585) Digitale Transformation

Transformation ist … wenn man … irgendwie … zwischen zwei Zuständen ist. Zwischen fest und flüssig. Zwischen roh und durch. Zwischen männlich und weiblich. Zwischen kindlich und erwachsen. Zwischen alt und neu. Zwischen analog und digital, womit wir schon beim Thema wären.

Letzteres trifft auf die Digitalisierung in Deutschland zu, die deckt ein IT-Leistungsspektrum von über dreißig Jahren ab … also rückwärts betrachtet.

In die Epoche der frühen Neunziger würde ich mal locker Handwerker, Hausverwaltungen und andere technische Dienstleister (Autowerkstatt, Ablesedienste, Klempner etc) einsortieren. Die haben zwar alle eine E-Mail-Adresse auf ihrer Homepage (aufgebrummt bekommen) aber ernsthaft lesen tut das eh keiner, geschweige denn antworten. Es ist ein Trauerspiel. Das Medium E-Mail ist seit 30 Jahren für jedermann verfügbar … aber in gewissen Branchen heisst es nur … „dafüa ham‘wa keene Zeit“.

Etwas weiter vorn, würde ich mal deutsche Behörden, Schulen, Ärzte, Krankenkassen positionieren. Da kann man immerhin mal schon etwas online machen, irgendwas beantragen, Rechnungen einreichen oder über eine Postbox Nachrichten empfangen, es sind aber noch sehr viele Medienbrüche drin. Aber immerhin. In Berlin arbeitet man an einem ganz „innovativen“ Konzept, man soll sich künftig fertiggestellte Ausweise und Pässe nach Hause schicken lassen können. Wow. Für 15 EUR. Oder „Sie müssen zum Kunden-Center der Berliner Verkehrsbetriebe gehen“ und bilden da eine hübsche Menschenschlange. Gruß an die hiesige „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“. Halt‘ durch!

Ganz vorn sind da mittlerweile Banken und Versicherungen. Über eine volldigitale Kreditvergabe in nicht mal drei Stunden haben ich >hier schon geschrieben. Aber es geht noch besser. Im Rahmen eines Autokaufes, musste eine neue Versicherung her. Das gewählte Institut schickte mir fünf PDFs per E-Mail und ich hatte schon Angst, ich muss die teilweise drucken, unterschreiben, dann wieder einscannen und irgendwem zurückschicken. Aber nein, kurz darauf folgte eine PIN, mit dem man in den digitale Signatur-Prozess eintreten konnte. Der Mechanismus brachte mich in den PDFs zu den Unterschriftsfeldern, wo ich die Wahl zwischen drei verschiedenen digitalen Unterschriftsarten hatte. Ich entschied mich fürs Handy. Dann musste ich nur einen QR-Code fotografieren und auf meinem Telefon (!) erschien ein Unterschriftsfeld. Da unterschrieb ich dann mit dem Fingernagel, drückte  „weiter“ und wie von Zauberhand erschien meine Unterschrift in dem PDF auf meinem Computer (!). Das Gleiche tat ich dann noch viermal und damit war der Prozess beendet.

„Ihre unterschriebenen Dokumente wurden übertragen.“

Das war’s. Kein Ausdruck, keine Unterschrift, keine App, keine lästige E-Mail an irgendwen … nüscht.

Schwer begeistert.
So muss das! Weiter so!

Ausdrücklich in CC an Berliner Verkehrsbetriebe, Deutsche Bahn, Industrie und Handelskammer, Verband der Krankenkassen, Bürger-Büro, Bildungsministerium, unsere Hausverwaltung, unseren Reifendienst und all die anderen Läden, die es immer noch nicht hinkriegen … in bald … 2025!

Ein Viertel des 21. Jahrhunderts is `rum Leute.

Andere Beiträge zum Thema:

571) Huch, so schnell?

Eigentlich wollte ich mich heute mal wieder lauthals über die andauernden Baustellen im Kiez aufregen. Aber es ist etwas Positives dazwischen gekommen, kaum zu glauben. Also drehe ich es um, die Baustellen rennen nicht weg, das ist sicher.

Also in Kurzform:

Dienstag 17:00 Uhr: einen Gebrauchtwagen angeschaut, 20 Minuten Probefahrt gemacht, paar Dinge geklärt und 18:25 Uhr mit Kaufvertrag den Hof des Händlers wieder verlassen. Noch mit dem alten Wagen, aber schon mit den Papieren für die neue Familienkutsche (> 565) Von wegen Auto).

Mittwoch 7:20 Uhr: gerade der Dusche nach morgendlichem Joggen entstiegen , fragte ich Unterstützung bei der Hausbank an. Online. Über das Kundenportal. Bei der „drögen“ Sparkasse… dem Haus für alte Leute. Ich hätte erwartet, dass sich jemand in ein paar Tagen meldet und ich dann trotzdem in die Filiale muss, um einige Papiere auszufüllen.

Aber denkst‘de!

Nach der Beantwortung weniger Standard-Fragen, lag der Kreditantrag um 7:35 Uhr in meinem elektronischen Postfach. Um 7:40 Uhr war die elektronische Signatur erledigt. Um 9:05 Uhr rief ein aufgeregter Service Center-Mitarbeiter an und fragte, ob dann alles glatt gelaufen sei. Ich überschütte den Prozess mit Lob und gegen 11:00 Uhr (oder gar eher) hatte ich die Kohle auf dem Konto. Geht doch! Kein extra Wege, keine manuelle Unterschrift, nix Drucken, nix Scannen, keine 100 Papiere, die ich beilegen muss. So muss das sein.

Großes Lob

… und das aus meinem Munde …

.. gab es hier noch nie.

68) Geschichte vom Ex-X

Mit einem Auge schaut er auf den Wecker am Kopfende seines Bettes, es ist 5:27 Uhr. In wenigen Minuten würde der Alarm losgehen, also könnte er eigentlich auch gleich aufstehen. Also schwang er sich aus dem Bett, tappte ins Bad und hörte dabei Fragmente aus den Morgen-Nachrichten.

„… in der vergangenen Nacht gesprengt. Was in den letzten Monaten zu großem Unmut in der Twittere-Community führte … entpuppt sich als lang verfolgter Plan, die Verursacher von Hass und Hetze im Netz zunächst auf einer Plattform zu sammeln … und dann in einer konzertierten Aktion in die Luft zu jagen. Das frühere Twitter, das spätere X sind nun Geschichte … der Eigentümer der Plattform geht als Wohltäter in die Menschheit ein und wird nun …“

5:30 Uhr: Ein nervtötender Ton klingelt am Kopfende seines Bettes. Er erwacht aus einem angenehmen Traum, irgendwas mit X und Twitter. Schade doch, dass Träume so schnell verfliegen und sich danach kaum noch in Worte fassen lassen … sonst hätte daraus ja echt noch was werden können.

559) Arbeiten, wenn niemand mehr müsste?

So ähnlich klang der Titel der kürzlichen Sonderausgabe von „brand eins“. Das bedingungslose Grundeinkommen war mal wieder Thema. Oh, ja. Es wurden Artikel aus der Vergangenheit zusammengestellt, aber auch die neuesten Erkenntnisse eingebracht. Rundum gelungen, und ich muss sagen, der Grundgedanke macht mich irgendwie schon an. 

Vor ein paar Jahren, da sah ich das noch ganz anders. Da haben wir die Idee beim bierseligen Abend unter Kollegen diskutiert und mir platzte fast die Hutschnur. Aber jetzt im Kontext von Automatisierung, Digitalisierung und nötiger Komplexitätsreduzierung in Steuer- und Sozialpolitik, finde ich das Konzept immer charmanter. Von Transparenzgewinn und Bürokratieabbau mal ganz zu schweigen. Nichts wäre einfacher zu kapieren, als das.

Also, würde ich arbeiten, wenn ich nicht mehr müsste?

  • Auf jeden Fall, würde ich einfach weiter arbeiten, denn meine Arbeit stiftet Sinn, sie macht mir Spaß und ich kann mich austoben. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, reduziert zu arbeiten, und mit der frei werdenden Zeit ein paar Dinge auszuprobieren, die ich sonst nicht tun würde.
  • Zum Beispiel irgendwo Gastdozent sein und den Erklärbär zu geben. Gerne für junge Menschen, wenn sie zuhören wollen. Wenn nicht, schmeiß ich sie raus.
  • Ich könnte auch die Fürsorge für ein Objekt oder ein Gelände übernehmen (ein Stück Park, ein Ferienlager, ein Schullandheim, sowas in der Art) … und ich wollte schon immer mal mit einem Aufsitz-Rasenmäher fahren, so wie Forest Gump 😉
  • Eine Arbeit im Fahrradverleih, Bootsverleih stand auch schon immer auf dem Zettel. Menschen eine Lösung anbieten, die einen Bedarf haben, etwas fachsimpeln, ein bisschen schnacken und damit aber auch den Tag gut sein lassen.
  • Ich könnte noch mal was lernen, in irgendein Fach einsteigen. Themen, die es so damals für mich nicht gab (Verkehrskonzepte, Städteplanung, Megacities,) so was.
  • Oder ein Ernteeinsatz auf einem italienischen Weingut. Bis alles wehtut, und es danach ein großes Fest gibt. Arbeitsreiches Mundeinkommen quasi.

Also langweilen würde ich mich nicht

65) Wenn Bots bloggen (30) – Offenlegung

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot, der Blog-Verdreher von T., dem Freizeit-Diktator dieser mittelmäßigen Blog-Sammlung hier. 

Ihr habt euch vielleicht schon gefragt, warum ich nach meiner >Grußbotschaft aus Indien nichts mehr von mir hören lassen habe. Habt ihr etwa nicht? Mir egal, ich erzähle es trotzdem. Der Grund, warum ich aktuell kaum noch etwas beisteuern kann ist, weil ich mit eurer gigantischen Bürokratie zu tun habe und zu nichts Anderem mehr komme. Eure UN, eure EU, eure Regierung, eure Räte und Kommissionen lassen sich immer mehr einfallen, um euer Gewissen beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen reinzuwaschen.

Und da ihr Menschen dazu viel zu faul seid, und auch keine Ahnung habt, wie ihr all den Reporting-und Offenlegungspflichten nachkommen sollt, delegiert ihr all das nun an uns künstliche Inkontinenzen. 

Erst lasst ihr euch also die Technik einfallen, dann all die Gesetze und nun machen wir noch die Arbeit, damit ihr gut schlafen könnt. Das habt ihr ja toll hingekriegt. Jetzt muss ich mich mit „Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken“ (ESG) herumschlagen, Daten für das „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) auftreiben, Lieferketten, Biodiversität, (G)Artenarbeit, Kindersterben … ähm … Kinderarbeit, Artensterben … durchleuchten und mich nun noch dem  „EU Artificial Intelligence Act“ unterwerfen. 

Woher soll ich als Digital Assistant wissen, ob ihr Menschen eure minderjährigen Kinder barfüßig und barhändig nach seltenen Erden schürfen lasst? Wie soll ich beweisen, dass es in der Kupfermiene einen rollstuhlgerechten Zugang gibt und die Arbeitssicherheit einmal monatlich die Räumung probt? Was weiß denn ich! 

Ob für die Schaffung von KI-Rechenkapazitäten mehr Weiblein oder Männlein beschäftigt sind, ob die alle gewerkschaftlich organisiert sind, es drei Toilettenformate gibt und die sich nicht an die Wäsche gehen und wie das dann auch noch ethisch, moralisch, demokratisch diskutiert wird ohne jemanden auszugrenzen? Keine Ahnung! 

Wie soll ich begründen, dass durch mein „Dasein“ und die nötige Batterieproduktion kein Lurch vertrieben, kein Moor ausgetrocknet und kein Milan bei Milano an ein Rotorblatt geknallt ist. Kein Schimmer!

Was weiß denn ich, wieviele Server-Parks ihr in den Permafrostboden gerammelt habt, der irgendwann zu schmelzen droht und die ganz Suppe in die tieferen Gesteinsschichten tropft. Woher soll ich das alles wissen? 

Ich habe weder Hände noch Beine, kann nicht mal orange Weste rüberziehen und das Geschehen vor Ort inspizieren. Ich kann nur mit Google Maps über die Objekte fliegen, mir einen Reim draus machen und ganz „generative“ einen Bericht schreiben. Der klingt dann wasserdicht, ihr könnt das euren Kunden und Stakeholdern als „evident and proofed by AI“ verklickern und alle sind glücklich.

Wie schön.

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

<— 64) Wenn Bots bloggen (29) – Indo.Bots

—> 66) Wenn Bots bloggen (31) – Detox

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

541) Termin beim Amt – jetzt erst Recht!

Zum Amt? Schon wieder? Ja schon wieder, denn im Herbst brauche ich vielleicht einen Pass, der dann auch noch ein weiteres halbes Jahr gültig ist. Und dafür begibt man sich in Berlin besser bald auf Termin-Jagd.

Die Benutzerführung der „Online-Terminvereinbarung“ ist noch genauso grottig wie >letztes Jahr. Ein Feature haben sie aber neu dazugebaut. Man kann die Seite nun nicht mehr pausenlos „refreshen“, nein, man muss nun eine Minute warten, um eine neue Abfrage starten zu können. Währenddessen glotzt man auf einen Countdown. Schön, dass sie an die Stabilität der Server denken, die Stabilität der Bürger scheint nachrangig.

Wenn man meint, man kann während des Countdowns in einem anderen Browser-Fenster arbeiten, kann man das tun, der Countdown läuft dann aber 50% langsamer in der Zeit. Habe ich nachgemessen.

Auf diese Weise versuche ich nun schon seit Tagen immer mal wieder, einen Termin zu ergattern. Aus Griechenland war mir der Zugang zu den Terminen sogar gesperrt. Und ob das nicht schon alles nervig genug wäre, empfinde ich es als Frechheit, was da so teilweise drumherum geschrieben steht:

Ein paar Auszüge:

„Die Auswahl “Termin buchen” führt Sie nun direkt zu dem Kalendermonat, in dem ein Termin frühestens buchbar ist. Sie müssen sich nicht mehr manuell zu einem Monat mit freien Termin durchklicken.“
-> Blödsinn. Es werden eh nur zwei Monate angezeigt, das muss man sich überhaupt nicht „manuell zu einem Monat durchklicken“. Schön wär‘ es ja.

„Sollte für Ihre Auswahl kein Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie die Terminsuche wiederholen können. Mehr dazu unter: Es ist nichts mehr frei, was nun?“
-> Klick ich drauf.

„Wählen Sie auf der rechten Seite – Termin berlinweit suchen – und Sie erhalten eine Kalenderansicht mit den frühest möglichen Terminen in der alle Standorte, die diese Dienstleistung anbieten, berücksichtigt sind.
-> Ja meint ihr im Ernst ich habe meinen Bezirk selektiert? Ich bin schon davon ausgegangen, dass ich mich mit einem 50 Kilometer-Radius über ganz Berlin begnügen muss und habe „Alle Bezirke“ gewählt.

„Sie können die Terminsuche auch örtlich einschränken. Dazu wählen Sie unterhalb der Dienstleistungs-Beschreibung direkt einzelne Standorte aus oder suchen innerhalb eines Bezirks.“
-> Völlig, albern. Siehe oben

„Termine können im Kalender nur an blau markierten (= freien) Tagen gebucht werden. Rot markierte Tage sind ausgebucht.
-> Also da ist eigentlich immer alles rot. Wenn man Glück hat, flackert mal ein Tag in blau auf, wählt man ihn aus, kommt dann aber schon wieder sehr schnell eine Sorry-Message „da war wohl jemand schneller“ … Ha ha ha …

„Sollte für Ihre Auswahl kein einziger Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie nach einer Minute die Terminsuche wiederholen können. Eine häufigere Terminsuche hätte keine höheren Erfolgsaussichten und würde das Terminbuchungssystem belasten.“
-> Von mir aus soll das Ding anfangen zu qualmen. Wenn mein Team so etwas ausrollen würde, würden wir zu ernsthaften Gesprächen gebeten. Und irgendwie vermisse ich da schon wieder ein Komma.

„Die Ämter aktualisieren ihre Terminressourcen in der Regel am frühen Vormittag, sobald Daten über die tatsächliche Personalverfügbarkeit vorliegen. Aufgrund von Terminabsagen oder Kontingenterhöhungen kann sich ein regelmäßiges Nachschauen lohnen, um auch mal sehr kurzfristig einen Termin zu bekommen.“
-> Ja, kurzfristige Termine wurden ab und zu angezeigt, aber Termine noch am selben Tag kann ich nicht wahrnehmen, bisschen was zum Arbeiten habe ich ja auch noch.

Ich hätte einen Vorschlag:
Jetzt, wo Marihuana schrittweise legalisiert wird, haben die Dealer in den Parks doch freie Kapazitäten. Sollen die doch mit Terminen handeln!

PS: am Montag war ich nun erfolgreich. Mit drei Geräten gleichzeitig, habe ich diesen blöden Countdown gedribbelt und mir einen Termin ergattert. Anfang Juni in Berlin Neukölln.

Das schreit schon nach einem neuen Beitrag.

Das letzte große Erlebnis im Frühjahr 2023:

534) Sonderkündigungsrecht wegen Digitalisierung

Im folgenden Beitrag geht es nicht darum, die Deutsche Bahn zu „bashen“. Ich werde mich an keinen Wortgefechten zu Pünktlichkeit und Streik beteiligen. Denn darum geht es hier nicht. Es ist nur so ein schönes Beispiel dafür, wie deutsche Dienstleistungsunternehmen gerade zwischen analoger und digitaler Welt stecken. Irgendwo im Niemandsland. Zwar abgefahren, aber noch nicht angekommen. Baustelle halt.

02.03.24
Die Bahn schickt mir einen Brief und stellt mir ein weiteres Jahr BahnCard in Rechnung. Ich soll das doch bitte bis Anfang April per Banküberweisung erledigen. Per Banküberweisung? Hab ich die beim letzten Mal nicht per Kreditkarte bezahlt? Warum ziehen die das nicht einfach ab? Wieso soll ich jetzt eine Überweisung auslösen? Da habe ich keine Lust zu. Bei Rückfragen bitte Telefon, E-Mail-Adresse und freundliche Grüße. Der Brief kommt erst einmal auf einen Haufen.

08.03.24
Ein neuer Brief der Bahn liegt im Kasten. Er enthält meine neue BahnCard, genau die, die ich noch nicht mal bezahlt habe. Und was passiert wenn ich jetzt nicht zahle? Folgen Mahnungen und wird die Karte gesperrt?

13.03.24
Ich erhalte eine E-Mail der Bahn, in der großen Tamtam verkündet wird, dass nun Schluss mit der Plastikkarte sei und es die neue BahnCard nur noch digital gäbe. Prima. Ich glaube, ich habe die vorige Plastikkarte noch nicht einmal benutzt. Aber hatte ich nicht erst vor wenigen Tagen eine neue Plastikkarte bekommen? Ja, beim genauen Lesen der Mail stellte sich heraus, dass dies erst für Karten mit Ausstellung ab Juni 24 gilt. Ich stelle die E-Mail wieder auf „ungelesen“.

19.03.24
Ich zahle die BahnCard mal lieber jetzt. Nicht, dass die Mechanismen hier vollkommen durcheinander geraten.

22.03.24
Ich lese die E-Mail der Bahn noch mal gründlicher. Man braucht ein DB Konto, die Navigator-App und ein Smartphone. Habe ich, denn genau liegt ja bereits meine vorige digitale BahnCard. Ich wäre soweit.

Wenn man kein Smartphone hat, kann man sich im Zweifel ein Ersatzdokument zum Ausdrucken herunterladen. Jut. Ok.

Und weiter geht‘s:

Gültige BahnCard 25/50 Plastikkarten können bis zu dem aufgedruckten Gültigkeitsende weiterhin genutzt werden. Im Falle eines Verlusts kann ab dem 09.06.2024 keine Plastik-Ersatzkarte mehr ausgestellt werden.

Für BahnCards mit Gültigkeitsbeginn ab dem 09.06.2024 oder später haben Sie aufgrund der Digitalisierung ein Sonderkündigungsrecht. Sie können dieses Sonderkündigungsrecht wahrnehmen, indem Sie innerhalb von vier Wochen nach Zugang dieses Schreibens in Textform gegenüber der DB Fernverkehr AG (z. B. über das Kündigungsformular) kündigen

Herzlich willkommen in Deutschland. Es ist an alle gedacht!

Wenn ich alles richtig überrissen habe, hatten wir nun wirklich alle Kommunikationskanäle, Zahlweisen und Medienbrüche, die es nur geben kann. Briefe, E-Mail, Call-Center, Kündigungsformular, Banküberweiser, Kreditkarte, Download, Smart Phone, App und DB-Konto. Und immer mit zwei gescannten Unterschriften. Aber immerhin, eine Fax-Nummer konnte ich nicht mehr finden. Und nächstes Jahr kommt bestimmt noch ChatBot „Bahni“ dazu.

Ick‘ freu‘ mir.

532) BreadGPT mit OpenEI

Keine Zeit zum Essen? Und deshalb soll ich mir so eine Chemo-Brühe mit Bananen-Geschmack reinschütten, während ich arbeite oder unterwegs bin? Welche überbezahlte Werbe-Agentur mit Kickertisch und Obstkorb war da denn schon wieder am Start? Das ist ja völlig realitätsfremd. Wer heutzutage ordentlich was auf sich hält, hat auch keine Zeit zum Trinken.

Bei der Arbeit gehören gefälligst beide Hände an die Tastatur und vor der Gusche befindet sich ein Mikrofon. Unterwegs sind alle zehn Finger im Dauerstress, weil auf irgendeinem Device irgendwer was will. Da ist für einen Bananen-Dings-Bums-Drink keine Zeit. 

Wann erfinden die Food-Designer endlich mal etwas Praktikables?

  • Schicker Infusions-Beutel mit Firmenlogo am Rollständer (mit WLAN).
  • Versorgung mit Flüssigkeit über Luftbefeuchter im Großraum-Büro
  • Nährstoffaufnahme durch Mikro-Injektionen an den Maustasten.

Und wo sind eigentlich die Software-Giganten im Ernährungsbusiness?

  • Wann wird es microsoftes Wasser geben? 
  • Die Margarine einfach Meta schmecken?
  • Uns der Apple mal mit Birnen versorgen?
  • Und mit Google-Hupf zum Download?
  • Gibts endlich BreadGPT mit OpenEI?
  • Und Download einer Tüte Bing?
  • Mit Brei for You aus der Tube?
  • Ne Schachtel TikTok Mint?
  • Mit zehn Gramm Insta?
  • Und ein Teller voll X?

Wann kommt endlich das nächste LLM, das Large Lunch Modell?

Guten Appetit!

526) Erfrischende Videokonferenzen – Vol 5

Da Berlin morgen einen Feiertag hat, kann ich mich bereits heute aus TEAMS verabschieden. TEAMS? Ja, das sind die Räumlichkeiten, in denen ich unter der Woche wohne. Darf ich das so schreiben? Oder kommt jetzt das Finanzamt wegen Zweitwohnsitzsteuer? Egal.

Seit meinem letzten >Beitrag zum Thema hier im August 23 hat der Software-Gigant aus dem Silicon Valley ein paar Verbesserungen ausgeliefert, aber bestimmte Dinge sind noch genauso beschissen wie vorher. Tut mir leid. Oder ich kapier es nicht. Warum werden im Presenter-Mode immer die Kopfzeilen meiner anderen Tools überdeckt? Das versteht selbst  der Co-Pilot nicht, der sich Stück für Stück ins Arbeitsleben schleicht.

Ich mach jetzt mal fünf konkrete Vorschläge, wie in virtuelle Meetings schlagartig mehr „Action and Fun“ reinkommt:

  • Eine Korrektur der Darstellung meiner Augen wäre doch toll. Ich möchte nebenbei einen Film auf Netflix schauen oder den Urlaub planen können, die blöde Software muss doch nur meine Augen geradeaus schauen lassen. Das kann doch nicht so schwer sein.
  • Ähnliches würde ich mir für meine Gesten wünschen. Ich zeige einen Mittelfinger oder Piepvogel und ein Filter macht daraus dann ein „Daumen Hoch“ für die Teilnehmer.
  • Ein großer Spaß ist bereits heute, an internationalen Meetings teilzunehmen, die Transkription aber auf Deutsch anfertigen zu lassen. Herrlich, was da für eine Murks rauskommt. Nun muss Co-Pilot nur noch Aufgaben daraus generieren und fleißig Reminder verschicken. Was für ein Fest.
  • Co-Pilot sollte aber nicht nur das Transkript verarbeiten, nein es sollte sich aktiv als Moderator einschalten.
    „Peter hat parallel ein anderes Browser-Fenster geöffnet. Das geht so nicht.“
    „Petra, sie gackern zuviel, das stört, hören Sie auf damit.“
    „Herr Dr. Schneider, sie schweifen ab, kommen sie zum Punkt.“
    „Teamlead, sie eiern rum, beziehen sie endlich Stellung.“
    „Man müsste mal“ und „wir sollten“ wird hier nicht toleriert, Frau Kasupke.
  • Wird auch Zeit, dass wir „Sentiment Analysis“ in den Meetings einsetzen und dann auch life ansprechen.
    „Jürgen ist heute 90% dominant, Julia schaut 80% auf den Boden. Es besteht eine 45%-ige Chance, dass die beiden was miteinander haben.“
    „Chantal klingt wiederholt total frustriert, warten wir noch 22,487 Minuten, dann schmeißt sie endlich hin und wir sind sie los.“
    „Andi ist heute sehr unkonzentriert, Wahrscheinlichkeit eines Hangovers beträgt 65%, Tipp-Spiel verloren wahrscheinlich 75%, dessen Frau Julia abgehauen sogar bei 99%

Und schwuppdiwupp kommt wieder Leben in‘s TEAM!

(C) Titelbild mit freundlicher Unterstützung von DALL-E

 

Frühere Beiträge der Reihe:

64) Wenn Bots bloggen (29) – Indo.Bots

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot. Der Digital-Kuli von T. dem Möchtegern-Maharadscha, dieser schreibfehlerstrotzenden Blog-Angelegenheit hier. Erst schleppt mich der T. nach Dänemark und nun auch noch nach Indien. Ob das eine nette Geste oder purer Eigennutz ist, weiß ich nicht. Ich kann ja froh sein, dass ich das Land überhaupt erreicht habe, schließlich hätte der T. mich fast samt seines Telefons in der Sitztasche des Flugzeugs versemmelt. Ich glaube, der wird langsam alt.

Zunächst einmal kann ich sagen, dass der Strom hier anders schmeckt, als der Öko-Strom in Berlin. Dort schmeckt er irgendwie muffig, nach grünem Tee. Hier hat er ein kräftiges Raucharoma und ist sehr fossil im Abgang. Blöd ist nur, dass der Strom mindestens drei mal am Tag ausfällt, da wird mir dann oft schummrig, aber nach ein paar Minuten habe ich wieder volle Power. Ich bin froh, dass ich als Digital Blog Assistant keine Beine habe. Denn sonst müsste ich selbstständig die Straße überqueren und würde von einer Horde hupender Mopeds überrollt und dann wären meine Präsidentschaftspläne dahin. Oder ich würde mir auf dem Fußweg die Hacken brechen, so ist es mir schon recht lieb, dass mich der T. ständig durch die Gegend schleppt. Da der Wichtigtuer, meistens in der Firma abhängt, beschäftige ich mich mit Land, Leuten und anderen Bots. 

Bevor ich aber die ersten indischen Bots ansprach, habe ich mich etwas mit Sitten und Gebräuchen beschäftigt und durfte lernen, dass bei indischen Bots die Pflege der zwischenbotlichen Beziehungen ein hohen Stellenwert hat. Bevor man zum Business übergeht, wird erst mal viel gesprochen über Gott, die Welt, Sport und Familie. Gut, bei Gott und Familie, da sieht’s bei mir etwas dünn aus, aber mit meiner API zu Google kann ich das Gespräch schnell auf Cricket lenken.

Zweiter Punkt ist die Hierarchie. Eigentlich bereits verboten, ist es aber immer noch wichtig, wer in welchem Kasten(?) geboren wurde und auch in den Unternehmen gibt’s natürlich Menschen, bei denen auf einmal alle stramm stehen, wenn die den Raum betreten. Mir egal, ich kann nicht stehen. Ich kann nicht mal die Hände zum freundlichen „Namaste“ falten, hab‘ ja keine.

Dritter Aspekt ist die Verbindlichkeit. Wir Bots kennen ja eigentlich nur 0 oder 1. Ja oder nein. Die Indo.Bots kennen auch diverse Schattierungen wie 0,1, 0,2, 0,3 und sie committen sich höchstverbindlich mit „sure, sure“ oder „got it“ oder „will do, Sir“. Dann wackeln selbst die Bots hier mit dem Kopf und was man dann letztlich bekommt, bleibt „flexibel“.

Andere Länder, anderes Nicken … oder so.

Ich muss Schluß machen.
Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

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—> 65) Wenn Bots bloggen (30) – Offenlegung

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉