469) Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser …

Ihr wisst ja, ich reg‘ mich nur zu gern über deutsche Verwaltungsprozesse und die digitale Wüste hier zu Lande auf. Aber es geht auch schlimmer. Ich habe mehrere Stunden zugebracht habe, um mich für die Einreise in einem anderen Land zu bewerben. Es ist nicht das erste Mal, aber immer wieder ein Erlebnis.

Hier ein paar Eindrücke:

  • Ein mehrseitiges Antragsformular im Design eines HTML-Grundkurses
  • Verschiedenste Schriftarten und Schriftgrößen, Farben
  • Unlogische Plausibilitätsprüfungen, mal so, mal so
  • Zu kurze Datenfelder für all die geforderten Angaben 
  • Telefonnummern mal mit Leer- und Sonderzeichen, mal ohne
  • Religion „Others“ oder „None“ wurde abgelehnt, ich werde also wieder mal als Christ unterwegs sein 
  • Ein Passfoto in guter Qualität ist gefordert, aber quadratisch bitte und kleiner als 1MB.
  • Eine Kopie des Passes wird auch erwartet, gut lesbar und nur in PDF, nicht größer als 300KB.
  • Und eine Visitenkarte. Habe ich gar nicht. Die letzte Visitenkarte besaß ich vor 20 Jahren.

Irgendwann habe ich den Prozess entnervt pausiert und später wieder aufgenommen, da waren einzelne bereits gespeicherte Eingaben wieder weg. Und wieder musste ich bestätigen, dass keiner meiner männlichen Vorfahren jemals in der Armee des Nachbarlandes gedient hat.

Eine vom System verursachte Datenkonstellation hatte mich auf Seite 3 in eine Sackgasse geführt. Ich konnte nicht Speichern, nur Abbrechen. Auch bei weiteren Versuchen bin ich wieder an dieser Schranke gescheitert. Ich habe sogar deren 24/7 Support angerufen, landete aber nur in einer Robo-Hotline, ohne einen Agenten sprechen zu können. Dann schickte ich eine e-Mail dorthin, packte ein Screenshot bei und bat um Hilfe. Die E-Mail wurde in der Nacht beantwortet. Ich solle doch bitte anrufen. 

Total verzweifelt, fuhr ich dann gestern den Rechner herunter und probiert es heute Mittag noch mal. Und siehe da, Das Problem trat nicht mehr auf. Ich konnte Seite 3 abschließen, absolvierte sogar Seite 4 und kam dann endlich in den Zahlungsprozess, wo vielfältige Zahlungsmöglichkeiten auf mich warteten … von denen aber nur ein Bruchteil …

Ich mach an dieser Stelle besser Schluss, sonst wird es noch ein Roman. Eine Melodie aus einem Werbe-Jingle für Frischkäse kam mir in den Kopf: 

„Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser.“


Entdecke mehr von T.ipping-Point

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

11 Kommentare zu „469) Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser …

    1. Ich lass das Rätsel mal unbeantwortet, sonst kriege ich noch Stress bei der Einreise 😉

      Aber um es positiv enden zu lassen: heute morgen, nach nicht mal 24h, hatte ich es bereits als „granted“ im e-mail Postfach. Hut ab!

  1. So lange du den Mädchennamen Deiner Großtante richtig angegeben hast und dein Cousin nicht in Pakistan wohnt, so lange ist alles gut. Denk dran: Der Kreis in Deiner Passnummer ist eine Null, kein Oooh 🙂

  2. Sollte sich das Gerücht bestätigen, es handele sich um ein Visum für Indien, so muss ich gestehen, dass ich in dem Fall faul war und die Sache seinerzeit einer Agentur anvertraut hatte. Als ich 2019 in Delhi einreiste, gehörte ich mit meinem klassischen Papiervisum dann tatsächlich zu einer absoluten Minderheit, die in den Genuss kam, praktisch ohne Wartezeit einzureisen. Denn dafür gab es einen extra „Schalter“, aber eben kaum dazu passende Reisende. Aber wird schon alles passen bei dir. Hauptsache, der Opa kam nicht aus Pakistan 🤣.

    1. letzteres ist zumindest sichergestellt. Einreise mit Papier, um schneller durch die Formalitäten zu kommen, ist eine völlig neu Taktik. Ich denke da mal drüber nach 😉

Hinterlasse eine Antwort zu elkeunterwegs Antwort abbrechen