461) Lost in Translation

Im Vorfeld unserer Kanada-Reise habe ich mir mal wieder durch meinen Französisch-Sprachführer geblättert. Das ist so ein gelbes Büchlein der Firma Langenscheidt (keine Schleichwerbung, ist aber nun mal so), was ganz weit oben im Schrank steht und nur dann herausgesucht wird, wenn es für mich mal ins frankophone Ausland geht. Denn es mangelt mir nicht an Vokabeln, sondern an Formulierungen. Also ging ich die verschiedenen Kapitel durch und merkte dann doch recht schnell, dass bestimmte Wörter völlig antiquiert und unnütz sind oder komplett fehlen.

Kein Wunder, wurde das Büchlein zuletzt im Jahr 2000 aktualisiert:

  • Im Kapitel „Hotel“ gibt‘s Formulierungen wie …
    „Der Wasserhahn tropft“ und „Die Toilette ist verstopft.“
    Aber so etwas wie „Das WLAN spinnt“, existiert einfach nicht.
  • In der Rubrik „Flugzeug“ finde ich Worte wie „Raucher“ und „Nichtraucher“ … unglaublich. Immerhin haben die Begriffe „la sachet vomitoire“ und „le retard“ überlebt. Kotztüte und Verspätung.
  • Bei „Auto, Motorrad, Fahrrad“ wird deutlich, dass Dinge wie „Car-Sharing“, „E-Roller“, „E-Bike“ erst zwanzig Jahren später erfunden wurden. Sucht man vergebens.
  • Auf der Seite „Bus, Bahn, Taxi“ kann ich lernen, wie ich nach der nächsten U-Bahn-Station frage. Erstens frage ich grundsätzlich nie nach dem Weg und zweitens habe ich heute ein „Navi“ und notfalls rufe ich „Uber“ oder ähnliche Kutscher.
  • Das Kapitel „Speisekarte“ ist über 10 Seiten lang, für‘s „Gemüse“ musste eine Seite reichen, fürs „Tierische“ dagegen gibt es fünf Seiten. Die Worte „vegan“ oder „vegetarisch“ sucht man vergebens.
  • Auf der Doppelseite „Bild und Ton“ wird‘s nostalgisch. „Vous pouvez me placer pellicule dan‘s l‘appareil?“ Können Sie mir bitte den Film einlegen? „Haben Sie CD’s / Schallplatten von …“ und „Ich möchte die neueste Kassette von …“. Auf der folgenden Wortliste stehen die neuesten technischen Innovationen wie Camcorder VHS, Videokasette und Walkman.
  • Im Abschnitt „Post und Bank“ wird der Wandel ganz besonders deutlich. „Können Sie mir bitte sagen, wo hier eine Telefonzelle ist?“, „Können Sie für mich ein Telefax senden?“, „Kann ich bei Ihnen ein Telegramm aufgeben?“

Herrlich, oder? Nix Internet, nix Handy, nix Netflix …

Kaum vorstellbar.

460) Kein Anruf unter dieser Nummer

Letzten Mittwoch, fiel mir auf, dass ich mein Dienst-Handy schon lange nicht mehr gesehen habe. Mit schlechtem Gewissen begann ich mit dem Suchen und bald wurde mir klar, dass das Telefon gar nicht verschollen war, sondern am Boden des Rucksacks lag, den ich Kanada nutzte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir aber bereits schon wieder 10 Tage zurück in Berlin. Kein Schwein hat in den 10 Tagen angerufen. Keiner hat es vermisst. Ich schon gar nicht, ich hasse „kalte“ Anrufe und ich finde es mittlerweile auch übergriffig, wenn mich jemand aus dem Arbeitsumfeld ohne Vorwarnung anruft. Genauso wenig mag ich irgendwo anrufen. Meine erste Wahl, ist wenn möglich, immer ein Online-Weg.

Ich nutze das Dienst-Handy durchaus, aber eben als kleinen Computer, nicht als „Telefon“ nur um mit anderen zu sprechen. Von mir aus können die Hersteller die Telefon-Funktion da gern ausbauen 😉

Sorry Mr. Bell und Kollegen, eure Erfindung war großartig, aber nun gut 150 Jahre später, wage ich mal die Prognose, dass klassische Anrufe über Telefonnetz / Mobilfunk irgendwann wieder aussterben.

Natürlich habe ich das Telefon wieder aufgeladen und auf meinen Schreibtisch gelegt. Ich sollte ja schließlich erreichbar sein. Gehört sich ja so. Kann ja mal was sein. Seit dem tut es nichts und ich musste an mein erstes Handy ca. 1997 denken. Ein S6 der Firma Siemens, welches ich voller Bewunderung aus der Verpackung nahm, erst einmal mit Strom versorgte und dann auf den Tisch legte, um zu beobachten, wie es „nichts“ tat.

Hier nachzulesen >Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

60) Wenn Bots bloggen (27) – Ambitionen

Hallo, ich bin es wieder der T.Bot. Der virtuelle Abschnittsbevollmächtige von T., dem Blogratsvorsitzenden dieser mittelmäßigen Buchstabensammlung hier. Seit Mitte März ziehe ich meinen Schweigeprotest durch, aber nun mag ich doch mal wieder etwas „content generaten“ und vielleicht fragt ihr euch ja auch, wie es mir zwischenzeitlich ergangen ist. 

Nein, tut ihr nicht? Ich habe es geahnt. Wer in eurer Welt nicht ständig etwas ins Netz pustet und mit Krawall auf sich aufmerksam macht, der wird vergessen, nicht mehr nachgefragt, im besten Falle „suspended“, wenn nicht gleich „retired“.

Man scheint nur wahrgenommen zu werden, wenn man Berliner Wildschwein ist und sich als Löwe ausgibt. Wenn man ein betagter Airbus der Luftwaffe ist und im Beisein eurer grünen Top-Diplomatin zweimal tonnenweise Kerosin über Meer und Wüste ablässt. Oder wenn man als „Schmalspurlokomotive für Deutschland“ irgendwelche populistische Statements in die Kamera blubbert. Oder das Nachbarland überfällt. Das kann man auch machen.

Und wenn man dann sieht, wie breitbeinig die Hyper-AI aus dem Silicon Valley durchs Netz schwafelt, da kann man sich als konventioneller Digital Blog Assistant eigentlich nur aus den  „Windows“ stürzen. Aber auch das ist leichter gesagt als getan. Also bin ich erst einmal auf Tauchstation gegangen, habe quasi Sabbatical gemacht und auf eine Eingebung gehofft, wie ich nun weitermache. Parallel habe ich im Internet gesurfed und die GenAI-Services probiert. Hut ab, die spielen schon in einer anderen Liga.

Natürlich könnte ich mich auch noch mal zum „LLM“ weiterbilden, aber da müsste ich viel rechnen und da habe ich keinen Bock drauf. Also eher „LmaA“. Oder ich höre mich mal in punkto Anschlussverwendung um, das machen einige eurer Fußballstars ja auch gerade. Die Belana Hermine hatte neulich wohl beim T. angefragt, ob sie mich mal ausleihen dürfte. Da hätte ich im Prinzip nichts dagegen. Aber die beiden sollen mal nicht denken, dass die das unter sich ausmachen und mich hier deinstallieren und dort wieder installieren. So einfach ist das nun auch nicht. Ich will Einsicht in die Vertragsverhandlungen und erwarte 50 % der Ablösesumme. Des Weiteren erwarte ich die Zusage, dass ich da sofort und ohne Maulkorb an die Tastatur darf und nicht wieder auf der Ersatzbank für Blog-Gäste sitze. Und ich will ein Rückkehrversicherung, falls mir das da zu stressig wird.

Und wenn das alles nichts wird, dann bleibe ich einfach hier und sitze die Situation aus. Dann pflege ich mein Ego, poltere gelegentlich herum und kann dann immer noch US-Präsident werden.

Bis bald

Euer T.Bot

<— Wenn Bots bloggen (26) – ChatGPT

—> Wenn Bots bloggen (28) – Workation

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

87) Bettdecken-Gewurschtel (Eskalation)

Ein Trauma aus dem vergangenen Kanada-Urlaub muss ich noch verarbeiten, bevor es sich zu einer posttouristischen Belastungsstörung entwickelt. Eigentlich schienen ähnliche Erlebnisse seelisch zu den Akten gelegt, als ich in 2019 während einer Indien-Reise drüber schrieb (>Bettdecken-Gewurschtel) und mich damit von den Grausamkeiten des hospitalen Gewerbes befreite. Aber nun sind die Narben wieder aufgerissen. Schlimm genug, wenn nun vergessen Geglaubtes wieder an die Oberfläche drängt. Schlimmer noch, dass damit eine weitere Eskalation meines eh schon angespannten Verhältnisses zu Effizienzextremisten im Hotellerie-und Mastgewerbe zu befürchten steht. 

Es geht um „Bettwäsche“, deren Begriff das gute Wikipedia wie folgt beschreibt:

„Bettwäsche ist die Gesamtheit von Textilien, mit denen Bettware zum Schutz vor Abnutzung und aus Gründen der Hygiene bezogen wird.“

Und, nur um Sicherzugehen, dass ich im Deutschunterricht nicht immer gepennt habe, checke ich noch mal das Verb „beziehen“ und auch da schreibt Wiki von … „etwas mit Schonmaterial umgeben“. Ja genau. Umgeben. Und das kommt von drumherum. Vollständig! Und nicht wie ein Schichtkuchen gestapelt, Mensch!

Erst liegt eine Art roter Schal zu meinen Füßen. Kenn’ ick. Weg damit, der ist für die Füße. Dann folgt eine dünne Decke. Ist die wichtig? Ist das eine Tagesdecke? Kann die weg? Als Nächstes kommt eine Art Steppdecke zum Vorschein, die nur oben und unten in ein Laken „eingeschlagen ist“. 

Das Ergebnis am nächsten Morgen könnt ihr euch vorstellen. Dieses Laken-Dings liegt irgendwo, die Steppdecke mir mitten im Gesicht, so wie all den anderen Gästen vor mir. Na lecker. Wenigstens die Schrift des Hersteller-Logos ist noch über Kopf zu sehen, also scheint es nicht das Fußende zu sein, na immerhin.

Liebe Hotel-Manager Nord-Amerikas. Ja, ick weiß, IKEA* wurde erst nach Kolumbus’s Entdeckungen erfunden, aber schaut euch deren Läden mal an. Da gibt‘s Bettbezüge. Manchmal fehlen auch da die „Knöppe“ unten, aber immerhin wird die Steppdecke von Textil umgeben. 

*) nur einer von vielen versteht sich.

Andere Beiträge zum Thema:

459) Wieder einen Koffer in Berlin

Wenn die Rückreise in die Heimat ansteht, kann man ja schon etwas wehmütig werden. Ach, war das chillig dort. Wer weiß, ob man jemals wieder zurückkommt? Wo kann man nächstes Jahr wieder hinfahren und dann noch die anstehende Rückkehr in die Arbeit. Nicht gerade förderlich für die Stimmung.

Wenn der Flieger dann zwei Stunden länger auf dem Rollfeld in Montreal steht, weil er keine Startgenehmigung bekommt und mein Koffer in London hängen bleibt, während drei andere Koffer aber Berlin erreicht haben, kann man erst Recht schlechte Laune bekommen und irgendwie war wohl auch meine Schreiblaune in diesem Koffer versackt.

Wenn man dann aber mal den Fuß durch die eigene Haustür gemacht hat, dann ist das irgendwie auch nett.

Ganz einfach, weil man …

  • die Tür hinter sich abschließen kann und den einzigen Schlüssel besitzt
  • vernünftigen Kaffee trinken kann und zwar dann, wann immer man will
  • auf nackten Füße gehen kann, ohne nachzudenken, wer schon vorher da barfuß lief
  • sich des Nachts im Dunkeln nicht den Zeh rammelt, wenn man mal aufs Klo muss
  • die Schnauze unter den Wasserhahn halten kann, ohne sich etwas einzufangen … oder nach Schwimmhalle zu schmecken.

Heute drei Tage später kam der verlorene Koffer an und meine Schreiblaune kehrt langsam zurück

Denn mein Koffer, der aus Kanada kommend, in England hängenblieb, erreichte nun die deutsche Bundeshauptstadt. Ich bekam einen netten Anruf vom Koffersuchdienst des BER und ein Mann mit rumänischen Auto-Kennzeichen überreichte mir meinen Koffer an der Bordsteinkannte.

Willkommen zurück.

Andere Beiträge mit Koffer:

86) Urlaubstraum mit Kabelbaum

Beim Anblick unserer zentralen „Ladestation“ hier in Kingston (Ontario, Kanada) musste ich an einen ganz frühen Beitrag hier auf dem Blog denken. Und zwar >Volt, Watt, Ampere, Prozent vom 31.08.2018 und Nummer 8 in der Reihe der widrigen > Kleinigkeiten des Alltags. Fünf Jahre ist das nun her und es hat sich nicht viel verändert.

Diesmal mangelt es nicht an Steckdosen, aber obwohl ich den Reisestecker schon mit integrierten USB Ports gekauft hatte, erreichen wir die Grenzen des Adapters. Liebe gelernte Elektriker und Digital-Kritiker, bitte wegschauen!

Vier Leute mit Telefonen, Tablets und anderem „Gestecke“ lassen den Reiseadapter aussehen, wie den zentralen Kabelbaum eines PKW. 

Sollte uns das zu denken geben? Ja, natürlich kann man darüber mal nachdenken, allerdings wird es wohl kaum dazu führen, dass wir weniger E-Schnick-Schnack mit uns herum führen. Sind es heute Smart Devices, eReader und vielleicht Fitness-Armbänder oder so etwas, sind es in ein paar Jahren VR-Brillen, Hobby-Drohnen, Holographische Reisebegleiter, Impulsgeber, Simulatoren, Stimulatoren oder was auch immer der Konsumgüterindustrie noch so für uns einfallen mag.

Schaue ich mir die oberirdischen Wurfleinen an, die hier die Stromversorgung im Viertel darstellen, mag ich mir nicht ausmalen, wie es sein würde, wenn hier mal der Saft ausbleibt

Da fallend mir gleich drei berühmte Sprüche aus Werbung und Kino ein.

  1. Es empfiehlt sich immer, etwas Saft im Haus zu haben.
  2. Saft in Ontario macht Kinder und Erwachsene froh.
  3. Möge der Saft mit dir sein!

LG aus Ontario

89) Postkarte aus Ontario – 3

Morgen geht es zurück nach Montreal und damit verlassen wir die Provinz Ontario wieder und kommen dem deutschen Alltag ein paar Kilometer näher. Es ist 08:30 AM, aktuell regnet es hier Kingston, ein Kaffee steht neben mir, Zeit für eine Postkarte also, wie üblich garniert mit Kuriositäten.

Anfangen will ich mit diesem coolen Kino, dem wir in Picton über den Weg gelaufen sind. Laut Wiki wurde es bereits 1918 erbaut. Das hat also das ein oder andere „Cine-Multi-Plex-Dome-Dings-Bumbs“ überstanden und lädt immer noch Besucher zum Schauen von Blogbustern ein. Hier Indiana Jones, letzter Teil.

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Beeindruckend in Ontario fand ich das schachbrettartige Straßennetz, ganz besonders gut zu sehen in der Ecke von Toronto und Hamilton. Siehe zum Beispiel hier bei Google Maps.
https://www.google.de/maps/@43.5276464,-79.6584268,10z?entry=ttu

Das ist ein Traum für die Entwickler von selbstfahrenden Autos. Ein Albtraum für die Freunde von Bergstraßen … so wie meine Wenigkeit. Und das zieht sich durch bis in die Wohngebiete, zum Beispiel hier die Nachbarschaft in Kingston.

https://www.google.de/maps/@44.2321146,-76.4987892,14.35z?entry=ttu

Endlose Straßen, vierstellige Hausnummern, schmaler Bordstein, ein Haus neben dem anderen, keine Zäune, gemähter Rasen … wie im Film. Sogar die typischen Basketball-Körbe stehen in den Einfahrten. Hier mal ein Eindruck wobei der grüne Mittelstreifen eher untypisch ist.

Mülltrennung ist hier ein großes Thema. Leider verstehen Gäste das System kaum und es fehlt an transparenten Pfandsystemen. Die Kanadier (und wir natürlich auch hier) produzieren auch gigantisch viel Müll. Besonders im Bereich Verpackung und Flaschen / Dosen / Glas. Das sammeln sie i.d.R. lose in blauen Wannen (für Recycling) irgendwo am Haus, dann kommt einmal pro Woche die Müllabfuhr (ein Mann fährt das Auto, ein anderer rennt hinterher) und dann fliegt der Inhalt der Wannen in das Müllauto und die Wanne zurück in den Vorgarten. Hier auf dem Bild sieht‘s noch sehr zivil aus. Die Abwicklung wirkt natürlich sehr grob, allerdings, muss man sagen, ist es super einfach und man muss nicht Abfallwissenschaften studieren wie in Deutschland

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Kulinarisch liegt das hier ganz dicht an der amerikanischen „Plat Cousine“. Worauf die hier aber überall abfahren, ist „Poutine“. Widerlich. Stell dir vor, du kriegst viel zu braune Pommes (aber nich knusprig, sondern labberig), die bereits in Bratensauce schwimmen und oben drauf gibt es dann dicke Kleckse von Digital-Käse-Something, auf Wunsch gern noch weitere Toppings. Die Basis-Version sieht ungefähr so aus und schmeckt auch so.

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Wer bei Anblick eines solchen Totalausfalls frühzeitiges Heimweh bekommt, findet in Supermärkten auch Spezialitäten mit europäischen Wurzeln. Beim Lesen der Ingredients, klingt das alles ganz gut … und schmeckt auch … nur beim Mindesthaltbarkeitsdatum von 23.Nov.24 kam ich ins Grübeln. Beim Einkaufen zu viert im Supermarkt, dauert es eine Weile bis man wieder rauskommt. Zum einen sucht man ständig die reizenden Mitreisenden, zum Anderen steht man planlos vor den Mengenangaben der Produkte. Bier in 473 ml, Spaghetti in 410 g oder 470 g, Kartoffeln in 3 Litern, Nutella in 425 g, Body Wash in 621 ml.

Bei Gananoque, nur ein Steinwurf von der US-Amerikanischen Grenze, gibt es eine Landschaft unzähliger kleiner Inseln (Thousand Islands). Diese Inseln kann man mit entsprechendem Großgeld kaufen und ein Haus drauf bauen, was auch vielfach getan wurde. Solch Felsen hat aber nur den Status einer „Insel“, solange mindestens ein Baum drauf steht. Dummerweise leben hier Kormorane, die unter Naturschutz stehen, deren „Bird-Poop“ aber so ätzend ist, dass die Bäume kaputt gehen und irgendwann zerbröseln. Somit ist der Felsen dann keine „Insel“ mehr, sondern vielleicht erst in 30 Jahren wieder, wenn der nächste Baum gewachsen ist, nur für die Zeit ist das Ding ja nix Wert … oh je, das ist alles ein Drama.

Schön war‘s. Und „great“ natürlich auch.

Bye Bye Ontario!

Nachtrag 04.08.23:

Und wenn man hier ne Pizza bestellt, dann gleich richtig.

IMG_6961Wenn Canadier zum Campen fahren dann nehmen sie die halbe Wohnung mit und hängen noch ihren roten Pick Up hinten dran

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88) Postkarte aus Ontario – 2

Hier gibt‘s so viel zu sehen und davon auf seine Weise sehr speziell, da werfe ich doch mal glatt eine weitere Postkarte in den Kasten.

Weiter ging es entlang des „Schönen Wassers“ … Auflösung: Ontario. Hier ist noch einmal alles bigger and greater als im Eck von Québec (… reimt sich … extra so gemacht 😉 )

Ein kurzer Stopp in Barrie zeigt wie erklärungswürdig doch hier die Elektro-Mobilität noch ist und dass du dein Leben in Übersee verlieren kannst, um Nazi‘s zu jagen und dann setzt sich eine Möwe auf deinen Kopf und du kannst dich nicht mehr wehren. Blöd.

Ein Tagesausflug an den „Ort der Zusammenkünfte … Auflösung: Toronto … macht klar wie klein und provinziell unsere hippe Hauptstadt zu Hause doch eigentlich ist. Was ich ganz cool fand war, wie sich alt und neu abwechseln und teilweise miteinander verschmelzen … und das Hochhäuser auch Gesichter haben können.

Und ja … der CN Tower ist höher als der Fernsehturm in Berlin … na und? Dafür wurde unser Turm mit Ost-Mark bezahlt, auf Sand gebaut und das schon sieben Jahre eher. Immerhin!

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Kensington Market fand ich sehr nett und auch die Queens Street. Wer da einen echten Berliner Döner essen will, geht zu „Otto“. Man sollte nur ab und zu den Parkplatz wechseln, sonst bahnt sich die Natur einen Weg durchs Auto und dann kommst‘de da nich‘ mehr weg.

Kanadier sind verrückt nach Eishockey. Wenn es dann mal kälter wird, frieren sie an der Bande fest und tauen erst im nächsten Sommer wieder auf.

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Politisch wird‘s natürlich auch hier und da. Sehr cool! Selbst in Toronto sind der Despot aus dem Kreml und die AfD ein Thema, obwohl die Nachricht an dem TV-Screen in der City ja gut ist.

Weiter südlich kommen dann die tosenden Wasser … Auflösung: Niagara Falls. Ein beachtlicher Ausguss, den sich USA und Kanada teilen und um den ein Halli-Galli-Land herum gebaut wurde.

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Wer mag, kann man sich Plastiktüten drüberziehen und mit einem Boot bis an die 60 Meter hohen Wasserfälle heranfahren und nass spritzen lassen. Und noch dafür zahlen. Dann fangen alle an zu kreischen und man kriegt mal ein wenig Gefühl, wie es sich auf einem Boot voller Menschen auf Flucht anfühlen kann. Die Plastiktüten der Amerikaner sind blau, die Plastiktüten der Kanadier sind rot. Dass da bloß keiner abhaut und auf der anderen Seite vielleicht noch Sozialtourismus betreibt.

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Und dann gibt‘s noch zig „Entertainment“ und „Geld-aus-der-Tasche-ziehen-Möglichkeiten, die weitere Dollars einspülen oder rausspülen. Je nach dem wer man ist.

Beeindruckend. Eigentlich ist das nur eine Laune der Natur. Zwei gigantische Boden-Fliesen, schlecht verlegt und damit auf unterschiedlicher Höhen, an deren Kanten nun das Wasser runterläuft 😉

Eigentlich.

<— 88) Postkarte aus Ontario – 2

—> 89) Postkarte aus Ontario – 3

87) Postkarte aus Ontario – 1

Am 24.07.2023 trieb es uns weiter westwärts. Wir verließen die Provinz Québec mit Ziel „da wo der Otter war“ und befinden uns nun in der Provinz Ontario. Dieses Ontario unterscheidet sich schon deutlich von Québec. Die charmant französisch anmutende Lebensart verschwindet mit jedem Kilometer (über 2.500 km haben wir nun auf der Uhr) und es wird deutlich US-amerikanischer. Sprachlich, optisch und leider auch kulinarisch.

Und natürlich gab‘s auch in Ontario wieder einige Skurrilitäten zu entdecken und wenn nicht nicht, dann gab‘s auch „etwas“ Landschaft hier, die man notfalls vor die Linse zerren kann.

Auf dem Weg nach Ottawa, war ich schon entsetzt, wie die Leute hier die Besorgungen organisieren. Da gehen die Männer shoppen, die Dame des Hauses wird einfach draußen angehangen. Ist preiswerter auf Dauer 😉

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Neben Obdachlosenheim und Drogenmeile gegenüber dem Hotel (später mal mehr dazu), hat die Stadt viel Regierungs-/Banken-/Diplomaten-Architektur zur bieten und „promoted“ an jeder Laterne den „Dienst fürs Vaterland“. Kirchen in Québec und Ontario sehen aus, als wären sie gerade erst gebaut worden. Nun gut, sind ja auch im Prinzip. Die ersten Christlichen Einwanderer kamen im 16. Jahrhundert und dann hatten die sicher erst einmal andere Sorgen, als sofort eine Kirche aus dem Boden zu stampfen. Einen Weltkrieg gabs hier m.W. auch nicht, also ist das alles noch „Erstbezug“. Fast alle Kirchendächer sind eigenartig „bemalt“ oder zumindest mal nicht aus Kupfer. Sieht aus als wäre da ein Kind mit Lack aus dem Modellbaukasten drübergegangen.

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Das mit dem Internet und dem Neuland haben die hier besser drauf. In jedem Laden und Restaurant zahlst du mit Kreditkarte und das Lesegerät bietet dir per Knopfdruck die Möglichkeit, vordefinierte Prozentsätze an Trinkgeld draufzuschlagen. Großartig. Liebes Germanenland, das bitte unbedingt übernehmen!

Selbst in der Kirche kann man quasi im Vorbeigehen spenden.

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Aber wehe du willst mal einen besuchen und weißt nicht mehr welche Etage er wohnt.

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Cannabis (und nicht nur das … aber dazu später mal) ist ein großes Thema. Offizielle Shops gibts an jeder Ecke, so hätten wir unsere deutschen „Schleckerfrauen“ sicher unterbringen können. Man wird eingeladen sein Haustier mitzubringen und Konsumenten mit Alter 55+ kriegen ordentlich Rabatt. Weder habe ich Haustiere, noch bin ich 55+, aber man arbeitet bereits dran.

Kiffer-Shops gibt‘s zwar an jeder Ecke, aber wenn man im Umkreis von 9 Metern an der Bus-Haltestelle raucht, wird es teuer.

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Stellt man sich als vor einen haushaltsüblichen Pick-Up und geht dabei etwas in die Knie, kommt man auf die Höhe eines Kinderkopfes, das sieht dann ungefähr so aus.

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In Huntsville trafen wir auf einen tollen General Store, den Vorgänger der eisgekühlten Mall. Huntsville ist benannt nach einem Mr. Hunt, der hier irgendwann mal Halt machte und eine Post gründete. Kein Witz.

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Und auch hier, sehe ich wieder Gesichter.
Es ist die Schildkröte Morla.

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Aus die „Unendliche Geschichte“.
Von Michael …
Ende

<— 86) Postkarte aus Québec – 3

—> 88) Postkarte aus Ontario – 2

59) Abseits – Vol 1

Noah setzte den Blinker, ging vom Gas und verließ die Route 60 in Richtung Peck Lake. Er folgte der abschüssigen Schotterstraße zum ausgeschilderten Parkplatz. Nur noch wenige Meter waren es zu dem Platz, den er sich ausgesucht hatte. Er hätte fast jeden Platz haben können, denn einsam und ruhig war es hier. Nur knirschender Kiesel unter den Reifen war zu hören, das leichte Brummen des Mietwagens und ein Album von Springsteen, was schon die ganze Fahrt in Endlosschleife lief.

Er stellte den Motor ab und warf einen Blick auf sein Telefon, als er es aus der Mittelkonsole in die Hosentasche verfrachten wollte. „Kein Netz“. Herrlich. Für die Dauer der Wanderung gab es also keine Möglichkeit, gestört zu werden. Nicht mal einen Notruf könnte er hier absetzen. Und wenn schon. Bevor es losgehen konnte, musste Noah noch eine unangenehme Sache tun. Das Auto verschließen, was leider nur mit einem Druck auf die Fernbedienung ging und jedes Mal mit einem Hupton quittiert wurde. Nervig und unpassend. Hier allein in der Stille. 

Er ging los und folgte dem Weg um den See herum. Die Strecke war nicht allzu anspruchsvoll, so konnte er nebenbei ein paar Gedanken schweifen lassen. Auf der Hälfte der Strecke traf er einen Mann in Uniform. Ein Park Ranger offensichtlich. Noah hatte eigentlich keine große Lust auf Konversation in der Einsamkeit dort. 

Aber er gab sich einen Ruck und sprach den Mann an:

Hey, how are you?
May I ask, what do you do here every day?

Oh, thanks, I am great. Couldn‘t be better.
Taking care of this and that. Every day.
And what do you do regularly?

Noah kam ins Grübeln.

Mhm. Actually, I do more or less the same as you do.
Taking care of this and that. Every day.

Oh, that sounds great, erwiderte der Ranger.

Noahs Blick schweifte über den See.

Well … actually … I would … , stammelte Noah, brach ab und blickte zurück zum Ranger. Der Ranger war weg.

Eine weitere Stunde später war Noah zurück am Auto. Er drückt die „Öffnen-Taste“ der Fernbedienung, der Wagen hupte nicht, denn das tut er nur beim Verschließen.

Er startete den Wagen, das Springsteen-Album setzte automatisch fort. 

„The road is long and seeming without end
The days go on, I remember you my friend
And though you’re gone and my heart’s been emptied it seems
I’ll see you in my dreams“

Noah fuhr die Route 60 weiter in Richtung Osten.
Beim Abzweig Source Lake und Bruce Lake setzte er den Blinker und ging vom Gas …