19) Radiowerbung

Bad und Auto gehören zu den wenigen Orten, an denen ich Radio hören kann. Das Bad kann ich von innen verschließen und im Auto habe ich noch die Hoheitsrechte über das Armaturenbrett. Meistens. Also kann ich für einen Moment einer Radio-Sendung lauschen. Leider sind aber auch die wenigen guten Programm-Radios schon von Werbung zersetzt. Selbst meine kurzen Gelegenheiten reichen da schon aus, um von einer Welle von Radio-Werbung überrollt zu werden. Dabei ist es eigentlich egal wann man Radio hört. Nur die Art der Werbung variiert je nach Tageszeit. Am Morgen labern die von PENNY etwas von einem „Framstag“, ein Mädel schreit mich an, ich solle „doch zu NETTO gehen“ und ein Einstein-Imitator sagt, dass ihm die Relativitätstheorie „relativ“ egal sei, denn er müsse erst einmal zu ALDI fahren. Später versucht mir AMAZON den Echo-Dot zu verkaufen, über den wahlweise die digitale ALEXA oder meine analoge Mutter beruhigend auf mein Baby (12 Jahre) einreden könnten, während wir Eltern mal ins Kino gehen. Mehmet Scholl behauptet, es gäbe „gar kein besseres Statussymbol als gar kein Statussymbol“ zu haben und will mir damit einen DACIA schmackhaft machen. Wenn ich dann tagsüber zwischen zwei Conference Calls mal aufs Klo muss, tönt MEDIAMARKT laut „Hauptsache ich hätte Spaß“ ins Bad und die Krankenkasse IKK BB fragt dreist, ob „es denn noch etwas mehr sein dürfe“. So geht das die ganze Woche durch. Besser wird es erst gegen Ende der Woche. Die KROMBACHER-Leute bringen ab Freitag Mittag ihre „Perle der Natur“ und machen durstig. Auf der Fahrt ins Wochenende fordert BAUHAUS, dass es „gut werden muss“ und HORNBACH erinnert mich daran, das „es immer ´was zu tun gibt“. Das sind ja großartige Aussichten. Es gibt aber eine Werbung, die das alles noch übertreffen kann und mich an den Rand der Verzweiflung bringt…

„Kennen Sie Dinkel? Das Urgetreide aus unserer Heimat? Seitenbacher hat ein leckeres Müsli daraus gemacht. Gesund und so lecker … natürlich von Saiiite’bacher“. „Nur unser Müsli von Sssaaiiiiite‘bacher…, … Probieren Sie selber unser Sssssssaiiiiiitte‘bacher Müsli“.

Das macht mich echt fertig. Dann schalte ich am Gerät von „Radio“ auf „Media“ um und biete es den Kids zur weiteren Verwendung an. Egal was kommt, so schlimm kann es gar nicht werden.

18) Tankloch

Mein Auto fahre ich nun schon seit über 10 Jahren. Trotzdem frage ich mich doch häufig, auf welcher Seite meines Autos sich das Tankloch befindet. Immer wenn ich tanken muss und dann langsam auf die ersten Tanksäulen zurolle, versuche ich mir meine eigene Eselsbrücke ins Gedächtnis zu rufen. War es „Fahrerseite“ oder „Beifahrerseite“. Mhm, beide Eselsbrücken machen irgendwie Sinn. Ich möchte aber nicht aussteigen und mir vor laufender Sicherheitskamera die Blöße geben, nach dem Tankloch zu suchen. Manchmal wird mir die Entscheidung aber abgenommen und zwar dann, wenn es nur eine freie Säule gibt, die den Stoff für unser Auto hat. Häufig steht die Säule dann aber auf der falschen Seite. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als die Pistole mit 3 Meter Schlauch über das Auto-Dach zu zerren. Wenigstens lässt sich der Tankdeckel bei unserem Auto noch mit einem leichten „Push“ öffnen. Beim Betanken moderner Mietwagen jedoch, kann jetzt schon mal schnell Ratlosigkeit eintreten. Man steht vor dem Tankloch, hat die Pistole schussbereit in der Hand und bekommt aber den Tankdeckel nicht auf. Irgendwo in den Tiefen des Fahrer-Fußraums ist vermutlich ein kleiner Schalter verbaut. Also wickelt man den Schlauch wieder zurück übers Dach und steckt die Pistole wieder in die Säule. Dann gilt es, den Kipp-Schalter im Auto zu suchen, um dann das ganze Manöver wieder von vorn anzugehen. Welcher Designer hat sich diesen Unsinn einfallen lassen? Wenn ich bei google „tank welche Seite“ eingebe, kriege ich 71.300.000 (!) Treffer, die sich damit beschäftigen. Beim Geo-Magazin finde ich aber einen vielversprechenden Tipp, wie man vom Inneren des Wagens auf die richtige Tankloch-Seite schließen kann.

https://www.geo.de/wissen/15744-rtkl-endlich-verstehen-so-erkennen-sie-auf-welcher-seite-der-tankdeckel-ist

Mal sehen, ob ich mich dann beim nächsten Mal daran erinnere.

Frühere Beiträge zum Thema Auto:

17) Frischhalte-Folie

Dem Erfinder der Küchenrolle könnte ich jede Woche den Nobel-Preis aushändigen. Was für eine einfache, multifunktionale Errungenschaft, ohne die wir doch aufgeschmissen wären. Sie führt meine Liste der Top-Küchenhelfer klar an. Kurz danach folgt die Alu-Folie. Ökologisch natürlich nicht ganz so korrekt, aber sonst super im Handling. Einfach über eine Kante gezogen, hat man eine dünne Lage Alu in der Hand, die man nun wunderbar um etwas drumherum knautschen kann. Kommen wir nun aber zu „Aromata Frischhaltefolie 75 Meter“. Meinem persönlichen Horror und daher auf dem letzten Platz der Liste gelandet. Immer wenn ich zu der länglichen Pappschachtel greife, stelle ich fest, dass der „Anfang“ nicht mehr aus der Packung herausguckt, sondern sich um die Rolle gewickelt hat und an ihr festklebt. Dann nehme ich die Rolle aus der Packung, pule mit meinen kurzen Fingernägeln an dem Anfang herum und bekomme irgendwann ein paar Millimeter der Folie zu fassen. Nun packe ich die Rolle zurück in die Pappe, denn ich will ja zum Abtrennen die gezahnte Kante der Verpackung nutzen. Dann die erste Herausforderung: Wie herum gehört aber nun die Rolle zurück in die Pappe? Ist das wichtig? Macht das später etwas aus? Egal, Hauptsache irgendwie rein. Kaum ist die Rolle zurück in der Pappe, ziehe ich an der Folie. Leider läuft das aber gar nicht rund. Die Folie kommt irgendwie schief und dehnt sich an einer Ecke schon mächtig. Also ziehe mehr von ihr ans Tageslicht, in der Hoffnung, es würde sich wieder ausgleichen. Nach 50 Zentimetern will ich dann doch langsam mal den Trennvorgang einleiten. Dann die zweite Herausforderung: Zieht man nun besser von oben nach unten oder von unten nach oben? Intuitiv ziehe ich diesmal von oben nach unten. Aber auch das hakt ständig irgendwie und ich muss ganz schön zerren. Ungefähr bei der Hälfte der Strecke, kippt die bereits abgetrennte Folie nach hinten weg und klebt an der noch festen Hälfte fest. Mir bleibt nichts anderes übrig, als nun auch noch den Rest zügig über die kleinen Zähne zu ziehen. Aber die Folie reißt nun nicht mehr gerade, sondern die Trennung läuft nun diagonal durch die Folie. Mein Stück Folie wird nun nicht mehr viereckig. Es hat eher die Form von Afrika. Ich trenne den letzten Zentimeter ab, Afrika fällt in sich zusammen und sieht nun aus wie Malta. Wie sollte ich diesen Klumpen Folie nun über meinen Pizza-Rest ziehen? Vielleicht kann ich die Folie ja wieder irgendwie „auffalten“. Aber jeder weiß, wie so etwas endet. Ich fluche und greife wieder zur Alu-Folie. Stelle ich mich zu blöd an? Sollten wir künftig die Premium-Folie von Melitta kaufen? Wie kriege ich die verbleibenden 70 Meter denn jemals von der Roller herunter? Kennt jemand einen Trick, wie man dieses Folien-Monster beherrschen kann? Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion.

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28) Klassen-Chat

Neulich saßen wir wieder einmal in einer Elternversammlung. Diesmal war es die erste Elternversammlung einer frisch zusammengewürfelten siebten Klasse. Die Stühle waren mir immer noch zu klein. Da hatte sich im Vergleich zur Grundschule nicht viel geändert. Aber die Eltern und Lehrer wirkten hoch motiviert, die Versammlung zügig über die Bühne zu bringen. Sehr gut, denn wir hatten Hunger. Die ersten Tagesordnung-Punkte vergingen wie um Flug. Elternsprecher-Wahl, Bericht über Klassen-Zusammensetzung, anstehende Ausflüge und andere organisatorische Dinge. Beim letzten Thema allerdings, gab es aber eifrige Diskussionen. 

Tagesordnungspunkt: Soll es einen Klassen-Chat geben?

Zwei Drittel der Eltern raunten sofort so etwas wie „…das haben die Kids doch eh schon…“ in den Raum. Das letzte Drittel wusste entweder nicht, was solch ein Chat eigentlich ist oder boykottierte WhatsApp als Facebook-Produkt grundsätzlich. Für Letzteres habe ich ja durchaus Sympathie. Nicht aber dafür, dass mit dieser ablehnenden Haltung, das ganze Thema vom Tisch zu kippen drohte. Genauso wie unser Abendessen. Ich halte Instant Messaging für zeitgemäß, die Kids sowieso. Würden wir einen offiziellen Klassen-Chat haben, dann hätten wir vielleicht noch etwas Einblick, was da so abgeht. Zumindest könnten wir uns damit eine Weile beruhigen, wohlwissend, dass die heißen Themen vermutlich woanders diskutiert würden. Unter diesen Voraussetzungen jedoch, würde es keinen flächendeckenden Klassen-Chat geben. Oder es musste ein Kompromiss gefunden werden. Und der Weg dahin, der sah nun wirklich sehr skurril aus. Zunächst sollten die Elternhäuser Handzeichen geben, die nicht über WhatsApp erreichbar sind. Ein Wunder, dass die sich nicht noch erheben oder sogar nach vorne an die Tafel kommen sollten. Als die Hände der Eltern nun oben waren, war die Gruppe der „Offliner“ damit klar identifiziert. Sie hatten ein Gesicht bekommen, jeder wusste WER das nun war. Sie blieben aber bei ihrer Haltung, was ich konsequent fand. Aber wie bindet man nun diese Kinder in die digitale Kommunikation ein? Nun, man diskutierte …? Na…? Patenschaften! Logisch. Die Kinder ohne WhatsApp sollten anderen Kindern zugewiesen werden, die WhatsApp-Zugang hatten. Ungefähr so ähnlich, wie wir als Kinder früher gern zu Mitschülern nach Hause gingen, die eine Sat-Antenne auf dem Balkon oder die Bravo abonniert hatten. Mensch, die armen Kinder! Tut das denen doch nicht an! Wie gesagt, ich kann die kritische Haltung gegenüber WhatsApp verstehen. Aber ist es echt nötig, die eigenen Kinder so zu stigmatisieren und auch noch andere Kinder damit zu beschäftigen, die Kommunikation in die analoge Welt zu „übersetzen“? Es gibt doch zwischen Schwarz und Weiß auch immer noch ein Grau. Die Kids müssen ja nun nicht gleich persönliche Details über WhatsApp teilen, aber ein Foto einer zu erledigenden Hausaufgabe empfangen, müsste doch auch den Eltern gefallen. Außerdem glaube ich, dass die Eltern das Spiel nicht gewinnen können, wenn sie das digitale Zeug einfach ignorieren und zu Hause verbieten. Nein. Die Kinder sollten wissen, was es ist, wie man es nutzt und was man eben nicht tut, oder?

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16) Paket-Dienst

Ich kann schon fast die Zeit danach stellen, so regelmäßig habe ich das Vergnügen. Häufig arbeite ich im Homeoffice und bin gerade mit irgendwem auf der Welt im Gespräch. Zum Beispiel mit Mohammed aus dem nahen Osten und Kumar aus Indien. Dank der heutigen Technik geht das alles. Wir können sprechen, die Kamera einschalten oder uns gegenseitig unseren Bildschirm zeigen. Durch die Funk-Kopfhörer kann ich mich sogar 10 Meter vom Rechner entfernen. Ab circa 11:30 Uhr beginnt das Schauspiel. Es klingelt an der Wohnungstür und ich entschuldige mich bei Mohammed und Kumar für das laute Geräusch. Ich nehme beide auf meinen Ohren mit zur Tür, schalte aber mit einer Taste am Headset das Mikro stumm. Dann öffne ich die Tür und begrüße den Mann von DHL oder Hermes. Je nach dem wer zuerst klingelt. Im besten Fall reicht der Bote nur das Paket durch die Tür und ich kann die Stummschaltung schnell zurücknehmen. Im zweitbesten Fall unterschreibe ich nebenbei mit dem Fingernagel auf dem Handy des Boten und bin bald fertig. Im schlechtesten Fall hat er eine Sackkarre voll mit Päckchen fürs ganze Haus dabei, die nun alle einzeln gescannt werden müssen. Das kann dauern. Dann fragen Kumar und Mohammed schon ungeduldig. „What do you think about that, T.“. Ich bin aber stumm. Kumar fragt, „T. are you still there?“ und „We can‘t hear you anymore“. Ich nehme die Stummschaltung schnell zurück und will ein Lebenszeichen von mir geben. Bevor ich zu Wort komme, spricht nun aber der Bote. „Ich hab da noch was für Kowalski im Nachbarhaus, können sie das auch annehmen?“. In meinem Kopfhörer höre ich Mohammed fragen: „Sorry T. … what is Kowalski… I don‘t understand“. Kumar sagt: „Could you please spell that, T. You mean Kowalski … with K, like in King, right?“. Dann sage ich schnell „Mohammed, Kumar, one moment“. Nun guckt mich der Bote fragend an und fühlt sich verschaukelt. Ich deute auf meine Ohren und flüstere zu dem Boten, „bin im Gespräch“. Er versteht und nickt. Aus dem Kopfhörer kommt dann: „Why are you whispering, T.?“ und „Is there someone else we should know?“ und „is this Kowalski speaking there?“. Wie komme ich da nur wieder raus. Vielleicht sollte ich einfach nur sagen; „sorry guys, my wife…you know…“. Das würden sie bestimmt verstehen.

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15) Labile Roboter

In der Robotik beschäftigt man sich mittlerweile auch damit, den Maschinen menschliche Züge zu verpassen. Dabei geht es um das reine Aussehen, aber auch um Bewegungsabläufe und die Mimik der künstlichen Wesen. Und dann gibt es da noch die emotionale Komponente, also Empathie, Ethik und auch verschiedene Stimmungslagen, die Roboter irgendwann beherrschen sollen. Wenn ich mir unseren Saug-Roboter so anschaue, sieht der zwar immer noch aus wie R2-D2 in platt, aber Stimmungsschwankungen hat der heute schon, wie ein Mädel in der Pubertät. Sorry, dafür. An guten Tagen rollt er zielstrebig durch die Wohnung und bearbeitet jede Fläche mit Leidenschaft. Man könnte meinen, eine Eiskunstläuferin dreht elegant ihre Runden im Wohnzimmer, so schön und akkurat ist das anzusehen. Das Ergebnis bestätigt die Investition. In der Familie heißt er dann liebevoll „Robi“. An manchen Tagen allerdings, scheint er in ein Stimmungs-und Leistungstief zu fallen. Kurz nach dem Abdocken von der Basis-Station, reißt er dann die Kabel der Station mit sich und wickelt sich damit ein. Danach fährt er völlig planlos größer werdende Kreise, bis er endlich eine Wand berührt, die ihm wieder etwas Orientierung verschafft. An solchen düsteren Tagen, steuert er auch gern die Fläche unter dem Küchentisch an, bis er zwischen all den Stuhlbeinen fasst die Kraft verliert. Bloß gut, dass wir keine Treppen in der Wohnung haben, sonst müsste ich mir Sorgen machen, dass er sich da hinunterstürzt. Ich würde ihn dann am liebsten unter die Höhen-Sonne legen, damit er sich wieder fängt und aus seiner Robo-Depression herauskommt. Wenn er mir dann noch ständig hinterherkommt und zwischen die Füße fährt ist Schluss mit “Robi“. Dann werde ich laut: „Du Scheiß-Roboter, siehst du denn nicht, dass ich hier stehe. Fahr’ doch woanders lang, Platz ist doch genug“! Wenn er dann schon nach 45 Minuten zurück zur Station fährt und mit einer Fanfare vermeldet, dass er „fertig“ ist, schicke ich ihn zur Strafe gleich wieder los. Reiss dich zusammen mein Freundchen! Wenn wir hier alle so arbeiten würden, dann könnten wir gleich dicht machen! Vielleicht sollte ich hier im Kiez mal nach einem Coaching-Laden für Roboter Ausschau halten?

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27) Müll-Spende

Wir alle kennen sicherlich Begriffe wie „Sach-Spende“, „Geld-Spende“ oder „Blut-Spende“. Spenden heißt für mich, man gibt etwas von Wert ab und hilft damit einem anderen Wesen. Auf jeden Fall entbehrt man etwas, was man auch ganz gut selber nutzen könnte. In Berlin hat sich aber in den letzten Jahren etwas entwickelt, was auf den ersten Blick vielleicht selbstlos erscheint, sich aber beim näheren Hinsehen, als das genaue Gegenteil entpuppt. Über Nacht bewegen sich dort Drehstühle, Betten, Schränke oder Matratzen wie von Zauberhand auf die Straße, stellen sich an die Hauswand und hängen sich Zettel um. Auf den Papieren statt dann so etwas wie „Zu verschenken“ oder „Funktioniert noch“ geschrieben. Das ist doch eigentlich nett, oder? Nein, ist es nicht! Der Schein trügt. Vielleicht gibt es wenige gutmütige Menschen, die damit ernsthaft jemandem helfen wollen, statt nur nur ein lästiges Problem zu lösen. Aber ich bin überzeugt, dass der Großteil nur einfach seinen wertlosen Krempel auf der Straße entsorgt. Warum glaube ich das? Was macht mich da so sicher?

Nun, ich versuche mir folgende Fragen zu beantworten:

  1. Warum werden die Dinge nicht über e-Bay verkauft oder verschenkt, wenn sie doch noch einen Wert haben? Da gibt es doch für alles einen Abnehmer.
  2. Warum wird das Zeug immer nachts auf die Straße gestellt? Der Spender könnte es doch am helllichten Tage tun, wenn es sich um eine wertvolle Spende handelt. Dann kann jeder sehen, welch guter Mensch er doch ist.
  3. Warum geschieht das immer heimlich und anonym? Der Spender könnte Name und Adresse auf den Zettel schreiben, dann kann sich der Finder bei ihm bedanken.
  4. Warum haben diese Trümmer meistens Abmäße, die man nicht mehr in der Hausmüll-Tonne unterbringen kann? Oder hat schon mal jemand Fön oder Waffeleisen an der Hauswand stehen sehen? Vermutlich nicht, denn die sind schon längst in der Tonne verschwunden.
  5. Warum legt der „Spender“ nicht noch 10 EUR dazu, wenn er doch wirklich einem Obdachlosen oder Asylsuchenden helfen will. Dann könnten die vielleicht damit auch gleich den Transport des guten Stücks in die Unterkunft finanzieren.
  6. Warum muss das Zeug zwei Tage im Regen stehen und noch mehr an Restwert verlieren? Dann ist das Ding doch endgültig dahin.

Und weil ich für die Fragen keine plausiblen Antworten einfallen, steckt hinter dem edlem Spender vermutlich doch nur ein Egoist.

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14) Schlüsselfragen

Nachdem ich meinen Rückflug nun doch noch geschafft hatte, schien Hermes, der Gott der Kaufleute und Reisenden, wieder auf meiner Seite zu sein. Er überhäufte mich mit Glück. Beim Boarding war ich sehr schnell in der Kabine, mein Sitzplatz befand sich in der Reihe am Notausgang und sogar der Mittelplatz neben mir blieb frei. Also hatte ich Platz ohne Ende. Der Akku meines Tablets war voll geladen und meine Mediathek enthielt noch viele ungesehene Folgen des Welt-Spiegels. Großartig. Eine Stunde Zeit nur für mich. Gegen 20:30 Uhr schlugen wir in Berlin auf, die Taxis warteten förmlich auf uns. Eine Seltenheit. Der Fahrer eilte durch die Stadt und während der Fahrt dache ich drüber nach, wie ich mir den verbleibenden Abend noch nett machen konnte. Es würde niemand zu Hause sein, die Damen machten „Kultur“ und Sohnemann schlief bei den Großeltern. Die Couch gehörte also mir. Alles lief wie geschmiert und kurz vor 21:00 Uhr stand ich schon unten vor der Haus-Tür. Ich öffnete die Seitentasche des Koffers und zog den…den…Schlüss… . Verdammt, wo ist mein Schlüssel? Der ist doch immer in dieser kleinen Tasche, wenn ich reise. Mehrfach durchwühlte ich alles, aber da war kein Schlüssel. Um den Abend noch halbwegs zu retten, rief ich bei den Schwiegereltern an, denn da sollte noch ein Schlüssel von uns am Brett hängen. Bingo. Also zog ich mit meinem Roll-Koffer los zur Tram. Während der kurzen Fahrt rekapitulierte ich den Tag. Wo war ich? Wann war ich an der Seitentasche zu Gange? Morgens hatte ich den Schirm aus dieser Tasche geholt und gegen Mittag auch mal meine Brieftasche. Kann der Schlüssel dabei herausgefallen sein? Was kostet eigentlich heutzutage so ein neuer Schlüssel? Kann ich da einfach so zum Schlosser gehen oder braucht man da ein Zertifikat von dem Original-Schlüssel? Macht es Sinn vielleicht gleich drei Schlüssel anzufertigen? Nach dem ich meinem Sohn bei den Schwiegereltern gute Nacht gesagt hatte, machte ich mich mit dem Ersatzschlüssel wieder auf den Heimweg. Ich beschloss, alle Überlegungen einzustellen und erst einmal den Abend zu genießen. Das Schlüssel-Problem würde sich in den nächsten Tagen schon irgendwie auflösen. Endlich zu Hause angekommen, sah ich meinen Schlüssel friedlich am Haken hängen. Als wäre der nie weg gewesen. Wie kann das sein? Wie habe ich ohne Schlüssel das Haus verlassen? Es ist doch seit Jahren eine fließende Bewegung, wenn ich die Wohnung verlasse. Und da fiel es mir ein. Am Morgen zuvor, checkte ich noch einmal die Taxi-App nach dem Verbleib meines bestellten Taxis. Doch die App meldete nur „Sie haben keine Vorbestellungen“. Daraufhin flitze ich ins Bad und warf einen Blick auf die Straße. Da stand aber ein Taxi und schien zu warten. Auf mich? Auf jemand anderen? Egal, jetzt aber ganz schnell runter und ab zum Flughafen, bevor es weg ist. Rumms…Tür zu.                                          

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13) Verspätung erwünscht

Punkt 16:30 Uhr verließ ich das Projektbüro, mein Rückflug sollte 19:00 Uhr abheben. Es war genug Zeit und sogar ein kleiner Puffer war enthalten. Gegen 16:40 Uhr erreichte ich die Haltestelle des Flughafen-Bus, der mich normalerweise in ca. 40 Minuten zum Flughafen München bringt. Diesmal standen bereits 15 Menschen dort an der Bordsteinkante. Oh, oh, Da stimmte etwas nicht. Ich stellte mich dazu. Um mich herum wurde viel diskutiert und auch die Kassiererin wirkte etwas überfordert. Ein Bus war wohl schon ausgefallen, der nächste war erst am Hauptbahnhof. Noch standen mir alle Optionen offen, also verlies ich die Schlange und tauchte in der U-Bahn ab. Laut MVG-App konnte ich zwischen der S1 und der S8 wählen. Die S1 würde zwar länger brauchen, dafür aber etwas eher, um 17:48 Uhr, ankommen. Also fuhr ich zum Marienplatz und sprang dort in die S1, die aber nur bis Feldmoching ausgezeichnet war. Da die S1 immer zum Ende der Fahrt getrennt wird und nur noch als Kurz-Version zum Flughafen fährt, war das meine Erklärung. In Feldmoching allerdings hieß es aber für alle „Endstation, alle aussteigen“. Wir wurden an einen Schienenersatzverkehr in Richtung Norden weitergereicht. Die Fahrt ging sehr bald los. Dann zuckelten wir aber so über die Dörfer, hielten an roten Ampeln, Stopp-Schildern und Fußgänger-Überwegen. Ich zog Google-Maps zu Rate, um ein Gefühl für Zeit und Strecke zu bekommen und mir wurde klar, dass zwischen verbleibender Fahrzeit und verstreichender Zeit ein unausgeglichenes Verhältnis bestand. Unterwegs hielt ich vergeblich nach einem Taxi Ausschau. In Lohof musste ich aussteigen und auf einen anderen Bus warten. Permanent aktualisierte ich die Navigation im Kartendienst und mein Puls stieg und stieg. Endlich kam der Bus, aber noch vier Stationen über Land lagen vor mir. Berechnete Ankunftszeit war nun bereits 18:35 Uhr. Zusätzlich noch die Wege am Airport, die Sicherheit…das würde eng werden. Ich fühlte mich wie in Zeitlupe und sehnte eine Verspätung der Lufthansa herbei. Zunächst erreichten wir Eching, dann Neufahrn, endlich Besucherpark und dann Flughafen Terminal 1. Kaum angekommen, rannte ich mit meinem Rolli durchs Terminal 1, über den großen Platz rüber ins Terminanal 2 und über die Rolltreppe hoch zur Sicherheit. Dort war zum Glück nichts los und ich konnte schnell zum Gate 24 flitzen. Um 18:45 Uhr war ich endlich da, das Boarding hatte noch nicht begonnen. Der Flieger hatte 10 Minuten Verspätung. Manchmal liebe ich Verspätungen. Mein Hemd dampfte, aber mein Puls beruhigte sich wieder. Mein Sport-Programm hatte ich also nun schon erledigt und ich würde noch nach Hause kommen. 

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26) McRaff

Neulich konnte ich im Hotel der Geburt des neuen Burgers „McRaff“ beiwohnen. Oder sollte ich vielleicht sogar besser „Raff-Bürger“ sagen? Das Ganze gestaltete sich ungefähr so: Beim Frühstück setzte sich ein kräftiger Kerl an den Nachbartisch. Zunächst belegte er den Platz mit persönlichen Dingen, damit keiner mehr diesen Tisch für sich beanspruchen konnte. Quasi das Bade-Handtuch des Frühstücks. Dann verschwand er erst einmal am Buffet. Schnell kam er wieder mit gehäuften Tellern zurück an seinen Platz. Soweit ich das sehen konnte, waren es drei Kaiser-Brötchen, ein Berg voll gebratener Speck, dazu Kartoffel-Röstis in rauen Mengen und viele Nürnberger Würstchen. Will der das wirklich alles essen? Ist der vielleicht Kugelstoßer oder Gewichtheber und braucht das jeden Morgen? Oder ist er nur ein Vater, der für die noch schlafenden Kids die Brötchen macht? Aber das sollte sich bald herausstellen. Mit geübten Griffen halbierte er zunächst die Kaiser-Brötchen, legte dann die Nürnberger Würstchen auf die eine Hälfte, gefolgt von den Kartoffel-Röstis. Dann stapelte er den gebratenen Schinken, eine Scheibe Käse und dann noch die zweite Brötchen-Hälfte als Deckel oben drauf. Den ersten Burger aß er sofort, den zweiten wickelte er in eine Serviette und ließ ihn unauffällig in der Tasche zu seinen Füßen verschwinden. Gespannt beobachtete ich, was denn nun mit dem dritten Burger passieren würde. Auch den wickelte er in Serviette und versenkte ihn neben dem ersten Burger in seiner Tasche. Der Mann erhob sich, kippte zwei Gläser O-Saft direkt an der Saftbar in seinen Schlund und verschwand. Stille. Als wäre nichts gewesen. Nur der Dreck auf seiner Tischdecke war noch da. Die ganze Szenerie wirkte, als wäre gerade ein Heuschreckenschwarm oder das Krümelmonster vorbeigezogen. Mal abgesehen von fehlenden Tisch-Manieren und seinem vermutlich erhöhtem Cholesterinspiegel, erschütterte mich am meisten die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der er dort die Tasche füllte. Bloß gut, dass ich bereits vor ihm mein Rührei mit EINER Scheibe Schinken veredelt hatte und ich Nürnberger Würstchen zum Frühstück nicht mag.

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