457) Welcome to Halli-Galli-Land (Mont Tremblant)

Da sitze ich hier vor meinem Tablet in Kanada und ich weiß nicht, wie ich den Beitrag beginnen soll. Mir fehlen schlicht die Worte. Und das will schon etwas heißen. Vielleicht folge ich einfach den Eindrücken, so wie sich die letzten drei Stunden für mich erschlossen haben.

Gegen 15:00 Uhr ist ein schwarz-weißes Fähnchen auf dem Bildschirm des Navi‘s zu sehen. Nach vier Stunden auf der Landstraße kommt mir das auch sehr gelegen. An einer roten Ampel, checke ich noch mal die Unterkunft und die letzten Kommentare dazu.

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Sehr gut.

Doch schon bei der Einfahrt in den Ort, merke ich, dass irgendwas komisch ist. Zunächst gibt es auffallend viele Golf-Plätze, der „Orts“-Kern ist rammelvoll, laut und wirkt dann so ganz „un-kanadisch“. Sieht aus wie ein Schweizer Ski-Ort, aber beim genauen Hinsehen ist eigentlich alles Retorte, Deko, Pappe und Fassade. Über dem Hauptweg durch das „Pedestrian Village“ führt eine Gondelbahn. Ich erwarte jeden Moment, auf Truman Burbank zu treffen oder dass mir einen Scheinwerfer vor die Füße kracht. Too much.

Auf dem Zimmer liegt ein Katalog von Engel & Völkers. Ich blättere ein bisschen durch und schon auf den ersten Seiten, da bleiben meine Augen an einer Telefonnummer hängen. Sie lautet 24 999 066. Aber da fehlt die Vorwahl und hinter der Ziffernfolge steht ein $-Zeichen. Ok, selbst nach Umrechnung in EUR wären das ca. 17,5 Millionen für das Objekt. Ob da noch ein Makler oder eine Tax im Spiel ist, spielt dann auch keine Rolle mehr. Too much.

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Nach dem Retorten-Dinner gehen wir noch ein wenig durch den „Ort“. Halli Galli, Live Musik, Country Line Dance. Überall riecht es nach Pizza, Süßkram, Zuckerwatte und Hot Dog. Zu was Menschen alles fähig sind. Am Berghang gibt es Hüpfe-Burg, Kletterfelsen und Sommerrodelbahn. Mir klingeln die Ohren. Too much.

Ich freue mich auf Morgen. Wanderung durch einen „echten“ Nationalpark.

Schönen Sonntag!

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15 Kommentare zu „457) Welcome to Halli-Galli-Land (Mont Tremblant)

  1. ich glaube man nennt solche Orte: Hyperreality“ = generally regarded as real and what is understood as fiction are seamlessly blended together in experiences so that there is no longer any clear distinction between where one ends and the other begins (Zitat aus Wikipedia). Für viele ist das Venice Hotel in Las Vegas zum Beispiel eine echtere Venedig-Erfahrung, als der eigentliche Ort. In Disneyland (Florida) gibt es Rothenburg-ob-der-Tauber als hyperreale Kopie. Ansonsten viel Spaß im echten oder falschen Quebec. Wie de Gaulle schon 1967 rief: „Vive le Quebec libre!“

    1. Danke Reiner für die Einordnung. Da wäre ich dann eher fürs voll virtuelle Reisen. Das kann man von der heimischen Couch machen und muss nicht so weit fliegen 😉

  2. Oh je, das wäre auch meine Kragenweite eher nicht gewesen 🙈. So ähnlich erging es mir vor vielen Jahren mit dem Pendant im Westen Kanadas. Alle schwärmten von Whistler. Und ich fand es einfach nur furchtbar: eine Disneyversion eines Schweizer Skiortes. Muss allerdings dazu sagen, dass die Schwärmereien da fast ausschließlich von Nordamerikanern und nicht von Europäern kamen. Ich hoffe, ihr hattet in diesem Retortenkaff nicht zu viele Übernachtungen gebucht 😅.

    1. Ich sag‘s dir, erinnert mich an die Husemann str in Prenzlauer Berg. Die wurde in den 80-er Jahren saniert, meist aber nur die Fronten der Altbauten

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