350) Ausgeliefert

Auch wenn wir aktuell ja eher mit Hitze zu tun haben, hat der/die ein oder andere sicher schon einen Moment an den kommenden Winter gedacht. Und wird dabei durch die Zimmer gelatscht sein und drüber gegrübelt haben, wie man die Bude im Ernstfall halbwegs warm kriegt, oder?

Während Hauseigentümer vielleicht baulich noch etwas machen können, sind Bewohner von Wohnungen mehr oder weniger am Ar … kalten Hintern.

Mit der schmalzigen Melodie einer ehemaligen Allianz-Werbung gehts aber schon fast wieder:

„Denn wird kein Gas ins Haus geliefert,
bist du vollends ausgeliefert“.

Außer Energie sparen und gegebenenfalls eine Jacke überziehen, können wir eigentlich nicht viel machen. Ein Heizlüfter zu besorgen, das beruhigt zwar die Nerven, bringt aber auch nicht viel. Außer die Netzagentur zur Verzweiflung. Denn wenn zu sehr mit Strom geheizt wird, dann kommt’s erst richtig dicke. Denn dann ist es nicht nur „frisch“, sondern … auch eben auch … schnell … „aus“.

Ohne mich lächerlich machen zu wollen, kann ich dem aktuell eigentlich nur mit etwas „kühlem“ Humor begegnen:

  • Ich stelle den neuen Router zu meinen Fußen, der strahlt ordentlich Wärme ab.
  • Es gibt jeden Abend TK-Pizza aus dem Backofen oder wir stellen halt den Grill in die Küche.
  • Ich lasse mir lange Haare wachsen, um auch mal warm föhnen zu dürfen.
  • Wenn ich überhaupt dusche, stelle ich vier Schüsseln Instant-Nudeln unter mir auf.
  • Wir schauen jeden Abend Doku‘s über den Nordpol … dann wird’s erträglich. Ist alles relativ.

Aber zurück zum Ernst. Ich habe keine Ahnung wie ich dem möglicherweise entgegnen soll. Das Einzige, was mich etwas beruhigt, ist die Tatsache, dass ich in einem Altbau großgeworden bin. Ich weiß wie es ist, unter schweren Federbetten zu liegen. Ich weiß wie es ist, Eisblumen am Innenfenster zu haben. Ich kann gut erinnern, wie es sich anfühlt, morgens in ein kaltes Bad zu treten. Ich kann mit Kuscheljacke, dicken Hauslatschen und Teekanne umgehen. Und ich kann einen Ofen managen. 

Leider haben wir keinen Ofen …
aber …
we will get through this …
immerhin haben wir ein Dach über dem Kopf …
haben andere nich‘ …
also aufhören zu jammern!

Sag‘ ich jetzt mal eben so. 

 

338) Kalt und Heiß

Verfolgt man die Nachrichten dieser Tage wird einem kalt und heiß zugleich. Auf dem Teller mag ich solche Kompositionen ja sehr gern, aber im News-Cocktail komme ich gerade nicht mit.

Während sich Deutschland mit Blick auf den Winter unbedingt einfallen lassen muss, wie es die Grundversorgung mit Strom und Heizenergie sicherstellen und sich der Stammtisch schon überlegt, welches Mobiliar man gegebenenfalls verfeuern kann, ächzt Süd-West-Europa unter einer Hitzewelle und das Land der Teutonen kriegt auch bald was von ab. Deshalb denkt man nun über die Öffnung von Notfallbrunnen und … Wärmehallen … nee … warte mal … Kältehallen … nach.

Früher wurde es im Sommer auch schon mal sehr warm, aber da war man mit hitzefrei, Speiseeis und Dusche/ Rasensprenger ganz gut aufgestellt. Nach ein paar Tagen war es dann ja auch vorbei. Der eigentliche Feind der Deutschen war eigentlich immer die Kälte.

  • Obdachlosen wurden im Winter „gnädigerweise“ die Türen der Bahnhöfe geöffnet.
  • Ein Wärmebus fuhr durch die Stadt und Ehrenamtliche verteilten heiße Getränke.
  • Klingelte ein Gast an der Tür, bat man ihn herein und sagte, er solle sich doch erst einmal aufwärmen.

Von nun an alles anders?

  • Dürfen Obdachlose bald im Sommer in die Bahnhöfe, um sich abzukühlen?
  • Gibt es neben Kältehallen, bald Kältebusse und Kühlpilze?
  • Sind die Dachgeschosswohnungen, die aktuell geschaffen werden, lebensbedrohliche Backöfen?
  • Wird vormals so beliebte Südbalkon eine no-go-Area, denn wer es sich leisten kann, hockt im hochpreisigen Altbau-Keller?

Oh oh … da kommt was auf uns zu … und sowohl das Heizen im Winter, also auch das Kühlen im Sommer … kostet einen Haufen Energie … und wir sind überhaupt nicht drauf vorbereitet.

Schönen Sommer!

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336) Blick in die G(l)askugel

Verfolge ich die jüngsten Entwicklungen zur Energie/-Gasversorgung hier bei uns im Lande, erinnere ich mich an die Situation im Januar/ Februar 2020 zurück. Irgendwas rollte da auf uns zu, etwas Unbekanntes, etwas wovon wir nicht wussten wie sich das entwickelten würde und wo wir vielleicht insgeheim drauf hofften, dass es wohl nicht so „dicke“ kommen würde. 

Nach 2,5 Jahren sind wir nun schlauer, wie es dann mal eben doch kommen konnte. Fokussierung auf kritische Infrastruktur, Schließung von Betrieben, mehrfaches Herunterfahren/ Reduzieren des öffentlichen Lebens, gefolgt von Kurzarbeit und Lieferkettenproblemen, Absage gegenüber Kultur, Sport und Tourismus, Unzufriedenheit, Freiheitsgemaule, Sturm auf die Treppen des Reichstags … und so weiter. Muss ich nicht alles noch einmal aufführen, mag ich rückwirkend auch gar nicht kommentieren. Will eh keiner mehr hören. Denn jetzt ist erst einmal Sommer. „Und wir haben Spaß, haben Spaß, geben Gas, geben Gas.“

Besucher mit angeschlagenem Gemüt sollten jetzt vielleicht eine andere Lektüre wählen.

Ich will hier echt nicht den Miesepeter geben oder gar Panik verbreiten. Aber jetzt nur mal angenommen, es kommt zu einer nennenswerten Verknappung in der Energieversorgung. Durchlaufen wir dann im Prinzip alles noch einmal? Ist es das worauf wir uns einstellen sollten, in der Hoffnung, dass es schon nicht „so dicke“ kommt. Oder kommt es eben vielleicht doch dicker, weil dieser Herausforderung mit „Kino zu“, „Kneipe dicht“ und „Drei Wochen Kerzen im Advent“ nicht zu entgegnen ist? 

Ich meine, dass „Virus“ war ja eigentlich im Vergleich zum „Bären“ noch recht beherrschbar. Man konnte Maßnahmen probieren, drei bis vier Wochen beobachten und dann ggf nachsteuern. Auf Sicht fliegen halt. Aber geht das denn bei dieser aktuellen Herausforderung?

Besser ich packe die G(l)askugel wieder in den Schrank und schließe mit zwei Strophen aus „Ich will Spaß“ von Markus.


Will nicht spar’n, will nicht vernünftig sein
Tank nur das gute Super rein
Ich mach Spaß

Ich geb Gas, ich geb Gas


Und kost‘ Benzin auch drei Mark zehn
Scheiß egal, es wird schon geh’n
Ich will fahr’n
Ich will fahr’n, ich will fahr’n

Zwar in einem anderen Kontext geschrieben, aber irgendwie wieder aktuell.

Wie geht‘s euch damit? Auch etwas beunruhigt oder noch ganz entspannt und gechilled? Das Dach voller Solarzellen genagelt? Eine Bohrung zum Erdkern begonnen? Schon durchgerechnet, wieviele Klo-Papier man kaufen muss, um damit zu heizen?

Fragen…

275) Solar

Fährt man von Berlin in Richtung Norden stößt man sehr schnell auf Windräder, die links und rechts von der Autobahn stehen. Über Ästhetik, Abstände, Lärm und Vogelschutz wird viel diskutiert. Ich habe im Beitrag >Windräder auch schon drüber nachgedacht und bin da immer noch etwas zwiegespalten.

Weiter gen Norden kommen nun noch Solar-Parks hinzu. Die machen zwar keinen Lärm und stehen den Vögeln nicht im Weg, aber optisch sind die nun auch nicht gerade der Knaller. Klar ragen die nicht so empor wie die Windräder, man kann leichter drüber hinwegblicken, aber die Wiesen mit Glas und Metall zu bepflastern erinnert mich an die gigantischen Gewächshäuser in Süd-Spanien. Hier ein paar >Bilder bei Google.

Ich hoffe, dass es in Meck-Pom, dem „Land zum Leben“ nicht bald so aussieht wie bei Almería oder El Ejido. Selbst auf >Satellitenbildern sieht man das. Übel.

Da gefällt mir die Nutzung von Dachflächen für Solarenergie schon besser. Im Ampel-Koalitionsvertrag finden sich dazu ein paar deutliche Sätze auf Seite 56/57. Das ist vielleicht aufwändiger im Aufbau, aber auf den Dächern findet sonst wenig Spektakuläres statt, die kann man meiner Meinung nach gern mit solchen Panels vollstellen. Wenn das zunehmend verpflichtend und immer mehr gefördert wird, entsteht da eine riesige Nachfrage, da soll mal keiner sagen, dass die Umstellung der Energieversorgung Arbeitsplätze koste. Man sollte mal besser damit anfangen, die „Kumpels“ aus den Braunkohle/Steinkohlerevieren und die Bandarbeiter aus der Auto-Industrie auf Installation und Wartung dieser Technologie umzuschulen.

Mit der Nutzung der Dächer, sowie mit „Agri-und Floating-PV“, will man laut Koalitionsvertrag bis 2030 stolze 200 Gigawatt ermöglichen. What? Watt? Giga? 200?

Man sagt ein Gigawatt, ist über den Daumen gepeilt die Nennleistung eines AKW. Auf dieser Website https://www.energy.gov hier sind noch andere Äquivalente aufgeführt. Eine Zeitreise mit dem DeLorean von Doc Brown in „Zurück in die Zukunft 2“ zum Beispiel 😉 Oder eben 365 Windräder oder 3.125 Millionen Solar-Panels.

Und das dann bloß noch mit 200 multipliziert.

Mein lieber Scholli, alter Schwede und noch der ganze Herr Gesangsverein dazu … das sind Dimensionen

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73) Lampenladen

Meine Güte, was ist die Lampenwelt kompliziert geworden. Aber man sagt ja gar nicht mehr „Lampe“ oder „Birne“, es heißt stattdessen „Leuchtmittel“. 

Was war das früher doch einfach:

  • Im Wesentlichen gab es „Normal“ (E27) oder „Kerze“ (E14). Und dann nahm man halt 40 oder 60 Watt, die 100 Watt wurden nur zur Bescherung eingeschaltet. Wer’s etwas kuscheliger mochte, konnte sich mit 15 Watt etwas Muschebubu-Licht erzeugen. (Muschebubu … was für ein geiles Wort). Ja, und dann galt es, zwischen „klar“ und „matt“ zu wählen, und es ward Licht. Aber eigentlich hat man eh immer das genommen, was das Regal gerade so hergab. Und die Birnen, die man aktuell nicht brauchte, kamen in eine Kiste.
  • Anfang der 90-er Jahre traten dann Energie-Sparlampen in mein Heimwerker-Leben. Die waren schweineteuer und man sah in ihrem Licht so fahl aus, wie eine Wasserleiche. Ich würde mal sagen, die Lampen waren deshalb so sparsam, weil sie eigentlich nie wirklich „an“ waren. Meistens hatte man das Zimmer schon wieder verlassen, bis die Lampe endlich ein nennenswertes Licht abgab. Und es hieß sogar, dass häufige Ein-und Ausschalten tue den Lampen gar nicht gut, man solle sie lieber eingeschaltet lassen. Was für ein Irrsinn, habe ich doch immer eingetrichtert bekommen: „Licht aus, wenn du das Zimmer verlässt!“. Mein Lampen-Ordnungssystem fiel in sich zusammen. Fortan musste ich umrechnen. Kleine Tabellen auf den Packungen und Aushänge im Baumarkt, sollten den Umstieg zu erleichtern, wirklich dahinter gestiegen bin ich nie. Und die alten Birnen? Na die kamen in die Kiste. Zu schade drum.
  • Heute ist das Angebot an Leuchtmitteln gigantisch. In Form, Farbe, Dimmbarkeit, Leistung, Stromverbrauch und Anwendungsbereich. Mit der reinen Wattzahl kommst’de nicht mehr weit, du brauchst ein Semester in Elektrotechnik. Du musst wissen, was Lumen, Kelvin und Ra bedeuten. Ob du das Licht eher kalt oder warm magst. Ob du auf eine Fläche schauen willst oder auf einen Faden, den du dann noch Stunden später auf der Linse hast. Und wenn du in den Baumarkt fährst, packst du dir am besten etwas zu essen ein, denn es könnte eine Weile dauern, bis du dich da durch Gänge voller Lampen gearbeitet hast. Und wenn du darauf keine Lust hast, dann kannst du die auch online bestellen. Knapp 2.000 Artikel finde ich auf einer Glühlampen-Website. Fehlkäufe vorprogrammiert. Aber die kommen dann halt in die Kiste, denn die kann man ja noch mal brauchen.

Mittlerweile könnte ich auch einen Lampenladen aufmachen …

Disclaimer: Auf dem Foto sind eingetragene Warenzeichen zu sehen, rein zufällig, ich kriege keine Kohle, Äpfel oder Birnen von denen.

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6) Shop-Gebläse

Der Einzelhandel muss sich etwas einfallen lassen, um langfristig gegen den Versandhandel bestehen zu können. Das ist allgemein bekannt. In Shopping-Centern versucht man es mit Modenschauen, Kinderbetreuung und irgendwelchen D-Promis, die Autogramme schreiben. Bei den klassischen Ladengeschäften in Fußgänger-Zonen tut sich hingegen in der Richtung nicht viel. In manchen Shops wummert zwar Musik, in anderen gibt es eine Warte-Couch für die Herren und einige Läden bieten freies WLAN an. Das war es im Prinzip schon. Immer noch gibt es lange Warteschlangen an der Umleide und an der Kasse. Schnäppchen gibt es meistens nur in Größe S oder XXXL, wer konkrete Vorstellungen, hat verliert schnell die Orientierung und geht wieder frustriert nach Hause. Mit Anfahrt, Parkplatz-Suche, Laufwegen und Rückfahrt sind schnell drei Stunden Lebenszeit vergangen und das, was man eigentlich kaufen wollte, gab es nicht. Da sollten sich die Shop-Strategen mal etwas mehr einfallen lassen, um Kunden anzuziehen und irgendwie einladend zu wirken. Neuester Trend scheint hier der „Tag der offenen Tür“ zu sein. Und zwar sechs Tage die Woche. Die Türen der Shops stehen sperrangelweit offen, viele Läden haben schon gar keine Tür mehr, sonder nur noch faltbare Glas-Fronten. Draußen herrschen Minusgrade und aus dem Shop bläst die warme Luft hinaus. Kommt man gerade vom Friseur könnte man sich dort die Haare föhnen. Selbst ein Olivenbaum würde dort im Winter Früchte tragen und stünden dort ein paar Liegestühle, fühlte man sich wie beim Shoppen in Phuket Town. Es würde mich echt mal interessieren, wie das mit einer Wärmebildkamera aussieht. Was is’n das für ein energetischer Unsinn? Häuserwände müssen heute mit dicken Dämm-Platten zugenagelt werden, Fenster sind mittlerweile doppelglasige Hightech-Produkte geworden und unten im Erdgeschoss hängen die einfach die Tür aus? Ich meine, es muss ja nun nicht mehr unbedingt der dicke Leder-Vorhang sein, in dem man sich früher verloren hatte, als man einen Laden betrat und die Glocke über einem bimmelte. Aber irgendetwas kreatives muss den Ingenieuren doch da einfallen. Oder machen das die Shop-Betreiber nur, damit sie dieser Tage vor der Tür keinen Schnee schieben müssen?

Frühere Beiträge zu Einzel-und Versandhandel: