59) Ernährungswirrenschaften

Also wenn ich irgendwo höre, das man sich in Deutschland überdurchschnittlich wenig mit dem Essen beschäftigt, kriege ich einen TobsuchtsanfallAnfall.

Ich nehme das eher so war:

1. Weniger Fett
Ja, verstanden, wegen Blutgefäßen und Hosenbund

2. Weniger Zucker
Ja, auch klar. Die Zähne gehen kaputt und schon wieder der Hosenbund

3. Weniger Salz
Ja, weiß doch jeder. Die Nieren und so

4. Nicht so viele Eier
Logo man, und nur braune Nudeln … Cholesterin-Spiegel … oder so ähnlich … kenn‘ ich schon

5. Mehr Fisch
Klar. Als Alternative zum Fleisch. Mach‘ ich

6. Kein Thunfisch
Yep. Weiß ich. Wegen der Delphine. Aber was ist mit Punkt 5.?

7. Mehr Eiweiß
Ooookeee … aber … widerspricht das nicht Punkt 4. …  Wurscht … mach ich. Ach nee. Wurscht ist auch nicht gut. Dazu dann gleich.

8. Am besten Vegetarisch
Kein Fleisch, ja, weiß doch jeder. Wurscht auch nicht. Wegen dem Tierschutz. Bin ja schon dabei, drauf zu achten. 

9. Und Tomaten nur vom Strauch
Jo, wegen dem Plastik drumherum, auch kapiert.

10. Besser auch gar kein Rind mehr
Habe ich gehört, klar. Die pupsen so viel. Schweinerei eigentlich.

11. Milch stärkt die Knochen und bringt Eiweiß ins Human-System
Aber … was ist mit Punkt 1. und Punkt 10.?

12. Auf jeden Fall aber Bio
Mhm ja. Wegen der Chemie in Körper und Böden. Ich nehme mir das vor. Ist zwar sau-teuer … aber gut … gehört ja schon zum guten Ton

13. Richtig gut ist aber eigentlich nur vegan
Ja, mag sein, aber Vegan heiß nicht „Bio“ und schon gar nicht „gesund“, oder? Parmesan aus Sägespänen ist vegan

14. Aber Fair Trade bitte
Ja, auf jeden Fall. Der Kolumbianische Bauer soll unter fairen Bedingungen anbauen. Selbstverständlich. Bin dabei

15. Und Regional natürlich
Bin ja nicht blöd man, eine fair angebaute Mango, die Bio, Vegan, Vegetarisch, Fettarm, Fischfrei aus Brasilien eingeflogen wird, da wo vor kurzem noch Urwald war, geht ja nun gar nicht

 

Oahh, liebe Leser, ich fürchte, dass wird mir zu viel.
Es ist ja nicht so, dass ich mich langweilen würde … aber kann es sein, dass das irgendwie ein wenig verwirrend ist. Wollte ich Ernährungswissenschaften studieren? Kann mich gar nicht daran erinnern. Sollte ich vielleicht mal Magnesium, Kurkuma, Ginko …

48) Kinder-Pizza im Prenzlauer Berg

Der Cheftrainer des Jugendfußballs hat eine nette Idee. Er schlägt vor, das Training am Mittwoch etwas eher zu beenden und Pizza für alle zu bestellen. Hitzefrei, Abendessen und Teambuilding sozusagen. Coole Idee, denken wir und sagen sofort zu. Zur Vereinfachung stellt der Trainer eine Pizza-Liste zur Auswahl ins Netz. Großartige Idee. Für uns nur ein Klick und der arme Kerl hat es etwas einfacher beim späteren Bestellen.

  1. Pizza Margarita (Tomatensauce, Mozzarella, Basilikum)
  2. Pizza Salami (Tomatensauce, Mozzarella, Salami)
  3. Pizza Funghi (Tomatensauce, Mozzarella, Champignons)
  4. Pizza Vegan (Gemüsemix auf Tomatensauce)

Die kleine charmante Auswahl zeigt bereits ganz oben die Top-Seller für Kinder. Aber auch an Vegetarische und Vegane Optionen hat er gedacht. Jetzt müssen die Eltern nur noch klicken und der Trainer (im Ehrenamt wohlgemerkt) kann die Liste 1:1 an die Pizza-App durchreichen.

Aber da machte er einen kleinen, aber entscheidenen Fehler … er schreibt: „Wenn jemand keine Pizza mag, dann kann ich auch etwas anderes bestellen“

  • Wortmeldung 1: „Pizza ohne Tomaten mit Käse, smiley“
  • Wortmeldung 2: „Ich habe für Emanon die Vegan angekreuzt, aber sie soll eigentlich kein Gluten essen. Falls es etwas glutenfreies und Veganes gibt, wäre es super, ansonsten machen wir eine Ausnahme“
  • Wortmeldung 3: „Vielleicht gibt es auch Pizza Hawai?“

Muss man das kommentieren? Nein muss man glaube ich nicht.

Zwischenstand am Dienstag-Abend: 31 Margarita, 1 Salami, 1 Vegan und keiner will Fungi.

PS: Sollte ich vielleicht mal fragen, ob er mir eine Fungi bestellt? Dann hätte ich schon mal etwas zum Abendessen.

Frühere Beiträge zum Thema:

17) Einstand in der Kita

Die folgende Geschichte, ist auch schon ein paar Jahre her, aber sie könnte sich genauso im „Hier und Jetzt“ abspielen. Vermutlich ist es heute noch dramatischer. Einstand in der Kita. Mhm, was macht man da zu essen? Recht einfach. Nichts Besonderes. Kuchen, Wiener, Brezeln und vielleicht etwas kleines zum Naschen. Das wollen alle Kids. Wir fragten die Erzieher, wie das denn in der Kita so gehandhabt wird. Sie antworteten, dass wir natürlich gern machen können, aber… . Da wären zunächst die „Laktose-Kinder“. Allein der Begriff, der Plural und Dominanz erschlug uns erst einmal. Es war anscheinend schon ein stehender Begriff. Bloß gut, dass es noch keine Verniedlichung dafür gab wie z.B. die Lakti’s oder die Vegani’s. Zudem durfte der Julius keinen Zucker essen und beim Tim untersuchte man das noch. Besser aber nichts riskieren. Die Eltern von Emma wollten, dass sie vegetarisch aufwächst und Paulas Eltern waren samt Kindern seit 4 Wochen Neu-Veganer. Letzteres ist zwar nicht kritisch, wir sollten es aber respektieren. Es folgten viele weitere Namen und Besonderheiten. Kein Schweinefleisch bei dem anderen Jungen, Süßigkeiten nicht gern gesehen bei den Eltern eines Mädchens, Lebensgefahr im Falle von Eiweiß bei den Zwillingen, Obst nur geschält, Obst nur in kleinen Stücken und so weiter und so weiter. Oh je! Wir wollten doch nur eine Runde schmeißen! Nun konnten wir nur noch Tüten mit Berliner Luft ausgeben, aber die ist auch nicht gerade die gesündeste. Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn sich ein Kind damit in Lebensgefahr begeben würde. Dann muss man wirklich vorsichtig sein. Ich habe auch mittleres Verständnis, wenn dem Kind nach dem Essen kotzübel wird. Auch ok. Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe, ist, wenn Eltern ihren Ernährungstick grundlos ihren Kindern überstülpen und damit über die Kita indirekt in meine Küche tragen. Zu Hause könnt ihr machen, was ihr wollt. Es ist mir total egal, aber lasst meine Kinder damit in Ruhe. Wir versuchen, unseren Kindern halbwegs die Kulinarik zugänglich zu machen und ihr verkompliziert so etwas Schönes, wie das Essen. Wir haben uns dann für laktosefreie Reiswaffeln und zuckerfreies Wassereis entschieden, damit unser Einstand doch noch stattfinden konnte. Am nächsten Morgen sind alle Kinder wieder in der Kita erschienen, es ist keins gestorben. Ein Glück.

Frühere Beiträge zum Thema Familienleben: