563) Wortwahl: normal

Aus irgendeinem Grund habe ich in den letzten Wochen einen Sensor für das Wort „normal“ entwickelt. Und zwar genau dann, wenn „normal“ den Status Quo beschreibt und das andere, dass unnormale, für die eigentliche Innovation oder Verbesserung gewählt wird. In Zeiten, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, fände ich eigentlich gut, wenn man das etwas neutralisieren würde. Nein, ich will nicht die Sprach-Polizei spielen, aber warum denn eigentlich …

  • Redet man von normalem Bier und alkoholfreiem Bier? (Ich auch …)
  • Sprechen selbst Bundesminister von dem normalen Bürger, der eine Gasheizung installiert hat?
  • Unterscheidet man normalen Burger und Veggie-Burger?
  • Wählt man zwischen normaler Gurke und Bio-Gurke? Ist denn nicht eigentlich die Bio-Gurke die normale Gurke?
  • Gibt es normale Autos und E-Autos?
  • Kennen wir normale Zigaretten und E-Zigaretten, Normal-Benzin und E-Fuels, normale Brötchen und die „dunklen“ …

Bin mal gespannt, wann all das „unnormale“ zum „normalen“ wird, und wie die Welt dann aussehen wird.

—> mehr aus er Reihe „Wortwahl“ gibts hier


Entdecke mehr von T.ipping-Point

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

12 Kommentare zu „563) Wortwahl: normal

  1. Autsch. Wenn ich da mal weiterdenke … Anstelle von normal sagt man (und ich) auch gerne richtig. So essen mein Mann und ich lieber richtigen Burger, das Kind den vegetarisch Ersatz-Burger. Noch früher sagte man gut zu den richtigen, normalen Sachen. Die gute Butter (statt Margarine), der gute Kaffee (statt Ersatzmischung). Alles schlimm. Wir sollten uns schämen. Normal und gut und richtig ist, was gefällt und schmeckt. 😉🍻

  2. Laut Wikipedia: „Normalität bezeichnet in der Soziologie das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen. Es wird durch Erziehung und Sozialisation vermittelt“.

    Insofern finde ich das bei deinen Beispielen völlig in Ordnung, vom Normalen zu sprechen, solange es die überwiegende Mehrheit oder das Übliche bezeichnet. Ganz ohne Wertung. Wenn dann irgendwann mehr E-Autos als Verbrenner rumfahren, mehr alkoholfreies als alkoholisches Bier verkauft wird, dann wird dann eben das Neue das Normale.

    Bei Radler kippt das inzwischen. Früher war es normal, ein süßes Radler zu bekommen, wenn man nichts dazu sagte. Heute wird man oft gefragt, ob süß oder sauer, weil wohl immer öfter auch saures Radler bestellt wird.

    1. Vielen Dank fürs Feedback und erst mal sorry für die späte Antwort… Der Spam Filter hat zugeschlagen. Na mal sehen, wann man uns auf dem Oktoberfest das erste alkoholfreie Bier serviert…

  3. Normalerweise, also typischerweise, üblicherweise esse ich oft eine normale Bratwurst. Ich gebe zu, mit dem „normal“ hast Du einen Punkt. Denn es steckt ja das ziemlich gewichtige Wort „Norm“ drin: Norm im Sinne von Standard, aber eben auch im ethischen Sinn („Normen und Werte“). „Normal“ tatsächlich häufiger hinterfragen, sollte zur Normalität werden. 🙂

    1. Dein Hinweis auf die „Norm“ ist richtig, aber ich glaube, dass die meisten Menschen das Wort normal nicht mit dem Hintergedanken der Norm verwenden, Eher mit dem Gedanken an Herkömmlich, konventionell, bekannt. Wünsche euch einen ganz normalen Spätsommertag 😉

  4. Vielleicht kann man, wenn man normal sagt, immer ein kleines „noch“ davor denken. Normalitäten wandeln sich in der Tat. Und ja, es wäre interessant zu erfahren, was das Neue ist, wenn ein VeggyBurger mal der normale Burger ist – vielleicht der RetortenBurger?

    1. Das ist genau der Punkt, Sprache entwickelt sich mit/nach der Entwicklung, deshalb habe ich auch so Bauchschmerzen Sprache zu verordnen, um Entwicklungen zu provozieren. Ich weiß, da gibt es andere Sichtweisen, aber da wo ich geboren bin, wurde Sprache verordnet… Und das ist bekanntermaßen für den Laden nicht gut gegangen

      1. Uuups, sorry. Mein Fehler. Der/Die/Das Jahresabschlussgeschenkeverteilende. Irgendwie muss vermutlich noch ein Sternchen hin…

        Auf die Geschenke will vermutlich niemand verzichten und political correct sind sie hoffentlich auch 😉

Hinterlasse eine Antwort zu Belana Hermine Antwort abbrechen