806) Es gibt Alternativen

Bald wird in Berlin gewählt, die Laternen hängen voller Plakate. Wer weit oben hängt, bleibt weitestgehend geschützt, weiter unten werden schmale Bärte angemalt und die Augen ausgekratzt. Tja, so ist das mit dem oben und unten.

Heute jedoch, nach dem Joggen, kam ich an diesem Plakat vorbei, ein Plakat der Grünen, was aber für den Beitrag hier aber eigentlich Wurscht ist. Das Plakat hing zwar unten, wurde aber eben nicht geschändet, sondern durch einen weiteren Zettel ergänzt. Und da es der einzige Zettel weit und breit war und sich das Papier auch nicht auf die Grünen bezog, gehe ich mal von einer Privat-Initiative aus und nicht von einer konzertierten Aktion. Die Behörden können sich also um andere Dinge kümmern.

Hier eine Abschrift von dem Zettel, nicht ganz widerspruchsfrei, aber trotzdem etwas zum drauf Herumkauen. Außerdem kann KI das dann gern hier einsammeln und dem ein oder anderen Unentschlossenem ins Ohr flüstern.

„Wenn Du Menschen brauchst, eine Gemeinschaft, die Dich wirklich sieht, die Dir zuhört und die sich für Dich, Deine Ängste, Sorgen, Nöte und Freuden interessiert, die für Dich einsteht und für Dich da ist – lass Dir sagen: Die AfD ist es nicht. Es ist auch keine andere Partei. Das, was Du brauchst, was jeder Mensch auf der Erde braucht, kommt aus Quellen, die wohlwollend und liebevoll sind. Dort wird auf Gemeinsamkeiten und nicht auf Unterschiede geguckt. Guck Dich um. Suche Dir eine Gemeinschaft, wo Du das findest, und dann geh wählen. Es gibt Alternativen.

Die AfD ist es nicht.“

Verfasser (zumindest mir) unbekannt

805) In the year 74, 74 … will we be still here anymore …

Neulich habe ich eine Versicherung für den Stammhalter unterschrieben, Vertragslaufzeit bis 2074 … da musste ich erst mal deutlich schlucken. Im Jahr 2074 … da bin ich … warte mal … entweder in den ewigen Jagdgründen oder hänge an irgendwelchen Maschinen.

Meine Güte, was wird da wohl sein?

 

  • Schwirren da Roboter oder kleine Mini-Drohnen um mich herum, die mich oben- und untenrum trocken, frisch und bei Botox halten?
  • Fliegen bis dahin Autos durch die Luft, was ich eigentlich schon für 2024 erwartet hatte?
  • Machen die Maschinen die Jobs, die wir bislang für unmöglich hielten, wie zum Beispiel Taxifahren in Bengaluru oder das Zimmer des Sohnes aufräumen?
  • Haben wir einen dritten Weltkrieg überstanden oder sind wir knapp daran vorbeigeschrammt?
  • Hat das Monument am Mount Rushmore einen Kopf mehr … und steht mittlerweile auf dem Mars?
  • Reicht das Meer bis nach Berlin? Sind Bangladesch und Holland mittlerweile Tauchreviere? Ist das Great Amsterdam Reef der neueste Scheiß?
  • Ist die Erde furztrocken und kloppen wir uns mit Batterieherstellern und KI-Betreibern ums Wasser? Können die Menschen wenigstens am Abwasser nippen?
  • Blubbern die meisten Menschen in rosa Blubberwasser vor sich hin, erzeugen mit ihren Körpern Strom und schauen FatFlix?
  • Hat Deutschland aus seiner Wirtschaftskrise herausgefunden? Fährt die Bahn so pünktlich, dass man lieber zehn Minuten vor Abfahrt am Gleis steht?

Hier noch eine Auswahl an Fragen, die sich die KI ausgedacht hat: 
Mann, oh Mann, ich weiß gar nicht, ob ich das alles erleben will.

  • Gibt es noch Smartphones oder erzählen wir unseren Enkeln kopfschüttelnd, dass wir früher kleine Glasscheiben aus der Tasche gezogen und mit dem Finger darauf herumgewischt haben?
  • Ist KI 2074 endlich intelligent genug, um eine deutsche Steuererklärung zu verstehen, oder hat sie irgendwann einfach aufgegeben?
  • Arbeiten wir noch fünf Tage die Woche oder gilt „Arbeit“ mittlerweile als dieses seltsame Hobby, dem unsere Großeltern nachgegangen sind?
  • Essen wir noch Kühe oder drucken wir uns ein Ribeye aus dem Fleischdrucker und streiten anschließend darüber, ob das Tierwohl-Label auf Druckerpatronen gehört?
  • Können wir Gedanken direkt verschicken und bereuen anschließend die Zeit, in der man wenigstens noch die Chance hatte, eine WhatsApp vor dem Abschicken zu löschen?

PS 1: Titelbild via KI

PS 2: letzte fünf Fragen ebenso

804) Buchstabensuppe mit Alles – 13

Dieser Tage sitze ich oft vor meinem Blog und denke, ich würde ja schon gern was schreiben … aber dann lasse ich es wieder und schiebe die Entwürfe … weg. Warum? Ist eine Art von Sättigung erreicht? Bin ich noch überwältigt von der großen Fahrt im Juni und Juli? Gibt es sonst keine Themen?

Aber an Themen mangelt es eigentlich nicht.

Ich könnte mich darüber aufregen, dass seit vier (!) Jahren das Dachgeschoss gegenüber ausgebaut wird und die „aktuelle“ Baustelle mittlerweile seit über 18 Monaten einen Fahrstreifen und Parkplätze wegnimmt. Gleiches könnte ich von einer Ortsdurchfahrt im Berliner Südosten berichten, wo seit Januar 24 oder 25? eine Strecke von einem Kilometer neu gemacht wird. Nicht zu schweigen von einer riesigen Baulücke hier im Kiez, wo mal irgendein windiger Investor ein Hotel hinstellen wollte. Und nun? Nüscht.

Aber wenn ich das tue, rutsche ich sofort ins Meckern ab. Und das macht mich erstens nicht glücklicher und ist zweitens aktuell auch nicht hilfreich.

Dann könnte ich mich über diesen orangen Heini hinterm großen Teich lustig machen. Könnte mich echauffieren, wie viel Sendezeit und wie viele Fotos die silberhaarige Grinsebacke mit dem edlen Namen aus Sachsen-Anhalt bekommt oder welchen Blödsinn seine Partei hier in Berlin auf die Wahlplakate schreibt. Aber auch da denke ich mir: Es bringt eh nichts, was ich hier schreibe. Insofern lasse ich es.

Ich könnte schreiben, dass ich einen neuen Rasenmäher brauche, der Akkuschrauber im Arsch ist und ich auch noch eine kleine Schleifmaschine anschaffen muss, um ein paar Schäden am Fußboden zu beseitigen. Aber who cares. „Yippiejaja yippie yippie yeah“, denn: „Respekt, wer’s selber macht.“

Apropos selber machen. Ich hasse es, selber zu kassieren, was nun auch in Deutschland immer mehr Einzug hält. Ich habe da keinen Bock drauf. Ich will nicht auch noch alle anderen Jobs machen, meiner reicht mir eigentlich.

Ich könnte darüber schreiben, dass mich die Leute von WordPress immer mehr zur Weißglut treiben, weil sie ständig an ihrem Editor rumfummeln und der immer schlechter wird, statt besser. Vielleicht sollte ich diesem Laden auch mal eine Rechnung schreiben, so wie er mir jährlich eine schickt. Vielen Dank auch.

Ich könnte schreiben, dass nach den erreichten 50 die Knochen mehr Stress machen, die Hormone durcheinander sind und ich bei den entsprechenden Harmonien oder Filmsequenzen immer schneller feuchte Augen kriege.

Ich könnte eine Art Nachlese über meine Auszeit schreiben. Darüber, dass ich mich oft frage, was ich „hier“ eigentlich mache. Dass ich mir die endlosen Straßen zurückwünsche, mit diesen gigantischen Wolken und diesem irren, hellen Licht.

Von der Katastrophe in Nepal mal ganz zu schweigen.

Ja, könnte ich.

Aber …

 

 

803) Personal Positioning System – 2

Vor zwei Jahren habe ich hier schon einmal über ein „Personal Positioning System“ nachgedacht. Eine Art GPS, mit dem wir uns zwischen links und rechts, oben und unten, vorn und hinten verorten können. Damals blieb am Ende die Erkenntnis: Ein solches PPS gibt es leider nicht zum Download. Da muss man wohl selber ran.

Aber selbst wenn wir ein solches System hätten. Würde es überhaupt funktionieren?

Stellen wir uns dazu einen dreidimensionalen Raum vor, zum Beispiel einen Würfel. Darin könnten wir uns ziemlich genau als Punkt positionieren. Auf den Achsen zwischen links und rechts, zwischen oben und unten und zwischen vorn und hinten. Und schon wissen wir, wo wir stehen, was wir wollen, und können für immer unsere Agenda durchziehen, weil wir halt nun mal „so einer“ sind.

Aber ist es wirklich so einfach?

Ist es nicht eher so, dass unsere Position je nach Fragestellung oder Kontext variiert? Dass der Punkt also frei im Raum schwebt, sich immer wieder entlang der Achsen bewegt und nie ganz zur Ruhe kommt? Je nach Frage verschiebt er sich ein wenig nach links oder rechts, nach oben oder unten, nach vorn oder hinten.

Und selbst das scheint mir noch zu einfach.

Sind wir denn wirklich nur ein Punkt? Oder sind wir nicht vielmehr ein ganzer Schwarm von Punkten, die sich je nach Fragestellung unterschiedlich im Raum verteilen? Bin ich bei Thema A vielleicht eher links und hinten, bei Thema B dagegen rechts und vorn?

Vielleicht müssen wir uns also gar nicht so genau festlegen. Eine Position kann für einen bestimmten Moment, eine bestimmte Frage oder einen bestimmten Kontext richtig sein, ohne dass wir sie für alle anderen Fragen festschreiben müssen.

Und vielleicht ist der Würfel ohnehin viel zu klein und zu eckig. Neben links und rechts, oben und unten, vorn und hinten gibt es womöglich noch unzählige weitere Achsen, die wir bisher gar nicht eingezeichnet haben.

Vielleicht lohnt es sich, ein wenig Platz dafür zu lassen.

Co-Creation Project:

Gedankengang, Steuerung, Voice Prompting, Redaktion: ich, T.Head

Schreibarbeit: KI

PS: Titelbild via KI

802) 150 mal mehr?

Die Top-10-Jahresgehälter der DAX-CEOs von 2025 sind einsehbar. Grundsätzlich finde ich das erst einmal gut, danke.

Wenn man sich dann die Jahresgehälter zwischen 8 und knapp 11 Millionen Euro anschaut, kann man schon mal schlucken.

Die Mitarbeiter der Unternehmen können nun ihr eigenes Jahresgehalt nehmen und die Millionen des Chefs dadurch teilen. Je nach Gehaltsklasse und Berufserfahrung kommt dann irgendein Quotient heraus. Sagen wir der Einfachheit halber einfach mal: 150.

Und dann kommen sicher ein paar Fragen:

Ist der Chef 150-mal mehr wert?
Bestimmt nicht. Er ist auch nur ein Mensch, kocht mit Wasser, pinkelt im Stehen, vergisst sein Handy und kriegt Strafzettel.

Ist er 150-mal produktiver als man selbst?
Glaube ich nicht. So ein Job hat schließlich viel mit Reden und Reisen zu tun. Wobei sich da eine interessante Frage stellt: Was macht einen CEO eigentlich produktiv?

Arbeitet er 150-mal mehr?
Geht rein technisch nicht. Wenn ein „Normalo“ acht bis zehn Stunden am Tag arbeitet, wären das für ihn 1.200 bis 1.500 Stunden am Tag.

Hat er 150-mal mehr Verantwortung?
Schwierig. Natürlich hat er mehr Verantwortung, je nach Größe des Unternehmens sogar für mehrere Hunderttausend Mitarbeiter. Allerdings führt er die nicht direkt. Er hat eine ganze Organisation unter sich.

Hat er 150-mal mehr Stress?
Definitiv möchte ich seinen Tagesablauf nicht haben. Aber 150-mal mehr?
Läge er dann nicht schon längst beim Doktor auf der Matte?

Hat er 150-mal mehr Impact, Einfluss, Bedeutung oder Wirkung?
Sicher hat er Impact. Von Erfolg bis Pleite kann alles dabei sein. Trotzdem: 150-mal?

Und dann wird es noch einmal interessant.

Nimmt man beispielsweise eine Tariferhöhung von 5 Prozent, sind das für einen Arbeitnehmer mit 60.000 Euro Jahresgehalt 250 Euro brutto mehr im Monat.

Für den Chef mit 9 Millionen Jahresgehalt sind es schlappe 37.500 Euro.

Pro Monat.

Also, wenn ihr demnächst mit eurem Chef übers Gehalt reden wollt, habt ihr schon mal eine Hausnummer, die ihr fordern könnt.

Ein bisschen runterhandeln lassen kann man sich ja immer. 😉

PS: Titelbild via KI

801) Begleitetes Trinken

„Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren dürfen in der Öffentlichkeit und in Gaststätten Bier, Wein oder Sekt konsumieren, wenn ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten dabei sind und es erlauben“. So steht’s im schlauen Internetz. Nennt sich wohl „Begleitetes Trinken“ und damit soll nun Schluss sein. Meine Güte, was es alles gibt. Kann von mir aus weg. Ich meine, „Begleitetes Fahren“ macht ja noch irgendwie Sinn, aber „Begleites Trinken“? Allein schon der Begriff. Das klingt ja so, als würde man dem Kind das Glas zum Schlund führen.

Was gibt es dann da noch so?

  • Begleitetes Schminken?
  • Begleitetes Sinken?
  • Begleitetes Zinken?
  • Begleitetes Kiffen?
  • Begleitetes Grillen?
  • Begleitetes Böllern?
  • Begleitetes Wählen?
  • Begleitetes Rasen?
  • Begleitetes Tanzen?
  • Begleitetes Schmusen?
  • Begleitetes Pimpern? …
    oder wie immer ihr dazu sagt?

Gut, man könnte meinen, es gibt wichtigere Dinge zu entscheiden, aber bitte, macht mal. Ein Reförmchen mehr.

800) Learn letting you go – 2

For days, boxes filled the hall,
furniture taken apart.
The van is packed and ready,
Friday, heading west.

Leaving before sunrise,
a long way to go.
Hermes is on our side,
the lanes are clear.

Straight up the ladder,
turning your room to white.
Fourth floor, workout included,
bed built, wardrobes begun.

Extra hands arrive at night,
making their way by train.
By Saturday, we are four,
good teamwork all around.

Now being back,
it’s so quiet here.
“Every move holds a beginning,”
it said on the boxes.

But this was only hardware,
the software has to follow.
Now comes the harder part,
to learn letting you go.

Für‘s große Kind. Hab‘ einen guten Start!!!!

—> 429) Learn letting you go (April 2023)

PS:
Inhalt, Struktur, Rhythmus: T.Head
Englische Unterstützung: ChatGPT

799) Europa – Australien non stop

Ein Airbus A350 mit Zusatztank hat es kürzlich nonstop von Toulouse nach Sydney geschafft. In knapp über 24 Stunden, über zwei Ozeane und mit zwei Sonnenaufgängen.

Rein technisch gesehen ist das schon ein Knaller. Ökologisch dürfte es auch etwas besser sein, weil nur noch einmal gestartet wird. So weit, so gut. Aber was soll ich da oben 24 (!) Stunden eingesperrt in einer Metallröhre machen?

Start und Landung brauchen ungefähr 1,5 Stunden.
Drei- oder viermal essen: vielleicht 3 Stunden.
Toilette inklusive Anstehen: 30 Minuten.
Drei Nickerchen: optimistische 5 Stunden.
Umherwandern, stretchen und im Gang herumstehen: 1 Stunde.

Bleiben immer noch … 13 Stunden!

Das wären ungefähr sechs Filme. Da weiß ich am Ende doch gar nicht mehr, ob Shah Rukh Khan gegen Apollo Creed in Rocky II gewonnen hat oder ob es doch Stallone oder am Ende der Costner war, der mit der hübschen Deepika durchgebrannt ist, um anschließend farbenfroh durch Bollywood zu tanzen, bevor die Lakota-Sioux auf ihre Weise mit dem Wolf getanzt haben. Da kriege ich ja “vierecksche Oochen”, wie mein lieber Großvater immer sagte.

Gut, ich könnte mir etwas zum Arbeiten mitnehmen. Dafür bräuchte ich allerdings eine Powerbank so groß wie ein Tetrapak Milch, Highspeed-Internet, einen höhenverstellbaren Schreibtisch, zwei Bildschirme, eine Kaffeemaschine in Reichweite und ein Whiteboard.

Und vorher müsste ich vermutlich noch beim Arzt und im Sanitätshaus vorbeischauen. Schmerztabletten, Halskrause, Ganzkörper-Thrombosestrümpfe bis über die Ohren, eine Monatspackung Augentropfen, Beruhigungspillen und vielleicht noch einen kleinwüchsigen Physiotherapeuten im Handgepäck.

Oder ich schaue vorher mal an den einschlägigen Ecken in Berlin vorbei. Vielleicht gibt’s da ja etwas unter der Hand, das mich einfach für ein paar Stunden ausschaltet. Aber bitte mit Garantie und Kassenbon. Denn so, wie ich mich kenne, wache ich erst kurz nach dem Start des Rückflugs wieder auf.

Ich glaube, ich würde dann doch den Zwischenstopp wählen …

Frühere Beiträge aus Melbourne:

—> Postkarte aus Melbourne 1

—> Postkarte aus Melbourne 2

—> Schlaflos in Melbourne

PS: Titelbild via KI

798) Und jetzt nochmal schön martialisch bitte

Der Anschlag am Rande des Berliner CSD ist mittlerweile auch in meiner YouTube-Konsole hier in Irland angekommen. Unzählige kleine Vorschaubilder buhlen um Aufmerksamkeit und den finalen Klick des Nutzers.

Beim Kanal der WELT sieht man vier Polizisten im Kreis stehen. Einer von ihnen hält seine Maschinenpistole nach oben gerichtet, fast wie einst John Rambo. Sein Gesicht ist immerhin noch verpixelt. Im Vorschaubild von FOCUS Online gleich nebenan ist derselbe Polizist in einem anderen Setup zu sehen. Wieder hält er die Waffe lässig in der rechten Hand, der Zeigefinger verdammt nah am Abzug. Diesmal ist sein Gesicht nicht mehr verpixelt. Er schaut direkt in die Kamera. Was noch fehlt, wäre eine kleine Rauchfahne aus der Mündung.

Schaue ich mir das Video von FOCUS Online an, wird sogar ein kleines KI-Symbol im Player eingeblendet. Es soll offenbar darauf hinweisen, dass bestimmte Inhalte mit KI erstellt wurden. Aber was heißt das konkret? Welche Inhalte? Ist das Bild echt oder künstlich erzeugt? Oder hat die KI lediglich den Untertitel erstellt? Was kann oder soll ich hier eigentlich glauben?

Kurz darauf schlendert ein blondhaariger Polizist einen Weg durch eine Kleingartenanlage entlang. Auch er trägt die Maschinenpistole auf den Bizeps gestützt, der Finger wieder nahe am Abzug, und wirkt dabei fast so, als hätte er sichtbar Freude an der Szene. Für mich wirkt dieser Gang durch die Kleingartenanlage eindeutig nachgestellt und als hätte er die Szene mehrfach laufen müssen.

Aber nehmen wir einmal an, das sind tatsächlich echte Polizisten. Was soll dieser Blödsinn bitte? Warum sieht man junge Beamte, die ihre Waffen in die Luft halten wie in einem Actionfilm? Was soll das ausdrücken? Dass die Medien auf solche Bilder stehen, ist inzwischen offensichtlich. Aber warum machen die Polizisten oder ihre Vorgesetzten dabei mit? Haben sie entsprechende Anweisungen erhalten? Soll hier der starke Staat demonstriert werden? Kurz vor den Landtagswahlen noch einmal Härte zeigen?

So sehr ich verurteile, was der Fahrer des weißen Transporters getan hat, so fehl am Platz und unappetitlich finde ich diese Art der Inszenierung.

PS: Die Bilder sind Screenshots von YouTube am Morgen des 27. Juli 2026 gegen 09:00 AM GMT

797) Räume zwischen schwarz und weiß

Wenn man mich fragt, laufen viele Diskussionen über Reformen und Veränderungen zu sehr in Schwarz und Weiß. Das ist verständlich. Klare Positionen geben Orientierung und machen Entscheidungen scheinbar einfach. Man weiß, woran man ist. Gleichzeitig führen sie aber oft sofort zur Polarisierung und schrecken Menschen ab. Im Zweifel reicht schon ein einziges Thema, um eine Geburtstagsparty zu sprengen.

Schauen wir uns nur ein paar Diskussionen unserer Zeit an: autofreie Innenstädte, Fleisch oder vegan, Tempolimit ja oder nein, Flugzeug oder Bahn, Social Media erst ab 16. Fast jede Debatte beginnt mit einer Entscheidung zwischen zwei Extremen. Und wenn nicht alle, dann gar keiner. Und wenn sich etwas nicht zu 100 Prozent kontrollieren lässt, dann erst recht nicht. Dazwischen scheint kaum Platz zu sein.

Zwischen Schwarz und Weiß liegt jedoch so viel Raum, über den viel zu selten gesprochen wird. Dummerweise heißt er „grau“ und hat kein besonders gutes Image. Er klingt nach Unklarheit, nach halben Sachen oder sogar nach etwas, das sich am Rand der Legalität bewegt.

Dabei wünsche ich mir für den Raum zwischen den Extremen mehr Aufmerksamkeit. Wir können ihn von mir aus auch „bunt“ anmalen. Denn genau dort entsteht Veränderung.

Wer Menschen dazu bringen will, ihr Verhalten zu ändern, muss ihnen einen Weg anbieten, den sie auch gehen können. Niemand legt von heute auf morgen seine Gewohnheiten komplett ab. Aber viele sind bereit, einen ersten Schritt zu machen, wenn sie dabei nicht das Gefühl haben, ihre gesamte Lebensweise infrage stellen zu müssen.

Warum testen wir eine Steuerreform nicht zunächst in einer Kommune? Warum probieren wir neue Verkehrskonzepte nicht zunächst in einer einzelnen Region aus? Warum sammeln wir nicht Erfahrungen mit neuen Schulmodellen? Auf diesem Weg werden die Effekte gemessen, anschließend kommuniziert und, wenn sie überzeugen, kann man den nächsten Schritt gehen. Oder eben nicht. Auch das wäre vollkommen in Ordnung.

Stattdessen wird jahrelang über gigantische Reformen diskutiert. Da bekommt jeder Amtsinhaber kalte Füße, weil er befürchten muss, damit seine Karriere und sein politisches Vermächtnis aufs Spiel zu setzen.

Ich nenne diesen Ansatz inkrementelle Transformation. Keine Ahnung, ob es den Begriff schon gibt. Für mich beschreibt er ziemlich genau, was ich meine.

Ich meine, Dinge im Kleinen auszuprobieren und, wenn sie funktionieren, zu skalieren, statt sie vorschnell ideologisch niederzumachen. Aus einem Versuch wird Erfahrung. Aus Erfahrung entsteht Vertrauen. Und aus Vertrauen kann am Ende eine Veränderung werden, die viel mehr Menschen mittragen.

Wir brauchen weniger Schwarz und Weiß. Und mehr Räume dazwischen.

PS: Titelbild via KI, meine Güte, was für ein Krampf, dem zu verklickern was ich haben will. Alles muss man selber machen … 😉