162) Corona-Lektionen 61

Gestern Abend gab’s die erste Pressekonferenz der Kanzlerin und der Länder im neuen Jahr. Mittlerweile dürften die Ergebnisse auch in den Ländern und Städten kommuniziert sein. 

Willkommen im Lockdown V2.3!

V2.3?? Da ich im IT-Umfeld arbeite, werde ich die von nun an für mich einfach mit Versionsnummern nummerieren. 

Rückblick auf bisherige Versionen:
Die Version 1 wurde im Frühjahr „gelaunched“.
Die Version 2 startete im Spätherbst und ist über die Zwischenversionen 2.1 „Soft“, 2.2 „X-Mas/New Year“ nun bei 2.3 „Kater“ angekommen. Zwei neue Features dieser Version nennen sich „15-er Regelung“ und „Family+1“. Diese Features sollten alle ausprobieren, denn das könnte durchaus positive Effekte haben.

Distanzunterricht:
Die Schüler hocken wieder zu Hause und müssen sich den Stoff selbst beibringen. Von Distanzunterricht kann bei uns noch keine Rede sein. Die Aufgaben werden zwar nun mehr über Plattformen verteilt und weniger über E-Mail, das ist aber auch die einzige Veränderung. Einzelne Lehrer_Innen hängen sich voll rein und versuchen mehr über Video-Konferenz zu machen. Macht weiter so! Genauso gut gibt es Lehrer, die seit der Vorweihnachtszeit, die Deutsch-Hefter bei sich zu Hause zur Korrektur liegen haben und sich jetzt wundern, wie die Kids da nun rankommen sollen. Soviel dazu. Bei digitalem „Unterricht“ sind wir noch lange nicht. Da kann man schon mal fragen, was eigentlich seit März 2020 erreicht wurde. Siehe hier >Corona-Lektion 3 vom 17. März 2020.

Realitäten:
Wie schon in >Corona-Lektion 6 und >Corona-Lektion 34 angesprochen, wundere ich mich so über verschiedene Realitäten.

Wenn ich mal wieder durch die TV-Sender zappe, habe ich den Eindruck, dass Corona da überhaupt nicht angekommen ist. Mal abgesehen von Nachrichten und Politik-Talk, in denen man nervöse Politiker und gut gelaunte Rodler am Winterberg sieht, scheint Corona bewusst negiert zu werden. Stattdessen laufen Filme aus der Konserve, da wird Trödel verhökert oder Kuchen gebacken. Es sind zwar mehr Glasscheiben verbaut und die Menschen stehen weit auseinander, aber trotzdem will man anscheinend den Virus partout nichts in Programm lassen. Will man die Leute damit beruhigen? Ihnen eine Corona-freie Unterhaltungsblase geben? Vielleicht kommt so manch lockeres Verhalten auch daher, dass in vielen Sendungen eben nur die Welt „vor Corona“ vorgegaukelt wird, so dass der Eindruckt entsteht, das ist alles halb so wild?

Sollen sie doch mal zeigen, wie es auf der Intensiv so abgeht,
wie Menschen an Schläuchen hängen, 
wie sie regelmäßig gedreht werden,
wie sie sauber gehalten werden,
wie sie auf eine Maschine angewiesen sind.
wie künstliche Ernährung so schmeckt,
wie die wochenlang im Bett liegen,
und um ihr Leben kämpfen.

Zeigt das doch mal! Ich meine so richtig echt. Kamera an und filmen. Ganz nah ans Gesicht ranzoomen. Voll drauf! Ohne Verpixelung der Augen bitte. Eine ganze Nacht durch, auf allen Kanälen. Alles live! Ohne Werbung. Auch bei Netflix, Amazon und YouTube. Chips und Bier sind ausdrücklich erlaubt. Lasst‘s euch schmecken!

PS: Sorry, für die drastischen Bilder hier, aber vielleicht muss das mal sein, damit‘s auch der letzte kapiert.

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160) Corona-Lektionen 60

Das Jahr geht vorüber, es war ein spezielles Jahr, dass wir so nicht mehr vergessen werden. Die Jahresrückblicke sind alle schon gelaufen. Zur Vorspeise wurden Hauptstadtflughafen, Stadtschloss und Tesla-Werk gereicht. Danach kam der sehr kräftige Hauptgang komponiert aus frittierten Corona-Viren auf US-Wahl-Gemüse, angereicht an etwas Brexit-Mus. Als faule Nachspeise gab’s noch querdenkendes Fallobst mit aufgewärmter brauner Sauce. Würg. 

Zwischen den Gängen war aber noch viel mehr zu besprechen. Hotels, Restaurants, Bars, Kneipen, Clubs, Theater, Bühnen und Musikhäuser sind dicht. Der Barber-Shop verkauft nun 400 EUR-Gutscheine für nur 200 EUR und versucht seinen Umsatz vorzuziehen. Das Traditionskino lockt mit 139 EUR für‘s komplette erste Halbjahr 2021. Oder es ist schon gar nicht mehr da. Wer weiß. Das Eis-Café ein paar Meter weiter lädt auch zum Räumungsverkauf.

Das Jahr wird überall verflucht, viele wollen es so schnell wie möglich vergessen, in der Annahme, dass das Jahr 2021 schlagartig besser wird. 

Und nun ist auch noch der Böller dran. Die letzte Bastion maskulinem Kriegsspielzeugs ist nachhaltig getroffen. Selbst das friedliche Bleigießen gibt es nicht zu kaufen, nicht einmal die weniger giftige Variante aus Wachs. Auch Wunderkerzen gibt es nicht. Schluss mit lustig. 

Morgen um Mitternacht gehen wir also auf den Balkon und schreien aus unseren Kehlen:

  • „PENG, Verschwindet ihr Corona-Geister!“ 
  • „PAFF, Willkommen 2021, prost Neujahr!“

Wir brüllen gegen diesen Scheiß-Virus an, der mittlerweile 1.000 Tote pro Tag fordert.

Jetzt will ich euch hier aber gar nicht so runterziehen. Jeder hat bestimmt auch ein paar positive Effekte aus der Zeit mitgenommen, oder?

  • Also zum Beispiel, bin ich noch nie so wenig Auto gefahren. Beim geplanten Öl-Wechsel, hat mich der Kfz-Meister wieder nach Hause geschickt. Ich soll erst wieder kommen, wenn die Lampe leuchtet. Ich war seit Mitte März auf keiner Dienstreise mehr, ich habe meinen CO2 Footprint der letzten Jahre etwas abgebaut und bin laut Schrittzähler 1.000 Schritte täglich mehr gelaufen als in 2019.
  • Der 7-Tage-Homeoffice-Bart hat sich endlich etabliert und man hat zum Chef eine ganz andere Haltung, wenn er das Zielerreichungsgespräch im Lila Strickpulli und Halskettchen führt. Zum Glück fand der Blurry-Mode zügig in die Video-Konferenzen, damit musst man nicht mehr auf die verkramten Regale der Kollegen blicken. Die beste Erfindung seit der Küchenrolle!
  • Ich habe noch nie so viel gelesen wie in den letzten Monaten, noch nie so viele Podcasts und Hörbücher gehört, als während meiner Freigänge durch den Stadtpark. Die Sohlen der Wanderschuhe sind abgelatscht, dabei war ich nicht einmal in den Bergen. Und ich habe mehr geschrieben als sonst, knapp 150 Blog-Beiträge sind so entstanden.
  • Und wir haben viel über unsere Grundrechte diskutiert. Jeder wird hoffentlich für sich erkannt haben, welche ihm/ihr wichtig sind. Bewegungs-und Reisefreiheit und eine vielfältige Medienlandschaft stehen bei mir ganz oben auf der Liste.

So, liebe Leser. Nun drücken wir mal die Daumen, dass auch die letzten Mitmenschen verstehen, dass der Begriff Lockdown vom Englischen „to lock“ kommt und noch nichts mit „Lockerung“ oder „Verlockung“ zu tun hat und schon gar nicht mit „Sunblocker“ 🙂

Guten Rutsch morgen in ein gesundes neues Jahr 2021!

… ganz speziell an die gute S. aus HD am N. die keine Neujahrswünsche empfangen will 😉

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159) Corona-Lektionen 59

Kaum ist der Weihnachtsbraten verdaut und Winnetou hat in die ewigen Jagdgründe eingecheckt, rollen LKW mit Polizeischutz über Europa‘s Autobahnen. Ein Anblick der Hoffnung macht. Denn sie haben den heiß ersehnten Impfstoff geladen. 

Beim Impfstoff wird mir wunderbar klar, wie verzerrt manchmal unsere zeitliche Wahrnehmung ist. Die Wartezeit auf diesen edlen Tropfen fühlte sich elendig lang an, dabei sind doch gerade erst einmal 10 Monate vergangen, seitdem das Virus an unsere Türen geklopft hat. Ein Rekord ist das. In unserer „Bestellichmalebenonline“-Welt wird uns mal gesund ins Gedächtnis gerufen, dass die Dinge nun mal ihre Zeit brauchen und dass man das Zeug auch nicht bei der nächsten Packstation abladen kann.

Beim kurzen Freigang durch den Kiez fällt auf, dass nur zwei Drittel der Parkflächen belegt sind. Wo sind all die Autos hin? Sind die nach Bayern und ins Schwabenland gefahren? Na ob das so angebracht ist in diesen Tagen. Vermutlich war es eine gute Entscheidung, dass neue Jahr mit Homeschooling zu beginnen, so dass die Familien in der Wohnung ausdünsten können. Und es müsste mal langsam etwas kälter werden. Im Stadtpark herrschte ausgelassene Stimmung gestern. Da wurden Gewichte gestemmt und Beachvolleybälle übers Netz geschmettert.

Apropos Stimmung. Sylvester steht vor der Tür. Und das, was Umweltschutz, Tierschutz, Gesundheitsschutz und Lärmschutz, jahrelang nicht geschafft haben, macht dieser kleine fiese Virus nun mit einem Fingerschnipp. Ohne Finger sogar. Es gibt nun ein Böllerverbot an öffentlichen Plätzen und es gibt auch keine Böller zu kaufen. Ein Novum. Und dann gleich noch eine Primäre. Der Supermarkt um die Ecke informiert bereits frühzeitig mit einem Plakat und drei Ausrufezeichen, dass es ab 31. Dezember 14:00 keinen Alkohol mehr zu kaufen gibt. Ich glaube, dass gab‘s noch nie im Land der Germanen. 

Wird „Dinner for One“ nun noch schnell umgeschrieben? Stößt Butler James fortan mit Himbeer-Brause an? Werden LKW Konvois aus dem kalten Osten über die Oder zu uns kommen, um uns im Rahmen einer humanitären Aktion mit Polen-Böllern und Kartoffel-Fusel zu versorgen? Es bleibt spannend.

Bis bald. 

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157) Corona-Lektionen 58 (Merry Christmas)

Als ich im März Teil 1 dieser Reihe ins Netz gestellt habe, war mir nicht klar, dass jemals über 50 weitere folgen. Noch weniger war mir klar, dass uns das zu Weihnachten immer noch so sehr beschäftigen würde.

Wenn ich nun zurück blättere, finde ich aber bereits weihnachtliche Hinweise das ganze Corona-Jahr über.

In Corona-Lektion 13 (April) bezog ich mich auf Weihnachten 2019, diskutierte mit mir die Begriffe System-Relevanz und Normalität. Und ich baute meine erste Verschwörungstheorie auf.

In Corona-Lektion 26 (Mai) philosophierte ich über den Begriff „Lockerungsgaben“, überlegte ob und wie der Weihnachtsmann eine Maske tragen muss und ich habe öffentlich versprochen, eine Riesen-Party zu schmeißen, wenn der Spuk mal vorbei ist.

In Corona-Lektion 43 (September) warf ich einen Blick in die Glaskugel und versuchte mir Weihnachten 2020 vorzustellen. Und da lag ich gar nicht so falsch.

In Corona-Lektion 54 (November) schloß ich die Mutmaßungen zur Maskenpflicht für Weihnachtsmänner_Innen endgültig ab und stellte erste Überlegungen zum Jahr 21 an.

In Corona-Lektion 56 (November) beendete ich für mich die Adventszeit noch bevor sie eigentlich begonnen hatte.

Und wie isses‘ nun?

Ich habe mich noch immer nicht an die Pandemie gewöhnt, manchmal vergesse ich sie sogar zeitweise und dann fällt sie mir wieder ein. So wie eine bevorstehende Weisheitszahn-Extraktion.

Die Politik (besonders die im Süden des Landes) hat mit ihrem erhobenen Finger und dem permanenten „Seid schön artig und folgsam, sonst fällt Weihnachten aus“- Geblubber seit November soviel unnötigen Druck auf diesen einen „Tag“ gepackt, die Leute damit irre gemacht und zusätzlich in die Shopping-Center und Flaniermeilen getrieben.

Am 06.12.2020 gab es zwar Klo-Papier ohne Ende, aber der Glühwein war ausverkauft. Nur Kinder-Punsch war noch zu haben. Nach einem Flirt mit der system-relevanten Verkäuferin brachte sie noch 5 Flaschen aus dem Lager zu Tage. Ganz solidarisch nahm ich aber nur eine Pulle mit. Ich musste feststellen, dass Glühwein in der Wohnung nicht schmeckt. Daraufhin habe ich mich dann mit der Tasse auf den Balkon gestellt. Da ging es dann. 

Es gibt Aussicht auf Impfungen und ich kann hervorragend spekulieren, wann es das erste Zeug bei E-Bay gibt und ob ich Weihnachten 2021 vielleicht auch endlich so eine Packung unterm Baum liegen habe.

Ein Corona-Fall in der Schulklasse und das schlechte „Krisen-Management“ der Schule in den letzten Tagen beschert uns nun ein Weihnachten in kleinster Runde. Na wunderbar.

Ich wünsche allen Lesern ein schönes Fest. Rückt euch nicht zu sehr auf die Pelle, singt nicht so viel, zieht euch warm an und stoßt euch nicht beim Lüften.

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155) Corona-Lektionen 57

Umso länger die Pandemie andauert und wir mit den Einschränkungen zu leben haben, umso mehr erlebe ich in Gesprächen eine gewisse Müdigkeit, Sättigung und Frustration (…  manchmal auch in mir selber …). Kein Wunder.

Schließlich haben wir die Situation nun schon seit März. Ganze neun Monate. In der Zeit kann man ein Kind auf die Welt setzen! Vermutlich erblicken in diesen Tagen die ersten Corona-Kinder das Licht der Welt. Aber darum geht‘s mir heute nicht. 

Wenn immer ich mich niedergeschlagen und Corona-müde fühle, versuche ich mir dann zu sagen: Ja, is‘ doof, aber…“

Wenn ich mir die vielen Arbeitsstunden der letzten Monate anschaue, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber wenigstens hast du viel zu tun und kannst dich tagsüber von all dem da draußen ablenken“.

Wenn mir nach 38 Wochen Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber wenigstens musst du nicht jeden Tag mit Bus oder Bahn fahren. Sei froh, dass du zu Hause arbeiten kannst“.

Wenn ich mich mal irgendwie eingesperrt fühle, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber jetzt weißt du ansatzweise, wie sich Menschen in Hausarrest fühlen. Setzen die nur einen Schritt vor die Tür, warten draußen Geheimdienst oder Polizei.

Wenn ich mich in meiner Freiheit beschränkt fühle, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber jetzt kannst du fühlen, wie es in manch autokratischen Systemen abgeht, wenn dem Volk schrittweise Recht für Recht genommen wird. Erinnere dich! Denk‘ immer dran!“

Wenn mir die Maske mal wieder auf den Sender geht, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber die Kinder müssen die Dinger den ganzen Tag im Unterricht tragen. Die haben es doch eigentlich mit am schwersten oder? Überfüllte Klassenräume, Stoff vorm Gesicht, Fenster bei 2°C geöffnet und dann noch einen Test schreiben“.

Also, probiert es mal selber aus, wann immer ihr ins Zweifeln kommt.

Sagt euch:
„Ja, is‘ doof aber …“

Schönes Wochenende und behaltet die Nerven!
T.

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153) Corona-Lektionen 56

Üblicherweise tritt bei mir die Weihnachtssättigung immer am Abend des 26. Dezember ein. So war es zumindest in den letzten Jahren immer.

Der Druck fiel ab, nach den üppigen, gefräßigen Tagen konnte man endlich etwas relaxen und in die Weihnachtsferien gehen. Dieses Jahr habe ich die Sättigung bereits Ende November erreicht. 

Warum?
Obwohl ich noch keinen Weihnachtsmarkt betreten, keinen Glühwein getrunken und erst einen einzigen Lebkuchen gekostet habe, ist eigentlich schon genug. 
Ich war auf keiner Weihnachtsfeier, habe für kein Weihnachtsgeschenk im Laden angestanden und habe noch nicht einmal „Last Christmas“ gehört. Doch reicht es mir schon.
All meine Wünsche habe ich mir schon selbst erfüllt, nur um die deutsche Wirtschaft zu retten und  um mal ein anderes Gesicht im Homeoffice zu treffen. Auch wenn es „nur“ der wortkarge DHL-Mann war.

Seit Tagen wird das „große Fest“ auf allen Kanälen zerredet. Ob man sich denn nun treffen darf, wen man treffen darf und ob, wie und wie lange übernachtet werden darf. In den Hotels die eh geschlossen sind. 

Und schon fängt man selber an zu überlegen, ob das Kind noch unter die Altersgrenze fällt, ob man die Großeltern bei Minusgraden auf die Terrasse setzen kann, ob man gegenüber an einer Tafel sitzt oder besser doch im großen Stuhlkreis wie bei einer Talkshow. 

Gemeinsam singen sollte man dann besser auch nicht, auf Oma’s Schoß darf auch keiner hüpfen und Gesellschaftsspiele bei denen gebrüllt wird, sind tabu. Am besten wäre eigentlich, alle laden sich eine Weihnachts-App runter und begehen Weihnachten auf diese Weise. Still. Digital. In sich gekehrt. Mit viel Abstand. Bloß nicht sprechen, lachen oder singen. Klappe halten. Maximal eine WhatsApp-Nachricht aus der Küche. „Wollt ihr noch’n Glas Wein?“ oder „Noch‘n Stück Stolle?“ Getippt natürlich, nicht gesprochen.

Also meine Vorfreude ist mir eigentlich vergangen, noch nie habe ich … bzw. wurde ich … im November mit so viel Weihnachten beschäftigt. Oder will man uns eigentlich damit nur so lang wie möglich unterhalten, damit bloß keiner die unangenehme Frage stellt, wie es denn eigentlich im Januar weitergehen wird?

Sorry liebe Leser, ich will hier nicht den Grinch spielen und euch die Adventszeit versauen, aber besser wär’s doch, wir sagen das alles ab, gehen in den Winterschlaf und wachen kurz vor Beginn der Grillsaison wieder auf. Weiß jemand wie das geht?

<— Corona-Lektionen 55

—> Corona-Lektionen 57

Passende Beiträge aus anderen Zeiten:

—> Paket-Dienst
—> Eislaufen über 40
—> Mega-Slide und Super-Maus

152) Corona-Lektionen 55

Einleitung … Einleitung …? Nee, heute nich‘. Eher Verleitung … Fehlleitung … Irrleitung … und so. Schluss mit Wortspielen, wir steigen gleich ein.

Meinungsfreiheit
Für das Geschehen letzten Mittwoch, im Berliner Regierungsviertel und im Bundestag, fehlen mir immer noch die Worte. Da krakeelten Gegner der Anti-Corona-Maßnahmen zusammen mit Spinnern und Rechtsextremen und ließen sich dabei durch mitgebrachte Kinder vom Einsatz der polizeilichen Wasserwerfer schützen. Wie feige ist das denn! Und wer waren die überhaupt? Waren das wirklich die Leittragenden, deren Geschäft oder Existenz bedroht ist? Waren das die Kleinkünstler, Freiberufler, Kneipiers oder Kino-Betreiber, denen es aktuell wirklich nicht gut geht? Ich habe da so meine Zweifel. Vor die Kamera schafften es eigentlich nur zwei Gruppen von Teilnehmern. Die ach so „normal“ wirkenden Mitbürger, die aber nur dummes Zeug labern, dass man am liebsten abschalten würde. Und die gefährlichen Scharfmacher, die sich „geschickt“ am Vokabular dunkelster deutscher Vergangenheit bedienen und auch geschichtliche Ereignisse völlig verdrehen und für sich instrumentalisieren. Das ist so widerlich und einfach zu durchschauen. Wenn man nur hinhört. Also hört in! Auch wenn es schwerfällt.

Nachstehend ein Foto von einem Flugblatt, dass ich im Kiez gefunden habe. Ich habe eine Weile überlegt, ob ich diesem Blödsinn hier eine Bühne geben sollte oder besser nicht. Ich habe mich dafür entschieden, nicht weil ich das irgendwie gutheiße, sondern eher um vorzuführen, wie billig da Stimmung gemacht wird. Bloß gut, dass der Wisch gleich neben dem orangen Mülleimer hängt. Denn da gehört er hin.

Apropos Bühne
Ich hatte Gelegenheit, die jüngsten Auftritte von Grebe, Sträter, Böhmermann und Co. zu sehen. Schön, dass die wieder auf der Bühne sind, auch wenn ich das nur aus der Video-Tube genießen konnte. Aber bei all dem Geblöke da draußen, tun deren scharfsinnige Formulierungen und ihr intelligenter Humor echt gut. Da macht es durchaus Freude zuzuhören!

Einen schönen Sonntag!
T.

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151) Corona-Lektionen 54

Bevor ich morgen in meine 36. Voll-Homeoffice-Woche starte, hier noch ein paar Gedanken zum Sonntag.

Fernweh
Am Samstag war ich im Buchladen denn ich verspürte Lust auf einen bunten Bildband mit Reiseeindrücken aus warmen Gefilden. Thailand, Vietnam, Indien … irgendwas aus der Ecke. Nach 10 Minuten fühlte ich mich aber wie Truman Burbank unter der Glaskuppel. Dort wo ihm ständig suggeriert wurde, dass es doch in Seahaven auch schön sei und es keinen Grund gäbe, diesen beschaulichen Ort zu verlassen. So schrien mich die Buchrücken da förmlich an:

„Hiergeblieben“
„Entdecke Deutschland“
„Unterwegs in Deutschland“
„Wo Deutschland am schönsten ist“
„Wandern mit Kindern rund um Berlin“

… und so weiter

Reagiert der Handel hier auf eine Nachfrage oder haben die vielleicht die Ansage bekommen, solche Bücher in die erste Reihe zu stellen? Oder bin ich etwas hypersensibel? Nach etwas Mühe konnte ich dann noch „Schweden“ und „Norwegen“ entdecken, aber dass war auch nicht gerade passend gegen den November-Blues.

Weihnachten
Bereits in der Corona-Lektion 43 von Anfang September, hatte ich spekuliert, wie Weihnachten und Jahreswechsel diesmal wohl ablaufen. Beim nochmaligen Lesen muss ich feststellen, dass ich da vermutlich gar nicht so falsch lag. Bei einer Sache allerdings schon. Ich habe mich gefragt, ob Weihnachtsmänner die Maske wohl eher über oder unter dem Bart tragen werden. Nun fürchte ich aber, die Frage wird sich nicht stellen. Gebuchte Weihnachtsmänner werden wohl keine fremden Wohnungen betreten dürfen, nehme ich mal an. Wahrscheinlich gibts aber auch hier schon findige Geschäftsideen. Ein Weihnachtsmann-Besuch per Video-Konferenz oder so. Künftig müssen Weihnachtsmänner also neben Bauch, Bart und tiefer Stimme auch noch eine ausgeprägte Digital-Kompetenz mitbringen. Der Berufsstand hat’s echt nicht einfach und befindet sich in einer großen Transformation. Zunächst bekamen sie immer mehr Konkurrenz von den DHL-Boten und anderen Päckchen-Amazonen, dann blieb auch noch der Schnee aus und nun müssen sie Zoom, Teams und Skype beherrschen. Bei uns im Kiez auch noch auf Englisch, Französisch und Spanisch. Die Eltern wollen das so für ihr Kind.

2021
Zurück zum Jahreswechsel und zum Jahr 21. Die 21 scheint eine besondere Zahl zu sein. Vor 20 Jahren zitterte die Welt schon einmal vor einer 21 und hoffte, dass all die Computer den Datumssprung ins 21. Jahrhundert schafften. Nun sitzen die Menschen wieder vor einer 21 wie das Kaninchen vor der Schlage und fragen sich, was da wohl nun kommen mag. Geht’s nun aufwärts oder kommt das dicke Ding erst noch. Tja, wenn wir das nur wüssten, oder?

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 53

—> Corona-Lektionen 55

149) Corona-Lektionen 53

Schon wieder 5 Tage vergangen seit meinem letzten Beitrag? Meine Güte, die Zeit rennt. Es ist doch schon wieder so viel passiert. Wo fange ich nur an?

Der neue Teil-Lockdown …, nee.
Die jüngsten Infektionszahlen …, auch nicht.
Der designierte US-Präsident …, nein, nein.
Der Verband der Berliner Gaststätten …, im Prinzip nichts neues.
Das deutsche Forschungsunternehmen Bio…, ähm, nein.

Ich glaube, ich leide an einer multiplen Nachrichten-Überdosis.

Also gehe ich zurück zu den Überlegungen, für die diese Serie hier im März eigentlich mal ins Rennen gegangen ist. Was lernen wir vielleicht daraus und was macht das alles mit uns?

Drei Anlässe der letzten Tage:

Wortwahl
Mich hat zunehmend irritiert, dass in Nachrichten und Kommentaren künstliche Begriffe auftauchten, die zwar einfach zu verstehen waren, aber wohl deutlich die Realitäten verzerrten. Da gab es z.B. den Begriff „Corona-Gegner“ und „Anti-Corona-Proteste“. Selbst bei meinem öffentlich-rechtlichen Lieblingsradio-Sender tauchten diese Worte auf und ich fragte mich, wer hier eigentlich „Gegner“ von Corona ist. Darauf schrieb ich am 1. November eine e-Mail an den Sender, übte freundliche Manöverkritik und bat, sorgsamer mit solchen Begriffen umzugehen. Das Team antwortete schnell und sagte zu, dass intern zu besprechen. Gestern Morgen sprach man dann in deren Nachrichtenblock von „Gegner der Anti-Corona-Maßnahmen“. Das klang zwar sperrig, sagt aber wenigstens was es ist. Ob meine e-Mail nun ausschlaggebend war, vermag ich nicht zu sagen, aber es fühlt sich gut an. Man kann in angemessenem Ton über alles reden!

Leipzig
Beim Anblick der Leipziger Demo vom Wochenende kann mir nur schlecht werden. Da tanzten viele Polonaise und der Polizei auf der Nase herum. Ich ertappte mich bei einem spontanen Kommentar a la „Die Polizei sollte die doch einfach alle auseinander knüpp….“. In derselben Sekunde erschrak ich aber auch. Will ich wirklich, dass die Polizei eine angemeldete Demo auseinanderknüppelt? In Leipzig? Waren das überhaupt Leipziger? Schwierig. Manche von euch haben in den letzten Tagen vielleicht auch solche Ambivalenzen wahrgenommen … ?

Zündschnur
Und noch was Nettes zum Abschluss. Mein Stammhalter und ich lieferten uns einen Streit. Da prallte Homeoffice-Einzelhaft auf bockige Prä-Pubertät. Am Abend begruben wir das Kriegsbeil und pafften eine dicke Friedenspfeife (bildlich natürlich). Und dann sagte er so etwas wie:

Ach Papa, is‘ nich‘ so schlimm, die Zündschnur ist ja bei uns allen etwas kurz in diesen Tagen.

In diesem Sinne, Gute Nacht und ich wünsche ausreichend Verlängerungskabel für eure persönliche Zündschnur.

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<— Corona-Lektionen 1 (vom 13.03.2020)