27) Flughafen-Transfer

07:25 Uhr: „Bing. Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten landen wir in München“. Ich schrecke hoch und muss mich erst einmal orientieren. Mein Kaffeebecher ist verschwunden und meinen Klapptisch hat auch jemand hochgeklappt. Oh, da bin ich wohl eingeschlafen. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster. Die Sonne wirft zwar noch lange Schatten, aber der Nebel auf den Feldern scheint sich zu verziehen.

07:27 Uhr: „Bing. Unsere Ankunft erfolgt aller Wahrscheinlichkeit nach an K12. Sie erreichen alle Ihre Anschlussflüge. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte unser Boden-Personal.“ Wie bitte? Gate K? Och nöh! Das liegt am A… der Welt! Gerade erst aus meinem Kurzschlaf erwacht, bin ich schon bedient. Das wird heute wieder ewig dauern, bis ich an meinem Ziel bin.

07:29 Uhr: Ich bin sauer, zücke mein Handy und nehme mir vor, meinen Transfer zu dokumentieren. Bestimmt lässt sich daraus ein Blog-Beitrag machen, in dem ich mal von Herzen auf den Airport München schimpfen kann. Verdient hätten die es doch schon lange einmal. Wieviel Lebenszeit habe ich eigentlich schon hier verbracht. Wie viele Kilometer abgelaufen?

07:36 Uhr: Ich schaue wieder aus dem Fenster und sehe die Stadt samt Olympia-Anlage und Fußball Arena vorbeiziehen.

07:37 Uhr: Die Räder werden ausgefahren, hinter der Stadt kann ich die Berge sehen.

07:40 Uhr: Es rumst, schüttelt etwas und ich werde in den Gurt gepresst. 

07:41 Uhr: „Herzlich Willkommen in München, bitte bleiben Sie noch einen Moment sitzen, bis das Flugzeug die endgültige Parkposition an K12…“. Ja, ja ist ja gut. Es ist K12 geworden … weit weg … ich weiß…grummel.

07:45 Uhr: Wir docken also an, die Türen werden geöffnet und die ersten Passagiere steigen aus.

07:51 Uhr: Meine Reihe 16 ist nun endlich an der Reihe und wir dürfen aussteigen.

07:52 Uhr: Im Gebäude biege ich nach links ab in Richtung Gate G.

07:54 Uhr: In der Shopping Zone herrscht schon reger Betrieb, meine Güte.

07:55 Uhr: Ich schwimme mit der Menge mit, es geht ganz gut voran.

07:57 Uhr: Die führerlose Bahn zum Terminal 2 steht schon bereit. Schwein gehabt.

07:58 Uhr: Am Gate G steige ich wieder aus. Ich liege gut in der Zeit. Es sind erst 7 Minuten vergangen, seit dem ich mich aus dem Sitz erhoben habe. 

07:59 Uhr: Meine Stimmung wird besser. Die Zuversicht in mir wächst. Aber das wäre jetzt eigentlich kontraproduktiv. Was mache ich denn dann mit meinem Blog-Beitrag? Wie kann ich eine Geschichte über das zähe Verlassen eines Flughafens schreiben, wenn doch heute alles glatt geht? Egal, dann schreibe ich den Beitrag halt beim nächsten Mal.

08:02 Uhr: Ich erreiche die Kofferausgabe. Da ich heute keinen Koffer habe, kann ich direkt weiter zum Ausgang gehen.

08:04 Uhr: Die Schiebetüren öffnen sich. Pappen und Tablets werden mir entgegengehalten. Sie zeigen Namen fremder Menschen. Mein Name steht nirgends, auf mich wartet keiner.

08:05 Uhr: Ich gehe am Döner-und Pizza-Imbiss vorbei, dann durch die Drehtür und bin an der frischen Luft.

08:06 Uhr: Großartig. Ich war echt schnell heute. Jetzt nur schnell rüber zur S-Bahn. Ich verabschiede mich von meinem Blog-Beitrag. Die Notizen kann ich in der S-Bahn löschen.

08:07 Uhr: Ich komme an der Rolltreppe zur S-Bahn an, werfe einen Blick auf die Anzeige der nächsten Abfahrten und sehe…? 

Meine S8 ist gerade abgefahren, ich muss 18 Minuten warten, komme also nicht vor 08:25 Uhr hier weg. Dann werde ich bereits schon wieder seit 45 Minuten auf dem Boden sein und habe die lange Fahrt in die Stadt ja erst noch vor mir. Vielleicht sollte ich die Notizen mal noch nicht löschen? 

Frühere Beiträge zum Thema Fliegen:

34) Kids Drive in

Ab und zu ist es noch nötig, dass wir die Kids mit dem Auto in die Schule bringen. Das Schulgebäude liegt in einem Wohngebiet, direkt an einer Einbahnstraße. Wenn man aber nicht erst kurz vor Schulbeginn kommt, hat man eigentlich ganz gute Chancen, einen legalen Parkplatz zu ergattern. Manchmal ist dazu auch eine weitere Ehrenrunde nötig oder man findet halt eine Lücke um die Ecke. Dann läuft man halt mal 100 Meter. Alles klein Problem. Wenn die Zeit knapp ist, halte ich auch mal in der zweiten Reihe und lasse die Kids von dort aus dem Auto aussteigen. Bestimmt nicht ganz STVO-konform, aber wenn man ehrlich ist, ist es die schnellste und auch ökologischste Form. Der Vorgang dauert max 30 Sekunden und wirklich stören oder behindern tut man dort niemanden. Andere machen es sich aber noch einfacher. Sie halten direkt vor der Schuleinfahrt. „Was für ein Zufall, hier ist ja noch Platz“. Also schalten sie den Warnblinker ein, verabschieden in aller Ruhe die Gören und quatschen dann noch mit Bekannten aus der Nordic-Walking-Gruppe. Man hat ja Zeit. Deutlich weiter oben auf der Egoismus-Skala rangieren aber Eltern, die glauben, die Schulzufahrt gehört allein ihnen. Kurz vor 08:00 Uhr erreichen sie die Schule, kreuzen den Fußweg und fahren die Zufahrt hoch. Dann verlassen sie das Auto und bringen ihre Brut in das Schulgebäude. So selbstverständlich, als hätten sie dort ihren angemieteten Stellplatz. Als würde dort ein Schild, mit ihrem KFZ-Kennzeichen drauf, stehen. Am Nachmittag sieht man eine ähnliche Situation auf dem nahegelegenen Sportgelände. Dort führt eine kleine Sackgasse bis hinter zum Fußballplatz. Am Ende der schmalen Gasse befindet sich eine ausgewiesene Zufahrt und Rangierfläche für Feuerwehr und Rettungskräfte. Und natürlich der zweite Stellplatz für den Boliden von „Spieler-Mama“ (…oder auch „Spieler-Papa“). „Was soll man machen, war ja sonst kein Platz mehr zu kriegen“. Sollte es dort jemals ein Feuer geben oder ein Krankenwagen kommen müssen, wäre es besser, die kämen per Lösch-Flugzeug oder Helikopter, denn da ist jetzt für 90 Minuten kein Durchkommen mehr. Erst nach dem Training der Jungs lichtet sich das wieder. Also ehrlich Leute, nun seid doch mal nicht so faul und lauft halt mal ein paar Meter! Das wird den Kids auch guttun. Oder wollt Ihr eure künftigen Weltmeister noch bis an die Mittellinie fahren, um sie dort an den Trainer zu übergeben?

Frühere Beiträge zum Thema Stadtleben:

6) Postkarte von der Algarve

An der Algarve kann man ohne Probleme zwei Wochen verbringen. Im besten Fall hat man zwei bis drei Unterkünfte und ein Auto vor Ort, dann kann man viel von der Küste und dem Hinterland erkunden, ohne einzelne Wege immer doppelt fahren zu müssen. Man kann sogar mal kurz nach Spanien düsen, wenn man mag.

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Und natürlich kann man auch in Portugal so einige Skurrilitäten entdecken:

Wovon will eigentlich Portugal leben, wenn der Export-Schlager mal irgendwann in Rente … oder in die Breite geht wie Maradonna? Und warum hat diese Kuh rasierte Beine?

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Wenn Mobil-Funkantennen hässlich aussehen, dann hängt man in Portugal halt etwas Grünzeugs dran und schon geht’s doch, oder? Kommen dann zum Jahresende auch noch bunte Kugeln dazu? Und was ist mit Lametta?

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Trinkt man gern Bier, kann man schnell den Überblick verlieren, wie viele man schon getrunken hat. So klein sind die Flaschen dort. Eine viel bessere Alternative ist der gute Vino Verde, den gibt’s auch in großen Flaschen.

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Wiederverwendung wird in Portugal groß geschrieben. So macht manches Porzellan noch eine zweite Kariere und duftet fortan blumig. Leider hängen sie nur etwas hoch für den Durchschnittsmann …

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Wenn Portugiesen kein See-Kajak haben, dann bauen sie sich halt selber eins. Portugal war schon immer eine stolze Seefahrer-Nation und hat es sogar bis nach Indien und Südamerika geschafft…

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…allerdings fragt man sich manchmal, wo all die Schiffe geblieben sind.

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Fazit: Kann man auf jeden Fall empfehlen, wenn man von etwas „shabby chic“ nicht gleich enttäuscht ist und bei durch und durch gelassenen Menschen nicht die Fassung verliert. Optimal wenn man Sonne, Wein und Fisch mag und sich über angenehme Preise freut. Für Familien auf jeden Fall geeignet und für jeden der mal einen Gang zurückschalten will.

Frühere Postkarten:

26) Socken-Memory

Das man Waschmaschinen häufig vorwirft, unsere Socken zu fressen, ist allgemein bekannt. Andererseits ist das technisch kaum möglich. Die Waschmaschine hat keinen zweiten Ausgang und wenn all die fehlenden Socken wirklich noch in der Waschmaschine wären, wäre sie verstopft und hätte schon längst den Geist aufgegeben. Jeder hat vermutlich seine eigene Theorie, wie es eigentlich dazu kommt, dass man nach dem Öffnen des Bull-Auges häufig „Single-Socken“ findet. Vielleicht gibt es mittlerweile schon wissenschaftliche Arbeiten über dieses Wohlstands-Problem. Doch wie kann man der Situation Herr und Frau werden?

Bei Erwachsenen kann man folgendes probieren:

1. Ein Groß-Kontingent an gleichfarbigen Socken kaufen, alles austauschen und alle noch später auftauchenden andersfarbigen Socken wegschmeißen. Das klingt sehr drastisch, im Falle von Socken ist das vielleicht aber noch vertretbar.

2. Mit Socken-Klammern, Wäsche-Netzen und anderen Hausmitteln probieren, das Problem zu managen. Oder eine eigene Erfindung dafür machen, Patent anmelden und reich werden. Dann in ein Land umziehen, wo man nur selten Socken benötigt.

Beide Ansätze eignen sich für Kinder nicht so gut. Durchgehend schwarze oder graue Socken finden sie vermutlich doof und alle Hausmittel funktionieren nur, wenn sich auch beide Socken an einem Ort befinden. Aber hier beginnt das Problem ja bereits.

Einzelne Socken befinden sich bei Kids aber noch in Hosen, Sporttaschen und Schlafsäcken. Sogar außerhalb der Wohnung liegen sie. Bei den Großeltern, in der Schule oder auf dem letzten Kindergeburtstag. Im schlimmsten Fall im Schullandheim 300 km weit weg. Ohne ein Socken-Ortungs-System besteht kaum eine Chance.

Da bleibt nicht viel anderes übrig, als die Singles in einem Korb zu sammeln und die Kids alle paar Wochen zum gemeinsamen „Socken-Memory“ aufzurufen. Also gemeinsam den Korb auskippen und dann passende Socken-Paare suchen. Die Kids begreifen aber schnell, dass dahinter kein Spiel steckt und verlieren bald die Lust dazu. Irgendwann sitzt man allein da. Hat man dann krampfhaft  6-7 passende Paare gefunden, legt sie übereinander und zieht sie etwas in die Länge, stellt man fest, dass die vermutlich schon zu klein sind. Soll man sie nun letztlich doch in die Kleider-Tonne oder in den Müll werfen? Und was macht man dann mit dem Rest der Singles? Noch ein paar Wochen warten, bis die zweite Socke auftaucht? Ist das noch realistisch? Und was ist eigentlich, wenn man gar nicht mehr die erste Socke in der Hand hält, sondern bereits den Zweiten?

PS: Bei der Gelegenheit: Auch wenn das hier kein Hausmittel-Forum werden soll. Hat denn jemand einen entspannten Umgang damit gefunden? Wenn ja, dann einfach unten kommentieren. DANKE

Frühere Beiträge zum Thema Haushalt:

33) Kiezladen

Den Bötzow-Kiez habe ich noch ganz anders in Erinnerung als er heute ist. Baufällige Häuser, Einschuss-Löcher in den Fassaden, Etagen-Klo und Kohlenheizung überall. Kopfsteinpflaster auf der Straße, ein Kohlenhandel auf der Ecke und ein Kinderzahnarzt im Vorderhaus (knarrende Treppe, zweite Etage links. Gruselig.) Heute ist das aber ganz anders. Fast alle Wohnungen sind mittlerweile saniert, oft findet man wunderschönen Stuck an den Wänden und nach Kohle riecht es schon lange nicht mehr. Und auch die Struktur der Läden hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Ein paar Geschäfte von damals halten sich noch immer wacker. Die tragen auch noch keine künstlichen Namen über dem Schaufenster, sondern nur ein Schild mit der Aufschrift „Frisör“, „Bäcker“ oder „Farben-Handel“. Auch die Kneipe gegenüber gibt es immer noch. Neu hinzu gekommen sind sehr exklusive Geschäfte, in denen man aber nur selten wirklich Kundschaft sieht. Ein Lampen-Geschäft bietet edle Designer-Lampen an, eine Holz-Manufaktur fertigt Möbel auf Maß und ein Wasser-Geschäft verkauft Wasserflaschen. Für mich alles etwas fragwürdig, aber gut. Immerhin kann man da noch etwas kaufen und es dient dem Stadtbild. Viel bedenkenswerter finde ich allerdings, dass die Ladenkultur dort immer mehr von „Services“ ersetzt wird, die einzig und allein dazu da sind, unseren körperlichen und seelischen Verfall zu bremsen. Oder auch unserem Nachwuchs, Business und Eheleben etwas auf die Beine zu helfen. 

Läuft man die Bötzow-Straße vom Kino her bergauf, findet man dicht an dicht die folgenden „Anbieter“: 

  • Nummer 10: Naturheilkunde, Ernährungsberatung, Akupunktur
  • Nummer 12: Physiotherapie
  • Nummer 14: Ingwer-Bar… es gibt dort auch „health“ und „wellbeing“
  • Nummer 24: Naturkosmetik, Körperarbeit, Massagen
  • Nummer 28: Kunststoffblenden für die nicht mehr ganz so hübschen Zähne 
  • Nummer 28: Vollkeramische Lösungen nach der Probefahrt mit den Kunststoffblenden auf den alten Zähnen
  • Nummer 28: Führungs- & Team Coaching, Eltern & Familiencoaching, Gründercoaching
  • Nummer 36: Logopädie & Ergotherapie
  • Nummer 41: Anti Aging, Lifting, Ultraschall, Wimpern und vieles mehr

Das kleine Nähgeschäft hat erst kürzlich dicht gemacht, das Kaffee mit der Spielecke schon etwas länger. 

Ich bin gespannt, welche neuen „Provider“ dort nun einziehen.

  • Vielleicht eine Vermittlung freier Seniorenheim-Plätze am Goldstrand
  • Eventuell regelmäßige Performance-Gespräche für Erst-Klässler?
  • Möglicherweise doch noch eine Konfliktberatung für Haushaltsroboter und deren Eigentümer?

Ich werde berichten und wage vorherzusagen, dass es hier in zwei Jahren die ersten Wochenend-Gutscheine für den Bötzow-Kiez zu kaufen gibt. 

„Lassen Sie ich ein Wochenende lang verwöhnen oder mal etwas restaurieren! Für nur 1.999 EUR genießen Sie Messer, Nadel, Botox und eine inspirierende Tasse Tee mit dem Coach ihrer Wahl. Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte. Bei Nichtgefallen gibt’s Geld zurück.“

Frühere Beiträge zum Thema Stadtleben:

 

25) Hose nass

Die heimischen Wasserhähne in Haus oder Wohnung kennt man in- und auswendig. Man kann sie sogar in der dunklen Nacht bedienen und sicher sein, die erwartete Wasser-Menge und -Temperatur zu erhalten. Auch wenn man in anderen Wohnungen zu Gast ist, erwarten einen keine großen Überraschungen. Auf öffentlichen Toiletten, in Hotels oder im Büro ist das aber ganz anders. Da kann mir aber ganz schnell die gute Laune vergehen:

  1. Man bekommt nur kaltes Wasser. Angeblich soll das ja gut für die Haut sein, ist aber auch sehr unangenehm. Je nach innerer Temperatur.
  2. Der Wasserhahn ist zu kurz. Das Wasser fällt direkt hinter der Beckenkante in die Tiefe. Fast unmöglich, dort zwei große Hände drunterzukriegen.
  3. Es kommt zu wenig Wasser. Hier dauert es ewig, bis man die Seife wieder los wird. Hat man dabei keine Geduld, wird man anschließend mit anhaltender Flüssig-Seife unterm Ehe-Ring bestraft.
  4. Das Wasser läuft zeitlich begrenzt. Oft ist das so kurz eingestellt, dass man kaum nasse Hände bekommt und schon allein eine Hand benötigt, um nur den Drücker zu bedienen.

Mit diesen Umständen kann man irgendwie umgehen, die nächste Situation allerdings ist ein Albtraum für jeden Mann.

5. Man geht nichtsahnend auf das Waschbecken zu und öffnet den Wasserhahn. Das Wasser schießt mit viel Druck heraus und verteilt sich auf der Hose. Unterhalb der Gürtellinie. Riesige nasse Flecken. Na großartig. Trägt man schwarz,  fällt es kaum auf. Wenn nicht, kann man nicht viel machen außer zu warten oder das irgendwie zu fönen oder zu trocknen. Dazu bitte einfach mal „Mr Bean“ und „Trockner“ in die gängige Suchmaschine eingeben und dann selber probieren!

Nun aber, wo immer mehr der konventionellen „Handpuster“ gegen diese lauten Wind-Maschinen eingetauscht werden, in die man seine Hände 10 Sekunden hineinhalten soll, hat man echt keine Chance mehr. Man kann sich nur noch einen coolen Spruch ausdenken und mit nasser Hose zurück ins Meeting gehen.

Frühere Beiträge zum Thema Sanitär:

5) Postkarte aus Mumbai

Mumbai (das frühere Bombay) ist die Wirtschafts- und Finanzmetropole Indiens.  Ursprünglich bestand Bombay aus sieben einzelnen Inseln. Heute ist es eine riesige Fläche. Ein sehr bekanntes Bauwerk dort, ist das Gateway of India.

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Mein Tag beginnt mit einem Blick aus dem 28. Stock auf die noch viel höheren Wolkenkratzer in der direkten Nachbarschaft. Mit Mumbai hat man anscheinend noch viel vor. Die Stadt wird in die Höhe gezogen, denn es mangelt aufgrund der Lage an Baufläche…

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… dabei gäbe es unten auf der Erde auch genug zu tun. Man muss nur mal aus dem Hotelzimmer nach unten schauen. Wellblech-Dächer machen sich überall breit.

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Ungefähr 15 Millionen Einwohner leben in Mumbai, viele davon in solchen Slums.
Allein in Dharavi (nicht auf dem Photo) leben heute ungefähr eine Million Menschen. Ursprünglich mal vor den Toren Mumbais angesiedelt, liegt Dharavi heute mitten in der Stadt. Der Umsatz, der in Dharavi generiert wird, beträgt ungefähr eine knappe Milliarde Euro jährlich. Eine beachtlicher Wert so auf den ersten Blick, man darf ihn nur nicht durch die Anzahl der Bewohner teilen. Mit dem Film Slum Dog Millionär hat es Dharavi sogar bis in unsere Kinos und DVD-Player geschafft. Unbedingt anschauen! Wer etwas dazu lesen möchte, dem kann ich den Roman „Das Gleichgewicht der Welt“ ans Herz legen. Da steht im Prinzip alles drin.

Wir wurden von Kollegen zum Holi-Festival eingeladen. Eine besondere Party mit 6.000 Menschen stieg auf dem Gelände der Trab-Rennbahn. Bei Holi werden für einen Tag mal Kasten, Hierarchie, Rolle, Herkunft, Hautfarbe vergessen und alle beschmeißen sich mit Farbe. Dafür gab es eine neue andere Trennung: VIP-Zone und Standard-Zone…

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Macht VIP-Farbe eigentlich bunter…?

Frühere Postkarten:

24) Jogger und Hund

Versucht man, mit Joggen den eigenen Körper halbwegs in Form zu halten oder den weiteren Verfall des Human-Materials hinauszuzögern, wird man im Stadtpark irgendwann auf freilaufende Hunde treffen. Und das verläuft dann fast jedes Mal ungefähr so: Hat mein Jogger-Herz endlich seine 150 Schläge pro Minute erreicht, bleibt es auf einmal stehen. Ein Boxer rennt in hohem Tempo auf mich zu, das Maul weit aufgerissen und die Zunge flattert im Find. Ich stoppe sofort meinen Lauf, schließe die Augen und lasse mein Leben noch einmal in Bildern vorbeiziehen. Schön war’s. Dann tut es aber gar nicht so weh wie erwartet. Also öffne ich meine Augen wieder und stelle beruhigt fest, dass der Sprint des Boxers seinem Gummi-Ball hinter mir galt.

Ich nehme mein Lauf-Programm wieder auf und erfreue mich am Leben. Ich sprühe vor Energie, fliege förmlich und erreiche „runners high“. 30 Meter vor mir kommt mir ein kleiner „Schoßhund“ entgegen. Die Nase auf der Erde sucht er nach irgendwas. Ich verlagere meine Bahn nach rechts, er darauf hin nach links. Gut, du Fiffi, dann gehe ich halt nach links. Er zieht nach rechts. Das Spiel geht noch ein wenig so weiter. Kurz bevor wir aufeinandertreffen, scheint aber jeder seine Seite gefunden zu haben. Im letzten Augenblick zieht Fiffi aber hinüber auf meine Seite und läuft mir kopfgesenkt in meine Beine. Nur mit einem Dreisprung von olympischem Format kann ich ihn davon bewahren, von mir plattgetrampelt zu werden. 

Zum Ende meiner üblichen Runde, treffe ich mitten auf dem Weg auf eine spontane Hundeversammlung. Hunde verschiedener Rassen beschnüffeln sich vorne, hinten, oben und unten. Herrchen und Frauchen bilden einen Kreis und quatschen. Alles wirkt friedlich und ich will am Rand vorbeilaufen. Auf einmal beginnt ein Gekläffe und Gejaule. Die Hunde können sich auf einmal gar nicht mehr riechen und gehen aufeinander los. Das klingt gar nicht gut. Die Fetzen fliegen und ich bin auf einmal mittendrin. Bloß schnell weg hier.

Vielleicht sollte ich doch mal wieder Schwimmen gehen??

Frühere Beiträge zum Thema Stadtpark:

32) Gelb macht aggressiv

Gelbe Linien im Straßenverkehr heben temporär die normalen weißen Linien auf. Das ist allgemein bekannt und in bestimmten Situationen macht das auch Sinn. Begründet ist das im §39 der StVO, der sich aber nicht zur Menge des zu verwendenden Materials äußert und auch nicht zu Art und Weise, wie das gelbe Zeugs zu verwenden ist. Das Straßenbau-Amt in Berlin scheint selber Großaktionär bei der Firma zu sein, die diese gelben Rollen herstellt. In Berlin da wird nicht gekleckert, da wird richtig geklotzt…ähhh…geklebt. Sogar einzelne kurze weiße Streifen werden sorgfältig mit einem preußisch akkuraten Kreuz überklebt. Auch Pfeile, Sonderzeichen und Haltelinien werden hübsch mit gelb verziert.

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Und da die Stadt Berlin in ihrem Fahrrad-Wahn derzeit massenhaft Radwege auf die Straßen malt (siehe hier), werden nun auch diese Rad-Spuren temporär mit gelber Farbe in neue Bahnen gelenkt.

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Meine Tochter sagte heute dazu: „Auf Korfu, da wo wir im Urlaub waren, da haben die noch nicht mal weiße Streifen auf der Straße“. Dem braucht man eigentlich nichts hinzufügen.

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Außer vielleicht doch noch ein paar Recherche-Ergebnisse, die ich über die gewöhnliche Suchmaschine gefunden habe.

  • 100 m Fahrbahnmarkierungsfolie, 120 mm breit = 265,90 EUR
  • 1 Folienandruckrolle für kurze Strecken = 98 EUR
  • 1 Folienverlegesystem für längere Wege = 1.720 EUR

Natürlich alles ohne Projektierung, Ausschreibung, Arbeitsleistung, Abnahme, späterer Entfernung und fachgerechter Entsorgung.

Die haben doch einen Knall!

Tippe ich in dieselbe Suchmaschine  „gelb macht…“ ein, bekomme ich die ersten zwei wie folgt:

  • Gelb macht glücklich
  • Gelb macht aggressiv

In dem Sinne…

4) Postkarte aus Schweden

Eine Reise nach Südschweden ist ideal wenn man gern Auto fährt und auch ohne viel Trubel und Getöse auskommt. Die Schweden sind ein sehr nettes Volk, alles wirkt friedlich und statistisch gesehen, scheint jeder Schwede seinen eigenen See und Wald zu haben.

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Die Schweden bedienen auch selber gern alle Klischees, die man allgemein über sie kennt. Jeder dritte fährt einen Volvo, im Radio geben sich ABBA, A-HA und Roxette das Mikrophon in die Hand und die Regale beim Kaufmann sind voller Knäckebrot. Bier gibt es in verschiedenen Alkohol-Stärken, für den Preis einer Flasche einfachsten Weißweins bekommt man im deutschen Discounter eine ganze Kiste.

Und Schweden bietet natürlich auch ein paar Skurilitäten:

Die Schweden waren schon immer sehr aufgeschlossen oder sie sind durch die vielen Sauna-Gänge einfach an mehr gewöhnt …

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… die Rehe sind da auch etwas größer, haben keine Punkte, dafür aber ein Geweih mit kuscheligem Fell…

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… und die Schweden haben verstanden, dass Umweg und Beharrlichkeit am Ende eben doch zum Ziel führen und letztlich nachhaltig sind, selbst wenn das Hindernis schon gar nicht mehr existiert…

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…auf dem Land sieht es mit mobilem Netz etwas dünn aus, da wird Facebook wieder neu erfunden…Daumen hoch für Schweden!

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Fazit: unbedingt hinfahren, einen Gang zurückschalten und einfach mal genießen, dass man zeitweise allein auf der Welt zu sein scheint

Frühere Postkarten: