420) Buchstabensuppe mit Alles – 2

Als man sich vor langer Zeit den Kopf zerbrach, welcher Monat kürzer sein soll als all die anderen, hat man sich für den Februar entschieden. Gute Wahl. Kaum auszuhalten, wenn der Februar 30 oder 31 Tage hätte.

Und was hilft da am besten. Eine warme Suppe.

Buchstabensuppe:
Nach den ersten Kommentaren zu dieser neuen Beitrags-Serie, kann ich feststellen, dass  „Buchstabensuppe“ im Allgemeinen positiv besetzt ist. Eine gute Entscheidung, dass ich nicht „Rosenkohl“ für das Format gewählt habe. Für manche ist Buchstabensuppe mit Kindheit verbunden, andere versuchen immer noch, sich ganze Wörter auf der Zunge zurechtzulegen. Danke an Clara Himmelhoch für den Tipp und das Kopfkino. Allerdings sind Buchstabennudeln irgendwie auch aus der Zeit gefallen. Sie wurden bestimmt von alten weißen Männern erfunden und müssen dringend überdacht werden. Warum? Zum einen sind sie in der Regel weiß, was ja überhaupt nicht mehr geht. Hinzukommt, dass man die Worte nicht korrekt gendern kann. Es fehlen Doppelpunkte und Schrägstriche in der Tüte. Auch Mitbürger mit Migrationshintergrund fühlen sich komplett ausgeschlossen. Es gibt keine Umlaute und Akzente, wie sollen sich Menschen mit türkischem oder slawischem Background hier jemals heimisch fühlen? Und wenn man bedenkt, dass ein Drittel der Weltbevölkerung indisch oder chinesisch ist, wäre es dann nicht angebracht Buchstabensuppe in Mandarin, Hindi, Kannada und Tamil anzubieten? Geht das technisch überhaupt? Oder gibt’s die vielleicht schon? Am besten Mal den Herrn Scholz fragen, wenn er aus Indien zurück ist.

Dachschaden:
Das Haus gegenüber wurde neu bedacht. Seit 2021 arbeitet man dran. Schon letzten Sommer fiel mir auf, dass über einem Dachfenster eine halbe Ziegel fehlt. Aber die werden schon wissen was sie tun, dachte ich mir. Da wird schon einer dran gedacht haben. Wer bin ich denn, dass ich Deutschen Edel-Handwerkern mit Fachkräftemangelhintergund einen Ratschlag erteilen kann. Nun wird die Jahrhundertbaustelle langsam aufgelöst, Mensch und Material ziehen weiter und was soll sich sagen? Mein Verdacht hat sich bestätigt, die halbe Ziegel fehlt immer noch und der Mieter, der da jemals einzieht, wird schnell Stockflecken an der Decke haben. Aber er ist froh, dass er nicht obdachlos ist. Könnte mir eigentlich egal sein, ist ja nicht mein Dach. Aber ich schaue nun mal auf dieses Dach. Jeden Tach. Und ich sehe die Lücke. Und sie schaut mich an. Fragt sich wer hier eigentlich einen Dachschaden hat. Das Haus oder ich. Also was mache ich lieber netter Onkel von gegenüber? Ich recherchierte den Verwalter des Objekts und habe ihn mit einer e-Mail bedacht. Die Firma dankt und leitet das weiter. Derweil ziehen immer mehr Bauarbeiter ab. Ich ahne schon wo das endet. Europaweite Ausschreibung, Hubschraubereinsatz und ich muss es dann noch zahlen.

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Frust:
Vor ein paar Tagen war ich beim Doc. Ein Routine-Check und eine gute Gelegenheit, mit der  Schwester zu quatschen, während ich da auf der Liege sitze. Auf die Frage wie es denn so läuft, klagt sie, dass die Patienten immer lauter, gereizter und pampiger werden. In 2023 wohlgemerkt, nicht in in 2021 und 2022, als die Stimmung teilweise sehr aufgeheizt war. Was macht die Leute so aggressiv? Was haben die falsches gegessen? Und warum lassen die ihren Frust an Krankenschwestern aus?

Aber ich will den Beitrag nicht so negativ enden lassen. Denn wenn man so auf die Titelseiten schaut, gehts uns doch eigentlich ganz prima hier, im Land der Lichter und Banker.

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417) Buchstabensuppe mit Alles – 1

Der Februar ist fast geschafft, die Tage werden länger. Sehr gut. Und so viel ist schon wieder geschehen, was noch verarbeitet werden muss. Ich gieße das mal mit etwas Instantbrühe auf und reiche meinen ersten Teller „Buchstabensuppe mit Alles“.

Beben
In der Türkei und Syrien zerstört ein Erdbeben Städte und Familien, die Anzahl der Toten liegt aktuell wohl bei 45.000, von den Verletztenzahlen mal gar nicht zu reden und wann das alles jemals wieder aufgebaut werden kann auch nicht. Und ganz besonders die Menschen in Syrien, was die aushalten müssen. Krieg, Naturgewalt. Furchtbar. 2015 habe ich mal einen Erdbebenausläufer vom Himalaya in Delhi erlebt. Bei weitem nicht so heftig wie nun Anfang Februar, aber im Hotel pendelten Lampen und Türen. Gruselig. In dem Moment wird einem klar, wie klein und hilflos man ist. Da helfen keine Sandsäcke, Wassereimer oder vernagelte Fenster. Auch keine Smartphones mit vielen Apps drauf.

Wiederholungswahl
In Berlin wurde am 12.02.23 die letzte Landtags-und Bezirksverordnetenwahl wiederholt. Ein paar kleinere Pannen gab es wohl auch diesmal, aber Wahlbeobachter der OSZE mussten nicht extra anrücken und wir werden auch nicht unter Sonderverwaltung von Markus Söder gestellt. Na ein Glück. Färbt man die Bezirke nach den Farben der stärksten Parteien ein, ergibt sich ein interessantes Bild. In der Stadt-Mitte im Wesentlichen grün und rot, in den Außenbezirken, vollends schwarz. Und ein wenig blau …aber das kann auch eine Störung meines Displays sein.

ChatGPT
Ein Chatbot, der Texte generieren kann, der erklimmt gerade die Bühne und wird heiß diskutiert. Erwachsene und Arbeitsminister fürchten um die Jobs, Schüler freuen sich über Hilfe beim Schreiben von Aufsätzen. Lehrer glauben, sie könnten den Hype beenden, wenn sie keine schriftlichen Hausaufgaben mehr aufgeben, nutzen ChatGPT aber selbst heimlich zu Vorbereitung des Unterrichts … und schaffen sich damit auch ab. Das ahnen sie nur noch nicht. Na bloß gut, dass das Ding noch nicht mit dem Internet verbunden ist und sich seine Informationen daher holt. Denn dann würde ChatGPT irgendwann ja nur noch seine eigenen Texte finden und die dann wiederkauen. Guten Appetit.

In eigener Sache
Nach längerem Zaudern, Überlegen und Prokrastinieren habe ich meinen Homeoffice-Arbeitsplatz aus einer Ecke ohne natürlichem Licht an ein Fenster verlegt. Das war mit größeren Baumaßnahmen verbunden, aber es hat sich gelohnt. Nun habe ich ein Höhlen-Office mit Tageslicht … und immer noch viehischen Muskelkater. Aber es hat sich gelohnt!

Bis bald mal wieder zu einem Teller „Buchstabensuppe mit Alles“

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414) Erst- und Wiederholungswähler

Juhu, weil wir so‘ne richtige hippe Hauptstadt sind, und in 2021 die zeitgleiche Wahl für Bundestag, Abgeordnetenhaus und Bezirksverordnetenversammlung (geiles Wort) und Berlin-Marathon im Chaos endeten, dürfen wir morgen wieder wählen.

Keine Ahnung wie das ausgeht.

Führt die SPD eine Koalition an, machen es die Grünen oder kommt sogar die CDU zurück?

SPD und Die Linke werden für viele Dinge verantwortlich gemacht, die hier nicht rund laufen. Da ist schon was dran, schließlich waren sie lange Zeit in Verantwortung und wenn ich da nur an die marode Schule des Stammhalters denke … und an den Wohnungsmarkt … nun ja. Auch wenn man ihnen nicht alles anlasten kann, ist da sicher Luft nach oben. Andererseits sind aber auch Dinge durchgeboxt worden, mit denen sich Berlin durchaus sehen lassen kann und andere Städte dieser Größe hinterherhinken.

Im Angesicht der Klima-Krise müssten die Grünen eigentlich das Ding machen, allerdings haben sie sich mit einzelnen Maßnahmen und der Kommunikation darüber nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ja, es müssen drastische Maßnahmen her, um der Luftverschmutzung und dem Ausstoß von CO2 entgegenzuwirken, vollkommen verstanden. Aber neben der Sperrung einzelner Straßen oder Fahrspuren, muss da etwas mehr passieren.

Die CDU macht auf „Wir bringen das wieder in Ordnung und sorgen dafür, dass Berlin wieder funktioniert.“ Oh je. Schon wieder? Genauso wie in in den 90-er Jahren? Na aber immerhin haben sie jetzt auch einen Passus zur Digitalisierung in ihrem Wahlprogramm.

Wir werden sehen wie das ausgeht.

Interessant finde ich, wie die Parteien die nun mittlerweile 16-jährigen Erstwähler adressieren. Die Grünen zum Beispiel schicken eine grüne Postkarte und sprechen die Leser mit „Liebe*r Erstwähler*in“. Sie schreiben, warum eine Bezirksverordnetenversammlung wichtig ist und das man auf jeden Fall wählen gehen soll. Ansonsten gibts einen QR-Code der zum Wahlprogramm führt. Find ich (unabhängig von der Partei) eine gelungene Ansprache für die Zielgruppe.

Die FDP schickt einen klassischen Brief. Ein Sechstel des Papiers geht für das Bild des Spitzenkandidaten drauf. Die Ansprache erfolgt ganz konservativ mit „Sehr geehrte Frau …, Berlin ist eine großartige Stadt“. Dann wird auf die aktuellen Missstände eingedroschen und es folgen sechs Thesen aus deren Wahlprogramm. Der Wisch sieht aus wie ein Brief von einer Versicherung.

Zum Ende schließt er mit
„Jede Stimme für die FDP ist eine Stimme für den Fortschritt“,
mit freundlichen Grüßen,
dreimal unterschrieben.

Jawoll! Es geht voran!

413) Mit Zettel und Stift 10

Irgendwie habe ich aktuell keine Lust auf eigene Wortkreationen, also bediene ich mich einfach mal bei anderen Wortakrobaten, die meinen Alltag in den letzten Monaten bereichert haben.

Fangen wir mal an:

Da ist was dran würde ich sagen, auch wenn ich kurz drüber nachdenken musste. Und wer gerade beißt, der kann auch gar nicht bellen, weil er den Mund voll hat. Und wer nix zu beißen hat, tja … der … ach … schon wieder zu kompliziert.

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Der nächste … nun ja … guten Appetit.

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Beim Döner-Laden hing dieser Zettel noch im November an der Wand. Aber immerhin waren sie bei der Genderei ganz vorne und haben die Bedeutung des Ganzen sogar noch unterstrichen. Wir sollten aber mal besser dem … den … Dativ retten, oder?

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Aber es geht noch schärfer, auch wenn ohne Chili. Dieses Überbleibsel einer längst vergessenen pandemischen Lage, habe ich im Januar 2023 in einer Asiatischen Kneipe gefunden. Also wenn man das liest, da kann einem ja himmelangst werden. Hoffentlich passiert uns das nicht mal irgendwann. Das wäre ja doof.

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Ein sozialer Treffpunkt übt sich auch im Gendern und versucht höflich die Sprayer der Nacht loszuwerden. Ich ahne schon wie das endet. Denn der Sprayer, der liest sich das natürlich sorgsam durch, dann zuckt er mit den Schultern, denn das Schreiben ist mit Januar 2022 datiert und damit ja verjährt. Also schüttel, schüttel. Klacker, klacker. Pffff … Pffffff

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Nun noch was Kulinarisches. In Strasbourg eröffnet demnächst „Das Beste der Kebap-Küche“ und nennt sich „Das Original“. Das müssen die Franzosen aber noch ein paar Vokabeln lernen. „Soße?“, „>Salat alles?“, „Einpacken?“, „Mitnehmen?“. Auf die Deutsch-Französische Freundschaft!

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Dieses Lokal in Berlin Hellersdorf hat schon länger geöffnet und verkauft perlende Getränke mit Schaum und blauen Sky mit kleinen Wolken. Man kann auch vor der Fahrschule da einkehren, wie praktisch.00EE0D7F-4088-48FB-8EDD-E13CE095A784

Mit dem hier wusste ich nun gar nichts anzufangen. Der Spruch wird wohl fälschlicherweise Berthold Brecht zugeschrieben, stimmt wohl aber gar nicht, könnte auch von Martin Luther King gewesen sein. Aber immerhin scheinen wir doch sehr „belesene“ Heimwerker in Gotha zu haben, die sich alternative Alternativen offenhalten. Bin froh, dass am Wochenende in Berlin gewählt wird und nicht in Gotha.6B0BAEA8-B199-4366-95D4-A06D4724697C

Apropos Wahl …

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In diesem Sinne …

T.

410) Wohnopoly

Na, was bin ich froh, dass ich aktuell keine Wohnung suchen muss. Beim neugierigen Blick in die Angebote auf dem Immobilienmarkt kann einem ja schon mal schwummrig werden. Aber auch bei den Gesuchen habe ich das Gefühl, dass die mehrheitlich von einem anderen Stern stammen.

Ein Unternehmer aus Zürich sucht `ne Hütte in Berlin und Umgebung. Aber für maximal 5 Mio.
Geizhals … also so wird das nichts mein Freund.

Eine Familie aus Wannsee oder Zehlendorf … sie scheinen zu pendeln, hat noch Kohle unterm Kissen und sucht ein „Anlage-Objekt“. Anzahlung bis 500.000 möglich.
Alter! Mein Online-Banking erlaubt mir 2.000 EUR pro Tag zu überweisen, da müsste ich also 250 Tage lang 2.000 EUR schieben, nur um die Anzahlung zu begleichen. Oder mit einem Koffer vorbeikommen.

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Innendesignerin und Journalist suchen Dachwohnung für 1,5 Milliönchen. 
Na dann. Viel Spaß im Dach, bei 48°C.

Vormittags ist er Manager eines amerikanischen Startup’s, nachmittags leitet er was in einem US-Automobilkonzern. Er sucht `ne Bude im Berliner Süd-Osten und zahlt gern 300.000 an. 
Ist das etwa der Elon?

Aber auch beim Auswärtigen Amt verdient man recht stattlich. 1,5 Mio kann er locker machen und ´ne halbe Mille ganz schnell anzahlen.
Komisch, der hat ja fast die gleiche Telefonnummer wie der Elon. Nachbarn vielleicht?

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Eine Woche später hat der Unternehmer aus Zürich nur noch 3 Mio in der Tasche. 
Hat der in einer Woche etwa 2 Mio verbrannt? Schlechter Unternehmer.

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Ein Familie aus München mag gerne 2 Mio auf den Tisch legen. Vati ist wohl Unternehmensberater, Mutti eine Stewardess. Also eigentlich eh nie da.
Wozu? Für die Tochter?

Eine Fooddesignerin … oder Spitzenköchin …,  sie weiß es noch nicht, oder sie sind ein Paar. Man … Frau … sucht ein Häuschen bis 1 Mio.
Ich werde auch noch mal umschulen … zur Fooddesignerin.

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Quellen: Berliner Morgenpost 14.01.23 und 21.01.23

 

Mhm. Ich überlege. Raumhöhe hier ist 2,71m, ich bin gute 1,80, da könnte ich ja noch eine Zwischendecke einziehen und den Raum über uns als „Energiesparende Wohnung im Berliner Szene-Viertel“ anbieten. 

409) Tiny Room

Die Wohnungssituation in Berlin wird angespannter. Die Annoncen, Gesuche und Gebote werden immer aberwitziger. Mehr dazu demnächst hier auf dem Kanal. Und was nun?

Tja, dagegen kann man eigentlich nur …

  • Neue Häuser bauen …dauert aber nun mal
  • Bestandsbauten umwidmen … nicht unbedingt schneller
  • Enger zusammenrücken … 😉

Einen Vorgeschmack darauf bekam ich Anfang der Woche in München. Mein Hotel-Zimmer war so winzig, so ähnlich muss sich wohl Einzelhaft anfühlen oder ein Urlaub im Wohnmobil. Und es war sogar noch als Doppelzimmer verkauft worden. 

Trotz durchschnittlichem BMI musste ich echt überlegen, wie ich mich durchs Zimmer bewege, was ich wo abstelle, um nicht permanent drüber zu stolpern. Die Inneneinrichter … Einrichterinnen … (was für ein grandioses Wortspiel) … hatten sich auch entsprechende Gedanken gemacht. Einen Spiegel gab es nur an der Innenseite der Schranktür. Ein wirklich flacher Flat-TV hing an der Wand … mit üblem Plastiksound allerdings. Der TV hatte auch eine Fernbedienung, die brauchte man aber eigentlich nicht, ich hätte das Gerät aus dem Bett heraus mit dem großen Zeh einschalten können. 

Zum Bad ging es durch eine Schiebetür, die aber versperrt war, wenn man sich mal im Spiegel der Schranktür betrachten wollte. Am Waschbecken gab’s keinen Seifenspender, aber immerhin war einen Spender in der Duschkabine hinter (!) der nach innen öffnenden Flügeltüre. Das Klo stand quasi am Waschbecken, man konnte Klo-Besuch und Zähneputzen in einer Arbeitsgang erledigen, Effizienz-Junkies würde es erfreuen.

Also Leute klagt nicht, rutscht enger zusammen, das können die in Dharavi (Mumbai) schließlich auch!

So ich muss jetzt mal weiter, die Kinder suchen … wo sind die nur? Hatte ich die heute Morgen im West-Flügel gesehen? Oder in der Empfangshalle? Im Salon? Weiß nicht mehr. Vielleicht im Schwimmbad oder in der Bibliothek … nee. Im Gartenhaus, am Bootssteg? Bei den Ställen? Bei den Garagen?

Ach man, das kann sich ja keiner merken 😉

406) Ranjid – Multitasking Food Hero

Lieferdienste auf Rädern breiten sich hier aus wie eine Pandemie. 

Diese Lieferhelden fallen mir auf durch drei Dinge:

  1. Ihre auffällige, bunte Kleidung (gern auch mit Turban)
  2. Ihren Fahrstil (nach Mumbai-Karachi-Kabul-Standard)
  3. Ihre Multitasking Ability (What?)

Ja, die Fähigkeit mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Denn während sie sich durch den Berliner Asphalt-Dschungel arbeiten und dabei jede Vorfahrt missachten, telefonieren sie parallel. Eigentlich … ständig.

Und da frage ich mich doch, mit wem die da eigentlich reden?

Freunde im Ausland?
Kann ich mir nicht vorstellen, denn wenn der deutsche Bürger Bock auf eine pappige Pizza aus einer Pizza-Pappe hat, ist doch in Indien, Pakistan, Kabul schon spät.

Nimmt der vielleicht Bestellungen an?
Wäre ja der Hammer. Bezahle einen Inder, lass ihn neue Bestellungen annehmen während er gerade andere Lieferungen ausfährt. Produktivität 200% bei 80% Mindestlohn. Das ist schlau. Für den Eigentümer.

Ach nee. Ich hab‘s. Der hat noch einen Dritt-Job! Jawoll.
Während er Pizza-Bestellungen annimmt und Pizzen ausfährt, jobbt er nebenbei noch für ein Indisches Call-Center. Wenn also z.B. Briten ein Problem mit ihrem Computer haben, rufen die eine Englische Telefonnummer an, die kommt aber eigentlich eh in Bengaluru raus und weil der Pizza-Fahrer ja eh schon von Deutschland bezahlt wird und „sonst nix“ auf dem Drahtesel zu tun hat, werden ihm die Calls aus Bengaluru a.k.a. London nach Berlin weitergeleitet. Das ist dann für die Briten auch nicht so weit weg und es ist für sie ein vertrauter Kulturkreis.

Das ist doch eine Win-Win-Win-Situation! Der Betreiber des Lieferladens ist happy, der Brite der ein PC-Problem hat und na … der Ranjid …, den der ist von allen voll „appreciated“ und kann alle seine „Potentials“ als flexible Human-Resource voll entfalten und an seinem „personal growth“ arbeiten.

Also … what will man mehr? 

Andere Beiträge:

 

405) Gesinnung

Ich hatte Gelegenheit über Gesinnung nachzudenken.

Gestern hatten wir Karten für Böhmermanns Musik-Programm. Eine Art „Festival des politischen Liedes“ sozusagen, er nannte es zwar anders, aber im Prinzip kam es aufs Selbe raus. Also trotteten wir 19:30 Uhr zur Max-Schmeling-Halle und da war schon mal mehr Polizei vor Ort, als sonst bei Konzerten oder Sportveranstaltungen und irgendwie … knisterte es in der Luft. Aber die Polizei war nicht wegen Herrn B. oder Herrn T. dort.

Nein, der Vorplatz war eh schon proppenvoll mit Gästen, da hatten sich zusätzlich noch eine Truppe Verschwörungsspinner mit „Die Basis“-Fahnen zu Demo oder Wahlkampf auf dem Falkplatz positioniert. Ihnen gegenüber ein Gegenprotest-Mix (aus Antifa, Omas gegen Rechts oder so … konnte ich nur schwer einsehen).  Die eine Seite faselte also ihren Blödsinn von inszenierter Pandemie und die andere Fraktion hielt mit Rufen dagegen. Die Polizei als Puffer zwischen ihnen. Danke. 

Währenddessen versuchten wir die „Anstell-Logik“ beim Einlass zu verstehen. Eine Sorte Mensch strömte von überall auf die Türen zu und quetschte sich nach „Me first-Taktik“ durch, die andere Sorte Mensch stellte sich an. Wie programmierte „Schlafschafe“. Wir standen auch an und permanent strömten Leute vorbei, um sich vorn reinzudrängen. Konflikt inklusive. Na gut, selber Schuld. Was stellt man sich auch an? Macht das heutzutage noch Sinn?

Böhmermann und Band zogen ihr Programm durch, manche Sachen mochte ich, andere wiederum waren schwer zu verdauen … oder auch zu verstehen … rein akustisch. Ist ja auch kein Opernsänger der gute Mann und die Halle dient normalerweise dem Sport. Aber das soll hier auch gar keine Konzertkritik werden.

Die BZ, ein Käseblatt Berlins, schrieb am 10.01.23 online,  „…der Star des Abends hatte es durchaus mit Hardcore-Jüngern zu tun, die wirklich alles von ihm abfeierten“. Und dann ein paar Sätze später: „Böhmermann und den Großteil seiner Fans verbindet eine klare Gesinnung, sie wurde den ganzen Abend hochgehalten. Und da passte es auch ins Bild, dass ein Bruder im Geiste der Überraschungsgast des Abends war: Danger Dan. Der sang und spielte seinen Aufreger-Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.““

Ja genau. Das ist Freiheit. Freiheit irgendwo hingehen zu können, und eben nicht gleich Fan, Fanatiker oder Gleichgesinnter zu sein, sondern denkender Zuhörer, nicht querdenkender Schreihals.

Anmerkung zum Bild: Ihr könntet meinen ich bin nur 1,60m groß, wenn ihr das Titelbild seht. Es ist mit Absicht so fotografiert, damit man nicht sieht wo ich war. Zum Selbstschutz … sonst stehen hier irgendwann Käse-Reporter oder Alu-Spinner vor der Tür und erklären mich noch zum Gesinnungsgenossen und ich fliege besinnungslos in die Gossen 😉

402) Nachbesprechung 2

Wann immer eine Straftat oder ein Unfall geschieht, geht es in den Nachrichten zunächst um die Basics. Was ist geschehen? Wieviele sind betroffen? Wo ist es passiert?, Wann?… usw … ihr kennt das, ähnlich den 5 W-Fragen wenn man einen Notruf absetzt. Und dann kommt in letzter Zeit recht bald eine sechste Frage hinzu. Nicht gleich sofort, denn man will ja nicht vorurteilen oder eine Stimmung schüren. Aber sie kommt. Da kann man sicher sein.

Die Frage lautet: Woher kommen die Täter? 

Und damit meint man nicht aus welchem Ort sie stammen, sondern man zielt auf ihren Hintergrund ab. Auf Ihre Herkunft. Obwohl das ja erst einmal überhaupt keine Rolle spielt.

Als ich meinen Beitrag >Nachbesprechung am 02.01,23 um die Mittagszeit schrieb, stellte ich mir die Frage nicht, sondern stopfte die Täter in eine große Schublade. Bestimmt aus Berlin, jung, besoffen, zugedröhnt, selbstüberschätzt, orientierungslos, unzufrieden … und auch hirnlos, weil sie ja ggf ihre eigenen Retter attackieren. Meine Vermutung wurde noch in den Abendnachrichten bestätigt, es wären „überwiegend junge Männer“ gewesen

Am 03.01.23 hieß es dann schon detaillierter, 145 Personen wurden festgenommen, 45 mit Deutscher Staatsbürgerschaft, die anderen stammen aus 17 „weiteren Nationen“. Aber 17 zu 145, dachte ich, das geht ja noch. Die feine Formulierung kann man schon mal schnell überhören, wenn man noch im Hangover hängt.

Heute am 04.01.23 sprach man im Morgen-Radio bereits von „ein Drittel deutscher Herkunft“ und „zwei Drittel anderer Nationen“. Oh ha. Die News-Salami wird also in Scheiben aufgeschnitten und es ist nicht das erste Mal. Im Laufe des Tages wurden die „zwei Drittel anderer Nationen“ deutlicher in 21 Syrer und 27 Afghanen vorsortiert. Und mir wurde klar, dass ich in meinem Beitrag zu früh geurteilt habe. Ich habe unsere armen, desorientierten, drogenabhängigen, minderjährigen Bio-Deutschen verdächtigt, stattdessen waren es mehrheitlich „Ausländer“ 😉

Ob die nun unter Drogen standen weiß ich nicht, orientierungslos waren sie sicher, sonst wären die einfach früher abgehauen. So wie die deutschen Krawallos mit entsprechender Ortskenntnis. Denn nur die Festgenommen wurden ja schließlich gezählt, nicht die Krawallos die insgesamt unterwegs waren.

Und selbst, wenn das Mengengefüge so war, fragt man sich nun hoffentlich nicht nur, wie man die Polizei aufrüsten kann, sondern auch was die jungen Männer dazu getrieben hat. Wieso ticken junge Leute, die Flucht und Vertreibung hinter sich haben, so aus und lassen ihren Frust an Feuerwehr und Polizei ab? Das kann man sicher nicht nur mit Taliban, Assad oder „anderem Kulturkreis“ erklären, denn sie haben in den letzter Zeit ja „hier“ gelebt und nicht „da“.

Mir fehlen da noch ein paar mehr W-Fragen:

  • Wo hausen die junge Männer hier? Was hat man getan, um sie unterzubringen?
  • Was treiben sie den ganzen Tag, wie können sie ihre Potenziale einsetzen?
  • Welcher Tätigkeit gehen sie nach, um dann abends noch so viel Energie zu haben?
  • Womit können sie ihren Unterhalt verdienen, wie können sie sich eine Zukunft aufbauen?
  • Wie können sie sich aus-und weiterbilden, um in tristen Tagen Beschäftigung und Sinn zu finden?

Also, ums noch mal klarzustellen: Weder will ich das nur den Menschen mit „Migrationshintergrund“ anlasten, noch will ich das Geschehene verteidigen. Noch weniger glaube ich an nur „Ein Drittel“ deutscher „Bio-Masse“ im Krawallgeschehen. Kann mir keiner erzählen, dass die alle artig bei Erdbeer-Bowle auf der heimischen Couch saßen.

Neue Body-Cams für Polizisten, härtere Gesetze und mehr Einsatz-Personal werden das Problem sicher nicht lösen. Das hat es bei früheren Krawallen (1. Mai, G20) ja auch nicht. Junge Menschen brauchen Obdach, Zukunft und Beschäftigung und wir brauchen händeringend junge Leute.

Alles nix neues eigentlich.

<— Nachbesprechung 1

 

401) Nachbesprechung 1

Habe ich mir noch vor zwei Tagen ein etwas „friedlicheres“ 2023 gewünscht, wurden wir noch in der Silvesternacht in die Realität zurückgeholt. 

Denn kaum hatten die Skorpions ihr „Wind of Change“ zu Ende gepfiffen und es gab endlich mal eine Runde Sekt für die Moderatoren, schickte Moskau wieder keine Liebesgrüße nach Kiew, sondern scharfe Raketen. На здоровье! Widerlich, aber leider auch zu erwarten.

Aber um den Irrsinn zu begegnen, muss man nicht 1000 Kilometer nach Osten schauen, es reichen schon ein paar Querstraßen hier in Berlin. Irgendwelche Pyro-Krawall-Voll-Honks griffen Passanten, Polizei und Feuerwehr an. 

Wer hat denen eigentlich ins Gehirn gexxxxxsen? Wie doof, dämlich, dumm … ich suche nach Worten … muss man eigentlich sein? Oder wurde denen bei Geburt gar kein Gehirn verbaut. Oder wurden die durchaus mit einer Basis-Hirn-Version ausgeliefert und haben die sich dann weggesoffen, weggebufft, weggekokst, weggewasauchimmert?

Ich meine, ich will jetzt hier nicht den Moralapostel spielen, ich war als Teenie zu Silvester auch kein Engel. Wir haben Böller in Briefkästen versenkt, uns diebisch gefreut, wenn ein Kanonenschlag im Treppenhaus hochging. Wir waren besoffen und haben einen guten Teil der Ausbildungsvergütung in den Berliner Nachthimmel geschossen und sicherlich nicht nur aus einer standfesten Flasche mit zehn Meter Sicherheitsabstand. Nein. Sondern aus der Hand. Was uns da getrieben hat? Keine Ahnung. Ein Cocktail aus Hormonen, Übermut und Nervenkitzel, mit einer Priese „Freiheitsgefühl“ und garniert mit einem Scheißegal-Sonnenschirmchen. Und weil wir es halt konnten. Weil Alltag und Zukunft für ein paar Stunden abwesend waren, weil man sich in dem Moment eben für den Größten hielt. Von Gruppenzwang und Imponiergehabe mal ganz zu schweigen. Dass dieser Rausch nicht lange anhält, haben wir dann auch verstanden. Heute denke ich da auch anders drüber. 

Aber wir hatten immerhin noch so viel Verstand, dass wir nicht Menschen angegriffen haben. Und schon gar nicht Rettungskräfte, die uns gegebenenfalls von der Straße sammeln und wieder zusammenflicken können. Was mich zum Anfang zurückführt. Entweder haben die kein Hirn oder es ist mittels toxischer Substanzen außer Betrieb gesetzt.

Anders kann ich mir das nicht erklären.

Nachtrag 2 Stunden später: Oh oh, beim nochmaligen Lesen stelle ich fest, dass ich oben ganz schon austeile. Sollte 2023 nicht friedlicherer beginnen? Besonders im Internet. Au backe … ich x-e da mal noch was weg 😉

—> Nachbesprechung 2

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