489) Wasser bis zum Hals

Üblicherweise komme ich beim Joggen an dieser Häuserwand (Titelbild) vorbei. Kein Schmuckstück gewiss, in die Jahre gekommen, man müsste mal was dran machen. Über die Zeit ist immer mehr Farbe abgeblättert, mittlerweile erinnert mich der Anblick an eine Weltkarte unserer Erde auf der wir hausen.

Gewissermaßen auch nicht immer ein Schmuckstück, in die Jahre gekommen und man müsste mal was dran machen.

Man muss kein Geografie-Experte sein, um zu sehen, dass auf dieser Weltkarte durchaus Einiges ins Rutschen gekommen sind. Süd-Asien ist abgesoffen, Grönland ist um ein Vielfaches größer, Nord-Afrika ist futsch und da wo wir wohnen, steht uns das Wasser auch bis zum Hals. Tolle Aussichten.

Tja, man müsste mal was dran machen…

Wer ist nur dieser „Man“?

Warum tut der nix?

79) Na‘n Schwääärbehindatnausweis!

Wieder ein typisches Beispiel für Berliner Gastfreundlichkeit und Kommunikation mit Fremden. Gestern quälte ich mich durchs Drehkreuz des „Rail & Fresh – WC“ des Berliner Hauptbahnhofs. Mit Laptop-Tasche und Rollkoffer, ein ganz besonderes Vergnügen. So müssen sich die Navi SEALs auf der Sturmbahn fühlen. 

Da ich ein 1-EUR-Stück dabei hatte, war ich dem Frische-Tempel mit Musik schon sehr nahe. Ein anderer Reisender fummelte an der Tür des WC‘s für Behinderte Menschen, was fairerweise noch vor dem Drehkreuz seine entlastende Dienste anbietet. Nun ja, die Tür war aber verschlossen und es eilte eine Klo-Frau (?) … Sanitärservice-Fachangestellte (?) heran und schaute den Reisenden fragend an. Der wiederum machte mit Händen und Füßen deutlich, dass er doch gern auf diese Toilette wolle. Ob er dafür nun die nötige körperliche Einschränkung mitbrachte, war nicht zu erkennen.

Also entwickelte sich folgender Dialog:

  • Reisender: „Can I …“ und zeigte dabei auf die Tür.
  • Sanitärservice-Fachangestellte: „Na‘n Schwääärbehindatnausweis!“ und streckte die Hand aus.
  • Reisender: „I have a problem!“ und zeigte auf sein Bein.
  • Sanitärservice-Fachangestellte: „Ja, Probleme hab ick och“

Na immerhin … verstand sie etwas Englisch 😉

488) Rechnung an „Die letzte Generation“?

Woran merkt man, dass Berlin eine neue konservative Regierung hat und in die Spandauer Vorstadt-Piefigkeit abdriftet? Ganz offensichtlich. Man erwägt, Radwege schmaler zu gestalten und echauffiert sich den Mund fusselig, wenn „Die letzte Generation“ die Säulen des Brandenburger Tors mit oranger Farbe besprüht.

Dann braucht man ewig um eine Reinigungs-Kompanie zusammenzukriegen und weil man so genervt davon ist, tönt man seit Tagen über die lokalen Medien, die Rechnung würde an „Die letzte Generation“ gehen. Polter, Polter. Durchgreifen! Kante zeigen! Jawohl! Also da bleibt selbst mir, als „established“-er Anwohner im schicki-micki-bio-veggie-fair-diversem Stadtbezirk Prenzlauer Berg die Spucke weg. 

Wie einfältig, wilmersdorfig und charlottenburgisch uncool ist das denn lieber Herr Kai Wegner?

Dieses geschichtsträchtige Brandenburger Tor hat nun schon wirklich oft gelitten und alles überstanden. Weltkrieg, Silvesterparty, Pyromanen, Autoverkehr und jetzt droht es anscheinend umzukippen wegen etwas Farbe? Und nun glauben Sie, das macht man mit einem Sandstrahler weg und dann ist alles wieder gut? Davon mal abgesehen, dass in sechs Wochen wieder eine Sylvester-Party am Tor stattfindet? 

Das ist doch lächerlich! Die ganze Stadt tropft vor Scheiß-nicht-lesbarem Graffiti (nicht Street Art gemeint) und mit dieser Schäbigkeit und alternativen Lebensweise werden Touristen nach Berlin gelockt und schleppen Geld hierher. Und dann führt man sich auf, wie der Gemeindevorsteher einer schwäbischen Kleinstadt zu Neujahr um 01:30 Uhr? Sorry, liebe Leser in schwäbischen Kleinstädten, es geht nicht gegen euch. Es geht mir um diese „Wir-wischen-das-mal-schnell-wieder-weg-und-dann-ist-alles-wieder-gut“-Mentalität, die hier in an den prominenten Stellen der „hippen“ Hauptstadt vermehrt Einzug hält.

Das ist lächerlich, dumm und provokant. 

Hätte die Stadt ein bisschen Mumm, würde sie es einfach so belassen. Als … (ja durchaus) …  hässlichen Anstoß zur Diskussion, für Einwohner und Besucher. Sollen die Menschen das gut oder schlecht finden, mir völlig egal, aber so ist das nun mal bei der Klima-Debatte … sie polarisiert … und da werden noch ganz andere Herausforderungen auf uns warten, also so ein bisschen Farbe. Sollen doch Touristen-Busse jeden Tag an diesem „Schandfleck“ vorbeifahren, sich ein Bild davon machen und damit konfrontiert werden. Sollen orange bepinselte Steinstücke verkauft werden, wie die gefälschten „original“ Mauerstücke seit über 30 Jahren.  

Und wenn das „orange“ nun wirklich nicht ins Metropolen-Konzept passt, dann soll der Regierende Bürgermeister von Berlin, das von mir aus mit blau-gelb für die Ukraine überpinseln oder mit weiß-blau für Israel. Oder mit Regenbogen für alles Diverse auf dem Planeten, ist mir wirklich Wurscht.

Aber das wäre wenigstens ein Statement!

Stattdessen Waschlappen gegen Klimaproteste…

Weicheier!

… und wenn diese Betriebsamkeit bei unseren Baustellen herrschen würde … wir wären eine Metropole.

487) Immer locker bleiben – 3

Bei uns im Kiez gibt’s ein neues Locker-System. Was es von den anderen unterscheidet? Nun, man kann auch was abgeben und nicht nur abholen und verschiedene Anbieter teilen sich diesen Schrank. Vernünftig. Nachteil ist aber immer noch, dass man da hin laufen muss, aber das wird sich in der Zukunft auch noch ändern.

Man muss es nur konsequent weiter denken und dezentralisieren. Aus der Elektromobilität gibt es ja schon die Idee, Elektroautos nicht nur als individuelles Mobil zu betrachten, sondern als öffentlich zugängliche Batterie. Wenn alle Elektroautos so konzipiert würden, entstünde ein riesiges dezentrales Lade-Netzwerk. Man kann sein Auto quasi überall laden, auch am nächsten Auto. Vielleicht muss man dann auch nicht jeden Quadratkilometer mit Ladesäulen vollpflastern. Zwei Leser hier werden sich an eine angeregte Diskussion im >Harz erinnern. Grüße gehen raus.

Ähnliches könnte man sich ja auch als dezentrales Locker-System vorstellen. Jedes Auto erhält künftig ein von außen zugängliches Schließfach, was von den autorisierten Lieferanten, Autobesitzern aber auch anderen Menschen der Nachbarschaft genutzt werden kann. Wenn man es richtig smart anstellt, muss die DHL auch nicht wegen jedem Kleinkram über alle Dörfer gurken. Die arbeitende Bevölkerung bewegt sich ja tagsüber auch mobil bzw. findet Mobilität ja so oder so statt. Man denke da an Pflegedienste, Busfahrten, Uber, Schulbusse. Dann könnte man denen die Pakete mitgeben bzw. unterwegs umladen. Express-Lieferungen übernehmen Polizei und Feuerwehr, denn die dürfen mit Blaulicht fahren, sensibles Frachtgut übernehmen die Krankentransporte, Wertsachen nehmen die Geldtransporter mit.

Und der ganze Billigschrott kann direkt in Müllautos umgeladen werden, da erspart man sich das Auspacken.

Juhuu, das wird lustig.
Aber programmieren will ich diese App nicht 😉

486) Neutralisierende Substantivierungsakrobatik

Liebe Leser … ach nee … Liebe Lesende … natürlich.
Liebe Bloggende, Liebe Mitbürgende, Liebe Genossen … Genießende und Vereinsmitgliedschaftsinhabende … dende … de.

Neulich habe ich das schlaue Internetz befragt, welche Buchstaben der Deutschen Sprache denn wohl am häufigsten genutzt werden. Demnach sind es wohl E, N, R, I, S, T, A, L, H, U, G, O. Interessante Reihenfolge, ergibt schon fast einen Namen Enristal, Hugo. Hugo Enristal. Kennst‘de nicht?

Könnte ja endlich mal eine Nick Name hier für mich werden. Später vielleicht.

Es hat mich schon etwas gewundert, dass das D nicht unter den ersten zwölf Buchstaben ist. Das D ist doch in Deutschland allgegenwärtig. Ich meine, was wäre denn Deutschland ohne D. Nix. Nicht mal ein Kennzeichen hätten wir. Bei all unseren schönen deutschen Artikeln, Pronomen und Abkürzungen konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass D so weit hinten zu finden. Allein wie oft ich das Wort Dussel, Blödmann und Dummkopf verwende, hätte das D ganz klar auf Platz 1 stehen müssen.

Aber das wird sich in der Statistik bald ändern. Es war vermutlich eher ein älterer Duden, der da untersucht wurde. Das D wird auf Deutschen Tastaturen bald sehr abgewetzt herüberkommen.

Denn Radfahrer werden zu Radfahrenden, Fußgänger zu Fußgehenden. Piloten zu Pilotierenden und Flugbegleiter zu Flugbegleitenden. Und weiter gehts mit den Flüchtenden und Schleusenden, den Zu Gast seienden und den Gastgebenden. Den Lehrenden vor der Klasse, den Lernenden vor den Lehrenden. Den Trinkenden vor dem Späti, den Nichtrauchenden die von den Rauchenden genervt werden …den. Den Sportreibenden, den Joggenden und Schwimmenden. Den Buslenkenden, Maurenden, Backendenden, Feuerwehrenden und Kassierenden die die Kaufenden abkassieren. Selbst Diktatoren werden zu Diktierenden, und Autokraten zu Autokratieausübenden.

Und denn ….?
Na nüscht … denn.
Alle drehen durch …denn.

Schönes Wochenende hier zum Blogende

Der Schlaumeiernde
T.

PS: die Buchstaben sind folgender Fundstelle entnommen

https://www.leemeta-uebersetzungen.de/blog/interessantes/der-meistgebrauchte-buchstabe-der-deutschen-sprache

485) Uns gehen die Buchstaben aus

Generationsforscher haben es ja eigentlich relativ einfach, wenn sie ihren Generationen Namen geben wollen. Sie buchstabieren sie einfach durch und wenn sie bei x,y,z angekommen sind, na dann machen sie einfach mit dem griechischen Alphabet weiter, dann mit Chinesisch, Hindi usw. Bis die Buchstaben mal alle aufgebraucht sind, gibt‘s schon gar keine Generation mehr auf diesem Planeten.

Schwieriger tun sich da die „Das-Wort-sprechen-wir-mal-besser-nicht-mehr-aus-Ersatzwort-Finder“.

Gestern in den Spät-Nachrichten wurde mir nun das „K-Wort“ präsentiert. Okay K ist also auch vergeben.

„N-Wort“ und „M-Wort“ sind auch schon weg, sie umschreiben frühere Wörter für Menschen mit Afrikanischen Wurzeln, das „I-Wort“ ist für Winnetou and Friends gezogen worden, Das F-Wort ist sogar schon mehrfach in Gebrauch. Von Geschlechtsverkehr, über Feminismus bis Fachkräftemangel. Mit dem „G-Wort“ drückt man sich vor Verantwortung wenn es um Genozide geht.

Tja, da wird es wohl langsam eng im deutschen Alphabet, zumal wir ja vermutlich Außenseiterbuchstaben wie Y und Q niemals verwenden werden. Und es drohen ja schon die nächsten Reservierungen. Nach den furchtbaren Angriffen der Hamas auf Israel stand schnell das Wort „aber“ unter „Beschuss“ und ich las schon vom „A-Wort“. Das „H-Wort“ wird vermutlich der Ersatz für‘s Heizungsgesetz. Das Wort „Einwanderung“ mögen CDU und die Parteien an den Rändern nicht, bei „Migration“ tönen die nicht mehr vorhandenen Sirenen. Als „E“ auch weg und „M“ bald doppelt belegt.

Wer hier schon länger mitliest, der weiß, dass, ich von aufoktroyierten oder zu vermeidenden Worten überhaupt nichts halte. Die sind nur von Zeit und halten meist nicht länger, als das System, das sie erschaffen hat. Sprache entsteht nicht von oben, sondern von unten und es bringt doch überhaupt nichts, wenn diese Leute das eigentliche Wort nicht mehr nutzen, dann aber das Ersatzwort aussprechen. Das ist doch gaga. Sorry.

Oh ich muss Schluss machen. Der „P-Wort“-Dienst klingelt an der Tür. Und das Auto hat keinen Sprit mehr, ich muss noch zur Tanke fahren, 60 Liter „D-Wort“ tanken.

Schönes Wochenende

T.

61) Mauerfall im Dreierpack

Der 9. November gilt allgemein als Schicksalstag der Deutschen. Denn mehrere geschichtsträchtige Ereignisse hat es an 9. November-Tagen in der Vergangenheit gegeben, im Guten und im Schlechten. Ich würde mich mit fremden Federn schmücken, wenn ich die jetzt hier nenne und beschreibe. Das können andere sicherlich besser. Ohne die Ereignisse jetzt in ihrer Dramatik, Bedeutung oder Abscheulichkeit vergleichen zu wollen, wird mir persönlich der 9. November in erster Linie mit dem Mauerfall in Verbindung bleiben.

Und eigentlich hatte ich vor, mich heute mal an eine Fortsetzung meiner kurzen Mauerfall-Trilogie zu setzen, aber wenn ich so auf die Uhr schaue, dann wird das wohl nichts mehr heute.

Also re-launche ich einfach die drei Beiträge aus November 2019 noch einmal, mache ein Schleifchen drum und stelle sie als Dreierpack auf den digitalen Grabbeltisch. Machen Superstars auch so und verdienen sich dumm und dämlich, auch wenn sie schon tot sind. Keine Sorge, die hier kost‘n nüscht, Scorpions und Hasselhoff singen auch nicht.

Und ich mache jetzt mal die Glotze an, vielleicht gibt‘s heute mal wieder eine Pressekonferenz und etwas ganz Besonderes …und Positives … passiert.

PS: Na Mensch, jetzt stelle ich auch noch fest, dass die laufende Nummer dieses Beitrags in der Kategorie > Fiction die Nummer 61 geworden ist. Jahres des Mauerbaus. Was für‘n Zufall

Sonderangebot: 3 zum Preis von keinem

1) 30 Jahre Mauerfall – Teil 1

Etwas piept nahe seines Bettkissens, er wird endlich wach. „Oaah, was ist das für ein nervender Ton? Ah, ein Wecker. Komisches Teil. Egal.“ Wie immer, setzt er sich für einen…

2) 30 Jahre Mauerfall – Teil 2

Fortsetzung … … Auf dem Küchentisch liegt die Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Ein winzig kleiner Artikel, am Rande der Rubrik „Vermischtes“, sticht ihm sofort ins Auge. Er beginnt zu lesen.…

3) 30 Jahre Mauerfall – Teil 3

Fortsetzung … „Oder arbeite ich vielleicht sogar für den Staat… ?“ Bei dem letzten Gedanken wird ihm immer heißer.„Mein Beruf ist das eine, aber wie stehe ich eigentlich zum System? Schwimme…

484) Die Zahlen müssen sinken?

Ich habe zwar mein Nachrichten-Konsum in der Menge reduziert, aber ich höre schon noch genau zu, was da gesagt wird. Und da fallen mir in den letzten Wochen zwei Veränderungen in der Wortwahl zur Migrationsdebatte auf, die mir irgendwie aufstoßen:

1. „Irreguläre Migration“:

Wetterte man vor Monaten noch gegen „illegale“ Migration, hat man nun festgestellt, dass Migration per se erst mal gar nicht illegal sein kann, denn das müsste ja erst mal geprüft werden. Aber dann sind die Menschen ja schon im Land und das will man ja nun gar nicht, weil wir bei der Integration heillos überfordert sind. Und weil nun auch die Parteien der „Mitte“ in den Singsang einstimmen müssen, damit die Wähler nicht zur AfD rennen, sprechen sie nun eben von „irregulärer Migration“, die es zu reduzieren gilt. Also Menschen, die flüchten, sollen nur noch einen „regulären“ Weg nehmen (was auch immer das ist) oder sich erst gar nicht auf den Weg machen, es sein denn es gibt einen EU-Außenposten an der Nordküste Afrikas, der die Legalität bescheinigt. Denn dann kann man auch regulär first class Lufthansa fliegen, zahlt immer noch weniger als für Schleuser und das Gepäck ist sogar versichert. Ha. Ha.

Die zweite Formulierung kommt in den letzten Tagen wieder häufiger und erinnert mich an wildeste Corona-Zeiten.

2. „Die Zahlen müssen sinken“

Insbesondere im Zusammenhang mit der letzten Ministerpräsidenten-Konferenz, kam diese Formulierung wieder hoch. Auch in ähnlicher Form in … „wenn die Zahlen nicht deutlicher sinken …“ oder .. „die Zahlen im Frühjahr wieder sinken…“ . Wenn man das Wort „Menschen“ vermeidet und nur noch von „Zahlen“ spricht, dann geht das scheinbar einfacher über die Lippen. Das Wort „Sinken“ will ich in dem Kontext gar nicht erst aufgreifen.

Aber das ist auch noch alles nicht aussagekräftig genug. Ich warte eigentlich nur darauf, dass wir nun endlich auch ein paar Kennzahlen entwickeln. Darauf stehen wir doch irgendwie, oder? So eine schöne Migrations-Inzidenz vielleicht, oder einen M-Wert oder ein M-Ampelsystem, damit wir das dann auf eine Deutschlandkarte pappen können und sehen, wer denn seine M-Abwehr-Ziele einhält und wer nicht. Dann können wir uns dieses Bild jeden Abend in der Tagesschau angucken, mit dem Finger auf die anderen zeigen. Wir können unsere Reisen ins benachbarte Bundesland abblasen, wenn das Traumhotel von Afrikanern belagert wird.

Dann fehlt eigentlich nur noch, dass wir einen M-Stoff entwickeln, alle M-asken vom M-arkt kaufen und jeglich erdenkliche M-aßnahmen einleiten, damit wir uns die fremden Leue vom deutschen Hals halten. „Flatten the M-Kurve“ kommt dann sicher auch noch. Das regt mich auf und es is so kurzsichtig.

Warum können wir nicht mal „steigende Zahlen“ anstreben und darüber reden?

Zum Beispiel eine steigende Anzahl Wohnungen für alle, eine steigende Zahl von absolvierten Deutschkursen, eine steigende Anzahl S-Bahnfahrten die nicht wegen Personalmangel ausfallen, eine steigende Anzahl von Pflegern/Ärzten aus Syrien, eine steigende Anzahl Solar-Panel-Installateure aus Sudan, eine steigende Anzahl Busfahrer aus Afghanistan, …

Warum scheint hier Vieles auf Abwehr aus zu sein, statt zu überlegen, wo uns diese Leute bei unseren tausenden Herausforderungen helfen können??

Will mir nicht in den Kopf …

483) Gönnen Sie sich mal wieder was

Mit diesem verlockenden Titel flog mir neulich ein Flyer der Deutschen Bahn ins Haus. Auf Seite Seite 1 war das Papier mit einer Dame geschmückt, die sich, die Augen geschlossen, genüßlich ins blaue Kunstleder lehnte. Auf Seite 2 folgte eine weitere Dame, die war so überglücklich über ihren Fensterplatz und die Tischplatte für ihr Buch. Ein Smartphone hielt sie in der Hand während sie grinsend mit 300 km/h durchs Land düste. Findet den Fehler. 

Vom Aussehen der Damen her, haben die Designer sehr auf Diversity geachtet, männliche Zugreisende suchte ich in dem Flyer aber vergebens.

Auf Seite 3 wurden dann die Vorteile der ersten Klasse aufgezählt. Die klangen so phantastisch, so schlaraffig, ja so unglaublich, dass ich dachte, ich tippe die jetzt mal hier für euch ab, kehre sie aber dabei in ihr absolutes Gegenteil um, damit es wieder etwas realistischer wird. 

Also los gehts.

Ihre zweitklassigen Nachteile:

  • Schmalere Gänge und weniger Abstand zwischen den Sitzen
  • Weniger Komfort und Beinfreiheit, mehr Sitze
  • Sitzplatzreservierung bei Fixpreis-Tickets exklusive
  • Kostenpflichtige analoge Zeiten und Magazine am ICE-Kiosk
  • Kein Zugang zu DB Lounges mit Fixpreis-Tickets

Na ganz so schlimm ist es in der zweiten Klasse ja nun auch wieder nicht. Und die mir wirklich wichtigen Dinge gibt‘s selbst in der 1. Klasse nicht.

  • Stabiles Internet
  • Steharbeitsplätze
  • Kaffeemaschine
  • Saubere Scheiben
  • Nette Menschen

90) Schlüssel-Momente

Des Stammhalters Wohnungsschlüssel war jüngst verloren gegangen. Das trieb dem hiesigen Minister für Finanzen, Wirtschaft und Verteidigung noch mehr Falten auf die Stirn. Und auch die Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen war sehr beunruhigt. 

Ein Innenausschuss wurde einberufen und der Stammhalter musste sich den bohrenden Fragen von Regierungskoalition und Opposition stellen:

Also, wenn der Schlüssel wirklich weg ist, weißt du was das heißt? Dann müssen wir die Hausgemeinschaft informieren, weil da draußen irgendwer mit deinem Schlüssel herum läuft, mit dem man Haustür, Keller, Fahrradräume und Garage öffnen kann. Geh‘ noch mal den Tag in Gedanken durch. Welche Klamotten hattest du an? Hast du die Tür nach der Schule aufgeschlossen oder hattest du geklingelt? Bist du wirklich sicher, dass du den Schlüssel hier in der Wohnung abgelegt hast? Ja? Wirklich? Na gut. Dann ist das ja nur eine Frage von Zeit und Aufwand. Dann muss der ja irgendwo hier sein.

Ein Untersuchungsausschuss wurde gegründet und stellte die Wohnung auf den Kopf. Die Arbeitsgruppe suchte in den unmöglichsten Ecken, gerade an den Stellen, wo man gerne >nur mal eben kurz und >nur mal eben schnell etwas ablegt. Aber Fehlanzeige. Irgendwann verabschiedeten wir uns gedanklich von dem Schlüssel und beruhigten uns damit, dass ihn ja kein anderer haben kann. Und ich schrieb einen neuen Punkt ins Koalitionspapier: „Ersatzschlüssel organisieren“.

Seitdem prokrastiniere ich den vor mich hin, denn für solche Reformen, lassen sich immer schlecht Mehrheiten finden.

Heute wühlte ich mal wieder durch unsere Reisekiste. Ein Karton, in dem ich all möglichen Schnickschnack aufhebe, den ich bei Reisen brauche(n könnte). Unter anderem auch Steckdosen-Adapter. Ich wollte prüfen, ob ich noch die passenden Formate für meine Reise im Januar habe oder etwa besorgen muss. 

Ergebnis positiv. Ich habe sogar zwei Stecker.
Und ich fand ein schwarzes Schlüsselband.
Mit dem Logo des Köpenicker Fußballklubs.
Und einem Wohnungsschlüssel dran.
Wie kommt der denn dahin?

Eines ist wohl klar, der Stammhalter würde sich nie an dieser Kiste vergreifen. Ich glaub‘, der weiß nicht mal, wo die steht.

Der Minister und die Ministerin traten schweigend vor die offene Kiste. Sie schauten gefasst in den Abgrund … und sich danach peinlich berührt und fragend an.