80) Die Stimme 1 – 3 (Epiblog)

Ach Mensch, ich wollte doch noch was zu meinem kürzlichen Drei-Teiler „Die Stimme“ schreiben. Ich weiß, das Thema ist nicht jedermans / jederfraus Ding, zu dystopisch, gruselig, abgedreht … bisschen durchgeknallt. Ja, mag sein, aber trotzdem will ich für die drei Teile mal dokumentieren, was mich da eigentlich geritten hat.

Also, los gehts:

Die Stimme – 1 ist sehr nah an der Realität entstanden.

Ich diktiere inzwischen immer mehr in meinen Rechner, weil mir das Schreiben oft zu lange dauert. Meine Finger und die Tastatur stehen mir manchmal eher im Weg. Texte diktieren funktioniert inzwischen erstaunlich gut. Was noch fehlt, ist die komplette Steuerung, also Programme, Navigation und alles andere per Stimme.

Dann war ich joggen und habe einen Podcast über Cyber Security gehört. Unter anderem ging es darum, dass Geräte auch von außen beeinflusst werden können. Und daraus entstand relativ schnell folgender Gedanke:

Wenn ich meine Geräte per Stimme steuern kann, könnten dann nicht auch andere Stimmen meine Geräte steuern

Zum Beispiel über Inhalte, die ich sowieso höre, Podcasts, Hörbücher oder Videos.

Dass das kein völlig abwegiger Gedanke ist, habe ich erst später erfahren. Es gibt tatsächlich Konzepte wie sogenannte Audio-Injection-Angriffe, bei denen Sprachbefehle gezielt in Audiosignale eingebettet werden, um Systeme zu beeinflussen.

 

77) Die Stimme – 2 greift etwas auf, das wir alle kennen, digitale Assistenten.

Sie sind hilfreich, freundlich, strukturiert und sie nehmen uns Dinge ab. Genau das wollte ich langsam kippen lassen. Die Stimme gibt Hinweise, macht Vorschläge und hilft bei Abläufen. Der Übergang passiert nicht plötzlich, sondern schleichend.

Aus Empfehlungen werden Entscheidungen, aus Unterstützung wird Lenkung.

Es sollte sich nicht wie ein klarer Bruch anfühlen, sondern wie etwas, das einfach weiterläuft und irgendwann in eine andere Richtung geht.

Ein kleines Easter Egg habe ich auch verbaut. Die Stimme aus der Zimmerdecke aus der New-Work-Reihe hat einen kleinen Gastauftritt.

 

78) Die Stimme – 3 verlagert die Geschichte nach draußen.

Weg von den heimischen Geräten und trotzdem bleibt die Stimme. Sie ist nicht mehr an einen Ort gebunden, sondern um ihn herum.

Und sie wird kontrollierender.

Sie gibt nicht mehr nur Hinweise, sondern beginnt, Druck aufzubauen. Sie lenkt ihn durch Situationen, gibt Wege vor und greift in sein Verhalten ein. Sie scheint zu wissen, wo er ist und wohin er gehen soll.

Was in Teil 2 noch wie Unterstützung wirkte, wird jetzt zur Vorgabe.

Der Mensch wird von KI gepromptet.

Zum Ende von Teil 3 sitzt Noah wieder an seinem Arbeitsplatz im Homeoffice.

Nur hat sich die Richtung gedreht. Nicht mehr er gibt die Anweisungen. Er bekommt sie. Die Stimme führt ihn durch den Arbeitstag, Schritt für Schritt.

Er arbeitet, reagiert, bestätigt und führt aus. Entscheidungen entstehen woanders.

Es entsteht eine Art Rausch. Handlung folgt auf Handlung, ohne Pause, ohne Abstand. Irgendwann weiß er gar nicht mehr, was er da eigentlich tut.

Gleichzeitig setzt eine Erschöpfung ein. Nicht körperlich, eher als würde etwas in ihm permanent beansprucht.

Am Ende wird es ruhig.

Die Stimme verstummt.

Nicht wie nach einer Lösung, sondern eher wie nach etwas, das einfach weitergezogen ist.

Ob es vorbei ist, bleibt offen.

 

Fazit: Alles in allem ein spannendes Projekt. Zumal ich das Drehbuch und die Wendungen mit meiner Stimme diktiert habe und die KI den Großteil der  Schreibarbeit übernommen hat. Das klingt einfacher, als es ist.


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