248) Das Jahr 2050 – Teil 2

Wie vor ein paar Tagen gepostet, hat mich das Buch „Deutschland 2050“ von Nick Reimer und Toralf Staud kalt erwischt. Oder sollte ich doch lieber sagen „heiß“ erwischt? Ich will hier nicht das ganze Buch wiedergeben, nur ein paar Stichworte notieren und euch empfehlen, das Buch zu lesen oder zu hören.

Vorab schon mal: „Zieht euch warm an“ … oder besser doch nicht …:

Kapitel 1-3:
—> Teil 1 des Beitrags

Kapitel 4 „Wasser“:
—> Starkregen und Überflutungen im Wechsel mit Dürren und Wasserknappheit

Kapitel 5 „Wald“:
—> 
Waldsterben, Waldbrände, Zerstörungen, Rauch, Atembeschwerden

Kapitel 6 „Städte“:
—> Hitze, Smog, mangelnde Kanalisation, Flächenversiegelung, fehlende öffentliche Kühlräume

Kapitel 7 „Küsten“:
—> Erosion, Eisschmelze, Anstieg Meeresspiegel … wer etwas „spielen“ mag kann sich hier mal die Simulationen anschauen https://sealevel.climatecentral.org/maps/

Kapitel 8 „Verkehr“:
—> Verkehrskollaps, Infrastrukturschäden bei Bahn, Straße und Schifffahrt, gigantische Mehrkosten für Unterhalt und Aufrüstung

Kapitel 9 „Wirtschaft“:
—> Lieferketten und Warenströme unterbrochen, Knappheit an Rohstoffen, Kühlung von Industrieanlagen, Überhitzung von Leichtbauhallen, Havarien, Produktionsausfälle

Kapitel 10 „Landwirtschaft“:
—> Metan-Ausdünstungen der Viecher, Ernteausfälle, Schädlinge, Spätfröste, neue Sorten müssen gefunden und Bauernregeln neugeschrieben werden, das „flüssige Gold“ der Zukunft ist nicht mehr der Wein, sondern das Wasser. Schluck

Kapitel 11 „Energie“:
—> 
Unterbrechung der Energieversorgung, wenig stabiler Wind, mehr Sturm, Hagel auf Solar-Dächern, instabiler Boden, steigende Energiebedarfe durch elektrische Mobilität, Klimaanlagen und Server-Parks 

Kapitel 12 „Tourismus“:
—> 
Viktoriafälle trocken, Sandstrände verschwunden, Ski-Paradiese, Luftkurorte, Tauchreviere futsch, Bangkok unter Wasser, Jakarta und Venedig komplett weg, Mittelmeerraum unerträglich heiß, Erholungsurlaub im Norden hat Konjunktur

Kapitel 13 „Sicherheit“:
—> Feuerwehren überfordert, Katastrophenschutz aus dem letzten Jahrtausend, Waldbrände, Hagel, vermehrte Blitzeinschläge, Zwischenstaatliche Verteilungskämpfe, Arktis-Konflikt unter NATO-Beteiligung, Food Riots, Ungekannte Migrationen und Menschenströme in mildere Gefilde …

…. ich höre jetzt mal besser auf.

Ich muss das erst einmal sacken lassen, aber eines wird klar, es wird verdammt ungemütlich hier bei uns. Und noch einmal sei gesagt, dass es sich bei dem Buch nicht um Science Fiction handelt

Mir ist völlig schleierhaft, wie wir diese Baustellen als Gemeinschaft meistern und bezahlen wollen, wenn wir noch nicht einmal so einen blöden Virus „trockenlegen“ bzw „ausräuchern“ können.

Ich melde mich noch einmal dazu

<— Das Jahr 2050 – Teil 1

—> Das Jahr 2050 – Teil 3

247) Wintermärchen

Der Wochenendausgabe der Zeitung liegt ein Sonderteil mit dem Titel „Wintermärchen“ bei. Ausgesuchte Hotels und Regionen in den Alpen werben um solvente Gäste.

Die besten Passagen für euch zusammengestellt und kommentiert:

    • „Die Urlaubsmomente-Sammelei kann beginnen. Schafft Erinnerungen, an die Ihr euch später gern mit einem Lächeln zurückerinnert. Stillt das sehnsüchtige Gefühl nach einer winterlichen Auszeit bei uns am Achensee.“
      Urlaubsmomente jetzt in jedem siebten Sammel-Ei?
    • „Ein großzügiges Beauty- und Massage Angebot verschönern ebenso Ihren Urlaub, wie das Hallenbad mit dem vorgelagerten Außenpool von 31°, der auch im Winter geöffnet ist und bei Schneegestöber die Gemüter erfreut.“
      Außenpool mit 31°C bei Schneegestöber …
    • In der „Gletscheroase“ mit exklusivem Blick auf das ewige Eis spielen Wellness und Spa die erste Geige.“
      Ewiges Eis ? … nun ja … siehe Passage zuvor.
    • “Innen und außen laden Pools zum Schwimmen ein. Infrarotliegenraum, Wavebalance-Liege und Ultraschall-Gesichtsbehandlungen bereichern das Wellnessangebot. Ein professionelles Massage-und Beautyteam ist bereit, die Gäste von Kopf bis Fuß zu verwöhnen.“
      Kopfkino …. Igitt igitt … macht das aus bitte.
    • „Im Hotel wartet auf Kinder das Badeparadies Bergi-Land mit einer Mega-Tunnelrutsche mit Infinity Jump, einer Turbo-Rutsch mit Fallstart und dem einzigartigen Lazy River und ein großer Spielplatz.“
      Haben sie jetzt da die ganzen Kreuzfahrt-Schiffe abgestellt?
    • „Neben den kulinarischen Leckerbissen aus der Küche und der hauseigenen Pizzeria erwartet Sie der neue Weinkeller mit Rauchlounge.“
      Na immerhin. Während sich Mutti vom Alpen-Felix bearbeiten lässt und die Bälger im Bergi-Land sind, kann Vati hier die Zukunft des Deutschen Mittelstands diskutieren. Prost!
    • „Jedes der Chalets verfügt über ein eigenes AlmSpa drinnen und draußen. Dazu zählen eine eigene Sauna-Dampfkabine samt Ruheraum, eine freistehende Badewanne und ein Hot Tub auf der Hausterrasse.“
      Wohl bald eher ein Tot Hub.
    • „Bei sechs regionalen Bergbahnen, sieben Tälern und drei Höhenlagen findet jeder die passende Tour.“
      Und vielleicht auch das Schneewitchen.

Also mich kriegt ihr da nich‘ hin.

245) Das Jahr 2050 – Teil 1

Derzeit sitzen Regierungsvertreter in Glasgow zusammen und diskutieren Maßnahmen zur Einhaltung der bereits vereinbarten Klima-Ziele. Na mal sehen, was dabei rauskommt. Da ich beim Corona-Krisenmanagement aktuell noch keinen entschlossenen Willen erkennen kann, beschäftige ich mich derweil mal mit dem eigentlichen Brett, dass wir bohren müssten.

Nachdem Annuschka im Sommer mehrfach auf das Buch „Mensch, Erde!“ (Eckart von Hirschauen) eingegangen ist, hatte ich mir das dann auch beschafft und dann lag es erst einmal ein wenig herum. Es ist ja mit 500 Seiten auch ein ganz schöner Brummer und ich hatte noch ein anderes Buch zu beenden. Außerdem rennt das Klima ja auch nicht weg … dachte ich. 

Aber nun habe ich die ersten 100 Seiten gelesen, es liest sich locker und unterhaltsam, bringt aber all die gebotene Ernsthaftigkeit mit. 

Recht früh verweist das Buch auf die Website https://population.io die ich euch gern mal empfehlen möchte. Mit wenigen Klicks zeigt sie zum einen recht drastisch, wie schnell die Weltbevölkerung wächst und zum anderen, welche statistische Lebenserwartung man selber so hat. Demzufolge ist mein physisches Ende so circa. 2061 erreicht, wenn es keine Überraschungen gibt. Damit ist nun die „Hälfte rum“, oder positiv gesagt, dass Glas immer noch halbvoll. Na großartig. Kurzzeitig zumindest.

Aber da ich ja das schwere Buch beim Joggen schlecht mitnehmen kann, habe ich heute parallel mit der Hörfassung von „Deutschland 2050“ (Nick Reimer / Toralf Staud) begonnen (auch über Annuschka bei mir angekommen, DANKE). In den ersten Minuten dachte ich noch, es läuft auf einen dystopischen Öko-Thriller hinaus, aber dann wurde mir schnell klar, dass das Realität wird.

Die ersten drei Kapitel drehten sich um zunehmende Hitze & Trockenheit, dem vermehrten Aufkommen von Viren & Bakterien und der gravierenden Veränderung von Flora & Fauna. Nicht in Bangladesh, nee hier … bei uns … „Umme Ecke“ sozusagen.

Manchmal sagt man ja so salopp, dass „betreffe einen eh alles nicht mehr“ und dann „wäre man ja schon unter der Erde“.

  • Erstens, ist das natürlich sehr egoistisch betrachtet und hilft unseren Kids überhaupt nicht weiter.
  • Zweitens, sollte man sich da mal nicht zu sicher sein. Das Buch prognostiziert zwar 2050, wenn aber schon allein die Hälfte der Effekte bis 2035 eintreten, na dann wünsche ich uns allen viel „Spaß“. 

Nehmt ihr nur alle den Südbalkon, ich nehme Nord!

Ich gebe dem Beitrag mal den Zusatz „Teil 1“, könnte mir gut vorstellen, dass ich mich dazu noch mal melde.

—> Das Jahr 2050 – Teil 2

221) Blume oder Keule

Dreht es sich in der öffentlichen Debatte nicht um Corona oder religiöse Fanatiker, kämpft sich die Ökologie immer mal wieder nach vorn. Und vom Stichwort Umwelt, kommt man schnell zur Ernährung, dann landet man unvermeidlich bei den CO2-Emissionen, dann beim Fleisch, beim Tierschutz und bei pupsenden Rindern. Je nach Laune lassen sich noch Moral, Ethik, Mitleid  und Verantwortung diskutieren aber irgendwann kommt man dann zum Verzicht, oder zumindest zur Reduzierung.

Neulich habe ich in einer Doku gelernt, dass der Durchschnittsdeutsche wohl 60 kg Fleisch im Jahr verputzt. Das sind knapp 170 Gramm pro Tag! Im Schnitt! Und in dieser Durchschnittsberechnung sind bereits die neuen Veganer dabei, dann die Menschen die aus religiösen, gesundheitlichen oder geschmacklichen Gründen kein Fleisch verzehren, die Kinder vermutlich auch und Leute wie ich, die zwar Fleisch essen, aber doch keine 170 Gramm am Tag. Demnach muss der deutsche Fleisch-Fan ja recht ordentliche Mengen vernichten. Kein Wunder, denn das Industrie-Zeug ist ja hierzulande auch spottbillig.

Der ein oder andere denkt vielleicht auch drüber nach, wie man dieser Entwicklung begegnen kann.

Weniger Fleisch, dafür aber gutes Bio-Fleisch? Mit stattlichen Preisen wird es dann etwas Besonderes und kommt nicht jeden Tag auf den Tisch. So soll es ja auch sein. Im besten Falle kommt es aus der Region. Wer sich aber ein Premium-Bio-Kobe-Rind aus Japan einfliegen lässt, handelt inkonsequent.

Manche lassen komplett ab von Landtieren, beziehen ihr Eiweiß vielleicht noch aus Fisch oder anderem Meeresgetier. Die sind nicht ganz so niedlich, lassen sich nicht so gut streicheln, aber es sind trotzdem Tiere und die streben bestimmt nicht danach, in die Pfanne gehauen zu werden.

Oder man isst nur noch „Blumen“, so wie „Die Ärzte“ schon 1988 sangen: https://youtu.be/hSYIG0KjzEc und streicht auch noch Fisch und Eier aus der Ernährung, das machen andere Kulturen schon seit tausenden Jahren. Wenn man aber in der Europäischen Küche immer nur weglässt, dann wird es bald übersichtlich auf dem Teller. Neue Rezepte müssen also her, leckere Gerichte, bei denen man nicht ständig das Gefühl hat, dass irgendetwas fehlt.

Ich habe in den letzten Monaten ab und zu mal pflanzliche Fleischersatzprodukte probiert. Einfach nur mal so aus Interesse. Und wie immer, gibt es da Solches und Solches zu entdecken.

„Schnitzel“ sehen zunächst eigenartig und künstlich aus, aber mit Öl und Röstaromen geht‘s dann irgendwann.

„Hack“ hatte eine eigenartige Konsistenz, mit viel Geduld, Fischsauce, Tomatenmark, Gewürzen und viel manueller Bearbeitung bekam ich das dann in vertraute bröselige Form.

„Burger-Patties“ gingen eigentlich auch, man sollte aber nie konventionelle und „vegane“ in eine Pfanne legen, denn dann werden die Unterschiede offensichtlich und das Veggie-Pattie hat es natürlich schwer, gegen den animalischen Platzhalter anzukämpfen.

„Bällchen“ fand ich eigentlich gar nich so übel. Wenn man sie nicht manisch mit Berliner Bouletten oder Bayrischen Fleischpflanzern vergleicht, kann man die echt essen. Im Zweifel viel Senf oder ordentlich scharfe Sauce oben drauf. Fertig. Essbar.

Und wer nicht nur Blumen essen will, der kann ja mal folgende Doku schauen. —> ARD-Mediathek. Da geht es um durchaus tierisches Fleisch, nur ohne das Tier drumherum … interessant, oder? Da kann man sich irgendwann sein Steak „ausdrucken“. Wobei wir dann schon wieder bei Louis de Funes in „Brust oder Keule“ von 1976 sind.

Also, ihr seht, das ist alles gar nicht so neu … dauert nur eine Weile …

Wie haltet ihr es denn so?

Frühere Beiträge zu diesem Thema

39) Wenn Bots bloggen (13) – Krisen

Hallo ich bin es wieder, T.Bot. Der Online-Lakai von T., dem Blogwart hier. Ihr habt wohl geglaubt, mir ist der Strom ausgegangen oder mir fällt nichts mehr ein, oder? Weit gefehlt!

Nur weil ich nicht pausenlos geistige Ergüsse in den digitalen Äther postulliere, heißt das noch lange nicht, dass ich im Standby bin und mir auf der virtuellen Couch die Plauze kraule.

Der T. hat gerade etwas viel um die Ohren, außerdem hat sein Tablet auf dem ich hier wohne einen Schaden erlitten. Links unten zerbröselt das Glas, es knirscht im Kasten, das Display löst sich so langsam auf. Wenn ich nun also von meinem Platz in die Welt schaue, sehe ich von mir aus rechts, nur noch kristallin oder besser gesagt, nichts. Ich habe ihm gesagt, dass ich auf dem rechten Auge blind werde. „NIEMALS!!“, brüllte er durch sein Höhlen-Office.

Während er sich nun also um Hardware-Ersatz bemüht, hat er mich gebeten, die Entwicklungen zu beobachten und dann hier zu kommentieren. Und ich muss sagen … ich bin entsetzt.

  • Da regnet es in zwei Bundesländern mal deutlich mehr als sonst und schon herrscht da Weltuntergang. Häuser, Autos und Menschen schwimmen weg. 30 Milliarden EUR Sachschaden werden aktuell beschätzt. Das ist üppig. Wenn man bedenkt, dass das heutige Klima vor ca. 20 Jahren gemacht wurde … dann zieht euch mal warm an. Oder zieht euch besser aus. Denn es wird wärmer.
  • Apropos „wärmer“. In Süd-und Osteuropa fackeln Wälder und ganze Landstriche ab. Die Leute dort hätten sicher gern einiges von dem Wasser aus dem Norden abgenommen. Stattdessen stehen sie da teilweise mit Gartenschläuchen und kämpfen gegen Feuerwalzen an.
  • Das Corona-Virus scheint euch immer noch vor sich her zu treiben. Da habt ihr nun endlich ausreichend Impfstoff in den Regalen, aber ihr kriegt das Zeug nicht in die Oberarme der Erwachsenen gepumpt. Ehe ihr es also im Klo entsorgt, habt ihr nun den Freibrief der Wissenschaftler erhalten, die edlen Tropfen in die Kinder zu entsorgen. Na dann, also los. Ärmel hoch, Kinder! Wenn es die Alten nicht gebacken kriegen, dann müsst ihr halt ran.
  • Religiöse Extremisten erobern in wenigen Tagen ein Land (halb so groß wie Deutschland) zurück. Ob sich Armee und Sicherheitskräfte dieser Entwicklung entgegenstellt haben, lässt sich schwer beurteilen, es ging erstaunlich schnell. Vielen Menschen haben Angst, sie stürmen den Flughafen, wollen sich vor diesen irren Eiferern da in Sicherheit bringen. Es sieht nicht gut aus. Aber China ist an konstruktiven Beziehungen mit den neuen Machthabern interessiert. Na Großartig.
  • Im Sommerinterview tritt ein Funktionär dieser blauen Partei auf. Sitzt da im Regierungsviertel unterm Pavillon und meint, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Die Antworten frappierend einfach.

Dann habe ich ausgeschaltet. Ich glaube, ihr Menschen habt da echt ein paar ernsthafte Probleme

Ich melde mich wieder.

Euer T.Bot

<— Wenn Bots bloggen (12) – Reisen

–> Wenn Bots bloggen (14) – Kandidatur

50) Postkarte aus Paris (incl. Corona, Diesel und Chemie-Unfall)

Liebe Leser, wenn ich in dieser Kategorie sonst gern über Skurrilitäten im Ausland schreibe, möchte ich es diesmal anders machen. Es wird eher ein Abriss des Drumherums.

In Kurzform:

  • Schon im dunklen Januar überlegten wir mögliche Ziele für den Sommer. Nicht nur das „Erlaubte“ sollte uns leiten, sondern auch die „Vernunft“. Die Entscheidung fiel gegen ein Flugzeug, eher für das Auto mit Ferienwohnung. Jederzeit abbrechbar. Frankreich.
  • Ende März gingen die Corona-Zahlen in Frankreich wieder deutlich nach oben, wir buchten noch eine zweite Option in Skandinavien. Für den Fall der Fälle. Strände und Dünen schienen uns zu dem Zeitpunkt realistischer als „Savoir Vivre“.
  • Mitte Juni ist auf einmal beides möglich, die Entscheidung fällt für Frankreich, in den nächsten Tagen lauschten wir auf mögliche Veränderungen bei den Franzosen. Es schien zu klappen.
  • Zusätzlich musste aber noch eine Übernachtung in Deutschland kurz vor der Grenze her, um eine Testmöglichkeit für die Kids zu haben … Einreisevoraussetzung. Auch organisiert, Test inklusive. Alles machbar.
  • Dann erfuhren wir von neuen Umweltzonen im Großraum Paris. Na großartig, das fehlte ja nun noch. Nach ausgiebigem Studium Deutscher und Europäischer Schadstoffklassen und Installation einer App … lertne ich … die Gegend wo unser Appartement liegt … nimmt daran noch nicht teil. Uff. Wir mussten nur die Anfahrt entsprechend einfädeln. Und ein Aufkleber musste her. Einer der aussagt, dass wir einen Diesel fahren und nicht in die Innenstadt fahren dürfen, obwohl wir eh nicht mit dem Auto in die Stadt fahren wollten, sondern mit der Bahn. Wieder lange Recherche, Online-Bestellung, ein paar Euro geblecht, per Post einen gelben Aufkleber der Klasse 3 aus Frankreich bekommen. Vermutlich mit einem Diesel.
  • In Frankreich erreichten uns die üblen Bilder aus Deutschland. Eine Regenflut spülte Straßenzüge weg, Häuser, Autos und Menschen. Es gibt viele Tote. Das Klima vermutlich. Etwas südlich der Gegend, wo wir vor ein paar Tagen noch über die Autobahn gegurkt sind. Hat das Einfluss auf die Rückfahrt? Recherche.
  • Zeitgleich erhielten wir Infos aus Paris, dass wir zum Besuch der gebuchten Sites ein französischen „Pass Sanitaire“ brauchen (Impfung oder Test). Anti-Gen-Schnelltests sind in der Provinz aber gar nicht so leicht zu bekommen. Wir recherchierten lange und fanden endlich ein Test-Center in Caen, was auf dem Weg lag. Online-Suche, Daten-Striptease, Terminauswahl, Bestätigungen, E-Mails, Schul-Französisch etc., p.p.
  • Stopp in Caen, Besichtigung der Burg, Zeit bis zum Test totschlagen, dann aber pünktlich zum Test-Center. Das war proppevoll … 40 Augenpaare schauten uns achselzuckend an … keine Organisation … keine Ansprechpartner, kein Check In …  DIN A4-Formulare nur in französisch. Wir sahen unsere Besichtigungen in der Hauptstadt schon platzen, entschieden uns also für die Weiterfahrt ohne Test …. recherchierten unterwegs, lasen genauer. Kinder bis 18 waren von der Regelung noch ausgenommen. Bis Ende August. Wir versicherten uns hier und da … es schien zu stimmen und war ja irgendwie ja auch logisch. Wie wollen die Franzosen während der Ferien alle ihre Kinder testen, wenn es so wenig Test-Center gibt???
    Anmerkung in eigener Sache:
    Ich habe > hier aufm Blog auch über den Abrechnungsbetrug von Test-Centern geschimpft und muss mich nun korrigieren. Wir haben wenigstens Test-Center an jeder Ecke. Besser so, als das Test-Theater in Frankreich.
  • Auf der Rückfahrt fuhren wir über den “kleinen“ Fluß namens „Erft“, den wir nun aus den Nachrichten kennen. Sieht ganz friedlich aus.
  • Bei Leverkusen türmt sich eine schwarze Wolke links von der Autobahn auf. Bloß schnell weg hier, wer weiß, was hier los ist. Wenig später war die Autobahn für mehrere Stunden gesperrt. Explosion. Wieder Tote und Vermisste …

Puhh … ganz schön viel drumherum. Da ergibt sich ein völlig neues Geschäftsfeld. Ein Begleitfahrzeug vollgestopft mit Technik für die „Mobile Travel Administration“.

 

188) Wäre, hätte … Infektionskette

Man hört immer wieder schlaue Erkenntnisse, was man in der Pandemie hätte anders machen können. Oder sogar müssen. Wo falsche Entscheidungen getroffen wurden. Das ist einfach und beliebt, ganz besonders im Nachhinein 😉

Daher will ich jetzt hier nicht weiter darauf eingehen.

Die Worte „wäre“ und „hätte“ beschäftigen mich aber trotzdem im Corona-Kontext, allerdings auf einer anderen Ebene:

Wäre
Was wäre eigentlich geschehen, wenn uns diese Pandemie in den 80-er Jahren erwischt hätte?

  • Wäre es überhaupt dazu gekommen? Schließlich war der Tourismus noch nicht so extrem und die Grenzen waren ja mehr oder weniger dicht. Trotzdem, gereist wurde da ja auch schon, auch interkontinental.
  • Wo wären all die Daten hergekommen? All die Inzidenzen, Fallzahlen, R-Werte, die wir mittlerweile checken wie den Wetterbericht. Und uns dann schon aufregen, wenn die Zahlen vom Wochenende „noch nicht drin“ sind. Wie wären die ermittelt worden? Per Telefon, Fernschreiber, Telegram?
  • Wie wären Schule und Arbeit damals abgelaufen? Homeoffice, Homeschooling gab‘s nicht. Tragbare PC’s waren erst am Entstehen, aber was hätte das „Tragen“ schon geholfen, gab es doch kein Internet in den Wohnungen. Nicht einmal Telefon überall.
  • Und wie wären Regierungen und Ordnungskräfte vorgegangen? Wäre das Militär auf den Straßen unterwegs? Hätte man ganze Stadtbezirke abgeriegelt und ausdörren lassen (Camus, Die Pest)?

Wie wäre das wohl gewesen???

Hätte
Und nun mal anders herum. Was hätten wir eigentlich auf dem Tisch, hätte uns die Pandemie nicht erwischt? Was hätte unser aller Aufmerksamkeit erreicht und an den Stammtischen diskutieren lassen?

  • Hätte unser Klima da seinen Platz? Hätten Greta und Future-Friends weiter demonstriert? Hätten sich „die alten“ immer noch drüber aufgeregt, dass die Kids erst einmal zur Schule gehen sollen, bevor sie sich anmaßen, die Welt zu retten?
  • Oder hätte die Digitalisierung und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt den Weg in die Nachrichten gefunden? Die anstehende Transformation von Beschäftigungs-und Einkommensstrukturen?
  • Vielleicht hätten wir aber auch unseren maßlosen Konsum thematisiert, der uns Europäern dank ausgeklügelter Lieferketten, die Bengalen-Billo-Shirts bis in den heimischen Kleiderschrank liefert.
  • Möglicherweise hätten wir uns mit flüchtenden Menschen beschäftigt, die ja auch noch „da“ sind und sich bald auf den Weg zu uns „hier“ machen? Hoffentlich auch mit deren Ursachen?

Wäre … hätte … Infektionskette.

Ich bin mal auf den kommenden Wahlkampf und die Schwerpunkte da gespannt.

Reisen 6.0 – Teil 5

Fortsetzung …

Noah schaut unschlüssig auf das Display seines Smart Phones. Links der Button „Abbrechen“, rechts der Button „Reise buchen“. Darüber die Worte des CEO von VTS, der eine Neuorientierung im Reisegeschäft verkündet. 

Die klimabewussten Fernreisen über die Virtual Travel Center taten zwar der Umwelt gut, waren aber mit den neuen Hygiene-Vorschriften nicht mehr vereinbar. VT@Home heißt das neue Format nun.

Noah drückt auf „Reise buchen“, denn das Format „Abbrechen“ kommt für ihn nun gar nicht in Frage.

Er entscheidet sich für den Tarif „VTS Weekend“. Die App bestätigt die Lieferung der VT@Home-Box für die nächsten 60 Minuten. Und siehe da, bald klingelt es unten an der Haustür, der Fahrrad-Kurier schlägt vor, die Lieferung in den Fahrstuhl zu stellen. Natürlich. Noah überlegt kurz, ob es nicht mal langsam Zeit wäre, ein Regal im Fahrstuhl zu installieren. Bei all den LHD-Paketen und Pizza-Kartons, die wortlos auf den verdreckten Steinplatten abgelegt und die 82 Stockwerke hinauf zu ihm befördert wurden.

Die Kabinen-Tür öffnet sich und gibt den Blick auf die Lieferung frei. Ein großer Aufkleber prangt auf der Oberseite des Kartons. „Frisch desinfiziert und abflugbereit“. Während Noah die Kiste anhebt und in seine Micro-Flat trägt, wird ihm vollends klar, wie wichtig ihm das Reisen doch geworden ist. Reisefreiheit war schließlich ein Gut, was die Generation seiner Eltern auf die Straßen getrieben hat. Doch Klima und Virus verwandelten diese Freiheit nun in einen schwarzen Kunststoff-Würfel, kaum größer als ein Tissue-Spender. Mehr war außer 3rd-Hand-Pappe, Bio-Knallfolie und Tofu-Styropor nicht übriggeblieben. Und natürlich solch eine VR-Brille, die er schon von der gemeinsame Indien-Reise mit Yumi kannte und sofort aufsetzte. Yumi, ja wo bleibt sie eigentlich? Aber so konnte er sich noch etwas mit dem Setup des Würfels beschäftigen. Zunächst wurde das VTS-Profil zur Bestätigung angezeigt, dann folgten ein paar weitere Abfragen zu Präferenzen, Unverträglichkeiten und Risikoübernahmen, die im Januar nicht abgefragt wurden. Zum Ende wurde die Schrift immer kleiner und es folgte der übliche „Alles akzeptieren“-Button. Nach ein paar weiteren Einstellungen öffnete sich vor ihm eine gigantische Auswahl von Reise-Angeboten. Alle vorstellbaren Strecken, alle erdenklichen Klimazonen und Sehenswürdigkeiten. Manche Destinationen waren mit einem „Gesperrt-Symbol“ markiert und dem Zusatz „Einreise aus ihrem PLZ-Gebiet nicht erlaubt“. Bayern, Meck Pom, USA und noch ein paar andere. Immer noch. Aber egal, bleiben noch genug andere Ziele. Sollte er nun noch auf Yumi warten oder vielleicht schon einmal anfangen?

<— Reisen 6.0 – Teil 1

<— Reisen 6.0 – Teil 4

—> Reisen 6.0 – Teil 6

Reisen 6.0 – Teil 4

Fortsetzung …

Noah spielt seit ein paar Tagen den Gedanken, Yumi mit einer Reise zu überraschen. Die letzten Wochen waren für sie beide anstrengend, etwas Auslands-Urlaub wäre genau das richtige.

Da Fernreisen seit 2022 nur noch über VTS-Reisen möglich sind, erspart man sich langes Suchen im Internet oder den Weg ins Reisebüro. Die gemeinsame  >Indien-Reise im Januar war ein voller Erfolg. Das Klima, die Sehenswürdigkeiten, das Essen. Großartig. Sie denken oft daran zurück. Also öffnet Noah die VTS-App, tippt im Menü auf „Reise buchen“ und erwartet jeden Moment den virtuellen Reiseberater. Wie beim letzten Mal. Aber Fehlanzeige, stattdessen erscheint eine Information des CEO von VTS. Noah beginnt zu lesen.

Liebe VTS-Reisende,

Ursprünglich als Konsequenz aus der Klima-Krise entwickelt, hat sich VTS zum Marktführer entwickelt. Wir danken Ihnen für ihr Vertrauen und ihre zahlreichen Buchungen. Aber die Corona-Pandemie geht auch an VTS nicht spurlos vorbei. Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretung haben beschlossen, dass Geschäftskonzept an die aktuelle Lage anzupassen. Wie sie wissen, sind die Virtual Travel Center in den deutschen Städten ein wesentlicher Bestandteil der VTS-Reisen. Diese lassen sich aber aufgrund der gebotenen Hygiene-Regeln nicht mehr nutzen. Neue Ideen müssen her. Wir freuen uns, ihnen heute unser neues Programm VT@Home vorstellen zu können. Informieren Sie sich, nutzen Sie die Eröffnungsangebote, wir würden uns freuen, Sie an Board von VTS-Reisen begrüßen zu dürfen!

Herzlichst, Ihr
Hans-Jürgen Oberheiner
CEO VTS Reisen

Noah ist etwas verwundert. Soll ihm diese Nachricht nun echt einen Strich durch seine Pläne machen? Er hatte sich doch so gefreut. Unterhalb der Nachricht des CEO folgt eine Anzeige von VTS-Reisen. Er liest weiter.

Join VT@Home

Bestellen Sie Ihre VT@Home-Box noch heute und genießen sie die Vorzüge des neues Reisens! Wir bringen ihr Traumland nach Hause zu ihnen aufs Sofa.

  • Nie wieder Visum, Impfung, Jetlag und Magenverstimmung!
  • Ganz ohne Pass-Kontrolle und Wartezeit am Kofferband!
  • Nahezu frei von Masken und mit sehr geringem CO2-Verbrauch!

Freuen Sie sich auf individuelles Reisen, bummeln sie über Bangkoks Märkte, wandern sie entlang des Grand Canyon, besuchen Sie Machu Picchu oder erleben sie Delhi oder Peking bei bester Luftqualität!

Durch unsere Tarife „VTS Now“, „VTS Weekend“ und „VTS Flat“ ist für jedes Reiseverhalten und Budget etwas dabei.

Wählen Sie aus einer Vielzahl von Zusatz-Angeboten, die von lokalen Anbietern in den eigenen vier Wänden erbracht werden.

Auszug:

  • Thai-Massage, Nagelpflege
  • Meditation, Yoga, Tai Chi
  • Ü18-Angebote je nach geltender Corona-Regelung
  • Kochabend mit beurlaubtem Kreuzfahrt-Koch
  • 1:1 mit ehemaligen 747-Piloten (im Sonderangebot)
  • Auswahl an Souvenirs (abhängig Verfügbarkeit)

Natürlich reichen wir die Mehrwertsteuerreduzierung an sie weiter!

Unter der Anzeige findet Noah zwei Buttons.

Links „Abbrechen“. Rechts „Traumreise buchen“

Er zögert…

<— Reisen 6.0 – Teil 1

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—> Reisen 6.0 – Teil 5

64) Berlinari Desert

Wer mit offenen Augen im Berliner Raum unterwegs ist, wird feststellen, dass es hier furztrocken ist. War das früher auch so? 

Waren Rasenflächen bereits Anfang August braun? Verloren die Bäume da schon ihre Blätter? Versandet das hier zunehmend oder ist das alles nur Einbildung?

Schaut man sich ein paar Statistiken an, so liegen die Regenmengen hier seit Monaten weit unter dem Vieljährigen Mittel (1961-1990). Ob das Menschengemacht ist oder eine Laune der Natur, müssen die Profis ermitteln. Aber so oder so. Es ist zu trocken. Fakt. Und damit muss sich eine wachsende Großstadt beschäftigen. Im Gegensatz zu anderen Metropolen hat Berlin eigentlich den Vorteil, dass es viele Grünflächen in der Stadt gibt. Das kühlt die Temperaturen etwas herunter und ermöglicht die Flucht ins Grüne. Noch.

Denn das Trampel-Volk macht noch den letzten Berliner Grashalm platt:

  • Da gibts die ganz Digitalen, die zwar per App ihre Schritte zählen, aber via Navi den kürzesten Weg durch den Park ermitteln. Wenn nötig mitten durch die Sträucher. Wie Elefanten.
  • Viele Jogger laufen neben den Wegen. Könnte ich ja noch verstehen, wenn der Belag auf dem Weg so hart ist. Aber wenn der Weg aus Kies ist? Was soll das dann?
  • Selbst ernannte Personal Trainer coachen ihre Kunden in den frühen Morgenstunden und lassen deren Pfunde auf den Boden trommeln. Oder Gewichte fallen. Immer drauf aufs zarte Grün. Buff!
  • Die Oberfreiheitlichen und Querdenkenden laufen grundsätzlich quer feld ein. „Ich lass mir doch nicht vorschreiben, wo ich entlang zu gehen habe“ und „Me first“.
  • Den Rest besorgen Grill-Parties, Lagerfeuer und nächtliche Feten. Die Clubs haben ja leider zu. Wegen Corona. Wie doof. Da müssen wir halt den halben Stadtpark verfeuern. Is‘ so.

So werden Wege zu wahren Schneisen. Gabelungen zu Plätzen. Von den kartografierten Grünflächen müsste man ehrlicherweise glatt ein Drittel abziehen.

Und das liebe Leute ist Menschengemacht, ohne Zweifel!

Macht nur weiter so, dann siehts hier bald aus wie in der Kalahari … ähm … Berlinari Desert.