141) Postkarte von der See – 2

Ein bisschen was arbeiten, ein bisschen Himmelfahrt und viel Tapetenwechsel. Das waren die Gründe für meinen Kurztrip ins Rostocker Umland. Und vielleicht auch einen Vorgeschmack kriegen auf die große Fahrt, die bald ansteht. Die Ecke hier ist mir nicht ganz unbekannt, aber es gibt doch immer wieder neues zu entdecken und natürlich auch die ein oder andere Skurrilität zu „knipsen“.

Los geht‘s:

In Wilhelmshöhe gibt‘s steile Küste und Brötchen mit Timmy. So war es zumindest war es die „hope“ und schon ausgeschrieben und bepreist. Nun aber haben sie ihn vertrieben und es gibt halt dann doch wieder nur Matjes und Bismarck. Na gut.

Die nächsten drei sind überhaupt nicht skurril, sie sind einfach nur da und für mich der Inbegriff von Oststee. Krüppelkiefern, Buchen, Steilküste, Sand und Dünen. Hoffentlich bleibt es noch lange erhalten und wird nicht irgendwann komplett vom Wasser weggerissen,

In Nienhagen ist der Strand schon recht schmal …

… da muss man kreativ werden und dann führt der Schulweg und die Techno-Parade eben über den FKK-Strand. Na und? Warum nicht?

Zu Himmelfahrt fuhr ich mal „in den Westen“. Für Kinder in der DDR war es noch nie verständlich, warum es im Westen auch eine Ostsee gibt. Das wollte ich mir mal genauer anschauen und in der Tat, die haben da auch eine Ostsee. Und es scheint sogar wirklich dieselbe zu sein. Verrückt.

In Priwall kann man sich noch einen Eindruck vom ehemaligen Grenzverlauf verschaffen. Heute merkt man es an der Stelle nur, weil der Straßenbelag auf einmal wechselt und Gedenkstein, Informationstafel und Wachturm an die ehemalige Grenze erinnern.

Aber wenige Meter später schon, in der Kleingartenanlage, merkt man, dass man eben nicht mehr in Mecklenburg-Vorpommern ist. Das ist schon offensichtlich, es ist eben doch nicht nur der Straßenbelag. Spätestens in Travemünde hat’s man dann kapiert. Travemünde war mir ein bisschen „too much drüber“. Zu geordnet, zu versiegelt … zu kommerziell und zu „versylted“. Pappiges, phantasieloses Fischbrötchen bei Gosch für‘n „Fünfer“ … nee Leute, da sollte ich am Nachmittag noch ein viel besseres bekommen.

In Timmendorfer Strand ging es etwas beschaulicher zu, aber auch dort viel zu viel Sonnenbrille, Halstuch und Stepp-Jacke und die ein oder andere Bausünde. Und man muss schon aufpassen, dass nicht ein U-Boot unter einem auftaucht in diesen Tagen.

Auf dem Rückweg stoppte ich kurz auf der Insel Poel. Lange her, dass ich mal hier war. Viel weniger Pomp und Steppjacke, dafür aber „best Fischbrötchen of the day“ für 3,50 und auch Transformation und Innovation kommen langsam hier oben an.

Vor Ort fand ich dann diese schmuckvollen Wandgestaltung. Ich habe sie in zweifacher Ausfertigung hochgeladen.

Urlaub 1986: „Michaeeeeel, Manueeeeeeela, ihr habt schon janz blaue Lüppen, Mensch. Macht mal Pause, et jibt gleich Mittach … zieht euch wat drüber und dann Abmarsch!“

Urlaub 2026: … nur 40 Jahre später

„Jeeeeeeeson, Schanaaaaaaaaja, wat hab‘t dann‘da? Nehmt dit bloß nich‘ in‘n Mund. Und passt uff dit Ei-Fon uff, damit da ja keen Sand rinkommen tut. Dit wa‘ teuer Mensch. Und hab‘t da euch ooch orjentlich einjekremt? Wegen die Sonne, vasteht‘da? Hab’t da schon Hunga? Ick meine, müssen wa‘ oooch nich‘. Wollten nur mal frag’n. Oder soll’n wa wat bestellen vielleicht? Müssen wa aba ooch nich‘. Könn‘ ooch wat selber machen, vielleicht …. ick meine nur wenna wollt … wir könn‘ ooch …“

Zum Ende noch ein paar Schnappschüsse aus Warnemünde und dann soll es auch mal gut sein.

Schön war‘s … bis zum nächsten Mal.

24) Kurzstrecke

Verlassen wir das in Berlin schwer belastete Themenfeld des Rad-Verkehrs für den Moment. Kommen wir noch einmal zum ÖNPV, diesmal geht es mir aber weniger um die oft sehr egoistischen Nutzer, sondern eher um die Betreiber selbst. Die BVG ist zwar ganz vorn dabei, wenn es um markige Sprüche und hippe Marketing-Videos geht, aber der Alltag gestaltet sich manchmal ganz un-hipp. Nach einem Stadtbummel zu zweit, waren uns die Füße zu müde und wir beschlossen, die letzte Strecke mit dem Bus zu fahren. Also gingen wir in Richtung nächster Bus-Haltestelle. Auf dem Weg dorthin kaufte ich mit der BVG-App schon mal ein Kurzstrecken-Ticket. Ich hatte gehört, dass man das besser ein paar Minuten vor dem Einsteigen machen sollte, um Stress mit Kontrolleuren zu vermeiden. Gut. Gar kein Problem. Das war exakt 19:19 Uhr. Als wir auf die Haltestelle zuliefen, schloss ein Bus gerade die Türen und machte sich auf seinen Weg. Das war ca. 19:23 Uhr. Kein Problem, nehmen wir halt den nächsten Bus. Wir hatten ja Zeit. Der nächste Bus sollte 10 Minuten später abgehen, also ca. 19:33 Uhr. Zunächst passiert eine Weile gar nichts, dann entfiel der Bus komplett. Der nächste gelbe Schlenki war für 19:43 Uhr angezeigt. Auch kein Problem. Um ca. 19:43 Uhr hielt der Bus vor uns und öffnete zischend die Türen. Ich zückte mein Handy und drückte den Button „aktuelle Tickets“. Doch das soeben gekaute Ticket verschwand auf einmal und ich stand etwas sprachlos vor dem Fahrer. So, als gehörte ich zu den Nutzern, die erst dann ein Ticket kaufen, wenn der „Konti“ schon in der Tür steht. Zunächst dachte ich, meine App spinnt oder ich bin einfach zu doof, mein Handy zu bedienen. Um die Situation schnell zu klären, kaufte ich mit ein paar Münzen eine zweite Kurzstrecke. Auf der Fahrt beschäftige ich mich mit der BVG-App und siehe da, mein Ticket war noch da, aber in den Ordner der „abgelaufenen“ Tickets verschoben worden. Exakt um 19:39 Uhr. Also genau 20 Minuten nach Kauf. Ehrlich gesagt, habe ich nie gewusst, dass eine Kurzstrecke an den unmittelbaren Fahrtantritt gebunden ist und ich bezweifele, ob das für die Papier-Varianten auch gilt. Ich gehe in Gedanken meine BVG-Karriere zurück und kann mich nicht daran erinnern, jemals Stress mit einer Kurzstrecken-Karte gehabt zu haben. Liebe BVG, wenn Ihr mit eurer App eure Kosten optimiert, in dem Ihr zunehmend auf Automaten und Kassen verzichtet, dann sollte das Ganze auch funktionieren! Erst Recht, wenn ich alles „richtig“ gemacht habe und eurer Bus ausfällt. Wären wir doch gleich gelaufen oder hätten einen Fahrausweis „Normal“ für zwei Stunden gezogen. Selbst dann, wäre ich deutlich günstiger gefahren als mit zwei Kurzstrecken. Grmpf.