469) Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser …

Ihr wisst ja, ich reg‘ mich nur zu gern über deutsche Verwaltungsprozesse und die digitale Wüste hier zu Lande auf. Aber es geht auch schlimmer. Ich habe mehrere Stunden zugebracht habe, um mich für die Einreise in einem anderen Land zu bewerben. Es ist nicht das erste Mal, aber immer wieder ein Erlebnis.

Hier ein paar Eindrücke:

  • Ein mehrseitiges Antragsformular im Design eines HTML-Grundkurses
  • Verschiedenste Schriftarten und Schriftgrößen, Farben
  • Unlogische Plausibilitätsprüfungen, mal so, mal so
  • Zu kurze Datenfelder für all die geforderten Angaben 
  • Telefonnummern mal mit Leer- und Sonderzeichen, mal ohne
  • Religion „Others“ oder „None“ wurde abgelehnt, ich werde also wieder mal als Christ unterwegs sein 
  • Ein Passfoto in guter Qualität ist gefordert, aber quadratisch bitte und kleiner als 1MB.
  • Eine Kopie des Passes wird auch erwartet, gut lesbar und nur in PDF, nicht größer als 300KB.
  • Und eine Visitenkarte. Habe ich gar nicht. Die letzte Visitenkarte besaß ich vor 20 Jahren.

Irgendwann habe ich den Prozess entnervt pausiert und später wieder aufgenommen, da waren einzelne bereits gespeicherte Eingaben wieder weg. Und wieder musste ich bestätigen, dass keiner meiner männlichen Vorfahren jemals in der Armee des Nachbarlandes gedient hat.

Eine vom System verursachte Datenkonstellation hatte mich auf Seite 3 in eine Sackgasse geführt. Ich konnte nicht Speichern, nur Abbrechen. Auch bei weiteren Versuchen bin ich wieder an dieser Schranke gescheitert. Ich habe sogar deren 24/7 Support angerufen, landete aber nur in einer Robo-Hotline, ohne einen Agenten sprechen zu können. Dann schickte ich eine e-Mail dorthin, packte ein Screenshot bei und bat um Hilfe. Die E-Mail wurde in der Nacht beantwortet. Ich solle doch bitte anrufen. 

Total verzweifelt, fuhr ich dann gestern den Rechner herunter und probiert es heute Mittag noch mal. Und siehe da, Das Problem trat nicht mehr auf. Ich konnte Seite 3 abschließen, absolvierte sogar Seite 4 und kam dann endlich in den Zahlungsprozess, wo vielfältige Zahlungsmöglichkeiten auf mich warteten … von denen aber nur ein Bruchteil …

Ich mach an dieser Stelle besser Schluss, sonst wird es noch ein Roman. Eine Melodie aus einem Werbe-Jingle für Frischkäse kam mir in den Kopf: 

„Oh e-Visa, keiner stresst mich so wie dieser.“

468) Lokoschinsen

Im Frühling wurde ich in einen Laden … ähm … in einen „Store“ gezogen, da gab es auf drei Etagen Schokolinsen zu kaufen. Ja, die bunten Süchtigmacher mit den zwei Buchstaben und dem verbindenden „&“ in der Mitte. Nicht dass ich die besonders gern esse und ich unbedingt in den Laden wollte, nein, ich war als Tütenhalter angeheuert und hatte keine Chance mehr, abzubiegen. Und da stand ich nun völlig planlos in diesem Linsen-Fachgeschäft.

Neben den Schokolinsen in allmöglichen Farben gab es den üblichen Blödsinn, den es überall gibt. Handtücher, Shirts und Basecaps. Mal steht Berlin drauf, mal Toronto, mal Bayern München, mal Schoko&Linse. Einheitsware aus Fernost. Die Personaldecke war ungewohnt üppig, überall stand „Staff“ in Einheitskleidung herum. Manche trugen Headset und Tablet, sicher die Supervisors. Jetzt weiß ich, warum man im Elektrofachmarkt keinen Verkäufer mehr findet. Die haben auf Linsen umgeschult.

Ein Mädel sprach mich an. „Suchen Sie etwas Bestimmtes?“. Am liebsten hätte ich „ja, den Ausgang“ geantwortet. „Nee, ich warte nur. Danke“. 

Also stand ich da und beobachtete das Geschehen.

An einem Stand konnte man seinen Namen oder einen Text auf die Schokolinsen drucken lassen. 

„Guten Tag, ich hätte gern 300 Linsen mit dem Namen „Shanaya-Luise-Aurelia van der Bergen zu Prenzlau“, geht das?

Bestimmt geht das. Und da geht sicher noch mehr.

  • Sich über eine App die persönliche Schokolinse konfigurieren?
  • Ein Kissen ausstopfen lassen? Dem Teddy neue Augen spendieren?
  • Das Bällebad zum Geburtstag füllen oder eine romantische Badewanne? 
  • Ein Scrabble-Spiel bestücken? Eine Murmelbahn?

Alles noch nicht spektakulär genug?

  • Vielleicht eine personifizierte Schokolinse zum Mond schicken und dort landen lassen?

Alles eine Frage des Geldes 😉

Und was hat das nun mit dem Titel des Beitrags auf sich?
Nüscht. Ist halt mega-unique, gibt‘s noch nich‘

467) Sachlich Willkommen in Deutschland!

Kürzlich hatten die Jungs von „Lage der Nation“ (Folge 346) mal wieder das Thema Zuwanderung / Migration im Programm. Deutschland braucht circa 400.000 Menschen, die zuwandern und dauerhaft hier bleiben. Pro Jahr! Die Zahl ist nun nicht neu, man muss sie aber mal sacken lassen.

Mittlerweile spricht auch schon keiner mehr von „Fachkräften“, man wäre quasi schon froh, wenn überhaupt „Kräfte“ kämen.

Von rechts außen hört man dann häufig nur Geschrei. „Um Gottes Willen!“, „Überfremdung des Abendlandes“.

Gleichzeitig diskutiert man auch immer wieder gern, wie man die wenigen 50.000 Menschen abschieben kann, die man rein rechtlich überhaupt „rückführen“ könnte. Das ist schon verrückt wenn man überlegt, dass wir händeringend Menschen suchen, die hier arbeiten, und gleichzeitig hocken Asylbewerber in Containern, drehen Däumchen, warten auf Entscheidungen, vom Staat bezahlt, also von uns. Aber selbst diese Menschen, die hier ihren Status klären lassen, würden niemals die 400.000 ergeben.

Was also tun?

Hört man dem Friedrich Merz zu, brauchen wir solche Zuwanderung eigentlich gar nicht, man muss nur alle Arbeitsunwilligen zum Arbeiten motivieren. Na dann mach‘ mal Friedrich. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich langfristig von denen bedient oder im Alter versorgt werden will.

Bei Tino Chrupalla von der AfD klingt das noch romantischer. Wenn ich ihn im Sommer-Interview richtig verstanden habe, will auch er „fördern und fordern“ und wenn das nicht reicht … dann müssen wir uns die Arbeiter der Zukunft halt … „aus eigener Kraft heraus“ … „mit unserem Nachwuchs“ … „generieren“ … im übertragenen Sinne … zurecht-vögeln (hat er nicht gesagt). Schaue ich mir die sinkende Geburtenrate von derzeit knapp 700.000 pro Jahr an, kann das schon anstrengend werden. „Wir müssen damit auch mal anfangen“, sagt der Tino. Schluss mit Romantik. Hopp, hopp, ab ins Bett! Wie brauchen mehrtägige Stromausfälle,  Mutterkreuze … und blaue Pillen. Sonst wird das nix.

Also müssen wohl doch Kräfte aus dem Ausland her. Auch wenn die Zähne knirschen. 

Aber woher bloß sollen die kommen?

  • Leute aus der EU hätten wir ja am liebsten. Nur, wenn die Bock hätten, hier zu arbeiten, dann wären die ja schon längst hier. Könnten sie ja heute schon. Der nächste Denkfehler ist der Irrglaube, dass nur Deutschland auf Suche ist. Auch andere EU-Länder wollen Bürger anderer EU-Länder anwerben. 
  • Als nächstes könnte man außerhalb der EU, aber noch in Europa suchen, da ist man sich wenigsten „kulturell“ noch nahe. Aber da wird es dann rechtlich schwieriger bzw. sucht man dort ja auch Fachkräfte zum Beispiel in UK, Norwegen, Schweiz und hoffentlich sehr bald wieder in der Ukraine, wenn das Land wieder aufgebaut werden muss.
  • Na gut, wenn schon keine Europäer, dann nehmen wir halt Lateinamerikaner. Die US-Amerikaner wollen die eh nicht haben und wenigstens sind die in der selben Kirche, und ob wir nun Spanisch nicht verstehen oder Ukrainisch, ist eigentlich auch Wurscht.
  • Wenn die Quellen in Mexiko, Brasilien, Argentinien, nichts bringen, könnten wir ja im „worst case“ … doch vielleicht Inder … statt Kinder … und wenn die hier schon Pizza ausfahren, dann können die doch auch einen Schulbus … im Rechtsverkehr … und Chicken Curry kann man ja auch essen … auch wenn es sich mit Schnitzel nun wirklich nicht messen lassen kann.  
  • Tja, und wenn der Inder nicht will, dann bleiben eigentlich nur noch Syrer, Nord/Zentral-Afrikaner, die kommen von ganz allein. Dem Russen trauen wir nicht über den Weg und der Chinese soll man schön zu Hause bleiben. Bei den Vietnamesen und Thais könnten wir vielleicht noch mal nachfragen, die sind doch immer so nett.

Sagt mal, täuscht das, oder sind wir Deutschen schon ganz schön mäkelig, wenn es darum geht, Arbeitskräfte zu finden? Wenn sie uns schon nicht „Herzlich Willkommen“ sind, dann sollten wir uns besser bald dran gewöhnen, dass sie uns wenigstens „Sachlich Willkommen“ sein sollten.

466) Deutschland-Pakt

Die Bahn werkelt am Deutschland-Takt und der Kanzler bietet der Opposition einen Deutschland-Pakt an. Beim Wort Pakt, denke ich automatisch an den Teufel … und dann komischerweise auch an Herrn Merz … nach dem ich lange an Herrn Höcke gedacht habe. Das war ein Akt der Verzweiflung, die Rede unseres Captain Scholz kürzlich, oder? Benennt er doch die Unzulänglichkeiten, die nun mal fakt sind. Vertrackt, verkackt, die nackte Wahrheit, vollgepackt mit Altlasten und Versäumnissen der letzten Regierungen. Da kann ich nur ganz laut applaudieren, denn hier hat sich so Einiges verhakt.

Aber das mache ich der Ampel gar nicht zum Vorwurf, noch nicht. Das wäre unfair, denn diese Entwicklungen hat diese Koalition sicher nicht zu verantworten.

Allein, wenn ich mich nur mal bei uns in der Nähe umschaue:

  • Des Stammhalters Schule bröselt weiter vor sich hin. Hier der Beitrag > Trümmer-Schule GESP vom 22.09.22. Was es dort Neues gibt? Nüscht. Die Baugenehmigungen für den Umbau des Ausweichobjekts (10km, 45min) sind noch nicht mal erteilt. Stattdessen schützt ein Holzdach den Eingangsbereich von herausfallenden Fenstern. Kinder gehen nicht mehr aufs Klo und vom Genuss von Leitungswasser wir eher abgeraten. Es gibt aber einen Wasserspender in der Mensa … für 800 Schüler. Prost. Siehe Beitrag > Von Brennglas und Beschleunigung vom 05.03.22
  • Der Lehrer klagt, dass er immer noch auf die Rückerstattung der Kosten für die Klassenfahrt im Mai wartet. Das Schlimme sei wohl gar nicht auf das Geld zu warten, sagt er, sondern die Unzahl an Zetteln und Anträgen die er einreichen musste. Es war wohl eine Arbeit von mindestens 6 Stunden. Belege, Begründungen, Anträge, Aufstellungen. Unglaublich. Ein Unterrichtstag futsch. Oder der Abend des Lehrers.
  • Ein Jugendsportlerheim stand über 20 Jahre lang leer. Seit Dezember 2020 wird der 11-Geschosser in ein „Technisches Finanzamt“ umgebaut. Gerüst und Krane sind weg, eingezogen ist noch keiner. Und glaubt ihr, dass passiert dieses Jahr noch? Ich werde berichten.
  • Ein Sportplatz (ich betone … ein Platz … ohne Untergeschoss) wurde von Herbst 2018 bis ins Jahr 2020 neu gestaltet. Über ein Jahr Renovierung für einen Sportplatz! Und danach wurde er gleich wieder gesperrt. Denn dann kam ja Covid siehe Beitrag > Berlin baut Premium vom 22.12.19
  • Eine Grundschule  (DDR-Standardbau) wurde über zwei Jahre lang umgebaut. siehe Beitrag > Berliner Landschaften. Nun wird schon wieder seit Jahresbeginn „irgendetwas“ mit entsprechendem Tiefbau gebaut. Keine Ahnung was und warum schon wieder?
  • Eine Sporthalle (auch DDR-Standardbau … Grundriss ist wohlbekannt) wird geplant saniert von 4. Quartal 2020 bis 4. Quartal 2022. Mittlerweile haben wir bald 4. Quartal 2023. siehe Titelbild. Drei Jahre für eine Sporthalle im Schuhkarton-Format??
  • In der Wohnanlage gegenüber werden seit Februar 2021 die Dachböden ausgebaut. Wollt ihr raten, in wie vielen Fenstern schon Lichter brennen? Genau. 0. Richtig geraten.

Wenn ich dann überlege, dass die eingestürzte Genua-Brücke bereits 2 Jahre nach Einsturz schon wieder stand … .

Ich hoffe, dass die aktuelle Regierung hier dringend Änderungen herbeiführen kann, sonst mache ich mir ernsthafte Sorgen in welche Richtung sich der Frust der Bürger entlädt.

88) Wie retour‘ ich das nur?

Die meisten Nachbarn auf dem Planeten scheinen „Hausbewohner“ zu heißen, könnte man glauben, wenn man der App der Amazonen glaubt. Da hat man sich schon sehr aufs Päckchen gefreut und dann hat ein Mitmensch aus dem Haus das Paket angenommen, obwohl man doch eigentlich den ganzen Tag zu Hause war. Und dann geht man runter, schaut fragend auf die Klingeltafel … Klingelplatte … Klingeldingsbums … Klingelsomething … und findet aber nur die bekannten Schröders, Schneiders … und den mit Pflaster überklebten Kasupke … der jetzt von einem Doppelnamen bewohnt wird, den man noch nie gesehen hat. Und dann arbeitet man sich Schritt für Schritt vor. Erster Versuch WhatsApp-Gruppe, zweite Idee Aushang am schwarzen Brett, letztlich noch einmal bestellen.

Neulich ist mir aber etwas Eigenartiges passiert, ich habe eine Lieferung erhalten, die ich gar nicht bestellt habe. Schnell zogen Selbstzweifel auf. „Hast du vielleicht doch …?“ Nein, habe ich nicht und das würde auch gar keinen Sinn machen. Ein „Übungsheft Deutsch 6. Klasse“ braucht hier in diesen vier Wänden kein Mensch. Oder lag das Buch vielleicht jahrelang in meiner Merkliste und dann habe ich das jetzt versehentlich gekauft. Nein. Laut „Meine Bestellungen“ habe ich das weder bestellt, noch ist es jemals angekommen. Mehrere Male überprüfte ich das Adress-Etikett. Kein Zweifel, das bin ich.

„Schicke ich zurück“, war mein erster Gedanke.  Der zweite Gedanke: „Wie denn?“ Es gab ja offiziell keine Lieferung, also gibt’s auch nichts wo ich draufklicken und die Retoure veranlassen konnte. 

Was könnte ich tun?

  • Bei Amazon anrufen und ein Lösung suchen? Zu aufwändig. 
  • Das Buch bestellen und dann beide zurückschicken? Bekloppt. 
  • In die blaue Tonne werfen? Eigentlich schade drum. 
  • Es einfach behalten? Aber für wen? Wäre Blödsinn.
  • Mir noch mal einen Sechstklässler anschaffen? Also ähm … nee.

Das sind Probleme … 

74) Berliner Digitalverhalt

Alle zwei Jahre muss ich mir einen neuen Anwohner-Parkausweis besorgen. Ihr ahnt es bestimmt schon, es ist mal wieder soweit. Ein nerviger Verwaltungsakt, aber auch eine beliebte Gelegenheit, um zu schauen, welche Fortschritte es in der digitalen Verwaltung gibt.

Da ich ab Oktober keinen Strafzettel riskieren wollte, begann ich bereits sehr früh mit dem Zusammenstellen der Unterlagen. Fahrzeugschein, Kopie Personalausweis, Antrag in PDF-Form, manuell unterschrieben und wieder eingescannt. Und da lief ich schon auf das erste Problem, mein Personalausweis war abgelaufen, >siehe Beitrag hier. Ich also ganz schlau, fülle den Antrag so aus, dass er von der hiesigen Ministerin für „Familie, Inneres und Kultur“ erfolgt, schließlich wohnt sie ja hier und fährt auch mit dem Auto. Gesagt, getan, per e-mail verschickt.

Die E-Mail kam nach einer Woche zurück, die Bearbeiterin schrieb, es wäre doch „einfacher“, wenn wirklich der Fahrzeughalter … wegen Namensgleichheit … sonst… Überlassungserklärung … nachreichen … nerv.

Da ich ja nun wieder einen gültigen Ausweis habe, machte ich mich heute Morgen auf die Suche nach dem PDF Formular im Netz und stieß auf den Hinweis, dass es dafür ja auch ein „Online Verfahren“ gibt. Ach ja stimmt, habe ich ja vor zwei Jahren schon mal gemacht. >Beitrag hier. Hätte die Bearbeiterin ja auch mal drauf hinweisen können.

Also stürzte ich mich voller Begeisterung ins „Online-Verfahren“ und stellte schnell fest, dass die Usability immer noch genau so grottig ist. Irgendwie verfahren. Ein Screen-Design wie Mitte der 90-er Jahre, eigenartige Fehlermeldungen, gewisse Buttons, die ich klicken sollte, die es aber gar nicht gab. Meine Adresse wurde als „nicht existent“ abgewiesen, aber als ich dieselbe Adresse aus einer Liste auswählte, wurde sie bestätigt. Und komischerweise, die Kopie meines Ausweises, wollte keiner mehr haben. Na, immerhin, musste ich nichts mehr drucken und konnte mit Kreditkarte zahlen.

Man o man, immer dieser Heckmeck. Warum kann ich diesen blöden Anwohnerausweis nicht einfach abonnieren? Von mir aus auch auf mein Risiko, dass sich Preise ändern oder ich mal umziehen werde. Was soll dieser Blödsinn?? 

Mit welchen Nebensächlichkeiten sich Bürger und Ämter hier beschäftigen müssen, meine Güte. Hätten wir nicht eigentlich dickere Bretter zu bohren?

Ich erfinde mal einen Witz:
Geht eine Hauptstadt zum Arzt
„Wie geht‘s Ihnen denn?“, fragt der Doktor.
„Na geht so, ich kann nicht … mehr richtig … sie wissen schon … digitalisieren“, stammelt sie peinlich berührt“
„Ach, da sind sie nicht alleine. Das nennt man akuter „Digitalverhalt“. Alles nur eine Frage des Willens. Probieren sie weiter und dann stellen Sie sich in zwei Jahren wieder vor, ok?“

„Gut, ja, ich gebe mir Mühe“ sagt die Stadt und verlässt erleichtert die Praxis.

PS: nun sollte ich zum Schluss vielleicht noch den eigenartigen Titel erklären. Ich habe ja auch jüngere Leser/Innen oder Leser aus dem Ausland. Ein „Verhalt“ ist ein veraltetes Wort für einen Zustand, bei dem man etwas nicht mehr vorwärts bekommt. Etwas klemmt oder stockt. Beispiele aus der Medizin: 

„Harnverhalt“ oder „Stuhlverhalt“. Sicher kein Vergnügen, aber herrlich dicht an den Wörtern „Verwaltung“ und an „veraltet“.

465) Leere Wände – Wochenende!

„Hoch die Hände – Wochenende“ könnte man am Freitag vor Freude rufen. 

Ja, kann man machen, nur sollte man vielleicht bereits zu Wochenbeginn den Einkauf dafür erledigen. Seit Mitte der Woche leeren sich im benachbarten Supermarkt die Regale. Und zwar deutlich. Also beschloss ich, heute am Freitag mal besser nicht zu lange zu warten und stattete unserem verlängerten Kühlschrank gegen 17:00 Uhr einen Besuch ab.

Der Anblick der Regale und Truhe erinnerte mich an eine Kaufhalle in der Provinz Kuba‘s … im Jahr 2006 … oder an den Markt eines nicht näher zu definierenden Ortes in Deutschland zu Hochzeiten von Corona.

Was ist denn hier schon wieder los?

  • Gibt es die nächste Pandemie und ich hab’s vollkommen verpasst? 
  • Ist morgen Feiertag? Brückentag? Irgendwas besonderes? Schon Weihnachten?
  • Wurde wieder irgendwo ein Krieg angezettelt?

Aber mehrere Papiere hingen an den luftigen Regalen. Ein „Streik in der Logistik“ … „Wurst, Käse, Milchprodukte, Tiefkühlprodukte“ … „Lieferschwierigkeiten“ … „bitte“ … „Verständnis“. Ui, Ui, das sind ca 90% des deutschen Durchschnitts-Tellers. Es geht bergab!

Also bitte ich die Datenkrake um Aufklärung und finde Berichte zu Streikmaßnahmen im Einzelhandel aus März, Mai, Juli … aber nichts aus September. Aber Wurscht … ähm nee … egal …, ich zucke mit den Schultern und bediene mich an den Resten, die ganz vorn an der Kante stehen.

Jetzt hoffe ich nur, dass die Nachbarn diesen Zettel gründlich lesen und nicht gleich wieder durchdrehen. Ich ahne Schlimmes….

Vielleicht hätte der Marktleiter besser draufschreiben sollen:

„Betrifft nicht Mehl, Öl und Klo-Papier“

464) Von Taschendieben und Waffennarren

Vor ein paar Tagen, habe ich mit einer Kollegin aus Florida geschnattert. Sie berichtete mir ganz aufgeregt von den Vorbereitungen zu ihrer anstehenden Kreuzfahrt „durch Europa“. Ihre größte Sorge waren die Koffer, denn die gehen sowohl in den USA, als auch in Europa gern verloren…

Ja, das ist nervig, ohne Frage. Nun, hat aber ihr Göttergatte noch von „all the „Pickpockets“ in Europa gehört. Ein Riesen-Problem sei das wohl „there in Europe“. Nun versuchen Sie, sich in den verbleibenden Tagen über Amazon mit entsprechenden kleinen Täschchen, versteckten Gürteln, und anderen Sicherheitsvorkehrungen aufzurüsten und auf diese „Challenge“ vorzubereiten. Die Zeit rennt natürlich, denn wenn Amazon zu spät kommt, ist das Päckchen noch in Florida und das Pärchen bereits in Europa und „all den Taschendieben“ hilflos ausgeliefert.

Ich versuchte sie zu beruhigen, dass an den Tourist-Places, dieselben Sicherheitsmaßnahmen gelten, wie überall auf der Welt. Keine Juwelen zur Schau stellen, Geld eng am Körper tragen, und die Wertsachen irgendwie schlau verteilen, so dass selbst wenn eine Kreditkarte geklaut wird,  nicht gleich der ganze Urlaub ins Wasser fällt.

Dann habe ich noch versichert, dass ich hier noch nie am Körper beklaut wurde.

Ein anderer Typ aus Orlando fragte sie im Meeting, ob sie denn ein iPhone hätte. Sie verneinte und sagte, sie habe ein Android-Telefon. Der schlaue Kollege konnte sie dann besänftigen, den er wisse, dass es in Europa „auch“ Android-Telefone gäbe. Sie würde also Ersatz bekommen … no issue! 

Nach dem das Gespräch beendet war, dachte ich darüber nach, ob ich bei meinen 2-3 USA/CA-Reisen jemals über Taschendiebe nachgedacht habe. Aber nein, habe ich nicht. Wenn, dann habe ich drüber nachgedacht, dass statistisch jeder Amerikaner 1,2 Waffen besitzt, und die Polizei dort auch nicht gerade zimperlich ist, ihr „Besteck“ an Bürgern und Touristen auszuprobieren.

Tja, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen.

Dann fragte ich mich, ob es denn in den USA so viel weniger Taschendiebe gibt, als in Europa? Tja, muss ja wohl so sein, denn sonst wäre die Kollegin ja nicht so beunruhigt. 

Vielleicht ist es in den USA wirklich unattraktiv, jemandem die Geldbörse zu klauen, wenn man weiß, dass der Beklaute gegebenenfalls eine Wumme in der Tasche hat. 

Möglicherweise ist aber Taschen-Diebstahl erst recht interessant, weil man höchstwahrscheinlich eine Knarre aus der Tasche erbeutet und sich der Beklaute dann ja nicht mehr wehren kann.

Vielleicht redet aber auch keiner mehr über Taschendiebstähle, weil Schießereien die Kleinkriminalität medial übertönen.

Wie auch immer das dort so läuft, solche Zustände will ich hier nicht haben.

Das ist mir der Taschendieb schon fast sympathischer…

PS: Jetzt, erst kurz vor dem Abschicken merke ich, dass die Buchstaben NRA gleich zweimal im Wort „Waffennarr“ vorkommen.

Lustig, nicht war? Hah, Hah!

463) Mit Zettel und Stift 12

Aktuell fehlt mir etwas die Lust zum Schreiben. Sicher gibts eigentlich genug Themen, ein Blick in die Nachrichten pro Tag reicht aus, um sie zu sehen. Aber viele sind zu groß, zu mühsam, um mich an ihnen abzurackern. Dazu kommt ein durchaus pralles Tagesprogramm, „Arbeit“ genannt, die Family und ein paar nervige Zipperlein, die nicht verschwinden wollen. Also re-poste ich einfach, was andere schon geschrieben, gedruckt oder an Tafel und Wände geschmiert haben.

Also los geht‘s:

Das erste Bild hier, das strahlt nur so von Berliner Gastlichkeit. Ernsthaftes Trinken ab 20:00 Uhr. Na dann Prost.

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Das nächste Schild kommt da schon etwas einladender daher, ist ja auch aus Ottawa. Da wo der Otter … na ihr ihr wißt schon.

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Noch eines aus Canada, diesmal aus Huntsville.

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Nun aber mal schnell ein Thema-Wechsel. Wir wechseln zur hochwertigen Ernährung.IMG_6818

Oh je, ich fühle schon den „hate“ im Netz aufkochen. Ich schalte mal besser rüber in die Abteilung Mobilität. Man braucht schon Zoom oder Brille, aber der Spruch ist cool.

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Noch was aus Canada, aus der Heim-Elektronik. Da kann man auf dem Klo seine Kinder aufladen. Das ist super praktisch.

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Und nun wieder zurück nach Deutschland. Danke an die Polit-Sternwarte in Berlin Mahlsdorf für dieses schöne Exemplar. Ein „Permanenttraget“ (französisch …) für wenig Asche.

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Das nächste Schildchen stammt aus selber Hand, in Kleinmachnow gab es ordentlich Sommer-Rabatte für halbe Arme und Beine. Auch dafür großen Dank.

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Der letzte Schnappschuss für heute, stammt natürlich aus unserer hippen Hauptstadt. Personalmangel wohin man sieht, besonders Schlüsselqualifikationen werden an jeder Häuser-Ecke rekrutiert.

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Ach ja, wie schön …

<—Mit Zettel und Stift 11

–> Mit Zettel und Stift 13

462) Erfrischende Videokonferenzen – Vol 4

Erst vor Kurzem wurde in MS Teams das Feature der „Avatare“ ausgerollt. Ein Albtraum für die Brötchengeber, die das nicht deaktiviert haben, spielen doch die Mitarbeiter nur noch an sich … hüstel … an ihren künstlichen Ebenbildern herum. Ich habe noch nicht ganz verstanden, ob die User sich eher so gestalten, wie sie wirklich aussehen, oder wie sie aussehen wollen. Das muss ich noch tiefer untersuchen. Auf jeden Fall kriegt Silicon Valley viele interessante Daten über das Befinden oder Streben der User. Körpergröße, Nasenbreite, Oberweite, Augenabstand. Mit zig Einstellungen kann man seinen digitales Spiegelbild „designen“. Ja und diese digitalen Weiblein, Männlein oder Diverslein schickt man dann statt seiner selbst ins Meeting und lässt die Kamera getrost ausgeschaltet. Endlich!

Klo, Küche, Kühlschrank, Keller, Dachboden, alles wird endlich wieder erreichbar, wenn man denn nur eine gute Funkverbindung für den Ton hat. 

Und weil der „digital twin“ noch nicht mit den Emotionen des Originals verbunden ist, kann man mit ein paar Mausklicks diverse Emotions-Buttons drücken und schon bewegt sich der Avatar mit coolen Moves. Auch Diversity, Integration, Toleranz und Inklusion sind schon bedient, man kann sich asiatische Augen verpassen, in eine schicke Burka hüllen (allerdings nur mit Sichtfeld), einen roten Punkt auf die Stirn kleben oder als vermeintlich Südamerikaner eine Beinprothese anschnallen. An jeden ist gedacht.

Das ist technisch schon gut gemacht und gibt es einen kleinen Eindruck davon, was da alles noch so kommen mag. 

Ein paar Ideen:

  • Es mangelt mal mindestens an sportlichen Gadgets wie z.B. Ski-Stöcken, Tennis-Schlägern und Golf-Bags. Das Trikot des Lieblingsvereins mit eigenem Namen gibt‘s bestimmt bald gegen kleines Entgelt. Lizenzrecht … ist kompliziert. 
  • Und was zum Angeben braucht man auch noch. Krokodil auf der Brust, teure Uhren, schicke Handtaschen oder Brilli-Ketten. Eine Motorsport-Kappe oder ein arschteuerer Kugelschreiber in der Hand wäre auch angebracht.
  • Tattoos, Brustwarzen-Piercings, Tackernadeln oder Tunnel-Ohren habe ich auch noch nicht gefunden, hier bitte dringend nachbessern, sonst kommt das in Berlin nicht zum Fliegen. Apropos Berlin. Für den hiesigen Markt bitte noch 2nd Hand Klamotten, Bierflasche, Latte Macchiato und Joint nachreichen, das Konzept geht hier sonst gleich den Bach runter.
  • Auch andere Regionen des Planeten sind nicht ausreichend repräsentiert. Für Norweger fehlen Schals, den Kanadiern mangelt es an Feuer-Decken, den Holländern an Fahrrädern und den Bangladeshis an Schwimmflügeln.
  • Ein paar Sticker, mit dem man sich politisch positionieren kann, die fehlen auch noch. „Nazis raus“, „Atomkraft nein Danke“ oder „Hambi bleibt“. 
  • Ich habe weiter überlegt, was eigentlich noch fehlt, um es total „echt“ zu machen. Ich glaube, ich hab’s gefunden: es sind kleine Botox-Portionen zum Klicken, die fehlen noch. Dann wird es realistischer 😉
  • Ein Emotions-Keyboard mit dem man permanent seine Stimmungslage buzzern kann, ohne mit der Maus herumfummeln zu müssen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht gerade mit dem Finger an die Stirn tippt, wenn der Chef spricht, oder mit den Augen rollt, wenn die Praktikantin einen Vorschlag macht. Oder war es andersherum … Wurscht … nebensächlich.   
  • Ganz wichtig und völlig zu kurz gekommen, sind zwischenmenschliche Berührungen. So etwas ganz Alltägliches wie „Klapps-aufn-Arsch“ oder „Kopf-umklammern-ranziehen-und-auf-die-Gusche-küssen“.

Kommt bestimmt bald …
wir freuen uns.

Frühere Beiträge der Reihe: