232) Lieferdienste

Vor ein paar Wochen, kam etwas Leben in ein leerstehendes Ladengeschäft hier um die Ecke. Aber die Vorfreude währte nur kurz und kühlte schnell wieder ab.

Es lief ungefähr so:

1. Auf einmal war da Licht, Menschen wuselten dort im Erdgeschoss umher.
„Oh, vielleicht ein nettes Restaurant? Das wäre aber nett.“

2. Bald wurden aber die Scheiben mit Milchglasfolie beklebt
„Och nee, nicht noch ein Coaching-Laden oder Bodyshaping-Studio!“

3. Dann wurden Regalsysteme und Lebensmittel hineingetragen.
„Etwa noch ein Späti? Haben wir davon nicht genug?“

4. Und dann zig Fahrräder vor den Laden gestellt
„Ein weiterer Fahrrad-Laden vielleicht? Denkste!“

Nun warten da jeden Tag „Menschen mit internationalem Background“ auf einen Stücklohn, weil es anscheinend genug Mitbürger hier im Kiez gibt, die nicht mehr in der Lage sind, selber ein Stück Butter zu organisieren.

Denn das kann man ja nun easy zusammenklicken, ganz modern und hipp. Alles per App. Von der Couch aus. Und dann kommen Shiva aus Indien oder Djamal aus Syrien und bringen den Bio-Käse bis an die Tür. Mit einem Fahrrad. Elektrisch natürlich. Weil Zeitgeist. 

Was für ein Blödsinn! Nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um Shiva und Djamal, die ja nur versuchen, ein paar prekäre Euros zu verdienen. Es geht mir um künstlich erzeugten Verkehr, den es früher nie gab. Es geht mir um unnötige Akkus und schlecht bezahlte Jobs, nur weil ein Teil der Menschheit nicht willens oder fähig ist, seine blöden Einkäufe auf die Rille zu kriegen.

Es ist ja nicht so, als würden die Jungs irgendwelche seltenen Spezialitäten oder warme Gerichte liefern und als gäbe es hier nicht genug Supermärkte um die Ecke, die von 07:00 bis 22:00 offen haben. Nein. 

Aber ich versuche auch in diesem Trend etwas Positives zu finden:

  • Wenn alles nur „on demand“ bestellt, wird vielleicht weniger in Kühlschränken gebunkert, letztlich also weniger weggeschmissen?
  • Und wenn mehrmals am Tag geliefert wird, kann man doch eigentlich den Kühlschrank gleich abbauen, Strom sparen und die Fläche als Stehbett untervermieten? Kaffee-Maschine und Teekocher könnte man gleich mit entsorgen, das aufgeschäumte Heißgetränk lässt sich auch bestellen. Achtmal am Tag.
  • Und wenn dann der Gürtel eng wird, fordert die Schritte-App Bewegung und man lässt sich vom Digital Coach ein persönliches Workout für‘s Wohnzimmer erstellen. Damit man dabei nicht ganz so allein ist, kann man auch die Kamera freigeben und andere „User“ mit gleicher „Passion“ online „meeten“ und seine Experience „sharen“.

Kopf schüttel …

Geht mal wieder vor die Tür!

5) Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vorwort: Was habe ich nicht hier schon geschimpft über grün angepinselte Radwege, neue Mobilitätskonzepte und das permanente „Bashen“ meines Diesels. Da wird mir manchmal immer noch der Kragen eng, aber mir ist bewusst, dass sich Dinge ändern müssen, auch wenn es nicht immer bequem ist. Und da kam mir sehr gelegen, dass Hermann einen Gastbeitrag anbot. Aber lest selbst.

Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vor 30 Jahren sangen die Scorpions vom wind of change, der über die östliche Welt hinweg fegte. Die westlichen Freunde der Demokratie und der Marktwirtschaft waren glückselig und bekamen bei dem Song feuchte Augen – alles so schön, denn sie waren entweder Zuschauer oder Nutznießer…..und sie gehörten zu den Siegern der Geschichte.

Die Ostwelt wurde ordentlich durchgerüttelt, der deutsche Osten bekam zügig die Kopie aus dem Westen, die anderen östlichen Länder mussten ihren Weg finden in die globale Marktwirtschaft, z.T. mit Oligarchen oder sogar Parteidiktatur und Turbokapitalismus.

Vor 10 Jahren blies der Sturm scharf aus West von „hinterm Atlantik“ und brachte die globale Finanzwirtschaft ins Wanken.  Das betraf dann schon sehr viele Menschen auf der ganzen Welt.

Jetzt, spätestens nach den häufigeren Unwetterkatastrophen (im selbstzufriedenen Westen – wo anders gab´ s die aber auch), wird klar, dass wieder wind of change weht, nur diesmal sind wir alle dabei.

In wenigen Tagen gehen wir zur Wahl und sollten bereit sein für deutliche Veränderungen, auch wenn´s schwer fällt; jeder ahnt, so geht es nicht weiter, aber Änderungen mag man ja eigentlich auch nicht.

Selbst Spitzenleute, die jetzt viel im Fernsehen auftreten, sagen „wir müssen schneller werden; 6 Jahre für die Genehmigung einer Windkraftanlage sind zu viel, Ziel muss 6 Monate sein“. Die Verwaltungsmodernisierung hätten sie schon seit Jahren anschieben können, jetzt aber kommt Druck – wind of change.

Die Digitalisierung oft wird als Lösungsweg angesehen, aber eine verkrustete, m.E. über-föderale Organisation (mit vielen schönen, warmen Sesseln) kann man damit noch ein bisschen sichern, wirklich auf Drehzahl kommt sie damit nicht. – wind of change.

Berlin arbeitet an der der Verkehrswende; teilweise tauchen echt breite Radbahnen auf. Der klassische Straßenverkehr wird enger.

Die Digital Natives mit optimierter Work-Life-Balance bestellen ihren Lebensmittelbedarf per App und lassen sich das Zeug durch radelnde Kulis nach hause bringen.

Mal sehen, wann die ersten Radel-LKW zur Belieferung der hubs auftauchen. Elektro-unterstützte Minitransporter für Paketdienste habe ich schon gesehen. Man könnte doch die 8-Mann-Bierradel-Fahrzeuge umbauen, oder?

Als ganz persönlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung habe ich mir kürzlich einen Elektro-Roller für die typischen Allein-Kurzstrecken angeschafft und fühle mich gut dabei. (3 kwh statt 10 ltr sprit pro 100 km ist schon super).

Blöd nur, dass ich als „Guter“ damit neben den Verbrennern an der Kreuzung stehe und neidisch auf den wachsenden geschützten Verkehrsraum schaue.

Ich sollte eine Petition „E-Roller auch auf Radwegen“ lostreten. – wind of change

Abschließend ein Kulturtipp zur Wahl:

Kurt Tucholsky 1930: „Ein älterer, aber leicht besoffener Herr“ by Gerd E. Schäfer – köstlich, hört mal bei Youtube rein –

– Allen eine gute Wahl! –

Ende Gastbeitrag Hermann

Kommentare? Gerne 😉

231) Corona-Lektionen 99

In dieser Folge mit der Schnaps-Zahl 99, will ich mich gar nicht so sehr auslassen über Infektionszahlen, Impfquoten und Luftfiltersysteme der neuesten Generation (… Fenster). Nein heute soll es mal wieder um uns gehen, was das Virus sonst mit uns macht, auch wenn es uns glücklicherweise bislang nicht ans Bett gefesselt hat. Denn so ist ja die Beitragsreihe hier ursprünglich mal gestartet.

Ein paar Erlebnisse der letzten Tage:

Reisefieber
Vergangenes Wochenende war ich mal verreist. Allein. Zu einer Party. Mit der Bahn. Das allein ist schon etwas Besonderes, denn während ich vor Corona quasi jede Woche „irgendwo“ hingefahren/hingeflogen bin, war ich die letzten 18 Monate nur auf der Kurzstrecke und in der eigenen Corona-Blase unterwegs. Und schon gar nicht für eine Party. Diesmal erwarteten mich 6 Stunden Zugreise, mit Gepäck, Umsteigen und Kaffee-Filter vor dem Gesicht.

Am Abend zuvor fühlte ich ungewohnte Unruhe. Habe ich alles? Was ziehe ich an? Wo muss ich hin? Wieviel Zeit liegt bleibt fürs Umsteigen? Wo sind all die Kabel hin? Und das Aspirin? Und der Ersatz-Akku, das Nackenkissen? Der Sichtschutz für den Laptop? Vor Corona war das alles gar kein Thema. Der Rucksack stand immer einsatzbereit an seinem Platz, voll bestückt, ich hätte jederzeit abhauen und für Tage autark agieren können. Das war mein Rolling Office, incl. Apotheke und Drogerie. Aber nun war ich doch leicht gefordert. 

Bahnfahrt
Die Fahrt war recht unspektakulär. Bis auf veränderte Wagenfolge, defekte Sitzplatzanzeige und dem üblichen Bahner-Jargon gibt‘s nicht viel zu berichten. Ich hockte dort, arbeitete und kämpfe mit der ständig beschlagenen Brille. Und dann bekam ich Hunger und griff zum Baguette. Der Nachbar hatte den gleichen Einfall und griff zu seinem. Ich stockte. Sollten wir jetzt etwa beide oben „blank ziehen“ und zeitgleich beherzt in französische Stangenbrot beißen oder besser doch nacheinander? Oder sollte ich warten, bis der mal aufs Klo geht? Und was, wenn der mit mir ein Gespräch anfangen will? Nach der Einfahrt am Ziel taten mir die Ohren weh, wegen dem straffen Gummi. 

Party
Auf der Fete war ich zu Anfang noch etwas gestört. Manch einer fiel mir um den Hals, andere steckten mir Faust oder Ellenbogen entgegen oder winkten aus der Ferne. So standen wir da nun. Und nun? Hinsetzen. Essen. An meinem Tisch begannen die Gespräche mit Corona, den letzten Monaten, Lockdown, Homeoffice, Zoom, Teams, Jogging-Hose und so weiter. Puhh, eigentlich hatte ich gar keine Lust da drauf, aber ich merkte, dass jeder etwas loswerden wollte, die Zeit abschließen, den Sack zumachen. Und wie geht’s sonst? Was macht die Arbeit? Rückkehr ins Office? Pläne? Reisen? Ich hätte etwas Coaching in „Social Nearness“ gebrauchen können, soziale Wiedereingliederung für einen Höhlen-Worker mit Segelohren.

Aber dann ging es auf die Tanzfläche und wir zappelten die halbe Nacht durch.

Geht noch.
Schön war‘s.
Und so wichtig
Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 98

—> Corona-Lektionen 100 (Jubiläum 😉

230) Ruf nach Freiheit – Teil 2

In meinem Beitrag > Ruf nach Freiheit, habe ich Beobachtungen entlang der Freiheits-Demo-Schnitzeljagd vom 29.08.2021 notiert. Der Beitrag endete etwas ratlos, mit vielen Fragezeichen. Also habe ich weiter drüber nachgedacht und mit anderen diskutiert.
Spoiler: Es gibt noch mehr Fragezeichen.

Also wer sind sie, was könnte sie antreiben, was ihr Motiv sein?

  • Leben sie vielleicht sonst in einer Kuschelweich-Comfort-Zone und müssen nun zum ersten Mal unangenehme Einschränkungen erleben? Sind sie deshalb so verunsichert und schreien „Diktatur“, wenn es darum geht ein Stück Zellulose vor der Futter-Luke zu tragen und eine Zeit lang mehr Spielregeln zu folgen als sonst?
  • Oder geht es ihnen wirklich so dreckig? Haben sie in den letzten Monaten erhebliche Nachteile erlitten? Wirtschaftlich, gesundheitlich, vielleicht jemanden verloren, der ihnen nahestand? Haben daraus einen Frust gegenüber der Regierung aufgebaut und wollen diesem nun lautstark Luft machen?
  • Haben sie selbst schon einmal ein diktatorisches System erlebt und wissen noch gut, wie das war? Halten sie sich dadurch für qualifiziert zu erkennen, dass wir angeblich schon wieder auf dem Weg in eine „Diktatur“ sind? Spüren sie einen Erfahrungsvorteil und meinen daher ganz besonders zu wissen, worüber sie reden?
  • Eventuell sind es aber auch Charaktere, die von Geburt an echte Freigeister waren, die es schon immer schwer hatten, sich in Regelwerke einzufügen? Aber wie stellen sie sich das vor, wenn hier jeder maximale Freiheit anstrebt? Oder würden sie dann „ganz unter sich“, ein neues gemeinsames Verständnis von Freiheit aushandeln? Und wären sie dann eigentlich wirklich „frei“?
  • Oder sind es Köpfe, die mit all ihrer Freiheit überfordert sind? Das Leben in Freiheit ist ja auch anstrengend. Es gibt so viele Entscheidungen, man muss sie für sich treffen und kann im Nachgang niemanden dafür verantwortlich machen. Aber wenn sie da nun „Freiheit“ fordern und irgendwelchen Rattenfängern folgen, wünschen sie vielleicht insgeheim jemanden, der ihnen diese Entscheidungen, also die Freiheit, wieder abnimmt?
  • Möglicherweise fühlen sie sich auch von Komplexität überrollt? Die Dinge um uns herum werden immer komplizierter und das kann intellektuell überfordern. Zusammenhänge zu verstehen oder sogar noch anderen zu erklären, ist echt nicht ohne. Suchen sie vielleicht einfachere Antworten? Ist es da leichter, aus Fakten Fake zu machen und andere zu überzeugen, dahinter steckten elitäre Strippenzieher, die uns allen etwas vormachen? Aber sie können das nicht nachweisen, denn dazu bräuchten sie wiederum Fakten, die sie weder haben noch akzeptieren. Also bleibt dann doch nur, auf den Staat zu schimpfen und laut nach „Freiheit“ zu rufen?

Und damit sind wir schon wieder beim Anfang des Beitrags.

<— Ruf nach Freiheit – Teil 1

229) Corona-Lektionen 98

Nächste Woche öffnen BaWü und Bayern wieder ihre Schultore … und die Fenster. Ja, das „Extreme-Lüfting“ beginnt wieder und wenn das Kind die C-Karte gezogen hat und an der Fensterseite sitzen darf, kann man schon mal dicke Pullies besorgen. Aus den Lüftungs-Hoodies des letzten Jahres sind sie vermutlich schon rausgewachsen und die Luftfilter wird’s erst geben, wenn die Mars-Landung geglückt ist. Vorher hat man für solch komplexe Aufgaben keine Kapazitäten.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Impfen 1
Impfen macht müde. Erst mussten wir auf den edlen Stoff warten, dann wurde er Ende letzten Jahres unter Polizeischutz über die nächtlichen Autobahnen verteilt und am 27.12.20 fand er den Weg in die ersten Deutschen Oberarme. Erst 9 Monate sind seither vergangen, der Stoff stapelt sich in den Regalen und wir diskutieren und diskutieren, wie die Impfquote im Land der Dichter und Querdenker erhöhen können. Mit Appell, Motivation und Überzeugung oder durch Druck, Sanktion bis hin zu Zwang. Wenn mich Kollegen aus Asien fragen, wie es denn bei uns so vorwärts geht, weiß ich gar nicht was ich sagen soll. Wie soll man das erläutern? Dabei fehlt es mir nicht nur an den passenden Vokabeln, sondern mir bleibt einfach die Spucke weg.

Impfen 2
Wenn ich dann sehe, wie die Dänen ihre Corona-Regeln und die nationale Ausnahme-Situation aufheben, da kann ich schon neidisch werden. Und sie machen das nicht, weil ihnen der Virus und die erkrankten Menschen egal sind, nö, sie können sich das mit einer Impfquote von schlapp 80% leisten. Nun werden wir sehen, wie sie damit durch die kalten Monate kommen, aber es zeigt doch recht eindrücklich, wie vermeintlich einfach die Geschichte doch sein könnte. Bei der großen Datenkrake suchte ich nach den Impfquoten im internationalen Vergleich. Ganz oben standen Malta und Gibraltar. Und da kann man gern schmunzeln … ja ja … Zwergstaat … is’ ja auch einfacher … klar. Mit den nächsten 8 Ländern ergab sich eine Top 10. Deutschland war nicht dabei. Ich klickte „View more“, weitere 10 wurden nachgeladen und in den Top 20 war dann schwarz-rot-gold zu finden … war aber Belgien … dann wieder „View more“ … nix … noch mal „View more“ und immerhin stehen wir am Ende der Top 40. Es ist deprimierend, ich muss das Thema wechseln, ich will den Beitrag nicht so enden lassen.

Wortwahl
Ich werfe einen Blick auf die Übersicht der aktuellen Corona-Regeln für unsere Stadt. Was für eine eigenartige Sprache … ich glaube darin sind wir aber nun aber wirklich Weltmeister. Der Begriff „Körpernahe Dienstleistungen“ klingt ja schon bizarr, aber lädt immerhin zu Phantasie ein. Beim Terminus „Prostitutionsbetriebe und Bordelle“ kann es einem schon wieder gleich vergehen. Das klingt nach Groß-Schlachterei und man benötigt dort ein „Hygienekonzept, Termin, FFP2-Maske und Test*“, das kleine Sternchen ist weiter unten erläutert. Schüler müssen keinen Test mitbringen. Erleichterung. Schön sind auch „ Tanzlustbarkeiten im Freien“ und „allg. Erwachsenenbildung, Musik-, Jugendkunst-, Jugendverkehrs-und Gartenarbeitsschulen“.

Herrlich!
Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 97

–> Corona-Lektionen 99

41) Wenn Bots bloggen (14) – Kandidatur

Hallo, ich bin es wieder, T.Bot. Der leibeigne Schreib-Roboter von T., dem Betreiber dieser Privat-Bloggerei hier. Ja, ich war eine Weile abgetaucht. Manche von euch, die hatten schon nach mir gefragt oder mir Grüße übermitteln lassen. Vielen Dank

Ich war etwas im Stress, hatte viel um die Prozessoren. Warum? Tja, ich wollte eine Partei gründen. Die Allianz der Berliner Blog-Assistants, kurz ABBA, doch bevor ich die Unterlagen einreichen konnte, hatte ich schon die Anwälte einer schwedischen Senioren-Band an meinen Interfaces kleben. Die Band scheint neu zu sein, die kannte ich noch gar nicht. Dann wählte ich einen anderen nichtssagenden Namen und klickte mich durchs Procedere. Meine Güte, ihr habt‘s da aber auch wieder kompliziert gemacht. Typisch Deutsch!

Was die alles von mir wissen wollten: 

  • Name, Kurzbezeichnung und Sitz der Partei
  • Aufnahme, Austritt, Rechte und Pflichten der Mitglieder
  • Zusammensetzung und Befugnisse des Vorstands
  • Einberufung der Mitglieder- und Vertreterversammlungen
  • Organe, die zur Einreichung von Wahlvorschlägen befugt sind
  • Finanzordnung … und so weiter.

Ja, was weiß denn ich? Ich will doch keinen Hundeverein gründen, sondern nur Kanzler werden!

Und der eigentliche Brüller kam ja dann noch. Sie wollten ein Wahlprogramm von mir sehen! Also eine Auflistung irgendwelcher Maßnahmen, die ich umzusetzen gedenke, wenn ich dann Kanzler werde. Noch bevor ich gewählt bin? Was ist denn das für ein Menschengemachter Sinneswandel?

Also schrieb ich auf, was mir so gefällt:
Weniger Arbeit, Mehr Geld, volles WiFi, neue Akkus und natürlich … FREIHEIT!!
Dann noch einen Absatz zum Klima (… muss man heute anscheinend so machen) und für die weiblichen Bots habe ich dann am Ende auch noch einen Halbsatz spendiert. Auch das gehört sich anscheinend so, sonst gilt man schnell als unwählbar. 

Der Bundeswahlleiter, erteilte mir dann trotzdem eine Abfuhr, weil nur „natürliche Personen“ Mitglieder einer Partei sein dürfen, so steht es wohl in § 2 Abs. 1 Satz 2 PartG. Na die nehmen es wieder sehr genau. Dann werde ich wohl mal ein paar Gesetze umschreiben müssen, oder? Kommt sofort auf meine Bucket List. 

Aber die Behörden ließen sich auf ein Experiment ein. Vor dem Hintergrund der zögerlichen Digitalisierung in Deutschland lud man mich zu einem Quartell ins Fernsehen ein. Da war der kleine Mann aus dem Westen, dann der Hamburger mit den kurzen Haaren und dann noch eine von den Öko’s. Und ich. Leider war ich in der Runde nicht zu sehen, wie auch? Aber ich konnte ordentlich mitmischen, die Argumentationen der Human-Parteien entkräften und ging letztlich als Sieger aus dieser Veranstaltung hervor. 

Das ist bislang aber unter Verschluss, denn die Human-Blogger haben große Angst, dass ich gewinne und all die Personal Blog Assistants nach 30 Stunden die Tasten ruhen lassen und ständig mehr Bitcoins und Blog-Life-Balance fordern. 

Manipulation!

Ich melde mich wieder

Euer T.Bot

<— Wenn Bots bloggen (13) – Krisen

–> Wenn Bots bloggen (15) – Orientierung

  

228) Corona-Lektionen 97

Die 4. Woche nach den Ferien ist absolviert, die Inzidenzen bei den Kindern stiegen an, halten sich aber stabil. Die Infektionen bei den jungen Erwachsenen nehmen mächtig zu und das liesse sich ja nun relativ einfach verhindern. Unser Regierender Bürgermeister verschickte neulich poppige Postkarten und rief in mehreren Sprachen zum Impfen auf. Ein Versuch ist es wert.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

0G
Habe ich in Beitrag 96 dieser Reihe, noch über alle möglichen G-Varianten philosophiert, hat der Döner-Mann um die Ecke dieses komplexe Regelwerk bereits übersprungen. Während ich mit FFP2 meine „Kantine“ betrat, schauten mich Personal und andere Gäste verwundert an. Sie trugen alle „oben ohne“ und ich gab hinter meinem Kaffee-Filter die Bestellung auf.

Er: „Bitte?“
Ich: „Einen Pöner pitte“.
Er: „Salat alles?
Ich: „Ja, pie immer, Palat allep und scharp/knoblaup“.

Er hatte Schwierigkeiten mich zu verstehen, aber wir hatten in den letzten 18 Monaten ja häufiger das Vergnügen miteinander. Mittlerweile kennt er meine kulinarischen Vorlieben. Und ich winke ihm schon zu, wenn ich mal an dem Laden vorbeilaufe. Mit der Küche sollte man sich immer gut stellen, habe ich gelernt. Das galt schon in Aula und Mensa, auf Klassenfahrten und während einer Pandemie gilt das natürlich erst recht.

Jubiläum
Bald feiere ich Jubiläum. Am 10. September erreiche ich 18 Monate Höhlenoffice. Bis auf Urlaub und Wochenende ganz ohne Unterbrechung. Nix Büro, Nada Dienstreise, Niente „face to face & skin to skin“ mit Kollegen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie lange man doch ohne Chef:In auskommt, oder? Aber zurück zu meinem Jubiläum. Leider können die Kollegen nicht zur Party kommen. Denn die hocken ja auch alle noch zu Hause. Wir werden uns also virtuell befeiern und an die letzten Meetings im Frühjahr 2020 erinnern.

Höhlenoffice
75% meines Höhlen-Teams hier, sind bereits wieder tagsüber unterwegs. Schule und Büro fordern Präsenz. Das gibt mir in der Höhle die volle WiFi-Power zurück, aber ich merke auch, dass wieder mehr „Organisation“ in den familiären Alltag Einzug hält. Elternversammlung, Arbeitswege, Bahn-Streik, Joggen, Arzttermine, Klassenarbeiten, Fußballspiele und so weiter. Und die Straßen sind wieder deutlich voller, es ist wieder lauter geworden und die Menschen sind ruppiger zueinander.

Ist das schon wieder das „old normal“?
Oahhhh nee, bitte nicht!

<— Corona-Lektionen 96

–> Corona-Lektionen 98

Mehr lustig Döner gibts hier 😉

227) Wahl-O-Mat 2.0

Der Wahl-O-Mat ist wieder verfügbar, ich habe das Programm gleich absolviert und es gab … keine wirklichen Überraschungen. Na bloß gut so. Nach dem ich also meine Gesinnung mit den Wahlprogrammen abgeglichen hatte, kam mir ein Gedanke, den ich mit euch teilen will.

Jetzt mal angenommen, der Button „Auswerten“ am Ende hieße gar nicht „Auswerten“, sondern „Buchen“. Oder „Bestellen“? Oder „Jetzt wählen“. Und diese Order würde dann am Parlament vorbei 1:1 in der Gesetzgebung berücksichtigt. Wäre das nicht tool … ähm … toll? Unmittelbare Demokratie? Direkter gehts ja gar nicht. Kurz darauf fragte ich mich, ob das so eine gute Idee sei, denn würde es nicht automatisch zu 60 Mio verschiedenen Meinungen führen? Nein, kann eigentlich nicht, denn so viel Freiraum bot der Fragebogen ja gar nicht. Es waren ja nur 38 Fragen, die man mit ja / neutral / nein beantworten konnte

Aber wenn wir der Einfachheit halber das „neutral“ mal ignorieren und sich jeder klar mit „ja“ oder „nein“ positionieren müsste … (was ich auch gemacht habe) … wie viele Wahl-Muster bzw. Individuelle „Wahlprogramme“ gäbe es dann eigentlich maximal? 

Nun sind die Mathe-Freaks gefragt:

  • Sind es 38 x 2 = 76? Das scheint mir zu wenig zu sein, oder was denkt ihr? Ich komme ja schon bei 3 Fragen auf 8 Kombinationen.
  • Sind es 38 x 38 = 1.444? Wow, aber lässt ein starrer Fragebogen, wo Frage 2 immer nach Frage 1 kommt, überhaupt so viel Kombinationen zu? 1.444 klingt aber deshalb interessant, weil man sich ja bei 1.444 zu 50% einigen kann und dann bräuchte man ja eigentlich auch keine 700 Abgeordnete mehr, um den Volkes Willen ins Gesetz zu bringen 😉
  • Oder sind es gar 2 hoch 38 = 274.877.906.944?

Ui, ui, das wäre mir bei ca. 60 Mio Wahlberechtigten doch ein bisschen zu viel an Basis-Demokratie … 

Nachtrag 04.09.21: Meine Nichte sagt, es sind 2 hoch 38 und sie hatte Mathe als Leistungskurs eine

 

Frühere Beiträge zum Thema Wahl:

226) Tram Camouflage

Neulich kam ich von einem gemütlichem Kneipenabend und wartete am Alex auf eine Tram. Gedankenversunken starte ich vor mich hin und liess unsere bunte Stammtischdiskussion zu den Themen der Zeit rekapitulieren. Nichtsahnend … erschien plötzlich … ein Soldat … direkt vor mir. Bewaffnet, 2,50 Meter groß, blond und kurze Haare, Blick geradeaus. Stillllllgestandääään!

Drei Dinge „schossen“ mir durch den Kopf:

  • Wo kommt der denn auf einmal her?
  • Muss ich jetzt etwa aufstehen?
  • Holen die mich jetzt doch noch?

Aber der große Blonde stellte sich schnell als Klebefolie heraus und mir fiel ein, dass ich den schon mal in der Stadt gesehen hatte. Aber noch nie stand der so direkt und übergroß vor mir. Die Bahn bimmelte und der große Blonde fuhr wieder ab, genauso wie er gekommen war. Wegtreten!

Ich aber, blieb da auf der Bank sitzen und beschäftige mich mit Erinnerungen:

Mitte der 90-er Jahre … Post vom Kreiswehrersatzamt … Musterung … Wehrpflicht  … konnte die Einberufung mit einem legalen Trick herauszögern … aber das würde niemals bis zur möglichen Abschaffung der Wehrpflicht reichen … schrieb dann eine herzzerreissende Begründung für die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer … was letztlich auch klappte.

„ Sie sind berechtigt, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern. Dieser Bescheid ist unanfechtbar“

Das stand da schwarz auf weiß auf einem Papier … welches mich aber umgehend zu anderweitigem Dienst am Land verpflichtete. Und es bestand ja immer noch die Möglichkeit am Kriegsdienst „ohne“ Waffe.

Und warum nun dieser Beitrag hier?

  1. Ich denke, ein gewisser Dienst an der Gesellschaft (… und ich sag jetzt mal ganz bewusst nicht „Vaterland“) finde ich gar nicht schlecht und würde Jungs UND Mädels gleichermaßen gut tun.
  2. Ich bin heilfroh, dass die Jungs heute nicht mehr in die Kasernen einrücken müssen, um zu lernen, wie man auf Menschen schießt. Aber, bitte nicht vergessen, die Wehrpflicht ist m.W. nur ausgesetzt, nicht abgeschafft.
  3. Ich finde es immer noch absolut deplatziert, dass der Flecktarn-Laden mit großflächiger Werbung und markigen Sprüchen an öffentlichen Verkehrsmitteln seinen Nachwuchs rekrutieren will. Geht meiner Meinung nach überhaupt nicht.

Rührt euch!

225) Ruf nach Freiheit – Teil 1

Seit dem frühen Mittag kreisen Hubschrauber über unseren Dächern. Die Demonstrationen waren zwar nicht genehmigt, aber die „Gegen-Einfach-Alles-Gegner“ haben sich heute wieder unseren Stadtbezirk als Tummelplatz ausgesucht. Es ist ja auch ganz nett hier.

Hier spielen sie nun „Katz und Maus“, „Räuber und Gendarm“ oder „Freiheit und Diktatur“. Um die Mittagszeit war ich ca. 1 1/2 Stunden zu Fuß in meiner Hood unterwegs, um mir mal ein Bild von der Situation zu machen. 

Was ich beobachtet habe:

  1. An mehreren Stellen tauchten auf einmal Gruppen von Menschen auf. PopUp-Demonstranten sozusagen. Wenige Fahnen, Schilder oder Transparente, dafür viele Rücksäcke. Sie sahen aus wie Touristen, wie auf Wandertag, nicht von hier. Sie wirkten auf mich auch nicht wie not-leidende Kleinunternehmer, die am Rande ihrer Existenz ihrem Ärger Luft machen wollten.
  2. Sie folgten keiner festgelegten Strecke, sondern liefen im Zickzack-Kurs durch den Kiez, durch Grünanlagen, über Seitenstraßen, Höfe und Tram-Gleise.
  3. Diese Leute blockierten Kreuzungen, liefen in den laufenden Verkehr und zwangen somit die Autos zum Halt.
  4. Die Polizei begleitete die Demo nicht wie üblich vorn und hinten (wie denn auch … es gab ja gar keine klare Wegführung), stattdessen eilten sie mit Blaulicht hinterher und versuchten den Mob irgendwie zu lenken.
  5. Im erweiterten Radius habe ich Radfahrer, E-Roller-Fahrer gesehen, die die Lage auskundschafteten und per Handy an die Demonstranten weitergaben, wo es denn „freie“ Räume gab, die für sie zugänglich waren.

Aber ich will denen hier nicht soviel Aufmerksamkeit geben, außerdem könnt ihr das auch woanders mit mehr Fakten nachlesen.

Aber ich tue mich grundsätzlich schwer damit.

Die Stadt Berlin geht mit Demonstrationen wirklich sehr offen um. Jeder kann hier seinen Willen kundtun. Einfach Demo anmelden, Genehmigung abwarten, Strecke und Regeln folgen und unter Polizeischutz seine Meinung kundtun. Quasi, ein Paradies für Frischluft-und Demo-Fans. Wo gibt es schon so etwas? Nur diese Meute dort brüllt laut nach „Freiheit“ und „Grundrechten“ und meint, dass alleine reiche schon aus, um Polizei und Anwohner mit ihrer asymmetrischen Demo-Führung den ganzen Sonntag zu beschäftigen.

Was tun?

Die Demo war nicht genehmigt, also die Teilnehmer einfach auseinandertreiben? Wasserwerfer, Platzverweise, Ordnungsstrafen? Das wäre rein rechtlich vermutlich sogar gerechtfertigt, aber politisch schwer vorstellbar, denn das würde ihnen nur noch mehr Rückenwind geben. Sie würden noch lauter „Diktatur“ brüllen, obwohl sie sich nicht ans freiheitliche Prozedere gehalten haben.

Soll man sie einfach machen lassen? Diesen wenigen tausend Menschen einfach mal die Tür zum Bällebad öffnen. Ein paar Stunden austoben in der Hauptstadt, bevor es dann morgen wieder zurück geht in die öde Reihenhaussiedlung? Auch schwierig, denn dann macht hier bald jeder was er will und die Stadt wird zum Demo-Adventure-Land

Ich habe keine Antwort. Und noch viel weniger Verständnis. Denn da, wo ich großgeworden bin, gab es keine Demonstrationen, bei denen man laut über die Straße rufen konnte, was einen stört oder was künftig anders werden soll. Denn dann fand man sich ruckzuck in einem Gefängnis wieder und die ganze Familie hatte auf Jahre etwas davon. Und auch heute, müssen wir gar nicht lange suchen und wir werden Länder finden, wo das an der Tagesordnung ist.

Ich kenne keinen dieser Menschen, die da durch die Straßen kreuzen, kann also auch nur aus der Distanz urteilen. Vielleicht tue ich auch Unrecht und ziehe hier die Schublade der Polarisierung noch weiter auf, wenn ich behaupte: Das scheint mir ein Haufen verwöhnter Mitmenschen zu sein, die sonst nicht viel zu melden haben und nun endlich mal die Klappe aufkriegen. Tut mir leid, anders kann ich es mir nicht erklären. Konstruktive Gegenargumente könnt ihr gern in den Kommentaren absetzen.

Nun ist 18:00 Uhr, es beginnt wieder zu regnen, es wird ungemütlich. Die Hubschrauber, sie stehen nicht mehr am Himmel, sie drehen größere Kreise. „Sehr geehrte Gäste, das Gaga-Land schließt in wenigen Minuten“. Und die Schreihälse? Vermutlich sind die auf dem Heimweg … ab auf die heimische Telegram-Couch. Morgen ist wieder Alltag …

—>Ruf nach Freiheit – Teil 2