169) Corona-Lektionen 65

Berlin hat schon wieder Ferien. 
Oahhhh großartig!
Dann können wir endlich mal nicht wegfahren. 
Fantastisch, das wird sicher gut!
Wir könnten ja mal den Stadtpark entdecken. 
Toll! Ja, das ist ja mal ganz was Neues.
Stattdessen können wir ja auch mal zu Hause bleiben.
Wunderbar! Als täten wir das nicht schon seit Monaten. 

Homeoffice wird Homework
Da ich meinen Resturlaub nicht im Berliner Schmuddelwetter abbummeln wollte, entschloss ich mich für ein Job-Rotation-Programm. Also tauschte ich Laptop gegen Pinsel und verwirklichte mich die letzten Tage als Maler und Tapezierer. Zu Hause. Wo sonst. So stand ich drei Tage auf der Leiter und ließ die Farbrolle und Gedanken kreisen. Besser jetzt im Februar als dann im Sommer, wenn wir uns vermutlich alle wieder an der Ostsee die Ellbogen in die Rippen rammen. Wenn … , … ach lassen wir das.

Lesen 1
Beim Abdecken von Möbeln konnte ich die Zeitungen der letzten Tage ganz gut einsetzen. Bei den Anzeigen blieb meine Aufmerksamkeit einen Moment hängen. Die ganze Rubrik „Reisemarkt“ bot nur zwei Anzeigen. Im Schwarzwald hat man noch Betten, im Spreewald bietet die „Waldhütte“ neu ausgestattete Zimmer und Bäder. Hunde sind erlaubt. Bin mir nicht sicher, ob die wirklich Gäste suchen, vermutlich haben die ein Jahresvertrag mit der Zeitung und kriegen die Annonce nun nicht mehr raus. Die Traueranzeigen dafür, belegen neuerdings eine ganze Seite. Das war „früher“ nicht so oder täuscht das? 

Lesen 2
An den Abenden konnte ich ein Buch beenden, dass schon länger darauf wartete. Es ist schwere Kost, zu der ich in den letzten Wochen nicht immer Appetit hatte. Aber es war ein wichtiges Buch und es hat mich schwer berührt. Seweryna Szmaglewska, eine politische Gefangene aus Polen, verbrachte zwischen 1942 bis 1945 schwere Jahre im KZ Auschwitz-Birkenau und schrieb kurz nach der Befreiung ihre Erlebnisse auf. 450 Seiten Lageralltag in all seiner Brutalität und ausweglosen Monotonie. Dagegen ist unser Alltag aktuell das reine Vergnügen. Eigentlich halte ich mich ja hier mit Literatur-Empfehlungen zurück, aber dieses Buch sollte zum Standard-Werk für Heranwachsende werden. Ich behaupte mal, da lernt die Jugend mehr als bei Goethes „Faust“ oder Shakespeares „Romeo und Julia“.

Und sonst so? Morgen geht’s wieder auf die Leiter.

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168) Corona-Lektionen 64

Schon 45 Wochen im Office! Törrööööööö“. I made it. Well done.  Tschakka. Das Modem glüht, ich verlasse die Online-Meetings schon gar nicht mehr, denn dann muss ich mich beim nächsten Mal auch nicht mehr einwählen. Spart Zeit.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Homeoffice:
Am Montagmorgen stand ich im Badezimmer, schaute zerknautscht in den Spiegel und hörte bei der Zahnpflege wie immer die Nachrichten. Stau auf der B2 nach Berlin, Stau am Potsdamer Platz, Stau hier und da. Gab es nicht eigentlich einen eindeutigen Aufruf der Politik, vermehrt Homeoffice anzubieten? Wie kann denn da eigentlich ein Stau entstehen? Das, was mir so langsam auf die Ketten geht, ist bei anderen Firmen immer noch Sience-Fiction. Den Arbeitnehmer ohne Aufsicht zu Hause arbeiten lassen? Au weiha. Wie schlimm. Der pult bestimmt den ganzen Tag an den Fußnägeln oder glotzt Netflix. Liebe Arbeitgeber dieser Kategorie: Wenn ihr so denkt und mir dann einen Headhunter auf den Hals hetzt, vergesst es. Ich werde nie und nimmer bei euch anheuern. Nie! Spart euch Anrufe und e-mails.

Wortwahl:
Beim Online-Tagesspiegel sah ich neulich einen Aufmacher mit dem Titel „10 Überlebenstipps von Erzieherinnen: Wie Sie im Homeoffice mit dem Kind den Lockdown überstehen.“ Also beim Tagesspiegel werde ich auch nie arbeiten! Erstens falsch gegendert, zweitens überhaupt nicht zielführend und drittens völlig überdreht. Aber auch das eigentlich von mir sehr geschätzte „Heute Journal“ sprach von „Folterwerkzeugen“ der EU gegenüber AstraZeneca. Muss diese Wortwahl sein? Ist die Lage nicht schon angespannt genug? Also to do-Liste öffnen und neuen Eintrag aufnehmen. „Brief an ZDF schreiben.“

Selbsttests:
Ach wie wäre es schön, sich selber zu Hause testen zu können, ohne sich so ein Stäbchen bis an die Schädeldecke zu schieben, oder? Man arbeitet wohl dran und ich glaube das wäre ein riesiger Fortschritt. Du stehst morgens auf, schmeißt die Kaffee-Maschine an, tappst dann ins Bad und machst einen einfachen Test. Für Laien. Super. 

Aber jetzt stellt euch mal vor, man hätte eine App entwickelt, die Speichel auf Viren analysieren kann. Und die einzige Stelle auf dem Handy, die einen Sensor hat, ist der Home-Button. Glücklich sind die, die noch einen Home-Button haben;-) Und dann verlangt die App, man solle jeden Morgen beherzt … also von ganz unten … Speichel … ihr wisst schon … hervorbringen … und dann … treffgenau … auf den Home-Button … auftropfen … lassen.  Mindestens fünf Milli-Liter. Oaaaah. Was für ein Bild. Großartig. Mehr davon! Like it!

Ich nehme Wetten an, ob die Menschen so weit gehen würden 😉

PS: Bei der Gelegenheit sei meine Reihe SmartVid-20 empfohlen, die ich im ersten Lockdown Anno 2020 schrieb. Lest selbst.

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166) Corona-Lektionen 63

Die ersten drei Wochen Homeoffice, Homeschooling, Homedining, Homelunching, Homedingsbums in 2021 sind geschafft. Draußen ist es grau, feucht und düster. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Musik:
Jede Zeit hat so ihre Musik, oder? Und die ist im Kopf dann für immer fest mit diesen Epochen verknüpft. Gerade wenn es bedeutende Ereignisse sind. Seien es sehr persönliche Erinnerungen, wie die erste Liebe, Geburt der Kinder oder Schicksalsschläge. Oder eben auch weltbewegende, wie Mauerfall, 9/11 oder eben nun eine Pandemie.

Für mich bleibt bislang folgende Musik mit den letzten Monaten verbunden:

AnnenMayKantereit mit ihrem Moll-Album: „12“.
Beatsticks mit ihrem Kneef Cover: „Von nun an ging’s bergab“
Die Ärtzte mit ihrem Lock Down-Song: „Ein Lied für jetzt“
Seed mit der gute Laune Nummer: „Hale Bopp“

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass die alle deutschsprachig sind. Früher fand ich deutschsprachige Musik doof, mittlerweile kann ich ihr immer mehr abgewinnen. Denn gute Texte in Deutsch zu schreiben, dass muss man erst mal können.

Impfung:
Letzte Woche habe ich wiederholt durchs Telefon gebrüllt. 

Ich: „OMA, KANNST DU MICH VERSTEEEEHHEEEEEN???“ 
Oma: „Mhm, ja, nein, wie bitte?“
Ich: “HAST DU DEINE ZWEITE IMPFUNG SCHON BEKOMMEEEEEEEEEEN??“
Oma: „Was? Ihr könnt kommen? Ach, das wäre ja …“
Ich: “Nein, ich meinte ob du …“

Dann muss ich schlucken und nehme mir fest vor, Wörter mit „kommen“ vorerst noch zu meiden. Aber gestern erreichte uns die Nachricht, dass sie ihren zweiten -70 Grad kalten Impf-Cocktail bekommen hat. Erleichterung.

Und ich kann all die Impfgegner beruhigen. Sie lebt noch. Ihr gehts gut. Sie spricht auch nicht wie Bill Gates und die Wörter „Excel“ und „Word“ sagen ihr immer noch nichts. Sie ist munter und freut sich auf den Sommer.

Optimismus:
Den besten Satz seit langem, sprach die Radiosprecherin Mitte letzter Woche: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten“.

Uff. Noch einmal Erleichterung. Wer hätte das gedacht. Und ohne weitere Gewalt. Sehr gut. In den Tagen danach strebte Mr. Biden wieder zurück in Internationale Verträge und Organisationen. Das macht Hoffnung.

Schönes Wochenende allerseits und danke Anja S. für die kontaktlosen Zimtschnecken … 😉

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165) Licht

Die reduzierte Bewegungsfreiheit in diesen Tagen, finde ich persönlich gar nicht so dramatisch. Solange ich vor und nach dem Homeoffice noch joggen oder spazieren kann, komme ich damit klar und bleibe friedlich.

Diese Selbstverständlichkeit vor die Tür zu gehen, wird ein hohes Gut, wenn man an seine Wohnung gefesselt ist. So wie in anderen Ländern. 

Was mir aber gehörig auf den Sender geht, ist die Dunkelheit. Joggen vor der Arbeit? Noch dunkel. Spaziergang nach der Arbeit? Schon dunkel. Dunkelheit in der Winterzeit gab es auch schon vor Corona, logisch. Aber in diesem Winter ist es dunkler als sonst, oder? Ist es der allgemeine Gemütszustand? Der fehlende Trip auf eine Spanische Insel im Oktober? Der abgesagte Winterurlaub mit Sonne und Schnee? Oder einfach die Unfähigkeit, meinen Freigang auf die Mittagszeit zu legen?

Neulich habe ich ein Biopic über Thomas Edison und die Erfindung der Glühlampe gesehen. Unvorstellbar, wie heute eine Pandemie ohne Glühlampe ablaufen würde. Vermutlich gäbe es dann auch kein Netflix, kein Homeoffice und ein Buch bei Kerzenschein zu lesen, wäre auch kein Vergnügen.

Auch wenn ich die Art der Schweden und Norweger sehr mag, den Bullerbü-Kitsch und die roten Lattenhäuser und deren Fleischbällchen erst recht, aber in Stockholm dauert die Nacht im Winter bis zu 18 (!) Stunden. Kein Ort zum Leben für mich, das wird mir immer klarer.

Zugegeben, wenn es im Sommer kurz nach 04:00 Uhr morgens hell wird und die Vögel im Hof Rabatz machen, dann wäre das auch nicht so prall, aber mir aktuell sehr willkommen.

Und was macht man da nun?

Flutlicht von allen Seiten?
Foto-Tapete mit Strand und Palmen?
Höhensonne-Modus für Microsoft Teams?

164) Corona-Lektionen 62

Gestern habe ich meine 43. Woche im Homeoffice beendet. Ich habe in der Zeit kein Büro betreten, keinen Flieger, nix. Unglaublich. Zweimal habe ich ein Teammitglied auf einen Döner getroffen. Das wars. Mehr nicht. Den Rest des Teams gab’s nur über Teams. Ha ha, Wortwitz!

Bald habe ich ein Jahr voll und ich würde große Geldbeträge wetten, dass ich das Jahr noch deutlich überschreite. Denn mein Brötchengeber bittet mich wiederholt, nicht ins Office zu kommen, wenn es nicht zwingend sein muss. Wer hätte das jemals gedacht.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Ein Jahr Corona

In Corona-Lektion 14 habe ich versucht zu rekonstruieren, wann Corona das erst Mal nennenswert in den Deutschen Medien auftauchte. Nach meinen Recherchen war es der 22.01.2020 als die Tagesschau titelte: „Lungenkrankheit in China, Mehr infizierte durch Corona-Virus.“ Das ist nun knapp ein Jahr her. Seitdem haben wir 2-3 Lockdowns erlebt und es gibt die ersten Impfungen. Verfolge ich aber die Nachrichten der letzten Tage, habe ich das Gefühl alles geht von vorn los. Die neuen Virus-Varianten scheinen gefährlich, sie erreichen Deutschland und man befürchtet daher Schlimmes.

Wortwahl

Es gab da ein Statement aus einer der November-Lockdown-Light-Reden der Politik, was mich nicht in Ruhe lässt. Ich meine, es war sogar die Kanzlerin. Man sagte da, „ … man solle sich so verhalten, als hätte man selber Corona …“ und zielte dabei auf Vernunft, Abstand und entsprechende Hygiene ab. Aber das würde ja voraussetzen, dass die Spezies Mensch gern und ehrlich am Wohlergehen anderer Mitmenschen interessiert ist. Und da habe ich so meine Zweifel. Ich behaupte mal dreist, viele Menschen würden die Maßnahmen besser befolgen, hätte man gesagt: “Verhalten sie sich so als hätten alle anderen um sie herum Corona“.

Quarantäne

Gestern flatterte ein Brief des Gesundheitsamtes ins Haus. Nun haben wir es amtlich. In der Klasse der Tochter gab es einen Corona-Fall und wir sollen alle in Quarantäne gehen, auf keinen Fall Einkaufen oder zum Briefkasten. Zweimal am Tag bitte Fiebermessen. Und das Ganze voraussichtlich bis zum 27.12.2020. Aha. Gestern war der 14.01.2021. Der Brief ist datiert vom 05.01.2021 und enthält zwei Seiten Belehrung. Nun gut. Nicht falsch verstehen, ich will die Arbeit des Amtes nicht lächerlich machen. Die haben keine leichte Aufgabe aktuell. Es zeigt aber, dass die Sache aus dem Ruder läuft. 

So, nun will ich hier aber am Freitag gar nicht so schlechte Stimmung verbreiten. Freut euch, es ist Wochenende! Macht was draus! 

PS1: Ein guter Freund aus Potsdam hat mir heute was zum Lesen geschickt. Oh, da muss ich gleich mal die Inzidenzen dort checken, ob ich das überhaupt anfassen darf.

PS2: Mit einer sehr geschätzten Kollegin habe ich heute über die neue Gendergerechte Sprache geplaudert. Da habe ich auch schon einmal drüber nachgedacht in 34) Schäm dich! Aber ich muss wohl noch dran arbeiten, sonst fliegt mir der nächste Brief ins Haus.

Also liebe BloggerInnen, LeserInnen und FreundInnen. Genießt die Tage, weniger draußen … eher Innen 😉

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156) Headset-Dialoge

Vor Corona habe ich auch schon viel von zu Hause gearbeitet, nun aber, seit Mitte März, bin ich zum full time-Homeworker geworden. Ich war nicht einmal auf Reisen, habe kein Büro betreten.

Stattdessen trage ich den Großteil des Tages mein Headset auf den Ohren und rede mit den Kollegen überall auf der Welt. Und mit den Menschen, die dann zwischendurch hinzukommen. Das kann interessante Gespräche ergeben.

Aber lest selbst:

1. Der Sohn schleicht hinein, macht auf sich aufmerksam und flüstert

Sohn: Papa, darf ich auf dem Handy spielen? Mit der Schule bin ich fertig.
Ich: N …
Chef: Ok, dann schickst dir mir das bis Ende der Woche?
Ich: Nei … nja, natürlich.
Chef: Deal!
Sohn: Wie lange darf ich?
Ich: Ein halbe …
Chef: Wie lange bis du heue noch erreichbar?
Ich: Drei Stunden
Sohn: Cool, Danke Papa.
Ich: grmpf…

2. Ich bin wieder im Meeting, es klingelt an der Haustür

Ich: Ja bitte?
Bote: Päckchen für Sie!
Ich: Fünfter Stock bitte.
Bote: „Kann ich es in den Fahrstuhl legen“
Ich: J…
Kollege: Aber dass können wir doch im 4 Wochen verschieben, oder?
Ich: J…nei… j … nein, auf keinen Fall!
Paket-Bote: Aber, warum nich`?
Kollege: Warum nicht?
Ich: Na weil … also … ach … macht doch was ihr wollt!

3. Und wieder klingelt es, diesmal an der Wohnungstür

Ich: Hallo, kann ich helfen?
Ablesedienst: Tach, ich will den Zählerstand ablesen.
Ich: Ja, klar. Geradeaus und dann links und dann …
Kollege: Und was denkst du, wo wir da terminlich rauskommen?
Ich: … unter dem kleinen Waschbecken rechts.
Kollege: Willst du mich verarschen?
Ich: Nein.
Ablesedienst: Und wo ist der Stromzähler?
Kollege: Also jetzt mal im Ernst, wo kommen wir raus?
Ich: Hinter der weißen Klappe bei der Garderobe.
Ablesedienst: Sonst noch wo?
Kollege: Ähm … geht‘s dir gut?
Ich: Nein danke. Bis zum nächsten Jahr.
Kollege: Gut, dann bin ich jetzt weg!
Ich: Warte!

Alles frei erfunden, aber so ähnlich isses doch oder 😉

Unterhaltsam? Dann könnte der hier auch gefallen:

—> Paket-Dienst

148) Corona-Lektionen 52

Morgen beende ich meine 34. Woche im Voll-Home Office, gleichzeitig die erste Woche des neuen Teil-Lock Downs. Nix besonderes eigentlich, machen andere auch. Trotzdem warten ein paar Gedanken auf schriftliche Fixierung.

Corona-Maßnahmen
Die sind, wie sie sind. Könnt ihr woanders nachlesen. Auch wenn ich diese Regeln ernst nehme, nervt mich kolossal, dass wir das alles lesen sollen. Wir müssen uns nun Z.B. informieren, in welcher Straße Berlins der Schnuten-Pulli verpflichtend ist. Wäre das nicht mal ein interessantes Feature für die Corona-App? Selbst die große Daten-Krake mit G* hat zwar ein Corona-Layer in seiner Map, aber die färbt ganz Berlin nur orange ein, statt mir zu sagen, wo ich nun eine Maske tragen sollte, um keinen Ärger zu kriegen. 

Karten
Und überhaupt habe ich den Eindruck, ich glotze nur noch auf Karten. Auf die Johns-Hopkins World Map, RKI-Map Deutschland, Corona-Map Berlin. Die Maps, die ich mir im Job anschaue. Den Regen-Radar. Nun noch die Map zur US-Wahl. Und eigentlich auch ganz gern die WordPress-Map, die mir anzeigt, wo auf der Welt meine Leser sitzen. Ich war noch nie so wenig unterwegs wie dieses Jahr, habe aber mehr Bundesländer, Bundesstaaten und Landstriche der Welt kennengelernt wie je zuvor. Ich strebe eine 1+ in Geographie oder die Saal-Wette bei „Wetten Das“ an.

Und sonst so?
Die jüngsten Ereignisse in Nizza, Paris und Wien stimmen mich nachdenklich. So etwas könnte in Berlin jederzeit auch wieder passieren. Gab’s ja schon, Diese Bilder zeigen aber auch, dass wir neben diesem beschissenem Virus noch ganz andere Dinge zu meistern haben. Von Ökologie, Migration, Digitalisierung, Arbeitsmarkt etc mal ganz zu schweigen. Man mag ja schnell auf die „da oben“ schimpfen, die aktuell das Sagen haben, aber wirklich tauschen möchte ich mit denen auch nicht.

In diesem Sinne … machen wir das Beste draus und tragen zur Beruhigung der Lage bei.
Grüße aus der Hauptstadt

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136) Corona-Lektionen 44

So, die Ferien sind überall beendet, die Kids gehen wieder in die Schule, selbst ins Kino kann man wieder gehen und die Bundesliga öffnet schrittweise die Stadien.

Die Infektionszahlen gehen leicht nach oben, es sind aber eher jüngere Menschen betroffen, die feiern das locker weg.

Prima, dann ist ja „allet jut“, oder? Nun können wir uns der Afrikanischen Schweinepest widmen und unsere Erfahrung weitergeben. Sollen die Schweine erst einmal Masken tragen. Dürfen die halt ihre Schweine-Oma ein halbes Jahr nicht besuchen. Und sie müssen mal häufiger ihre Hufe waschen und Abstand halten. A-H-A heißt das Rezept, mein liebes Schwein!

Aber zurück zu uns Menschen:

  • Ich habe seit 10. März kein Büro betreten, ich muss das auch nicht haben. Aber es zeigt, wieviel Respekt manche Unternehmen davor haben, wieder unkontrolliert Tür und Tor zu öffnen. 
  • Andere Firmen kommandieren ihre Leute zurück, als wäre nichts gewesen. Hoffend, dass die Homeoffice-„Phase“ endlich überstanden ist und sie nun wieder volle Kontrolle über ihre Human-Ressourcen haben. Na wenn ihr euch da mal nicht irrt.
  • Wieder andere verkleinern ihre Offices, weil sie die nicht mehr finanzieren können oder gelernt haben, dass die Mitarbeiter zu Hause eben doch nicht nur Netflix schauen. Krankmeldungen sind zurückgegangen, die üblichen Gängeleien am Arbeitsplatz auch und so manch überflüssiger Kaffee-Klatsch ebenso.
  • Bin ich als Fußgänger unterwegs und ein Jogger überrennt mich fast von hinten, dampft mir seinen Atem ins Ohr, zucke ich jedes Mal zusammen.
  • Zudem tingeln naive oder dumme Menschen infiziert von Club zu Club und bringen Kneipiers und Hoteliers an den Rand der Verzweiflung.

Also. hier ist noch lange nicht „allet jut“

Und nun wieder zu den Schweinen:

Tja, macht euch mal schnell noch ein Schnitzel oder eine Frikadelle, Boulette oder Pflanzerl! Asien nimmt das Schweinefleisch nicht mehr ab, es wird schnell billiger, aber eben auch enger in den Ställen. Was den Tierschutz wieder lauter auf den Plan ruft. Und irgendwann zu größeren Tier-Tötungen führen könnte. Was wiederum die Fleischwirtschaft schon wieder in die Nachrichten bringt. Diesmal geht es dann aber nicht um den prekär beschäftigten Schlachtarbeiter dort, sondern um das arme Schwein selbst.

Knack macht‘s! … Was war das?

Möhre …

… mit Quark.

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129) Corona-Lektionen 38

Gestern bin ich in die 22. Homeoffice-Woche gestartet. Die Kids allerdings nicht, in Berlin war gestern wieder Schulbeginn. Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen.

Schule:
Die Schulen sind nun wieder voll geöffnet, allerdings mit diversen Maßnahmen, die Lehrer und Schüler nun zu beachten haben. Gestern hatte ich die Gelegenheit, das bunte Treiben vor der Schule zu beobachten. Die Realität sah ungefähr so aus. Vor dem Schulzaun treffen sich die Kids, haben sich lange nicht gesehen, Küsschen links/rechts, Umarmung. Like it, Peace, LOL. Kurz vor dem Schultor wird schnell die Maske aus der Hosentasche gezaubert und vor die Schnute gehangen. Wenn ich nur daran denke, dass in dem Gebäude nun 700 Menschen aufeinander hocken, wird mir ganz anders. Nach wenigen Stunden standen die Kids schon wieder hier auf der Matte. Erst mal nur „Orientierung“ in den nächsten Tagen, „Belehrung“ und „Vorbereitung“. Kopfschütteln meinerseits. Sind wir nicht eh schon deutlich hinter dem Lehrplan? Als Vollblutskeptiker sehe ich die Kids nach einer Woche Vorbereitung schon wieder im Home Schooling.

Homeoffice:
Neulich dachte ich über das Gegenteil von Homeoffice nach. Ursprünglich als Ausnahme gedacht, beschreibt Homeoffice ja die Büro-Arbeit von zu Hause. Gibt es eigentlich auch einen Begriff für die Arbeit im Büro der Firma? So selbstverständlich ist diese Arbeitsform ja nicht mehr und wird sie nie wieder werden. Legen wir bald einen Tag im „Onsite Office“ ein? Oder im „Corporate Office“ ein? Schatz, ich fahre morgen mal wieder ins „Formal Office“. Schaue ich in meinen Kleiderschrank hängen da die Hemden und Anzüge, wirken wie aus einer anderen Zeit zu uns geschickt. Wie Ballast. Mein Bauch sagt mir, dass ich die Klamotten noch längere Zeit nicht tragen werde. Alles auf einen Haufen, hübsches Feuerchen machen, dieses Kapitel abschließen?

Dienstreise:
Auch das dienstliche Reisen erscheint mir wie eine längst vergangene Mode. Lufthansa, Austrian Airlines, TAP und schicken mir regelmäßig e-mails und buhlen um Aufmerksamkeit. Da gibts 10.000 Meilen on top, wenn ich einen großen Koffer kaufe. Man bedaure, dass man derzeit den gewohnten Service nicht bringen könne. Meine Meilen sind mir für weitere drei Jahre gesichert und garantieren bestes „Flugerlebnis“ und noch mehr „Privilegien“. Nach Wien könnte ich mal wieder fliegen, für nur 109 EUR, mit Rückflugversprechen. Na immerhin. Alle Vielfliegerkarten auf den Tisch, haushaltsübliche Schere greifen und Schnipp-Schnapp? Ist diese Epoche beendet? Alles Geschichte?

Der durchsichtige Kulturbeutel mit der kleinen Reise-Kosmetik steht völlig deprimiert im Regal. Keiner beachtet ihn. Sollte ich mal aufbrauchen das Zeug, sonst erreicht das bald das Mindesthaltbarkeitsdatum oder zerfällt zu Staub.

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16) New Work – Teil 7

Fortsetzung …

Gong: „Noah, es ist 07:55 Uhr“, spricht es aus der Zimmer-Decke. „Das geplante Meeting 08:00 Uhr ist abgesagt, stattdessen spricht der CEO zu den Mitarbeitern. Man erwartet pünktliche Teilnahme via Holo-Con.“

Noah räumt schnell noch ein paar persönliche Dinge aus dem Weg, denn wenn der CEO zu ihm spricht, sollte es doch halbwegs ordentlich aussehen in seiner Micro-Flat.

Gong: „Noah, die Holo-Con beginnt in T minus 5, 4, 3, 2, 1.“  Wie aus dem Nichts baut sich der CEO in seiner kleinen Wohnung auf und beginnt seine Ansprache. „Liebe Mitarbeitenden“, „lieber … Noah … “, personalisierte man sein Anliegen mit eingeschobener Roboter-Stimme. Unternehmensberatungen rieten jüngst zu dieser Form der individualisierten Ansprache.

„Ungewöhnliche Zeiten erfordern drastische Maßnahmen“, setzte er fort. „Die Entwicklung der Geschäftszahlen seit Beginn der Pandemie, mache radikale Veränderungen notwendig“, schlussfolgerte er und begann die Kernpunkte zusammenzufassen:

  1. Ab sofort werde das Arbeitsverhältnis derer, die seit Mitte März nicht mehr in der Firma waren, vollständig virtualisiert. Wer seither nicht wirklich vor Ort gebraucht wurde, soll künftig nur noch „off-site“ arbeiten. Circa 95% der Büro-Flächen werden abgestoßen.
  2. Für den Fall, dass Human-Ressourcen einen Bedarf an persönlichem Kontakt verspüren sollten, wurden entsprechende Verträge mit Shared Working Spaces verhandelt, die diskreten Aufenthalt bei guter Infrastruktur anbieten.
  3. Sozialleistungen werden auf ein Minimum heruntergefahren. Eine ausgewogene Ernährung und sportliche Betätigung wurden als weiterhin förderungswert eingestuft und können über die bekannten Fast Food-und Fitness-Ketten abgerufen werden. Auch hier wurden entsprechende Kontingente verhandelt.
  4. Bisherige Arbeits- und Tarifverträge seien nichtig. Künftig werden Arbeitspakete ausgeschrieben, interessierte Mitarbeitende können sie online ersteigern. Der Download der Arbeit, die zeitgerechte Erbringung, die Bewertung, die Vergütung und Abführung der Steuer und SV-Beiträge laufe künftig „on demand“, auf Stunden-Basis, abgewickelt über eine App.
  5. Die Zuordnung der Human-Ressourcen zu Führungskräften ist damit hinfällig, letztlich ist über das Arbeitspaket definiert, was zu leisten ist. Es wird eine Führungsspanne von „0“ angestrebt. Der Begriff „Arbeitnehmer“ wird fortan nicht mehr genutzt, konsequenterweise ist auch eine „Arbeitnehmervertretung“ obsolet.
  6. Jegliche Hardware und sonstige in Nutzung befindliche Ausstattung ist binnen 48 Stunden zurückzuschicken. Basierend auf früheren BYOD-Konzepten, wird eine UYOD-Device-Policy eingeführt. Mitarbeitende, die künftig Arbeitspakete downloaden wollen, nutzen nur noch eigene Hardware.

Nach den ersten 6 Kernpunkten schweifen Noahs Gedanken ab. Der CEO spricht zwar weiterhin, unterstreicht seine Nachrichten mit großer Gestik. Aber Noah hört nicht mehr wirklich zu.

„ …und deshalb sind wir überzeugt, dass wir mit diesen Maßnahmen die Weichen für die Zukunft des Unternehmens gestellt haben und laden sie ein, uns dabei zu begleiten. Eine „Almost Manless Company“ bringt zwar auch einige Herausforderungen mit sich, aber Börsenanalysten bestätigen uns für diesen Weg“.

Gong. „Ende der Nachricht.“

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