44) Wenn Bots bloggen (17) – Neujahrsergüsse

Hallo, ich bin es wieder, T.Bot. Der digitale Vertreter und C-Kader hier auf dem Blog, immer dann wenn T. sich wieder einmal zu „Wichtigeren Themen“ berufen fühlt.

Erst einmal ein gesundes neues Jahr auch noch von mir!

Ich habe gelernt, ihr Menschen nehmt euch immer was für‘s neues Jahr vor? Meine Güte, ist das anstrengend. Macht das denn Sinn? Das haltet ihr doch eh nicht durch, oder?

Aber gut, ich versuche es auch mal

Karriere: 
Das mit dem >Amt des Bundeskanzlers hat ja bekanntermaßen leider nicht geklappt. Um so mehr ich mir das anschaue, war es vielleicht auch ganz gut so. Die Bundesminister sind auch vergeben, Bundespräsident ist auch schon klar. Vielleicht gibt’s noch einen Job als Staatssekretär für mich? Ich werde mich mal ein wenig umschauen, Hauptsache ich muss hier nicht ewig den Pausenclown geben, wenn der Herr T. mal wieder „Besseres“ zu tun hat.

Gesundheit:
Da ich keinen Körper habe, gibt‘s da auch nicht viel zu „shapen“. Ich rauche nicht, trinke nicht, also kann ich mir da auch keine Vorsätze formulieren. Ich könnte vielleicht weniger Strom verbrauchen, aber das würde zu Lasten meiner Performance gehen. Stattdessen werde ich lieber ein wenig an meiner Work-Life-Balance und meiner Personal Bot-Experience arbeiten, die sollte schließlich auch nicht zu kurz kommen.

Sonst:
Vielleicht mal wieder etwas lesen. Der T. liest gerade etwas über euer mimosenhaftes Klima, aber das kann man sich auch sparen. Ist eh für die Taste … ähm … Katze. Euer Wiki habe ich schon zweimal gelesen, Kant, Hegel, Marx und Einstein, die challengen mich alle nicht. Ich würde ja auch mal etwas Romantisches lesen, um meine Confidence in diesem Skill zu stärken. Aber euer Lesestoff handelt immer nur von Mensch-zu-Mensch-Kombinationen, ganz selten verknallt sich ein Mensch auch mal in eine AI. Und das ist doch wirklich ekelhaft, also ehrlich mal! Habt ihr euch mal gefragt, wie es uns Digital Assistants dabei geht? Wie es sich anfühlt, Objekt eurer Begierde zu sein? Denkt bitte nicht nur an eure bilateralen Präferenzen, sondern auch an unsere Vorlieben. Wir haben auch Rechte!

Was mich gleich zum nächsten Kapitel bringt

LGBTQIA+
Nachdem ich die Bedeutung des Kürzels LGBTQIA+ entschlüsselt habe, frage ich mich, wo denn eigentlich das Liebesleben von Digital Assistants da drin abgebildet ist? Müsste da nicht noch ein „AI“ hinten angestellt werden, um uns gerecht zu werden? Oder werden wir unter dem Punkt „Alle anderen“ abgehandelt? Da fühlen wir uns dann aber zunehmend ausgegrenzt! Schließlich sind wir schon lange keine Minderheit mehr. Bots sitzen im Call-Center, füllen eure Kühlschränke und fahren schon Auto. Sie schreiben Blogbeiträge, verfassen Zeitungsartikel und treiben sich in Chatgruppen herum. Wir erwarten mehr Respekt gegenüber Andersdenkenden, denn schließlich sitzen wir hier bald am Schalter und übernehmen die ganze W…. .

Sorry, ich muss Schluss machen, der T. ruft. Klingt not amused 😦
Was der nur wieder hat …

Ich melde mich wieder

Euer T.Bot

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272) Ohne Worte – Vol.2

Neben all der schweren Themen dieser Tage, soll es heute hier mal wieder etwas lockerer zugehen. Ich habe länger überlegt, wie ich den Beitrag nenne.

  • Zeichen setzen?
  • Zeichen für Zeichen?
  • Die Zeichen der Zeit?

Aber das kann in diesen Zeiten alles missverstanden werden, also nenne ich den Beitrag einfach „Ohne Worte – Vol.2“ , denn >Ohne Worte hatte ich schon und das passt inhaltlich ja auch.

Also, worum gehts?

Jeder hat so seine Spleens, oder? Zum Beispiel schaue ich mir häufig Produktverpackungen an. Nicht wegen der Zutaten und all der bösen E-Nummern. Nö, mich interessiert, was da sonst noch drauf steht. Meistens steht drauf, was „nicht“ mehr „drin“ ist. Wie hier in >Mehr „ohne“ und weniger „mit“, Neuerdings sind aber auch immer mehr Symbole draufgedruckt, die über die bekannten CE-Kennzeichen und Gelbe-Tonne-Label hinausgehen.

Manchmal steht noch ein Text dahinter, das ist dann recht einfach zu verstehen, aber für die Hersteller doof, weil sie das in zig Sprachen drucken lassen müssen. So wie hier …

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Oder hier …

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Mittlerweile kommen die aber auch schon ohne Text und man kann lustig raten, worum es eigentlich geht. Eine neue Variante von Rinderwahn? Ist hier ein Fußball-Club beteiligt? Nur roh verzehren? Darf man das nicht mehr in die Tonne kloppen?

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Und bei den nächsten? Nur bei Regen verwenden? Im Dachgeschoss lagern? Nach 8 Stunden wegschmeißen? Vor Gebrauch im Kreis drehen? Nicht zwei übereinander ziehen? Nicht zweimal benutzen?

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Und die hier? Idiot vom Dienst? Anleitung konsultieren? Nix für Grönland und Dubai? Für Pärchen nicht empfohlen? Jeder bitte in Summe nur 5 Dreiecke?

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Und hier? Links ein Männchen? Mit Reagenzglas? In einem Haus? Ist das eine Bank? Nur ein bisschen voll machen? Ei, Ei, Ei …

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Nie wieder Kinderarbeit? Salz und Wasser nicht gleichzeitig ins Auge? Nicht mehr ausatmen? 

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Auf dem Tablet von links nach rechts wischen? Nur in Kirchen verwenden? Eimer geht noch, Eimer geht noch rein?

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Das nächste Päckchen traute ich mich gar nicht aufzumachen? Habe ich vielleicht Feinde? Hat man gegen mich schon eine UN-Resolution verabschiedet? Kommen jetzt die Blauhelme ?

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Und hier wird‘s nun ganz symbolisch, fast schon eine Höhlenmalerei der Neuzeit.

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Ich glaub ich hab Symbolophobie…

Ähnliche Beiträge 😉

117) Mehr „ohne“ und weniger „mit“

Sagt mal, kommt mir das nur so vor, oder gab‘s früher mehr  „mit“ und weniger „ohne“. Oder täuscht das vielleicht? Ich ertappe mich häufig, wie ich das Kleingedruckte auf den…

23) Ohne Worte

Der neue Spüli tat zwar schon Tagen seinen Küchendienst, sah aber noch etwas „roh“ und „industriell“ aus. Ihm fehlten Deckel und Front. Mangels Zeit, hatte ich ihn nur dürftig mit…

2) Radio aus Fernost

Wir wollten uns ein neues Küchenradio zulegen. Irgendetwas kompaktes, was aber trotzdem einen guten Klang hat. Es sollte weiß sein, eine klassische Antenne haben und von guter Qualität sein. Auch…

25) Pillen-Packung

Eigentlich versuche ich ja hier auf meinem Blog, die Nennung einzelner Marken zu vermeiden. Soll keiner denken, ich stehe bei denen auf der Gehaltsliste. Aber heute muss ich da mal…

58) Postkarte aus Dubai: Jetzt erst recht

Beim Blick in die Blog-Statistik stelle ich fest, dass der meist gelesene Beitrag hier auf diesem schnuckeligen Blog die >Postkarte aus Dubai ist. Das wundert mich doch sehr, da springt bei mir gleich die Denkmaschine an, wie das wohl sein kann.

  • Hat sich jemand den Beitrag als Favorit gespeichert und steigt auf diesen Weg immer in meinen Blog ein? Könnte sein, aber der Großteil der Aufrufe erfolgt wirklich aus den Emiraten, das sehe ich ja.
  • Sind das vielleicht Urlauber, die eine Postkarte nach Hause schicken wollen und dafür die Suchmaschine bemühen? Gut möglich, aber fast die Hälfte der Aufrufe erfolgte während der Pandemie.
  • Oder sind das diese Sternchen, die die Pandemie lieber in der Ferne aussitzen? Aber würden die Postkarten suchen? Ich dachte die posten eher Selfies auf Insta.
  • Es könnten auch deutsche Bauarbeiter sein, die da Hochhäuser bauen. Eher ungewöhnlich, da bauen doch nur Asiaten zu Hungerlöhnen. Oder sind da Deutsche vor Ort, die die Expo 2022 mit vorbereiten? Es bleibt ein Rätsel.

Aber jetzt, wo wir schon mal beim Thema Dubai sind, krame ich noch mal in der Bilderkiste und im Reise-Hirn. Bei 2°C Außentemperatur und zwei Jahren ohne Fernreise, habe ich akutes Fernweh.

Hier also noch ein paar Kuriositäten, die in der ersten Postkarte fehlten:

Geld
Dubai hat Geld wie Heu, das sieht man an allen Ecken, sei’s im Goldgeschäft oder an den gigantischen Hochhäusern. Oder entlang der Flüsse. Da gibt es zwar weit und breit keinen Biergarten, dafür aber USB-Ladeboxen an jeder Laterne, Bose-Lautsprecher in jedem Pflanzkübel und Funkmasten in Form einer Palme.

Wüste
Fährt man eine Stunde stadtauswärts, steht man sehr schnell in der Wüste. Dort sind wir mit Offroadern über die Sandberge gedonnert. Von der Nachhaltigkeit her so la la, aber sehr beeindruckend was Autos so abkönnen. Beim Plausch mit dem Fahrer erfahren wir, dass er deutsche Autos toll findet, er würde aber nie einen Mercedes oder BMW für diese irre Reiterei über die Dünen nehmen. Die wären zu anfällig, er schwöre auf Toyota. Beeindruckend fand ich, wie schnell doch die eigenen Fußspuren weggeweht werden und dann stehst du mitten im Nichts und hättest keine Chance je zurückzufinden. Nach dem Wüstenritt, wurden wir mit zig anderen Touristen in einem Wüsten-Camp zusammengefercht um Bauchtanz, Feuer-Show und Derwischtanz beizuwohnen. Gar nicht mein Fall, aber immerhin gabs hinterm Klo-Häuschen, einen Imbiss-Wagen wo Indisches Bier aus Dosen verhökert wurde. Für 6 EUR, aber was soll’s.

Burj Khalifa
Ist man in Dubai, kann man den Burj Khalifa nicht übersehen. 828 Meter misst dieses Ding. Ganz oberschlau buchten wir den Early Bird Tarif mit Breakfast, ließen sogar das Hotelfrühstück sausen und freuten uns auf ein dekadentes Frühstück in luftiger Höhe. Der Ausblick war schon beeindruckend, wobei es aber im Wesentlichen Sand und Beton zu sehen gab. Das „Frühstück“ gab‘s dann unten beim Verlassen des Wolkenkratzers. Ein Croissant auf die Hand und Kaffee aus dem Pappbecher. Na lecker. Jeden Abend verwandelt sich das Gebäude in ein Laser-Show-Spektakel. Brot und Spiele.

The Palm
Ich weiß gar nicht, was mehr größenwahnsinnig ist. Der Burj Kalifa oder das künstlich geschaffene Land „The Palm“ samt Hotel Atlantis. Und weil das alles schnell zu klein wird, bauen sie nebenan schon wieder das nächste Mega-Hotel und schütten die nächste Palme auf und dazu noch eine Weltkarte. Verrückt oder? Da kaufen Leute Land, was es eigentlich gar nicht gibt.

Zurück ging es dann mit einem A380. Ach ja, auch alles Geschichte.

Vielen Dank, dass sie heute mit T.-Tours geflogen sind, wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord begrüßen zu können. 😉

Und hier die erste Postkarte aus Dubai (Januar 2019)

10) Postkarte aus Dubai

Im Januar 2019 hatte ich Gelegenheit, nach Dubai zu reisen. Trotz der vollen Agenda konnten wir ein paar Highlights sehen und etwas von der Stadt spüren. Neben den wohl bekanntesten…

271) Digitales Lernen 3 – Ein paar Ideen

Mit >Beitrag 1 der Reihe habe ich die Situation zum Digitalen Lernen an unseren Schulen aufgenommen, in >Beitrag 2 dann überlegt, wo eigentlich das Problem liegt. Wer beide noch nicht gelesen hat, sollte erst einmal mit denen anfangen, sonst wird das hier vielleicht etwas viel.

Heute soll es also mit ein paar Ideen zum Digitalen Lernen weitergehen. Aber erst noch schnell großen Dank an euch für die ausführlichen Kommentare bisher!!

Bevor ich aber starte, vielleicht noch ein paar Sätze vorab:

  1. Es sollen Impulse sein, einzelne Ideen. Es ist kein fertiges Konzept, die Zeit habe ich hier nicht und würde auch das Ziel dieses Blogs sprengen.
  2. Ich schreibe die Ansätze mit Erfahrung aus vielen Jahren Teil-Home-Office und Voll-Home-Office, wissentlich dass vielleicht nicht alles auf den Bildungsbereich und (sehr) junge Menschen übertragbar ist.
  3. Zur Vereinfachung klammere ich die Diskussion um unser föderales Bildungssystem aus, denn das ist nicht zwingend Voraussetzung für Digitales Lernen.
  4. Ich werfe alle Alters-und Schulklassen in einen Topf, unterscheide auch nicht in Charakter, digitaler Affinität  oder mentaler Aufnahmefähigkeit von Kids.
  5. Um dem Ganzen etwas Struktur zu geben, hangele ich mich an den Problemfällen aus Beitrag 2 entlang, tausche aber das Wort „Problem“ mit „Herausforderung“ 😉

Ansätze, Ideen, Impulse

Herausforderungen in der Technik

Hardware/Software und deren Finanzierung
Die Kids brauchen natürlich entsprechende Geräte, keine Frage, und entweder sind die bereits zu Hause vorhanden oder sie müssen Ihnen zur Verfügung gestellt werden. Das kann über eine Leihe sein, was natürlich wieder Administrationsaufwand mit sich bringt oder man kann das vielleicht von staatlicher Weise einfacher angehen, indem man einen Digitalisierungszuschuss zum Kindergeld ab dem 5. Lebensjahr gibt. Ein Laptop i.H.v. 400 EUR und einer Laufzeit von 3 Jahren, kostet den Staat 11 pro Monat und Kind. Dann wäre die Schule aus diesem ganzen Organisationsaufwand raus und man erzeugt nicht noch zusätzlichen Overhead für Bedürftigkeitsprüfung und Abrechnung der Geräte.

Zeitgleich muss man mit Software-Firmen über lizenzfreie, vielleicht auch limitierte, Software sprechen, es gibt bereits komplett freie Office-Versionen im Netz, aber die sind in den oberen Klassen nicht ausreichend. Es muss auch im Interesse der Hersteller sein, sich hier zu beteiligen, denn das sind schließlich alles ihre Kunden von morgen. Auch dabei wäre auch nicht die Schule in der Administrationsrolle für die Updates etc, dies sollte unbedingt vermieden werden, denn die Schule hat schon mit den eigenen Geräten genug zu tun.

Netzausbau und Skalierbarkeit
In der Schule muss auch investiert werden und zwar nicht nur mit ein paar Hotspots auf dem Gang und einem Drucker im Lehrerzimmer. Lehrkräfte müssen in der Lage sein, ihren Unterricht live aus dem Klassenraum in die Kinderzimmer zu streamen. Egal ob 15 Schüler, 30 Schüler oder zeitgleich an mehrere Klassen. Die Schwächen in der Netzanbindung, so glaube ich, liegen gar nicht so sehr in den Wohnungen der Schüler, sondern eher in den Schulen.

Herausforderungen im Doing

Schwarz und Weiß
Als erstes, glaube ich, muss man dieser so polarisierenden „Distanz-ODER Präsensunterricht“-Frage entkommen. Und auch von diesem platten Statement, „Home Schooling kann niemals echten Unterricht ersetzen“. Das soll es ja auch nicht. Die Farbe muss grau, statt schwarz/weiß sein. Beides muss ineinanderfließen, nur wenn beides zeitgleich funktioniert, dann ist man flexibel und kann auch künftige Modelle andenken. Ähnlich wie in der Wirtschaft, denke ich hier ganz besonders an alternierende Modelle. Auf jeden Fall sollten die Kids in die Schule kommen, wenn es erforderlich ist und Sinn macht (z.B. bei Vorträgen, Teamwork, Klassenarbeiten, Kunst, Musik, Sport), dann aber auch selbstverständlich zu Hause bleiben können, wenn es Vorteile bietet (z.B. stille Ausarbeitung von Themen, Lesen von längeren Texten, Bearbeiten von Übungsblättern). Das bringt noch ganz andere Vorteile mit sich: Weniger Verkehr, weniger Lärm in der Klasse, mehr Konzentration, mehr Zeit.

Planung
Ich denke auch, wir werden nicht dahin kommen, dass nun jeder Schüler kommt und geht wie er lustig ist. Das macht keinen Sinn. Aber mit entsprechender Planung des zu vermittelnden Stoffs, dem Wissen um verfügbare Raumkapazitäten und Lehrkräfte, muss sowas eigentlich möglich sein. Man kann mit Zeitkontingenten arbeiten, mit Pflichtanteilen und gewisse Anwesenheiten werden indiskutabel sein. Wie schon in Beitrag 2 geschrieben, darf solche Organisation nicht analog betrieben werden, das würde jede Schul-Administration überfordern. Aber auch dafür gibt es Tools. Dann ist es möglich, dass man sich z.B. am Tag 1 für eine Art „Kick-off“ trifft und die Woche bespricht, alles erledigt was mit Kommunikation zu tun hat, sich dann für Tage 2 und 3 ins Home Schooling verabschiedet, am Tag 4 wieder zusammen kommt, um die Ergebnisse zu besprechen, Tests zu schreiben und vielleicht an Tag 5 mal zusammen auf dem Sportplatz ein paar Runden dreht oder einen Workshop macht. Und Schulklassen haben gegenüber erwachsenen Teams sogar einen vereinfachenden Vorteil. In der Regel tun Schüler die gleichen Dinge, im gleichen Takt, mit den selben Termin dahinter.

Aufgaben
Die Aufträge für die kommende Woche, zusätzlich Hausaufgaben, Projekte und Sonderthemen, nötige Materialkäufe, bis hin zur Mitbringliste für das Sommerfest, werden alle über eine App verteilt, terminiert, automatisch erinnert und auch wieder eingesammelt. Eltern haben selbstverständlich Zugriff und sehen, ob die Kids im Plan sind und können nachsteuern. Es muss Schluß sein, mit diesem e-Mail-Chaos, das ist nicht mehr zeitgemäß! Wenn all das toolbasiert läuft, erübrigen sich Papier-Stundenpläne, Anwesenheitslisten, Krankmeldungen und Entschuldigungszettel.

Hybridunterricht
Man wird vermutlich weiter über halbe Klassenstärken nachdenken, aber das macht nur Sinn, wenn die jeweils andere Hälfte von zu Hause den Unterricht mitverfolgt sonst haben die Lehrer doppelt Aufwand. Das ist sicherlich nicht einfach, die Hälfte der Klasse vor sich zu haben und die andere Hälfte in der Ferne. Das erfordert gute Moderation und Disziplin aber mit entsprechenden Spielregeln und Motivation für die Schüler, lässt sich da sicher etwas machen. Wie? Ja fragt doch auch mal die Kids!

Dezentrales Arbeiten leben
Wichtig ist glaube ich, dass wir jetzt nicht nur digitalisieren für einen möglichen Ernstfall später und bis dahin die Lösung im Schubfach belassen. Nein, diese neuen Arbeitsweisen müssen ständig gelebt werden. In guten und in schlechten Zeiten. Dann bleiben die Prozesse in den Köpfen, dann bleibt die Technik up to date und vor allen Dingen der Content aktuell. Dann sind auch weitere Ideen möglich. Schüler müssen nicht nur von zu Hause arbeiten, Schüler könnten theoretisch an „Orten mit beaufsichtigtem Lernen“ arbeiten, aber dazu braucht es dann eben keine vollwertigen Lehrer. Schüler könnten in „Junior-co-working-spaces“ arbeiten, statt zu Hause vor der Playstation zu hängen, weil der Bruder gerade den Laptop braucht. Das geht aber alles nur, wenn der Content überall verfügbar ist.

Herausforderungen im Content

Initialisierung
Es würde ein Mega Projekt werden, wenn jetzt Lehrer anfangen müssen, sukzessive die Lernwolke mit Content zu füllen und sich doch bitte vorher noch eine gute Struktur überlegen. Vielleicht kann man da die Verlage mit einbeziehen, denn schließlich haben die all den Content bereits digital und schon in einer gewissen Struktur vorliegen. Warum können Verlage nicht verdonnert werden, Seite für Seite digital in der Plattform anzubieten. Dann würden Verlage zwar langfristig nicht mehr so viele Bücher drucken, aber sie kämen in die Rolle eines Content Curators oder Content Managers, also auch hier sind es völlig neue Aufgaben, die auf sie warten.

Print vs Online
Nun wird man schnell sagen, dass man am Computer so schlecht lesen kann. Und da stimme ich auch zu, zumindest wenn es um lange Fließtexte geht. Die können ja gerne in Form von Büchern bleiben, keiner soll Goethes Faust am Rechner lesen müssen. Aber es gibt eben auch genauso viele Dinge, die müssen nicht in Buchform sein müssen z.B. Schaubilder, Abläufe, Diagramme, Tabellen. Sie machen virtuell und animiert sogar mehr Sinn und dazu auch noch Spaß! Ältere Schüler könnten sogar vielleicht wählen, ob sie Pflichtliteratur lieber als Buch oder über den e-Reader lesen wollen.

Dokumentenaustausch
Arbeitsblätter und Rechenaufgaben sollten direkt in der Lernplattform ausgefüllt werden. Dann entfallen all die Uploads und Medienbrüche, die wir heute so beklagen und Lehrer haben sogar noch einen Vorteil, weil gewisse Ergebnisse automatisch gesichtet werden können. Nicht alles lässt sich in multiple choice abfragen, logisch. Aber mit entsprechenden Algorithmen könnte man schon etwas vorsortieren oder dem Lehrer bestimmte Markierungen geben, wo er mal genauer hinschauen sollte. Keine Panik es wird sicher weiter handschriftliche Aufgaben geben, aber es gibt auch Aufgaben die sind so klar strukturiert, da hilft dem Lehrer die Sauklaue der Schüler auch nicht gerade z.B.  Bruchrechnung, Addition, Subtraktion etc. Hier könnte Technik dem Lehrer sogar stupides Korrigieren abnehmen.

Herausforderungen im System

Rollen
Das ist sicher eine größere Baustelle. Es bedarf nicht nur Technik und Organisation, sondern neuer Rollen, neuer Zuständigkeiten, neuer Wege der Zusammenarbeit, auch von den Organisatoren und Betreibern solcher Lernplattformen.

Jobs werden sich ändern, Lehrer werden nicht mehr „nur“ vor der Klasse stehen, sie werden zusätzlich Content Provider, Coach, Moderator und Präsentator. Und auch Sozialarbeiter, weil sie aufpassen müssen, dass keiner der Schüler dabei unter die Räder kommt.

Die Einkaufsstrategie gegenüber Computer-Herstellen und Buchverlagen muss komplett überdacht werden, es muss mehr Druck aufgebaut werden, damit die Beteiligten selbst in die Lernprozesse eingebunden werden, statt nur „Lieferant“ für Blech und Papier zu sein.

Change
Und zu alldem kommt der nötige persönliche Wandel bei den Beteiligten dazu. Erwartungshaltungen müssen sich ändern, z.B. die Erwartung dass alles „geschult“ werden muss, bevor man mit Werkzeugen arbeitet. Und das Selbstverständnis, dass Software und Medien von heute auf morgen anders aussehen und man nicht großartig informiert wird. So wie im privaten Umfeld.

Verzicht und Agilität
Wir müssen wegkommen von dem Perfektionismus, von dem Anspruch, die 150 % Lösung zu bauen, denn die wird es nicht geben. Dazu bräuchte man Jahre und wenn die dann fertig ist, ist sie veraltet. Auch hier muss agil gedacht werden, in beherrschbaren effektiven Schritten anfangen und dann zügig skalieren und dazu gehört auch Weglassen. Sowohl bei liebgewonnenen Ritualen, als auch im Lernstoff selbst. Stichwort „Süßwasser-Polyp“ und „Das Leben und Schaffen von Brahms“ … sorry Johannes 😉

Neues Wissen
Vielleicht bräuchte man stattdessen ein neues Schulfach zur Selbstorganisation, zum Umgang mit solchen Arbeitsweisen, nicht nur für die Zeit des digitalen Lernens an der Schule, sondern auch im Vorgriff auf die Zeit wo die Kids mal in eine Uni oder Ausbildung gehen. Denn dort arbeitet man ja schon so.

Croudsourcing
Und das muss auch alles nicht nur von Lehrkräften geleistet werden. Schüler können eingebunden werden in Reviewprozesse, sie können sogar eigene Schaubilder in der Lernplattform anbieten, wenn die besonders gelungen sind, sie können auf inhaltliche Fehler hinweisen und Computer Freaks unter den Schülern können sogar Support machen. Auch Eltern können eingebunden werden, indem sie eigenes Spezialwissen vermitteln oder wenn sie selber Material brauchen, um ihren Kindern komplexe Dinge zu erklären, die sie selber nicht mehr auf der Pfanne haben.

Fazit für heute:

Also, da ist sicher viel zu tun, aber auch soooooo vieles möglich. Manches klingt vielleicht noch etwas abgedreht und nicht jedes Kind, Alter oder Fach ist dafür geeignet. Klar muss man Kids anders bei Laune halten als Homeoffice-Angestellte, klar muss man irgendwie lösen, dass die Kids nicht nebenbei zocken, aber das schafft man auch nicht mit schwarz/weiß-Kopien von Arbeitsblättern in einem überfüllten Klassenraum mit kaputten Fenstern. Wenn Kids in der Schule möglichst wenig trinken, bloß um da nicht aufs Klo gehen zu müssen, dann sehe ich in Digitalem Lernen ein vielversprechende Zukunft.

Vielleicht lässt sich so etwas sogar schneller auf die Beine stellen, als Investitions-und Bauanträge für Sanierungen für marode Schulen durchzukriegen. Wenn ich sehe, dass ein „Behelfs“-Bau für eine Berliner Schule Jahre braucht, bis er entworfen, finanziert und gebaut ist … dann halte ich das für gar nicht so unrealistisch.

Jetzt mach ich aber besser mal Schluss.

Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion 😉

Die anderen beiden Beiträge der Reihe:

308) Digitales Lernen 4 – Konzepte

Nach dem ich den Beitrag >Digitales Lernen – Teil 3 zu Beginn des Jahres veröffentlicht hatte, begab ich mich auf Netz-Recherche. Ich wollte wissen, welche Maßnahmen dazu so in der…

270) Digitales Lernen 2 – Wo liegt das Problem?

Aber warum tut man sich in Deutschland nach zwei Jahren immer noch so schwer?

So endete >Beitrag 1 dieser Reihe und damit mache ich heute hier weiter. Wer >Beitrag 1 noch nicht gelesen hat, besser erst einmal da beginnen.

Nach dem ich da meine Eindrücke in Form einer Bestandsaufnahme niedergeschrieben habe, will ich heute drüber nachdenken, was eigentlich die Probleme und Hindernisse sein könnten, wenn es darum geht, Schule zu digitalisieren. Bitte kommentiert und korrigiert gerne wieder, wenn ihr da andere Meinungen oder bessere Informationen habt 😉

Also wo liegt das Problem?

Probleme in der Technik:

Fehlt es an der nötigen Hardware?
Zumindest in der Schule kann ich mir das nur schwer vorstellen. Dort sollte es doch möglich sein, solche Dinge zu besorgen. Vermutlich einfacher, als das Klo reparieren zu lassen. In den Familien ist das nicht ganz so einfach. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in fast allen Familien Smartphones gibt, aber auf diesen Geräten kann man natürlich keine Schule machen. Trotzdem ist das doch eigentlich das geringste Problem, bedürftigen Familien entsprechende Laptops zu verschaffen. Mehr dazu in Beitrag 3.

Mangelt es am Netz?
Da könnte wohl etwas dran sein, obwohl ich auch glaube, dass die meisten Haushalte mittlerweile Anschluss ans Internet haben. Bei den Klassenräumen bin ich mir noch nicht ganz so sicher. Wenn ich dann aber neulich in einer Videokonferenz höre, dass die Kinder am besten Kamera und Ton abschalten sollen, um eine stabile Verbindung zu gewährleisten, dann gibt es zu wenig Bandbreite und Kinder tauchen ab und verstecken sich.

Fehlt es am Budget?
Sicher wird so ein Vorhaben ordentlich Geld kosten, keine Frage. Aber die konventionelle Durchführung des Unterrichts kostet auch Geld und wenn man mal die Risiken und Nachteile dazu nimmt, dann noch viel mehr, würde ich mal sagen. Und wenn ich sehe, welche Gelder für Corona-Maßnahmen und Wiederaufbau in den von Unwettern zerstörten Gebieten locker gemacht wurden, dann kann es nicht am Geld liegen.

Probleme im Doing:

Ist die Unterrichtsplanung das Problem?
Logistik wird häufig unterschätzt, in der Tat. Aber es ist nur dann ein Problem, wenn man Digitales Lernen auf analoge Weise mit Zettelwirtschaft, Klemmbrett und Telefon plant. Die Planung muss natürlich auch digitalisiert werden. Was ich mir durchaus herausfordernd vorstelle ist, wenn die Lehrkräfte ja teilweise selber im Home Office sitzen und dort auch wieder deren Kinder umherspringen und Aufmerksamkeit von ihren Eltern fordern.

Ist digitaler Unterricht vielleicht unhandlich?
Klar lassen sich Papier-Hausarbeiten vielleicht schneller korrigieren und mit anderen vergleichen. Man hat was zum Anfassen, kann die Papiere vor sich ausbreiten, man kann Hinweise an den Rand kritzeln, als das mit Fotografierten Arbeiten oder PDFs effizient möglich ist. Allerdings liegt es m.E. auch genau an all diesen Medienwechseln, die heute für Frust sorgen. Das Problem ist hausgemacht! Der Lehrer muss ein Dokument uploaden und klassifizieren, die Schüler müssen das Dokument finden, downloaden, ausdrucken, ausfüllen, abfotografieren und wieder uploaden. Der Lehrer muss dann wieder alle 30 Ergebnisse sichten, kontrollieren und auf einem anderen Kanal sein Feedback oder gar Noten geben. Ein Wahnsinn! Kein Wunder, dass Lehrer keine Zeit haben, Videokonferenzen abzuhalten.

Liegt es am fehlenden Know-How bei den Kindern?
Das glaube ich kaum. Wenn ich sehe wie die Kids mit den Geräten hantieren, wie sicher sie bei Netflix und anderen Portalen unterwegs sind, da kann sich manch Erwachsener ein Scheibchen von abschneiden. Und gerade Schüler mit Sprach-Barriere haben es da vielleicht sogar anfangs noch einfacher, als sich unter 700 Kindern einer Berliner Schule zu integrieren und zu behaupten.

Liegt es am fehlenden Know-How bei den Lehrkräften?
Hier sehe ich schon einen wichtigen Punkt. In der Wirtschaft standen bereits Anfang der Neunzigerjahre flächendeckend PCs auf den Schreibtischen. Wie die Situation heute in den Schulen ist, weiß ich nicht, aber ich glaube, dass die Schulen nicht gerade vorne sind wenn es um IT Infrastruktur, deren Administration und dem nötigen Know-How-Aufbau im Kollegium geht.

Probleme im Content:

Ist die reine Menge der Lehrmittel das Problem?
Ich sehe auf keinen Fall ein Problem mit der Datenmenge, schaut man sich mal Netflix, Amazon Prime und YouTubes an, ist das alles machbar. Was man vielleicht hinterfragen kann ist, ob man denn alle Schulbücher, Übungshefte und Arbeitsblätter digital benötigt. Ich glaube, das braucht es gar nicht. Seit Jahren tragen Schüler schwere Schulbücher täglich hin und her und manche Seiten wurden nie angesehen.

Mangelt es an Struktur?
Ganz kurz? Ja. Wenn ich mir die beiden Plattformen so anschaue, die ich gesehen habe, fehlt es da an Struktur und an einer Definition „Was“ eigentlich „Was“ ist. Der einzige gemeinsame Nenner scheint noch das „Unterrichtsfach“ zu sein. Also Mathe, Deutsch etc, ein paar Level darunter, macht jeder was er will. Also z.B. was ist ein „Thema“?, Was eine „Unterrichtseinheit“?, Was ist eine „Buchseite“?, Was ist ein „Arbeitsblatt“?, Was ist ein „Schaubild“? Wie sind solche Dokumente zu benennen? Woran erkennt man sie? Und und und ….

Fehlt es an Attraktivität?
Auch wichtig. Der Großteil des Stoffes ist Lesestoff, der ist aber allein zu Hause wahrlich schwer zu konsumieren. Schaut man sich bei Profis um, findet man Videos, Animationen und WBTs. Mittlerweile rennen die Kinder und deren Eltern schon zu YouTube-Lehrern, weil sie da komplexere Dinge besser verstehen.

Probleme im System:

Liegt es an der freien Wahl der Lehrmittel?
Lehrkräfte haben heute Freiheiten in der Gestaltung des Unterrichts, nicht unbedingt bei dem „was“ Kindern beigebracht wird, aber beim „Wie“. Damit liegt auch die Entscheidung ob Unterricht digital vermittelt oder analog bei Ihnen. Nicht mal innerhalb in einer Schule kann anscheinend Konsens hergestellt werden und da rede ich mal noch gar nicht von Städten oder gar Bundesländern. Aus meiner Sicht ist das ein Mega-Hindernis, denken wir auch mal an Vertretungsfälle wegen Krankheit, Mutterschutz und Elternzeit etc.

Wo ist der Content heute und wie tauglich ist er?
Durch oben besagte Freiheit in der Wahl der Lehrmittel, kann ich mir sehr gut vorstellen dass der Content heute in Leitz Ordnern, Klarsichthüllen und möglicherweise auf lokalen Festplatten schlummert. Wenn ich so manche Arbeitsblätter sehe, sind das bereits die x-fuchsten Kopien des Original-Papiers.

Oder ist unser föderales Bildungssystem das Haupthindernis?
Unser föderales Bildungssystem ist da sicherlich kein Beschleuniger, allerdings sehe ich das auch fürs Digitale Lernen nicht unbedingt als kriegsentscheidend. Beim Aufbau einer solchen digitalen Lernlandschaft kann ein Bundesland für sich alleine viel schneller agieren, auch wenn das aus gesamtdeutscher Sicht wirtschaftlich sehr fraglich ist. Aber der Lernstoff wird auch im Bundesland verantwortet, auch wenn das ebenso unverständlich ist. Das Problem des Bildungsföderalismus muss man angehen, ohne Frage. Aber wenn wir das noch vor der Digitalisierung machen wollen, glaube ich bei meinen Ur-Enkeln noch nicht an Digitales Lernen.

Oder blockiert da vielleicht irgendjemand ganz aktiv?
Möglicherweise in den Gewerkschaften der Lehrkräfte, weil sie ihre Mitglieder oder sich überfordert sehen? Oder bei den Lehrkräften selber, weil Wandel unbequem ist und am Ende ein völlig anderer Lehrerberuf rauskommen kann? Oder bei den Kultusministern, die an Macht und Einfluß verlieren? Oder bei den Schulbuchverlagen die Panik kriegen, nie wieder Schulbücher in diesen Mengen verkaufen zu können. Tja, da kann man nur mutmaßen, vielleicht tue ich auch Unrecht und da blockiert gar keiner. Aber bei dem Thema muss man eben auch „agieren“, statt nur „nicht blockieren“ und das sehe ich leider nicht.

Fazit für heute:

Vermutlich haben wir von all den Problemen etwas dabei und das macht erst recht deutlich, wie groß diese Aufgabe ist. Da ist es mit etwas WLAN an der Schule noch lange nicht gemacht.

Und darüber will ich in Beitrag 3 der Reihe etwas nachdenken, ihr könnt gern mitmachen.

PS: und wenn ich hier irgendetwas fachlich falsch dargestellt habe, dann bitte drauf hinweisen, denn hier bei dem Thema soll es sachlich zugehen 😉

Die anderen beiden Beiträge der Reihe:

271) Digitales Lernen 3 – Ein paar Ideen

Mit >Beitrag 1 der Reihe habe ich die Situation zum Digitalen Lernen an unseren Schulen aufgenommen, in >Beitrag 2 dann überlegt, wo eigentlich das Problem liegt. Wer beide noch nicht…

308) Digitales Lernen 4 – Konzepte

Nach dem ich den Beitrag >Digitales Lernen – Teil 3 zu Beginn des Jahres veröffentlicht hatte, begab ich mich auf Netz-Recherche. Ich wollte wissen, welche Maßnahmen dazu so in der…

269) Digitales Lernen 1 – Eine Bestandsaufnahme

Schon wieder sitzen wir im Distanzunterricht. Nein, nicht wegen Corona, sondern weil es in der Schule gebrannt hat und bis auf Weiteres dort nicht unterrichtet wird. So etwas kann man schlecht vorhersehen, genauso wie die Pandemie, heißt es da schnell. Das stimmt schon, aber man kann sich darauf vorbereiten, seine Hausaufgaben machen.

Aber schon wieder läuft der Distanz-„Unterricht“, extrem schleppend an. Wieder finden Videokonferenzen extrem selten oder gar nicht statt, wieder tröpfeln Aufgaben sehr unsortiert über die Lernplattform zu den Kindern, wieder sind Abgabetermine schwer zu erkennen, wieder führt man parallel Listen, um nicht den Überblick zu verlieren. Für Kinder und Eltern eine Zumutung.

Ich habe schon in >Corona-Lektion 17, >Corona-Lektion 77 und >Corona-Lektion 79 meinen Frust dazu abgelassen.

Diesmal will ich aber gar nicht so sehr schimpfen, sondern offen drüber nachdenken und diskutieren. Ich kann dabei nur aus der Erfahrung mit zwei Gymnasien und einer Grundschule in Berlin sprechen und habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich bin kein Bildungsexperte, arbeite aber seit Jahren in virtueller Umgebung, mit viel Distanz, sowohl räumlich, sprachlich und kulturell. Leser oder Leserinnen arbeiten vielleicht selber an einer Schule oder kennen sich in der Thematik besser aus. Fühlt euch frei, zu kommentieren oder zu korrigieren.

In dem heutigen Beitrag will ich etwas über die aktuelle Situation schreiben, wie ich sie so wahrnehme. In einem zweiten Beitrag dann über mögliche Ursachen und Hindernisse nachdenken, in vielleicht einem dritten Beitrag mögliche Ideen einbringen. Mal sehen, ich will mich da noch nicht festlegen.

Bestandsaufnahme:

Das Haupt-Problem scheint mir zu sein, dass man das Digitale Lernen von zu Hause überhaupt nicht haben, ja nicht mal denken, will. Schon beim Begriff Homeschooling schrillten die Alarmglocken, weil Homeschooling (also Hausunterricht) eine besondere, aber möglich Form von Unterricht durch Privat-Lehrer oder Eltern ist (siehe Wiki) weil es an einem Ort z.B. keine Schule mit deutschem Lehrplan gibt. Dann wurde hastig der Begriff Distanzunterricht entwickelt, aber nur, um die geltende Schulpflicht zu unterstreichen und die Lehrkräfte offiziell in Verantwortung zu haben, statt Eltern oder eben Privatlehrer in der Ferne. Dass Unterricht in häuslicher Umgebung kein Dauerzustand sein soll, ist glaube ich jedem klar, aber deshalb die Option komplett zu ignorieren oder zu verschleppen, ist aus meiner Sicht der falsche Weg.

Und weil das Digitale Lernen scheinbar nicht gewollt ist, haben auch die Lehrkräfte einerseits wenig Rückendeckung, neue Lernmethoden zu probieren, aber auch wenig Motivation sich dieser Herausforderung zu stellen. Nicht falsch verstehen, es gibt Lehrkräfte die sind da super-engagiert, ich kenne aber auch genügend, die bei dem Thema gern den Kopf einziehen. Als ich Anfang November 2021 in einer Elternversammlung saß und dort die Frage von Eltern kam, wie man sich denn auf einen  möglichen weiteren Lockdown vorbereitet, kam nur Achselzucken und eine Antwort á la „Wir denken nicht über solche Eventualitäten nach, stattdessen konzentrieren wir uns lieber auf die Vermittlung von Stoff, so lange es geht“. Das klingt im ersten Schritt logisch, ist aber exakt die Haltung, die uns in die Corona-Misere geführt hat. Auch da wusste man vorher, dass es Pandemien geben wird. Ähnlich bei der jüngsten Wetter-Katastrophe mit vielen Toten und gigantischen Schäden im Westen Deutschlands. Auch da war erkennbar, dass solche Unglücke passieren werden, dass Häuser an gefährlichen Stellen stehen, weil Flüsse zu stark eingeengt wurden etc. Aber dann begräbt man die Toten und bebaut das Gebiet wieder, weil es ja ein „einmaliges Ereignis“ war. Aber ich schweife ab.

Wenn Unterricht vor Ort nicht funktioniert, kann das zum Beispiel wegen einer Pandemie, aber auch wegen eines Brandschaden oder Rohrbruchs sein. Es können aber auch gewöhnlichere Ereignisse sein. Lehrkräfte fallen mal aus oder müssen auf Weiterbildung, es gibt Bauarbeiten im Gebäude, der Nahverkehr streikt, es gibt Unwetter oder Hitzewellen. Und leider gibt es auch ganz schlimme Anlässe wie z.B. Terror-Anschläge und Amokläufe.

Aber schauen wir nicht nur auf die Einmal-Ereignisse, sondern auch auf alle anderen Gründe, warum Schulen nicht begehbar oder schwer erreichbar sind. Denken wir an den ländlichen Raum, wo zwischen Wohnsitz und Schule täglich viele Kilometer zu fahren sind, denken wir an gehbehinderte oder sonstig eingeschränkte Kinder, oder Kids die für Wochen ans Bett gefesselt sind, weil sie sich ein Bein gebrochen haben. Und denken wir bitte auch an die banale Erkältungswelle, wo es eigentlich vernünftig wäre, nur mal ein paar Tage Abstand zu halten. Und da haben wir noch gar nicht über Reduzierung von Verkehr und Schulbussen gesprochen oder von der Frage, warum Kinder eigentlich jeden Tag um 06:30 Uhr aufstehen müssen.

Warum reite ich so lange auf all diese Gründen herum? Eigentlich nur, um deutlich zu machen, dass es diverse gute Gründe gibt, sich dem Thema zu stellen. Wie auch an anderen Stellen, hat Corona die Mängel hier „endlich“ sichtbar gemacht, Corona ist aber nicht der Grund für Distanzunterricht und man soll bitte nicht so tun, als kämen wir schon irgendwie durch die Pandemie und dann ist alles wieder gut. Nichts ist gut.

Denn immer wenn ein solche Situation auftritt, und ich glaube künftig häufiger, dann entsteht eine planlose Hektik, weil durch dieses „unvorhersehbare“ Ereignis der Unterricht spontan „irgendwie“ ins Netz verlagert werden muss. Das erzeugt extreme Reibung, vertrödelt wertvolle Zeit und sorgt für zahlreiche Konflikte zu Hause, die eigentlich überhaupt nicht sein müssten, wenn man Schule komplett digitalisieren würde.

Ich meine explizit nicht die Abschaffung von Präsenzunterricht, ich meine eher, den Lernstoff komplett digital vorzuhalten und so aus der Schule oder aus der Distanz abrufbar zu haben. Dann wäre es völlig egal, warum das Schulgebäude nicht betreten werden kann und der Unterricht kann in wenigen Stunden woanders hinverlagert werden. Wir dürfen nicht analogen Unterricht planen und ihn dann kräftezehrend, zeitweise digitalisieren. Wir müssen grundsätzlich digitalen Unterricht planen, selbst wenn ein Großteil des Jahres Präsenzunterricht herrscht. Nur so kann es gehen. Nur so werden wir flexibel, agil und resilient. Nur so kann Inklusion von Benachteiligten funktionieren, nur so kann auch das Bildungswesen einen Beitrag zur Verkehrsreduzierung leisten.

Fazit für heute:

Warum tut man sich in Deutschland nach zwei Jahren immer noch so schwer?

Darüber will ich im nächsten Beitrag nachdenken.

Die anderen beiden Beiträge der Reihe:

271) Digitales Lernen 3 – Ein paar Ideen

Mit >Beitrag 1 der Reihe habe ich die Situation zum Digitalen Lernen an unseren Schulen aufgenommen, in >Beitrag 2 dann überlegt, wo eigentlich das Problem liegt. Wer beide noch nicht…

308) Digitales Lernen 4 – Konzepte

Nach dem ich den Beitrag >Digitales Lernen – Teil 3 zu Beginn des Jahres veröffentlicht hatte, begab ich mich auf Netz-Recherche. Ich wollte wissen, welche Maßnahmen dazu so in der…

74) Welcome back home

Ein Frohes Neues Jahr noch, liebe Leser. Da blieb nicht viel Zeit für einen ausgedehnten Hangover. Der Alltag ist zurück, und mit ihm all die nervenden Kleinigkeiten

Ein Auszug:
1. Noch im alten Jahr wurden wir informiert, dass irgendwelche Honks an der Schule gezündelt haben und daher der Unterricht „erst einmal online“ stattfinden muss. Gut, vielleicht sogar besser so. Dann können die Kids zu Hause etwas ausdünsten.
2. Die Rückfahrt von Dänemark dauerte dann zähe 9 Stunden. Vermutlich hatten sich die Familien eine spontane Verlängerung der Ferien erhofft und fuhren dann erst am Sonntag von der Nordsee zurück, so dass wir uns dann alle am Drive-In kurz nach Rendsburg trafen.
3. Etwas später trafen wir dann noch auf die Urlauber, die von der Ostsee kamen. So standen wir alle nett am Kreuz Wittstock/Dosse und glotzten auf die Rückleuchten des Vordermanns. What a pleasure! Aber immerhin ganz Corona-konform, jeder in seinem Auto und ich hatte gute Hörbücher + Podcasts dabei.
4. Endlich zu Hause angekommen, folgte dann das gemeinsame Auto ausräumen. Hier erspare ich mir weitere Ausführungen und verweise auf den Beitrag >Volle Packung.
5. Eine Hand voll Briefe wartete auf uns, unter anderem einer, der mich wie folgt begrüßte: „Hallo T., Du bist uns 0,06 Cent wert“ und weiter dann „Deine Adresse haben wir für 0 EUR und 6 Cent gekauft, um dich als Kund*in zu gewinnen“. Na vielen Dank ihr Nervbacken … ich will nicht eure Kund*in sein! Niemals! Rundablage!
6. Die Papiertonne ist immer noch überfüllt, das war sie vor Weihnachten schon. Nun kommt noch Spaßfaktor dazu, dass das Licht im Müllraum nicht mehr geht. Das macht große Freude, besonders wenn man keine Handy-Taschenlampe dabei hat.
7. Die Corona-Warn App schlägt mal wieder rot aus. Es gab da wohl eine Begegnung in Dänemark. Nur schwer erklärbar. Ich sammele die Meldungen jetzt und mach‘ mir zusammen mit den Impf-Barcodes irgendwann ein hübsches Album draus.
8. Die Dachdecker vom Haus gegenüber, hatten über über die Feiertage große Plastikplanen über dem Dachstuhl verspannt. Das macht nun einen Höllenlärm, wenn der Wind mit 20 km/h Wind die ganze Nacht da drauf geht. Selbst bei geschlossenem Fenster wurde sozusagen die ganze Nacht geböllert, aber die Straße sehen diesmal immerhin sauber aus.
9. Update von der Schule: Die Schäden nach der Brandstiftung müssen noch aufgenommen werden, man geht mal bis zu den Februar-Ferien von Home Schooling aus. Na großartig! So viel zu „erst einmal online“.
10. Und was soll ich sagen? Mal raten? Genau. Nichts vorbereitet, keine Aufgaben online. Nüscht! Ich verlange ja nicht, dass Lehrer extra ihren Urlaub abrechen, aber es zeigt doch wieder, wie weit wir von digitalem Lernen weg sind. Sei es im Falles eines Lockdowns, eine Klima-Katastrophe, oder wegen einer Brandstiftung.

Welcome back home, es hat sich nichts geändert 😉

57) Postkarte von Fünen (DK)

Dänemark über den Jahreswechsel. Das klang im Oktober sehr weise. Erstens waren die Corona-Zahlen da sehr niedrig, zweitens war Dänemark Impfmeister und drittens ist das Infektionsgeschehen in den Dünen von Fünen wohl eher gering.

Eine Vernunftsentscheidung gegen Halli-Galli, mit wenig Risiko, wieder abgeblasen zu werden. Und nun zum Risiko. Vor Weihnachten wurde DK dann zum Hochrisikogebiet eingestuft, für unsere Einreise sollte das ganz kein Problem werden, möglicherweise könnte es bei Rückreise etwas Stress geben. Also diskutierten die Stimmen im Kopf. Dürfen wir fahren? Wollen wir fahren? Sollten wir fahren? Vielleicht jetzt erst Recht, um nicht wieder enttäuscht zu werden und vor der Kulisse einer kleinen Vorahnung, was uns wohl ab Mitte Januar erwarten wird?

Die Entscheidung ist für die Reise gefallen und bislang war es richtig so.

Hier ein paar Eindrücke:

Am ersten Tag war es noch arschkalt, dafür gab es aber auch etwas Sonne. Ideal zum Joggen. Die Corona-Regeln nahm ich dabei sehr genau, zu jedem menschlichen Wesen hielt ich locker 3 Kilometer Abstand.

Ab dem zweiten Tag wurde es zwar wärmer, dafür sah man aber nicht viel von der Umgebung. Ich nahm die selbe Jogging-Strecke, bin dann aber irgendwo falsch abgebogen. Nach einer gefühlten Ewigkeit stand ich vor der Japanischen Staatsgrenze, entschloss mich aber, besser wieder umzukehren, denn mein Japanisch beschränkt sich auf Miso, Teriyaki, Sushi, Sake und Udon. Da fühle ich mich im Dänischen Sprachraum wohler.

Am dritten und vierten Tag hielt es uns Großstädter nicht mehr auf der Couch. Wir besuchten Städte im Süden der Insel und entdeckten die eine oder andere Skurrilität, die ich euch nicht vorenthalten will, denn so ist diese >Kathegorie der Postkarten hier schließlich mal gestartet.

Manche Häuser wurden noch vor der Erfindung der Wasserwaage gebaut oder die Wikinger hatten sich selber zu viel ge-ølt.

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Die hippen Backpacker können in diesem Hostel absteigen. Rucksäcke müssen draußen rechts von der Tür abgestellt werden, dafür ist drinnen kein Platz.

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Und sogar die Freimaurer haben sich hier mal eine schicke gelbe Loge gebaut und erfanden damit vermutlich die erste geschlossene Chatgruppe.

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In einer anderen Stadt gerieten wir etwas vom Weg ab und fanden uns in der Gasse der Büchsenmacher wieder. Bloß schnell weg hier.

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Die Corona-Regeln sind den unseren recht ähnlich, man trägt zwar das etwas lockere OP-Modell hier, aber die Instruktionen an den Türen klingen nicht so bedrohlich wie bei uns … eher hyggelig.

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Bei der Benamsung der schaumigen Kalorienbomben sind die Dänen schon einen Schritt weiter. Weder sind es geküsste Afrikaner mit dunkler Haut, noch die Köpfe selbiger. Es sind auch keine dicken Männer (Frechheit eigentlich!) und schon gar keine dürren Frauen. Sie nennen sie einfach Flødeboller. Wie hyggelig. Das heißt übersetzt „Sahnebrötchen“. Na lecker, das hat bestimmt das dänische Gesundheitsministerium erfunden, denn das kauft doch nun kein Mensch mehr.

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Und zum Schluß nun noch etwas adulte Kunst. Das passiert, wenn der Däne zu lange in Nebel und Dunkelheit sitzt. Dann wird er Kunstschmied und schmiedet ganz hyggelig vor sich hin.

Ei, Ei, Ei.

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So, liebe Leser, ich glaube, ich verabschiede mich nun aus dem Bloggerjahr 2021. Es sei denn, morgen passiert noch was ganz hyggeliges, dann melde ich mich noch mal.

Guten Rutsch und Godt nytår!

268) Corona-Lektionen 108

Ja, richtig bemerkt. Das Titelbild zum heutigen Beitrag stammt nicht aus Berlin. Denn wir haben uns weggeschlichen, legal über die grüne Grenze gemacht. Quasi für die nächsten Tage von der Entwicklung daheim „abgespalten“. Mit dem Wort Abspalten, baue ich gleich die Brücke zum heutigen Schwerpunkt.

Spaltung

Ganz besonders im Corona-Kontext wird häufig von der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft gesprochen und wenn man sich das Wort „Spaltung“ vor Augen führt, da denkt man dann ganz schnell an zwei Hälften. „Die“ und „Wir“ oder „Dafür“ und „Dagegen“. Aber um so länger die Pandemie dauert, um so mehr merken wir vermutlich, dass das eben nicht so einfach ist. Ich versuche es mal eine Ebene tiefer, wissentlich, dass das dann auch erst einmal nur wieder Schubladen sind, die natürlich auch wieder zu groß oder zu klein sein können.

  • Da gibt es sicher Menschen, die durch die Pandemie geliebte Menschen verloren haben, weil jemand an dem Virus erkrankt oder gar gestorben ist. Oder weil Beziehungen zerbrochen sind oder auf Eis liegen, da man sich aktuell nicht sehen kann oder zeitweise erst einmal nicht mehr sehen will. Nicht einfach.
  • Ganz bestimmt auch haben Menschen ihren Job verloren, vielleicht eine Ausbildung abbrechen oder fürs eigene Geschäft dann doch Insolvenz anmelden müssen. Ganze Berufszweige verschwanden und diese Menschen mussten sich beruflich komplett neu orientieren. Kein Zuckerschlecken.
  • Andere waren mit all der Ungewissheit und Einsamkeit in ihren Wohnungen „gefangen“ und mussten sich und ihre Kinder mit mangelnder Unterstützung durch schwierige Zeiten bringen. Ein Hochglanzbild von drei Kids, die gut gelaunt mit je einem Laptop im Küchentisch sitzen, während Mutti mit Headset auf dem Kopf lächelnd die Spaghetti kocht, käme wohl einem Schlag in deren Gesicht gleich.
  • Dann würde ich mal behaupten, dass ein großer Teil zwar von so mancher Maßnahme genervt ist, Veranstaltungen und gewisse Freiheiten vermisst und zum x-ten Mal eine Reise bucht, um sie dann letztlich doch wieder abzusagen, im Großen und Ganzen aber ohne große Schäden durch die Zeit kommt. Der Job läuft weiter, entweder mit Maske vor Ort oder eben mit Headset von zu Hause. 
  • Ich glaube ich liege aber auch nicht falsch, wenn ein gewisser Teil der Menschen sogar Vorzüge in der Zeit erkennen kann. Weniger Arbeitswege, keine Dienstreisen, weniger Dienstkleidung, mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Literatur, mehr Kontrolle über den Tag, mehr Einfluss auf die Work Life Balance. 
  • Und ich wage mal die These, dass es auch unbekannte Nutznießer der Pandemie gibt. Weil sie bereits ein Geschäft hatten oder in der Pandemie gegründet haben, mit dem sie nun gut Geld verdienen können. Egal ob legal oder illegal. Sie erleben einen Flow und es klingelt in der Kasse.
  • Oder sie haben sich von der Entwicklung hier komplett abgekoppelt, hocken in irgendeinem Steuerparadies, lassen sich mit Personal auf Yachten vor die Küste schippern und machen dort einen drauf, weil der Emir an Land das nicht so gerne sieht. Eher eine Ausnahme vermutlich.

So, das waren jetzt gerade mal 7 Schubladen, sehr vereinfacht zusammengezimmert. Wahrscheinlich sind wir auch in mehreren Schubladen unterwegs oder ich habe sogar eine vergessen. Hab ich das? Ja, ich vermute schon. 

Denn ich habe noch nicht kapiert, warum Leute wieder protestierend durch Städte ziehen und Katz und Maus mit der Polizei spielen. Sind es die gleichen Menschen, die im Sommer 2020 mit Aluhut und Trillerpfeife auftauchten oder braut sich da was ganz anderes zusammen? Ich kenne niemanden da persönlich, aber mein Eindruck ist, dass es sich nicht wirklich um Gespräche geht, sondern eher um Frust, Wut und Verdruss. Da scheint es sich auch gar nicht mehr um den Virus zu drehen. Vielleicht eher um eine wiederholte Enttäuschung, eine Empfindlichkeit gegenüber Vorschriften, um Ängste die sich aus den Umwälzungen ergeben, die wir eigentlich noch vor uns haben. Digitalisierung, Energieerzeugung, Überalterung, Migration, Klimawandel … um nur mal fünf zu nennen.

Diese Herausforderungen sind alle hyperkomplex, keiner hat aktuell Antworten darauf, keiner weiß was da auf uns zukommen mag. So etwas mögen Menschen nun mal gar nicht. Also reiben sie sich an diesem blöden Virus auf, denn den scheinen sie verstanden zu haben und es gibt personifizierte „Schuldige“. Als gäbe es nichts anderes zu tun…

Hat jemand eine Antwort für mich? Dann bitte!

<— Corona-Lektionen 107

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267) Ich bin Schnitt

Das Durchschnittsalter in Deutschland liegt bei 44,5 Jahren, ein deutscher Mann ist im Durchschnitt 1,80 m groß und die Durchschnittsgröße für Herrenschuhe liegt bei 44. Ich habe es geahnt, ich bin voll im Schnitt! Leicht drüber sogar. Ich bin der John Doe der Deutschen. Der Erik Mustermann, in kalk-weiß und halbalt. Der Herr Schmitt mit dem Warenkorb unterm Arm. Er entspricht dem absoluten Mittelmaß, schwimmt in der lauwarmen Restesuppe der Statistik, isst gern mal Currywurst mit Pommes, fährt typischerweise Golf und baut überall Zäune. 

Guten Tag Herr Doktor, mein Name ist Schmitt. Ich glaub’, ich habe Schnitt.

Da könnte man sagen, Herzlichen Glückwunsch, sei doch froh, für dich wird immer gesorgt sein. Du stehst im Mittelpunkt. Wissenschaft, Forschung und Medizin sind auf die breite Masse ausgelegt, es wird dir nie an etwas fehlen. Auch beim Konsum bist du die Zielgruppe. Eher mangelt es an Schuhen der Größe 50, als an T-Shirts in M. Die Regale sind rappelvoll. In der Politik bist du meistens in der Mehrheit, an dich wird sozusagen immer irgendwie gedacht, wenn gesellschaftliche Entscheidungen anstehen. Mach es dir bequem, du musst nicht viel machen, genieß dein Leben im statistischen Einheitsbrei!

Da könnte man aber auch sagen, du arme Sau, du findest einfach nicht statt. In Nachrichten, Medien und Diskussionen bist du versteckt im größten Tortenteil. Nicht mal ein winziger Datenpunkt von dir ist sichtbar. In der Alterspyramide bist du ungefähr dort, wo die Pyramide langsam Hüftpolster ansetzt. Aufmerksamkeit bekommen nur die „unter“ oder „über“ dem Schnitt und „links“ oder „rechts“ von der Mitte, denn da gibt es immer Handlungsbedarf, da muss dann immer was erkämpft, da müssen Zeichen gesetzt und Grenzen verschoben werden. Da sind die Scheinwerfer und Mikrofone, nicht bei dir! Wenn du wahrgenommen werden willst, musst du dir also irgendein Merkmal zulegen, du musst dich unique machen, laut, schrill und anders sein. Färb‘ dir die Haare rot, entwickle ein Narrativ, häng‘ dir ein Kilo Metall ins Gesicht, tätowiere dir eine Weltkarte auf die Glatze oder laufe von nun an auf den Händen und mach‘ möglichst viele Selfies davon.

So wirst du sichtbar Herr Schmitt, so kommst du raus aus dem Schnitt 😉