815) Dieses Leben wurde mit KI erstellt

„Dieser Werbespot wurde mit KI erstellt.“

Das hört man inzwischen immer häufiger zu Beginn eines Radiowerbespots.

Auf der einen Seite tut mir das natürlich leid für die Sprecherbranche, auf der anderen Seite wird’s vielleicht auch besser. Kleiner Seitenhieb an die Macher der schwäbischen Müsli-Werbung oder an dieses schreiende Kind, das ständig wiederholt, ich solle doch endlich zu Netto gehen. Mach ich aber nich!!!!!, schrei ich zurück.

Nun, es bleibt wohl nur eine Frage der Zeit, bis alle Spots im Werbeblock so beginnen. Oder man dreht den Spieß irgendwann einfach um, weil das Ganze ja auch Sendezeit kostet. Und Zeit ist Geld:  „Dieser Werbespot wurde mit Menschen erstellt.“

Mannomann, wer weiß, wo das alles mal endet. Wo führt das noch hin?

Irgendwann schaust du aus dem Fenster und plötzlich erscheint im Glas: „Dieser Ausblick wurde mit KI erstellt.“

Du läufst über die Ziellinie eines Halbmarathons. 21 Kilometer, die Beine brennen, du bist aber stolz wie Bolle. Da meldet sich deine Smartwatch: „Diese Anstrengung wurde mit KI erstellt“

Du stehst mit 80.000 Menschen in einem riesigen Stadion. Die Menge tobt, die letzte Zugabe ist verklungen. Gänsehaut pur. Stadiondurchsage: „Achtung, Achtung. Musik und Show wurden mit KI erstellt“

Du triffst dich mit deiner „Flamme“ zu einem romantischen Dinner. Kerzenschein, ein Glas Wein, Piano … dann flüstert der Kellner: „Diese Flamme wurde mit KI erstellt …  der Kellner übrigens auch … aber die Rechnung ist echt.“

Irgendwann schaust du zurück auf dein Leben. Auf die schönen Momente und die weniger schönen … bist aber im Großen und Ganzen zufrieden.

Und dann: „Dieses Leben wurde mit KI erstellt.“

…

„Ihre Meinung ist uns wichtig. Bitte nehmen Sie sich einen kurzen Moment Zeit, um Ihre Erfahrung zu bewerten.“

„Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie dieses Leben weiterempfehlen würden?“

 

PS1: Danke lieber J. für diesen Impuls

PS2: Titelbild wurde mit KI erstellt … oh man

 

468) Lokoschinsen

Im Frühling wurde ich in einen Laden … ähm … in einen „Store“ gezogen, da gab es auf drei Etagen Schokolinsen zu kaufen. Ja, die bunten Süchtigmacher mit den zwei Buchstaben und dem verbindenden „&“ in der Mitte. Nicht dass ich die besonders gern esse und ich unbedingt in den Laden wollte, nein, ich war als Tütenhalter angeheuert und hatte keine Chance mehr, abzubiegen. Und da stand ich nun völlig planlos in diesem Linsen-Fachgeschäft.

Neben den Schokolinsen in allmöglichen Farben gab es den üblichen Blödsinn, den es überall gibt. Handtücher, Shirts und Basecaps. Mal steht Berlin drauf, mal Toronto, mal Bayern München, mal Schoko&Linse. Einheitsware aus Fernost. Die Personaldecke war ungewohnt üppig, überall stand „Staff“ in Einheitskleidung herum. Manche trugen Headset und Tablet, sicher die Supervisors. Jetzt weiß ich, warum man im Elektrofachmarkt keinen Verkäufer mehr findet. Die haben auf Linsen umgeschult.

Ein Mädel sprach mich an. „Suchen Sie etwas Bestimmtes?“. Am liebsten hätte ich „ja, den Ausgang“ geantwortet. „Nee, ich warte nur. Danke“. 

Also stand ich da und beobachtete das Geschehen.

An einem Stand konnte man seinen Namen oder einen Text auf die Schokolinsen drucken lassen. 

„Guten Tag, ich hätte gern 300 Linsen mit dem Namen „Shanaya-Luise-Aurelia van der Bergen zu Prenzlau“, geht das?

Bestimmt geht das. Und da geht sicher noch mehr.

  • Sich über eine App die persönliche Schokolinse konfigurieren?
  • Ein Kissen ausstopfen lassen? Dem Teddy neue Augen spendieren?
  • Das Bällebad zum Geburtstag füllen oder eine romantische Badewanne? 
  • Ein Scrabble-Spiel bestücken? Eine Murmelbahn?

Alles noch nicht spektakulär genug?

  • Vielleicht eine personifizierte Schokolinse zum Mond schicken und dort landen lassen?

Alles eine Frage des Geldes 😉

Und was hat das nun mit dem Titel des Beitrags auf sich?
Nüscht. Ist halt mega-unique, gibt‘s noch nich‘