687) Dagegen ist keine App gewachsen

Habe ich heute Vormittag noch von den nächsten >Reisezielen geschrieben, wurde der heutige doch recht überschaubare Streckenabschnitt von Taiping nach George Town ungewollt verlängert. Wir fuhren die Autobahn AH2 nach Norden, es flutschte, noch 30 Minuten bis nach Butterworth (Remake von „Noch fünfzehn Minuten bis Buffalo“) und ein leichter Hunger stellte sich ein. Wir waren auf der rechten Überholspur, auf einmal begann es bei ca 110 KM/h unter uns zu rattern. Ich dachte zunächst an die gelb markierten Rüttelstreifen, die es hier auch recht oft gibt … aber bei den anderen Autos um uns herum, rüttelte gar nix.

Gedanke 1: Scheiße.
Gedanke 2: Reifen.

Also Blinker links, auf linke Spur gewechselt, Warnblinker an, noch mal links auf den Pannenstreifen, der hier aber gern auch als „Bedarfsspur“ genutzt. Wer weiß wie lange wir hier stehen würden, also ließ ich die Karre weiter ausrollen, bis sich ein Stück Grünstreifen zum Halt bot.

Aussteigen, Rundgang, Reifen hinten links sieht aus wie aufgeschlitztes Lakritz. Warndreieck aufstellen, Wasservorräte checken und Mietwagen-Firma anrufen.

Kurzfassung: nach 90 Minuten waren zwei sehr freundliche „Guys“ von der Highway Police mit coolen Sonnenbrillen da, fummelten das Reserve-Rad unter dem Bodenblech hervor … interessant, wusste gar nicht, dass wir eins hatten … und wuchteten es auf die Achse.

Der freundliche Hinweis des Vermieters „just to inform you, as you did not take the WTPW (Windscreen and tyre protection waiver) the entire cost will be handled by you sir.“ hat zwar nicht geholfen, aber immerhin für Klarheit gesorgt.

Das war das erste Mal seit 30 Jahren Führerschein, dass mir das bei laufender Fahrt passiert ist. Nicht in >Südafrika bei all den Schotterpisten, nicht auf >Kuba mit all den Schlaglöchern und spontan fehlender Asphalt-Decke.

Es gibt noch Dinge, wo keine App der Welt hilft. Klar kann man mit dem Vermieter via WhatsApp chatten, man kann Bilder schicken, über Google Standort mitteilen, alles praktisch, aber letztlich muss das kaputte Rad ab und das neue muss dran. Per Hand, nicht mit den Daumen. Und das mit vier Personen und ordentlich Gepäck an der Außenlinie einer Schnellstraße. Jupppieeee!

Da hilft auch kein „Refreshen“ des Smart Phones, kein nach unten „wischen“, kein nach oben „swipen“, kein Tik, kein Tok, kein Dug Face für Insta.

Sondern einfach nur warten.


Entdecke mehr von T.ipping-Point

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

10 Kommentare zu „687) Dagegen ist keine App gewachsen

  1. Das hat Potential für Alpträume. Mir kamen solche Gedanken an geplatzte Reifen schon im Death Valley und in Südafrika, an Stellen ohne Mobilfunk. Ist mir aber zum Glück noch nicht passiert.

    1. Gedacht habe ich an so etwas auch schon zig mal, besonders irgendwo im Outback so wie du schreibst, insofern bin ich auch heilfroh, dass es auf einer Autobahn mit viel Verkehr war …besser als im Death Valley definitiv

  2. Das ist wirklich ein besonderes Pech – wenn ich daran denke, wie ich allein in Gluthitze im Nirgendwo im Oman, Jordanien oder Borneo rumgefahren bin. Platt war ich ab und zu auch, aber zum Glück nicht der Reifen. Glück für Euch, dass aus dem Straßengraben kein Krokodil vorbei geschaut hat… Wie heißt es: Reisen ist Abenteuer – und Chapeau: Ihr habt Euch das gewagt.

  3. Werbung muss sein. Im August 1998 kam ich um 11 Uhr am Flughafen in Miami an. Nach der Einreisekontrolle kam ich gegen 12 Uhr beim Autovermieter Avis in das Buro. Mein gebuchtes Auto war fahrbereit. Sofort wurde die Reise nach Kissimee fortgesetzt. Kurz nach Eintritt der Dunkelheit erreichten wir unser Reiseziel. Am Reiseziel angekommen bekamen wir die Information in das Stadtburo zu gehen um sich dort registrieren zu lassen und danach den Schlussel der Unterkunft zu bekommen. Das zogerte sich eine Weile hin und es war wohl schon 10 Uhr abends als wir endlich in die gebuchten Unterkunft gehen konnten. Der Leihwagen von Avis wurde vor dem Haus geparkt. Am nachsten morgen gegen 8 Uhr ging ich nach drausen um das Auto zu begutachten. Zu meinem Schreck stellte ich fest 2 Reifen waren platt. So wurde nichts aus der Fahrt nach Orlando und wir riefen bei Avis an. Man sagte das sei kein Problem um 9 Uhr haetten wir ein anderes Auto. Das bekamen wir auch gegen 9 Uhr ohne Extrakosten vor die Tuer gestellt und der Mitarbeiter von Avis kummerte sich um die platten Reifen des Leihwagens von Miami.Er sagte:“Our service is better because we are an employees company.“

    1. Wow, das nennt sich Service. Ich hatte auch einen mit vier (anderen) Buchstaben, einen Familien-Laden aus Deutschland …
      Also zwei Reifen das ist auch besonders mies …
      Aber den Gedanken haben ich jetzt auch schon wieder, schließlich fahre ich jetzt auf dem Ersatzrad … was ist wenn noch einmal eine Schraube auf der Straße liegt

  4. Das sind so die Aktionen, die kein Mensch braucht. Aber sie passieren halt. Manchmal dort, wo man eher nicht damit rec, so wie bei euch in dem Fall. Aber is ja noch mal gutgegangen.

Hinterlasse eine Antwort zu hanselmar Antwort abbrechen