734) Geld allein stapelt keine Steine

Am 2. Januar ging ich hinunter zum Strand.

Die Spuren der Silvesternacht waren nahezu verschwunden. Hier und da lag noch eine hölzerne Vierkantleiste oder ein Stück rotes Papier herum. Der Rest des Pyromülls war bereits weggeräumt. Entweder waren das fleißige Menschen in einer konzertierten Aktion oder das Zeug wurde von einer großen Ostsee-Welle mitgerissen. Oder von beidem etwas.

Wenn das doch im Großen auch so einfach wäre.

So sehr ich den Menschen in der Ukraine wünsche, dass dieser Horror bald ein Ende hat und sie in irgendeiner Weise wieder in ein normales Leben zurückkehren können, frage ich mich, wie das praktisch laufen soll.

Je nach Quelle rechnet man mit rund 500 Milliarden Dollar reiner Wiederaufbauleistung, verteilt auf etwa zehn Jahre. Damit läge der Betrag ungefähr doppelt so hoch wie die Infrastrukturinvestitionen in der ehemaligen DDR (reine Hardware, ohne Sozialtransfers). In der DDR stand immerhin noch etwas, und der Alltag lief ja irgendwie. Vermutlich lassen sich diese Zahlen wegen der Währungsentwicklung ohnehin nur schwer vergleichen.

Nehmen wir also einmal an, dass die EU und andere Geber diese Gelder tatsächlich auftreiben. Mit einer Überweisung von 50 Milliarden Euro pro Jahr ist es aber nicht getan. Es braucht Menschen, Hände und Maschinen. Flächen müssen von Minen geräumt, Brücken und Gebäude abgerissen und neu gebaut werden. Energieversorgung, Verkehrswege, Schienen.

Das ist Arbeit. Harte Arbeit. Und die wird üblicherweise von Männern verrichtet. Von Männern, die heute dort im Schützengraben liegen oder hier auf Baustellen stehen.

Und selbst wenn alle ukrainischen Bauarbeiter auf Europas Baustellen über Nacht den Hammer fallen ließen, könnten sie das allein nicht stemmen. Das ist ein enormes Arbeitsvolumen und damit auch ein Arbeitsmarkt, der zwangsläufig Menschen aus den umliegenden Ländern anziehen wird. Menschen, die dann anderswo fehlen. Zum Beispiel hier in Deutschland, wo es schon heute schwierig ist, überhaupt Handwerker zu bekommen und wo sich Bauprojekte verzögern, weil schlicht die Manpower fehlt.

In einem Land, in dem gleichzeitig massive Wohnungsbauprogramme versprochen werden. In dem hunderte Brücken und Schienen dringend ersetzt werden müssen, weil jahrelang gepennt wurde. Und in dem kürzlich ein Sonderbudget in ähnlicher Größenordnung beschlossen wurde. Rund 500 Milliarden Euro auf zwölf Jahre.

Mhm … da scheinen mir zwei konkurrierende Großbaustellen zu entstehen, oder? Also wer noch einen Bahnhof oder ein Badezimmer zu sanieren hat, der sollte wohl mal besser bald anfangen.

9) Schulneubau Ostkante Berlin – 2 (Gastbeitrag Hermann)

Jetzt weiß ich, warum es mit den Baustellen in unserer Nachbarschaft nicht vorwärts geht. Warum bis auf tiefe Löcher nichts zu sehen ist. All die Fachkräfte an denen es eh schon mangelte, verrichten ihren Goldstaub-Premium-Dienst nun im solventen Mahlsdorf und ziehen dort eine Schule hoch.

„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht vorran.“

Aber seht selbst.
T.

Beginn Gastbeitrag:

Ende Oktober 2023 ging es los. Die Holzverwertungsfirma „Donner – Energie aus Holz“ rückte an zum Grobschnitt. Alles was größer als Gras war, wurde abgesäbelt und auf einem Haufen gestapelt. Danach wurde alles zwei Tage lang geschreddert und in Containern abgefahren.

Ordnung muss sein, klar – ringsum ein Bauzaun hingestellt und Hund Bruno staunte nicht schlecht, dass wir unsere geliebten Trampelpfade nicht mehr laufen konnten.

Ab Mitte November wurde der verwurzelte Boden ca. 60-70 cm tief bis auf die Lehmschicht abgebaggert und am hinteren Rand der Fläche deponiert. Nach einer Woche war etwas die Hälfte der ganzen Fläche kahlgebaggert. Und damit auch jeder sehen kann, dass hier kein Supermarkt hinkommt, gab´s auf den ersten kahlen Teil ein ordentliches Baustellenschild.

Bauzeit 2023-2025, sportlich!

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Und da der T. ja Kurioses liebt:

Die Brache war gar nicht soooo menschen-unberührt, wie ich immer dachte: In der freigelegten Bodenschicht liegt ein Tonrohr, denn vor langer Zeit soll hier mal eine große Gärtnerei betrieben worden sein. Und nach einer Woche, täglich etliche Stunden, wo der Traktor mit einem riesigen Anhänger die Erde wegbewegte, gab´s den ersten Ausfall: kaputter Reifen am Anhänger!

Nach ein paar Tagen war der Anhänger wieder fit. Ende November kam die erste Lieferung Rohre und Betonschachtteile für´s Abwasser. Und trotz leichtem Schneegekrümel begann die Tiefbaufirma gleich mit dem Ausschachten größerer Löcher.

Fazit: in einem Monat ist hier eine Menge passiert, es geht Tag für Tag zügig voran. 

In der ersten Dezemberdekade, z.T. bei etlichen Minusgraden und Schneefall, waren die Baumaschinen von 7-16 Uhr deutlich zu hören, die Erdumlagerung mit dem großen Trecker-Hänger-Gespann gingen munter weiter, Kanäle wurden gebaggert, Schächte gesetzt und Rohre verlegt. Immer wieder erstaunlich, dass das am Ende passt.

Mitte Dezember:

Der Schnee ist geschmolzen und mehrere Tage immer wieder Regen; das Baufeld ist ziemlicher Matsch, Der Bagger schiebt auch mal das Trecker-Gespann an, um in der Pampe in Gang zu kommen. Tag für Tag wird zwischen 7 und 16 Uhr gearbeitet.

Am 13.12. wurde ein großer Stapel Kunststoffteile geliefert, sehen aus wie übergroßer Bierkästen; vermutlich Schalungsmodule für Fundamente, die dann mit Beton ausgegossen werden.

3. Advent:

Klar: Ruhe auf der Baustelle, aber die tagelange Ackerei in der zerwühlten Pampe fordert ihrer Tribut – Reifenpanne, jetzt am Trecker. Am Tag danach werden die ersten Kunststoffteile in eine Baugrube abgelassen – Fundamentbau (?) beginnt

Kurz vor Weihnachten:

Der Erdbewegungstrecker hat ein neues Vorderrad bekommen und ist nebst Anhänger abgezogen – Mission erfüllt; die schwarzen Module sind alle in der Baugrube verschwunden; Schmelzwasser und viiiiiel Regen machen den Bauleuten zu schaffen – trotzdem wurde bis zum 22.12. ständig gearbeitet und mal ehrlich …. in den 2 Monaten auch schon viel geschafft.

Ende Gastbeitrag

Ja, genau und bei uns jeht aba oooch nüscht voran.
Vielleicht sollte ich den Stammhalter nach Berlin Mahlsdorf ummelden, da soll die Schule wenigstens 2025 fertig sein, während seine Bruch-Hütte (f.k.a. Gymnasium) bald aussieht wie in Magnitogorsk.

8) Schulneubau Ostkante Berlin – 1 (Gastbeitrag Hermann)

Berliner Bau-und Bildungswesen haben sich über die Zeit zu einer verlässlichen Säule diesen Blog-Projekts hier entwickelt. War eigentlich gar nicht geplant, aber die beiden Themen spülen mir ständig neues Blog-Futter vor die Finger. Diesmal begrüße ich Hermann mal wieder hier im Studio, denn da entsteht etwas Aufregendes in seiner Nachbarschaft. Es wird gebaut. Keine Chip-Fabrik, kein Flughafen, keine Mondrakete … sondern … eine Schule. Und da sind wir doch mal sehr gespannt, wie das so läuft.

Lest selbst.
T.

Beginn Gastbeitrag:

Unser Bildungssystem, langfristige und aktuelle Mängel und Schwächen blitzen ja immer mal wieder im T.ipping-Point auf.

Nun habe ich die Gelegenheit, EIN Element, den Schulneubau, aus unmittelbarer Nähe zu begleiten und will das auch gerne wohlwollend tun.

2012 bin ich mit Frau und Hund in ein neu gebautes Haus am Ostrand von Berlin gezogen. Das ist wirklich Außenkante, denn ca. 500 m ostwärts ist die Landesgrenze zu Brandenburg.

Trotzdem funktioniert hier alles Städtische recht gut. Strom, Wasser, Müllabfuhr, Telekom etc. Sogar die Straßenfegemaschine (Aufschrift: „Die mit dem Putzfimmel“) kommt regelmäßig vorbei.

Mit der fußläufig erreichbaren Buslinie sind wir 10-20 minütig nach wenigen Stationen verbunden mit S-U-und Straßenbahn. Dünn ist halt die Einkauferei, 30 min Fußweg zum nächsten Supermarkt; geht so la la. … und da die meisten Leute (noch) Auto fahren und sich alles mitbringen, wird sich daran auch nichts großartig ändern.

Das Siedlungsgebiet ist seit Jahrzehnten komplett erschlossen, einige Häuser in der Nähe sind von 1906-1910, aber eine Fläche von ca. 500 m Breite und 800-900 m Länge lernten wir als völlige Brache kennen, auf der sich die Natur entfalten konnte. Das war einfach „Draußen“, abgesehen vom „Summen“ der östlichen Autobahn bei Ostwind und den regelmäßigen Fliegern auf den letzten Kilometern nach Berlin-Tegel und natürlich ein prima Hundespazierganggelände.

Aber wir waren nicht die letzte Zuzügler und so wurde vor 4-5 Jahren ein Drittel dieser Restfläche mit Eigenheimen bebaut, ein weiteres Drittel ist seit 4 Jahren fertig erschlossen inklusive Straßen, Beleuchtung, Wasser und Stromanschlüssen; fertig parzelliert. Um 2020 wurde der Verkauf der Parzellen ausgesetzt , als der Senat merkte, dass die Preise enorm stiegen und Einzelhäuser von meist auswärtigen finanzstarken Bürgern nicht die Wohnsituation von „normalen“ Berlinern verbessert.

Die neue Idee ist, dieses Drittel etwas dichter zu bebauen (auch 2-3 geschossig), auch Reihenhäuser, um einfach statt 50 Einzel-Einheiten für 150-200 Menschen vielleicht 200 Einheiten für 600-800 Menschen freizugeben.

Dagegen regte sich eine Bürgerinitiative „zum Erhalt des Charakters der Einfamilienhaussiedlung“ und im Klartext wollten etliche Leute nicht, das „irgendwelches Volk“ das Fleckchen zu einer Sozialinsel macht. Seitdem ist Stillstand, irgendwann gibt es eine Lösung. Immerhin wurde auf diesem Stück bereits eine KiTa gebaut, die natürlich auch schon voll ausgelastet ist.

Eine Lösung muss aber auch (nicht nur) für die Zuzugskinder her, denn die vorhandenen Schulen sind trotz Erweiterungen und Teilmodernisierungen Oberkante voll und die Neubürger durchaus fortpflanzungserfolgreich.

Das letzte Drittel dieser Freifläche war schon seit ca. 15 Jahren als Reservefläche für einen Schulbau festgelegt. Corona hat es noch ein bisschen verzögert, aber nun beginnt er, der Schulneubau.

10 Jahre bin ich gern mit meinen zwei Hunden in diesem Stückchen Quasi-Wildnis bei Wind und Wetter unterwegs gewesen.

Schulbau ist wichtig, Flächen werden rar und so ist auch etwas Wehmut dabei, dass diese Stück Land dem menschlichen Bedarf unterworfen wird.

Dank Hundespaziergang ergibt sich jetzt eine fast tägliche „Baustelleninspektion“ und ich werde in Etappen davon berichten.

Ende Gastbeitrag

Ich bin‘s wieder, der T. Wenn ihr kommentieren wollt, nur zu.
Kommentare werde ich freischalten und Hermann darf dann antworten 😉
Und ich lege jetzt mal die Füße hoch.

78) Frust am Bau – 2

Keine Sorge, mein Blog wird nicht zur Mecker-Ecke verkommen. Das hat er nicht verdient. Ihr auch nicht. Obwohl, ich hätte vermutlich auf Jahre neuen Stoff zum Schreiben. Ein schier endloser Vorrat an Ärgernissen, der mir täglich vor die Tastatur gespült wird. 

Aber nein, Ich will nur etwas loswerden, denn wir fahren in den Urlaub. Ach so? Der Herr macht es sich schön und kippt hier vorher noch einmal den großstädtischen Mistwagen aus und lässt uns damit zurück?

Ehrlich gesagt ja.

Unweit meines Blog-Headquarters, wurde einer Schule vor langer Zeit ein Anbau bewilligt. Wie schön, wir investieren in die Schulen! Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber auch hier könnte man glauben, es wird ein neuer Flughafen gebaut oder der östliche Zugang zu Stuttgart 21. Und da ja Bau-Maschinen und Bau-Materialien irgendwie aufs Gelände kommen müssen, hat man ganz einfach den Fußweg vor der Schule gesperrt. Im Januar 2022 (!). Als gäbe es keine andere Zufahrt zum Gelände. Und da man ja den Kindern und anderen Fußgängern eine Verantwortung gegenüber hat, bietet die Stadt seither einen gelben Zebrastreifen an, mit dem man alternativ auf die andere Straßenseite wechseln soll, um dann 100 Meter später wieder über den festinstallierten weißen Zebastreifen zurück auf die Seite der Schule zu gelangen, um dann noch mal zurück zum Eingang des Gebäudes zu laufen. Kapiert? Nee? Ich auch nicht.

Anfänglich funktionierte es noch ganz gut. Die Kids folgten dem Experiment, fragten nich nach. Bis die ersten Eltern diesen Umweg als unnötig einstuften. Die Kinder waren nicht doof und machten natürlich alles nach. Nun latschen die Meisten einfach auf der Straße. Und lauschen, ob sich von hinten ein LKW nähert. Denn das wäre schon unangenehm, irgendwie. Wie blinde Menschen dieses Manöver wohl meistern? Na ja, das kriegen die hin, oder? Die müssen ja nur mit den Fingerkuppen an dem Bauzaun langtasten, Masche für Masche, und ein bisschen aufpassen, dass sie nicht mit dem Gehstock in einem Gulli-Deckel hängen bleiben. Und schon haben sie es geschafft, wenn sie nicht an einem Poller hängen bleiben.

Da haben die also für knapp zwei Jahre ein absolutes Parkverbot verhängt, aber ein improvisierter Fußweg .. wenigstens zeitweise … scheint nicht machbar.

Ich finde, da können sie den ganzen Schilder-Blödsinn auch gleich ganz lassen. Andere Städte kommen auch ohne Fußweg aus, oder? 

Liebe Kinder, liebe Jugendliche, falls ihr gerade grübelt, wie ihr künftig eure Brötchen verdienen werdet, wie ihr Business generieren könnt. Vergesst IT, vergesst AI, auch die Umwelt, Städteplanung und Pharmazie. Alles Zeitverschwendung. Gründet einfach eine Firma für Bauzäune oder heiratet in sie ein.

In Berlin eine Goldgrube.

Und ich wiederhole mich:
Lieber regierender Bürgermeister Herr Wegner (CDU), liebe Bezirksbürgermeisterin von Pankow Frau Koch (Grüne). Ihr Parteibuch ist mir in der Angelegenheit völlig schnurzpiepegal. Tun sie bitte was.

466) Deutschland-Pakt

Die Bahn werkelt am Deutschland-Takt und der Kanzler bietet der Opposition einen Deutschland-Pakt an. Beim Wort Pakt, denke ich automatisch an den Teufel … und dann komischerweise auch an Herrn Merz … nach dem ich lange an Herrn Höcke gedacht habe. Das war ein Akt der Verzweiflung, die Rede unseres Captain Scholz kürzlich, oder? Benennt er doch die Unzulänglichkeiten, die nun mal fakt sind. Vertrackt, verkackt, die nackte Wahrheit, vollgepackt mit Altlasten und Versäumnissen der letzten Regierungen. Da kann ich nur ganz laut applaudieren, denn hier hat sich so Einiges verhakt.

Aber das mache ich der Ampel gar nicht zum Vorwurf, noch nicht. Das wäre unfair, denn diese Entwicklungen hat diese Koalition sicher nicht zu verantworten.

Allein, wenn ich mich nur mal bei uns in der Nähe umschaue:

  • Des Stammhalters Schule bröselt weiter vor sich hin. Hier der Beitrag > Trümmer-Schule GESP vom 22.09.22. Was es dort Neues gibt? Nüscht. Die Baugenehmigungen für den Umbau des Ausweichobjekts (10km, 45min) sind noch nicht mal erteilt. Stattdessen schützt ein Holzdach den Eingangsbereich von herausfallenden Fenstern. Kinder gehen nicht mehr aufs Klo und vom Genuss von Leitungswasser wir eher abgeraten. Es gibt aber einen Wasserspender in der Mensa … für 800 Schüler. Prost. Siehe Beitrag > Von Brennglas und Beschleunigung vom 05.03.22
  • Der Lehrer klagt, dass er immer noch auf die Rückerstattung der Kosten für die Klassenfahrt im Mai wartet. Das Schlimme sei wohl gar nicht auf das Geld zu warten, sagt er, sondern die Unzahl an Zetteln und Anträgen die er einreichen musste. Es war wohl eine Arbeit von mindestens 6 Stunden. Belege, Begründungen, Anträge, Aufstellungen. Unglaublich. Ein Unterrichtstag futsch. Oder der Abend des Lehrers.
  • Ein Jugendsportlerheim stand über 20 Jahre lang leer. Seit Dezember 2020 wird der 11-Geschosser in ein „Technisches Finanzamt“ umgebaut. Gerüst und Krane sind weg, eingezogen ist noch keiner. Und glaubt ihr, dass passiert dieses Jahr noch? Ich werde berichten.
  • Ein Sportplatz (ich betone … ein Platz … ohne Untergeschoss) wurde von Herbst 2018 bis ins Jahr 2020 neu gestaltet. Über ein Jahr Renovierung für einen Sportplatz! Und danach wurde er gleich wieder gesperrt. Denn dann kam ja Covid siehe Beitrag > Berlin baut Premium vom 22.12.19
  • Eine Grundschule  (DDR-Standardbau) wurde über zwei Jahre lang umgebaut. siehe Beitrag > Berliner Landschaften. Nun wird schon wieder seit Jahresbeginn „irgendetwas“ mit entsprechendem Tiefbau gebaut. Keine Ahnung was und warum schon wieder?
  • Eine Sporthalle (auch DDR-Standardbau … Grundriss ist wohlbekannt) wird geplant saniert von 4. Quartal 2020 bis 4. Quartal 2022. Mittlerweile haben wir bald 4. Quartal 2023. siehe Titelbild. Drei Jahre für eine Sporthalle im Schuhkarton-Format??
  • In der Wohnanlage gegenüber werden seit Februar 2021 die Dachböden ausgebaut. Wollt ihr raten, in wie vielen Fenstern schon Lichter brennen? Genau. 0. Richtig geraten.

Wenn ich dann überlege, dass die eingestürzte Genua-Brücke bereits 2 Jahre nach Einsturz schon wieder stand … .

Ich hoffe, dass die aktuelle Regierung hier dringend Änderungen herbeiführen kann, sonst mache ich mir ernsthafte Sorgen in welche Richtung sich der Frust der Bürger entlädt.

313) The flying locus: Jetzt im Doppelpack

Irgendwie hatte ich in den letzten Tagen keine Lust, etwas zu schreiben. Ich hatte viel um die Ohren, dann die Nachrichtenlage da draußen, alles nicht so inspirierend. Aber bevor ich nun in eine essentielle „Schreib.Blogade“ abrutschte, schenkte mir der Kranführer von der Baustelle gegenüber heute einen herrlichen Schnappschuss, den ich einfach nicht unkommentiert lassen kann.

Lest also hier nun die Fortsetzung von >The Flying Locus 😉

Was ist eigentlich die Mehrzahl von Locus?

Diese Frage kam mir in den Sinn, als die zwei P(r)acht-Toiletten am blauen Berliner Himmel erschienen. Sind das dann etwa „Locen“, „Locata“ oder gar „Locusse“? Auflösung: Es ist Latein und demnach sind es wohl die „Loci“ oder „Loca“. Kein Wunder, dass die Deutschen das Wort „Klo“ erfunden haben. Aber das soll ja hier kein Latein-Seminar werden.

Also was war da wohl wieder los?

  • Hat der Praktikant verstanden, dass man damit „time and money“ spart, wenn man zwei Klo‘s an den Haken hängt?
  • Wurde da vielleicht ein Corona-konformes Präsenz-Meeting abgehalten?
  • Sind „wie immer“ zwei Frauen gleichzeitig aufs Klo gegangen und haben sich festgequatscht (… sorry)
  • Hat sich die Gleichstellungskommission der Baustelle durchgesetzt, dass Herren-und Frauen-Klo paritätisch geliefert werden (uuups … schon wieder sorry)
  • Oder liefert die Firma nun schon mobile Beichtstühle (au wei … das gibt Ärger … noch mal sorry). Wartet mal … jemand ruft an … Vorwahl +379 … wer is‘n dis??

Und was da wohl als Nächstes fliegen mag?

  • Ein drittes Klo, für die Kollegen, die weder das eine noch das andere … (… ich höre besser auf …)
  • Fünf fliegende Klo‘s für Gruppenarbeit in reservierten „Breakout Rooms“ und „Save Spaces“?
  • Eine „Intim“-Building-Maßnahme? 😉 nach all der Vereinsamung im Homeoffice?
  • Ein Ruheraum für etwas mehr „Locus Time“ … ähm … „Focus Time“ im Think Tank?
  • Oder läuft da sogar bald Musik: „La Vida Loca“ vielleicht? Also vom „Leben auf dem Klo“?

Ich mache jetzt mal besser Schluss und freue mich auf den Shitstorm 😉 Nur zu.

Aber Spülen nicht vergessen!
Is‘ doch nich‘ so schwer!
Und Deckel runter!
Hände waschen!
Und Licht aus!
Mensch!
Na Also!
Man!

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Und gefallen? Ich meine der Beitrag, nicht das Klo.

Dann gibt‘s hier noch mal Teil 1 von > The flying locus

241) The flying locus

Neulich tigerte ich durch mein Höhlenoffice. Das Headset auf der Rübe lief ich hin und her. Schreibtisch – Fenster – Schreibtisch – Fenster – Schreibtisch – Fenster. Der Labersack am anderen Ende der Konferenz hörte nicht auf zu lamentieren. Auf einmal sah ich eine Klo-Kabine am Himmel vorbeifliegen.

Was für eine willkommene Abwechslung, dachte ich. Die Stimme des Labersacks in meinen Ohren wurde immer leiser …

„Und deshalb frage ich dich ob, bla bla … bla … bl … b … ….“

Meine Gedanken drifteten ab:

  • Ist das Ding eher noch leer oder schon voll gefüllt?
  • Schwappt die Brühe eigentlich über bei starkem Wind?
  • Was, wenn da noch ein Bauarbeiter drauf sitzt und Zeitung liest?
  • Verursacht der vielleicht akustische Störungen, so dass man ihn zur Darmentleerung immer über die Kante schickt?
  • Ist vielleicht der Zoll auf der Baustelle und da verstecken sich fünf Illegale drin?
  • Was wäre das wohl für eine Sauerei, wenn das Ding vom Haken rutscht?
  • Und was hätten Monty Python aus dieser Szene wohl gemacht?

„Hallooooooooooo! Hörst du mich?? Bist du noch daaaaaa? Ich rede mit dir! Du antwortest ja gaaaaar nicht!“

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen:

„Doch doch, ich bin da. Ich denke, für die Beantwortung all deiner Fragen, sollten wir eine andere Flughöhe wählen. Mal von oben drauf schauen, weißt du? Durch eine andere Brille, sozusagen. Und wenn wir so nicht weiterkommen, kann man dich … ähm … „sich“ ja auch mal in einen Raum einsperren, vielleicht auch mal außerhalb … an einem ungewöhnlichen Ort, meine ich. Noch mal tiefer in die Materie eintauchen. So from top to down. Das kann ja auch mal ganz erfrischend sein. Ich meine, unsere täglichen Baustellen hindern uns vielleicht auch am kreativen Denken. Out of the box, weißt du? Und wenn wir den Scheiß dann immer noch vor uns haben, dann müssen wir die Entwicklung auch einfach mal laufen lassen, abkoppeln … abstoßen … du weißt was ich meine, oder? Und wenn das alles nichts bringt, dann müssen wir das halt auf alle Köpfe im Team verteilen.“

“Ja so machen wir das“

Na also!

51) Postkarte aus Berlin: solche und solche

Großstädte wie Berlin sind laut, verdreckt und hässlich. Sie sind überfüllt, mit Graffiti beschmiert, das wenige Grün ist plattgelatscht und Beton überwiegt überall. Da ist was dran. Im ersten Halbjahr 2021 war ich auf meinen Corona-Freigängen mehr im Kiez unterwegs und habe aus dem Fenster geschaut. Aber eher zeitversetzt, wenn noch nicht so viele Menschen unterwegs waren. Und wenn man da etwas wählerischer hinschaut, lassen sich da durchaus schöne Bilder einfangen. 

Wer hier öfter mal auf’m Blog vorbeischaut, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich eine Schwäche für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge habe. Warum? Weiß nicht. Vielleicht weil sie jedes Mal anders sind. Mit ihnen beginnt und endet der Tag, wenn man Glück hat und auch hinschaut, auf of recht beeindruckende Weise.


Und die Natur versucht die Stadt zurückzuerobern. Da streifen Füchse über die Höfe, Blütenteppiche auf dem Gehweg lassen eine Indische Hochzeit in der Nachbarschaft vermuten und das knappe Budget für die Grünflächen-Pflege lässt Wildwiesen entstehen. Hat ja auch was.

Selbst im Winter war Berlin recht ansehnlich. Zumindest so lange Schnee lag oder man allein unterwegs war. Gelben Schnee sollte man trotzdem nicht essen und die Schnee-Engel-Figur macht man besser nicht gerade an der Häuserwand.

Aber wenn ihr jetzt denkt, „Ohhhh  … das ist es aber nett dort, da fahren wir doch glatt mal hin … “ lasst es besser sein. Bleibt zu Hause.

Kommt bloß nich‘ her 😉

216) Orange Netze, mystisch, sonderbar

In den letzten Wochen fallen mir in der Gegend immer mehr orange Netze auf, die eine frischgegossene Beton-Platte umrahmen. Was hat es damit auf sich? Nirgends ein Hinweis, keine Informationen wie sonst hier in Großschildistan.

Also bleibt nur Spekulation …

  • Entstehen da neue Arbeitsplätze, die man für die vierte Corona-Welle mieten kann, wenn es im Homeoffice wieder zu eng wird?
  • Oder werden da bald Mini-Townhouses gebaut, um der Berliner Wohnungsknappheit zu begegnen? Etagenbetten? Schlafregale?
  • Hat Berlin den Zuschlag für die Winter-Olympiade bekommen? Sind das Fangnetze für  Langläufer? Biathlon? Super-G?
  • Sind das neue Beerdigungskonzepte? Mal etwas ausgefallenen? Sogenanntes Near-Funeral? Böse, böse …
  • Vielleicht haben unsere Verkehrsplaner wieder mal eine neue Idee, was sie uns als Mobilitätskonzept verkaufen können? Kommen dort Mülltonnen hin, wo man endlich die E-Roller reinwerfen kann oder gibt es da künftig Skates oder Hoverboards zum Ausleihen?
  • Ist da möglicherweise eine Verschwörung im Gange? Ein Softwarekonzern oder eine dunkle Macht, die unsere Kinder aufessen will? Soll es ja schon alles gegeben haben.
  • Oder kommen da sogar Impf-Automaten hin? Vielleicht Checkpoints, die die nächsten Ausgangsbeschränkungen überwachen sollen?
  • Sind das etwa Landeplätze für unsere künftigen Drohnen, die die Brut zum Fußball und Tanzunterricht fliegen und auf dem Rückweg ein Koscher-Bio-Vegan-Regio-Schrot-Brot mitbringen?
  • Aber umso mehr ich drüber nachdenke, kommt mir da so eine Vermutung. Vermutlich steckt der große Online-Händler dahinter. Der hat einfach keinen Bock mehr, die Treppen zu laufen und schmeißt die Fracht irgendwann in große Schränke. Oder die Chinesen schicken ihre Päckchen gleich in diesen Schränken zu uns übers Meer, da muss man hier nicht mehr mühsam umpacken. Das scheint mir sehr schlau.

Und die Kunden können dann abends von Schrank zu Schrank irren und sich ihre Päckchen zusammensammeln.

Großartige Innovation …

Oder habt ihr eine Idee was das werden soll???

58) Berlin baut Premium

Es muss mal wieder sein, liebe Leser. Ich kann nicht anders. Vor circa einem Jahr, habe ich mich hier im Beitrag >Berliner Landschaften bereits über total überdimensionierte Stadtplanung und Jahrhundertbaustellen ausgelassen. Weiter gehts mit Geschichten aus‘m Kiez bei denen man vom Kopfschütteln ein Schleudertrauma bekommt.

Im oben genannten Beitrag ging’s auch um einen Schulhof um die Ecke. Was hat sich da getan? Die Baustelle wird so langsam abgebaut, die Kids haben einen gigantischen Schulhof bekommen. Nach zwei Jahren Bauzeit, für Zwei Millionen Euro. Wahnsinn.

Unser Sportplatz wurde im Herbst 2018 gesperrt, eine neue Tartan-Decke war nach 25 Jahren mal fällig. Auf dem Bauschild war die Bauzeit ursprünglich bis Frühling 2019 ausgewiesen. Okay, über den Winter 18/19 sollte uns das nicht stören. Bis vor wenigen Tagen war das Gelände immer noch gesperrt. Und nun? Ja nun haben wir dort einen Sportplatz der Premium-Klasse! Ich war gestern mit dem Sohnemann dort, wollten ein wenig im Fußball-Käfig kicken. Die Türen des Käfigs waren … abgeschlossen. Was sonst.

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Nicht weit von da, toben sich immer noch die Parkplatz-Design-Fetischisten aus. Seit Monaten dauert das schon. Die Anzahl Plätze wurde reduziert, man soll jetzt schräg parken. Die verbleibenden Parkplätze wurden „aufgewertet“ und durch Boden-Mosaik-Kunst der Römer und Griechen inspiriert. Kurz nach Eröffnung werden die bestimmt zum UNESCO-Kultur-Erbe erklärt.

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Ost-Berliner Straßenlampen „gelber“ leuchten als Lampen im Berliner Westen, kann man nachlesen oder sogar aus dem Weltraum sehen. So geht’s natürlich nicht! Also wird das Viertel mit neuen weiß leuchtenden Laternen ausgestattet. Neben jede alte Laterne, wurde nun eine neue gestellt. Die alte Lampe steht aber immer noch dort und leuchtet weiterhin gelb. Sie wurde nicht abgebaut. Das ist dann ein neues Bauvorhaben.

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Ein paar Straßen weiter bekam die Kita einen Zebra-Streifen. Macht Sinn. Aber auch Zebra-Streifen werden heute nicht mehr nur aufgemalt, nein es sind komplexe Verkehrsprojekte geworden. Eine enge Kooperation von Straßenbau, Gehweggestaltung, Fahrbahnmarkierung, Straßenbeschilderung und Straßenbeleuchtung ist da von Nöten. Und da das letzte Gewerk noch nicht fertig ist, wird der Zebra-Streifen einfach mit einem gelben Kreuz überklebt und damit für ungültig erklärt. Die Autos können einfach drüber brettern. Rechtlich in Ordnung. Die Stadt ist aus der Haftung. Hoffentlich verstehen die Kinder das auch und laufen nicht gutgläubig über die Straße wie die Beatles in der Abbey Road.

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Also ehrlich die haben die doch ein Ding an der Waffel, oder? Ich meine, es ist ja gut, dass in Verkehrssicherheit, Sport und Schule investiert wird, aber muss es immer gleich Premium-Class sein? Würde denn nicht auch eine Nummer kleiner ausreichen, dann könnte man mehr von solchen Projekten schaffen und auch mal irgendwann fertig werden.