87) Berliner Digitalverhalt – Vol 4

„Nichts dergleichen werde ich tun. Ich warte bis September, da müsste der alte Ausweis ablaufen. Bis dahin lasse ich den Antrag und den Zahlungsbeleg auf dem Armaturenbrett liegen, und gut ist.“

So endete mein Beitrag >Berliner Digitalverhalt Vol 3, in dem ich die frustrierenden Erfahrungen beschrieb, einen grünen, klebrigen Parkausweis für die neue Familienkutsche zu bekommen. Tja, und das tat ich dann auch. Immer wenn der Wagen im letzten halben Jahr draußen stand und nicht in der Garage. Hat bestens funktioniert und ist ein Beweis dafür, dass das Modell „print your own Parkausweis“ möglich wäre.

Nun ist also September. Der Parkausweis, der an meinem alten Auto klebt und vermutlich irgendwo im Mittleren Osten oder in Nordafrika herumfährt, ist abgelaufen, und ich kann einen neuen bestellen. Also am 13. September ran an den Computer, das neue Berliner Service Portal aufgerufen, das Online Formular ausgefüllt, die Kreditkarte eingegeben und auf „Senden“ geklickt. Fehler … Error … Seite nicht mehr gültig … something. Nerv. Im selben Moment wird aber die Abbuchung der Gebühr in der Banking App bestätigt. Eine Eingangsbestätigung oder andere E Mails der Parkausweisgenehmigungsundbeschriftungsbehörde bleiben jedoch aus.

Dieses mulmige Gefühl im Bauch ertrug ich zwei Wochen, dann schrieb ich Ende September eine E-Mail an dieses Amt. Reaktion? Null.

Und dann kam ich auf eine Idee, wie ich dieses System dribbeln könnte. Ich beantragte und zahlte einfach noch einen Anwohnerparkausweis. Daraufhin folgten gleich drei E-Mails, und der Aufkleber lag schon am 05.10.2025 bei mir im Briefkasten. Handgeschrieben, begleitet von drei Seiten Papier. Wow, dachte ich. Das ging aber flott. Doppelt zahlen, halbe Bearbeitungszeit?

Irrtum. Beim genauen Hinsehen ging es um die erste Beantragung vom 13. September.

Also entweder kriege ich demnächst noch einen weiteren Aufkleber oder eine Belehrung vom Amt, dass dies eine persönliche Urkunde und diese nur einfach … … …

mit freundlichen Grüßen

PS: Titelbild via ChatGPT

710) Wenn der Amtsschimmel zum Arzt geht

Egal ob in der Amtsstube oder beim Doktor, man bekommt doch immer wieder etwas zum Schmunzeln und Kopfschütteln.

Vor sechs Wochen habe ich für den Stammhalter einen Personalausweis beantragt. Der Beamte konnte mittlerweile sogar Pass-Fotos mit dem Dienst-Handy machen und in den Vorgang einspeisen, fand ich super! Kostete zwar extra, aber warum nicht? Zum Abschluss bekamen wir ein Papier mit einer Internetadresse und einem QR-Code drauf, über den man den Fortschritt tracken kann. …

Der Ausweis wäre wohl mittlerweile fertig, auf dem Zettel fehlte allerdings jeder Hinweis, wie man den Ausweis abholt, wenn er denn fertig ist.

Also tingelte der Stammhalter heute, begleitet von der schlauen Schwester, um 16:00 Uhr zum Amt, wurde aber abgewiesen: Er müsse doch bitte einen Termin machen. Es gäbe allerdings spezielle Abholtermine. Auf einer anderen Plattform als die Termine zur Beantragung, natürlich. Also klickten sie sich durch und fanden einen Termin, für Morgen um 13:55 Uhr. What?

Aber auch im Gesundheitswesen, das ja eigentlich weiter ist in Sachen Digitalisierung und Terminabwicklung, heute wieder ein ähnliches Trauerspiel.

Ich betrete die Praxis und gehe auf den Tresen zu. Beide Plätze sind besetzt,  jeweils eine Arzthelferin dahinter, davon ein Patient.

Rechter Platz – Patientin: „Und wie machen wir das am besten? Soll ich es vorbeibringen?“

Linker Platz – Patient: „Ick will mein Rezept für Ramipril abholen.“

Rechter Platz – Arzthelferin: „Wie meinen Sie das?“

Linker Platz – Arzthelferin: „Welches Rezept?“

Rechter Platz – Patientin: „Na die Auswertung?“

Linker Platz – Patient: „Ick hatte Ihn‘ doch ’ne E-Mail jeschickt.“

Rechter Platz – Arzthelferin: „Am besten, Sie schreiben uns eine E-Mail, dann haben wir alles schriftlich und können das dem Doktor vorlegen.“

Linker Platz – Arzthelferin: „E-Mail? Nicht gut. Wir haben da Probleme. Die E-Mails verschwinden immer.“

Rechter Platz – Patientin: „Oh, toll, danke, ich setze mich noch mal ins Wartezimmer

Linker Platz – Patient: „Aber dann müssen’se die E-Mail aber oooch löschen, wenn se doch noch ankommt. Sonst hab ick ja zwei Rezepte auf der Karte. Ick meine, mir soll’s ja recht sein … aba ….“

Der Nächste, bitte!

PS: Titelbild via ChatGPT, sieht man daran, dass immer 10 nach 10 ist 😉

698) Herkules hatte ein chilliges Leben

Dass Deutschland ganz große Reformen vor der Brust hat, ist nichts Neues. Jeder weiß das … das hat man ja schon immer gesagt … also da müsste man mal … man sollte auf jeden Fall … denn wenn nicht … Versäumnisse der Vergangenheit … Herausforderung … Zuständigkeit … Bund … Länder und so weiter und sofort. Das kommt auch jeden in den Nachrichten, Talk Shows und Podcasts. An Worten mangelt es nicht, auch nicht an Baustellen. 

Ich bin die letzten Tage mal nur (!) in die Herausforderungen „Demografie“ und „Sozialstaat“ eingestiegen … und das auch nur als stiller Gast, habe anderen dabei zugehört wie sie die Probleme mal auseinandergenommen und über Lösungen gesprochen haben.

>Lage der Nation Folge Folge 440, 441 und 442

Herkules-Aufgaben!

Ich will hier auch gar keine Details daraus zitieren oder diskutieren, aber selbst wenn nur die Hälfte davon relevant wäre … würde ich sagen, der gute alte Herkules wäre heute vollkommen überfordert. Herkules hatte damals ein chilliges Leben. Hängematte! Langeweile! Nasebohren! Herkules IV!

Ja natürlich,

Herkules musste zwar Löwen erlegen, Ställe ausmisten und Köpfe von Hydra-Schlangen abhacken – klar, das klingt blutig und schweißtreibend.

Aber:

Überschaubare Zahl an Aufgaben: Zwölf Stück, danach war Schluss.

Klare Zieldefinition: „Mach das, dann bist du frei.“ Kein Vergleich mit Reformbaustellen, die nie „fertig“ sind.

Individuelle Verantwortung: Er allein musste es schaffen, keine Koalition, keine Lobbyisten, kein Föderalismus.

Keine Nebenkriegsschauplätze: Keine Schlagzeilen, keine Umfragen, keine Social-Media-Shitstorms.

Und wenn ich jetzt mal zu den beiden oben genannten Themen noch Dinge ergänze wie zum Beispiel … Rentensystem, Gesundheitswesen, Fachkräftemangel, KI & Automatisierung, Geopolitik, Verteidigung, Klimawandel, Migration, Bildung, Infrastruktur … dann ist mir, echt schleierhaft, wie das in „näherer Zeit“ klappen soll. Zumal die auch noch heftig miteinander zu tun haben.

Als jemand, dem große Organisationen, komplexe Prozesse, politische Spielchen und IT vertraut sind, habe ich manchmal echt große Lust, da irgendwie mitzuhelfen.

Im selben Moment, zucke ich aber zurück und denk mir: Bloß nicht. Nicht allein gegen Windmühlen. Da gehst du kaputt.

Vielleicht, wenn wirklich ein ernsthaftes Interesse da ist, Mittel freigemacht werden und auch der Mut und das Mandat von „ganz oben“, alte Zöpfe abzuschneiden, zu hinterfragen und radikal zu vereinfachen, dann vielleicht.

Aber das wird nicht passieren, denn das tut irgendwem ein bisschen weh, geht ja mal gerade nicht und überhaupt, müssen erst mal die anderen ihre Hausaufgaben machen.

Wo ist nur dieser Herkules? Und ich meine einen, der das ernsthaft und gestalterisch betreibt, nicht mit der Kettensäge. Deshalb habe ich meinem Herkules mal die Keule etwas kleiner gepromptet und andere konstruktivere Materialen an die Hand gegeben.

PS1: kursive Texte von ChatGPT

PS2: Titelbild via ChatGPT

623) Post vom Finanzamt

Da bestand mal für einen Tag die Chance, dass ich mich hier auf‘m Blog nicht aufregen oder lustig machen könnte. Aber dann kam heute Post vom Finanzamt.

Aber kurz zur Geschichte davor:

Im Jahr 2022 wurde die Grundsteuer neu berechnet, aufwändiges Verfahren, ich habe drüber berichtet. Siehe >354) Was ist zum Henker … ist eine Gemarkung?

Im Oktober 2024 kam dann der Bescheid für Februar 2025 und folgende Quartale. Nun war ich so naiv zu glauben, dass das Abbuchungsverfahren einfach weiterläuft und die einfach den Betrag anheben und tat erstmal … nichts … und vergaß.

Dies führte dann zu einer Mahnung im März 2025 mit 0,50 € Säumniszuschlag. Damit hatte ich dann auch kapiert, dass ich anscheinend einen neuen Dauerauftrag machen muss und habe dies auch umgehend getan. Aber mit Daueraufträgen löst man nur die Zukunft, nicht die Versäumnisse der Vergangenheit. Got it. Man du Dummerchen, da hilft dir auch die beste AI nichts.

Nun kam heute wieder Post, in der man mir freundlich mitteilte, dass man 1,00 €  von „Grundsteuer“ auf „Grundsteuer Säumniszuschlag“ gebucht hat. Danke für die Information und warum 1,00 € statt 0,50 €? Ich vermute, dass diese Buchungsmitteilung der Vorbote für eine weitere Mahnung ist.

Nun gut, Säumnis also beglichen und gleich noch 1,00 €  hintergeschickt. Nicht dass die mir noch auf die Steuerfahndung auf den Hals schicken.

Über Porto, Papier und Transportwege will ich jetzt gar nicht nachdenken …

Früher im Mittelalter, da kam der Steuereintreiber wenigstens noch persönlich vorbei und hat die Taler „eingetrieben“, heute muss man sich auch um das noch selber kümmern.

Aber immerhin habe ich die Möglichkeit „Buchungswünsche“ mitzuteilen.

Also ich wünsche mir …

… dass die Buchung von ganz allein läuft.

Wimper…

… Pust.

Grmpf

83) Berliner Digitalverhalt – Vol 3

Der K(r)ampf um meinen neuen Anwohnerparkausweis erreicht das nächste Level … der Frustration … und Belustigung. Ich versuche mich an dem Unterhaltungswert zu erfreuen, sonst ertrage ich das nicht.

Was bisher geschah:

Oktober 24: neues Auto mit neuem Kennzeichen angeschafft, neuen Anwohnerparkausweis beim Amt bestellt und bezahlt

Januar 25: den Stand der Dinge erfragt, automatisierte E-Mail bekommen, dauert wohl noch.

Am 16.01.2025 erhielt ich dann eine individuelle E-Mail mit folgender Message. (zusammengefasst): Auf meinen Namen liefe noch ein anderer Parkausweis, es darf nur einen geben. Ich müsse den zunächst zurückgeben, gern auch beim Pförtner oder Hausbriefkasten.

Am 17.01.2025 antwortete ich freundlich, dass ich den Wagen nicht mehr hätte und legte die Abmeldung gegenüber der Kfz-Steuer bei.

Am 23.01.2025 hieß es dann (zusammengefasst): Bitte weisen Sie bis spätestens 06.02.25 … den Verbleib des Anwohnerparkausweises nach. Also antwortete ich und legte eine Kopie des Ankaufvertrags vom Autohaus bei.

Am 28.01.2025 wurde ich ausführlich aufgeklärt (gaaaaaaanz stark zusaaaaaammengefasst): Beim Anwohnerparkausweis handele es sich um eine personenbezogene Urkunde, dementsprechend um ein amtliches Dokument, was ich nicht an Dritte weitergeben darf. Die e-Mail endet mit „Wir benötigen den Anwohnerparkausweis, auch die nicht lesbaren Überreste, nach Entfernung immer im Original zurück.“

Ich geh‘ kaputt, was mach ich denn nun?

  • Ich fliege nach Afrika, mache mich auf die Suche nach meinem Auto und löse den Aufkleber mit einem Fön von der Windschutzscheibe?
  • Ich kaufe mir eine Eigentumswohnung in der Nähe (mieten geht ja nicht mehr in Berlin), damit ich einen neuen Antrag von anderer Adresse stellen kann?
  • Ich lege einen hohen Finderlohn für mein altes Kennzeichen fest und beantrage einen Ersatzausweis, weil der Anwohnerausweis durch einen „Glasschaden“ in Millionen Teile zerfetzt wurde? Aber wahrscheinlich muss ich die Teile dann auch noch zum Amt schicken, damit ein Historiker, die Einzelteile wieder zu einer Urkunde zusammenfügen kann.

Nichts dergleichen werde ich tun. Ich warte bis September, da müsste der alte Ausweis ablaufen, bis dahin lasse ich den Antrag und Zahlungsbeleg auf dem Armaturen-Brett liegen und gut is‘.

Die Spinnen, die Römer!

82) Berliner Digitalverhalt – Vol 2

Hier mal wieder ein Update zu typisch Deutscher Blödsinnokratie. Langjährige Leser meinen, das schon mal gelesen zu haben. Stimmt aber nicht, ist ein neuer Beitrag, es wiederholt sich halt nur alle Jahre.

Durch Wechsel der Familienkutsche im Oktober musste ein neuer Anwohnerparkausweis her. Ein grünlicher Aufkleber, auf dem mit einem Edding das KfZ-Kennzeichen des Antragstellers amtlich notiert wird. Vermutlich vom Bürgermeister selbst, deshalb dauert das so lange.

Beantragt und bezahlt habe ich den am 28.10.24, das Online Formular sieht zwar immer noch so aus, als wäre es an der Abendschule entstanden, aber immerhin geht die Bestellung komplett online.

Leider flog das klebende Dokument noch nicht in meinen Briefkasten. Daher liegt seitdem ein Ausdruck meines Antrags auf dem Armaturenbrett, damit ich kein Ticket kassiere.

Also fragte kürzlich beim Amt nach und erhielt eine automatische Antwort.

„… In der 1. Kalenderwoche bearbeiten wir Anträge mit Datum ab dem 09.10.2024 …“

Ok, dann kann das also noch 2-3 Wochen dauern.

Was bitte soll dieser Unsinn für einen Aufkleber, dessen Vorgangsbearbeitung auch nur lächerliche 20,40 für Jahre kostet. Das ist doch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme!

Warum beschäftigen wir damit Menschen im Öffentlichen Dienst, die eh mit Personalmangel zu tun haben. Haben die nicht eigentlich besseres zu tun?

Kann man das nicht an ein Privatunternehmen outsourcen oder sogar ins Ausland?

Oder warum kann ich mir so ein Ding nicht einfach online bestellen und dann aus dem Bankautomaten oder Parkautmaten drucken lassen?

Oder der indische Pizza-Fahrer bringt es einfach mit 😉

Geht nicht, muss vermutlich alles seine Ordnung haben. Geht ja anscheinend doch, denn ich stehe ja nun seit 9 Wochen mit meinem gedruckten Antrag und Zahlungsbeleg am Straßenrand und kriege keine Strafzettel. Das ist doch der Beweis dass das geht.

Niemand hat einen Nachteil, alle sind happy. Ich habe bezahlt, die Stadt bekommt diese läppigen Einnahmen und muss nicht mal was dafür tun.

Man würde Papier, Chemie, Transporte, Drucker und Nerven auf beiden Seiten sparen. Das kann doch nicht so schwer sein.

Lieber Herr Kai Wegner, ich habe Sie zwar nicht gewählt, aber darf ich sie höflich an ihr Wahlversprechen aus 2023 erinnern? Sie wissen noch … wegen „… wieder funktionieren ….“ und so? Bei den letzten Vorgängen in >2021 und >2023 dauerte es circa zwei Wochen, nun werden es wohl zwölf.

Grummel

Fortsetzung folgt …

586) Schülerticket: Gratis fahren, Kilometer rennen

Man kann ja dieser Tage nicht nur ARD-Brennpunkte schauen, Umfragen und Pressekonferenzen verfolgen. Unsere Regierung taumelt, sortiert sich neu und wie Robert Habeck schon richtig gesagt hat, sind ja all die Baustellen nicht verschwunden, nur weil ein paar Akteure demnächst etwas anderes tun.

Ganz genau. Hier ein Beispiel, fernab von Weltwirtschaftslage, Klima und Krieg. Willkommen im Alltag. CC an Kai Wegner, Berlins regierender Bürgermeister.

Schüler dürfen in Berlin kostenlos Bahn fahren. Eine Errungenschaft von SPD, Grünen und Linken übrigens. Ja, kann man in diesen Tagen durchaus mal erwähnen.

Also fährt der Stammhalter mit den Öffi‘s, wird kontrolliert und rausgezogen, denn das Schülerticket scheint abgelaufen. Auf dem Küchentisch liegt ein halber Meter Bong-Rolle zur weiteren Bearbeitung. Die hiesige „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ nimmt sich dem Thema dankenswerterweise an, ich bin ja froh, dass Minister/Innen noch dabei bleiben, auch wenn es unbequem wird.

Hier ein kurzer Abriss:

1. Vorbereitung: Die Ministerin besorgte ein Passfoto, scannte den Schülerausweis und suchte einen Brief von 2019 mit den Angaben zur Kundennummer, Vertragsnummer und der Trägerkartennummer heraus.

2. Besuch im S-Bahn-Kundencenter (Dienstag, 17:30 Uhr): Am Ostbahnhof erfuhr sie, dass die Trägerkarte abgelaufen sei, da kein aktuelles Foto hinterlegt war und angeblich eine neue Karte per Post verschickt worden sein sollte, was jedoch nie geschah. Sie konnte dort gegen ein neues Passfoto und 10 Euro eine neue Karte direkt mitnehmen, nachdem sie eine Verlustmeldung für die alte Karte ausfüllte.

3. Die Ministerin bemühte sich, die Strafe von 10 Euro (statt 60 Euro) im S-Bahn-Kundencenter begleichen, wurde jedoch darauf hingewiesen, dass dies bei der BVG zu zahlen sei, da die Kontrolle in einem BVG-Fahrzeug stattfand. Der Mitarbeiter verwies sie auf das BVG-Kundencenter an der Jannowitzbrücke, welches jedoch bereits geschlossen war, und empfahl das Kundencenter am Alexanderplatz.

4. Nach 20 Minuten Wartezeit am BVG-Kundencenter Alexanderplatz stellte sich heraus, dass sie nun doch zur Jannowitzbrücke musste, was an diesem Tag nicht mehr möglich war.

5. Mittwochmorgen (8 Uhr): Vor dem BVG-Kundencenter Jannowitzbrücke angekommen, erfuhr die Ministiern, dass es erst um 9:30 Uhr öffnet.

6. Mittwochabend (17:05 Uhr): Sie versuchte es erneut, kam aber nach Schließzeit (17:00 Uhr) an. Selber Schuld oder?

7. Donnerstagmittag (12:30 Uhr): Beim erneuten Besuch des Kundencenters wurde sie informiert, dass sie sich zum BVG-Kundencenter für erhöhtes Beförderungsentgelt („Schwarzfahrer“ sagt man wohl nicht mehr) auf der Rückseite des Gebäudes begeben müsse.

8. Im BVG-Kundencenter für erhöhtes Beförderungsentgelt konnte sie nach 10 Minuten Wartezeit die Strafe reduzieren lassen und interessanten Streitgesprächen lauschen. Ein Antrag und der Schülerausweis reichten aus, um die Strafe auf 7 Euro zu senken.

Fazit: Obwohl das Schülerticket kostenfrei ist und ja schon bezahlt ist, führte das abgelaufene Trägerdokument dazu, dass eine Strafe fällig wurde. Von den zusätzlichen Kosten durch die Verwaltung des Missgeschickes und das Kilometergeld der Ministerin mal ganz abgesehen.

PS: habe den Tatsachenbericht durch ChatGPT waschen und kürzen lassen, wenn ich das hätte umschreiben müssen, wäre ich wohl durchgedreht.

585) Digitale Transformation

Transformation ist … wenn man … irgendwie … zwischen zwei Zuständen ist. Zwischen fest und flüssig. Zwischen roh und durch. Zwischen männlich und weiblich. Zwischen kindlich und erwachsen. Zwischen alt und neu. Zwischen analog und digital, womit wir schon beim Thema wären.

Letzteres trifft auf die Digitalisierung in Deutschland zu, die deckt ein IT-Leistungsspektrum von über dreißig Jahren ab … also rückwärts betrachtet.

In die Epoche der frühen Neunziger würde ich mal locker Handwerker, Hausverwaltungen und andere technische Dienstleister (Autowerkstatt, Ablesedienste, Klempner etc) einsortieren. Die haben zwar alle eine E-Mail-Adresse auf ihrer Homepage (aufgebrummt bekommen) aber ernsthaft lesen tut das eh keiner, geschweige denn antworten. Es ist ein Trauerspiel. Das Medium E-Mail ist seit 30 Jahren für jedermann verfügbar … aber in gewissen Branchen heisst es nur … „dafüa ham‘wa keene Zeit“.

Etwas weiter vorn, würde ich mal deutsche Behörden, Schulen, Ärzte, Krankenkassen positionieren. Da kann man immerhin mal schon etwas online machen, irgendwas beantragen, Rechnungen einreichen oder über eine Postbox Nachrichten empfangen, es sind aber noch sehr viele Medienbrüche drin. Aber immerhin. In Berlin arbeitet man an einem ganz „innovativen“ Konzept, man soll sich künftig fertiggestellte Ausweise und Pässe nach Hause schicken lassen können. Wow. Für 15 EUR. Oder „Sie müssen zum Kunden-Center der Berliner Verkehrsbetriebe gehen“ und bilden da eine hübsche Menschenschlange. Gruß an die hiesige „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“. Halt‘ durch!

Ganz vorn sind da mittlerweile Banken und Versicherungen. Über eine volldigitale Kreditvergabe in nicht mal drei Stunden haben ich >hier schon geschrieben. Aber es geht noch besser. Im Rahmen eines Autokaufes, musste eine neue Versicherung her. Das gewählte Institut schickte mir fünf PDFs per E-Mail und ich hatte schon Angst, ich muss die teilweise drucken, unterschreiben, dann wieder einscannen und irgendwem zurückschicken. Aber nein, kurz darauf folgte eine PIN, mit dem man in den digitale Signatur-Prozess eintreten konnte. Der Mechanismus brachte mich in den PDFs zu den Unterschriftsfeldern, wo ich die Wahl zwischen drei verschiedenen digitalen Unterschriftsarten hatte. Ich entschied mich fürs Handy. Dann musste ich nur einen QR-Code fotografieren und auf meinem Telefon (!) erschien ein Unterschriftsfeld. Da unterschrieb ich dann mit dem Fingernagel, drückte  „weiter“ und wie von Zauberhand erschien meine Unterschrift in dem PDF auf meinem Computer (!). Das Gleiche tat ich dann noch viermal und damit war der Prozess beendet.

„Ihre unterschriebenen Dokumente wurden übertragen.“

Das war’s. Kein Ausdruck, keine Unterschrift, keine App, keine lästige E-Mail an irgendwen … nüscht.

Schwer begeistert.
So muss das! Weiter so!

Ausdrücklich in CC an Berliner Verkehrsbetriebe, Deutsche Bahn, Industrie und Handelskammer, Verband der Krankenkassen, Bürger-Büro, Bildungsministerium, unsere Hausverwaltung, unseren Reifendienst und all die anderen Läden, die es immer noch nicht hinkriegen … in bald … 2025!

Ein Viertel des 21. Jahrhunderts is `rum Leute.

Andere Beiträge zum Thema:

571) Huch, so schnell?

Eigentlich wollte ich mich heute mal wieder lauthals über die andauernden Baustellen im Kiez aufregen. Aber es ist etwas Positives dazwischen gekommen, kaum zu glauben. Also drehe ich es um, die Baustellen rennen nicht weg, das ist sicher.

Also in Kurzform:

Dienstag 17:00 Uhr: einen Gebrauchtwagen angeschaut, 20 Minuten Probefahrt gemacht, paar Dinge geklärt und 18:25 Uhr mit Kaufvertrag den Hof des Händlers wieder verlassen. Noch mit dem alten Wagen, aber schon mit den Papieren für die neue Familienkutsche (> 565) Von wegen Auto).

Mittwoch 7:20 Uhr: gerade der Dusche nach morgendlichem Joggen entstiegen , fragte ich Unterstützung bei der Hausbank an. Online. Über das Kundenportal. Bei der „drögen“ Sparkasse… dem Haus für alte Leute. Ich hätte erwartet, dass sich jemand in ein paar Tagen meldet und ich dann trotzdem in die Filiale muss, um einige Papiere auszufüllen.

Aber denkst‘de!

Nach der Beantwortung weniger Standard-Fragen, lag der Kreditantrag um 7:35 Uhr in meinem elektronischen Postfach. Um 7:40 Uhr war die elektronische Signatur erledigt. Um 9:05 Uhr rief ein aufgeregter Service Center-Mitarbeiter an und fragte, ob dann alles glatt gelaufen sei. Ich überschütte den Prozess mit Lob und gegen 11:00 Uhr (oder gar eher) hatte ich die Kohle auf dem Konto. Geht doch! Kein extra Wege, keine manuelle Unterschrift, nix Drucken, nix Scannen, keine 100 Papiere, die ich beilegen muss. So muss das sein.

Großes Lob

… und das aus meinem Munde …

.. gab es hier noch nie.

541) Termin beim Amt – jetzt erst Recht!

Zum Amt? Schon wieder? Ja schon wieder, denn im Herbst brauche ich vielleicht einen Pass, der dann auch noch ein weiteres halbes Jahr gültig ist. Und dafür begibt man sich in Berlin besser bald auf Termin-Jagd.

Die Benutzerführung der „Online-Terminvereinbarung“ ist noch genauso grottig wie >letztes Jahr. Ein Feature haben sie aber neu dazugebaut. Man kann die Seite nun nicht mehr pausenlos „refreshen“, nein, man muss nun eine Minute warten, um eine neue Abfrage starten zu können. Währenddessen glotzt man auf einen Countdown. Schön, dass sie an die Stabilität der Server denken, die Stabilität der Bürger scheint nachrangig.

Wenn man meint, man kann während des Countdowns in einem anderen Browser-Fenster arbeiten, kann man das tun, der Countdown läuft dann aber 50% langsamer in der Zeit. Habe ich nachgemessen.

Auf diese Weise versuche ich nun schon seit Tagen immer mal wieder, einen Termin zu ergattern. Aus Griechenland war mir der Zugang zu den Terminen sogar gesperrt. Und ob das nicht schon alles nervig genug wäre, empfinde ich es als Frechheit, was da so teilweise drumherum geschrieben steht:

Ein paar Auszüge:

„Die Auswahl “Termin buchen” führt Sie nun direkt zu dem Kalendermonat, in dem ein Termin frühestens buchbar ist. Sie müssen sich nicht mehr manuell zu einem Monat mit freien Termin durchklicken.“
-> Blödsinn. Es werden eh nur zwei Monate angezeigt, das muss man sich überhaupt nicht „manuell zu einem Monat durchklicken“. Schön wär‘ es ja.

„Sollte für Ihre Auswahl kein Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie die Terminsuche wiederholen können. Mehr dazu unter: Es ist nichts mehr frei, was nun?“
-> Klick ich drauf.

„Wählen Sie auf der rechten Seite – Termin berlinweit suchen – und Sie erhalten eine Kalenderansicht mit den frühest möglichen Terminen in der alle Standorte, die diese Dienstleistung anbieten, berücksichtigt sind.
-> Ja meint ihr im Ernst ich habe meinen Bezirk selektiert? Ich bin schon davon ausgegangen, dass ich mich mit einem 50 Kilometer-Radius über ganz Berlin begnügen muss und habe „Alle Bezirke“ gewählt.

„Sie können die Terminsuche auch örtlich einschränken. Dazu wählen Sie unterhalb der Dienstleistungs-Beschreibung direkt einzelne Standorte aus oder suchen innerhalb eines Bezirks.“
-> Völlig, albern. Siehe oben

„Termine können im Kalender nur an blau markierten (= freien) Tagen gebucht werden. Rot markierte Tage sind ausgebucht.
-> Also da ist eigentlich immer alles rot. Wenn man Glück hat, flackert mal ein Tag in blau auf, wählt man ihn aus, kommt dann aber schon wieder sehr schnell eine Sorry-Message „da war wohl jemand schneller“ … Ha ha ha …

„Sollte für Ihre Auswahl kein einziger Termin verfügbar sein gelangen Sie auf eine Hinweisseite, auf der Sie nach einer Minute die Terminsuche wiederholen können. Eine häufigere Terminsuche hätte keine höheren Erfolgsaussichten und würde das Terminbuchungssystem belasten.“
-> Von mir aus soll das Ding anfangen zu qualmen. Wenn mein Team so etwas ausrollen würde, würden wir zu ernsthaften Gesprächen gebeten. Und irgendwie vermisse ich da schon wieder ein Komma.

„Die Ämter aktualisieren ihre Terminressourcen in der Regel am frühen Vormittag, sobald Daten über die tatsächliche Personalverfügbarkeit vorliegen. Aufgrund von Terminabsagen oder Kontingenterhöhungen kann sich ein regelmäßiges Nachschauen lohnen, um auch mal sehr kurzfristig einen Termin zu bekommen.“
-> Ja, kurzfristige Termine wurden ab und zu angezeigt, aber Termine noch am selben Tag kann ich nicht wahrnehmen, bisschen was zum Arbeiten habe ich ja auch noch.

Ich hätte einen Vorschlag:
Jetzt, wo Marihuana schrittweise legalisiert wird, haben die Dealer in den Parks doch freie Kapazitäten. Sollen die doch mit Terminen handeln!

PS: am Montag war ich nun erfolgreich. Mit drei Geräten gleichzeitig, habe ich diesen blöden Countdown gedribbelt und mir einen Termin ergattert. Anfang Juni in Berlin Neukölln.

Das schreit schon nach einem neuen Beitrag.

Das letzte große Erlebnis im Frühjahr 2023: