Klingt verlockend oder? Finde ich auch. Kommt aber auch ein bisschen auf die Art des Lesestoffs an. Der Hersteller der neuen Kaffeemaschine hat es ein bisschen zu gut gemeint. Die Bedienung des Geräts erklärt sich fast von selbst, trotzdem schickt der eine halbe Bücherei mit
Mal eben schnell durchgezählt:
Erste Schritte mit 4 Seiten
Mahlwerkeinstellung mit 4 Seiten
Anleitung in Arabisch mit 25 Seiten
Anleitung in Englisch mit 25 Seiten
Anleitung in Deutsch mit 27 Seiten
Anleitung in Französisch und Italienisch mit 47 Seiten
Anleitung in weiteren 18 Sprachen mit 385 Seiten
Sicherheitshinweise in 5 Sprachen mit 20 Seiten
Sicherheitshinweisen in 22 Sprachen mit 71 Seiten
EU-Konformitätserklärung mit 1 Seite
Garantie und Service mit 11 Seiten
Errate Corrige mit 2 Seiten
Also 622 Seiten DIN A5-Seiten, umgerechnet ca. 186 Quadratmeter bedruckte Fläche, wenn ich mich jetzt nicht verrechne habe. What?
Nach dem Papier „Erste Schritte“ war mir die Lust an diesem Roman vergangen.
Aber immerhin habe ich etwas Latein gelernt. „Errata Corrige“.
Cool. Das werde ich in meinem Blog hier auch mal einführen.
Wie vor ein paar Tagen gepostet, hat mich das Buch „Deutschland 2050“ von Nick Reimer und Toralf Staud kalt erwischt. Oder sollte ich doch lieber sagen „heiß“ erwischt? Ich will hier nicht das ganze Buch wiedergeben, nur ein paar Stichworte notieren und euch empfehlen, das Buch zu lesen oder zu hören.
Vorab schon mal: „Zieht euch warm an“ … oder besser doch nicht …:
Kapitel 7 „Küsten“: —> Erosion, Eisschmelze, Anstieg Meeresspiegel … wer etwas „spielen“ mag kann sich hier mal die Simulationen anschauen https://sealevel.climatecentral.org/maps/
Kapitel 8 „Verkehr“: —> Verkehrskollaps, Infrastrukturschäden bei Bahn, Straße und Schifffahrt, gigantische Mehrkosten für Unterhalt und Aufrüstung
Kapitel 9 „Wirtschaft“: —> Lieferketten und Warenströme unterbrochen, Knappheit an Rohstoffen, Kühlung von Industrieanlagen, Überhitzung von Leichtbauhallen, Havarien, Produktionsausfälle
Kapitel 10 „Landwirtschaft“: —> Metan-Ausdünstungen der Viecher, Ernteausfälle, Schädlinge, Spätfröste, neue Sorten müssen gefunden und Bauernregeln neugeschrieben werden, das „flüssige Gold“ der Zukunft ist nicht mehr der Wein, sondern das Wasser. Schluck
Kapitel 11 „Energie“: —> Unterbrechung der Energieversorgung, wenig stabiler Wind, mehr Sturm, Hagel auf Solar-Dächern, instabiler Boden, steigende Energiebedarfe durch elektrische Mobilität, Klimaanlagen und Server-Parks
Kapitel 12 „Tourismus“: —> Viktoriafälle trocken, Sandstrände verschwunden, Ski-Paradiese, Luftkurorte, Tauchreviere futsch, Bangkok unter Wasser, Jakarta und Venedig komplett weg, Mittelmeerraum unerträglich heiß, Erholungsurlaub im Norden hat Konjunktur
Kapitel 13 „Sicherheit“: —> Feuerwehren überfordert, Katastrophenschutz aus dem letzten Jahrtausend, Waldbrände, Hagel, vermehrte Blitzeinschläge, Zwischenstaatliche Verteilungskämpfe, Arktis-Konflikt unter NATO-Beteiligung, Food Riots, Ungekannte Migrationen und Menschenströme in mildere Gefilde …
…. ich höre jetzt mal besser auf.
Ich muss das erst einmal sacken lassen, aber eines wird klar, es wird verdammt ungemütlich hier bei uns. Und noch einmal sei gesagt, dass es sich bei dem Buch nicht um Science Fiction handelt
Mir ist völlig schleierhaft, wie wir diese Baustellen als Gemeinschaft meistern und bezahlen wollen, wenn wir noch nicht einmal so einen blöden Virus „trockenlegen“ bzw „ausräuchern“ können.
„Waaaas, kein WLAN?“ So tönte es schon zwei Tage vor der Abfahrt zur Ferienwohnung an der See.
„Ja, Leute kein WLAN.“ Also wird mal etwas weniger nett „geflixt“, nichts ist in der „Tube“ für euch, aus „Prime“ wird wieder eine Primzahl und „Äppel“ bringen keine Musik, sondern Vitamine. „Streamen“ kann nur das Wasser da oben am Strand. „Wir gehen in die Natur und für den Abend gibt es einen Fernseher. Und zwei Buchläden gibt es da übrigens auch“. Old School.
Die Glotze in der FeWo bietet hunderte Programme, sie sind alphabetisch sortiert. Doof wenn man eher ARD und ZDF schaut und üblicherweise vorwärts zappt. Manchmal ist ein Schritt zurück aber eben auch ein Schritt nach vorn 😉
Gleich hinterm Kinder-Sender Toggo folgt der „Traumfrauen TV“. Vor dem Disney-Channel halten im „Deutsche Girls 2 TV“ reifere Damen ihre Oberweiten und Telefonnummern in die Kamera.
Irgendwann gelangen wir bei einem privaten Kinder-Sender in die Werbung. Bausteine, Video-Games und das übliche Zeug. Kurz darauf kam ein Spot für ein Tisch-Spiel namens „Tschakka Alpaka“. Dabei muss man ein Kamel-ähnliches Lastentier mit Plastik-Zeug beladen. Slogan: „Langsame Stapler werden bespuckt“. Aha.
Aber dann kam’s liebe Leser. Das neueste Brettspiel heißt …? Na …? Spannung steigt … .Törööööö! Es heißt „Kacka-Alarm“. Slogan: „Drück den Pümpel bis Mister Kacka rausspringt!“ „Oaaaahh bitte, macht das weg“, flehe ich. Mehr will ich hier gar nicht drüber schreiben, wer Bock auf das Spiel hat, findet es im schlechtsortierten Fachhandel.
„Mir reicht‘s!“. Die nächste FeWo hat wieder WLAN!
PS: sorry für die Produkt-Namen hier … eigentlich nicht so mein Ding … aber ohne ging es nicht. Ganz klar, keine Kaufempfehlung!