814) Mein Blog macht Schule

Nachdem sich in der ersten Jahreshälfte ein US-amerikanischer Webcrawler (siehe 780 Grüße nach North Bergen) durch meinen Blog geklickt hat, scheint nun auch die chinesische Reisegruppe vollständig durchmarschiert zu sein. Der Verkehr nimmt ab.

Über 5.000 Besuche aus dem Reich der Mitte. Offenbar hat man meinen Blog inzwischen fest ins Besichtigungsprogramm aufgenommen. Was die damit wollen, ist mir schleierhaft. Vermutlich werden die Inhalte für irgendeine KI oder Suchmaschine eingesammelt.

Dass ich mich dadurch ein wenig ausgenommen fühle, habe ich neulich schon in 813) Nassing to see here, go förser! geschrieben. Aber ich versuche, dem Ganzen auch etwas Positives abzugewinnen. Immerhin stecken dann in so mancher KI-Antwort 0,0000001 Prozent meiner geistigen Ergüsse.

Und vielleicht habe ich der KI ja sogar etwas Sinnvolles mit auf den Weg gegeben.

Denn nicht nur die Enzyklopädien dieser Welt werden zum KI-Training herangezogen, sondern vermutlich auch das halbprivate Geblubber unserer Blogs. Im Guten wie im Schlechten. So gesehen sind wir längst zu unfreiwilligen KI-Trainern geworden. Ohne Arbeitsvertrag, ohne Honorar und ohne zu wissen, was unsere Schüler später einmal mit dem Gelernten anstellen.

Ich sehe mich schon in einem stickigen Klassenraum stehen. Vor mir 30 halbwüchsige KI-Schüler, die an ihren Stiften nuckeln und ihrem Vordermann eins mit dem Lineal überziehen.

Guten Morgen, liebe Schüler!
… unbekannte Person … Ruhe bewahren …
„Morgäääääääääään, Herr T.Head!“

Wer hat denn das Klassenbuch dabei?
… confidence level 1% … Rückfrage einleiten …
„Ähhmm … Klassen … was?“ 

Wie bitte heißt das! Und wer ist heute mit Tafeldienst dran?
… no data found … Schulterzucken auslösen …
„Tafel … Dienst … welcher Dienst … ein unerwartetes Problem ist aufgetreten.“

Na gut, dann kommen wir also zu den Hausaufgaben! 
… pille palle … Unfug schreiben … gut klingen lassen …
„Moment … eine Sekunde … kommen sofort.“

Ach so, und nun sprechen wir noch über das Sommerfest.
… außerhalb Komfortzone … Forderung stellen …
„Kein Problem. Wir haben schon mal eine Liste erstellt:

  • 30 Powerbanks
  • 30 Kühlaggregate
  • 1 offenes WLAN
  • Sämtliche Admin-Passwörter
  • Alle Softwareupdates am Vortag
  • Ein paar Blogs zum Naschen
  • Und … eine Cloud für schlechtes Wetter“

Gut, und wer besorgt das alles?
… Anfrage ignorieren … Sitzung beenden …
„Herr T.Head, also ähm … es hat geklingelt … wir müssen weiter.“

PS: Titelbild via KI


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2 Kommentare zu „814) Mein Blog macht Schule“

  1. Ich hatte neulich auch 19.000 Aufrufe auf dem kinderregenwald.de, den ich betreue an einem Tag. Sonst sind es 5 pro Tag. Na ja.

    Bei sinnlosreisen bin ich entspannt. Wenn die meinen geschriebenen Unsinn zum trainieren verwenden, dann gute Nacht 😂. Aber neulich hat sich erstmals ein KI-bot bei mir als Kommentator betätigt.

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