794) Big Brother Is Driving You … Crazy

Der Mietwagen, den wir aktuell in Irland haben, stammt aus dem Reich der Mitte. Ja, ich kann bestätigen. Mittlerweile können die auch gute Autos bauen. Sidekick nach Wolfsburg.

Der ist vollgepropft mit Technik und allerlei Klimbim. Das „normale“ Licht habe ich bis heute allerdings nicht gefunden. Dafür steckt in der Mitte ein Tablet, fast so groß wie ein Backblech, und das Fahrzeug kommt diktatorisch-bevormundend daher. Kaum nähere ich mich einer Linie, greift das Regime ein und boxt mich zurück in die Spur. Wer schon einmal in Irland war, weiß, wie schmal die Fahrstreifen hier sind. Man wird quasi permanent geboxt.

Dass ich ein Problem mit Oberlehrer-Ton habe, habe ich sicher schon einmal geschrieben. Ganz besonders, wenn er von Autos kommt.

Jedes Mal, wenn ich nur mal kurz nach links oder rechts auf die Felder schaue, bimmelt das Ding dreimal und meint, ich solle mich auf den Verkehr fokussieren. Halt die Klappe. Deshalb bin ich doch hier.

Heute schrieb das Ding nach 15 Minuten Fahrt ins Display, ich wirke müde und eine Pause wäre angebracht. Alter. Ich sehe halt so aus.

Also Leute, ich meine: ABS, ESP, Abstandswarner, Spurhalteassistent, Sicherheitsgurt-Erinnerung und Totwinkelwarnung, alles gute Erfindungen. Keine Frage.

Aber dass mich eine Kamera überwacht und daraus Schlüsse zieht, ist nicht okay. Irgendwann zeigen mehr Sensoren nach innen als nach außen. 

Was kommt denn als Nächstes?

„Sie wiegen 500 Gramm mehr als gestern zum Ende der Fahrt. War das etwa ein Bier oder ist es eine Verstopfung?“

„Ihre Temperatur ist leicht erhöht. Fahren Sie den nächsten Checkpoint an. Navigation wird gestartet.“

„Eine Veränderung der Mundwinkel wurde festgestellt. Humor-Prognose ausgelöst. Hörbuch wird abgeschaltet.“

„Bereits drei Schimpfwörter in fünf Minuten artikuliert. Mäßigen Sie sich.“

„Den Blinker kann man auch mit dem Zeigefinger bedienen. Nicht mit dem ausgestreckten Mittelfinger.“

„Kurzzeitige Überschreitung des Tempolimits erwogen. 30 Euro und zwei Punkte in Flensburg.“

„Finger aus der Nase. Und auch aus dem Ohr. Und Salami-Brötchen kann auch warten!“

„Erhöhte Geschwindigkeit festgestellt. Musik wird auf Beethoven gewechselt.“

„Trinken aus Wasserflasche registriert. Verwenden Sie stattdessen Infusio-1000, oben rein, unten raus. Mit 1:1 Kreislauf.“

„Sie haben heute 90 Prozent der Entscheidungen selbst getroffen. Risikozuschlag bei der Versicherung gemeldet.“

Oh shit. Jetzt, wo ich das veröffentlicht habe, merke ich, dass das ein Fehler war. Vermutlich wird nun irgendeine KI, irgendeinem Auto-Designer vorschlagen.

Sorry, Leute …

PS: Titelbild via KI … anders geht‘s nicht.


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4 Kommentare zu „794) Big Brother Is Driving You … Crazy

    1. Ich merk schon, du bist ein Profi aus der Autobranche 😉
      Mir kam das auch schon irgendwie komisch vor… Aber wenn die Technik dann alles macht, können wir uns auch mal rückwärts setzen … wenn wir morgen es mitmacht

  1. Das Bild ist Klasse. Der Fahrer sitzt nicht nur „falsch“-rum, sondern auch zwischen Armaturenbrett (was für ein Name für die heutigen Hyper-cockpits) und Lenkrad.
    Seit kurzem achtet auch so ein neues Fahrzeug (nicht China, sondern Südkorea, hergestellt in einem EU-Land) auf meine Aufmerksamkeit, nicht mit Gequatsche, aber mit einem deutlichen Geblimmel und einem flackernden Auge im Fahrerdisplay…. und es wirkt: ich gucke weniger umher. Das augenflackernde Geblimmel ist auf meine alten Tage schon weniger geworden.

    1. „falsch“ wird einfach neu gedacht und ist fortan „richtig“ so hat es den Eindruck, oder??

      Gut, dass du kein Nordkoreaner gekauft hast, sonst müsstest du auch noch stramm stehen, singen und winken 😉

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