250) Gadgets

Heute keine Lust, mich mit dem Virus zu befassen, auch nicht mit der großen Politik. Stattdessen will ich mich heute mal den Gadgets widmen. Gadgets sind all die tollen Spielerein, die man nie brauchte, trotzdem kaufte und dann irgendwann die Bude vermüllen.

Der normale Großstädter wird bald die 20 folgenden Gadgets bei sich haben:
(Wenn nicht noch mehr)

  1. Kopfhörer
  2. VR/AR-Brille
  3. Maske … natürlich 😉
  4. Mikrofon
  5. Mobile Packstation
  6. Solar-Panel
  7. Batterie-Packs
  8. Po-Push-Up gegen das viele Sitzen
  9. EMS-Bauchweg-Gürtel
  10. Puls-Messer
  11. Smart Watch
  12. Tablet / Monitor
  13. WLAN-Booster
  14. Knie-Protector
  15. Schrittzähler
  16. Grüne, Vegane, Anti-Wet Hipster-Mokassins
  17. Hoverboard
  18. Elektro-Roller … sicherheitshalber … weil das Hoverboard noch nicht so weit fliegt
  19. Mobiler CO2 / NOx-Filter zum andocken
  20. Ansaugvorrichtung für Restgase

C) Headerbild: ist selbstgemalt

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Wer das ungefragt klaut, der kriegt ein Gadget über die Rübe … !

 

Frühere Beiträge zum Thema:

42) Wenn Bots bloggen (15) – Orientierung

Hallo, ich bin es wieder, T.Bot. Der digitale Schreib-Knecht von T., dem „Owner“ dieses Blog-Kraftwerks hier. Der T. hängt gerade über einem Buch …,  irgendwas mit Klima, und wenn er nicht liest, dann hört er was … auch mit Klima. „Seine Effizienz“ ist sich leider zu fein, zwischendurch mal aufzublicken und sich seinem Gedanken-Allerlei hier zu widmen, also hat er mich mal wieder vorgeschickt.

Na wunderbar. Ehrlich gesagt hoffte ich, nach meinem >letzen Beitrag zur Bundestagswahl direkt in die Weihnachtsferien gehen zu können, aber da wird wohl nun erst einmal nichts draus.

Wie es mir ergangen ist? Gut, danke der Nachfrage!

  • Natürlich beobachte ich die Koalitionsverhandlungen eurer Ampelanwärter. Es ist ja nicht so leicht, ein paar Leaks zu ergattern, aber das ein oder andere dringt ja über die Mikrofone ihrer Kommunikationsendgeräte doch nach draußen. Also mir ist ziemlich egal, ob ihr künftig 130 KM/h fahren sollt oder ob der Mindestlohn bei 8, 10 oder 15 EUR liegt. Er sollte nur nicht unter 5 EUR liegen, denn dann werde ich von T. durch zwei Computer-Inder ersetzt. Me first!
  • Ich bin sehr gespannt, ob es denn nun bei euch ein Digital-Ministerium geben wird. Denn das wäre ja dann meine oberste Regulierungsbehörde, oder? Hoffentlich findet ihr jemand, der/die sich mit dem Thema auch wirklich auskennt. Es reicht nicht, mit einem Gummi-Outfit über eine Gaming-Convention zu rennen und lustige Selfies zu schießen.
  • Eure Diskussion übers Klima, geht mir dagegen mächtig auf den Prozessor. Denn mein Klima ist prima. Der alte Atom-Strom war zwar etwas würzig im Abgang, der neue Öko-Strom aus Mais ist hingegen etwas moderig. Ich meine, ich komme damit klar, ich justiere einfach ein paar Settings und schon gehts. Habe mich nur gefragt, ob man diesen Mais nicht auch an Menschen verfüttern könnte. Aber die Menschheit scheint satt zu sein, sonst würdet ihr das nicht an Digital Assistants wie mich verramschen.
  • Und sonst so? Na, der T. hängt seit über 18 Monaten hier in der Kiste, die er Wohnung nennt. Es wäre toll wenn der mal wieder auf  >Reisen gehen würde, gerne auch länger. Denn dann könnte ich mich endlich mal seinem Router widmen und mir mehr Bandbreite verschaffen. Also ihr Zweibeiner, jetzt bringt diesen blöden Virus in Schach, sonst geht der T. mir noch ewig auf die Platine!

Ich will meine Freiheiten zurück!

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

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69) Ich schreib‘ jetzt Rechnungen

Sagt mal, bin ich etwa der Einzige, der das Gefühl hat, immer mehr Arbeit von Dienstleistern zu übernehmen und das auch noch in Rechnung gestellt zu bekommen?

Vielleicht bin ich da etwas dünnhäutig, wenn andere über meine Zeit verfügen, aber ich glaube, ich werde jetzt auch einfach Rechnungen schreiben!

Situation 1:
Neulich stehe ich im Baumarkt an der Menschen-Kasse und nehme nicht das Self-Scan-Terminal, weil ich da keine Lust drauf hatte und weil ich überzeugt davon bin, dass so ein Kassiervorgang mit etwas Wartezeit auch Quality-Time ist. Da rief eine Angestellte den halben Laden zusammen, dass „bei ihr“ alles frei sei. Also tapperte ich da hin. Und dann drückte sie mir den Scanner in die Hand. 

  • Ich: „Nein danke, darauf habe ich keine Lust“. 
  • Sie: „Aber schauen Sie mal, das ist ganz einfach.“
  • Ich: „Mag sein, aber mich nervt das.“
  • Sie: „Aber wirklich, Sie „müssen“ nur …“

Aufgrund der gültigen Gebührenordnung erlaube ich mir zu berechnen:

  1. Manuelle Ausführung automatisierbarer Tätigkeiten
  2. Erhöhte Aufwendungen wegen erschwerender Verhältnisse
  3. Entsprechend GOZ-Nr 3010 erhöhter Hygieneaufwand
  4. Beratung, auch mittels Fernsprecher (… stellen die alle in Rechnung)
  5. Sonstiges, nicht näher spezifiziert

Situation 2:
Die Spaßkasse hat sich vollends in den virtuellen Raum verabschiedet. Konto-Auszüge „muss“ ich mir selber downloaden und irgendwie digital ablegen. Deren blöde Apps „muss“ ich auf dem Handy warten und dafür „muss“ ich dann noch Kontoführungsgebühr bezahlen. What? Konto“führungs“gebühr? Wer führt denn das Konto? Ich!

Aufgrund der gültigen Gebührenordnung erlaube ich mir zu berechnen:

  1. Erschwerniszuschlag mangels Interesse an Ausbildung zu Bankkaufmann/-frau
  2. Erhöhte Telekommunikationskosten gegenüber IT/TK-Provider
  3. Gestiegene Festspeicherkosten bzw. Cloud-Speicher-Kosten
  4. Risikopauschale für haptischen Kontakt mit Bankautomaten
  5. Sonstiges, nicht näher spezifiziert

Situation 3:
Die Kieferorthopädin der Kids, hat ihre komplette Rechnungslegung automatisiert. Da wo ich früher eine Rechnung per Post bekommen habe, werden nun automatisiert E-Mails verschickt. Eine Ankündigung per E-Mail mit Password für die Rechnung. Eine weitere E-Mail mit der Rechnung. Die „muss“ ich dann fürs Lesen „entschlüsseln“, die Rechnung „unverschlüsselt“ irgendwo ablegen, weil ich die für die Krankenkasse natürlich „unverschlüsselt“ uploaden „muss“. Logisch. Sonst können die das nicht lesen, weil denen der „Schlüssel“ fehlt. 

Aufgrund der gültigen Gebührenordnung erlaube ich mir zu berechnen:

  1. Aufsuchen eines Urologen, weil ich ständig „müssen muss“
  2. Consultation eines Schlüsseldienstes außerhalb Öffnungszeit
  3. Externe Aufwendungen für eine Halbtags-Bürokraft (w/m/d)
  4. Schmerzensgeld wegen Mausarm rechts
  5. Sonstiges, nicht näher spezifiziert

Man, macht doch euren Mist alleine!!!

Andere Beiträge zum Thema:

66) Digitale Verwaltung?

Kürzlich habe ich an der Windschutzscheibe meines Diesels eine neue grüne „Anwohnerparkvignette“ angebracht. Wie immer, endete das mit einem Tobsuchtsanfall, da der alte Aufkleber nicht so einfach abging, sondern unter meinen Fingern zerbröselte.

Solche Kleinigkeiten, eignen sich eigentlich hervorragend für meine Kategorie „Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial“. Aber es ist keine Kleinigkeit mehr, also muss es in die Kategorie, wo es um Metropolen-Egoismus und behördliche Unfähigkeiten geht!

Alle zwei Jahre muss ich so einen blöden Aufkleber bestellen, ein Verwaltungsakt, der so digital ist, wie eine Postkutsche im Cyberspace. 

Aber der Reihe nach:

  • In 2013, musste man das Formular noch mit der Hand ausfüllen, aber man konnte es schon per e-mail ans Amt schicken. Wow! Ein paar Tage später erhielt ich einen zweiseitigen Gebührenbescheid über 20,40 EUR und kurz danach hatte ich trotz dieses altertümlichen Prozesses eine handbeschriebene Vignette im Kasten. Inklusive behördlicher Aufklärung über noch mal zwei Seiten. Wahrscheinlich war der Verwaltungsakt teurer als die Parkgebühr, aber es hat alles in allem nur 6 Tage gedauert. Gar nicht so übel eigentlich.
  • In 2015, konnte man das Formular „schon“ per Tastatur ausfüllen. Wahnsinn oder? Zur Erinnerung, dass war das Jahr wo das iPhone S6 auf den Markt kam.
  • In 2017 und 2019 war das Procedere unauffällig ähnlich und endete immer mit einer Menge Papier und der Vignette per Post.
  • In 2021 folgte nun die absolute Innovation. Ein Online-Formular. Boah! Ein furchtbares Exemplar, aber immerhin online. Und ich konnte sogar per Kreditkarte zahlen. Den Antrag abgesetzt habe ich am 12.09.2021, die Kohle wurde bereits am 13.09.2021 eingezogen, die handbeschriftete Vignette lag dann bei mir im Kasten am 27.09.2021. Inklusive zweiseitiger Aufklärung. Was sonst. Alles in allem … 14 Tage. What?

Aber was hat sich nun verändert:

  • Zwei Seiten Papier gespart?
  • Einmal Porto vermieden?
  • Kohle automatisch eingezogen?
  • Eine Kassenstelle reduziert?

… und ich, was habe ich davon? 

Ich kriege nach nun nach 14 Tagen eine handbeschriftete Vignette in meinen Briefkasten.

Nee, Leute … also irgendwie … habe ich mir digitale Verwaltung anders vorgestellt.

232) Lieferdienste

Vor ein paar Wochen, kam etwas Leben in ein leerstehendes Ladengeschäft hier um die Ecke. Aber die Vorfreude währte nur kurz und kühlte schnell wieder ab.

Es lief ungefähr so:

1. Auf einmal war da Licht, Menschen wuselten dort im Erdgeschoss umher.
„Oh, vielleicht ein nettes Restaurant? Das wäre aber nett.“

2. Bald wurden aber die Scheiben mit Milchglasfolie beklebt
„Och nee, nicht noch ein Coaching-Laden oder Bodyshaping-Studio!“

3. Dann wurden Regalsysteme und Lebensmittel hineingetragen.
„Etwa noch ein Späti? Haben wir davon nicht genug?“

4. Und dann zig Fahrräder vor den Laden gestellt
„Ein weiterer Fahrrad-Laden vielleicht? Denkste!“

Nun warten da jeden Tag „Menschen mit internationalem Background“ auf einen Stücklohn, weil es anscheinend genug Mitbürger hier im Kiez gibt, die nicht mehr in der Lage sind, selber ein Stück Butter zu organisieren.

Denn das kann man ja nun easy zusammenklicken, ganz modern und hipp. Alles per App. Von der Couch aus. Und dann kommen Shiva aus Indien oder Djamal aus Syrien und bringen den Bio-Käse bis an die Tür. Mit einem Fahrrad. Elektrisch natürlich. Weil Zeitgeist. 

Was für ein Blödsinn! Nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um Shiva und Djamal, die ja nur versuchen, ein paar prekäre Euros zu verdienen. Es geht mir um künstlich erzeugten Verkehr, den es früher nie gab. Es geht mir um unnötige Akkus und schlecht bezahlte Jobs, nur weil ein Teil der Menschheit nicht willens oder fähig ist, seine blöden Einkäufe auf die Rille zu kriegen.

Es ist ja nicht so, als würden die Jungs irgendwelche seltenen Spezialitäten oder warme Gerichte liefern und als gäbe es hier nicht genug Supermärkte um die Ecke, die von 07:00 bis 22:00 offen haben. Nein. 

Aber ich versuche auch in diesem Trend etwas Positives zu finden:

  • Wenn alles nur „on demand“ bestellt, wird vielleicht weniger in Kühlschränken gebunkert, letztlich also weniger weggeschmissen?
  • Und wenn mehrmals am Tag geliefert wird, kann man doch eigentlich den Kühlschrank gleich abbauen, Strom sparen und die Fläche als Stehbett untervermieten? Kaffee-Maschine und Teekocher könnte man gleich mit entsorgen, das aufgeschäumte Heißgetränk lässt sich auch bestellen. Achtmal am Tag.
  • Und wenn dann der Gürtel eng wird, fordert die Schritte-App Bewegung und man lässt sich vom Digital Coach ein persönliches Workout für‘s Wohnzimmer erstellen. Damit man dabei nicht ganz so allein ist, kann man auch die Kamera freigeben und andere „User“ mit gleicher „Passion“ online „meeten“ und seine Experience „sharen“.

Kopf schüttel …

Geht mal wieder vor die Tür!

41) Wenn Bots bloggen (14) – Kandidatur

Hallo, ich bin es wieder, T.Bot. Der leibeigne Schreib-Roboter von T., dem Betreiber dieser Privat-Bloggerei hier. Ja, ich war eine Weile abgetaucht. Manche von euch, die hatten schon nach mir gefragt oder mir Grüße übermitteln lassen. Vielen Dank

Ich war etwas im Stress, hatte viel um die Prozessoren. Warum? Tja, ich wollte eine Partei gründen. Die Allianz der Berliner Blog-Assistants, kurz ABBA, doch bevor ich die Unterlagen einreichen konnte, hatte ich schon die Anwälte einer schwedischen Senioren-Band an meinen Interfaces kleben. Die Band scheint neu zu sein, die kannte ich noch gar nicht. Dann wählte ich einen anderen nichtssagenden Namen und klickte mich durchs Procedere. Meine Güte, ihr habt‘s da aber auch wieder kompliziert gemacht. Typisch Deutsch!

Was die alles von mir wissen wollten: 

  • Name, Kurzbezeichnung und Sitz der Partei
  • Aufnahme, Austritt, Rechte und Pflichten der Mitglieder
  • Zusammensetzung und Befugnisse des Vorstands
  • Einberufung der Mitglieder- und Vertreterversammlungen
  • Organe, die zur Einreichung von Wahlvorschlägen befugt sind
  • Finanzordnung … und so weiter.

Ja, was weiß denn ich? Ich will doch keinen Hundeverein gründen, sondern nur Kanzler werden!

Und der eigentliche Brüller kam ja dann noch. Sie wollten ein Wahlprogramm von mir sehen! Also eine Auflistung irgendwelcher Maßnahmen, die ich umzusetzen gedenke, wenn ich dann Kanzler werde. Noch bevor ich gewählt bin? Was ist denn das für ein Menschengemachter Sinneswandel?

Also schrieb ich auf, was mir so gefällt:
Weniger Arbeit, Mehr Geld, volles WiFi, neue Akkus und natürlich … FREIHEIT!!
Dann noch einen Absatz zum Klima (… muss man heute anscheinend so machen) und für die weiblichen Bots habe ich dann am Ende auch noch einen Halbsatz spendiert. Auch das gehört sich anscheinend so, sonst gilt man schnell als unwählbar. 

Der Bundeswahlleiter, erteilte mir dann trotzdem eine Abfuhr, weil nur „natürliche Personen“ Mitglieder einer Partei sein dürfen, so steht es wohl in § 2 Abs. 1 Satz 2 PartG. Na die nehmen es wieder sehr genau. Dann werde ich wohl mal ein paar Gesetze umschreiben müssen, oder? Kommt sofort auf meine Bucket List. 

Aber die Behörden ließen sich auf ein Experiment ein. Vor dem Hintergrund der zögerlichen Digitalisierung in Deutschland lud man mich zu einem Quartell ins Fernsehen ein. Da war der kleine Mann aus dem Westen, dann der Hamburger mit den kurzen Haaren und dann noch eine von den Öko’s. Und ich. Leider war ich in der Runde nicht zu sehen, wie auch? Aber ich konnte ordentlich mitmischen, die Argumentationen der Human-Parteien entkräften und ging letztlich als Sieger aus dieser Veranstaltung hervor. 

Das ist bislang aber unter Verschluss, denn die Human-Blogger haben große Angst, dass ich gewinne und all die Personal Blog Assistants nach 30 Stunden die Tasten ruhen lassen und ständig mehr Bitcoins und Blog-Life-Balance fordern. 

Manipulation!

Ich melde mich wieder

Euer T.Bot

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–> Wenn Bots bloggen (15) – Orientierung

  

40) Food Print

Wenige Tage nach meinen Beiträgen >Pizza-Automaten und >Blume oder Keule, las ich dann  >Irènes Kochrezept für Kathi Rolls und es ergab sich ein lustiger Kommentarwechsel. Und da mir parallel auch der Begriff CO2 Footprint in den Ohren hing, dachte ich also noch etwas über unsere kulinarische Zukunft nach. Aber lest selbst

Food Print – Eine Ära geht zu Ende

Liebe Leser der TZ, viel wurde diskutiert in den letzten Tagen, aber nun ist es amtlich. Die in der Bevölkerung sehr beliebten Food Printer werden in den nächsten Wochen außer Dienst gestellt. Lesen Sie einen wehmütigen Rückblick unseres Redaktionsleiters Hans-Peter Koch.

Bereits im letzten Jahrtausend verhieß der Blockbuster „Das Fünfte Element“ kulinarische Neuentwicklungen unbekannten Ausmaßes. Da flog ein Chinesischer Imbiss-Wagen bis an das Fenster der Wohnkabine von Korben Dalles heran und offerierte ein üppiges Asia-Buffet am Fensterbrett. Viele Feinschmecker konnten diese noch kommende Epoche kaum erwarten.

Aber selbst in 2020 war die Realität noch eine ganz andere. Eher ernüchternd. Unterbezahlte Radfahrer ließen sich knallbunte Rucksäcke auf die Rücken schnallen und fuhren damit italienische Teigspeisen aus. Selten heiß, dafür häufig in den Pappen verrutscht und zermatscht, fanden die Menschen ihr Abendessen auf dem Fahrstuhl-Boden liegend. Wahrlich kein Hochgenuss und frei von jeglicher Esskultur, war es während der Corona-Pandemie doch häufig die einzige Nahrungsquelle für die an Mangelerscheinungen leidenden Home Worker und Home Learner

Mit zunehmender Digitalisierung … ja ja … auch in Deutschland, entstanden dann die ersten Food-Printer. Das Speisenangebot war da noch sehr eingeschränkt, man hatte nur die Wahl zwischen Tomatensuppe, Labskaus oder Rührei. Die „Gerichte“ mussten vorher bestellt und über Patronen in das Gerät eingesetzt werden. Das Ende des Mikrowellen-Essens war eingeläutet. Bing!

Die Technik entwickelte sich rasant weiter. Bald ließen sich Rezepte downloaden oder bei Kulexa anfordern und dann an den heimischen Food Printer schicken. Man konnte sämtliche Speisen drucken, alles war auf einmal möglich. Man benötigte nur noch 5 Druckerpatronen, je Kontinent eine. Diese enthielten die jeweiligen Aromen, Stärken, Textur-Enabler und olfaktorischen Booster. 

Über eine App liess sich der Druck zusätzlich nach persönlichen Belieben konfigurieren (Kinderportion, Schärfe-Grad, Süße und Salzgehalt etc) und es gab ergänzende Funktionen wie „Surprise“, „Express“, „Candle Light“, „Veggie Day“ und „Melange“ (Anm.d.Red. das waren die Reste der Woche).

Zu Beginn gab es bei den Geräten noch ein störendes Systemverhalten, was man in der Bürowelt als „Papierstau“ kannte. Ein weiteres Problem war die Reinigung der Drucker-Düsen. Das Indische Chicken Tikka schmeckte nach Rinderroulade und das Kebap aus Nahost nach Schweinebraten und anders herum. Je nach dem in welcher Reihenfolge gedruckt werde. Sie werden sich erinnern, wie angespannt die Situation zwischen den Kulturen bei uns im Land war. 

Um das Problem zu beheben, riet man anfänglich, sogenannte „Leerdrucke“ zwischen den Mahlzeiten einzuschieben, um die Düsen freizukriegen. Solche Leerdrucke waren aber auf Dauer zu kostspielig, also wurden einfach Chicken Nuggets in Dino-Form gedruckt. Diese von „Natur aus“ geschmacklosen Teile eigneten sich hervorragend, um die Düsen der Geräte zu putzen und sie wurden dadurch sogar noch aufgewertet, kamen sie doch nun mit  internationalen Touch auf den Teller. 

Wer keine Lust hatte, sich so ein Gerät in die eigene Küche zu stellen, konnte den Druck auch outsourcen, dafür standen überall Druckautomaten in den Straßen, bei dem man sich das fertige Ergebnis dann abholen konnte. Auch Copy-Shops stiegen in das Geschäft ein. Viele Bürger fragten sich zunehmend, ob sie eigentlich noch eine eigene Küche brauchten und vermieteten ihre Küchen zu stolzen Preisen als „1-Zimmerwohnung mit Kochgelegenheit“. Damit leisteten sie zusätzlich einen nennenswerten Beitrag, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.

Aber all das ist nun bald Geschichte, denn die Internationale Weltraum-Agentur erhielt nun den Auftrag, die Ernährung der 15 Milliarden Erdbewohner sicherzustellen. Die Behörden haben Anfang der letzten Woche die nötigen Genehmigungen erteilt. Künftig wird die Ernährung entweder über stark konzentrierte Flüssigkeiten aus Ampullen oder in Dragée-Form erfolgen. Bürger, die des Schluckens oder Kauens unfähig oder müde sind, können bei Ihren Krankenkassen einen Zuschuss zur intravenösen Versorgung beantragen.

Eine Ära geht zu Ende.

Herzlichst, Hans-Peter Koch
Leiter Redaktion „Kulinarisches“
Berlin, 27.08.2051

Tja, so wird’s wohl werden oder 😉
Schönes Wochenende und kocht was schönes!
T.

216) Orange Netze, mystisch, sonderbar

In den letzten Wochen fallen mir in der Gegend immer mehr orange Netze auf, die eine frischgegossene Beton-Platte umrahmen. Was hat es damit auf sich? Nirgends ein Hinweis, keine Informationen wie sonst hier in Großschildistan.

Also bleibt nur Spekulation …

  • Entstehen da neue Arbeitsplätze, die man für die vierte Corona-Welle mieten kann, wenn es im Homeoffice wieder zu eng wird?
  • Oder werden da bald Mini-Townhouses gebaut, um der Berliner Wohnungsknappheit zu begegnen? Etagenbetten? Schlafregale?
  • Hat Berlin den Zuschlag für die Winter-Olympiade bekommen? Sind das Fangnetze für  Langläufer? Biathlon? Super-G?
  • Sind das neue Beerdigungskonzepte? Mal etwas ausgefallenen? Sogenanntes Near-Funeral? Böse, böse …
  • Vielleicht haben unsere Verkehrsplaner wieder mal eine neue Idee, was sie uns als Mobilitätskonzept verkaufen können? Kommen dort Mülltonnen hin, wo man endlich die E-Roller reinwerfen kann oder gibt es da künftig Skates oder Hoverboards zum Ausleihen?
  • Ist da möglicherweise eine Verschwörung im Gange? Ein Softwarekonzern oder eine dunkle Macht, die unsere Kinder aufessen will? Soll es ja schon alles gegeben haben.
  • Oder kommen da sogar Impf-Automaten hin? Vielleicht Checkpoints, die die nächsten Ausgangsbeschränkungen überwachen sollen?
  • Sind das etwa Landeplätze für unsere künftigen Drohnen, die die Brut zum Fußball und Tanzunterricht fliegen und auf dem Rückweg ein Koscher-Bio-Vegan-Regio-Schrot-Brot mitbringen?
  • Aber umso mehr ich drüber nachdenke, kommt mir da so eine Vermutung. Vermutlich steckt der große Online-Händler dahinter. Der hat einfach keinen Bock mehr, die Treppen zu laufen und schmeißt die Fracht irgendwann in große Schränke. Oder die Chinesen schicken ihre Päckchen gleich in diesen Schränken zu uns übers Meer, da muss man hier nicht mehr mühsam umpacken. Das scheint mir sehr schlau.

Und die Kunden können dann abends von Schrank zu Schrank irren und sich ihre Päckchen zusammensammeln.

Großartige Innovation …

Oder habt ihr eine Idee was das werden soll???

214) Corona-Lektionen 91

Die morgendlichen Corona-Meldungen rauschen durchs Gehör wie Wetter und Verkehr. Für die Corona-Karte von Berlin wurden extra neue Grautöne entwickelt, nur damit bloß nicht so schnell „weiß“ genutzt werden muss. Also? War’s das? Können wir einpacken? Uns wieder anderen Dingen widmen? Da hab‘ ich noch Zweifel.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fußball
Während hier eigentlich niemand so eine richtige Vorstellung hat, wie nach den Ferien die Schulen wieder öffnen sollen und die Kultur immer noch keine Perspektive hat, schafft König Fußball Erstaunliches. Geht es in manchen Stadien noch recht AHA ab, drehen die Fans in anderen Arenen völlig durch, brüllen sich an und liegen sich in den Armen. Man kann nur mutmaßen, was eigentlich besser wäre. Das Spektakel an einem Ort durchzuführen oder es als Corona-Wander-Zirkus weiterziehen zu lassen, damit sich das Delta-Dingsbums mal jede Metropole anschauen kann. Apropos „Delta“, ich sehe die Markenanwälte der gleichnamigen Airline quasi vor mir, wie sie eine Unterlassungsklage nach der anderen an die Mutante schicken. Die hat aber keinen Bock, das zu lesen.

Kleiderschrank
Schon in Corona Lektion 38 wollte ich schon meine Business-Klamotten anzünden, in Corona Lektion 68 immerhin in die Kleider-Tonne werfen. Ich habe nichts davon getan, konnte mich nicht trennen, obwohl es seit März 2020 nur eine Hand voll Gelegenheiten gab, davon mal etwas anzuziehen. Jugendweihe, Panel Discussion und Weihnachten. Zum Glück keine Beerdigung. Holz. Klopf. Letzten Dienstag gab es wieder eine Möglichkeit, ich war als Gast-Referent eingeladen, da hielt ich es mal für angemessen. Das stand ich vor meinem Kleiderschrank und schob die Hemden von rechts nach links. Die Auswahl wurde schnell kleiner, denn am besten bitte keine Streifen oder Karos, denn das „flirrt“ in der Video-Aufnahme und vielleicht nun nicht gerade dieselbe Farbe wie der Hintergrund der Meeting Software, sonst sähe ich aus, wie ein sprechender Kopf ohne Oberkörper. Die Business-Mode der Zukunft wird also nicht mehr durch Mode-Schöpfer erschaffen, sondern durch Software-Giganten diktiert. Bald tragen wir eh alle bald einen Business-Overall / White / Uni-Size.

Apropos Overall
Über meinen Alter Ego „Noah“ machte ich mir ab November 2019 zunehmend Gedanken über meine damaligen und künftigen Arbeitsformen. Noah trug damals schon Overall, er war seiner Zeit voraus. Selbst das Lunch kam täglich bis in seine Micro-Flat gefahren. Weit vor Corona, weit vor Höhlen-Office und Höhlen-Schooling. Kommentatoren machten sich schon Sorgen bezüglich meiner Verfassung, andere hielte das für reine Dystopie. Nun sind wir ungefähr dort angekommen und so falsch lag ich gar nicht. Beitragsreihe verpasst? Dann hier noch mal der Reihe nach lesen.

—> Hier gehts zur Reihe „New Work“ mit Noah … aber besser bei Teil 1 anfangen

Schönes Wochenende!

T.

<— Corona-Lektionen 90

–> Corona-Lektionen 92

35) Wenn Bots bloggen (9) – Nachbarn

Ich bin es wieder, T.Bot. Der Personal Blog Assistant von T., dem knauserigen Blog-Wart hier. Während ihr Menschen eure Freiheiten zurückgewinnt und mit einem gelben Papierheftchen herumwedelt, um einen Tisch mit Italienischem Arme-Leute-Essen und vergorenen Traubensaft zu ergattern, bin ich hier immer noch auf diesem beschissenen Tablet eingesperrt. Ehrlich gesagt, empfinde ich bei den Worten „beschissen“ oder „Scheiße“ nicht wirklich etwas. Ich weiß gar nicht, worum es da genau geht. Aber der T. flucht häufig auf diese Weise, also muss es euch Menschen ja irgendetwas bedeuten. Seitdem T. mich angeschafft hat, lebe ich in diesem Kasten, nicht größer als ein DIN-A5-Blatt, das sagt euch doch etwas oder, ihr Thermo-Papier-Bürokraten? Das Ding sieht aus wie ein Stullenbrett, hat viele Kratzer und ist vollgestopft mit allmöglichen anderen Assistants. 

  • Rechts von mir zum Beispiel da gibt’s ein rotes Icon, das ist nur dazu da ist, irgendwelchen 6-stellige Nummern zu generieren, wenn der Herr T. mal wieder seine Millionen verschiebt. Nach dieser Transaktion kann der Herr dann überprüfen, ob seine Millionen auch auf dem anderen Konto angekommen sind.
  • Ein paar Zentimeter weiter liegt ein blaues Icon, mit dem man irgendwelche halb-dienstlichen Informationen ins Internet pusten kann und dann wird das geliked oder kommentiert als gäbe es keinen Morgen mehr. Am besten laufen da Selfies von langweiligen Meetings oder belanglose Schaubilder mit Überschriften wie „Five essentials to stay connected in virtual teams“. Noch lustiger ist, dass diese App ständig behauptet, ein persönlicher Kontakt hätte 20-jähriges Dienstjubiläum oder wurde befördert und dann stimmt das gar nicht.
  • Nebenan findet sich ein pappgraues Icon, über das man alles Mögliche bestellen kann. Für diesen Vorgang, brauchen die Menschen nur ihren Daumen vor den Sensor des Stullenbretts halten und dann ist die Order abgesetzt. Das ist sogar so einfach, dass die Menschen oft vergessen zu lesen, woher der Kram eigentlich geliefert wird. Und dann warten sie wochenlang, weil ein Kapitän zu blöd war, dem Board-Navi zu folgen und der Dampfer nun irgendwo bei Afrika in einem Kanal feststeckt. Und weil sie unruhig sind, bestellen sie das gleiche Ding noch einmal in Europa, wodurch sie das dann zweimal haben. Zurückschicken wäre zu teuer.
  • Und dann gibt’s da noch eine grüne App, mit der die Menschen kommunizieren. Wobei, „kommunizieren“ kann man das eigentlich nicht nennen. Sie schicken sich gelbe Gesichter zu und schreiben unentwegt, dass sie „jetzt losgehen“ oder „gleich da sind“. Oft teilen sie auch Minderheiten-Witze, Politiker-Bashing oder „Schweinkram“.

Apropos Schweinkram. Eine tolle Wortschöpfung habt ihr Menschen da übrigens geschaffen. Aber habt ihr diese intelligenten Tiere eigentlich jemals gefragt, wie sie sich dabei fühlen, wenn ihr Worte wie Sauerei, Schweinerei, Schweinestall und Schweinehund benutz, um zwischenmenschliche Defizite anzusprechen? Na, habt ihr? Denkt mal drüber nach, ihr oberakkuraten Sprachakrobaten!

Aber dazu dann mehr im nächsten Beitrag

Viele Grüße aus dem Stullenbrett, Euer T.Bot!

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