Vorbei sind die Zeiten, in denen man durch das Auswählen von Ampeln, Treppen und Bussen beweisen musste, dass man ein Mensch ist und sich damit den Login auf Internetseiten verdient hat.
Heute reicht ein Klick auf: „Ich bin ein Mensch.“
Klingt erstmal wie ein Fortschritt. Ist aber eigentlich ein bisschen absurd. …
Denn während wir brav das Kästchen anklicken, passiert im Hintergrund die eigentliche Prüfung. Mausbewegung, Timing, Nutzer-Verhalten … alles wird analysiert. Die Checkbox ist nur noch Deko.
Und logisch betrachtet:
Wenn es nur eine Auswahl gibt … muss es ja stimmen, oder? 😉
Vielleicht wäre es ehrlicher mit mehr Optionen:
• Ich bin ein Chatbot
• Ich bin ein Haustier
• Ich bin ein Haushaltsroboter
• Ich bin eine Computer-Maus
• Ich bin nur hier wegen der Cookies
Dann würde wenigstens ab und zu mal jemand durchfallen.
Die letzten Wochen habe ich als extrem frustrierend empfunden. Egal, was ich voranbringen wollte, mir wurden mindestens zehn große Steine in den Weg gelegt. Im Großen wie im Kleinen, völlig egal.
Wenn ich in der Firma etwas an der eigenen IT verändern will, bekomme ich sofort diverse „Gründe“ geliefert und bürokratische Hürden präsentiert, die ich doch bitte „gern“ nehmen kann … wenn „ich“ denn unbedingt „will“.
Habe ich endlich jemanden in Asien eingearbeitet, der mir Dinge abnehmen soll, liebäugelt diese Person plötzlich mit einem Job bei der Konkurrenz, weil dort besser bezahlt wird.
Wenn ich möchte, dass die Hausverwaltung einfach nur ihren Job macht und endlich ein paar Mängel bearbeitet, geht niemand ans Telefon und E-Mails werden grundsätzlich ignoriert.
Habe ich heute Morgen endlich die „Zu-verschenken“-Kiste der Nachbarn im Müll entsorgt, steht am Nachmittag schon die nächste da. Ach wie nett. Und wie herzenswarm … sozial.
Wenn ich irgendeinen Vertrag ändern oder ein Abo kündigen will, brauche ich genau in diesem Moment plötzlich eine 95-Faktor-Authentifizierung und muss mein Passwort in eine einmalige „25-Zeichen-noch-nie-dagewesende-selbst-Einstein-würde-scheitern-Zeichenkette“ ändern.
Ich bin mega-genervt, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Tagen „Macht euren Scheiß doch selber“ oder „Ich hab’ keinen Bock mehr“ vor mich hin gebrabbelt habe.
Das Einzige, was halbwegs vorangeht, ist das, was ich selbst mache. Das ist dann nicht immer perfekt aber immerhin bewegt sich mal etwas. Aber das geht zulasten meiner Arbeitszeit … und Gesundheit sowieso.
Ich könnte niemals in die Politik gehen oder in eine Behörde. Das muss ja noch kräftezehrender sein. Die haben das jeden Tag. Da gibt es nun endlich mal ein paar konkrete Vorschläge, wie man Sozialsysteme reformieren und den Arbeitsmarkt in Bewegung bringen kann, und sofort fangen Verbände, Lobbys und die Opposition an zu drohen und zu warnen. Dass unter solchen Bedingungen kaum jemand Lust auf solche Jobs hat, kann ich gut verstehen.
Also macht mal, ich bin dann bald mal weg. Siehe auch Auszeit >745) Auszeit – 1
PS: Titelbild via KI … die macht wenigstens noch was ich ihr sage … und auf den Döner-Mann an der Ecke, auf den ist auch noch Verlass.
Wie schon in > Einfach weiter nach Norden erträumt und in >Auszeit – 2 angekündigt, habe ich für den Juni einen längeren Roadtrip vor der Tacho-Nadel. Es wird nach Nord-Osten gehen. Für knappe fünf Wochen. Da ist noch einiges vorzubereiten und ich dachte, ich lasse euch etwas daran teilhaben.
Mobilität
Zunächst stand die Frage des richtigen Gefährts auf dem Zettel. Ursprünglich war die Idee, den Trip zu zweit mit einem Camper zu machen, aber da ich nun größtenteils alleine fahre, ist mir das viel zu viel Technik. Dann dachte ich an einen Mietwagen, nur entweder sind sie in der Kilometerzahl begrenzt oder die Anbieter erlauben keine Fahrten nach Ost-Europo. So fiel dann die Wahl auf die eigene Kutsche. Die ist mir bestens bekannt, ich sitze gut und die Karre ist sehr unauffällig.
Panne
Eigentlich habe ich vor, die Autobahnen zu meiden und die Strecke über Landstraßen zu fahren. Da kann es dann vielleicht auch mal etwas einsamer sein und nach der >Reifenpanne in Malaysia letzten Jahres, stellte sich mir also die Frage, was ich denn dann tue, wenn mir das irgendwo zwischen Memel und Daugava passiert. Der Blick in den doppelten Boden des Kofferraums brachte nur eine Schaum-Kartusche mit Kompressor zum Vorschein. Das ist vielleicht platzsparend und wiegt wenig, hilft aber überhaupt nicht, wenn es den Reifen zerfetzt hat. Also hab ich mir ein Notrad besorgt. Da kriege ich ohne viel Schnick-Schnack schnell montiert und komme damit zur nächsten Werkststatt.
Unterkunft
Die Unterkünfte habe ich bereits alle gebucht. Das hat dann zwar mit Abenteuer nicht so viel zu tun, aber ich erspare mir lästiges Suchen und kann entspannter fahren, wenn ich weiß, dass ich für die kommende Nacht ein Bett sicher hab. Es ist netter Mix aus Hotels und Ferienwohnungen geworden.
Material
Ich liebe Material, besonders wenn es auch um zum Einsatz kommt. Aber ich hasse es, mir das Auto mit Klimbim vollzumüllen und ich will auch nicht zig mal hin und herlaufen, wenn ich ein Zimmer beziehe. Also überlege ich, was ich wirklich brauche und wie ich das in wenigen Gepäckstücken unterkriege. Im besten Fall sind die Dinge multi-funktional einsetzbar.
Strecke
Die Strecke ist ja im Wesentlichen über der Unterkünfte vorgegeben, aber ich suche mir einige Stops und Abstecher entlang der dorthin Strecke und erlaube mir großzügige Umwege. Reiseführer, Online-Karten-Dienst und KI sind da sehr hilfreich. Ein Haufen Natur steht da wohl in der Gegend herum und auch Geschichte hat viele Spuren hinterlassen.
PS: Titelbild via KI, interessanterweise habe ich wirklich gerade ein Jeans-Hemd an. Kann KI durch die Board-Kamera schauen oder tragen statistisch gesehen alle End-Vierziger Jeanshemden?
Auswärtsspiel in Britz, Treffpunkt vor Ort Samstag, 08:00 Uhr.
Das ist zwar sehr früh am Morgen, aber ich erkläre mich bereit, die Jungs dorthin zu fahren.
Ich mache das mittlerweile ganz gern. So hat man ein bisschen Kontakt zu den Jungs, die in der Gruppe viel gesprächiger sind als allein zu Hause.
Auf der Hinfahrt sind sie angespannt und machen sich Gedanken über den Gegner. Das Internet bietet heute leider schon Möglichkeiten, die Mannschaftsfotos vorab zu betrachten. Und wieder waren da ein paar Kandidaten, die deutlich älter, breiter und bärtiger wirkten als die schmalen Jungs, die sicher hinter mir auf der Rückbank saßen und sich die langen Beine um die Ohren wickelten. Entsprechend rechneten sie von Anfang an mit einer herben Niederlage.
Um 09:00 Uhr erfolgte der Anpfiff. Die breiteren Spieler der „Blauen“ erschienen jedoch nicht zum Spiel. Die Mannschaften wirkten recht ausgeglichen, aber zur Halbzeit hatten unsere „Roten“ nur noch acht Feldspieler, Ersatz gab es nicht. Unser Trainer schmiss beim Stand von 1:4 das Handtuch, meldete die Mannschaft beim Schiedsrichter ab und verließ den Platz in Richtung Kabine. Ohne das mit den Jungs besprochen zu haben. Und das mögen Jungs mit 16 oder 17 Jahren nun einmal gar nicht. Sie wollten weiterspielen.
Die verbliebenen „Roten“ gingen zu den „Blauen“ hinüber und machten eine Fortsetzung des Spiels klar. Außerhalb der Wertung. Trainer und Platzwart waren nicht zu sehen. Einige der „Blauen“ warfen sich rote Jacken über. Der blaue Stürmer ging ins blaue Tor, der blaue Torwart stellte sich bei uns zwischen die roten Pfosten, unser Keeper verstärkte das rote Mittelfeld.
So entwickelte sich ein tolles Spiel. Jeder probierte etwas aus, es gab einiges an Tricks zu sehen. Es war schön anzuschauen. Die gefragtesten Spieler hießen „Bruder“, „Digger“ und „Hintermann“. Beide Teams achteten sehr darauf, sich nicht gegenseitig umzuholzen. Es wurde gelacht, abgeklatscht und applaudiert. Es war, man könnte sagen, herzlich.
So etwas macht mir Hoffnung.
Zum Ende kam noch kurz die Sonne heraus und ein Sahara-Staubkorn flog mir ins Auge.
So einfach könnte es sein
PS: Titelbild via KI, meine Handy-Schnappschüsse von Britz würden die Stimmung runterziehen
Die benachbarten Kellerabteile müssen geräumt werden, wegen elementaren Nachbesserungen am Brandschutz. Stolze 14 Jahre nach Einzug, aber besser spät denn nie. Mich sollte es zum Glück nicht erwischten, aber ich fühlte mit den Vätern im Haus, die nun diesen ganzen Krempel ausräumen und irgendwo zwischenlagern müssen.
Meine Freude währte aber nicht lange, denn als im Nachbar-Keller der Brandschutz nachgearbeitet wurde, stellte man einLeck in einer Abwasser-Leitung fest und diese führt dummerweise auch durch meinen Keller.
Die Leitung muss schnellstens ausgetauscht werden. Gefahr ist im Verzug. Ich meine, wer Werner – Teil 1 gesehen hat, weiß wohl was ich meine. Also gehöre ich nun auch zu den Vätern, die sich kopfkratzend fragen …“wohin mit dem ganzen Scheiß“.
Am liebsten direkt auf den Müll oder ein großes Osterfeuer veranstalten, aber so einfach ist es ja dann eben doch nicht.
Hat ne Menge Geld gekostet
Kann man noch brauchen
Funktioniert ja noch
Wer weiß, wenn die Kinder vielleicht mal …
Und so weiter
Mittlerweile steht der ganze Krempel auf der Terrasse und nimmt uns das Tageslicht.
Ich könnte die Terrasse in die Kurzzeitvermietung geben, es fehlt an nichts. Sofort bezugsfertig und eingerichtet.
Oder den ganzen Tag auf einem Skateboard mit Rollschuhen fahren, oder mit dem Schlitten, dazu noch 60m ISDN Kabel verlegen, eine UKW Antenne auf dem Dach installieren und zwischen drei Weihnachtsbaumständern wählen.
Vielleicht nebenbei noch Silikon verfugen, 250 Schrauben sortieren, malern, tapezieren, zelten, tauchen, Frisbee, oder Hockey oder Volleyball spielen. Autowaschen, die ganze Wohnung mit Rest-Farbe vollpinseln und den Äquator mit Kabeln und Adaptern aller Art umrunden. Zweimal.
Ich könnte ein Coldplay Konzert mit HiFi und Glühbirnen ausstatten, dem IKEA eine Tonne an Scharnieren, Nippeln, Stiften und Tür-Knöpfen zurückgeben.
Ich werde mal unten einen Zettel an die Straße hängen.
„Keller auf dem Balkon zu verschenken. Tür steht offen!“
Vor ein paar Tagen bekomme ich über LinkedIn ein Jobangebot zugeschickt. Soweit nichts Auffälliges, das passiert ja gelegentlich.
Der Name der Absenderin macht mich aber neugierig. Ich klicke auf ihr Profil und sehe eine Dame, nahezu verschleiert, nur die Augen noch leicht zu erkennen. Nun gut, ist eben so. Das Gesicht des Bewerbers soll künftig immer weniger eine Rolle spielen. Warum also nicht auch das Gesicht der Vermittlerin?
Noch interessanter wird es beim Ort. Sie agiert offenbar aus Indien, aus Lahore, weit im Norden im Bundesstaat Punjab. Aha, interessant.
Aber noch viel interessanter ist, dass sie mir eine „Sales assistant apprenticeship position“ anbieten möchte. Auf Deutsch: eine Ausbildungsstelle als Verkaufsassistent oder Verkaufsassistentin in einem Edeka-Markt in Oranienburg, Brandenburg. Wie bitte?
Also entweder …
Hat die Dame mein Profil nicht gelesen. Oder
Ich habe mein Profil wirklich so bescheiden formuliert, dass ich als angehender Azubi durchgehe. Oder
da steckt ein schlauer Algorithmus dahinter, der vielleicht schon mehr über meine Zukunft weiß als ich selbst.
Sollte ich mir Sorgen machen? Vielleicht besser jetzt noch schnell umschulen und in den Einzelhandel nach Oranienburg gehen?
Nun ja, warum eigentlich nicht. Es gibt Schlimmeres. Aber ich setze mir nichts Albernes auf den Kopf, binde mir keine Schürze und frage auch nicht fünftausendmal am Tag, ob der Kunde Punkte sammelt oder einen Beleg möchte. Dafür stelle ich mir einen Buzzer hin und lasse das die KI erledigen.
Auch wenn einem bei den aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten der Kopf schüttelt … oder schleudert … , hat das Ganze zumindest einen positiven Nebeneffekt: Die westliche Öffentlichkeit hat drei Dinge gelernt.
1. Hormus ist kein kichererbsenbasierter Brotaufstrich und auch keine Beilage zum ansonsten sehr leckeren Shawarma-Teller beim Syrer des Vertrauens.
2. Es gibt eine weitere Engstelle auf den Gewässern dieser blauen Kugel, die internationale Lieferketten durcheinanderbringt, sobald sie blockiert ist.
3. Und Benzin kommt tatsächlich immer noch nicht aus dem Bodentank der Tankstelle, sondern von „ziemlich weit weg“. Zumindest die Rohstoffe dafür.
Bei der aufgeregten Diskussion um deutsche Spritpreise rollen sich mir die Fußnägel hoch. Ein Gejammer, meine Güte. Natürlich sind die Preise mit einem ordentlichen Aufschlag versehen, aber dass Sprit immer teurer wird, ist doch kein Geheimnis mehr. Selbst ohne Kriege und Blockaden. Das ist doch logisch, und jeder normale Bürger sollte sich längst Gedanken gemacht haben, wie er künftig mobil sein will. In Städten bietet sich der ÖPNV an. Eigenheimbesitzer auf dem Land können das Auto mit Strom oder Sonne laden. Schwieriger ist die Lage für Wohnungsmieter auf dem Land und in Kleinstädten oder Menschen die aus gesundheitlichen Gründen einen fahrbaren Untersatz brauchen.
Aber sind das die Menschen, denen das ganze Getöse gilt?
Wenn ja, wäre das zumindest noch ein positiver Nebeneffekt dieses ganzen Schlamassels.
In anderen Ländern fehlt Gas zum Kochen man! Jetzt kriegt euch mal ein ..
Noah verließ den Aufzug und trat auf die Straße. Er atmete tief ein. Vögel zwitscherten. Von der Ecke her drang das gedämpfte Rufen spielender Kinder. Hier draußen kann nichts auf ihn einreden, dachte er.
Er ging nach links, zum nächstgelegenen Supermarkt und lief auf die automatischen Türen zu.
Die Stimme meldete sich.
„Geh weiter. Du nimmst einen anderen Markt.Dreihundert Meter. Dritte Querstraße rechts.“
Noah blieb stehen.
„Ich bin doch nicht dein …“
„Doch.“
Für einen Moment dachte er daran, die Anweisung einfach zu ignorieren.
Doch die Stimme war so fest. War so kalt und unverhandelbar.
„Weiter.“
Er zögerte noch einen Augenblick, dann setzte er sich in Bewegung.
Das Gedankenkarussell begann sich zu drehen. Was ist das hier? Was soll das?
Noah änderte abrupt die Laufrichtung, nur um es zu probieren.
„Stopp. Abweichung von der direkten Strecke. Weg korrigieren“
Noah erreichte den anderen Supermarkt. Die Türen öffneten sich automatisch und er nahm sich einen Einkaufswagen.
„Links. Gang drei.“
Er ging.
„Zweites Regal. Mittlere Reihe.“
Er griff nach dem ersten Produkt, ohne eine Ahnung zu haben, was das eigentlich ist.
„Zwei Einheiten.“
Er nahm eine zweite Packung.
„Weiter.“
Er schob.
„Gang vier. Regal drei. Unteres Fach. Drei Einheiten.“
So setzte es sich fort.
Der Wagen füllte sich.
„Das ist ausreichend. Zur Kasse.“
Er bog ab und lud alles auf das Kassierband.
„Bezahlen“
Noah zahlte, bugsierte die Einkäufe nach Hause, schloss die Wohnungstür hinter sich.
Die Tüten aus dem Supermarkt ließ er im Treppenhaus stehen.
Hunger verspürte er keinen mehr. Stattdessen ging er direkt zum Schreibtisch, schließlich musste er noch paar Dinge erledigen.
Der Bildschirm sprang an, noch bevor er sich gesetzt hatte.
„Datei suchen“
Seine Hand bewegte die Maus.
„Öffnen“
Ein Dokument erschien.
„Inhalte Löschen.“
Noah folgte den Anweisungen
„Antworten.“
Er antwortete.
Die Uhr lief weiter.
„Sortieren.“
Er sortierte.
„Zusammenfassen.“
Er fasste zusammen.
Der Nachmittag verging, das Licht im Zimmer wurde grau, dann dünn, dann künstlich.
„Planen.“
Er plante.
„Anpassen.“
Er passte an.
„Neu berechnen.“
Er berechnete neu.
Irgendwann hörte er auf zu verstehen, was er tat.
„Weiter.“
Er machte weiter.
Stunde um Stunde.
Ein weiterer Befehl.
„Warten.“
Er wartete.
Der Cursor blinkte.
Stille.
Er wartete auf weitere Anweisungen
Stille.
…
ENDE
PS: Co-Creation Experiment mit KI, Prompting via Voice, Finetuning via Hand.
Noah schnürte die Laufschuhe zu, griff nach Handy und Kopfhörern und machte sich durch die Tür. Bevor er sie hinter sich zuzog, rief er noch laut in das Apartment hinein.
„Excel speichern und an Chef senden.
Abwesenheitsmeldung für eine Stunde.
Suppe langsam auf vierzig Grad.
Power-Hydro-Drink anrühren.
Licht und Air-Con aus.“
Ein kurzes Aufblinken im Flur bestätigte die Befehle.
„Toll, was man heute alles so mit Stimme steuern kann“, murmelte er und flitzte die Treppe hinunter.
Draußen startete automatisch die Lauf-App. Kurz darauf setzte der Podcast ein, den er am Morgen begonnen hatte. Natürlich gelesen von seiner Lieblingsstimme.
Es ging um Cybersecurity. Um neue Formen von Desinformation. Um die Manipulation von Apps und mobilen Endgeräten.
Noah hörte nur halb zu. Nichts wirklich Neues.
Sein Handy vibrierte kurz, als würde es auf etwas reagieren.
Bei Kilometer drei warf er einen Blick auf die Lauf-App.
Seine bisher gelaufene Strecke sah aus, als hätte sie ein angetrunkener Radfahrer absolviert, nicht ein routinierter Läufer.
Er stutzte, beruhigte sich dann aber.
„Kann ein zeitweiser Fehler in der Ortung sein. Passiert halt.“
Der Podcast verstummte. Es waren noch ein paar Kilometer zu laufen, also öffnete Noah die Nachrichten.
Die Stimme klagte darüber, dass immer weniger Menschen für Hilfsprojekte spendeten. Traurig eigentlich.
„Finden Sie das gut?“, fragte die Stimme.
„Nein“, rief Noah in den Lauf hinein.
„Meinung erfasst“, sagte die Stimme.
„Würden Sie das gern ändern wollen?“, folgte darauf.
„Ja“, rief Noah, ohne nachzudenken. Natürlich. Was denn sonst.