss-Gesetz auch in Berlin gilt.
  • Und ja, die Späti’s haben sich vermehrt wie die Guppies.
  • Und verdammt noch mal ja, die verkaufen mittlerweile weit mehr als Reisebedarf.

Na und?

Wen es stört, der muss ja nicht hingehen! Aber lasst doch dieser Stadt dieses „Kultur-Gut“. Warum versuchen irgendwelche lokalen Wichtigtuer, die Stadt wieder in die Wilmersdorfer Piefigkeit der frühen Achtziger Jahre zurückzukatapultieren?

Etwas sachlicher stellte man diese Frage kürzlich einem Befürworter des Ladenschlussgesetz im Radio-Interview. Und der sagte sinngemäß so etwas wie „ na weil es ein Gesetz ist, muss es eben auch eingehalten werden …“.

Also mit der gleichen Gründlichkeit, mit der auch alle anderen Gesetzesverstöße hier geahndet werden? Ich lach‘ mich schlapp. Haben Ordnungsamt, Polizei und Gewerbeaufsicht nichts Wichtigeres zu tun hier? So etwas Albernes. Wir hätten auch Drogenhandel, Menschenhandel, Kinderporno-Handel und viele andere Formen von üblem Handel hier im Portfolio, die etwas mehr Aufmerksamkeit bräuchten. Stattdessen geht man nun dem Sonntäglichen „Bier,-Kippen,-Butter,-Waschmittel,-Brötchen,-TK-Pizza und Mango-Handel“ an die Substanz.

Wer steckt dahinter?

  • Sind es die Investoren, die ihr Asset pflegen und gedeihen lassen wollen? Als es noch der Attraktivität der Stadt diente, hatte man die Zügel noch lockerer gelassen.
  • Sind es die Gewerkschaften, die sich ums Wohle der mehrheitlichen Türkischen Shop-Betreiber und deren Familien sorgen?
  • Steckt die Kirche dahinter, die ihr Haus am Sonntag nicht mehr voll bekommt, weil die Leute stattdessen im Späti ihren Halt finden?
  • Oder sind’s die großen Handelsketten, die den Umsatz lieber am Samstag oder Montag bei sich verbuchen wollen?

Zum Ende des Interviews drohte der Mensch im Radio dann auch noch den Tankstellen, demnächst viel strenger hinzusehen. Also bald gibt‘s da nur noch Sprit, Zündkerzen und Öl.

Ist das nicht piefig?

zur Klarstellung:
In Nord -und Ostdeutschland bedeutet „piefig“ so etwas wie altmodisch, verzopft, steif oder spießig.
Im Westen Deutschlands kennt man es wohl auch als missmutig, stänkernd, unfreundlich.

Je nach Perspektive passt aber beides, oder?

Frühere Beiträge zu Shops und Einkauf:

45) Eine gute Tat am Tag

Aktuell ist es in Berlin halbwegs erträglich. In den Ferien sind weniger Einwohner in der Stadt unterwegs, aber in ein paar Tagen ändert sich das wieder. Dann wird wieder gedrängelt, geschubst und genölt. Die Menschen werden wieder ruppiger, lauter und man tut alles dafür, Hauptsache seinen Arsch vorwärts zu bringen. Wen dieses „Gegeneinander“ auch so stört (…. und ich hoffe, da gibt es noch jemanden), der kann gern mal etwas ausprobieren.

Ein gute Tat am Tag. 

Och nö! Was soll‘n das jetzt hier du Weltverbesserer. Das kannst du gerne machen. Aber das wird nie etwas. Die Welt tickt nun mal anders du Träumer. Da kannst du dir gern einen abrackern. Es macht einfach keinen Sinn, einen Schritt zurückzutreten, wenn alle anderen weiterhin nur ihren Kopf durchsetzen wollen. Du gibst was, aber dir gibt nie jemand etwas zurück. Lass es doch einfach sein!

Mhm, nein. Es gibt da durchaus noch Hoffnung:

Situation 1) Letzten Freitag im Super-Markt, die Schlangen an der Kasse sind lang. Vor uns eine Frau mit vollem Wagen, wir haben unseren Wagen auch ordentlich beladen. Das Pärchen hinter uns hält drei Packen Bratwürste in der Hand. Wie romantisch. Ich schaue ihnen in die Hände, dann in die Augen und frage so etwas wie „Sagt mal, habt ihr nur die drei Würstchen da?“ Beide nicken artig. „Na dann kommt mal beide vor“, sage ich. Die Dame vor uns kommt entweder A) in Zugzwang oder B) hat auch noch eine gute Tat offen. Sie bietet das Gleiche an und schwupp die wupp, ist das Pärchen samt Würstchen durch die Kasse. Und? Ist das nun schlimm? Nein! Die beiden bedanken sich noch mal, winken und ziehen von Dannen. Habt einen schönen Abend!

Situation 2) Am Montag in der S-Bahn in Richtung Süd-Ost. Ich stehe an der Tür und höre Musik. Auf einmal höre ich eine Ansage durch meine Kopfhörer hindurch. Zunächst vermute ich das übliche Gelaber wegen Baustelle, Verzögerung oder Schienenersatz-Verkehr. Aber es kommt anders. Der Text wird länger als sonst und ich ziehe die Stöpsel aus den Ohren. Ich höre nur noch den Rest der Ansage. In etwa so: „… tja, nun werden sie sich fragen, was ich jetzt hier über die Lautsprecher von ihnen will … ich wollte mich einfach mal nur bedanken, dass sie heute so zügig ein-und ausgestiegen sind. Deshalb werden wir die Endhaltestelle auch pünktlich erreichen. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag … ihr heutiger Lok-Führer“.

Manche Fahrgäste schüttelten den Kopf, andere wiederum schmunzelten in sich hinein. Die hatten es kapiert.

Wir erreichen so langsam die Endhaltestelle und mir kommt die Idee zu diesem Beitrag. Aber, um den wirklich rund zu machen, würde ich am liebsten nach vorn zum Lockführer gehen und … ihm irgendwie … etwas … sagen. Eine Endhaltestelle bietet sich für so etwas bestens an. Also los. Wenn nicht jetzt, dann niemals.

Ich laufe nach vorn zum ersten Wagen und klopfe ans Fenster des Lok-Führers.

„Tach’chen, sagen sie mal, ´ne Frage … haben sie uns gerade gefahren?
Stolz setzt ein kleiner Mann seine rote Dienst-Mütze auf und sagt grinsend … „Jawohl, das habe ich“. 

„Danke dafür, ich wollte Ihnen auch einen schönen Tag wünschen“, sage ich, setze die Kopfhörer wieder auf und laufe gut gelaunt zu meinem Ziel.

Geht doch! 

44) Container-Wechsel

Irgendwann sind die Kids den Dingen entwachsen, das gilt für die Wohnung, wie auch für das Wochenend-Häuschen. Dann bedarf es eines Befreiungsschlags. Kinderstühle und -Tische aus Plastik und Holz sollen zum Müll (… bitte keine Kommentare hier bezüglich „kann man ja noch brauchen“ und „Plastik im Allgemeinen“ … das Zeug ist nun mal leider da … und keiner von euch wollte es haben)

Ein kurzer Abriss der Geschichte:

  1. Ich hasse es, wenn Leute ihr Zeug auf der Straße abstellen. Bitte auch keine Kommentare dazu, ihr werdet mich nicht überzeugen. Nie und nimmer. Müll bleibt Müll und wird keine gutgemeinte Spende.
  2. Wir fahren zum Recycling-Hof der 11.000-Seelen-Gemeinde und ich grüße den Chef vom Dienst.
    Ich: „Tachchen … ich hätte da ein paar Kinder-Gartenmöbel“.
    Er: „ Das ist aber schlecht“.
    Ich: „Und was heißt das jetzt?“
    Er: „Nehm‘ wa‘ nich‘ mea‘, nur noch Kleinmengen hier … seit 1,5 Jahren schon“.
    Ich: „Aber Kindermöbel sind doch klein.“
    Er: „Is‘ ejal, und mit den‘ Berliner Kennzeichen eh schwierich‘.“
    Ich: „Und was kann ich nun tun?“
    Er: „Sperrmüll nur noch in Spindlersfeld und Köpenick, oder besser gleich nach Mahlsdorf mit den’ Kennzeichen da. Tut mia‘ Leid“.
    Ich: „Danke für den Tipp, kannst’e ja och nüscht füa‘“.
  3. Mein Kopf-Navi springt an. Spindlersfeld? Das ist doch locker eine Stunde Anfahrt … und auch noch mit einem Diesel! Ist das so gut für den Planeten?
  4. Besser also vielleicht doch nach Mahlsdorf. Um nicht exklusiv für den Müll dorthin zu düsen, verbinden wir das mit einer anderen Aktivität. Kurz vor 11:00 Uhr fahren wir beim Recycling-Hof vor. Noch nicht mal die Klappe geöffnet, sperrt ein Mann in Orange direkt vor uns die Zufahrt. „Container-Wechsel“.
  5. Über zwanzig Minuten beobachten wir nun, wie nur ein (!) LKW die Container tauscht. Die Schlange hinter uns reicht schon bis zurück zur Hauptstraße. Von den orangen Männern auf dem Gelände, ist nur noch einer zu sehen. Er sitzt im Häuschen und guckt uns aufs Nummernschild. Alle anderen sind bestimmt auf einer „Besprechung“.
  6. Ich schaue mich so um und sehe sofort zig Dinge, die man dort trotz Container-Wechsel tun könnte. Zum Beispiel den Hof fegen, schon mal die nächsten fünf Autos abfragen, was sie den zu bringen gedenken. Oder wenigstens eine Zigarette rauchen oder mal kräftig ins Brötchen zu beißen. Aber einfach nur „da sitzen und nichts tun“, macht mich selbst im Urlaub fix und fertig.
  7. Kurz vor halb zwölf dürfen wir endlich auf den Hof fahren. Eine Berliner Einweisung, wie immer sparsam an Worten: „Plastik zu die Hartkunststoffe links‘, dit‘ Holz zu den’ Altholz rechts.“ „Alles klar, verstanden“.

Wenn man seinen Schrott eben nicht in den Wald schmeißen oder vor die Tür stellen will, warum wird es einem so schwer gemacht, das Zeug vernünftig zu entsorgen …?

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43) Gurtwarner

Dieses kräftige Rot, gehört nicht dem Hintern eines Pavians, sondern dem Gurtschloss unserer Familien-Kutsche. Auf der Fahrerseite blöderweise. Seit ein paar Wochen, macht es mit einer Verhaltensstörung aufmerksam.

Es denunziert mich als gurtfaulen Fahrer an die Zentraleinheit, welche wiederum das zentrale Gong-System befehligt, dauerhaften Alarm zu schlagen. Anfänglich reichten da noch ein paar sanfte Schläge auf den Kopf des Schlosses, nun aber entwickelte sich diese Macke aber zur Dauererkrankung. Es benötigt dringend Behandlung.

  • Erste Idee: Blick ins Bordbuch, passende Sicherung suchen und einfach rausziehen. Ich bin alt genug, ich brauche keine Bimmel, die mich permanent an den Gurt erinnert. Fehlanzeige: Keine bestimmte Sicherung für den Gurtwarner zu finden.
  • Zweite Idee: Suche im Inhaltsverzeichnis im Buchstabenbereich „G“ wie „Gurt“. Ich finde die Überschrift „Gurtwarner deaktivieren“. Großartig, das muss es sein! Fehlanzeige: „Zur Deaktivierung des Gurtwarners bitte Fachwerkstatt aufsuchen“ steht dort geschrieben.
  • Dritte Idee: Im Urlaubs-Ort finden wir eine typenoffene Werkstatt, ich spreche dort vor. „Tach’chen, könnt ihr euch die Tage mal bitte meinen Gurtwarner anschauen, der treibt mich zur Weißglut. Können Sie auch gern ausbauen oder abschalten. Brauche ich nicht“.
    Fehlanzeige. „Den dürfen wir nicht ausbauen oder abschalten, wir können ihn aber gern tauschen“.
  • Vierte Idee: Na gut dann halt Tauschen. „Von mir aus, dann am besten aber in den nächsten zwei Wochen, ich kann die Karre gern mal ein paar Tage hier stehen lassen. Ich habe ja Urlaub.“ Fehlanzeige: „Den nächsten Termin kann ich ihnen in drei Wochen anbieten.“
  • Fünfte Idee: Eine kleiner Werbezettel liegt seit Tagen bei der Handbremse. Wenn ich den jetzt einfach ein wenig falte … und … mit der Schnalle ins Schloss … stecke, dann könnte doch vielleicht … Volltreffer: Es herrscht wieder Ruhe auf der Brücke!

Warum zum Geier, müssen sich erwachsene und erfahrene Auto-Fahrer von einem Gong nerven lassen? Ich schnalle mich doch an, Mann! Ich weiß, dass dieser Strick mein Leben rettet. Und wenn ich mich mal nicht anschnalle, dann hat das verdammt noch mal einen guten Grund. Welcher Bürokrat hat sich da nur wieder selbst verwirklicht? Es herrscht doch Gurtpflicht in Deutschland, warum muss man das noch mit einem Dauergong untermalen? Hat da jemand einen Schwager bei der Gurtwarner und Gong-Systeme GmbH?

Frühere Beiträge zur Auto & Co:

42) Baugrube Berlin 10407

Eigentlich wollte ich ja hier nicht mehr so viel schimpfen. Aber ich kann heute nicht anders, ich muss es loswerden. Andere schimpfen auch, ich stimme in den Kanon ein. Wenn ihr es nicht mehr hören könnt, dann klickt den Beitrag einfach weg. Mir egal. Es werden wieder bessere Texte folgen. Das hoffe ich doch.

06.03.19 bis 15.04.19: Straßenbahn M4 gesperrt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen City-Ost und Prenzlauer Berg.

08.04.19 bis 20.05.19: S-Bahn 41 gesperrt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen über die Storkower Straße, 50 % der Auto-Spuren zu Bus-Spuren erklärt

15.04.19 bis 13.05.19: Straßenbahn M10 gesperrt, „die“ Tram schlechthin, die vom Wedding, über Prenzlauer Berg, Friedrichshain bis kurz vor Kreuzberg fährt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen.

13.05.19 bis 07.06.19: Kreuzung Landsberger Alle / Petersburger Straße. Das ist eine Mega-Kreuzung, essentiell für den Verkehr von Nord nach Süd und von den östlichen Außenbezirken in die City. Temporär nur noch einspurig (!) in alle Richtungen wegen Schienenbauarbeiten.

Herbst 2018 bis Frühling 2019: Unser Sportplatz soll nach 30 Jahren einen neuen Tartan-Belag bekommen. Mittlerweile ist bald Juni, viel Sand gibt es dort, Tartan aber nicht.

xx.04.19 bis xx.05.19, die Details habe ich vergessen: Monatelanger Bau einer Leichtbau-Schule ein paar Straßen weiter. Die ist anscheinend nicht „leicht“ zu bauen, sondern nur leicht an Material. Beginnende Kanalarbeiten in unserer Straße pünktlich zu Ferien-Ende. Gelbe Zebra-Streifen nehmen die Arbeit der Schülerlotsen ab. Die Grundschule ein paar Hausnummern weiter baut noch immer an ihrem Jahrhundertgarten. Wir vermuten, es entsteht ein zweites Taj Mahal. Und zu alldem noch der Wahnsinn, dass hier bei uns im Kiez viele Auto-Spuren zu Fahrrad-Spuren erklärt werden.

Selbst der unaufmerksame Leser hat kapiert, dass all das zur gleichen Zeit oder überlappend stattfindet. Nur derjenige, der hier wohnt, hat schon seit Wochen kapiert, dass all das auf einer Fläche von nicht einmal 3 Quadrat-Kilometern geschieht.

Die müssen spinnen, sorry. Aber anders kann ich mir das nicht erklären.

„Ja“, natürlich muss auch einmal gebaut werden. Verstanden. “Ja“, endlich werden die Baugelder locker gemacht. Auch gut. Und „Ja“, es gibt nie einen guten Moment für eine Baustelle. Alles schon gehört. Aber auf diese Weise?

Woran liegt das?

  • Ist eine Tram-Kreuzung oder eine S-Bahn-Weiche wirklich ein so komplexes Bauwerk?
  • Muss ein Schulhof bereits zum Unesco-Welterbe zählen, bevor er eröffnet ist?
  • Sind es die hohen Qualitätsstandard, die zu solchen Bauzeiten führen?
  • Liegt es an den knappen Budgets, dass keine Nacht- und Wochenendzuschläge gezahlt werden?
  • Sind es gar die Anwohner, die gegen den Baulärm vorgehen und alles in die Länge ziehen?

Bitte, erkläre es mir einer!

Denn es wenn es keine sachlichen Gründe gibt, dann muss es planerisches Unvermögen sein oder gar Kalkül. Bin mir gerade noch nicht sicher, was das Schlimmere ist.

Das sind die Momente, wo ich im Auto aufpassen muss, den Kids nicht mein komplettes Spektrum an Schimpfwörtern zu offenbaren. 

Man oh man…

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