36) Park-App

Bargeldlos, Papierlos und Stressfrei – so wirbt die Park-App selbstbewusst und eingänglich. Allein diese drei Wörter lassen nur Gutes verheißen. Seitdem die Kids ein Taschengeld bekommen, habe ich kein Kleingeld mehr. Auf Papier-Tickets und Zettelwirtschaft kann ich auch sehr gern verzichten. Und wenn jemand verspricht, er könne mir etwas Stress abnehmen, würde ich sofort nachfragen, wo ich denn unterschreiben solle. 

Bei der Park-App musste ich hingegen gar nichts unterschreiben, sondern nur ein paar Buttons auf dem Bildschirm meines Telefons drücken. Ruckzuck war die App heruntergeladen, begrüßte mich umgehend und fragte ein paar Parameter ab. Das Land in dem ich zu parken gedenke, mein Einverständnis zu deren AGB und die Zustimmung zur Positionsbestimmung über mein Handy zum Beispiel. 

Währenddessen fragte ich mich, wovon die App eigentlich finanziert wird. Die Stadtkasse lebt bestimmt auch ganz gut von dem Geld, was zwar in die Automaten hineingeworfen, aber nicht „abgeparkt“ wurde. Ist eine Party also öde, sucht man schnell das Weite. Der Park-Automat zahlt aber nichts zurück. So, und da die Park-App ja angeblich sekundengenau abrechnet, kann es diese Überschüsse ja nun nicht mehr geben. Kurz darauf informierte aber die App, dass pro Parkvorgang 0,25 EUR berechnet würden. Aha. Damit war das nun auch beantwortet. Aber reicht das denn aus? Solch ein kleiner Betrag? Aber gut, warum eigentlich nicht. Die App is ja nun entwickelt, kostet nicht mehr viel Geld und die Umsätze werden irgendwie elektronisch an die städtischen Parkzonen-Bewirtschafter überwiesen. Viel Personal wird dafür vermutlich nicht benötigt. 

Erst kürzlich ergab sich uns die Gelegenheit, die App endlich einmal auszuprobieren. Wir waren zu einem Familiengeburtstag eingeladen und in der Gegend dort wimmelt es nur so von Mitarbeitern des Ordnungsamts. Also starteten wir vor dem Hauseingang die App, tippten auf „Parkvorgang starten“ und entschwanden in den Hausflur. Zwischen Kaffee, Kuchen und sprudelndem Getränk für die Erwachsenen, warf ich mehrmals einen Blick auf die Park-App. Sie war immer noch online und zählte Minuten und Sekunden vorwärts. Herrlich. Nie wieder dreckige Automaten anfassen, nie wieder hinuntergehen und Münzen nachwerfen, nie wieder zu viel Geld bezahlen. Das ist doch echt fair. 

Nach gut zwei Stunden verabschiedeten wir uns wieder. Die Party war zwar nicht öde, aber wir hatten noch andere Pläne. Später am Abend, auf der heimischen Couch, entsperrte ich mein Handy, um zu sehen, ob es irgendwelche Neuigkeiten aus der großen, weiten Welt gibt. Gab es nicht. Aber die Park-App … die lief noch und zählte eifrig vorwärts. Misst! 10,95 EUR waren bereits aufgelaufen. Für gut zwei Stunden Familiengeburtstag. In einem Wohngebiet. 

Na großartig. Nun weiß ich wenigstens, warum den Betreibern die 0,25 EUR pro Vorgang ausreichen.

Frühere Beiträge zu Parken, Apps und Kleingeld:

5) Blätterregen

Vor ein paar Tagen konnten wir ein zunächst eher unscheinbares, später dann aber durchaus unterhaltsames Schauspiel erleben. Wir folgten der B196 auf Rügen, fuhren in Richtung Ost und erreichten einen Kreisverkehr. Bevor wir in den Kreis einfuhren, liess ich noch einen orangen Pritschenwagen passieren. Das war so ein typisches Auto von den Stadtwerken, von der Stadtreinigung oder vom Grünflächenamt. Die Heckladefläche war üppig mit Laub beladen und das Laub wiederum von einem Netz bedeckt. Direkt nach ihm fuhr ich in den Kreisverkehr und folgte ihm gleich wieder in die nächste Ausfahrt. Was macht man eigentlich hier mit soviel Laub auf einem Pritschenwagen, fragte ich mich?

  • Fahren die das Laub in den nächstgelegenen Wald?
  • Gibt es vielleicht Abnehmer, die mit nassem Laub etwas anfangen können?
  • Oder muss das laut §123 Deutsches Grünabfallgesetz fachgerecht entsorgt werden?

Um so mehr der Wagen vor uns beschleunigte, um so interessanter wurde der Anblick für uns. Die Maschen des Netzes waren wohl zu grob. Die Blätter schlüpften durch die Maschen und wirbelten, glücklich über ihre wiedergewonnene Freiheit, auf der Straße vor uns umher. Das hätte ich als Blatt vermutlich auch so gemacht, wenn ich nicht wüsste, wo es mit mir hingeht. Der orange Pritschenwagen fuhr also mit 80 KM/h zielstrebig vor uns her und verlor dabei durchgehend Laub. Das Netz hing bald nur noch schlaff hinten über die Ladekante hinaus.

Beim nächsten Kreisel mussten wir uns verabschieden und fuhren einen anderen Weg. Wir wissen nicht woher der Ford wirklich kam und wo er noch hin wollte, aber Blätter würde der wohl nicht mehr abliefern. Denn die hat er bereits auf den 8 Kilometern zwischen den beiden Kreiseln verteilt. Großartig.

  • Hat der Fahrer nun seine Tagesquote an Blättern verpasst und muss noch einmal zurückfahren, um eine neue Fuhre zu holen?
  • Oder war es am Ende sogar einkalkuliert, provoziert oder eiskalt geplant, um eher ins Wochenende zu kommen?

Und warum überhaupt zum Henker, werden Blätter (Bio) mit einem Pritschenwagen (CO2 und Nox) quer durch die Landschaft gekarrt?

30) Zuckfuß-Johnny in Singapur

Und wieder nehmen wir ein Taxi zum Office in Singapur. So wie gestern und vorgestern auch. Eigentlich gar nichts Besonderes und nicht der Rede wert, aber es sollte dann doch eine besondere Fahrt werden. Wir verlassen zügig die Hotel-Vorfahrt und reihen uns in den morgendlichen Verkehr ein. Sehr gut. Kurz nach Abfahrt wird mir auf einmal ganz flau im Magen. Was ist denn nur los? Habe ich etwas Falsches gegessen? Es ging mir doch bis eben noch sehr gut. Erst seit dem ich im Auto sitze, wird mir zunehmend übel. Und da fällt es mir auf. Der Taxifahrer wechselt permanent zwischen Gas und Bremse. Im Sekundentakt. Sein Körper zuckt immer mal wieder. Wir werden auf diese Weise erst nach hinten in den Sitz gedrückt, dann wieder nach vorn in den Gurt. Mir wird immer schwummeriger, ich setze mich aufrecht hin, muss mich von der Rückbank lösen. Ich will die Kräfte mit meiner Hüfte abfangen. Ich nehme mir vor, nur nach vorn zu schauen. Bloß nicht nach unten oder zur Seite, sonst kotze ich meinem Kollegen vor die Füße oder dem Fahrer in den Nacken. Ich bin ja sonst echt nicht empfindlich, aber mir geht es nicht gut. Ich rutsche mit dem Hintern weiter nach vorn und setze mich auf die Kante der Rückbank. Versuche ruhig zu atmen und denke drüber nach, wo man im Fall der Fälle auf der Schnell-Straße halten kann. Zur Ablenkung beginnen wir ein Gespräch. Ist der Mann vielleicht krank? Zuckt der deshalb so? Liegt‘s am Prius? Muss man den so fahren? Allerdings habe ich das in Deutschland noch nie erlebt. Die Energie-Anzeige des Prius pendelt im Sekunden-Takt von einem Ende zum andere Ende der Skala. Das kann doch auch für die Batterie nicht gut sein. Endlich erreichen wir das Büro-Gebäude. Ich brauche erst einmal frische Luft. Wir taufen den Fahrer auf „Zuckfuß-Johnny“ und schließen damit das Erlebnis ab. Die Arbeit wartet. Am Donnerstag jedoch fuhren wir anscheinend mit seinem kleinen Bruder. Auch er fuhr seinen Prius auf eigenartige Weise, wenn auch nicht ganz so extrem. Am Freitag, was soll ich sagen… wieder ein Prius…, der Fahrer fuhr zwar nicht so ruckhaft wie Zuckfuß-Johnny, gab dafür aber immer Vollgas, um dann wieder abzubremsen. Zusätzlich trat er mit dem linken Fuß permanent auf die nicht existierende Kupplung. Was haben die hier nur alle? Liegt es an der Formel 1, die hier kürzlich gastierte? Gefällt Ihnen die Energie-Anzeige so sehr, dass sie sie immer wieder zum Ausschlagen bringen wollen? Liegt es vielleicht daran, dass der Prius so leise ist und sie den Motor hören wollen? Ich muss da mal mit einem deutschen Taxi-Fahrer drüber sprechen, vielleicht steckt ja noch mehr dahinter.

Frühere Beiträge zum Thema Auto:

34) Kids Drive in

Ab und zu ist es noch nötig, dass wir die Kids mit dem Auto in die Schule bringen. Das Schulgebäude liegt in einem Wohngebiet, direkt an einer Einbahnstraße. Wenn man aber nicht erst kurz vor Schulbeginn kommt, hat man eigentlich ganz gute Chancen, einen legalen Parkplatz zu ergattern. Manchmal ist dazu auch eine weitere Ehrenrunde nötig oder man findet halt eine Lücke um die Ecke. Dann läuft man halt mal 100 Meter. Alles klein Problem. Wenn die Zeit knapp ist, halte ich auch mal in der zweiten Reihe und lasse die Kids von dort aus dem Auto aussteigen. Bestimmt nicht ganz STVO-konform, aber wenn man ehrlich ist, ist es die schnellste und auch ökologischste Form. Der Vorgang dauert max 30 Sekunden und wirklich stören oder behindern tut man dort niemanden. Andere machen es sich aber noch einfacher. Sie halten direkt vor der Schuleinfahrt. „Was für ein Zufall, hier ist ja noch Platz“. Also schalten sie den Warnblinker ein, verabschieden in aller Ruhe die Gören und quatschen dann noch mit Bekannten aus der Nordic-Walking-Gruppe. Man hat ja Zeit. Deutlich weiter oben auf der Egoismus-Skala rangieren aber Eltern, die glauben, die Schulzufahrt gehört allein ihnen. Kurz vor 08:00 Uhr erreichen sie die Schule, kreuzen den Fußweg und fahren die Zufahrt hoch. Dann verlassen sie das Auto und bringen ihre Brut in das Schulgebäude. So selbstverständlich, als hätten sie dort ihren angemieteten Stellplatz. Als würde dort ein Schild, mit ihrem KFZ-Kennzeichen drauf, stehen. Am Nachmittag sieht man eine ähnliche Situation auf dem nahegelegenen Sportgelände. Dort führt eine kleine Sackgasse bis hinter zum Fußballplatz. Am Ende der schmalen Gasse befindet sich eine ausgewiesene Zufahrt und Rangierfläche für Feuerwehr und Rettungskräfte. Und natürlich der zweite Stellplatz für den Boliden von „Spieler-Mama“ (…oder auch „Spieler-Papa“). „Was soll man machen, war ja sonst kein Platz mehr zu kriegen“. Sollte es dort jemals ein Feuer geben oder ein Krankenwagen kommen müssen, wäre es besser, die kämen per Lösch-Flugzeug oder Helikopter, denn da ist jetzt für 90 Minuten kein Durchkommen mehr. Erst nach dem Training der Jungs lichtet sich das wieder. Also ehrlich Leute, nun seid doch mal nicht so faul und lauft halt mal ein paar Meter! Das wird den Kids auch guttun. Oder wollt Ihr eure künftigen Weltmeister noch bis an die Mittellinie fahren, um sie dort an den Trainer zu übergeben?

Frühere Beiträge zum Thema Stadtleben:

6) Postkarte von der Algarve

An der Algarve kann man ohne Probleme zwei Wochen verbringen. Im besten Fall hat man zwei bis drei Unterkünfte und ein Auto vor Ort, dann kann man viel von der Küste und dem Hinterland erkunden, ohne einzelne Wege immer doppelt fahren zu müssen. Man kann sogar mal kurz nach Spanien düsen, wenn man mag.

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Und natürlich kann man auch in Portugal so einige Skurrilitäten entdecken:

Wovon will eigentlich Portugal leben, wenn der Export-Schlager mal irgendwann in Rente … oder in die Breite geht wie Maradonna? Und warum hat diese Kuh rasierte Beine?

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Wenn Mobil-Funkantennen hässlich aussehen, dann hängt man in Portugal halt etwas Grünzeugs dran und schon geht’s doch, oder? Kommen dann zum Jahresende auch noch bunte Kugeln dazu? Und was ist mit Lametta?

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Trinkt man gern Bier, kann man schnell den Überblick verlieren, wie viele man schon getrunken hat. So klein sind die Flaschen dort. Eine viel bessere Alternative ist der gute Vino Verde, den gibt’s auch in großen Flaschen.

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Wiederverwendung wird in Portugal groß geschrieben. So macht manches Porzellan noch eine zweite Kariere und duftet fortan blumig. Leider hängen sie nur etwas hoch für den Durchschnittsmann …

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Wenn Portugiesen kein See-Kajak haben, dann bauen sie sich halt selber eins. Portugal war schon immer eine stolze Seefahrer-Nation und hat es sogar bis nach Indien und Südamerika geschafft…

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…allerdings fragt man sich manchmal, wo all die Schiffe geblieben sind.

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Fazit: Kann man auf jeden Fall empfehlen, wenn man von etwas „shabby chic“ nicht gleich enttäuscht ist und bei durch und durch gelassenen Menschen nicht die Fassung verliert. Optimal wenn man Sonne, Wein und Fisch mag und sich über angenehme Preise freut. Für Familien auf jeden Fall geeignet und für jeden der mal einen Gang zurückschalten will.

Frühere Postkarten:

32) Gelb macht aggressiv

Gelbe Linien im Straßenverkehr heben temporär die normalen weißen Linien auf. Das ist allgemein bekannt und in bestimmten Situationen macht das auch Sinn. Begründet ist das im §39 der StVO, der sich aber nicht zur Menge des zu verwendenden Materials äußert und auch nicht zu Art und Weise, wie das gelbe Zeugs zu verwenden ist. Das Straßenbau-Amt in Berlin scheint selber Großaktionär bei der Firma zu sein, die diese gelben Rollen herstellt. In Berlin da wird nicht gekleckert, da wird richtig geklotzt…ähhh…geklebt. Sogar einzelne kurze weiße Streifen werden sorgfältig mit einem preußisch akkuraten Kreuz überklebt. Auch Pfeile, Sonderzeichen und Haltelinien werden hübsch mit gelb verziert.

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Und da die Stadt Berlin in ihrem Fahrrad-Wahn derzeit massenhaft Radwege auf die Straßen malt (siehe hier), werden nun auch diese Rad-Spuren temporär mit gelber Farbe in neue Bahnen gelenkt.

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Meine Tochter sagte heute dazu: „Auf Korfu, da wo wir im Urlaub waren, da haben die noch nicht mal weiße Streifen auf der Straße“. Dem braucht man eigentlich nichts hinzufügen.

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Außer vielleicht doch noch ein paar Recherche-Ergebnisse, die ich über die gewöhnliche Suchmaschine gefunden habe.

  • 100 m Fahrbahnmarkierungsfolie, 120 mm breit = 265,90 EUR
  • 1 Folienandruckrolle für kurze Strecken = 98 EUR
  • 1 Folienverlegesystem für längere Wege = 1.720 EUR

Natürlich alles ohne Projektierung, Ausschreibung, Arbeitsleistung, Abnahme, späterer Entfernung und fachgerechter Entsorgung.

Die haben doch einen Knall!

Tippe ich in dieselbe Suchmaschine  „gelb macht…“ ein, bekomme ich die ersten zwei wie folgt:

  • Gelb macht glücklich
  • Gelb macht aggressiv

In dem Sinne…

4) Postkarte aus Schweden

Eine Reise nach Südschweden ist ideal wenn man gern Auto fährt und auch ohne viel Trubel und Getöse auskommt. Die Schweden sind ein sehr nettes Volk, alles wirkt friedlich und statistisch gesehen, scheint jeder Schwede seinen eigenen See und Wald zu haben.

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Die Schweden bedienen auch selber gern alle Klischees, die man allgemein über sie kennt. Jeder dritte fährt einen Volvo, im Radio geben sich ABBA, A-HA und Roxette das Mikrophon in die Hand und die Regale beim Kaufmann sind voller Knäckebrot. Bier gibt es in verschiedenen Alkohol-Stärken, für den Preis einer Flasche einfachsten Weißweins bekommt man im deutschen Discounter eine ganze Kiste.

Und Schweden bietet natürlich auch ein paar Skurilitäten:

Die Schweden waren schon immer sehr aufgeschlossen oder sie sind durch die vielen Sauna-Gänge einfach an mehr gewöhnt …

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… die Rehe sind da auch etwas größer, haben keine Punkte, dafür aber ein Geweih mit kuscheligem Fell…

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… und die Schweden haben verstanden, dass Umweg und Beharrlichkeit am Ende eben doch zum Ziel führen und letztlich nachhaltig sind, selbst wenn das Hindernis schon gar nicht mehr existiert…

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…auf dem Land sieht es mit mobilem Netz etwas dünn aus, da wird Facebook wieder neu erfunden…Daumen hoch für Schweden!

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Fazit: unbedingt hinfahren, einen Gang zurückschalten und einfach mal genießen, dass man zeitweise allein auf der Welt zu sein scheint

Frühere Postkarten:

 

31) SUV im Prenzlauer Berg

Es ist schon erstaunlich, wie viele SUVs man so bei uns im Viertel sehen kann. Für die überzeugten Fußgänger und Radfahrer unter den Lesern sei erklärt, dass ein SUV so ein riesiges Auto in Glanzlack ist, dessen Kühlergrill sich auf Höhe des eigenen Brustkorbs befindet. Oder auf Höhe eines Kinder-Kopfes. Je nach dem. Für die Karosserie verbraucht man anscheinend schon so viel Material, dass für das Typen-Schild nur wenig übrig bleibt. Deshalb tragen sie meistens sehr kurze Namen, oft nur einen Buchstaben gefolgt von einer Zahl. Ein Vertreter dieser Gattung zum Beispiel, ist mit einer 3.0 TDI-Maschine schon ab 60.000 EUR zu haben. Geht doch, oder? In Zeiten von chronischem Parkplatzmangel und Abgas-Diskussion frage ich mich, ob es den Zweitwagen für die Gattin nicht auch eine Nummer kleiner gab. Aber vielleicht ist die vermehrte Ansammlung solcher Off-Roader auch die logische Konsequenz daraus, dass manche Einwohner aus den Wäldern Süddeutschlands stammen und im Volkspark Friedrichshain mittlerweile schon am Tage die Füchse zu sehen sind. Da kommt der Forst-und Jagd-Instinkt schnell wieder hoch. Außerdem stört das Kopfsteinpflaster aus den 20-er Jahren beim Fahren und der Straßen-Verkehr in der Tempo-30-Zone lässt sich mit normalem PKW kaum noch überblicken. Da braucht man schon etwas „Größeres“ mit etwas mehr Überblick und Geländetauglichkeit. Diese Metallic-Panzer sehe ich dann oft vor dem „Bio-Markt“ stehen, vor dem „Coaching-Laden“, genauso wie vor dem „Koscher-Vegan-Öko-Fair-und-was-sonst-noch-Bäcker“. Oder auch gern in der Zufahrt zu Schule und Kita … aber das ist einen eigenen Beitrag wert.

Frühere Beiträge zum Thema Auto:

23) Zeitumstellung auf Korfu

Habe ich nicht kürzlich erst darüber geschrieben, wie nervig es ist, die Zeit unserer analogen Geräte von Hand für den Winter umzustellen? Habe ich darin nicht gelobt, dass das all die smarten Geräte ganz selbständig machen? Ja, habe ich. Und zwar hier zum NACHLESEN.

Warum nun noch ein Beitrag dazu? Ganz einfach. Aber der Reihe nach:

Samstag 27.10.2018:

  1. 19:00 Uhr: Wir sind beim Abendessen und sprechen darüber, dass in der folgenden Nacht die Uhren umgestellt werden. Zumindest in Deutschland. 
  2. 19:02 Uhr: Uns trifft es aber nicht, denn wir sind in Griechenland. Wir müssen halt bei Rückkehr einfach nur zwei Stunden statt einer Stunde zurückstellen. Punkt. Thema beendet.

Sonntag 28.10.2018:

  1. Ich werde kurz wach, öffne ein Auge und sehe, dass es schon hell ist. Na klar, die Klo-Tür steht offen, es dringt Tageslicht ins verdunkelte Zimmer. Deshalb ist es hier so hell. Mir egal, meine Frau und die Kids schlafen noch. Augen wieder zu.
  2. 08:13 Uhr: Ich schaue auf die Uhr meines Handy und raffe mich dann doch mal auf. Eine innere Unruhe treibt mich an. Meine Frau liegt neben mir und liest ein Buch. Die Kids schlafen aber noch. Alles schön friedlich hier, so muss ein Sonntag sein. Ich gehe derweil mal duschen und höre übers WLAN mein Berliner Radio. Da hat sich aber nicht viel verändert. Die üblichen Baustellen, eine Straßensperrung und eben die Zeitumstellung in Deutschland. Wie zu erwarten. Weit weg.
  3. 09:00 Uhr: Mit Blick auf meine Handy-Uhr treibe ich die Herde zum Frühstück, ich habe Hunger. Mein Sohn auch. Das ist eigentlich ungewöhnlich, aber irgendwie auch wieder logisch. Er hat wenig gegessen am letzten Abend.
  4. 09:05 Uhr: Auf dem Weg zum Restaurant fällt mir auf, wie angenehm warm es schon ist. Da haben wir wohl echt Glück für die letzten beiden Tage hier auf Korfu.
  5. 10:30 Uhr: Wir starten ein paar Runden Tischtennis und Billard. Viel mehr gibt es auch nicht mehr im Angebot hier. Die Hotel-Anlage ist wie ausgestorben, man geht auf das Saison-Ende zu. Es wirkt, als wären alle anderen Gäste in eine andere Zeit gereist und hätten uns hier vergessen.
  6. 12:00 Uhr: ich schaue wirder auf die  Handy-Uhr und bin erstaunt, dass schon wieder „Lunch time“ ist. Wieder treibe ich die Sippe an, denn wir wollten am Nachmittag Korfu’s Norden erkunden.
  7. 13:00 Uhr: Letzter Blick auf mein Handy, wir verlassen den Hotel-Parkplatz in Richtung Norden
  8. 14:20 Uhr: Ich schaue auf den Tacho des Fiats und die kleine rote Uhr darunter. Häähhh? Wie geht das denn? Wir sind doch gerade erst losgefahren. Wie kann es schon 14:20 Uhr sein? Gab’s hier etwa doch eine Zeitumstellung? Nein, das kann ja gar nicht sein. Die Uhr im Fiat ist ja „weiter“ als alle unsere anderen Handy-Uhren und zum Winter wird doch immer „zurück“ gestellt. Na ja, ist halt ein Fiat… Egal. Wir fahren weiter. Wir lassen uns die Zeit nicht von einem kleinen Fiat diktieren!
  9. 15:00 Uhr im Tacho: Wir durchfahren Korfu-Stadt und haben noch ein ganzes Stück Fahrt vor uns. Aber egal, es ist ja erst 14:00 Uhr. Also haben wir genügend Zeit.
  10. 16:00 Uhr im Tacho: Wir kämpfen uns mit dem kleinen Auto auf den höchsten Berg Korfus hinauf. Es wird dunkler. Ein Unwetter zieht auf , das wird der Grund sein.
  11. 16:10 Uhr im Tacho: Wir brechen die Befahrung des „Pantokrator“ kurz vor dem Gipfel ab. Die Sache wird uns zu heikel. Nebel, Sturm und wackelnde Bäume lassen Vernunft und Verantwortung siegen. Wir beschließen, zurück zu fahren. Läuft alles nach Plan, sind wir in knapp 90 Minuten zurück im Hotel und können die Beine lang machen.
  12. 17:30 Uhr im Tacho: Wir biegen zum Hotel links ab und wundern uns über die Lichter in der Einfahrt. Wie kann das sein, es ist doch erst 16:30 Uhr? Egal. Geschafft von all den Serpentinen, freuen wir uns alle auf zwei Stunden individuelle „Chill-Out-Time“. Irgendwie sind wir alle ganz schön platt von der Fahrt. Kein Wunder, ist halt ein kleiner Fiat.
  13. 18:30 Uhr: Ich schaue wieder auf mein Handy und bemerke, dass es anscheinend schon wieder Zeit fürs „Dinner“ ist. 
  14. 18:31 Uhr: Meine Frau antwortet, dass es draußen auch schon stockdunkel ist.
  15. 18:32 Uhr: Wir fragen uns alle, warum sich die Chill-Out-Time so kurz anfühlte und gehen zum Essen.
  16. 20:30 Uhr: Ich fange an, diesen Beitrag zu schreiben.
  17. 21:30 Uhr: Es wird plötzlich sehr ruhig im Zimmer, die Kids reiben sich schon die Augen. Was ist nur los hier?? Ich fühle mich auf einmal wie zurück in die deutsche Zeit versetzt. Aber welche deutsche Zeit? Die von vor der Abreise? Die Zeit von gestern?  Oder die deutsche Zeit von heute? Oh je….

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29) Dieselfahrverbote

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über die schlimmen Diesel-Autos berichtet wird. Da wir einen zehn Jahre alten Diesel fahren, beobachte ich die aktuellen Entwicklungen genau. Unser Auto wird in der Schadstoff-Klasse Euro 3 geführt. Also noch unter dem Standard, der aktuell im Rahmen der Diesel-Tricksereien diskutiert wird. Trotzdem hat mein Auto damals eine grüne Plakette an die Windschutzscheibe geklebt bekommen, mit der ich berechtigt bin, in die Innenstadtzone zu fahren. Das ist uns wichtig, denn dort wohnen wir. Das Auto steht aber häufig in der Garage, viele Wege erledigen wir zu Fuß oder nutzen dafür Bus und Bahn. Das ist unser Beitrag zum Umweltschutz, die Kids sollen sich auch gleich daran gewöhnen. Bei den jüngsten Diskussionen zu Fahrverboten geht es aber nicht mehr um den Umweltschutz, sondern um die gesundheitsschädlichen Emissionen unseres Diesels. Kurz und drastisch gesagt: Wir tun vielleicht Gutes für die Umwelt, aber ansonsten bringen wir Menschen um. Wissentlich. Vor ein paar Monaten kam dann die Diskussion möglicher Fahrverbote auf. Da ging es aber noch um die eh schon schwer belasteten Städte. Ein mögliches Fahrverbot in Stuttgart ging mir zunächst am Auspuff vorbei. Vielleicht auch etwas egoistisch von mir gedacht, mag sein. Dann ergaben sich die ersten Einschränkungen in Berlin. Die viel befahrene Leipziger Straße wurde kurzerhand zur „Tempo 30 Strecke“ erklärt. Unter die Tempo 30-Schilder wurden zusätzlicher Schilder mit der Aufschrift „Luftreinhaltung“ gehängt. Schon das ist eigentlich absurd, denn die Luft ist doch, denke ich, gar nicht mehr rein. Deshalb wurde die Maßnahme ja veranlasst. Was gibt es da also noch „reinzuhalten“? Eigentlich müsste auf dem Schild so etwas wie „Reinluft-Zurückerlangung“ oder „Aktuelle-Luftqualität-Erhaltung“ stehen. Aber das mag Wortklauberei sein. Viel realer sind aber die Effekte daraus. Da wo die Autos früher mit 60 KM/h im vierten Gang durchrollten, stauen sie sich nun und pusten vermutlich mit 40 KM/h im dritten Gang viel mehr Dreck in die Leipziger Straße. Die Zeit, die ein Diesel nun in dieser Straße verbringt, ist noch länger geworden. Aber diese Maßnahme war zunächst nur eine Einzellösung, mit der wir gut leben konnten. Vor einigen Wochen kam aber wieder Bewegung in die Diskussion. In den Medien hörten wir von abschnittsweiser Sperrung einzelner Straßen oder gar von Sperrung der kompletten Innenstadtzone. Bei der abschnittsweisen Sperrung, kann sich jeder ausmalen wo das hinführt. Entsprechende Auto-Fahrer nehmen die Nebenstraßen. Damit die aber nicht genauso verschmutzt werden, wird man die vermutlich auch gleich mit sperren. Wir werden also einen Schilderwald erleben und indirekt entstehen eben doch ganze Sperr-Zonen, auch wenn die Politik das aktuell noch verneint. Bei Sperrung der Innenstadtzone, hätten wir ein echtes Problem, denn die ist verdammt groß. Ist das nun auch schon wieder egoistisch von mir gedacht? Nein! Viel egoistischer finde ich, dass sich Politik, Umweltverbände und Fahrzeughersteller dieser Diskussion entledigen, in dem sie Fahrzeuge, die funktionstüchtig und von Wert sind, von der Straße verbannen. Außer Neukauf steht aktuell nichts zur Wahl. Aber allein von meinem schlechten Gewissen und von meinem innigen Wunsch, keinen Menschen mit meinen Auto-Abgasen zu vergiften, kann ich mir aber noch kein neues Auto kaufen. Will ich auch gar nicht. Das Auto ist auf unsere Familie zugeschnitten, es hat erst 150.000 km runter und wird sicherlich noch einmal die selbe Strecke fahren können. Weiterhin sehe ich nicht ein, wieso mein Auto, was oft in der Garage steht, genauso behandelt wird wie ein großer Stinker, der täglich in der Stadt unterwegs ist. Wenn der Diesel-Treibstoff doch wirklich so gefährlich ist, dann soll man doch die Sprit-Steuern für den Diesel deutlich erhöhen. Damit trifft man dann wenigstens alle Diesel-Autos. Man würde damit auch die individuelle Fahrleistung berücksichtigen und eben schrittweise alle Diesel von der Straße kriegen. Man bräuchte auch keine teuren Nachrüstungen mehr. Von mir aus, damit kann ich leben. Wenn man es schneller will, dann müssen den Herstellern halt vernünftige Tauschangebote abgerungen werden. Dann aber bitte nicht nur nach dem Schema „Alter Diesel gegen neuen fetteren SUV“, sondern etwas nachhaltiger. Warum nicht „Alter Diesel gegen kürzeren Benziner mit 25% weniger Leistung“. Da würde ich ja ernsthaft drüber nachdenken.

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