Der Tageskilometerzähler hatte die 1000 schon vor Stunden überschritten. Die kleine Kompassnadel im Navigationssystem zeigte unbeirrbar nach Osten. Genauso wie die Landstraße, die Noah durch endlose Wälder führte.
Er hatte keine Eile. Die Bäume zogen vorbei wie ein Film, den niemand mehr schnitt. Beim letzten Kreisverkehr hatte er die Wahl zwischen zwei Landesgrenzen gehabt.
“Wähle weise”, hatte er vor sich hin gemurmelt.
Und er wählte. Weise.
An diesem Nachmittag schien Noah der einzige Mensch zu sein, der diese Richtung eingeschlagen hatte. Kilometerlang fuhr niemand vor ihm. Niemand hinter ihm. Die Straße verlief schnurgerade.
Am Horizont tauchten auf einmal Scheinwerfer auf. Hier draußen war das normal. Man fuhr auch am Tag mit Licht. Es war sogar Pflicht.
Je näher die Lichter kamen, desto mehr Fahrzeuge schienen daraus zu werden. Zehn vielleicht. Fünfzehn. Zwanzig. Sie fuhren dicht hintereinander, Stoßstange an Stoßstange, wie eine Kolonne. Schnell. Sehr schnell.
Noah richtete sich etwas auf. Wo wollen die alle hin?
Die ersten Wagen rauschten an ihm vorbei.
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Fast gleichzeitig wanderten die Köpfe hinter den Windschutzscheiben zu ihm herüber.
Nicht lange. Nur einen Augenblick.
Aber lange genug, dass Noah bemerkte, dass sie ihn ansahen. Alle.
Die letzten Fahrzeuge verschwanden im Rückspiegel. Dann war die Straße wieder leer.
Noah schüttelte leicht den Kopf und lächelte. Vielleicht hatte er sich das nur eingebildet. Menschen sahen nun einmal zu anderen Menschen hinüber. Besonders auf einsamen Straßen.
Er fuhr weiter. Einige Minuten später erschien ein Lichtpunkt im Rückspiegel. Dann noch einer. Verkehr in seiner Richtung, das beruhigte ihn.
Die Lichter wurden größer und kamen schneller näher, als Noah erwartet hatte. Sie standen ungewöhnlich hoch über der Fahrbahn. Der erste Umriss schälte sich aus dem Abendlicht. Ein Lastwagen. Dunkelgrün. Dahinter ein zweiter, ein dritter und weitere. Keine Spedition, dachte Noah.
Für einen Moment fuhren die Fahrzeuge direkt hinter ihm her. Dann setzte der erste den Blinker und zog nach links. Langsam schob sich die gewaltige Front an seinem Camper vorbei. Dahinter folgte der nächste. Und der nächste.
Bald hatten sie ihn alle überholt und verschwanden vor ihm auf der Straße nach Osten. Noah wartete, bis auch der letzte Lastwagen hinter der nächsten Kuppe verschwunden war. Dann stellte er den Tempomat wieder ein.
Endlich Ruhe.
Anmerkung:
Bevor sich jemand daheim Sorgen macht … mir gehts blendend. Und warum dann dieser Text? Nun ja. Es gibt auf meiner Tour endlose Straßen durch Wälder und auch Kreisverkehr-Ausfahren die nach z.B. nach Kaliningrad / Russland, oder auch Minsk / Belarus führen. So viel ist fakt. Bis zur gestrichelten Linie ist alles genauso geschehen, mir kam auf einmal eine Kolonne von Autos entgegen, die ich mir nicht erklären konnte. Hinter der nächsten Kurve wurde die Ursache sichtbar. Eine Baustellenampel fertigte stoßweise ab. Der zweite Teil ist dann eher Ausgeburt meiner Phantasie und ist im Anblick von Militär-Fahrzeugen in Polen und im Gespräch mit ChatGPT entstanden
Co-Creation Project:
Idee, Voice Prompting, Redaktion: T. Head
Schreibarbeit: ChatGPT



