23) Zeitumstellung auf Korfu

Habe ich nicht kürzlich erst darüber geschrieben, wie nervig es ist, die Zeit unserer analogen Geräte von Hand für den Winter umzustellen? Habe ich darin nicht gelobt, dass das all die smarten Geräte ganz selbständig machen? Ja, habe ich. Und zwar hier zum NACHLESEN.

Warum nun noch ein Beitrag dazu? Ganz einfach. Aber der Reihe nach:

Samstag 27.10.2018:

  1. 19:00 Uhr: Wir sind beim Abendessen und sprechen darüber, dass in der folgenden Nacht die Uhren umgestellt werden. Zumindest in Deutschland. 
  2. 19:02 Uhr: Uns trifft es aber nicht, denn wir sind in Griechenland. Wir müssen halt bei Rückkehr einfach nur zwei Stunden statt einer Stunde zurückstellen. Punkt. Thema beendet.

Sonntag 28.10.2018:

  1. Ich werde kurz wach, öffne ein Auge und sehe, dass es schon hell ist. Na klar, die Klo-Tür steht offen, es dringt Tageslicht ins verdunkelte Zimmer. Deshalb ist es hier so hell. Mir egal, meine Frau und die Kids schlafen noch. Augen wieder zu.
  2. 08:13 Uhr: Ich schaue auf die Uhr meines Handy und raffe mich dann doch mal auf. Eine innere Unruhe treibt mich an. Meine Frau liegt neben mir und liest ein Buch. Die Kids schlafen aber noch. Alles schön friedlich hier, so muss ein Sonntag sein. Ich gehe derweil mal duschen und höre übers WLAN mein Berliner Radio. Da hat sich aber nicht viel verändert. Die üblichen Baustellen, eine Straßensperrung und eben die Zeitumstellung in Deutschland. Wie zu erwarten. Weit weg.
  3. 09:00 Uhr: Mit Blick auf meine Handy-Uhr treibe ich die Herde zum Frühstück, ich habe Hunger. Mein Sohn auch. Das ist eigentlich ungewöhnlich, aber irgendwie auch wieder logisch. Er hat wenig gegessen am letzten Abend.
  4. 09:05 Uhr: Auf dem Weg zum Restaurant fällt mir auf, wie angenehm warm es schon ist. Da haben wir wohl echt Glück für die letzten beiden Tage hier auf Korfu.
  5. 10:30 Uhr: Wir starten ein paar Runden Tischtennis und Billard. Viel mehr gibt es auch nicht mehr im Angebot hier. Die Hotel-Anlage ist wie ausgestorben, man geht auf das Saison-Ende zu. Es wirkt, als wären alle anderen Gäste in eine andere Zeit gereist und hätten uns hier vergessen.
  6. 12:00 Uhr: ich schaue wirder auf die  Handy-Uhr und bin erstaunt, dass schon wieder „Lunch time“ ist. Wieder treibe ich die Sippe an, denn wir wollten am Nachmittag Korfu’s Norden erkunden.
  7. 13:00 Uhr: Letzter Blick auf mein Handy, wir verlassen den Hotel-Parkplatz in Richtung Norden
  8. 14:20 Uhr: Ich schaue auf den Tacho des Fiats und die kleine rote Uhr darunter. Häähhh? Wie geht das denn? Wir sind doch gerade erst losgefahren. Wie kann es schon 14:20 Uhr sein? Gab’s hier etwa doch eine Zeitumstellung? Nein, das kann ja gar nicht sein. Die Uhr im Fiat ist ja „weiter“ als alle unsere anderen Handy-Uhren und zum Winter wird doch immer „zurück“ gestellt. Na ja, ist halt ein Fiat… Egal. Wir fahren weiter. Wir lassen uns die Zeit nicht von einem kleinen Fiat diktieren!
  9. 15:00 Uhr im Tacho: Wir durchfahren Korfu-Stadt und haben noch ein ganzes Stück Fahrt vor uns. Aber egal, es ist ja erst 14:00 Uhr. Also haben wir genügend Zeit.
  10. 16:00 Uhr im Tacho: Wir kämpfen uns mit dem kleinen Auto auf den höchsten Berg Korfus hinauf. Es wird dunkler. Ein Unwetter zieht auf , das wird der Grund sein.
  11. 16:10 Uhr im Tacho: Wir brechen die Befahrung des „Pantokrator“ kurz vor dem Gipfel ab. Die Sache wird uns zu heikel. Nebel, Sturm und wackelnde Bäume lassen Vernunft und Verantwortung siegen. Wir beschließen, zurück zu fahren. Läuft alles nach Plan, sind wir in knapp 90 Minuten zurück im Hotel und können die Beine lang machen.
  12. 17:30 Uhr im Tacho: Wir biegen zum Hotel links ab und wundern uns über die Lichter in der Einfahrt. Wie kann das sein, es ist doch erst 16:30 Uhr? Egal. Geschafft von all den Serpentinen, freuen wir uns alle auf zwei Stunden individuelle „Chill-Out-Time“. Irgendwie sind wir alle ganz schön platt von der Fahrt. Kein Wunder, ist halt ein kleiner Fiat.
  13. 18:30 Uhr: Ich schaue wieder auf mein Handy und bemerke, dass es anscheinend schon wieder Zeit fürs „Dinner“ ist. 
  14. 18:31 Uhr: Meine Frau antwortet, dass es draußen auch schon stockdunkel ist.
  15. 18:32 Uhr: Wir fragen uns alle, warum sich die Chill-Out-Time so kurz anfühlte und gehen zum Essen.
  16. 20:30 Uhr: Ich fange an, diesen Beitrag zu schreiben.
  17. 21:30 Uhr: Es wird plötzlich sehr ruhig im Zimmer, die Kids reiben sich schon die Augen. Was ist nur los hier?? Ich fühle mich auf einmal wie zurück in die deutsche Zeit versetzt. Aber welche deutsche Zeit? Die von vor der Abreise? Die Zeit von gestern?  Oder die deutsche Zeit von heute? Oh je….

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3) Postkarte aus Singapur 1

Auch in Singapur kann man skurrile Dinge entdecken. Aber zunächst fliegt man sehr lange über Wasser und fragt sich besser nicht alle 5 Minuten, ob man bald da ist. Ist man dann endlich angekommen, trifft man auf ein super ausgebautes Nahverkehrsnetz, beeindruckende Architektur und „sattes Grün“ wohin das Auge auch nur reicht. Gärten gibt es nicht nur auf der Erde, sondern auch auf Dächern oder hängend an Häuserwänden. Es wirkt manchmal, als wolle die Natur die Stadt zurückerobern.

53EFC015-DD4D-41FA-BE7C-D73D1E42E93A In Singapur kostet alles sein Geld, die Stadt ist aber sauber und sehr sicher. Essen kann man an jeder Straßenecke in bester Qualität. Den besten Ausblick hat man von Dach und Pool des Marina Bay Sands.

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Wenn man es etwas traditioneller mag, dann besucht man China Town oder Little India. Ich habe Indien noch nie so sauber und diszipliniert erlebt, wie in Singapur. In Little India gab es sogar Ampeln und alle Inder haben sich daran gehalten. Keiner hat auf die Straße gespuckt, keiner seinen Müll abgeladen.

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Der kleine Stadtstaat hat anscheinend sogar eine eigene Armee und dankt den Soldaten für ihren Dienst am Vaterland auf ungewöhnliche Weise.

IMG_0679Schon immer beeinflussten berühmte Persönlichkeiten die Stadt Singapur und brachten ihre Kultur von zu Hause mit auf denen kleinen Zipfel südlich von Malaysia. Wobei „good drinking“ auch ganz schön kostspielig werden kann.

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Knapp 6 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche so groß wie Hamburg und es gibt kaum einen Tag, wo das Thermometer nicht die 30 Grad übersteigt. Singapur ist auf jeden Fall eine eigenständige Reise oder mehrtägige Zwischenlandung wert.

Wer war schon da und hat etwas zu erzählen?
Vielleicht einen Geheim-Tipp für’s nächste Mal?
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2) Postkarte aus Bengaluru 1

Beginnen wir diese Kategorie der „Postkarten“ mit Bengaluru (früher Bangalore). Die Stadt im Süden Indiens hat knapp 10 Mio Einwohner und gehört damit zu den 5 größten Städten Indiens. Ursprünglich mit Luft-und Raumfahrt groß geworden, gilt sie nun als das IT-Dienstleistungszentrum in Indien und darüber hinaus. Im Süden der Stadt hat man eine „Electronic City“ aus dem trockenen Boden gestampft. Alle großen Welt-Konzerne betreiben hier ihre Software-Schmieden und Offshoring-Center. Neben den gläsernen Wolkenkratzern wurden auch Wohntürme hochgezogen. Ob die aber alle bewohnt sind, kann ich gar nicht sagen. Die Kollegen, mit denen ich zu tun hatte, pendeln jeden Tag mit dem Auto ins Office.

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Der Verkehr ist der Wahnsinn. Für die Fahrt vom Hotel (Süden) zurück zum Flughafen (Osten) habe ich an einem Samstag Nachmittag 3 Stunden mit dem Taxi benötigt und fast noch meinen Flieger verpasst. Heavy traffic nennt sich das hier und ist völlig normal.

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Der Verkehr hört auch nie auf. Da man in Bengaluru für alle Zeitzonen der Welt arbeitet, herrscht teilweise 3-Schichtbetrieb in den Call-Center-Türmen. Die Menschen kommen und gehen permanent. Oft kommen sie wegen des Verkehrs zu spät zur Arbeit. Daher ist angeblich eine bekannte IT-Firma auf die Idee gekommen, große Trucks mit Computer-Arbeitsplätzen auszustatten und zu den Mitarbeitern in die Wohn-Quartiere zu fahren. Eine völlig neue Form von „home office“. Verrückt.

 

1) Postkarten-Intro

Postkarten aus dem Urlaub zu verschicken, ist eigentlich ein schöner Brauch. Die Postkarte lässt Familie und Freunde in der Heimat an der „Ferne“ teilhaben und vermittelt einen Eindruck, wie es da vor Ort so aussieht. Zusätzlich generiert diese Gepflogenheit auch einen klaren Arbeitsauftrag an die Eltern. Es ist gut, wenn „die Alten“ im Urlaub etwas zu tun haben. Karten müssen gekauft, mit Briefmarken beklebt und halbwegs sinnvoll beschrieben werden. Stellt man sich nicht ganz blöd an, kann man die Texte auch von bereits geschriebenen Karten kopieren. Die Adressaten sollten sich aber normalerweise nicht über den Weg laufen, um Verstimmungen zu vermeiden. Für die schreibfaulen Urlauber gibt es auch Postkarten zum Ankreuzen und es soll sogar schon Online-Dienste geben, die das Kartenschreiben übernehmen. Doch wie steht es um die Zukunft der Postkarte? Wird sie gegen WhatsApp, Facebook und Instagram bestehen können? Vermutlich kann sie das nicht oder zumindest nicht mehr in dem Umfang der Jahre vor den Smart Phones. Wir schreiben ja selber auch immer weniger Karten, sondern bombardieren die Lieben daheim gern mit Fotos über WhatsApp. Es kostet quasi nichts, man hat unbegrenzt Platz und einen unerschöpflichen Vorrat an Emoticons zur Hand, mit denen man seine Nachricht schmücken kann. Und was hat das nun mit dem Blog hier zu tun? Ganz einfach. Von Zeit zu Zeit werde ich hier mal ein paar digitale Postkarten und Eindrücke veröffentlichen. Keine Sorge… es werden keine Selfies in Badehose sein. Auch keine Bilder von Eisbechern, Pizzas oder Eimern voll Sangria. Auch keine Hochglanz-Bilder wie sie die Touristik-Ministerien gern so hätten. Stattdessen möchte ich skurrile und doppeldeutige Bilder auswählen. Vielleicht auch mal makabere oder schockierende Schnappschüsse, die zum Nachdenken einladen. Mal sehen was draus wird und was die Motive so hergeben. Dabei ist mir der zeitliche Bezug nicht so wichtig. Es können Eindrücke aus der Vergangenheit sein, ganz aktuelle Bilder von einer laufenden Reise oder vielleicht auch mal eine Karte aus der Zukunft. Gibt es das eigentlich schon?

 

14) Schlüsselfragen

Nachdem ich meinen Rückflug nun doch noch geschafft hatte, schien Hermes, der Gott der Kaufleute und Reisenden, wieder auf meiner Seite zu sein. Er überhäufte mich mit Glück. Beim Boarding war ich sehr schnell in der Kabine, mein Sitzplatz befand sich in der Reihe am Notausgang und sogar der Mittelplatz neben mir blieb frei. Also hatte ich Platz ohne Ende. Der Akku meines Tablets war voll geladen und meine Mediathek enthielt noch viele ungesehene Folgen des Welt-Spiegels. Großartig. Eine Stunde Zeit nur für mich. Gegen 20:30 Uhr schlugen wir in Berlin auf, die Taxis warteten förmlich auf uns. Eine Seltenheit. Der Fahrer eilte durch die Stadt und während der Fahrt dache ich drüber nach, wie ich mir den verbleibenden Abend noch nett machen konnte. Es würde niemand zu Hause sein, die Damen machten „Kultur“ und Sohnemann schlief bei den Großeltern. Die Couch gehörte also mir. Alles lief wie geschmiert und kurz vor 21:00 Uhr stand ich schon unten vor der Haus-Tür. Ich öffnete die Seitentasche des Koffers und zog den…den…Schlüss… . Verdammt, wo ist mein Schlüssel? Der ist doch immer in dieser kleinen Tasche, wenn ich reise. Mehrfach durchwühlte ich alles, aber da war kein Schlüssel. Um den Abend noch halbwegs zu retten, rief ich bei den Schwiegereltern an, denn da sollte noch ein Schlüssel von uns am Brett hängen. Bingo. Also zog ich mit meinem Roll-Koffer los zur Tram. Während der kurzen Fahrt rekapitulierte ich den Tag. Wo war ich? Wann war ich an der Seitentasche zu Gange? Morgens hatte ich den Schirm aus dieser Tasche geholt und gegen Mittag auch mal meine Brieftasche. Kann der Schlüssel dabei herausgefallen sein? Was kostet eigentlich heutzutage so ein neuer Schlüssel? Kann ich da einfach so zum Schlosser gehen oder braucht man da ein Zertifikat von dem Original-Schlüssel? Macht es Sinn vielleicht gleich drei Schlüssel anzufertigen? Nach dem ich meinem Sohn bei den Schwiegereltern gute Nacht gesagt hatte, machte ich mich mit dem Ersatzschlüssel wieder auf den Heimweg. Ich beschloss, alle Überlegungen einzustellen und erst einmal den Abend zu genießen. Das Schlüssel-Problem würde sich in den nächsten Tagen schon irgendwie auflösen. Endlich zu Hause angekommen, sah ich meinen Schlüssel friedlich am Haken hängen. Als wäre der nie weg gewesen. Wie kann das sein? Wie habe ich ohne Schlüssel das Haus verlassen? Es ist doch seit Jahren eine fließende Bewegung, wenn ich die Wohnung verlasse. Und da fiel es mir ein. Am Morgen zuvor, checkte ich noch einmal die Taxi-App nach dem Verbleib meines bestellten Taxis. Doch die App meldete nur „Sie haben keine Vorbestellungen“. Daraufhin flitze ich ins Bad und warf einen Blick auf die Straße. Da stand aber ein Taxi und schien zu warten. Auf mich? Auf jemand anderen? Egal, jetzt aber ganz schnell runter und ab zum Flughafen, bevor es weg ist. Rumms…Tür zu.                                          

Frühere Beiträge zum Thema Reisen:

13) Verspätung erwünscht

Punkt 16:30 Uhr verließ ich das Projektbüro, mein Rückflug sollte 19:00 Uhr abheben. Es war genug Zeit und sogar ein kleiner Puffer war enthalten. Gegen 16:40 Uhr erreichte ich die Haltestelle des Flughafen-Bus, der mich normalerweise in ca. 40 Minuten zum Flughafen München bringt. Diesmal standen bereits 15 Menschen dort an der Bordsteinkante. Oh, oh, Da stimmte etwas nicht. Ich stellte mich dazu. Um mich herum wurde viel diskutiert und auch die Kassiererin wirkte etwas überfordert. Ein Bus war wohl schon ausgefallen, der nächste war erst am Hauptbahnhof. Noch standen mir alle Optionen offen, also verlies ich die Schlange und tauchte in der U-Bahn ab. Laut MVG-App konnte ich zwischen der S1 und der S8 wählen. Die S1 würde zwar länger brauchen, dafür aber etwas eher, um 17:48 Uhr, ankommen. Also fuhr ich zum Marienplatz und sprang dort in die S1, die aber nur bis Feldmoching ausgezeichnet war. Da die S1 immer zum Ende der Fahrt getrennt wird und nur noch als Kurz-Version zum Flughafen fährt, war das meine Erklärung. In Feldmoching allerdings hieß es aber für alle „Endstation, alle aussteigen“. Wir wurden an einen Schienenersatzverkehr in Richtung Norden weitergereicht. Die Fahrt ging sehr bald los. Dann zuckelten wir aber so über die Dörfer, hielten an roten Ampeln, Stopp-Schildern und Fußgänger-Überwegen. Ich zog Google-Maps zu Rate, um ein Gefühl für Zeit und Strecke zu bekommen und mir wurde klar, dass zwischen verbleibender Fahrzeit und verstreichender Zeit ein unausgeglichenes Verhältnis bestand. Unterwegs hielt ich vergeblich nach einem Taxi Ausschau. In Lohof musste ich aussteigen und auf einen anderen Bus warten. Permanent aktualisierte ich die Navigation im Kartendienst und mein Puls stieg und stieg. Endlich kam der Bus, aber noch vier Stationen über Land lagen vor mir. Berechnete Ankunftszeit war nun bereits 18:35 Uhr. Zusätzlich noch die Wege am Airport, die Sicherheit…das würde eng werden. Ich fühlte mich wie in Zeitlupe und sehnte eine Verspätung der Lufthansa herbei. Zunächst erreichten wir Eching, dann Neufahrn, endlich Besucherpark und dann Flughafen Terminal 1. Kaum angekommen, rannte ich mit meinem Rolli durchs Terminal 1, über den großen Platz rüber ins Terminanal 2 und über die Rolltreppe hoch zur Sicherheit. Dort war zum Glück nichts los und ich konnte schnell zum Gate 24 flitzen. Um 18:45 Uhr war ich endlich da, das Boarding hatte noch nicht begonnen. Der Flieger hatte 10 Minuten Verspätung. Manchmal liebe ich Verspätungen. Mein Hemd dampfte, aber mein Puls beruhigte sich wieder. Mein Sport-Programm hatte ich also nun schon erledigt und ich würde noch nach Hause kommen. 

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26) McRaff

Neulich konnte ich im Hotel der Geburt des neuen Burgers „McRaff“ beiwohnen. Oder sollte ich vielleicht sogar besser „Raff-Bürger“ sagen? Das Ganze gestaltete sich ungefähr so: Beim Frühstück setzte sich ein kräftiger Kerl an den Nachbartisch. Zunächst belegte er den Platz mit persönlichen Dingen, damit keiner mehr diesen Tisch für sich beanspruchen konnte. Quasi das Bade-Handtuch des Frühstücks. Dann verschwand er erst einmal am Buffet. Schnell kam er wieder mit gehäuften Tellern zurück an seinen Platz. Soweit ich das sehen konnte, waren es drei Kaiser-Brötchen, ein Berg voll gebratener Speck, dazu Kartoffel-Röstis in rauen Mengen und viele Nürnberger Würstchen. Will der das wirklich alles essen? Ist der vielleicht Kugelstoßer oder Gewichtheber und braucht das jeden Morgen? Oder ist er nur ein Vater, der für die noch schlafenden Kids die Brötchen macht? Aber das sollte sich bald herausstellen. Mit geübten Griffen halbierte er zunächst die Kaiser-Brötchen, legte dann die Nürnberger Würstchen auf die eine Hälfte, gefolgt von den Kartoffel-Röstis. Dann stapelte er den gebratenen Schinken, eine Scheibe Käse und dann noch die zweite Brötchen-Hälfte als Deckel oben drauf. Den ersten Burger aß er sofort, den zweiten wickelte er in eine Serviette und ließ ihn unauffällig in der Tasche zu seinen Füßen verschwinden. Gespannt beobachtete ich, was denn nun mit dem dritten Burger passieren würde. Auch den wickelte er in Serviette und versenkte ihn neben dem ersten Burger in seiner Tasche. Der Mann erhob sich, kippte zwei Gläser O-Saft direkt an der Saftbar in seinen Schlund und verschwand. Stille. Als wäre nichts gewesen. Nur der Dreck auf seiner Tischdecke war noch da. Die ganze Szenerie wirkte, als wäre gerade ein Heuschreckenschwarm oder das Krümelmonster vorbeigezogen. Mal abgesehen von fehlenden Tisch-Manieren und seinem vermutlich erhöhtem Cholesterinspiegel, erschütterte mich am meisten die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der er dort die Tasche füllte. Bloß gut, dass ich bereits vor ihm mein Rührei mit EINER Scheibe Schinken veredelt hatte und ich Nürnberger Würstchen zum Frühstück nicht mag.

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12) Spucking Duschkopf

Dass Duschköpfe an der Wand fixiert sein können und damit erheblich Einfluss auf die Laune zu Tagesbeginn haben, habe ich in einem —> vorigen Beitrag schon beschrieben. Duschen können aber auch noch auf andere fiese Weise zum Ärgernis werden. Es gibt an allen Duschen eine fragile Stelle und zwar genau dort, wo der Schlauch in das Handteil mündet. Gerät diese Verbindung länger unter Zug und leiert aus, dann passiert häufig folgendes. Der Gast stellt sich gegen 06:00 Uhr müde unter die Dusche und schließt die Glastür. Den Temperatur-Regler stellt er sicherheitshalber auf die Mitte, weil er morgens weder kaltes noch heißes Wasser mag. Dann dreht er den Hahn auf und …? Flucht laut, schimpft und gerät in Panik. Kaltes abgestandenes Wasser schießt aus der defekten Verbindung hinten heraus, prallt auf die Wand-Fliesen, wird von ihnen umgehend reflektiert und trifft den Gast. Meistens auf Brust oder Bauch-Höhe, also dort, wo niemand kaltes Wasser haben will. Versucht er dann, den Schlauch wieder in das Handteil zu stopfen, wird alles nur noch schlimmer. Wasser spritzt umher, die Haare werden nass und man fragt sich, ob die Putzkräfte in letzter Zeit mal die Dusche benutzt hatten. Besser nicht. Zeit fürs Frühstück! 

Frühere Beiträge zum Thema Reisen:

10) Kleine fiese Wolke

Es kann man ich an den Rand der Verzweiflung bringen. Dankend lehne ich am Flughafen jegliche kostenlose Zeitungen, Werbe-Zettel, Kreditkarten-Anträge und anderes Papier-Zeug ab. Denn, ich habe ja ein neues Hörbuch auf dem Telefon, auf das ich mich schon richtig freue. Ich brauche also gar kein Lesematerial in Papier. Ich habe eine ganze Stunde in der Luft vor mir, nur für mich und mein Hörbuch. Das Kabinen-Personal vollführt sein Sicherheits-Ballett und weist noch auf einmal auf den Flugmodus für die Smartphones hin. Selbstverständlich. Es ist nur eine Wischbewegung auf dem Glas des Telefons und schon heben wir ab in die Luft. Der nächste Gong befreit die Flugbegleiter aus ihren Sitzen und fordert sie auf, den Getränkewagen flott zu machen. Gute Idee, sage ich mir. Ein kaltes Getränk ist ein wunderbarer Begleiter für ein neues Hörbuch. Aber ich sitze in der Mitte des Fliegers, daher wird es noch etwas dauern, bis der Wagen bei mir angekommen ist. Derweil will ich schon einmal das Hörbuch öffnen, bekomme dann aber ein Wolken-Symbol auf dem Buch-Cover angezeigt. Panik steigt in mir auf. Das ist ein schlechtes Zeichen. Trotzdem tippe ich drauf und dann passiert genau das. Eine Meldung erscheint: „Sie haben keine Verbindung zum Internet“. Und auch kein kaltes Getränk.

8) Watt, Volt, Ampere, Prozent

Erinnere ich mich an den Physik-Unterricht, gab es damals folgende Einheiten für elektrischen Strom: Watt, Volt und Ampere. Anscheinend gibt es neuerdings auch noch „Prozent“. Das Verlangen nach diesen „Prozent“ kann ein Schlechte-Laune-Garant für die Familie werden, wenn es im Hotel nur eine erreichbare Steckdose gibt. Ja, das gibt es noch. Dummerweise schaltet der Strom ab, wenn man das Zimmer verlässt und die Geschäfte in der Gegend haben schon geschlossen. Vier Smartphones, zwei Tablets und zwei Power Banks dürsten aber nach „Prozent“. Ich weiß, das ist wohl eher ein Wohlstandsproblem und Familien auf indischen Dörfern haben wahrlich andere Sorgen. Um nun aber dicke Luft zu vermeiden, gibt es nicht viele Optionen. Da wären Verzicht und Kompromiss oder halt eine geeignete „Ladestrategie“ auszuarbeiten. Letzteres sieht dann ungefähr so aus: Handy-Strom sparen und mit Hilfe der wenigen vorliegenden Adapter ein Versorgungsnetz  aufbauen, welches so viele Geräte wie möglich mit „Prozent“ versorgt.
Und in der Familie knobeln, wer nachts aufsteht und das System umsteckt….