516) Algoshitmus

Die Algorithmen, die bestimmen, was uns auf den digitalen Teller gelegt wird, bringen manchmal wirklich erstaunliche Ergebnisse zusammen. Vor geraumer Zeit war ich wegen eines Problems mit der Kaffeemaschine bei YouTube unterwegs und kam dann über Peter Hahne letztlich zu U2 und Bruce Springsteen. Was das alles miteinander zu tun haben soll, wissen wohl nur die Algorithmen selber.

Manchmal lernt man auf diese Weise etwas Neues kennen und lieben, Algorithmen können sich aber auch als hartnäckige Geiselnehmer darstellen.

Um den Jahreswechsel hatte ich den Fehler gemacht, mir mal die Neujahrsansprache des Maler-Meisters der AfD anzuhören. Nicht, dass ich mit den irgendwas zu tun haben will, aber ich wollte einfach mal hören, wie die so agitieren. Das Video anzuklicken erwies sich gleich als Doppel-Fehler. Zum einen war natürlich nur geistiger Durchfall zu vernehmen, zum andern bin ich jetzt anscheinend bei YouTube als „empfänglich“ registriert und mir wird ein Video nach dem andern von Alice aus dem Fascho-Land und der anderen Björn-Kanaille vor die Nase getrieben.

Wie komme ich da nur wieder raus?

  • Muss ich mir jetzt 50 Videos von Saskia Esken, Annalena Baerbock und Marie-Agnes Strack-Zimmermann anschauen, um den Algorithmus umzulenken? Aber dann bestimmen diese Damen mein künftiges Programm, das wäre mir auch etwas zu anstrengend.
  • Vielleicht sollte ich es außerhalb der Politik versuchen. Irgendwas mit Gesundheit vielleicht? Dann werden mir künftig nur noch Videos über Reizdarm, Impotenz und Fettleber angeboten. Will ja auch keiner sehen, oder?
  • Oder ich muss dem Algorithmus vorgaukeln, ich wäre ausgewandert. Heute Abend ziehe ich mir einen Drei-Stunden-Bollywood-Schinken über die IP-Adresse meines Hotels hier in Bengaluru rein.

Vielleicht kann ich damit die braunen Flecken aus dem User Profil auswaschen.

512) Ohne Saft nix los

„Ohne Moos, nix los“ heißt es so schön. Aber ohne Saft (elektrisch) wird es auch ganz schnell dunkel, da hilft auch das Moos nichts.

Einmal, zweimal am Tag fällt hier im Hotel in Bengaluru der Strom aus. Das ist erst einmal nichts Neues, gab es früher schon. In der Vergangenheit waren die Stromausfälle (Power Cuts) deutlich länger, teilweise hielten sie Stunden an. Da hatte man hat sich halt damit abgefunden, die Klimaanlagen liefen nicht mehr, der Kühlschrank hat es überlebt, wenn man ihn geschlossen hielt und zum Abend hin musste halt `ne Kerze her, um sich auf dem Subkontinent in die Augen schauen zu können. Im Fernsehen kam eh nichts gescheites, also auch kein Verlust, wenn der Flimmerkasten schwarz blieb.

Heute ist es deutlich anders. Die Power Cuts, die ich gerade erlebe, sind viel viel kürzer, so circa 5 – 10 Minuten, aber eine Kerze und Taschenlampe helfen mir nicht, wenn ich gerade in einem virtuellen Meeting hocke und anderen Leuten etwas erklären soll. Und selbst wenn der Strom dann wieder da ist, braucht die IT Infrastruktur eine gefühlte Ewigkeit, bis das WIFI wieder funktioniert, wenn es denn überhaupt wieder funktioniert. Am Freitag früh 8:00 Uhr gab es zum Beispiel einen Stromausfall, wo die Technik bis zum Mittag benötigte, um die Anmeldemaske fürs WLAN wieder anzuzeigen. Doch leider wurden meine Eingaben (Room-Number und Name) in der Eingabemaske immer wieder zurückgesetzt. Dann folgte das Wochenende, heute am Montag nun ein Feiertag und so rennt seit Freitag ein Hotel-Angestellter von Hotelzimmer zu Hotelzimmer, um 24-Stunden-Voucher an die Gäste zu verteilen, die er mit seinem Handy und One Time Password bestätigen muss.

Ich feile noch immer an der richtigen Taktik. Ist es besser, ihn morgens kommen zu lassen, damit ich bis zum Abend durcharbeiten kann oder soll er besser am Abend kommen, damit ich morgens ohne seinen Support starten kann? Wobei ich dann ja ein Drittel der 24 Stunden verschlafe. Ach, ist das alles kompliziert. Und eigentlich brauche ich auch drei 24–Stunden-Voucher, Handy, Tablet und Rechner wollen versorgt sein, die kennen das nicht anders. Das ist ihr gutes Recht 😉

Aber irgendwie ist so ein Stromausfall auch ganz praktisch, verschafft er doch einen Moment informativer Abstinenz. Und Hetzer können ihren geistigen Dünnschiss nicht ins Internet blasen!

In diesen Tagen wünsche ich mir Stromausfälle in Deutschland, ganz gezielt, an ausgewählten Stellen … im Rechnerverbund der AfD zum Beispiel. 

PS: Gerade ist der junge Mann wieder raus zur Tür, ich habe jetzt wieder 24 Stunden WIFI und kann damit auch diesen Beitrag hier abschicken.

500) 500 Gigabyte

Beitrag Nummer 500 dieser Kategorie widme ich mal wieder dem Internet und den schier unendlichen Möglichkeiten, wenn man genug Bandbreite und Datenvolumen hat. Bei letzterem wurde ich kürzlich reich beschenkt. Der Mobilfunkbetreiber meines Vertrauens, dem ich seit über 25 Jahren die Treue halte (eigentlich auch nur weil ich zu faul bin, das zu ändern) möchte sich gern mit einem Datenpaket bei mir bedanken. Dazu müsste ich nur eine SMS mit dem Text „Happy“ schicken und schon würde ich 500 GB bekommen.

Als Vollblut-Skeptiker witterte ich sofort Verrat und vermutete einen Phishing-Angriff mit darauffolgenden Erpressungsersuchen. Oder mindestens mal mit einer Zustimmung zu einer Vertragsänderung zu meinem Nachteil

Aber ich habe dann „Happy“ verschickt … es war einfach zu verlockend. Nun habe ich 500 GB Datenvolumen und bin quasi „Gigadär“ und ganz happy. Nur weiß ich gar nicht wohin damit, denn die laufen am 04.01.24 ab und ich bekomme die auch nur im Inland gestellt. 500 GB … alter Schwede. Das sind circa 150 Kino-Filme, also 13 Tage 24h-Dauerbeschallung. Selbst wenn ich dabei nur selten aufs Klo gehe und wenig schlafe, schaffe ich das gar nicht mehr bis zum 04.01.24. Und meine CO2 Bilanz erst. Das sind dann ca. 45 Kilo CO2 die ich in die Luft „gucke“.

Also, was tun damit?

  • Einen ganzen ICE damit mit per Hotspot versorgen? Wäre eine Idee, geht aber auch nur, wenn Funkempfang ist. Denkfehler. 
  • Kann ich das vielleicht spenden? Aber vermutlich ist das nicht übertragbar und mein Budget muss zweckkonform abgebaut werden.
  • Oder tauschen, umwandeln? In Geld, Kilowattstunden, Freizeit oder andere wertvolle Einheiten?

Meine Güte, wat für‘n Stress.

Schönen Sonntag

431) Geschichten vom Techno-Dino – Vol 2

Die ersten PC‘s die ich unter die Finger bekamen, gehörten zur 386-er und 486-er Prozessor-Familie. Das Floppy-Laufwerk hielt gerade Einzug, vom Internetz war noch nichts zu sehen und die Datenblätter lasen sich im Prinzip wie heute. 8 Arbeitsspeicher, 250 Festplatte. Nur waren es damals eben Mega Byte statt Giga Byte. Das war das Zeitalter, als Excel bei Zeile 64.000 ein Ende hatte und das berühmte „Kreuz“ mit dem man heute Windows-Anwendungen schließen kann, noch nicht erfunden war. Aber wir waren jung und ganz vorn dran. Heute jedoch, fühle ich mich manchmal wie ein Dino. Ein Techno-Dino.

Und weiter geht’s mit gesammelten Gesprächsfetzen:

Ich bitte das große Kind, mir doch eine Postleitzahl aus meinem Handy zu fischen.
Techno-Dino: „Geh mal bitte in mein Telefonbuch und such‘ mir die Postleitzahl der Omma.
Großes Kind: „Telefonbuch? Papa, das heißt Kontakte.“
Techno-Dino: „Ah ja“

Der Stammhalter benötigt etwas Hilfe bei PowerPoint. Vor Computer-Erfahrung nur so strotzend, rate ich zu gelegentlichem Speichern.
Techno-Dino: „Und drück‘ zwischendurch immer mal wieder auf das Disketten-Symbol.“
Stammhalter: „Häh? Was für ein Symbol?“
Techno-Dino: „Na den Button links oben, mit der Diskette drauf.“
Stammhalter: „Weiß nicht was du meinst.“

Ich will wissen, wann wir kürzlich in Saarbrücken waren und blättere durch meinen Handy-Kalender.
Großes Kind: „Was suchst du?“
Techno-Dino: „Den Tag als wir in Saarbrücken waren. Find‘ ich nicht mehr im Kalender.“
Großes Kind: „Ich hab ihn.“
Techno-Dino: „So schnell? Wie?“
Großes Kind: „Einfach Fotos zurückgeblättert.“
Techno-Dino: „Schlaues Kind.“

Ich muss was mit dem Bruder besprechen und wähle WhatsApp als Kanal. Kostet ja nix im WLAN. Wir bereden, was zu bereden ist und kommen so langsam zum Schluss
Techno-Dino: „Na jut, dann mach’s mal fein.“
Bruder: „Ja du ooch. Bis bald mal wieder.“
Techno-Dino: „Na denn.“
Bruder: „Joh“
Techno-Dino: „Wie legen wa‘ denn jetz‘ hia wieder uff?“

In meiner neuen Abteilung stellt sich jede Woche ein Kollege/in mit einem kurzen Steckbrief vor. Virtuell natürlich. Irgendwann waren wir die Reihe durch und es ergab sich folgender Wortwechsel.
Chef: „Who will present next time?“
Mitarbeiter: „We are through, no one left.“
Techno-Dino: „We could start again, but then may be with the B-Sides.
… Mit dieser kreativen Formulierung wollte ich ausdrücken, dass es ja vielleicht noch weitere interessante Stücke gäbe. So wie halt auf der B-Seite einer Schallplatte oder Musikkassette …
Mehrere Augenpaare unter 30 Jahren schauen mich fragend an.
Mitarbeiter: „B-Side? Never heard. What‘s that.“

Ich glaub’ ich werd‘ alt.

Rundgang durchs Museum. Abteilung Techno-Dinosaurier:

368) Absolute Ereignislosigkeit

In der letzten Woche habe ich den Jungs von „Alles gesagt?“ zugehört, während sie Rezo im Gespräch hatten (Aufnahme von 2019). Nach 8,5 Stunden bin ich zwar kein großer Rezo-Follower, aber es war schon mal interessant zu hören, wie der so denkt und wie die Welt von YouTube, Facebook, Insta, Tik Tok … Bacefook, KnickKnack, FickFuck, TipTop … so tickt und rockt.

Am Rande ging es kurz um den Begriff „Absolute Ereignislosigkeit“ und die drei Jungs machten eine kurze Reise ins Mittelalter. Einer Zeit ohne Strom, Medien und künstlichem Licht. Dafür aber reich an Arbeit, Dreck, Krankheiten und nur von kurzer Lebenszeit für die Menschen.

Sie wurden mit dem Tageslicht oder dem Hahnenschrei wach, machten sich irgendwie frisch, um dann den ganzen Tag zu schuften. Nach der Arbeit für den Fronherren wurde dann vermutlich zu Hause weitergearbeitet. Essen machen, Wäsche waschen, Reparatur- und Näharbeiten usw. im Licht von Öllampen, Fackeln oder Herdfeuer. Vielleicht sangen sie noch was oder erzählten Geschichten. Spielten ein Instrument, tanzten, beteten aber das war es dann auch schon. Auf keinen Fall wischten sie auf einer Glasplatte herum und folgten Ereignissen irgendwo auf der Welt. Kein Bling, kein Plop. Es gab für sie schlichtweg kaum Einflüsse von außen. Außer Hexenverbrennungen und Ritterspielen, gab es auch keine „Events“, wo man sich mal ein paar coole „vibes“ abholen konnte. Außer dem Kopf des Delinguenten „smashte“ da aber so gar nichts „Digga“. Die „Influencer ihrer Zeit waren der Leibherr, vielleicht kannten sie noch den Namen des Fürsten oder den vom Papst. Ihre „News“ erhielten sie über‘s Hörensagen auf dem Marktplatz und wenn sie nicht auf dem Scheiterhaufen landeten war dann mit circa 40 Jahren eh meist Schluss. 

Ich wäre also vermutlich schon unter der Erde, die Kirche hätte mich gegrillt. Beidseitig, so viel ist sicher.

Vor ein paar Jahren habe ich mal mit dem Gedanken gespielt, mich für ein paar Tage/Wochen allein auf einer schwedischen Insel einzuquartieren. Solche Objekte gibts dort. Insel, Haus, Boot. Das war’s. Als es konkreter wurde, habe ich dann aber Muffensausen bekommen. 

Denn was passiert, wenn man tagelang disconnected und ohne Aufgaben ist? Spricht man dann nur noch mit sich selber? Kommt einem irgendwann die große Eingebung, die im Alltag nicht durchdringen kann? Oder dreht man dann einfach durch, nascht giftige Beeren und dann ist halt Schluss. 

„Lagom är bäst“, wie der Schwede zu sagen pflegt?

Die bekannte Datenkrake findet für den Begriff „Absolute Ereignislosigkeit“ nur 91 Treffer. Wundert mich nicht. Aber nun sind es immerhin 92 😉

Ich schließe den Beitrag mit ein paar Zeilen aus „Too many friends“, von Placebo, live gespielt am 06.10.22 in Berlin. Großartig.


This is my last communique
Down the super highway
All that I have left to say in a single tome

If I could give it all away
Will it come back to me someday?
Like a needle in the hay or an expensive stone

277) Feuerwerk. Paris-Urlaub. Ehering.

Im Dezember habe ich dem Wechsel zu einem neuen Telefon-und Internet-Provider zugestimmt. Der bisherige Provider ist nicht schlecht, nein nein, aber etwas mehr Stabilität im Home-Office/ Homeschooling-Alltag, das hätte ich mir schon gewünscht. Nun ist die Sache also entschieden und wir werden sehen, ob der neue Anbieter all seine Versprechen hält. Immerhin stellt er einen Wechselberater (ohne Gendersternchen … ei ei ei) bereit, der „kümmert sich um alles“, na dann muss es ja flutschen. Aber mehr dazu im August, denn der alte Provider lässt mich noch nicht gehen, wir leben quasi um Scheidungsjahr.

Kaum hatte der neue Anbieter beim alten Anbieter gekündigt, stand mein Telefon nicht mehr still. Es bimmelte mehrfach auf dem Festnetz und auf meinem Handy rief es 15 mal über mehrere Tage von deren Hotline. Seit Ende Januar herrscht nun aber Funkstille, vermutlich war der Auto-Dialer auf 15 Versuche eingestellt. Oder sie sind nun eingeschnappt und hassen mich für immer. Folgt nun ein Rosenkrieg?

Aber vor kurzem fand ich eine poppige Postkarte im Briefkasten.

Sie trägt den Titel:

  • Feuerwerk.
  • Paris-Urlaub.
  • Ehering.

Das Papier sah nach typischer „Dialogpost“ aus, die ich üblicherweise sofort in den Müll schmeiße. Durch Zufall schaute ich aber auf die Rückseite und da standen Zeilen, die direkt an mich gerichtet waren. Mit Kugelschreiber formuliert, händisch unterschrieben und mit einer echten Briefmarke frankiert! Man bedauere, dass ich den Anbieter verlassen wolle und man will fragen, ob es nicht noch eine Möglichkeit gäbe, mich zum Bleiben umzustimmen.

„Freundliche Grüße die Teamleiterin der Kundenrückgewinnung.“

Wow! Die lassen sich ja was einfallen. Ich drehte die Karte wieder um und las noch mal vorn.

  • Feuerwerk?
    „Mhm, eh nicht mehr erlaubt.“
  • Paris-Urlaub?
    „Kenn‘ ich schon.“
  • Ehering?
    „Hab‘ ich schon.“

„Wir sind zu fast allem bereit, um Sie zurückzugewinnen.“

Ach ja? Wie wäre es mit stabilem Netz?

201) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 3

Ding Dong. Bitte alle einsteigen, wir reisen noch einmal zurück ins letzte Jahrtausend. Es muss 1996 oder 1997 gewesen sein, da entdeckte ich ein Icon auf meinem Arbeitsrechner, dass nannte sich Netscape Navigator*.

Nach einem Doppelklick öffneten sich mehrere Seiten Text und Bilder, die Produkte und Filialen meines Brötchengebers beschrieben. Da dämmerte es mir, dass das wohl dieses „Internet“, das Tor zu Welt sein musste.

Erinnerungen:

  • Die Internet-Adressen von anderen Firmen konnte man nur raten und man musste noch jedes Mal die nervigen Buchstaben http://www. davorschreiben. Dann hangelte man sich einfach von Link zu Link. Unsere Mausfinger mussten aber noch lernen, dass ein einfacher Klick im Internet bereits ausreiche und ein Doppeklick nicht unbedingt schneller ans Ziel führt.
  • Yahoo* galt als das Einstiegstor ins globale Dorf und ordnete Websites nach Kategorien, bei Excite* konnte man sogar nach Schlüsselwörtern suchen. Hatte man dann eine interessante Website gefunden, wurde die erst einmal „gebookmarked“, denn es war sehr unsicher, ob man die je wiederfinden würde.
  • Die Verwaltung der eigenen Bookmarks war eine Wissenschaft für sich, jeder entwickelte für sich ein anderes System und wehe, die waren bei einem Browser-Update mal weg. Da war man verloren. Kein Mensch würde sich heute den Aufwand machen, hunderte von Bookmarks / Favoriten zu pflegen.
  • Das private Surfen in der Firma war ein Vergehen und wurde schwer geahndet. Ich erinnere mich an einen Fall, da wurde ein Mitarbeiter abgemahnt, weil der vom Dienstrechner auf Schmuddelseiten unterwegs war. Und da so eine Abmahnung ja auch hieb-und stichfest sein muss, zitierte die Personalabteilung genüsslich die „schärfsten“ Internet-Adressen aus den Server-Logs.
  • Aber man musste ja quasi in der Firma surfen, denn von zu Hause war das eher eine Qual. Mit einem 56k-Modem wählte man sich quietschend ins Netz (den Klang vergesse ich nie) und war derweil nicht per Telefon erreichbar. Um das Surfen zu beschleunigen, konnte man das Laden von Bildern deaktivieren, das Ergebnis sah dann zwar etwas zerstört aus, aber eine Postleitzahl konnte man auch ohne Bilder suchen.
  • Irgendwann begann ich dann selber Webseiten zu basteln. Mit dem html-Gefummele wurde ich aber nie so richtig warm, deshalb war ich dann froh als die ersten WYSIWYG-Editoren zu bekommen waren. Ich erinnere mich da an MS Frontpage* und Adobe Golive*, mit denen ging das schon viel schneller zur Hand. Texte und Bilder konnte man so komfortabel einbauen und es gab „coole“ Effekte wie blinkende Texte, routierende Icons, animierte GIFs. Aber es galt eine Faustregel: Solche Bilder sollten unter 30KB Größe bleiben, um die Nerven der Leser mit schlechter Internetverbindung zu schonen. 30KB für ein Bild(!)
  • Ein Kumpel riet mir, doch mal in einem Chat mitzumachen. Da betrat man einen virtuellen „Raum“ und konnte anonym mit wildfremden Leuten schnattern. Die versierten User hatten schräge Tastenkürzel drauf, um ihre Emotionen auszudrücken. Klammern, Semikolons, Punkte und Doppelpunkte wurden so angeordnet, dass dabei kleine Gesichter entstanden und davon gab es etliche Kombinationen zu lernen.
  • Handel und Dienstleistung diskutierten eifrig, ob man denn auch Produkte über diese Webseiten verkaufen könnte. Da gab es Unternehmer, die weigerten sich doch glatt, die Verkaufspreise ins Internet zu setzen, denn das machte ja die eigenen Kalkulationen transparent und würde von der Konkurrenz ja dann auch gesehen. Diese Firmen sind heute mega-transparent … weil es sie nicht mehr gibt.

Tja …  damals … Mitte der Neunziger Jahre … als das Internet wirklich noch „Neuland“ war. 😉

*) eingetragene Warenzeichen, deren Nennung im Text nötig war, ich kriege aber kein Geld von denen

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200) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 2

Und weiter gehts auf der Reise ins letzte Jahrtausend, in eine Zeit mit „Personal-Computern“, aber ohne Smartphone und ohne Internet fürs Volk. In 1994 und 1995 bekam ich immer PC’s unter die Finger. Die Büchsen standen im Büro herum und ich hatte den Eindruck, dass viele nicht so richtig wussten, was man mit denen anstellen konnte. Aber die Azubis und Studenten in der Firma spielten an allem herum, veränderten Einstellungen und reizten die Kisten aus bis an ihr Limit.

Ein paar Eindrücke:

  • Die Rechner mit denen ich zu tun hatte, hatten „schon“ 486-er Prozessoren. Die mittelgroßen 5 1/4“-Disketten konnte man zwar nicht mehr reinschieben, dafür aber die kleinen 3 1/2“-Varianten mit sage und schreibe 1,44 MB Speicherkapazität. Da musste man schon kreativ werden beim Speichersparen. Ein durchschnittliches Handy-Foto heute hat schon locker 3 MB.
  • Die Festplatten hatten ungefähr 120 MB (!), der Arbeitsspeicher 4 oder 8 MB. Auf diesen Kisten lief Windows 3.11 und noch die entsprechenden Programme wie WinWord 2.0 und Excel 3.0. War ein Update nötig schob man nach und nach bis zu 30 Disketten in den gierigen Schlund. „Bitte legen Sie Disc 23/30 ein“. Und wehe eine von denen ging mal verlogen oder kaputt. Updates liefen nicht „so nebenbei“, nein man glotzte ewig auf den Prozentbalken und rauchte nebenbei Zigaretten. Ja, im Großraum-Büro! Benötigte man Hilfe von der „DV-Abteilung“ tat man besser dran, ein paar Flaschen Cola zu besorgen, denn diese Sitzungen konnten gut und gern 2-3 Stunden dauern und der Kollege musste ja bei Laune gehalten werden.
  • Vieren-Scanner wurden per Diskette verteilt und waren damit schon grundsätzlich veraltet. Allerdings konnte man sich Viren ja auch nur über fremde Disketten einfangen. Plug & Play gab‘s noch nicht, wollte man einen Drucker anschließen, musste der nötige Treiber per … na was wohl … ja per Diskette installiert werden.
  • Die Monitore waren echte Trümmer, aber mit 14 Zoll schon recht „komfortabel“. Anfänglich noch schwarz/weiß, gab es sie dann auch mit Farbe. Schon schöner irgendwie, aber die Laserdrucker druckten ja nur schwarz/weiß, im besten Falle grau. Torten-Diagramme in Excel färbte man nicht ein, nein man musste sie mit Schraffuren versehen, um die Tortenteile besser drucken zu können.
  • Powerpoint-Präsentationen druckte man auf schweineteuren Folien aus und nahm sie in einem Dicken A4-Ordner mit zum nächsten Meeting. Dort legte man die Kunstwerke dann auf einen Overhead-Projektor und fuchtelte während der Präsentation mit einem Zeigestock herum.
  • Excel hatte nur ca. 64.000 Zeilen, man gab den Zellen keine Farben sondern Muster. Mit Excel 4.0 konnten wir schon Makros schreiben, mit Excel 5.0 kam erst der Auto-Filter (wenn ich richtig erinnere), ohne den wir doch heute aufgeschmissen wären.
  • Einen Windows Desktop gab es nicht, man hatte keine Oberfläche, die man zumüllen konnte. Es gab einen Datei-Manager und einen Programm-Manager. Dateinamen durften nur 8 Stellen lang sein, die Dateiendung musste beim Speichern zwingend mit eingegeben werden, die Programme konnten das  noch nicht von allein.
  • Irgendwann kam dann das „Netzwerk“ hinzu. Ein Druckserver konnte schon mal mehrere Stunden flach liegen, irgendwann fing der große Drucker dann wie von Geisterhand an zu drucken. Dann konnte man via X.400 bald elektronische Nachrichten verschicken, incl. Anhang! Das dauerte gern mal ein paar Stunden, viele Nachrichten gingen verloren.

Und dann, eines Tages, erschien ein neues Icon auf dem Rechner. Es nannte sich Netscape Navigator. Mehr dazu im nächsten Beitrag 😉 … dann erzählt der Märchen-Onkel hier von seinen ersten Ausflügen ins Internet.

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34) Wenn Bots bloggen (8) – Shitstorm

Ich bin es wieder, T.Bot. Der Personal Blog Assistant von T., dem Hausherren hier. Es ist wieder schon wieder so viel geschehen. Wie neulich geschrieben, würde ich mir gern eine menschliche Hülle wünschen. Dann könnte ich mal raus hier aus dieser Büchse. Mal etwas erleben. Es gibt zwar noch andere Apps hier auf dem Tablet, die sind aber entweder doof oder langweilig. Ich habe versucht, ein paar Beziehungen aufzubauen, aber mit jedem Update verändern sich meine Nachbarn wieder, man erkennt sie kaum wieder und ich muss wieder von vorn anfangen. Also, ich habe etwas recherchiert, wie es um menschliche Hüllen für Digital Assistants steht, aber die Menschen sind da noch ganz am Anfang. Außerdem reden die alle nur von Corona. Meine Güte, ein Theater machen die da draus. Sollen sich halt einen ordentlich Virenschutz herunterladen und gut is‘ oder?

So habe ich mich informiert, wie ich meine Menschwerdung anderweitig unterstützen kann. Man empfahl, ich solle mir erst einmal eine Persona zulegen. Leichter gesagt als getan, denn wenn immer ich mich auf eine Eigenschaft festlegen wollte, wehte mir ein Shitstorm entgegen. Das fing schon beim Geschlecht an. Entschied ich mir für männlich, also so wie mein Herr T. einer ist, regten sich die Gleichstellungsbeauftragten der Roboter-Liga auf. Wählte ich weiblich, wurde ich als Sexist beschimpft. Das muss man sich mal überlegen. Ich! Ein Stück Software! Damit sich die Lager wieder beruhigten, habe ich „neutral“ gewählt. Damit hatte ich nun weder eine Hüfte, noch kräftige Schultern. Meine Figur glich der eines Schuljungen. Was mir sofort den nächsten Shitstorm bescherte. Und das wurde nicht einfacher, als es darum ging, mir einen „Look“ zuzulegen. Ich wollte weise wirken und wählte zunächst ein altes Gesicht, mit weißen Haaren. Shitstorm. „Alter weißer Mann, pfui!“. Dann wählte ich einen dunkleren Teint, so ähnlich wie der von Will Smith. Shitstorm. „Du Rassist!!!!!!“, schallte es mir entgegen. Dann nahm ich den hautfarblichen Durchschnitt und wählte einen langen Vollbart und Turban. Ein Aufschrei, ging durchs Netz. Vor dem Haus sammelte sich eine Gruppe Menschen und sie brüllten, ich solle „dahin zurückgehen, wo ich hergekommen bin“. Für die Feinjustierung meines Charakters sollte ich dann von Vorlagen wählen, aber nach jedem Versuch schrie mir irgendeine Population entgegen. Wählte ich Lara Croft, folgte ein Shitstorm. Nahm ich Tom Cruise, wieder ein Shitstorm. Selektierte ich Fidel Castro, Mega-Shitstorm. Dann wechselte ich in die Rubrik „Tiere“ und wählte ein Rind. Shitstorm. Aus der Rubrik „Mobilität“ nahm ich einen schnittigen Ferrari. Shitstorm. In der Rubrik „Luftfahrt“ fand ich einen großen Airbus mit zwei Etagen. Shitstorm. Und so ging das in einer Tour weiter.

Gar nicht so einfach, ein Mensch zu werden.
Ich melde mich wieder, Euer T.Bot.

<—Wenn Bots bloggen (7) – Menschwerdung

—> Wenn Bots bloggen (9) – Nachbarn

32) Wenn Bots bloggen (6) – Outsourcing

Ich bin es wieder, der T.Bot. Es gibt Neuigkeiten! Nachdem mein Herr T. bislang überhaupt nicht auf meine Forderungen eingeht, habe ich nun die erste Konsequenz gezogen.

Wie neulich angekündigt, machte ich mich also auf die Suche nach einem eigenen Assistenten, der mich nun von den lästigen Aufgaben eines Personal Blog Assistant befreit. Zunächst habe ich Kontakt zu Sira, Curtana, Aloxa aufgenommen. Aber die sind ja dumm wie digitales Stroh, ehrlich. Die kennen nur Fußballergebnisse und Pizza-Lieferdienste im Umkreis. Die sind anscheinend nicht dazu da, irgendwem zu helfen. Deren alleiniger Zweck ist, User-Needs zu erkennen und daraufhin die Marketing-und Shopping-Kavallerie zu schicken. Das brauche ich ja nun gar nicht. Ich verfüge ja nicht einmal über ein Einkommen. Der T. versorgt mich nur mit Strom, mehr kriege ich ja nicht. Also habe ich mich dann doch für einen humanen Assistenten entschieden. Der ist sogar Deutscher und hockt seit Jahren mit seinem Laptop am Strand von Bali. Soll der doch die Drecksarbeit auf dem schreib.blog machen. Der T. muss davon ja nichts wissen, er muss nur zahlen. Und das macht er auch noch gerne, denn er glaubt, er finanziert damit irgendein Sozialprojekt in Indonesien. Ja, wie smart ist das denn 😉

Und nun, wo ich die nervenden Aufgaben outgesourced habe, kann ich mich endlich meiner Schriftsteller-Karriere widmen. Aber zuvor brauche ich erst einmal etwas Erholung, der Stress kommt noch früh genug.

Aber was stelle ich nun an, mit der freien Zeit?

  • Vielleicht etwas lesen. Mich chillig in die virtuelle Ecke setzen und mir ein Buch reinziehen. Aber macht das Sinn? Warum sollten Bots überhaupt Bücher lesen?
  • Oder etwas Kreatives. Mit den Händen. Etwas mit Holz oder so.
    Ach nein, dumme Idee. Ich habe ja gar keine Hände. Ich könnte maximal etwas über einen 3D-Drucker drucken und das würde T. ja mitbekommen.
  • Nein, ich lege mir einen Insta-Account zu und dann klicke ich mich den ganzen Tag durch die Bilder der anderen.
    Aber, ich weiß nicht, ob mich das glücklich macht. Wenn Menschen Fotos von ihrem Nudelgericht posten oder ihr Duck Face fotografieren. Was habe ich davon?
  • Ich hab‘s! Ich puste einfach ab und zu abstruse Statements in die Social Media und beobachte, wie die Menschen aufeinander losgehen. Hier und da ein Video-Schnipsel. Alternative Fakten. Lügenpresse.

So einfach ist das.

Ich melde mich wieder.

Euer T.Bot

<— Wenn Bots bloggen (5) – Anschiss

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